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Von Gebet getragen

mit Ronja Aselmann
10.06.2022

Ein Leben im Spannungsfeld von Schmerz und Segen

Der größte Schmerz war für mich gleichzeitig auch mein größter Segen. Da warst du zwanzig, oder? Ja, ich war zwanzig. Quasi noch ein Kind und selbst noch gar nicht so richtig erwachsen.

Aber ab diesem Zeitpunkt fing es an, sich mit Krankheit auseinanderzusetzen, mit Leid. Das kannst du in meinem Leben nicht einfach ignorieren. Es bedeutete auch, sich damit zu beschäftigen, was es heißt, sein Kind leiden zu sehen. Mein Sohn wurde so schwer krank, dass wir drei Wochen lang wirklich um sein Leben kämpfen mussten. Gleichzeitig hatte ich noch ein drei Monate altes Baby.

Mit dem Gedanken, dass ich meinen Sohn verlieren könnte und nicht mit ihm nach Hause gehen würde, war das der erste Moment, in dem Jesus mich ganz klar anrührte. Er sagte zu mir: „Ronja, dein Platz ist hier, am Bett deines Sohnes, zu stehen und für ihn da zu sein.“

Ich wünsche niemandem, so etwas durchmachen zu müssen. Aber ich würde das, was ich dadurch mit Gott erlebt habe, auch nicht mehr hergeben. Wenn wir Gottes Stimme hören wollen, dann müssen wir auch wirklich hinhören.

Wir sind oft nicht erreichbar, aber Gott ist es. Wir sind es nicht immer, aber Gott ist es.

Vorstellung und Hintergrund von Ronja Aselmann

Willkommen beim Bibelfit-Projekt, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen zu beantworten.

Jeden Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Online-Kurse. Das gibt es alles gratis auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.

Ich freue mich sehr, dass wir heute Ronja Aselmann zu Gast haben. Ronja ist eine sympathische, lebensfrohe Frau, die unseren höchsten Respekt verdient. Nachdem sie jung die Liebe ihres Lebens geheiratet hatte, bekamen die beiden unerwartet einen Sohn, der von Anfang an tödlich erkrankt war.

Diese Ohnmacht, ja, diese Verzweiflung – das ist der schlimmste Albtraum für jeden, der Kinder hat. Sie haben dann über Jahre mit allen Mitteln des Gebets und der Medizin um das Leben ihres Kindes gerungen. Und es geht gut aus.

Doch was sie dabei emotional durchmacht und welches Gottvertrauen sowie welche Charakterfestigkeit ihr in dieser Zeit geschenkt wurden, hat sie immer wieder auf Instagram und in ihrem letzten Buch voller geistlicher Weisheit geteilt.

Damit hat sie Tausende Menschen in Deutschland inspiriert. Es ist eine kleine Gemeinschaft gewachsen, die sich gegenseitig im Glauben an den biblischen Gott und im Gebet stärkt.

Das ist bewundernswert, obwohl Ronja in ihrer Familie und in ihren Ehrenämtern mehr als Vollzeit eingespannt ist. Ich glaube, sie schläft minus zwanzig Stunden am Tag oder so. Trotzdem konnte sie es einrichten, dass wir uns in ihrer Küche darüber unterhalten konnten und sie dich in ihrer Geschichte mitnimmt, die Gott mit ihr schreibt. Denn wer weiß, was Gott mit dir noch vorhat.

Bedeutung von „Know Your Season“ und erste Lebensphasen

Bevor wir starten, möchte ich kurz auf etwas hinweisen. Es wäre hilfreich, wenn möglichst viele Menschen die Glocke unter diesem Video drücken. Je mehr Menschen das tun, desto mehr unterstützt YouTube automatisch christliche Kanäle. Man muss selbst nichts weiter dafür tun.

Würde das niemand machen, würde YouTube christliche Inhalte immer weiter zurückstellen. Christliche Themen sind in sozialen Medien eine eher kleine Nische. Ohne Unterstützung würden sie irgendwann gar nicht mehr angezeigt werden.

Deshalb sind wir Christen in der Öffentlichkeit auf diese kleine Hilfe angewiesen. Vielen Dank an alle, die mitmachen.

Liebe Ronja, ich freue mich sehr, dass du heute hier bist. Vielen Dank, dass du dir heute Morgen die Zeit nimmst.

Du hast ein Buch geschrieben mit dem Titel Know Your Season. Was hat es mit diesem Titel auf sich?

Das ist eine große und lange Geschichte. Kurz gesagt bedeutet Know Your Season, seinen Platz einzunehmen und zu erkennen, was die persönliche Berufung ist.

Dieser Satz hat mitten im Alltag eingeschlagen. Ich glaube, dass wir unsere Season, also unsere Zeit und unseren Platz, mitten im Alltag erkennen können, genau dort, wo wir gerade stehen.

Das klingt so, als ob viel Lebenserfahrung dahintersteckt und du schon mehrere Seasons im Leben durchlaufen hast.

Möchtest du uns einen kurzen Überblick geben, in welchen Situationen dir das bisher im Leben begegnet ist – das Erkennen deiner Season?

Ich sage immer, ich hatte das perfekte Leben. Bei mir ist alles perfekt abgelaufen. Ich habe meinen Ehemann sehr früh kennengelernt, und wir haben früh geheiratet. Natürlich gab es auch Herausforderungen.

Eine davon war, dass mein Mann damals schwer krank war. Vor der Hochzeit stand die Frage im Raum: Wollen wir eine Ehe führen ohne Kinder? Denn wir wussten, er ist nicht zeugungsfähig.

Ich dachte damals: Ach, das kriegen wir hin. Ich bin vom Typ her total leistungsorientiert. Das, was wir schaffen und machen, das sind wir. Und wir können das auch ohne Kinder.

Ein halbes Jahr nach der Hochzeit wurde ich schwanger. Das war der erste Moment, in dem ich dachte: Okay, das passt nicht in mein Leben. Das bringt alles völlig durcheinander.

Ich hatte gerade mein Abi gemacht, wir sind umgezogen, ich war zwanzig. Trotzdem dachte ich: Kein Ding, wir machen einfach weiter. Wir laufen unseren Lauf, wir machen alles für Gott, wir organisieren Veranstaltungen.

So habe ich lange weitergemacht – bis auch mein zweites Kind kam. Irgendwann war ich an einem Punkt, an dem ich sagte: Das ist nicht mein Platz. Das ist nicht, was Gott für mein Leben vorgesehen hat.

Dass meine Kinder und alle Herausforderungen nur nebenher laufen, das fühlte sich nicht richtig an.

Eines Tages saß ich am Tisch und schaute mir eine Online-Session an. Dort fiel dieser Satz: Know Your Season.

Ich hatte mir diese Session angehört, weil zwei Frauen dabei waren, die auch Mütter sind und alles für Jesus gegeben haben. Sie haben beeindruckende Veranstaltungen organisiert, Bücher geschrieben und waren viel unterwegs.

Ich dachte: Von denen lasse ich mir etwas sagen, denn sie haben es voll drauf. Sie sind nicht einfach nur Hausfrauen.

Dann sagten sie aber: Know Your Season. Sie erklärten, dass sie das hier machen, aber das ist jetzt ihre Zeit, unterwegs zu sein. Die letzten zehn bis fünfzehn Jahre waren sie Hausfrauen und für ihre Kinder da. Sie hatten ihren Fokus ganz anders gelegt, weil Jesus sie woanders haben wollte.

Du kannst viele Dinge können, aber es ist nicht immer die Zeit, diese Dinge auch umzusetzen.

Das war der Moment, in dem dieser Satz in mein Leben einschlug. Deshalb heißt das Buch Know Your Season, weil dieser Satz mich von da an verändert hat.

Junge Ehe, Studium und unerwartete Schwangerschaft

Roman, es gibt jetzt so viele Dinge, über die wir am Abend nachdenken können. Vielen, vielen Dank erst einmal für deine Offenheit.

Wenn es für dich in Ordnung ist, würde ich vielleicht noch ein bisschen weiter zurückgehen. Du hast gesagt, ihr habt geheiratet, du hast gerade dein Abi gemacht und so weiter.

Ich zum Beispiel bin damals nicht christlich aufgewachsen. Ich bin als Atheist unter Atheisten aufgewachsen. Eine der Sachen, die mich total geschockt hat, als ich die ersten Male in freien Gemeinden war – evangelischen und baptistischen Gemeinden –, war, dass da lauter verheiratete Teenager saßen. Nein, mal Spaß. Das ist so ein Insider hier auf dem Kanal, das ist nicht so schlimm.

Und das Ding ist ein bisschen so: Ihr habt euch ja wirklich schon kennengelernt, hast du ja auch in deinem Buch ein bisschen erzählt, während ihr beide noch Teenager wart. Und ihr habt dann auch in deiner Abizeit geheiratet, oder?

Ja, ich hatte meine mündliche Prüfung nach der Hochzeit und auch meine Abizeit. Genau. Ich hatte den Wunsch, Medizin zu studieren, aber da muss man sich entscheiden: Entweder heiratet man oder man strebt einen guten Abschluss an. Der Abschluss war trotzdem gut, so ist es nicht, aber ja, das haben wir tatsächlich getan. Würde ich auch niemandem empfehlen, aber so war es.

Krass. Und dann hast du ja tatsächlich Pflege studiert, so etwas in der Richtung, ein duales Studium, oder?

Genau, Krankenschwester-Ausbildung, Pflege studiert, einfach weil ich vom Schnitt her nicht ins Medizinstudium gekommen wäre, aber auch in die medizinische Richtung gehen wollte. Ich hatte mein Abi in der Fachrichtung Gesundheit gemacht, und das war so der Plan.

Ja, und dann kam es ganz anders. Also wirklich ganz anders. Ich konnte es selbst nicht glauben. Ich wusste auch schon in der Schule, wir hatten oft Lungen auseinandergenommen, und ich wusste, ich kann Blut sehen. Dann wusste ich, dass wir da irgendwie einen Stoma-Ausgang, also einen Darmbeutel wechseln sollten, und mir war so schlecht, dass ich rausgerannt bin. Ich dachte, was ist denn mit mir los?

Dann bin ich mit dem Fahrrad nach Hause gefahren und dachte: Bin ich schwanger? Mein Mann grüßt mich und sagt, ich weiß, das ist unmöglich, das kann auch wirklich nicht sein. Und ja, dann hatten wir Stunden später das Ergebnis, und das war so crazy, also wie, wie ist das möglich?

Da warst du zwanzig, oder?

Da war ich zwanzig, selbst quasi noch ein Kind und eigentlich wollte ich das gar nicht. Das Wunder an sich hat halt schon stark gewirkt. Alle um uns herum sind völlig ausgeflippt. Auch als mein Mann weinend vor mir saß, wusste ich: Okay, das hier ist ein Wunder. Auch die Ärzte waren so nach dem Motto: "Ist das wirklich der Mann gewesen, mit dem Sie geschlafen haben?" Ja, doch, das ist schon alles richtig so.

Einerseits war es ein Wunder, andererseits gab es auch ganz starkes Hinterfragen: Kann ich das? Will ich das überhaupt? Ich hatte mir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gewünscht, das war nicht geplant. Und ja, da fing so der innere Kampf an – und auch der Kampf mit Jesus.

Nach dem Motto: Jetzt bin ich in der Situation drin. Ich habe mir zwar die Ehe ausgesucht, ich habe mir auch ausgesucht, dass die Ehe gewisse Konsequenzen für meinen Lebensstil und meine Werte hat, aber das hier hatte ich mir nicht ausgesucht. Und jetzt bin ich aber hier drin, und jetzt ist es halt so. Das ist so ein "Okay, jetzt bin ich hier reingeworfen."

Richtig, richtig. Ich habe auch Freundinnen, die keine eigenen Kinder bekommen können. Mit denen habe ich mich unterhalten, und wir haben gesagt: Herr Ronja, es ist nicht einfach, und es wird auch nicht einfach in der Ehe. Aber die Ehe hat sich so um mich gekümmert, und ich wusste, ich bin damit nicht alleine. Das muss man auch mal sagen.

Meine Freundinnen hatten schon fünf oder zehn Jahre Kinderwunsch. Die sind da ganz anders betroffen als ich. Ich bin erst mal vielleicht auch naiv in diese Ehe reingegangen, wo ich dachte: Das packe ich, das ist alles doch nicht so schwer. Aber sie haben mir auch gezeigt: Hey, es gibt andere Wege, und man kann auch eine glückliche Ehe führen ohne eigene Kinder.

Und auf einmal war ich diejenige aus diesem Kreis, die damit einfach beschenkt wurde. Und das ist auch so ein "Okay, warum gibst du mir die Kinder? Gib den anderen die Kinder." Also quasi: Ich will das doch gerade auch gar nicht.

Deswegen hatte ich mir das Medizinstudium ja auch ausgesucht. Ich dachte, oh, da habe ich etwas, wo ich ewig drin lernen muss, mich immer weiterbilden kann, immer besser werden kann und Menschen ganz echt viel realer helfen kann, als nur in der Kirche zu arbeiten. So war das meine Vorstellung.

Und ja, auf einmal wird man aus allem rausgerissen.

Krankheit des Sohnes und die Herausforderung des Alltags

Ja, und das war ja eigentlich erst das zweite oder dritte Mal, dass du rausgerissen wurdest. Danach ging es ja eigentlich weiter. Man könnte jetzt noch so viel erzählen, aber ich glaube, viele Leute, die dich von Instagram oder anderen sozialen Medien kennen oder auch aus anderen Kontexten, kennen ja noch den Teil der Story, der danach weiterging.

Ihr hattet die Schwangerschaft, dann die Geburt, und dann war dein ältester Sohn da. Kleiner Spoiler: Es kamen ja noch zwei weitere Kinder. Dein Sohn war sozusagen drei Wochen alt, oder?
Ja, genau.

Willst du uns ein bisschen erzählen, was dann passiert ist?
Genau. Uns haben die Ärzte schon während der Schwangerschaft gesagt, dass mein Mann vorher schwer krank war. Er hatte eine Immunschwäche, die sich zur Leukämie entwickelt hatte. Die Ärzte wussten, dass diese Krankheit vererbbar ist. In der Schwangerschaft selbst konnte man die Krankheit jedoch nicht feststellen. Das war für mich super entspannend, weil ich wusste: Egal, ob krank oder nicht, wir werden das Baby bekommen.

Dann sagten die Ärzte auch, dass wir bei der Geburt darauf achten sollten, ob das Kind ganz klein und leicht ist. Das wäre ein Hinweis darauf, dass es sehr wahrscheinlich krank ist. Mein Kind kam mit vier Kilo auf die Welt. Ich habe noch nie so ein Riesenbaby gesehen. Er war groß und schwer, und ich dachte, er muss gesund sein.

Drei Wochen später sind wir dann in die Spezialklinik gefahren, weil sich das Blutbild erst dann richtig bildet und man die Krankheit erkennen kann. Da war ganz schnell klar: Der Sohn ist krank. Wir haben noch am selben Tag mit der Therapie begonnen. Das war nochmal ein großer Schock für mich. Ich konnte nicht so weitermachen, wie ich es eigentlich vorhatte, denn jetzt hatte ich plötzlich ein schwer krankes Kind.

Das war ein Prozess, da reinzuwachsen. Am Anfang war das noch nicht so das Problem. Man stillt das Baby, es hat noch Nestschutz, und man kann ihm viel Immunstärke geben. Aber ab dann begann die Auseinandersetzung mit Krankheit und Leid. Man muss sich damit auseinandersetzen, was es bedeutet, sein Kind leiden zu sehen und die Schmerzen seines Kindes zu fühlen.

Wir mussten jeden Abend Spritzen geben. Wir haben das getan, weil wir ihn lieben und weil wir wollen, dass er lebt. Für mich war das pure Folter. Wir beide mussten das Kind festhalten, die Spritze setzen und das Medikament langsam reinspritzen. Das hat mich innerlich zerrissen. Trotzdem habe ich das immer mit Aufgaben überstülpt und gedacht: Wir schaffen das trotzdem und überhaupt.

Dann wurde ich schwanger mit dem zweiten Kind. Das war schon ein zweites Wunder, oder?
Ja.

Mein Mann sagte dann: Erzähl mir nichts von Zögerungsunfähigkeit. Ich hatte gedacht, das Wunder passiert einmal, aber ein zweites Mal nicht. Jetzt, nach dem zweiten Kind, sage ich mir: Mann, jetzt müssen wir was tun, sonst kriegen wir zwanzig Kinder.

Der zweite Sohn kam gesund zur Welt. Als der Kleine drei Monate alt war, wurde Manu, der Älteste, schwer krank. So schwer, dass wir drei Wochen um sein Leben ringen mussten. Ich hatte parallel noch ein drei Monate altes Baby, hatte ein Theologiestudium angefangen und habe noch viele Sachen in der Gemeinde gemacht.

Dann stand ich am Krankenhausbett und sagte: Ich schaffe das nicht mehr, ich kann das nicht mehr. Die Leute um mich herum wussten genau, dass man neben einem so kranken Kind nicht noch irgendetwas anderes machen kann. Das funktioniert nicht. Ich wollte das aber nicht einsehen, weil ich dachte, ich verliere Anerkennung bei Instagram, ich verliere die Aufmerksamkeit der Leute, die mich fragen, ob ich irgendwas für sie tun darf. Ich wollte nicht weniger wichtig sein.

Da war der erste Moment, wo Jesus mich ganz klar anrührte. Er sagte zu mir: Ronja, dein Platz ist hier, am Bett deines Sohnes zu stehen und da zu sein. Das war der erste Moment, in dem ich dachte: Krass, das fühlt sich so wenig nach Jesus an. Ich will nicht einfach nur hier stehen, ich kann ja nichts tun. Ich sage: Ich muss doch irgendwas tun!

Aber Jesus sagte: Nein, es ist Zeit, dir Zeit zu nehmen und für deine Kinder da zu sein. An diesem Punkt stand ich dann die letzten zwei Jahre. Einfach da zu sein, zu Hause zu sein, Ehefrau zu sein – und das ist verrückt.

Das gebe ich so gerne den Leuten mit: Wenn wir unseren Platz einnehmen und Jesus sagt, dass wir für unsere Kinder da sein sollen, dann wird so viel Wunderbares kommen. Weil ich auf einmal meinen Platz erkenne und meine Berufung erkenne. Dann öffnen sich Türen, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich dort Einfluss nehmen darf, dass ich darin wachsen darf und dass ich dort einen Unterschied machen darf.

Deshalb war der größte Schmerz für mich gleichzeitig auch mein größter Segen.

Gebet und geistliche Kraft in der Krise

Oh Mann, und dann ging es ja auch noch weiter. Die für mich eindrücklichste Stelle aus deinem Buch war, als du beschrieben hast, wie du um das Bett deines Sohnes herumgegangen bist – von Säule zu Säule des Bettes – und einfach gebetet hast. Du wusstest einerseits, dass es nicht mehr in deiner Hand liegt, andererseits aber auch, dass es jetzt in deiner Hand liegt, einfach da zu sein und zu beten. Diese Mischung aus „Du bist ja die totale Macherin“ – das strahlst du ja förmlich aus – und einfach dieses „Dein Machen ist gerade das Nichtmachen“, das einfach nur hier sein, das muss so krass gewesen sein.

Dazu kam noch diese enorme Anspannung. Wie hast du das emotional verkraftet, dass dein Leben in so vieler Hinsicht so völlig anders gelaufen ist, als du es dir damals vielleicht vorgestellt hattest?

Ich glaube, was mich am meisten gestärkt und bestärkt hat, war zu wissen: Ich bin nicht allein. Ich hatte eine ganze Armee um mich herum – Gemeinde, Freunde, Familie –, die uns da krass durchgetragen haben. Praktisch, aber auch viel im Gebet.

Genau, wir hatten ja vor anderthalb Jahren die Transplantation meines Sohnes. Das war quasi der Heilungsschritt, den wir gehen konnten, damit diese Krankheit besiegt wird. Als wir wussten, dass wir die Transplantation haben, war ich jeden Tag im Gebetsraum – bis zu zwei, drei Stunden. Ich habe verstanden, dass ich das Leben nicht in der Hand habe.

Wenn ich das durchstehen will, und wenn ich auch mit dem Gedanken spiele, dass ich meinen Sohn verlieren könnte und nicht mit ihm nach Hause gehen werde, dann muss ich jetzt an Jesus dran sein. Ich muss Zeit mit ihm verbringen. Genau das habe ich getan. Ich habe nichts mehr getan, ich habe mich nur noch auf diese Zeit vorbereitet und war einfach nur bei Jesus.

Das ist, glaube ich, der Grund, warum wir da so gut durchgekommen sind. Warum ich auch einfach Dinge stehen und liegen lassen konnte. Warum ich in dem Moment so eine Stärke hatte. Jetzt, danach, merke ich: Da muss so viel High sein, da ist so viel passiert. Aber in dem Moment konnte ich voll und ganz da sein. Ich konnte klar sehen.

Wir hatten Corona, niemand durfte uns besuchen, wir durften nicht mal das Fenster aufmachen. Und ich merke: Weil ich diesen Gott habe, konnte ich durch diese Zeit gehen. Das ist ganz real der Grund, warum wir das durchstehen konnten und das aushalten konnten, was sich manchmal in dem Moment nicht so angefühlt hat.

Ich hatte dann so klare Aufträge von Gott, wie: „Onja, du denkst, du kannst nichts tun, aber ich will dich in eine Welt hineinführen. Ich will dir zeigen, es gibt diese geistlichen Mächte. Es gibt jemanden, der diese Zeit nutzen will, um dich kaputtzumachen, deine Ehe zu zerstören, die Beziehung zu einem zweiten Kind kaputtzumachen und überhaupt Skepsis in die Ärzte zu bringen.“

Ich habe diese Angriffe so real gespürt. Und Gott sagte: „Nein, du kannst etwas tun. Erstens: Sprich das aus.“ Das war auch der Grund, warum ich Instagram zum Beispiel mit reingenommen habe.

Ich habe gesagt: Wir haben einen Gott, und ich habe Angst. Es tut mir weh, mein Kind so zu sehen, aber ich spreche das laut aus. Ich sage die Bibelworte, spreche aus, dass ich an diesen Gott glaube. Das hat ganz, ganz viel mit mir gemacht – an der Wahrheit festzuhalten und sie auszusprechen.

Und die Aufträge, die Gott mir gibt, einfach treu zu leben. Wo ich dachte: Was bringt es, wenn ich abends um das Bett meines Sohnes bete? So, da macht es für mich einen Unterschied.

Das Ding ist: Ich will, glaube ich, gar nicht wissen, wie es wäre, wenn wir nicht gebetet hätten. Ich glaube, manche Dinge können wir nicht sehen und wahrnehmen. Aber eines weiß ich: Einen Abend lag ich im Bett, und ich hatte das nicht getan. Mir waren ja zwei Monate im Krankenhaus vergangen, und ich war so unruhig. Ich dachte: Warum bin ich so unruhig? Ich merkte, ich kann nicht schlafen.

Und ich wusste: Ich bin noch nicht um sein Bett gelaufen und habe dafür gebetet. Es war so wichtig, dass ich meinen Teil hatte, meinen Part, meine Aufgabe. Gott gab mir immer das Gefühl: „Ronja, das ist genau das, was du tun kannst.“ Und das hat unglaubliche Kräfte freigesetzt.

Wir haben viele Wunder erlebt. Wir hatten wirklich viele Situationen, in denen wir merkten, dass Gott gewirkt hat. Wir hatten keinen optimalen Verlauf. Wir hatten noch eine Abstoßungsreaktion. Dann noch eine lange Kortisontherapie, die mich extrem herausgefordert hat, ein Kind zu lieben, das übergewichtig ist, dick, und von außen und von innen nicht mehr mein Kind ist – und es trotzdem zu lieben.

Ich merkte: Krass, hätte ich wirklich die Realität Gottes nicht, dann wäre ich nicht da, wo ich heute stehe. Das versuche ich den Leuten in allem zu vermitteln, wo ich bin, was ich schreibe und sage: Gott ist Realität.

Wenn du Gott in deinem Leben nicht hast – ich könnte morgens nicht aufstehen, weil das für mich null Sinn ergibt. Ich sage: Jesus, in alles, was kommt, tue ich es zu deiner Ehre. Ich weiß, ich bin nie allein in dieser Welt.

Deswegen haben wir Krankheit, und deswegen sind wir darin herausgefordert. Aber ich weiß: Gott ist gut. Krankheit – Gott gibt mir nicht die Krankheit, um mich zu bestrafen und zu sagen: „Ronja, jetzt wach auf, komm raus aus deinem Leistungsdenken.“

Nein, Gott hat das genutzt, damit ich heute auf Beerdigungen sprechen kann, damit ich heute Menschen begegnen kann, die das durchmachen. Ich hätte niemals die Autorität dazu, auch wenn es bedeutet, dass ich durch Schmerz und Leid gehen muss.

Ich würde sagen: Ich würde es nicht anders haben wollen. Ich wünsche es niemandem, so etwas durchstehen zu müssen. Aber ich will es auch nicht mehr hergeben, was ich dadurch mit Gott erlebt habe und über mich selbst gelernt habe.

Der Gebetsraum als Quelle der Kraft

Du schreibst in dem Buch immer wieder vom Gebetsraum – also davon, was es in dir ausgelöst hat und was es in dir bewegt hat, in den Gebetsraum zu gehen. Gerade hast du gesagt, dass du teilweise zwei bis drei Stunden darin verbracht hast. Kannst du uns ein bisschen mehr über den Gebetsraum erzählen? Wie kann man sich das vorstellen? Wahrscheinlich ist das ja kein schön geschmückter oder dekorierter Raum, sondern etwas ganz anderes. Was hat es damit auf sich?

Ja genau, es ist ein ganz schlichter Raum in unserer Gemeinde. Dort steht ein Kreuz, und es gibt keine Ablenkungen. Wenn ich mich in mein Wohnzimmer setze, sehe ich meine Spielkonsole oder vielleicht Dinge, die noch nicht aufgeräumt sind – zum Beispiel, ob der Telemix es noch nicht sauber gemacht hat, was auch immer. Ich komme einfach nicht zur Ruhe.

Das, was Ronja hier erzählt, ist wirklich beeindruckend, oder? Ich glaube nicht, dass ich die Stärke dafür in mir hätte. Aber das Interessante ist: Ronja sagt, sie hatte die Stärke dafür auch nicht. Sie und ihr Mann haben diese Stärke von Gott geschenkt bekommen – immer wieder im Gebet.

Im Gebet habe ich persönlich noch viel zu lernen. Falls du möchtest, teile ich gern die Dinge, die ich bisher gelernt habe. Dafür kannst du dir gern die Bibelfit-Gebetsmindmap mitnehmen. Darin findest du eine einfache Übersicht über die verschiedenen Arten von Gebet, die in der Bibel vorkommen, und sie werden einfach erklärt. Außerdem gibt es einige konkrete Beispiele, wie Menschen aus dieser Community das für ihr eigenes Gebetsleben nutzen. Davon können wir viel voneinander lernen.

Nimm dir die Gebetsmindmap gern über den Link in der Videobeschreibung mit.

Das Gebetshaus haben mein Mann und ein Freund von ihm gegründet. Sie haben klargemacht: Wir brauchen Gebet, und das ist wichtig. Anfangs dachte ich immer: Ach, das ist doch Zeitverschwendung. Wenn du in zwei Stunden etwas schaffen kannst, dann ist das doch viel sinnvoller – so mein Leistungsdenken.

Dann habe ich gesagt: Mein Mann macht das, dann schließe ich mich einfach an. Das ist auch immer ein gutes Bild. Anfangs dachte ich, es ist wie eine Veranstaltung: Wir machen das Gebetsteam, das ist wichtig, aber eigentlich interessiert es keinen. Trotzdem bin ich in dieses Team eingestiegen, und das hat alles verändert. Gott ist mir dort ganz real begegnet und hat zu mir gesprochen.

Das kann man kaum erklären. Es ist auch schwierig, Leute für das Gebetsteam zu gewinnen. Ich selbst war ja auch so, dass ich dachte, eine halbe Stunde schaffe ich gerade so, das ist schon viel, und dann muss ich auch noch hinfahren.

Mein Gebet für diesen Raum ist, dass Gott dort besonders präsent ist. Ich glaube, er ist es auch zu Hause, auf jeden Fall. Aber ich wünsche mir, dass wir es schaffen, aus allem auszusteigen und nur Gott zu sehen und ihn anzuschauen.

Manchmal herrscht einfach nur Stille.

Dieser Raum ist, wie gesagt, ganz einfach. Dort haben wir ein Buch, in das wir Gebetsanliegen eintragen können. Man kann dort auch Abendmahl feiern. Es gibt eine Musikbox, die allerdings nicht besonders gut ist, und der Empfang ist auch schlecht – keine Ahnung warum. Meistens sage ich dann: Jesus will, dass ich still bin, also schalte ich die Musik aus.

Es ist also sehr einfach. Man kann jederzeit hineingehen. Der Raum wächst, weil die Menschen merken, dass wir immer wieder solche Auszeiten brauchen.

Das wollte ich lange nicht einsehen, weil ich dachte, ich kann das auch zwischendurch machen. Aber wenn wir Gottes Stimme hören wollen, müssen wir auch hinhören.

Wir sind ja nicht immer erreichbar, aber Gott ist es.

Und dann merkt man, wie schnell zwei Stunden vergehen, wenn man erst einmal dort angekommen ist und anfängt zu beten.

Es ist unglaublich, wofür wir beten können. Wie oft beten wir für unsere Kinder, wie oft für unsere Ehepartner? Plötzlich bricht unser Herz für eine Not, von der wir dachten, sie lässt uns kalt. Man entdeckt Ängste in sich, die man eigentlich nie wahrhaben wollte, aber einfach weitergemacht hat. Im Alltag haben solche Dinge keinen Platz.

Dieser Raum ist für mich ein Ort ohne Ablenkung, an dem ich Jesus einfach einlade, zu sprechen.

Praktische Tipps zum Hören auf Gottes Stimme

Und Ronja, hast du einen Tipp für uns? Wie können wir besser hören, besser lernen, auf Gottes und auf Jesu Stimme zu hören?

Genau, ich finde es immer so schwierig, wenn Leute sagen: „Okay, Gott hat zu dir gesprochen, wie hat er das gemacht?“ Und ich sage, vieles ist ja auch ein Gefühl, bei dem ich sage: „Okay, da habe ich gerade ein Go, um loszugehen.“ Aber das Wichtigste ist nämlich dieses Gehen.

Geh los! Wir warten darauf, dass Gott uns einen Stempel gibt und einen Brief schreibt, auf dem ganz klar steht, was wir tun sollen. Mein Mann sagt immer genau: Ein fahrendes Auto lässt sich besser lenken als ein stehendes.

Es heißt also: Fahr doch erst mal los! Es kann sein, dass du in die falsche Richtung fährst, aber Gott wird dir das zeigen. Gott wird Türen schließen. Aber wir sind ja gar nicht bereit dafür, und wir sind auch gar nicht bereit, loszufahren.

Das ist so: Wir planen gerade eine große Konferenz, und das ist unser Thema. Wir Christen gehen an Tankstellen, wir lassen uns auffüllen, wir haben diese geistige Gemeinschaft, wir haben tolle Veranstaltungen, aber wir fahren nicht los. Wir haben Angst, Benzin zu verlieren, wir haben Angst, eine Panne zu haben, wir haben Angst, nicht mehr rechtzeitig zur nächsten Tankstelle zu kommen.

Und da ist es so: Fahr los! Wenn du Gottes Stimme hören willst, dann wage es einfach mal. Bete doch einfach eine Stunde lang das Vaterunser – was passiert? Probiere es einfach aus!

Und auch das Thema Gebet: Gott will dich in das Übernatürliche führen, ja, zum Gebet und was auch immer. Das war nie ein Thema für mich. Ich sagte den Leuten, das ist crazy, lass das! Und auf einmal begegnet mir Gott darin, und ich erlebe ganz andere Dinge, die auch nur ich erleben kann.

Deswegen ist ein Gebet zum Gründen super schwierig, weil die Leute es selbst erleben müssen. Du kannst es ihnen nicht wirklich in Worte fassen oder erklären, was Gott mit dir tut. Aber ich würde behaupten, man sieht es an dem, was ich ausstrahle.

Ich sage, daran erkennt man, dass ich Zeit mit Jesus verbringe. Und daran erkennt man, dass meine Worte anders sind, meine Gedanken. Das ist eine Art von Sprechen, die Gott ganz real in meinem Leben bewirkt.

Ja, das, was ich sage, das, was ich tue – da hat er schon längst gesprochen. Und wenn wir sagen, wir wollen ihn hören, dann lest die Bibel!

Ich sage, er redet so klar, er redet ja. Aber wir wollen das nicht, wir haben keine Zeit dafür. Deswegen ganz praktisch: Lest die Bibel, macht eure Dupras-Lieder an! Das hat mir gerade im Mama-Sein ganz viel geholfen.

Ja, ich habe wenig Zeit zum Lesen und finde es auch sehr schwer, Ruhe dafür zu finden. Aber macht eure Dupras-Lieder an, weil es Menschen sind, die Jesus lieben und die sich mit Bibeltexten auseinandersetzen und das einfach aussingen.

Und ich höre das Lied beim vierten Mal und denke mir: Sagst du das wirklich zu mir, Jesus, dass ich ausreiche? Und so kann Jesus genauso zu dir reden.

Genau, es ist ja einerseits so, dass man sich bewusst Zeit nehmen kann. Aber ich verstehe auch die Mamis, die übermüdet sind und es nicht schaffen, nochmal loszufahren und die das zwischen Spielmaschinen und so machen müssen, um Jesus zu suchen.

Aber auch da wird er dir begegnen, auf eine Art und Weise, mit der du nie gerechnet hast.

Jesus im Familienalltag erleben

In wenigen Sekunden geht es weiter. Ich möchte gern allen danken, die schon die Glocke unter diesem Video hier mitgedrückt haben, damit mehr Menschen christliche Inhalte angezeigt werden. Das ist anonym, in zwei Sekunden erledigt und hilft auch diesem Kanal. Vielen Dank!

Hast du noch einen Tipp für uns, wie sich Menschen, die verheiratet sind, oder Paare mit Kindern, einerseits als Paar und andererseits als Familie noch mehr auf Jesus ausrichten können?

Wir sind da selbst voll im Prozess. Wir haben geheiratet und hatten sofort Kinder. Das bedeutet, wir haben vorher nicht zusammengelebt und auch nicht miteinander geschlafen. Das war alles neu für uns. Die Kinder waren schon da, sodass wir nie gelernt haben, zu zweit eine Routine zu entwickeln oder zu sagen: „Okay, das wollen wir für unsere Ehe, so wollen wir das gestalten, so wollen wir auf unserem Glauben leben.“

Deswegen war für uns in den letzten fünf Jahren wichtig, dass jeder sich um seine eigene Beziehung zu Jesus kümmert. Was ein Partner tun kann, ist, Freiräume zu schaffen. Anstatt zu sagen: „Ich will in den Gebetsraum“, sollte es so wichtig und so eine Priorität sein, dass man weiß: Wenn wir beide auftanken, funktioniert unsere Ehe. Dann klappt es auch miteinander.

Unsere Möglichkeit war es, dem Partner Räume zu schaffen, in denen er Zeit mit Jesus haben kann. Sei es bei einem Männerabend, einer Frauenveranstaltung oder allein im Gebetsraum. Bis heute merke ich, dass wir nicht darum bitten oder betteln müssen, diese Zeit zu bekommen. Für uns hat das Gebetsleben absolute Priorität.

Man kann auch viel gemeinsam tun, zum Beispiel gemeinsam die Bibel lesen oder Lobpreis machen. Das machen wir sonntags im Gottesdienst. Da stehen wir wirklich Arm in Arm und sagen: „Jesus, wir stehen jetzt gemeinsam vor dir.“ Aber es ist wichtig, dem Partner auch individuelle Räume zu geben, wo er das erleben darf.

Ich erlebe das auch bei den Frauen hier: Oft warten sie darauf, dass die Männer von der Arbeit kommen und sagen: „Jetzt nimmst du mal die Kinder.“ Dabei sieht man kaum, was sie alles machen. Vielleicht sollte man das mal zurücknehmen und dem Partner Raum geben, mit Jesus darüber zu reden. Dann wird das auch anders in die Beziehung einfließen.

Mein Mann ist hoch theologisch begabt. Das frustriert mich manchmal beim Bibellesen, weil er so viel weiß. Gemeinsam Bibel lesen ist bei uns nicht so häufig, weil er ganz anders denkt als ich. Ich habe eher einen kindlichen Glauben, während er viele komplexe Gedanken hat. Ihm muss ich oft sagen: „Jesus liebt dich.“ Das ist das, was ich ihm vermitteln will.

Das wollen wir auch unseren Kindern vermitteln. Ich gehe jeden Freitagabend in die Jugendgruppe, könnte aber auch den Abend mit meinen Kindern verbringen und sie ins Bett bringen. Aber wir zeigen ihnen, dass es uns wichtig ist, für Jesus unterwegs zu sein. Das heißt nicht, dass wir sie weniger lieben, sondern Jesus ist unsere Nummer eins.

Natürlich achten wir darauf, ob unsere Kinder das mittragen können und wie es ihnen damit geht. Trotzdem sind wir immer für sie da. Unsere Kinder merken jetzt schon, dass Jesus eine hohe Priorität in unserem Leben hat.

Wir müssen das vorleben. Wenn wir es nicht leben, werden es unsere Kinder auch nicht tun. Sie lieben es, in die Kinderstunde zu gehen, weil sie merken: Mama und Papa feiern das total. Wenn wir etwas cool finden, finden sie es auch cool.

Das ist vielleicht der größte Tipp für Ehepaare mit Kindern: Lebt euren Glauben! Lebt ihn in der Art, wie ihr liebt und geduldig seid. Konsum ist unwichtig. Wenn wir einfach zusammen kuscheln, ist das für die Kinder das, was sie brauchen. Einfach so zu ihnen zu sein, wie wir sind, funktioniert, wenn Jesus im Mittelpunkt steht.

Das muss uns verändern. Natürlich sündigen wir hier und da, denn wir sind Menschen voller Fehler. Aber ich erwarte auch von meinem Gott, dass er sein Wort hält. Wenn ich bei ihm bin, werde ich ihm ähnlicher. Dann kann es übernatürlich schön sein, ein Stück Himmel hier auf Erden zu erleben und sein Reich zu bauen.

Wenn du an seinem Herzen bist, wirst du staunen, wie du lieben kannst, wie du jemanden aushalten und auch Schmerz ertragen kannst. Bleibt dran, das ist der Schlüssel.

Das würde ich empfehlen. Danke dir! Danke dir!

Persönliche Zeichen des Glaubens und Lebenssituation

Ich hätte zum Schluss noch kurz zwei Fragen. Die erste ist: Habe ich das richtig verstanden, dass du ein Tattoo mit der Aufschrift „Raise a Hallelujah“ hast?

Ja, genau, auf dem Unterarm.

Was bedeutet das?

Genau, das ist von einem Lied. Es heißt „Raise a Hallelujah“ und ähnelt unserer Geschichte extrem. Es ist auch meine Lebenseinstellung geworden. Gott gebührt die Ehre in allem. Auch wenn wir gerade Krieg haben, sage ich meinem Gebetsteam oft: Lasst uns Lobpreis machen und Gott anbeten, denn darin passiert so viel.

Das lesen wir auch in der Bibel. Die Menschen machen Lobpreis, und währenddessen schickte Gott Verwirrung in das Heer des Feindes. Sie konnten nicht mehr angreifen und schlachteten sich selbst ab – einfach dadurch, dass sie Gott anbeteten.

Das war der Punkt, den ich im Krankenhaus verstanden habe: Gott ist trotzdem gut.

Als ich mir das Tattoo habe machen lassen, war ich zwei Tage später wieder im Krankenhaus mit ihm. Damit hatte ich nicht gerechnet, dass ich so schnell wieder dort sein würde. Dann schrieb mir meine Freundin Ronja: „Du hast dir ein Tattoo machen lassen!“ Ob Tattoo ja oder nein, alle schrieben mir, dass ich mir dieses Tattoo machen lassen habe und dass ich es genau so tun soll.

„Raise a Hallelujah“ ist auch heute noch mein Weg, auf dem ich viel Heilung erlebe. Und diese Lüge, dass Gott mich allein lässt, mich im Stich lässt und auch die Ukraine nicht im Blick hat, widerlege ich mit dem Glauben: Gott hat das letzte Wort. Gott ist gut. So ist es.

Aktuelle Lebenssituation und Abschlussgebet

Ein Schlusswort noch dazu: Wie geht es euch vier gerade? Gut, sehr gut. Wir sind super dankbar, so gesegnet sein zu dürfen. Wir haben ein Zuhause, und meine Kinder gehen in den Kindergarten. Mittlerweile sind beide gesund. Auch wenn ich weiß, dass Krankheit und Gesundheit nicht alles sind, dürfen wir unterwegs sein für Jesus.

Gott gibt uns auch viel Verantwortung, was nicht immer leicht zu managen ist mit Familie. Aber nein, wir sind super dankbar und einfach ganz real dankbar, für ihn unterwegs sein zu dürfen.

Wie schön! Wir haben das jetzt nicht abgesprochen oder irgendwas, aber könntest du dir vorstellen, zum Schluss noch einmal kurz mit uns zu beten?

Oh, voll gerne, ja!

Herr Jesus, ich danke dir, dass du ein Gott bist, der real ist und der sich so sehr wünscht, mit uns eine Beziehung zu führen. Ich danke dir, dass du uns begegnen willst im Leid, im Tief, in unserer Herausforderung.

Auch wenn wir einfach nur herausgefordert sind mit unseren Kindern zu Hause und uns einsam fühlen, willst du uns genau darin begegnen. Du willst genau diese Situation nutzen, um dich groß zu machen, um Fülle zu geben, um Frieden zu geben und um uns zu befähigen, zu vergeben.

Herr Jesus, ich bete für jenen, der das heute hört oder sieht, dass du ihn anrührst und dass wir bereit sind zu empfangen, wie du zu uns sprichst, dass du uns liebst. Ich danke dir, dass du so viel Gnade mit uns hast, auch wenn wir es oft nicht checken, weglaufen und meinen, wir wissen es besser. Trotzdem wartest du.

Du gibst uns immer und immer wieder die Chance, dich kennenzulernen und bei dir einzukommen. Jesus, danke, dass du mit uns gehst. Amen! Amen!