Generierte Mitschrift
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Einleitung und biblischer Rahmen
Jesaja 35 im Alten Testament in den ausgelegten Bibeln, Seite 677. Dieser Abschnitt wurde früher am Totensonntag gepredigt, und es ist gut, dass man ihn jetzt auch hier für den zweiten Advent vorgesehen hat.
Ich lese das ganze Kapitel:
Die Wüste und das Öde wird frohlocken. Und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien. Sie wird blühen und jubeln in aller Lust und Freude. Die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, die Pracht von Karmel und Saron. Sie sehen die Herrlichkeit des Herrn, die Pracht unseres Gottes.
Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie. Sagt den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache, Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen. Und wo es Dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, sollen Gras und Rohr und Schilf stehen.
Und es wird dort eine Bahn sein, die der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten, nur sie werden auf ihm gehen. Auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird auch kein Löwe sein, und kein reißendes Tier wird darauf gehen. Sie sind dort nicht zu finden. Sondern die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen. Ewige Freude wird über ihrem Haupte sein. Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen werden entfliehen.
Herr, gib uns das Verständnis für deine neue Welt. Amen!
Die Spannung zwischen Vorfreude und Gottes Kommen
Liebe Schwestern und Brüder,
Vorfreude ist etwas Schönes. Es gibt Leute, die freuen sich am Sonntagabend schon auf das nächste freie Wochenende. Vorfreude ist so schön, und davon leben sie dann die ganze Woche lang, auch wenn es hart hergeht im Geschäft.
Und es gibt ja manche unter uns, die freuen sich auch auf Weihnachten. Der zweite Advent ist da schon ganz nah dran. Vorfreude ist etwas Schönes.
Aber dieser zweite Advent will uns ja noch viel weiter hinausblicken lassen, weiter als den Jahreswechsel, weiter als das Jahr 1983, wo manche vielleicht von Ihnen jetzt die Stirn runzeln und sagen: Puh, vor dem Jahr habe ich sowieso schon Angst. Wie wird das weitergehen? Vorfreude: Jesus kommt als das feste und sichere Datum. Das steht da.
Aber wir wissen ja, dass viele Leute dabei immer etwas Beklemmung empfinden, wenn man davon redet, dass Gott kommt. Ich muss Ihnen jetzt doch noch kurz das zeigen. Wenn Sie Ihre Bibel nur anschauen und das Kapitel vorher ansehen, das wollen wir auch nie in solch einer Predigt unterschlagen, und es soll am Anfang dastehen.
Nicht nur das eine Wort, bei dem einer vielleicht gedacht hat: Gehört das in den schönen Text hinein, wenn von der Rache Gottes die Rede ist? Ganzes Kapitel 34 steht da, wenn Gott Ernte macht über dieser Welt. Es ist furchtbar, wie der Todesgeruch über dieser Welt liegt, wie das Wort Gottes vom Gestank der Leichname redet, von den Völkern, die vor Gott verstoßen sind, wenn Gott unsere Missetaten in sein Licht zieht.
Das ist beklemmend, wenn Gott Gericht hält. Aber was ist dann das, was wir gerade gehört haben?
Wer zu den Erlösten gehört
Dieses ganze Kapitel 35 ist von einer eng umrissenen Gruppe von Menschen gesagt. Das gilt nicht jedem. Es heißt dort zweimal, dass es von den Erlösten des Herrn handelt. Und das ist heute, am zweiten Advent, eine Gewissensfrage an Sie: ob Sie zu diesen Erlösten des Herrn gehören.
Was sind das für Leute? Das sind Leute, die herausgerissen sind aus der großen Zahl der Mitmenschen. Sie lassen sich nicht bloß einfach führen und treiben, so wie diese Weltzeit uns eben führt. Man will ja immer aussteigen. Heute gibt es wieder unter vielen jungen Leuten den Traum, dass man aussteigt und alternativ lebt. Aber richtig alternativ leben, das ist nach der Weise Gottes Leben, nach seinem heiligen Willen, damit wir an jenem Tag vor ihm leben können.
Und Sie können es auch jetzt auf die einfache Formel bringen, und so müssen Sie es sich überlegen: Gehöre ich dazu? Ist mir das wichtig, was mein Leben ausmacht in dieser Welt? Oder kann ich das heute an diesem Tag so sagen: Komm bald, Herr Jesus, ich brenne darauf, in deinem Licht zu stehen. Komm, Herr Jesus, wir warten auf deine Ankunft. Und diese Leiden der Welt müssen doch zu Ende kommen, und das Unrecht muss doch zu Ende kommen, und die Ungerechtigkeit. Komm, Herr Jesus, ich bin bereit.
Erlöste des Herrn, da drückt dieses Wort auch aus, dass man nicht aus eigener Kraft aussteigen kann aus dem, was uns durch unsere Zeit geprägt hat. Wir spüren das ja so stark, wie das uns bis in die innersten Fasern unseres Denkens prägt, was ebenso sündig und gottlos ist. Erlöste, das sind Leute, bei denen die Kraft Jesu so mächtig wurde, dass er sie herausgerissen hat aus diesem Strom der Menschen und sie ins Licht Gottes stellt.
Leben im Blick auf die Ewigkeit
Ich muss immer daran denken, wie viel Mühe wir darauf verwenden, unser irdisches Leben zu ordnen. Schön, dass Sie alle so fleißige und so pünktliche Leute sind. Wie viel da geschafft wird! Das fängt bei unseren Schülern an, wie die da sitzen, morgens früher aufstehen, um noch ihre Schulleistungen zu erhöhen. Und dann geht das ja gerade weiter mit Fortbildungskursen und mit all dem, was man sich noch später dazu erwerben muss, wie man im Beruf seinen Mann stehen muss, wie man sein Heim behaglich einrichten muss, damit man ein schönes und gutes Leben hat.
Wie viel Mühe verwenden Sie darauf im Vergleich dazu, dass Sie in die Ewigkeit Gottes hinein passen? Schieben Sie die Frage nicht weg. Wenn Sie heute Ihr Leben mit ganzer Energie auf die Ewigkeit Gottes, auf das kommende Jesusreich hin ausrichten, dann wird das seine Auswirkungen haben, auch heute für Ihr Leben.
Man hat das oft so ausgedrückt, als ob das die Leute weltfremd machen würde. Und wer an die Ewigkeit denken würde, der wäre vielleicht für dieses Leben nicht mehr richtig geeignet. Der wäre ein Mensch, der so wie ein Hans Guck in die Luft immer seine Augen da hochschweifen lässt und gar nicht mehr richtig auf dem Boden ist. Das ist ja völlig unsinnig.
Es ist interessant, dass gerade die treuesten Arbeiter in dieser Welt eine Ewigkeitshoffnung gehabt haben. Und wenn wir es durch die Kirchengeschichte hindurch verfolgen, dann waren immer wieder die Zeiten, in denen die Sehnsucht auf das Kommen Jesu groß war, Zeiten, in denen die Menschen ihr Leben geopfert haben für diese Welt. Warum denn? Weil sie nicht um ein paar vergänglicher Lüste willen lebten oder um ein bisschen Geld, das sie verdienen wollten, oder um ihr behagliches Heim oder gar um eine schlichte Pension. Sondern sie sagten: Ich achte mein Leben für nichts. Ich kann es verströmen in der Liebe, weil ich weiß, dass das Neue und das Wertvolle erst noch kommt.
Und das müssen Sie mit aller Leidenschaft bekämpfen, als ob diese Ewigkeitssehnsucht uns weltflüchtig macht. Das erst recht bindet uns an diese Welt, weil wir wissen: Das Schönste kommt noch. Und ich kann heute mein Leben hingeben, da, wo es benötigt wird, und mich hineinwerfen in die Bresche, da, wo Not ist. Das Schönste kommt noch.
Und das ist so unvorstellbar groß. Alle Worte, die Zeugen Gottes in der Bibel dafür gebrauchen, sind wirklich kümmerliche Bilder. Man kann es mit unserer Sprache nicht beschreiben. Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr je gehört hat, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.
Noch einmal: Für Erlöste des Herrn ist das Abscheiden von dieser Welt nichts Beklagenswertes, sondern Triumph und Verwandlung. Das ist groß und schön, und man kann jedem nur gratulieren, der dem Leiden dieser Welt entnommen wird und in den Frieden Gottes eingehen darf.
Davon steht hier viel in diesem Abschnitt, und ich will Ihnen jetzt zeigen, wie das für uns heute, für unser Leben, eine ganz wichtige Bedeutung hat, wenn man so in die Ewigkeit hinausblickt.
Standfestigkeit im Alltag und im Glauben
Zuerst: Da kann man fest auftreten. Ich formuliere das gern so. Ein paar von Ihnen haben es schon gemerkt: Das ist gerade der Spott der Ungläubigen, die uns oft vorwerfen und meinen, wir seien Träumer und Phantasten, wenn wir solche Hoffnung auf die neue Welt Gottes haben.
Und das sind Leute, die immer wieder sagen: Wir sind doch Realisten, weil wir auf die Dinge bauen, die man anfassen kann, auf die Dinge, auf denen man mit beiden Füßen stehen kann. Aber jetzt müssen Sie in diese Welt hineinblicken und sich selbst prüfen. In dieser Welt bekommt man wankende Knie. Davon spricht dieses Gotteswort, von den wankenden Knien.
Warum sind denn so viele Menschen verunsichert und fragend? Warum ist das denn so, dass keiner mehr die richtige Lösung weiß? Da kann man am Ende die Politiker auspfeifen und sagen, die sind schuld, die mischen und schlichten, die führen in eine neue Zukunft. Wissen die das denn? Wer weiß denn, wo der Weg langgeht? Und die große Unsicherheit, was man heute tun soll, ist da. Sicher gibt es ein paar, die schreien lautstark, die wissen es immer, wie man es machen soll und wie die richtigen Entscheidungen sein sollten.
Aber ich habe ehrlich gesagt zu diesen Phantasten auch keinen Mut und keine Zuversicht. Das mit den wankenden Knien ist so typisch auch für unsere Jahreswende 1982/83. Wohin soll man denn gehen? Was ist richtig?
Jetzt ist entscheidend wichtig, dass Sie Ihr Leben ausrichten auf die Ewigkeit Gottes, dass Sie Ihren Blick hinausrichten. Und dann können Sie fest auftreten. Dann können Sie mit Ihren Füßen richtig hinstehen und sagen: Ich weiß, was bleibt.
Auf einmal werden Sie sagen: Wenn ich von der Ewigkeit Gottes her plane, ist es völlig unwichtig, was heute das Menschenurteil über meine Entscheidungen schafft. Ganz unwichtig ist das. Sie werden sagen: Es ist ganz egal, wie viel finanziell herausspringt. Es ist ganz egal, ob die Menschen mir Lobesworte zurufen. Ganz egal. Ich bin unabhängig von alledem. Ganz egal, ob ich Lust dabei empfinde. Das ist ja für viele junge Menschen heute der Maßstab. Doch das ist gar nicht wichtig, sondern meine Taten werden bestimmt von der ewigen Welt Gottes.
Dann ist nur wichtig, dass ich heute in die Gerechtigkeitsordnung Gottes hineinpasse, dass ich seinen Willen tue, dass ich ihm gehorsam werde. Nur treu in den kleinen und großen Dingen, die mir aufgetragen sind. Jetzt kann man fest auftreten. Dann können Sie an ihrem Platz ganz ruhig ihren Dienst tun. Sie brauchen gar nicht zu hören, was dieser oder jener von ihnen will. Sie sagen: Gott will von mir dieses Amt, das will ich tun.
Ich möchte immer wieder bitten, dass auch die Mütter in ihrer Rolle treu bleiben und sich nicht unsicher machen lassen von allerhand Modegeschwätz, was heute die Aufgabe der Frau wäre und wo man Erfüllung findet. Lassen Sie sich doch nicht von jedem Lustonkel verführen, der Ihnen verspricht, wie Sie glücklich werden wollen und sollen, nur so, dass Sie einmal an jenem Tage vor Gott stehen können in seinem Reich.
Die Macht der dunklen Kräfte und der Mut des Glaubens
Schuld an den wankenden Knien ist auch noch etwas anderes. Wir sehen in dieser Welt, wie stark die dunklen Mächte bestimmend sind. Vielleicht bekommen immer mehr wieder ein Gefühl dafür, was das Wort Gottes uns immer zeigt: dass hier unheimliche Mächte am Werk sind, die diese Weltgeschichte gestalten und prägen.
Und der Mensch fühlt sich so wehrlos, ihnen ausgeliefert. Was soll ich als Einzelner tun, wenn die ganze Macht des Teufels hier auftrumpft? Ich muss mich doch anpassen. Nein, du kannst als Einzelner feste Tritte tun. Stärke, mach fest die wankenden Knie, lass ihn immer schlottern!
Leute, die Ewigkeitshoffnung haben, die können ganz allein stehen gegen eine Meute von Menschen. Unerschrocken las ich in den letzten Tagen ein Buch über die Bekehrung der ersten afghanischen Christen in der Mitte des letzten Jahrhunderts, als der erste Moslem in Afghanistan sich zu Jesus bekehrte. Und ihm riefen die fanatisierten Massen der Moslems zu: Wer den Islam verlässt, der muss sterben, der muss sterben!
Und dann ging er seinen Weg mit Jesus. Das hat ihn nicht berührt. Und wir lassen uns so oft irritieren von ein paar Leuten, die uns durcheinanderbringen.
Verheißung für Heimkehr, Heilung und neue Wege
Da wird dieser Abschnitt erzählt. Ursprünglich war das sicher gemünzt auf die Heimkehr der Gefangenen aus der schweren Straflagerhaft in Babel. Wenn ihr zurückkehren werdet, dann wird die Wüste, die ihr durchqueren müsst, wo die heißen Temperaturen herrschen und die Luft flimmert, ein Blumenmeer sein in der Freude, die Gott euch bereiten wird, wenn ihr heimkehrt.
Da haben manche schon gesagt: Das hat sich doch gar nicht so erfüllt. Das ist auch oft für unser Auge in dieser Welt gar nicht so sichtbar. Aber das ist wichtig, dass das schon in dieser Welt stückweise von Gott verwirklicht wird, was wir einmal mit den neuen Augen vollkommen sehen dürfen. Dass Menschen durch diese Welt hindurchgehen und erleben, dass schon die Wüstenstrecken und die Jammertäler, die sie durchqueren, voll sind von der Blumenpracht, die Gott hineinlegt. Immer wieder ist es ein Wunder, wenn er seine köstlichen Stärkungen da bereithält und uns ermutigt.
Und das kommt Ihnen jetzt vor, wie wenn ich von Gespenstern rede. Darum habe ich etwas ausgesucht, das mich von meiner Jugend an früh geprägt hat. Es gibt ein Buch, leider nicht mehr neu, nur noch antiquarisch, von Briefen gefallener Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Und dort sind auch die Briefe enthalten von einem jungen Mann, der im Alter von dreißig Jahren 1944 im Osten gefallen ist. Erschütternde Briefe, wie sie da sitzen vor einer Fähre und noch warten, bis sie hinauskommen aus dem Sperrfeuer, wie die Kugeln um ihren Kopf liegen, und dann sind sie abgeschnürt und kein Entkommen mehr aus dem Kessel.
Und dann schreibt er einen Abschiedsbrief: Hier im Tal des Todes ein kurzer froher Gruß mag ein letztes sein, was ich euch geben kann. Ich bin hier meine Straße fröhlich gegangen, mitten durch alle Schrecknisse des Krieges hindurch, und ich bin reich geworden in all der Armut des stillen Heimwehs. Mein Letztes an euch kann nichts anderes sein als ein fröhliches Lobsingen, wie ein helles, jubilierendes Osterlied. Ich habe seine Herrlichkeit gesehen, während die Kugeln um den Kopf heulen, wenige Stunden vor dem Tod. Christus ist mir gewesen wie ein Fels, wie ein Bruder. Und gerade in den schweren Stunden war er mir so nahe, dass mir keine Welt und kein Tod eine Erschütterung sein konnte.
Wenn ich scheiden muss von euch und von den Meinen, wenn ich nimmer heimkehren darf, dann weiß ich das eine so ganz gewiss: Ich darf in die Heimat, ich darf zu meinem Heiland. Mein Leben klingt nur in einem Ton aus, und er heißt: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Dass dies jetzt in ihre Dunkelheit hineinstrahlt, das ist der Sinn des zweiten Advents. Dass sie hinaussehen und dass sie aus den schweren Wegstrecken ihres Lebens schon solche Prachtstraßen machen, wo man seine Loblieder singt und sich des Herrn freut. Wo man hindurchblickt durch das, was so dunkel und so schwer ist, weil wir weitersehen durch den Horizont in die neue Welt Gottes.
Wie heißt das denn da? In dem anderen Kapitel, Jesaja 40: Die Knaben werden müde und matt, und die jungen Männer fallen. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Feststehen, nicht mit den Knien schlottern. Da heißt es, sie sehen die Herrlichkeit des Herrn, die Pracht unseres Gottes, heißt es im Vers 2, wenn die anbricht und schon hineinleuchtet in die dunklen Täler unserer Welt.
Kraft zum Dienen, zur Hoffnung und zum Lob
Aber noch etwas anderes möchte ich von dem Abschnitt unterstreichen: Das spornt an zum Tun, stärkt die müden Hände. Die Hände werden müde. Das hilft ja nichts mit dem dauernden Ermahnen. Ich glaube, die Christenheit tut heute so wenig, weil man dauernd mahnt. Das ist nie der Grund gewesen, dass einer irgendetwas angepackt hat.
Es geht heute sehr untätig zu. Da sitzen Leute drin, Gottesdienst für Gottesdienst, und die ganze Beschäftigung besteht darin, dass sie ein Gesangbuch aufschlagen. Wo ist die Aktivität? Wie können die Hände gestärkt werden, dass sie wirksam werden hier in dieser Welt?
Ach, sagen Sie, meine Hände sind so müde, ich kann nicht mehr. Die Schwermut lässt ja auch die Hände sinken. Da steht drin von den Lahmen und den Tauben. Es ist etwas Furchtbares um die Krankheit, und es gibt keinen Menschen in dieser Kirche, der nicht mit seiner Krankheit so oder so kämpfen muss. Jeder hat seine Schwäche und kann nicht so, wie er eigentlich will, mit seinen Gaben und mit seiner Kraft hinaus.
Da steht nachher da von dieser Prachtstraße der Wiederkunft Gottes, dass da kein Löwe und kein wildes Tier mehr darauf geht. Ein Bibelausleger hat bemerkt, es sei interessant, dass wir den unheimlichsten Krankheiten unserer Zeit gerne Tiernamen geben: Krebs oder den Knochenfraß, Lupus, Wolf. Und sagt, da sind die Streptokokken und die Bazillen und all das. Da darf man es mal so leidenschaftlich medizinisch ausdrücken, vielleicht erschrocken, wenn man so ein Beispiel wählen will.
Wie ist das? Was uns hier an Hoffnung gegeben ist, dass Gott unsere Schwachheit wegnimmt, unsere Krankheit wegnimmt, und dass ich auch als Christ heute nicht stehenbleibe an den Schwachheiten, die mich niederdrücken und belasten, sondern weiß, das wird alles Gott wegnehmen. Und ich will diese Krankheiten tragen, wenn nur der innere Mensch umso mehr erneuert wird.
Das ist schon schwer, wenn Gott so aktive und energische Menschen plötzlich lahmsetzt, weil das Herz nicht mehr belastet werden darf, weil der Organismus keine Kraft mehr hat. Aber die Hände werden trotzdem tätig sein, weil sie gestärkt werden in der Freude, dass wir einmal einen neuen Leib bekommen werden.
Jetzt muss ich Ihnen doch noch vom alten Bodelschwingh erzählen. Der wurde ja so stark geprägt durch das Sterben seiner Kinder, durch das große Leid. Und er ging dann in diese kleine Anstalt, die damals bei Bielefeld bestand, um diese Epileptischen zu pflegen. Er hat das als Lebensaufgabe gesehen, diese leidenden Menschen die Liebe Gottes spüren zu lassen.
Er hat nie die Kranken bejammern wollen, und das dürfen Sie nie tun, das ist nicht Christenart, Kranke bejammern. Er hat gesagt: Krank sind nicht die Kranken, die ihr krank meint. Krank sind die Menschen, die alle Sinne haben und alle Kraft und sich mit der ganzen Leidenschaft an diese vergehende Welt binden, die sind doch krank! Aber die, die ihr krank meint, diese Epileptiker und diese Blöden, die eine Hoffnung ewigen Lebens haben, das sind doch die, die der ganzen Welt Vorbilder sein können, wenn wir doch so weit wären, dass wir durchsehen durch diese Krankheit.
Wo ich Gott neu dienen darf und wo die Lahmen springen wie ein Hirsch, Gott hat noch große Pläne mit ihrem Leib vor und mit ihrem Leben. Und wir kommen erst zur Entfaltung unserer Gaben und Möglichkeiten. Das braucht niemand beunruhigen, wenn er in dieser Welt gelähmt und eingeschränkt ist und sagt: Ich wollte noch so viel tun. Das Wahre kommt erst, das Schönste kommt noch, wenn Gott mich ganz haben will, einmal vor ihm zu dienen.
Und dann möchte ich noch das Wort unterstreichen von der ewigen Freude und Wonne. Die Freuden dieser Welt vergehen so rasch, und die Erheiterungen, die wir haben, sind nicht lange andauernd. Ewige Freude und Wonne, Freude, die nie vergeht, wird über ihrem Haupte sein.
Das Ganze ist ja nicht erst gesprochen für die Zeit, wenn wir gestorben sind, als Erlöste des Herrn eingehen und schauen, was wir geglaubt haben, sondern das wird jetzt schon. Doch bei ihnen heute diesen zweiten Advent bestimmen, dass sie sagen: Wie freue ich mich, Herr Jesus Christ, dass du der Erste und Letzte bist, der Anfang und das Ende, dass du diesen Tag in Händen hast und weißt, wie du alles hinausführen willst.
Schmerz wird dort erst vergehen und wird dort erst von uns weichen, so heißt es. Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. Das ist Gottes Wunderkraft, wenn er uns immer wieder so ein Stück weit das alles wieder wegnimmt.
Jetzt müssen wir mit unseren Kranken weiterreden, und vielleicht tragen sie das hin heute Mittag oder in den nächsten Tagen an die Krankenbetten und bringen die Adventsfreude Jesu dorthin zu diesen. Und dann hören sie es, wie diese müden und angefochtenen Lippen es ihnen bezeugen. Und vielleicht stimmen sie dann auch mit den zitternden und alternden Stimmen noch ein Loblied an zur Ehre Gottes, dass er uns nicht lässt, sondern dass wir Wanderer nach der Ewigkeit sind, die voll Freude sind. Amen!

