Einleitung und biblischer Ausgangspunkt
Schlag gerne deine Bibel auf: 2. Timotheus 1,8-18. Das ist der Text, wo wir unsere Zelte aufschlagen wollen, 2. Timotheus 1,8-18.
Im Februar 2015 veröffentlichte die Terrororganisation IS ein Video, das die Enthauptung von 21 koptischen Christen aus Ägypten am Strand in Libyen zeigte. Diese Männer waren einige Zeit vorher entführt worden und wurden dort am Strand aufgefordert, ihren Glauben an Jesus aufzugeben. Alle 21 Männer weigerten sich und starben.
2018 berichtete Christianity Today von einer alten chinesischen Frau, die von den Behörden aufgefordert wurde, Bilder von Jesus in ihrer Wohnung abzuhängen. Sonst würde man ihre Rente einfrieren. Diese alte Frau entschied sich gegen ihre Rente.
Laut Open Doors gehört Nigeria zu den Ländern mit der höchsten Zahl von Morden und Entführungen von Christen weltweit. Allein im Jahr 2023 wurden fast 5 Christen wegen ihres Glaubens getötet. Und trotzdem zeigen Statistiken, dass die Teilnahme an den Gottesdiensten nicht abnimmt.
Wie mutig stehst du zum Evangelium? In einem Land, in einem Kontext, in dem du ein Ticket für eine christliche Konferenz buchen kannst? Dort ungestört in der Pause Kaffee trinken kannst und danach mit mehr als tausend Menschen Jesus anbeten darfst.
Lass uns gemeinsam diesen Text von Paulus lesen. Ab Vers 8:
So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium nach der Kraft Gottes, der uns errettet hat und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, der den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, zu dem ich bestellt worden bin als Herold und Apostel und Lehrer der Nationen.
Aus diesem Grund leide ich dies auch. Aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und ich bin überzeugt, dass er mächtig ist, das ihm von mir anvertraute Gut auf jenen Tag zu bewahren.
Halte fest das Bild gesunder Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind. Bewahre das schöne, anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.
Du weißt dies, dass alle, die in Asien sind, sich von mir abgewandt haben, unter welchen Phygelus und Hermogenes sind. Der Herr gebe dem Haus des Onesiphorus Barmherzigkeit, denn er hat mich oft erquickt und sich meiner Ketten nicht geschämt. Sondern als er in Rom war, suchte er mich fleißig und fand mich. Der Herr gebe ihm, dass er von Seiten des Herrn Barmherzigkeit finde an jenem Tag. Und wie viel er in Ephesus diente, das weißt du am besten.
Lass uns kurz beten.
Vater, ich danke dir für dein Wort, und ich danke dir dafür, dass du heute redest. Und ich bitte dich, dass du deinen Geist sendest und unsere Herzen mit Mut erfüllst, den wir brauchen. In Jesu Namen, Amen.
Ich will anhand dieses Textes drei Fragen mit euch besprechen: Warum schämen wir uns? Warum sollten wir uns nicht schämen? Und wie stehen wir mutig zum Evangelium?
Herzen auf dem Rückzug, Evangelium voller Kraft und Schönheit und Festhalten ohne Furcht – das sind die drei Punkte.
Wir beginnen mit den Herzen auf dem Rückzug.
Herzen auf dem Rückzug
Unser Textabschnitt beginnt mit einem der vielen Appelle, die Timotheus in diesem Brief hören wird. Paulus schlussfolgert aus dem, was er gerade gesagt hat, und sagt: So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn, noch meiner, seines Gefangenen.
In Vers 7 hatte der Apostel seinen Schüler daran erinnert, dass Gott uns nicht einen Geist der Furcht gegeben hat. Das Wort, das Paulus da gebraucht hat, hat eine ziemlich negative Konnotation und wurde unter anderem für Soldaten gebraucht, die aus Feigheit, um ihr eigenes Leben zu retten, vor dem Kampf geflohen sind. Daraus schließt Paulus gewissermaßen die Konsequenz und ruft ihm zu: Schäme dich nicht, weder für das Evangelium noch für mich, der das Evangelium predigt.
Schon in den ersten Versen dieses Briefes bekommen wir den Eindruck, dass vielleicht irgendetwas bei Timotheus nicht stimmt. In Vers 5 hatten wir von seinem ungeheuchelten Glauben gehört. Sein Glaube an Jesus, seine Liebe zu Jesus, war echt, das war nicht gespielt. Aber irgendetwas schien Paulus Sorge zu bereiten. Timotheus schien in der Gefahr zu stehen, innerlich auf die Bremse zu drücken und etwas von seiner Leidenschaft für Jesus einzubüßen. Und das ist der Grund, warum jetzt in Vers 8 dieser Appell erklingt: Timotheus, schäme dich nicht. Schäme dich nicht für das Zeugnis des Herrn.
Paulus spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist in Ephesus. Und die Gefahr, die er sieht, ist, dass sein Schüler, dass sein geistliches Kind, anfangen könnte, eine innere Distanz zu ihm, aber vor allem zum Evangelium selbst zu entwickeln. Er befürchtet, dass das Herz von Timotheus dem Evangelium gegenüber kühler werden könnte. Und der Apostel hatte genau das bei anderen Menschen gesehen. Er spricht darüber in Vers 15, wo er zwei Männer sogar mit Namen erwähnt.
Es ist meistens kein gutes Zeichen, wenn Paulus dich in seinem Brief erwähnt. Da schreibt er in Vers 15: Du weißt dies, dass alle, die in Asien sind, sich von mir abgewandt haben. Unter ihnen sind auch Phygelus und Hermogenes.
Ja, Paulus musste diese schmerzhafte Erfahrung machen, dass sich gleich eine ganze Gruppe von Christen aus Ephesus von ihm abwandte, wahrscheinlich infolge seiner Inhaftierung. Sie wollten nicht mehr mit ihm identifiziert werden. Sie waren in einer Kultur aufgewachsen, die keinen Platz für Schwäche hatte und das Große, das Glitzernde, glorifizierte. Und ohne Frage atmeten diese Menschen immer noch die Luft ihrer Umgebung. Das brachte sie dazu, sich zurückzuziehen, als sie mitbekamen, dass Paulus im Gefängnis gelandet war.
Es war ja so: Schon das Evangelium selbst war eine Herausforderung, ja fast schon eine Zumutung für Menschen aus der griechisch-römischen Kultur. Ein Gott, der Mensch wird, in Armut aufwächst und sich dann auch noch an ein Kreuz nageln lässt. Wie viele gesellschaftliche Red Flags willst du in eine Botschaft packen? Das Evangelium? Sowohl für Heiden als auch für Juden war das Kreuz ein Symbol für Schande und Unehre. In gehobenen Kreisen wurde das Wort Kreuz am Tisch nicht benutzt, zu obszön. Und für die Gebildeten war der Gedanke eines Gottes, der sich kreuzigen lässt, absolut lächerlich. Absurd oder, wie Paulus es in 1. Korinther 1 sagt, eine Torheit. So etwas kann man nicht glauben, und so etwas will man auch nicht glauben.
Und dann war da Paulus, der große Missionar. Ja, okay, und lange Zeit sah es so aus, als wäre er wirklich erfolgreich, als wäre er nicht aufzuhalten. Der Glaube an Jesus breitete sich aus. Aber jetzt, jetzt war dieser Paulus im Gefängnis, ein alt gewordener, schwacher Mann, eingesperrt in einer dunklen Zelle, in der Erwartung seiner Hinrichtung. Das sieht nicht mehr ganz so glorreich aus. Keine Ahnung, ob ich will, dass andere wissen, dass ich den kenne.
Er versetzt sich mal für einen Moment in Paulus’ Situation. Was muss da in ihm vorgegangen sein? Was muss das für ein Stich ins Herz gewesen sein, als er feststellen musste, dass gleich eine ganze Gruppe von Menschen, von denen wahrscheinlich viele durch ihn zum Glauben gekommen waren, sich demonstrativ von ihm abwandten und so taten, als würden sie ihn nicht mehr kennen.
Ja, vielleicht erinnerte er sich an die Anfänge der Gemeinde in Ephesus, die so gut und hoffnungsvoll waren. Paulus verbrachte zwei Jahre in dieser Stadt und prägte ganz viele Männer und Frauen. Menschen verließen den Artemiskult und ihre alten Götter, und es kam zu einer richtig starken Erweckung und Ausbreitung des Evangeliums. Und jetzt merkt Paulus, dass etwas anders ist.
Und vielleicht nennt Paulus diese beiden Männer hier mit Namen nicht, um sie zu ärgern, sondern weil das Ausdruck seines Schmerzes ist. Vielleicht hatte er gerade von ihnen das nicht erwartet. Vielleicht waren sie Männer gewesen, in die er sehr viel Zeit und Energie gesteckt hatte, bei denen er gedacht hatte, dass sie vielleicht bald anfangen würden, das Evangelium zu predigen. Und jetzt kehrten sie ihm den Rücken zu. Das muss richtig wehgetan haben.
Wenn das Herz leiser wird
Und darum sehen wir gleich im ersten Kapitel dieses Briefes einen Apostel, der um das Herz seines geistlichen Kindes kämpft. Er spürt, dass sich das Klima in Ephesus ändert. Es wird kühler. Und er merkt, dass auch Timotheus in der Gefahr steht, sich zurückzuziehen. Deshalb ruft er ihm ernst und leidenschaftlich zu: Timotheus, bitte schäm dich nicht. Schäm dich nicht. Steh weiter zum Evangelium.
In jedem Herzen, das hier im Raum vertreten ist, gibt es das Potenzial, sich zurückzuziehen und nicht mehr oder etwas weniger zum Evangelium zu stehen. Kein Herz ist völlig immun gegen geistlichen Rückzug. Kein Herz ist völlig frei davon, sich für das Evangelium zu schämen. Und keine 50 Jahre Christsein, keine 30 Jahre pastorale Erfahrung und keine theologische Ausbildung schützen uns davor.
Paulus schreibt hier an einen Mann, der jahrelang mit ihm unterwegs gewesen ist, der jahrelang paulinisches Mentoring erlebt hat, der Gottes Wirken durch Paulus hautnah erleben durfte und bei dem jetzt die ersten, wenn auch nur kleinen Anzeichen des Rückzugs zu sehen waren.
Ja, die Christen in Korinth hatten eines Tages ihr Vertrauen auf Jesus gelegt, hatten ihre alten Götter der Stärke, des Reichtums und der Weisheit hinter sich gelassen. Aber mit der Zeit holte das Denken ihrer Kultur sie wieder ein. Und plötzlich war der Gedanke, an ein Evangelium von einem gekreuzigten Gottessohn zu glauben, irgendwie eigenartig.
Und dann ist da Petrus, der in einem Moment das Schwert zieht, um Jesus zu verteidigen, nur um ein paar Stunden später den gleichen Jesus ängstlich zu verleugnen, als er von einer Teenagerin auf seine Verbindung zu Jesus angesprochen wurde. Herzen, die einmal voller Leidenschaft für Jesus waren, können zu Herzen werden, die sich auf dem Rückzug befinden und anfangen, immer leiser zu werden.
Mit der Geburt unserer Tochter habe ich verschiedene Sachen gelernt. Zum einen habe ich gelernt, dass man eine Jacke nicht nur gebrauchen kann, um sie anzuziehen, sondern auch, um sie am frühen Morgen auf eine Kaffeemaschine zu legen, damit die nicht so laut ist und meine Tochter nicht aufwacht. Und ich habe gemerkt, obwohl das mein Haus ist und das Haus meiner Frau, und meine Tochter nicht einmal Miete zahlt, dass ich anfing, auf Zehenspitzen zu laufen, um sie nicht zu wecken.
Was zuhause gut und richtig ist und ein Zeichen für Rücksicht ist, ist auf geistlicher Ebene ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Herzen auf dem Rückzug resultieren in einem Christsein auf Zehenspitzen. Ein Christsein, das alles dafür tut, um eine schlafende Welt nicht zu wecken. Mit einem Evangelium, das keinen Mucks machen darf. Mit einem Evangelium, über das wir eine Jacke drüber werfen, damit es nicht zu laut ist und niemanden aufweckt.
Kinder Gottes, die eines Tages mutig bekannt haben, dass sie an Jesus glauben, können anfangen, sich für das Evangelium oder Teile davon zu schämen. Und dieses Sich-schämen kann dann so aussehen, dass wir anfangen, die Botschaft vom Kreuz zu verkleinern, zu verkürzen, anzupassen und weicher zu machen oder leiser, bis es niemanden mehr aus dem Schlaf reißt.
Ja, wenn wir beim Schreiben unserer Predigt oder im Gespräch mit unserem Arbeitskollegen mehr darüber nachdenken, wie wir unseren Zuhörern möglichst wenig auf die Füße treten, als darüber, wie wir Gottes Botschaft treu weitergeben, dann schämen wir uns wahrscheinlich für das Evangelium. Wir fangen an, ein Christsein auf Zehenspitzen zu führen, das sich bewusst oder unbewusst ein anderes Evangelium herbeiwünscht und vielleicht schon an einem anderen Evangelium bastelt.
Wenn wir nie oder nur selten darüber nachdenken, wie wir unsere Nachbarn oder Freunde mit dem Evangelium erreichen, dann schämen wir uns wahrscheinlich in unserem Herzen für das Evangelium. Wenn unsere Kirche der einzige Ort ist, wo wir offen und fröhlich über das Evangelium sprechen, dann schämen wir uns wahrscheinlich für das Evangelium. Wenn wir in unserer Gemeindearbeit etwas anderem mehr Veränderungskraft zutrauen, wenn wir unserer Expertise, unserer Begabung und unseren Programmen mehr vertrauen, Menschen für Jesus zu gewinnen, dann haben wir angefangen, uns für das Evangelium zu schämen.
Herzen auf dem Rückzug sind Herzen, in denen mit den Jahren eine emotionale, eine gedankliche, aber vor allem eine geistliche Distanz zum Evangelium entstanden ist. Das Evangelium war mal die Quelle, aus der wir jeden Tag getrunken haben. Es war mal das Thema, über das wir nicht aufhören konnten zu sprechen, das regelmäßig riesige Freude in unseren Herzen geweckt hat. Aber dann hat sich das verändert, und das kann mehrere Gründe haben.
Es kann etwas damit zu tun haben, dass wir angefangen haben, die Luft unserer Zeit einzuatmen. Und in dieser Luft ist kein Platz für ein Evangelium, das nur einen einzigen Weg zu Gott proklamiert. In dieser Luft ist auch kein Platz für ein Kreuz, das den Menschen eben nicht bestätigt, sondern zunächst einmal zutiefst kritisiert. Und das hat uns zurückweichen lassen.
Es kann sein, dass wir erleben mussten, wie Menschen aus unserem engeren Umfeld, vielleicht aus der Familie oder Gemeinde, aufgehört haben, an Jesus zu glauben oder ihren Glauben in Teilen dekonstruiert haben und das als befreiend verkaufen. Das hat uns verwirrt und dazu gebracht, irgendwie argwöhnischer und misstrauischer auf das Evangelium zu schauen, das wir von Kindesbeinen an gehört haben. Wir wollten nicht diejenigen sein, die in alten Denkstrukturen hängenbleiben.
Es kann sein, dass uns das Evangelium mit den Jahren vielleicht zu klein, unlogisch, irgendwie antiintellektuell oder zu herausfordernd erscheint und wir uns einfach nicht vorstellen können, wie wir diese Botschaft von einem gekreuzigten Gottessohn unseren Nachbarn verkaufen sollen. Vielleicht haben wir auch Gegenwind erlebt, und es ist uns immer wichtiger geworden, von Menschen anerkannt und respektiert zu werden, als Gott treu zu sein.
Herzen auf dem Rückzug fangen irgendwann an, etwas mehr zu lieben und mehr zu fürchten als Gott. Ich glaube, dass wir alle diesen Impuls kennen und haben, diesen sündigen Impuls, uns eher von der Angst vor menschlicher Ablehnung als von Gottesfurcht und Liebe zu Jesus leiten zu lassen.
Hast du ein Herz auf dem Rückzug? Hast du ein Herz auf dem Rückzug?
Ganz wichtig: Es geht mir nicht darum, uns allen ein schlechtes Gewissen zu machen. Ein schlechtes Gewissen ist ein ganz schlechtes Fundament für Leidenschaft für Jesus. Aber ich glaube, es ist so wichtig, dass wir dieses Wort Gottes aus dem 2. Timotheusbrief zu unseren Herzen sprechen lassen. Wir alle führen immer wieder ein Christsein auf Zehenspitzen.
Und ich kann so gut mit Petrus und Timotheus mitfühlen, weil ich weiß, was für ein ängstlicher Jünger ich immer war und so oft noch bin. Deshalb fordert mich dieser Text so heraus. Deshalb hat mich dieser Text in der ganzen Vorbereitung so herausgefordert. Denn hier vorne steht einer, der eine furchtbare Geschichte des Schämens hinter sich hat und auch nach zehn Jahren Pastorendasein immer noch merkt, dass er mehr darüber nachdenkt, was Menschen über ihn denken, als Jesus zu lieben.
Als ich im Alter von achtzehn Jahren mich entschieden habe, mich taufen zu lassen, hatte ich es wirklich fertiggebracht, dass bis dahin kaum jemand von meiner ganzen Jahrgangsstufe etwas davon wusste, dass ich Christ bin, meine engsten Freunde eingeschlossen. Ich wollte mit meiner Taufe bekennen, dass ich Jesus nachfolgen will, und ich tat alles dafür, damit das niemand mitbekommt.
Das Ding war, ich hatte meine Rechnung ohne Gott gemacht. Denn irgendwie bekam irgendjemand von irgendwoher aus meinem Mathe-LK die Info, dass meine Taufe ansteht, und fragte kurz bevor der Unterricht losging, für alle hörbar: Rudi, ich habe gehört, du lässt dich taufen. Kennt ihr diese Bilder von Rehen, die überfahren werden? Das war ich in dem Moment.
Und ich erzähle das mit einem ganz großen Schmerz in meinem Herzen. Bis heute ist dieser Moment tief in mein Gedächtnis eingebrannt, wie ich rot anlief und rumdruckste. Gott musste mich in eine Situation bringen, in der ich keine andere Wahl mehr hatte, als zu ihm zu stehen. Und ich weiß, dass das ein schmerzvoller Moment war, aber es war ein Moment seiner Gnade, weil Gott mir in diesem Moment die Schieflage meines Herzens gezeigt hat.
Und deshalb will ich dich einladen, heute mal ehrlich zu dir zu sein und Gott zu bitten: Zeig mir mein Herz! Und befreie mich durch deinen Geist davon, so vieles mehr zu fürchten als dich. Befreie mich davon, so vieles mehr zu lieben als dein Evangelium. Hilf mir, neu zu verstehen, dass bei echter Nachfolge kein Thron, sondern ein Kreuz auf mich wartet. Und hilf mir dann zu sehen und zu erkennen, dass dein Evangelium zu groß, zu stark und zu schön ist, um mich dafür schämen zu müssen.
Das Evangelium in seiner Größe und Schönheit
Und das ist mein zweiter Punkt: Wir haben Herzen auf dem Rückzug, und jetzt ein Evangelium voller Kraft und Schönheit.
Paulus hatte Timotheus gerade zugerufen, sich nicht für das Evangelium zu schämen, sondern dazu zu stehen und bereit zu sein, dafür zu leiden. Aber er belässt es nicht bei diesem Appell. Paulus erwähnt am Ende von Vers 8 das Wort Evangelium und redet in den nächsten beiden Versen, 9 und 10, über dieses Evangelium.
Und wenn du dir die Verse 9 und 10 anschaust, dann merkst du schnell, dass dieser Abschnitt fast wie eine Doxologie wirkt. Paulus rattert nicht einfach die Dinge herunter, die für uns als Christen wichtig sind. Ein Ausleger hat einmal davon gesprochen, dass Paulus hier den Inhalt des Evangeliums fast schon poetisch beschreibt, und genau so wirkt es. Paulus hat nicht einfach vor, Timotheus’ Kopf etwas zum Nachdenken zu geben, sondern seinem Herzen etwas zum Staunen. Und deshalb fühlen sich diese Verse ein wenig so an, als würde er hier das Evangelium besingen.
Ja, hör dir mal dieses Lied an:
Vers 9 und 10:
Der hat uns gerettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Retters Christus Jesus, der den Tod zunichtegemacht, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.
Was du in diesen Zeilen hörst, ist Paulus’ Jubel über das Evangelium. Er will unbedingt, dass wir ein Stück mehr sehen und empfinden, wie einzigartig, wie schön und wie stark diese Botschaft ist, die er sein Leben lang verkünden durfte. Und deshalb besingt er hier den ewigen Anfang, die unverdiente Gnade und die gewaltige Kraft des Evangeliums.
Das Evangelium ist nicht eine dieser menschlichen Ideen, die kommen und gehen, sondern hat seinen Anfang vor aller Zeit. Lange bevor es uns gab, lange bevor es irgendetwas gab, entspringt es voll und ganz im Herzen des ewigen dreieinigen Gottes, der nichts und niemanden braucht und sich nach, so sagt Paulus, seinem eigenen Vorsatz vor ewigen Zeiten dazu entschlossen hat, Sünder zu retten und zu lieben.
Das Evangelium begann nicht 33 nach Christus. Es nahm seinen Anfang, noch bevor der Schöpfer aller Dinge sprach: Es werde. Bevor Sterne und Planeten das Universum füllten, war das Herz unseres Gottes voll von Retterliebe. Und darin zeigt sich die unverdiente Gnade, von der das Evangelium spricht.
Ja, Paulus schreibt in Vers 9, dass Gott uns gerettet hat und mit heiligem Ruf berufen hat, nicht auf der Grundlage unserer frommen Taten, nicht weil wir ihm zuerst bewiesen hätten, dass wir liebenswürdig sind, sondern weil er sich in Christus vor aller Zeit dazu entschieden hat, uns zu lieben. Gott richtete in seiner Gnade seinen Blick auf dich und mich, und zwar schon lange bevor wir existierten und nach ihm gesucht haben, und traf den Entschluss: Dieser da, diese da soll in meiner Familie sein.
Hast du gesehen, was am Ende von Vers 9 steht? Lass dir das mal auf deiner Zunge zergehen. Er hat uns gerettet und berufen, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben worden ist.
Kind Gottes, hörst du das? Lange, lange bevor du deinen ersten Atemzug tun konntest, nahm er sich schon vor, dich mit Gnade zu beschenken. Lange bevor du deinem Gott Millionen von Gründen geben konntest, dich nicht zu lieben, lief seine Gnade dir schon entgegen.
Und diese unfassbare Gnade aus der Ewigkeit, die im Herzen Gottes begann, wurde sichtbar, sagt Paulus in Vers 10, als Jesus, der Sohn Gottes, als unser Retter erschien, um was zu tun? Um den Tod zu vernichten und Leben und Unvergänglichkeit ans Licht zu bringen.
Das hier, Lieben, ist die gewaltige Kraft des Evangeliums. Denn wodurch hat Christus das getan, was hier am Ende von Vers 10 steht? Durch das Evangelium. Durch das Evangelium, also durch sein Leben, sein Sterben und sein Auferstehen, hat Christus den Tod vernichtet und Leben und Unvergänglichkeit für uns ans Licht gebracht.
Als er für uns starb und auferstand, wurde der Tod in den Tod gerissen. Ihm wurde die Macht genommen, und zwar für immer, sodass er für Kinder Gottes keine Bedrohung mehr ist. Der Tod ist für Kinder Gottes keine Bedrohung mehr. Er ist die Tür in maximale Freude hinein. Nein, für uns ist der Tod nicht das Ende des Lebens. Für uns ist er der Eintritt in das Leben in unbegrenzter Fülle, und zwar für immer.
Der Tod hat für immer seinen Stachel verloren, oder wie es ein englischer Dichter einmal so schön gesagt hat: Der Tod war einst ein Henker, aber das Evangelium machte aus ihm einen Gärtner. Amen. So mächtig ist unser Evangelium.
Es scheint aus menschlicher Perspektive vielleicht schwach, klein und nicht beachtenswert, aber es ist Gottes Kraft, durch die die Mächte der Finsternis zerstört und tote Herzen für immer verwandelt werden. Die Welt sieht in dem Evangelium einen Grashalm, den man platt treten kann. Aus Gottes Perspektive ist es in Wahrheit der Hammer, der Felsen zertrümmert und die Werke des Teufels vernichtet. Seine Bedeutung reicht von Ewigkeit zu Ewigkeit, und deshalb kann Paulus nicht anders, als darüber zu reden und hier fast schon in Anbetung auszubrechen.
Ja, verstehst du, Paulus schreibt diesen Brief an einen Pastor einer Gemeinde, in der immer mehr ein Christsein auf Zehenspitzen geführt wird, und Paulus reagiert, indem er fest aufstampft, sodass es alle hören. Er denkt nicht daran, sich für dieses Evangelium zu entschuldigen oder zu schämen, dessen Herold er ist. Er wird es herausrufen, er wird sich nicht schämen, er wird sich nicht dafür entschuldigen, denn dafür ist sein Anfang zu göttlich, seine Gnade zu herrlich und seine Kraft zu gewaltig.
Wir haben ein Evangelium, über das man jubeln kann. Das ist so wichtig: Der Hauptgrund, uns nicht für das Evangelium zu schämen, ist das Evangelium selbst und der Gott, der hinter dem Evangelium steht, dessen Größe und Herrlichkeit in dem Evangelium sichtbar werden. Deshalb sagt Paulus in Vers 12: Ich schäme mich nicht, denn ich weiß, an wen ich geglaubt habe.
Jetzt ist die Frage: Warum baut Paulus diese Doxologie, diesen Jubel über das Evangelium, an dieser Stelle ein?
Wir waren vor einigen Jahren mit meiner Frau in Dänemark und haben uns dort so eine kleine Hütte gebucht. Da war eine Heizung drin, es war relativ kalt, und die Heizung brachte aber wenig bis gar nichts. Es gab in dieser Hütte einen Kamin, und wenn man den nicht anschmiss, war man verloren. Es war einfach super kalt. Das heißt, man musste diesen Kamin regelmäßig anschmeißen, vor allen Dingen dann zum Abend hin, damit man in der Nacht nicht erfriert.
In Vers 9 und 10 schmeißt Paulus den Kamin an. Damit Herzen, die sich zurückgezogen haben, damit Herzen, die kühl geworden sind, wieder warm werden für das Evangelium. Deshalb zeigt er hier die Kraft und die Schönheit des Evangeliums. Denn das ist, was wir sehen und was wir spüren müssen, damit neues Feuer in uns entsteht. Damit wir aufs Neue begreifen, dass dieses Evangelium zu schön ist, um sich dafür zu schämen. Es ist zu stark, um sich dafür zu schämen.
Unsere Herzen werden dann kühl, wenn wir den Blick für die Größe des Evangeliums verlieren. Und es ist die Größe des Evangeliums, die uns mutig sein lässt. Wir haben das gerade so schön gesungen: Wer soll gegen uns aufstehen, wenn der Gott dieses Evangeliums für uns ist? Was können Menschen mir antun, wenn selbst der Tod keine Macht mehr über mich hat? Warum sollte ich mich für eine Botschaft schämen, deren Bedeutung von Ewigkeit zu Ewigkeit reicht und die so stark ist, dass sie Tod und Teufel für immer besiegt? Wie sollte ich mich für so eine Botschaft schämen?
Halte deinen Kamin warm. Halte deinen Kamin warm. Lass das Feuer der Begeisterung für das, was Gott in Christus für dich getan hat, niemals kleiner werden. Lass dein Haus nicht auskühlen, und dann fang an, das Feuer der Begeisterung in anderen zu entfachen.
Wir sprechen auf dieser Konferenz unter anderem darüber, wie wir andere Menschen prägen, die nächste Generation prägen. Hier ist meine Anwendung: Gib den Menschen, die du prägen darfst, ob es deine Gemeindemitglieder, die Teens oder deine Kinder zu Hause sind, etwas zum Staunen. Gib ihnen nicht einfach nur etwas für ihren Kopf, gib ihren Herzen etwas zum Bewundern. Gib ihnen dieses große Evangelium mit einer großen Bedeutung und Kraft, kein Evangelium, wo man eine Jacke drüber werfen kann. Kein Evangelium, das man ignorieren kann.
Und liebe Pastoren und Prediger, lasst uns unsere Gemeinden dadurch prägen, dass wir in jeder Predigt über das Evangelium nicht nur reden, sondern jubeln. Bitte lasst uns keine trockenen Bibelvorträge halten, mit denen wir nur die Köpfe unserer Zuhörer größer machen. Lasst uns Christus, seine Herrlichkeit und seine Gnade feiern, Sonntag für Sonntag, Text für Text, Vers für Vers!
Und weißt du was, lieber Bruder, du brauchst dafür nicht der nächste John Piper sein. Du brauchst nicht John Piper imitieren. Aber ich frage dich wirklich ernsthaft: Ist da ein Leuchten in deinen Augen zu sehen, wenn du über das Kreuz redest? Ist da Freude in deinem Gesicht zu sehen, wenn du über diesen Erlöser sprichst?
Wir brauchen nicht noch mehr trockene Bibelvorträge. Wir brauchen Prediger und Pastoren, die jubeln über Christus, die ihren Mitmenschen einen Christus zeigen, der so groß ist, dass keiner ihn ignorieren kann und ignorieren darf, bis immer mehr Menschen in unseren Gemeinden und Häusern in unseren Jubel einsteigen und bekennen: Ich schäme mich nicht, denn ich weiß, an wen ich geglaubt habe.
Festhalten ohne Furcht
Und anfangen, das Evangelium ohne Furcht festzuhalten. Das ist mein letzter Punkt: Festhalten ohne Furcht.
Wie machen wir das? Wie stehen wir mutig und furchtlos zum Evangelium? Ein ganz zentrales Merkmal für Menschen, die sich nicht für Jesus und das Evangelium schämen, ist, dass sie bereit sind, für das Evangelium zu leiden. Das ist ein Punkt, den Paulus oftmals in seinem Brief ausbreitet, und deshalb werde ich ihn hier nur kurz nennen.
Schau mal in Vers 8: „Schäme dich nicht, sondern leide Trübsal für das Evangelium.“ Und in Vers 12 wieder: „Aus diesem Grund leide ich dies auch, aber ich schäme mich nicht.“
Ja, wir stehen mutig zum Evangelium, wenn wir die Bereitschaft haben, für dieses Evangelium zu leiden. Ob es Gefängnis, Verfolgung, Verlust oder Spott ist, das auf uns zu nehmen. Denn indem wir bereit sind, für dieses Evangelium zu leiden, demonstrieren wir gegenüber einer zuschauenden Welt, dass uns etwas mehr wert ist als Komfort, als Luxus, als unser Name.
Paulus gibt uns aber noch mindestens zwei weitere Wege, auf die ich jetzt eingehen will. Er sagt uns, dass wir zum Evangelium stehen, indem wir erstens das eine wahre Evangelium bewahren und festhalten und uns sichtbar mit denen identifizieren, die an dasselbe Evangelium glauben und dasselbe Evangelium verkünden.
Paulus ruft Timotheus zu in Vers 13 und 14: „Halte fest das Vorbild der gesunden Worte, bewahre das schöne anvertraute Gut.“ Paulus gebraucht diese zwei Imperative: Halte fest und bewahre.
Mutig zum Evangelium stehen hat etwas damit zu tun, an den Kerninhalten des Evangeliums festzuhalten und diese wie einen wertvollen Schatz zu bewahren. Und zwar gerade dann, wenn um uns herum und in unserem eigenen Herzen eine Skepsis oder Ablehnung wächst gegen bestimmte Teile des Evangeliums.
Paulus redet hier vom Vorbild der gesunden Worte. Er redet vom anvertrauten Gut, das Timotheus bewahren soll. Timotheus soll also um jeden Preis bei dem einen Evangelium bleiben, das er von seiner leiblichen Mutter und seinem geistlichen Vater gehört hat.
Und diese Erinnerung ist total relevant, oder? Für uns. Ja, ob es die Inkarnation ist, die Jungfrauengeburt, der stellvertretende Sühnetod, die leibhaftige Auferstehung oder die Himmelfahrt: Alle wichtigen Teile des Evangeliums werden auch heute angegriffen, angezweifelt oder umgedeutet, damit es in den Denkrahmen des modernen Menschen passt.
Ihr Lieben, es gibt einen Wortlaut des Evangeliums, wie Paulus in 1. Korinther 15 sagt. Es gibt einen Wortlaut, den der Heilige Geist durch die Apostel an seine Kirche weitergegeben hat. Es gibt ein Vorbild der gesunden Worte, durch die geistlich Kranke an ihrer Seele Heilung erfahren. Und unsere Aufgabe ist es nicht, das Rezept zu verbessern. Wir sind nicht die Ärzte! Unsere Aufgabe besteht darin, die Medizin zu überbringen und dann dabei zuzuschauen, wie Gott Heilung schenkt.
Wir stehen mutig zum Evangelium, indem wir konsequent diesem Impuls widerstehen, etwas von der Botschaft des Kreuzes wegzulassen oder anzupassen, um sie irgendwie akzeptabler oder angenehmer zu machen. Es ist doch so wichtig, dass wir als Christen eine Sache verstehen: Wir sind nicht in der Lage, die gute Nachricht besser zu machen. Wir sind dazu berufen, sie im Glauben an Jesus festzuhalten und aus Liebe zu ihm zu verkünden.
Ja, lasst uns da auch zu Vorbildern werden für andere, vor allem auch für die nächste Generation in unserer Gemeinde.
Aber dann gibt es noch diesen zweiten Weg, und den erklärt Paulus gleich zu Beginn in Vers 8. Er sagt dort nicht nur zu Timotheus: „Schäme dich nicht des Zeugnisses unseres Herrn“, sondern sagt auch: „Und schäme dich auch nicht für mich, seinen Gefangenen.“ Und dieser Gedanke wird dann in Vers 15 und 16 noch einmal hervorgehoben.
Paulus beklagt dort zum einen, dass sich alle, die in Asien sind, von ihm abgewandt haben. Aber dann gibt es noch jemand anderen. Es gibt Onisiphorus, der sich nicht für Paulus’ Ketten geschämt hat. Und für Paulus gehört das zusammen: Mutig zum Evangelium stehen bedeutet immer, dass ich auch mutig zur Kirche Christi stehe, die ja das Ergebnis des Evangeliums ist.
Deshalb will ich uns ermutigen, dass wir in einer Kultur des Individualismus, in der auch ganz viel individualistisches Christsein propagiert wird, dafür kämpfen und die nächste Generation dahingehend prägen, dass eine Begeisterung für Jesus immer auch mit einer sichtbaren, liebevollen und dienenden Identifikation mit den Menschen des Evangeliums zusammenhängt, ob es die weltweit verfolgte Kirche ist oder deine Ortsgemeinde.
Wenn wir uns denen gegenüber distanzieren, die genau wie wir an das Evangelium glauben, wenn wir aufhören, für verfolgte Christen einzutreten, wenn wir anfangen, uns für unsere kleine, unspektakuläre Ortsgemeinde mit ihren eigenartigen Mitgliedern zu schämen, dann fangen wir an, das Evangelium ein bisschen loszulassen.
Onisiphorus war so anders, und er ist ein großes Vorbild für uns alle. Dieser Mann liebte das Evangelium, er schämte sich nicht dafür, und das war der Grund, warum er ganz Rom auf den Kopf stellte, nur um einen gefangenen alten Mann zu finden. Dieser Mann stand unerschrocken zum Evangelium.
Und lasst uns genau so das Evangelium unerschrocken festhalten und gleichzeitig niemals vergessen, dass wir nur festhalten können, weil Gott uns festhält.
Hast du gemerkt, wie viel Gnade hier in diesem Text für ängstliche Jünger steckt, für dich und mich, für Herzen, die sich immer wieder zurückziehen? Ja, Gott sagt uns hier: Halte fest, bewahre. Aber wir brauchen und können das nicht aus eigener Kraft, sondern, wie in Vers 14: durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.
Und in Vers 12 schreibt Paulus, dass er überzeugt ist, dass Gott mächtig genug ist, um sein anvertrautes Gut bis auf jenen Tag zu bewahren. Der Mut, zum Evangelium zu stehen, kommt nicht von uns. Die Kraft, am Evangelium festzuhalten, kommt nicht von dir. Beides kommt von dem Geist, der in dir lebt. Er ist es, der dich mutig macht. Er ist es, der dir die Worte geben will, wenn du am liebsten schweigen möchtest.
Der Heilige Geist ist der Bewahrer und Lehrer des Evangeliums, und er lässt ängstliche Kinder Gottes nicht allein. Er lässt uns nicht allein, sondern er befähigt uns, zum Evangelium zu stehen, wenn wir am liebsten weglaufen wollen.
Du bist weder in deinem Dienst in deiner Gemeinde noch an deinem Arbeitsplatz oder an der Uni auf dich allein gestellt. Der Geist Gottes lebt in dir. Wirf dich also nicht auf deine Kraft, nicht auf deinen Intellekt oder auf dein theologisches Wissen, wenn es darum geht, zum Evangelium zu stehen. Klammere dich an den Geist Gottes, der in dir lebt, und bitte ihn darum, dein ängstliches Herz mit Mut zu füllen. Mit Mut zu füllen.
Schäme dich nicht, das ruft uns Gott hier zu.
Und wenn du ein Herz hast, das ein bisschen meinem ähnelt, dann empfindest du vielleicht bei einem Text wie diesem eigenartigerweise Schmerz und auch Scham, weil du merkst, dass du dich schon hunderte Male geschämt hast, dass du dich schon hunderte Male weggeduckt hast, dass du hunderte Male geschwiegen hast, wo du etwas sagen können und müssen, und weil du weißt, dass dir so oft die Anerkennung von Menschen wichtiger ist als deine Treue gegenüber Gott.
Ich will dir am Ende zwei Sachen mitgeben:
Dein Versagen, für Jesus einzustehen, disqualifiziert dich nicht, ein Jünger von ihm zu sein. Er kann und will dich immer noch gebrauchen, genau wie Petrus und Timotheus.
Und zweitens: Dein Versagen ändert nichts daran, dass Jesus immer noch zu dir steht. Dir gegenüber ist sein Herz niemals auf dem Rückzug. Sein Herz ist niemals auf dem Rückzug. Dir gegenüber war sein Herz noch niemals kühl. Er wird dich niemals loslassen.
Und jetzt kommt es: Wenn du eine Sache mitnimmst, dann bitte das: Er wird sich niemals dafür schämen, dass du sein Bruder, seine Schwester bist. Er wird sich niemals dafür schämen. Er wusste um all dein Versagen und ging trotzdem mutig ans Kreuz, wo er dich und mich zu seiner großen Freude machte. Er schämt sich nicht, dein Gott zu sein. Schäm du dich nicht, sein Jünger zu sein. Und steh mutig zum Evangelium! Amen!
