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Gesegnet, um zu segnen – Joh 4,1-42

18.01.2026Johannes 4,1-42

Einführung: Die Sehnsucht nach Segen und Mission

Die Spannung steigt: Funktioniert das Headset? Es sieht sehr gut aus. Die Übung hat mir jetzt schon enorm beim Bibellesen und Predigen geholfen. Ich habe mir gedacht, das Vögelchen müsste vielleicht vorne etwas besser vormachen, bis ich verstanden habe, dass man einfach nur lesen muss, was da steht, und es dann tun und umsetzen soll. Genau das ist es, was wir tun müssen, wenn wir die Bibel lesen: lesen, was da steht, und es anwenden.

Das war aber noch nicht die Einleitung, denn die führt in eine andere Richtung. Ich habe einen Wunsch in meinem Leben, und ich gebe zu, dass dieser Wunsch in Gefahr ist, unterzugehen. Ich möchte Menschen zu Jesus führen. Ehrlich gesagt habe ich das jahrelang nicht erlebt. Mein Wunsch ist es, Segen für andere zu sein. Wahrscheinlich gibt es kaum etwas Größeres, als jemanden zu Jesus zu führen und dass jemand Jesus durch mich kennenlernen darf.

Ich gebe zu, dass ich, weil ich so lange nichts Derartiges erlebt habe, manchmal Momente der Resignation spüre. Man hört auf zu träumen und gibt das Ziel auf. Das muss ich ehrlich zugeben.

Hast du denselben Wunsch? Dass Menschen durch dich zum Glauben kommen? Das tiefe Verlangen, Segen zu sein? Das tiefe Verlangen, dass Gottes Reich und Gottes Gemeinde durch dich wachsen darf?

Ich spare mir an dieser Stelle, Missionsbefehle oder Ähnliches vorzulesen. Ich glaube, wir kennen sie alle ausreichend. Wer einen christlichen Hintergrund hat, hat das eigentlich im Blick: Wahrscheinlich ist das der Kern unseres Auftrags, der Sinn unseres Lebens hier – Zeugen Jesu zu sein.

Wie sieht es in deinem Leben aus? Ist es Alltag, Ausnahme oder gar nicht existent? Man kann sich auch fragen: Warum ist das so? Ich tue das manchmal. Die schnelle Antwort, die ich in unseren konservativen Kreisen oft höre, lautet: Es ist einfach keine Erweckungszeit. Heute sind die Menschen nicht mehr offen fürs Evangelium, da passiert nichts mehr.

Mag sein, dass das stimmt, aber ich muss euch ehrlich sagen: In den Jahrzehnten, in denen ich gläubig bin, habe ich mich noch nie damit zufrieden gegeben. Warum? Weil ich diese Aussage an keiner einzigen Stelle in der Bibel finde. Die Bibel kennt keine Zeit, in der Menschen nicht zu Jesus finden.

Ich glaube, diese Aussage ist manchmal eher eine Ausrede für mein Leben. Eine Ausrede, um mich in meiner Resignation zufrieden zu geben, statt die wirkliche Antwort zu sein.

Jesu Vorbild für Mission und Begegnung

Vielleicht liegt es daran, dass ich eine andere Perspektive habe und Dinge anders erlebe. Was ich heute mit euch machen möchte, ist das Vorbild schlechthin anzuschauen, wenn es darum geht, Mission zu leben. Das Vorbild schlechthin, wenn es darum geht, Menschen zur Quelle des Lebens zu führen: den Maßstab selbst, der den Maßstab setzt – Jesus Christus.

Wir wollen uns anschauen, wie er in einer kleinen Situation Mission und Evangelisation lebt. Das Spannende dabei ist, dass wir zwei Dinge sehen werden. Erstens, wie er dir gegenüberlebt, wie er dir begegnet. Und zweitens, wie er ein Muster setzt, wie wir anderen begegnen sollen, wenn wir wirklich Segen sein wollen und andere mit dem Evangelium erreichen möchten.

So ist es heute, wie so oft, zweischichtig: Jesu Ausrichtung und Herzenshaltung, mit der er mir begegnet, wirken als Maßstab, mit dem ich anderen begegnen soll.

Ja, das wird heute wieder einmal ein Vogelflug. Deshalb wird es vielleicht nicht ganz so sehr um das Schmecken gehen – das ist ein Teil davon –, aber ich werde einen großen Vogelflug über ein recht ausführlich geschildertes Ereignis im Johannesevangelium machen, nämlich die Situation mit der Frau am Jakobsbrunnen.

Das sind 42 Verse, die wir heute anschauen, und ich glaube, es ist klar, dass wir da nicht mit der Lupe vorgehen werden. Das kann Motivation sein, tiefer einzutauchen, aber ich bin ehrlich: Zum einen tut der Vogelflug manchmal gut, zum anderen habe ich keine Lust, zehn Jahre lang das Johannesevangelium zu predigen. Das muss ich ehrlich zugeben. Deshalb habe ich mich entschieden, da weiterzugehen.

Damit ihr gut folgen könnt, ist es heute vielleicht noch wertvoller als sonst, die aufgeschlagene Bibel vor euch zu haben. Manche blättern schon zu Johannes 4, denn dort beginnt das Geschehen. Es lohnt sich, nachzuschauen, weil ich vielleicht nicht immer jedes Detail nennen werde, wo ich es genau im Bibeltext finde. Aber ich hoffe doch, dass die Themen, die ich behandle, sehr stark aus der Bibel und aus dem Text herauskommen. Und...

Persönliche Herausforderung und Definition von Mission

Ich predige heute über ein Thema, bei dem ich selbst einen großen Mangel spüre. Wenn ich darauf schaue, wie mein Umgang mit Menschen aussieht und wie mein Zeugnis für Jesus wirkt, sehe ich ein großes Minus davor.

Deshalb stehe ich nicht hier vorne als jemand, der euch sagen kann, wie es perfekt funktioniert oder der eine Erfolgsgeschichte vorweisen kann. So nach dem Motto: „Ich begegne jemandem an der Kasse in der Tankstelle, zack, bekehrt.“ Nein, das Gegenteil ist der Fall.

Das Gute daran ist: Würde ich nur über mich selbst predigen, wäre der Maßstab wahrscheinlich leicht zu erreichen. Aber ich predige über einen anderen, nämlich über Jesus Christus. Ich habe eine tiefe Sehnsucht, dass Gott mir gnädig ist und dass das, was Jesus hier zeigt, in meinem Leben immer mehr Realität wird. Ich wünsche mir, dass ich ein Stück weit verwandelt werde, um dem Maßstab, den er anlegt und zeigt, ähnlicher zu werden.

Diesen Wunsch habe ich auch für dich.

Eine kurze Definition und Vorbemerkung noch: Wenn ich heute von Mission spreche, unterscheide ich nicht zwischen Inland und Ausland. Ich weiß, manchmal wird das gerne gemacht: Inland gilt als Evangelisation, Ausland als Mission. Mir geht es heute bewusst darum, Menschen zu erreichen – ganz egal, ob du dafür wie Andrea und Karina nach Bangladesch ziehst oder ob du mit jemandem in der Arbeit in der Kaffeeküche ins Gespräch kommst. Du wirst ihnen von Jesus erzählen.

Historischer und biblischer Hintergrund der Berufung Israels

Jetzt habt ihr alle fleißig Johannes 4 aufgeschlagen. Bevor wir jedoch in den Text einsteigen, möchte ich noch etwas Hintergrund geben. Dabei gehe ich auf zwei andere Stellen ein, die uns einen Kontext für die ganze Geschichte liefern.

Gott hatte nämlich einen Gedanken mit dem Volk Israel und wie er es beruft. Diese Berufungsgeschichte Israels beginnt nicht erst im zweiten Buch Mose, sondern schon im ersten Buch Mose. Dort ruft Gott jemanden aus Mesopotamien heraus, um ihm einen Namen zu machen und ihn als Stammvater einzusetzen. Dieser Mensch ist Abraham.

An der Stelle, an der Gott Abraham den Segen verheißt, in 1. Mose 12,3, gibt er ihm auch mit, warum Abraham gesegnet wird. Dort heißt es: „Ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den will ich fluchen. Und in dir sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.“

Wenn Gott Abraham beruft, einen Menschen herauspickt, um mit ihm Geschichte zu schreiben und so die Geschichte des Volkes Israel beginnt, hat er nicht im Blick, ein Volk zu schaffen, das auf alle anderen herabblickt und sagt: „Wir sind es und ihr nicht.“

Gott hat vielmehr im Blick, ein Volk herauszurufen, um es für sich als sein Eigentum zu schaffen, es abzusondern und zu heiligen. Warum? Damit dieses Volk für die anderen Völker um sie herum zum Segen wird.

Dieses Thema wird auch im zweiten Buch Mose vertieft und zieht sich immer wieder durch das Alte Testament. Ein Beispiel dafür ist Psalm 67, Verse 2 und 3. Dort sagt der Psalmist: „Gott schenke uns seine Gnade und seinen Segen, er wende sich uns freundlich zu und begleite uns mit strahlendem Angesicht.“

Es ist also der Wunsch, dass Gott segnet. Und in Vers 3 folgt das Warum: „Denn so erkennt man auf der ganzen Erde dein Wirken, o Gott, und alle Völker werden sehen, was du zur Rettung der Menschen tust.“

Wenn Gott also Israel über die Linie Abrahams herausruft und Israel absondert, damit es Gottes Volk wird, dann hat er einen bestimmten Blick darauf. Israel hat einen Auftrag, nämlich Segen für die anderen zu sein.

Der Segen, den Israel erhalten sollte, war nie Selbstzweck. Der Zweck war immer, dass dieser Segen auf die Völker um sie herum ausstrahlt. Das ist der Kontext.

Das Problem der Vermischung und Abgrenzung Israels

Von Anfang an, wenn man in die Geschichte Israels schaut, wird ein großes Problem sichtbar. Lot ist der erste Kandidat, bei dem dieses Problem deutlich wird. Wenn nämlich das Volk Israel, Gottes auserwähltes Volk, mit den Heiden in Kontakt kommt, führt das meistens nicht dazu, dass die Juden die Heiden segnen. Stattdessen werden die Juden wie die Heiden. Das ist das große Problem.

Lot in Sodom, die Richterzeit – die Vermischung wird zum großen Problem. Deshalb kommt die Reaktion Gottes, die man zum Beispiel in 3. Mose 20,26 lesen kann: „Ihr sollt mir also heilig sein, denn ich, der Herr, bin heilig und habe euch von den übrigen Völkern abgesondert, damit ihr mir gehört.“

Oder auch in Esra, Kapitel 9, wo wir lesen können – ich fasse das nur zusammen –, wie dieses große Problem der Vermischung mit den Völkern um Israel herum dazu geführt hat, dass Israel selbst kaputtgeht und wie sie wie die Heiden werden. Ezra, Nehemia und andere müssen dafür sorgen, dass diese heidnischen Frauen, die Götzendienste und alles, was damit zusammenhängt, im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt werden, damit Israel wieder heilig und gerecht ist.

Hundert Prozent der befragten Mütter haben mir bestätigt: Wenn ein kleines Kind in den Matsch springt, wird nicht der Matsch sauber, sondern das Kind schmutzig. Das ist die Erfahrung, die wir haben. Das ist die Realität. Manche aus den Männertreffen werden sich jetzt erinnern: Ja, so entspricht es allem, was wir erleben.

Und das ist das große Problem, wenn Israel in seiner Geschichte mit den heidnischen Völkern in Berührung kommt. Meistens passiert es nicht, dass Israel zum Segen für diese Völker wird, sondern dass sie selbst wie die Heiden werden. Dieses Muster haben wir im Kopf, weil wir diese Realität kennen.

Das hat dazu geführt, dass die Juden, die es ernst meinten, einen totalen Fokus auf Abgrenzung und Absonderung gelegt haben. Von Segen sein ist so gut wie nichts zu spüren, wenn man das Alte Testament durchliest. Dort findet man kaum Stellen, in denen Israel zum Segen für die Völker um sie herum wird.

In diesem Kontext ist Johannes 4 geschrieben. Genau über dieses Thema spricht der Text. Wir schauen uns nun die ersten neun Verse an.

Jesus begegnet der Frau am Jakobsbrunnen – Ein Bruch mit Traditionen

 Johannes 4

Die Pharisäer hörten, dass Jesus mehr Menschen zu Jüngern machte und taufte als Johannes. Allerdings taufte nicht Jesus selbst, sondern seine Jünger.

Als Jesus erfuhr, dass den Pharisäern berichtet wurde, wie groß der Zulauf zu ihm war, verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa. Dabei musste er durch Samarien reisen. Sein Weg führte ihn durch Sichar, eine samaritische Ortschaft, in deren Nähe das Feld lag, das Jakob einst seinem Sohn Joseph gegeben hatte. Dort befand sich auch der Jakobsbrunnen.

Es war um die Mittagszeit. Müde von der Reise hatte sich Jesus an den Brunnen gesetzt. Seine Jünger waren in den Ort gegangen, um etwas zu essen zu kaufen. Da kam eine samaritanische Frau zum Brunnen, um Wasser zu holen. Jesus bat sie: "Gib mir zu trinken."

Überrascht fragte die Frau: "Wie kannst du mich um etwas zu trinken bitten? Du bist doch ein Jude, und ich bin eine Samaritanerin." Die Juden meiden nämlich jeden Umgang mit den Samaritern.

Jesus antwortete: "Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: 'Gib mir zu trinken', dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir Quellwasser gegeben, lebendiges Wasser."

In Vers 9 zeigt sich die Überraschung dieser Frau darüber, warum Jesus sich mit ihr abgibt. Diese Überraschung ergibt sich aus dem Kontext, denn es war völlig ungewöhnlich. Normalerweise war es nicht notwendig, durch Samarien zu gehen. Man konnte auch einen Bogen darum machen, und das taten alle Juden in der Regel.

Die Samariter sind ein Mischvolk. Daniel hat das, glaube ich, mal erklärt, als es in der Apostelgeschichte erwähnt wurde: Nach der assyrischen Eroberung des Nordreiches setzten die Assyrer andere Völker in dem Gebiet Israels an. Sie führten einen Teil der Bevölkerung in Gefangenschaft und ließen einen Teil dort zurück. Die Nordstämme der Juden vermischten sich mit diesen Völkern. Aus Sicht des Stammes Juda, also des Südreichs, galten sie dadurch nicht mehr als rein oder abgesondert, sondern wie Heiden.

Diese Samariter bauten auf dem Berg Garisim einen Tempel zur Anbetung. Man muss verstehen, dass im Gesetz Mose dieser Berg als der Ort genannt wurde, an dem, wenn sie in das Land kommen, der Segen ausgesprochen werden sollte. Es gab einen Berg des Segens und einen Berg des Fluchs. Der Berg Garisim war der Berg des Segens. Deshalb erwarteten die Samariter dort Segen und hatten dort einen Tempel errichtet.

128 vor Christus zerstörten die Juden aus dem Südreich diesen Tempel. Warum? Es gibt nur einen Tempel, nämlich den in Jerusalem. Hier lag der Konflikt. Die Samariter erwarteten durchaus von Yahweh Segen, aber eben vom Berg Garisim. Die Juden hingegen sagten, das dürfe nur Jerusalem sein. Das war ein riesiger Konflikt.

Die Samariter galten als unrein, und die Juden gaben sich nicht mit ihnen ab. Warum? Sie waren komplett auf Abgrenzung fokussiert, sogar gegenüber ihren Halbgeschwistern. Sie schauten von oben auf die herab, die nicht so lebten wie sie, die nicht nach Jerusalem pilgerten zum Tempel, die sich nicht absondern, und sie hatten völlig vergessen, segensreich zu sein.

Das ist spannend, aber das wäre ein anderes Thema. Trotz ihrer harten Abgrenzung waren die Samariter alles andere als frei von Sünde. Das kam von innen heraus, aber das nur als Randbemerkung.

Hier stehen wir nun, wo Jesus diesen Weg geht und diese Grenzen anfängt niederzureißen.

Jesus durchbricht Schranken und begegnet in der Tiefe

Bevor wir uns das genauer anschauen, möchte ich eine Frage stellen: Sind wir den Juden näher, als wir wahrhaben wollen? Bin ich ihnen näher, als ich es zugeben möchte? Sind wir mehr damit beschäftigt, Abgrenzung zu leben, statt Segen zu sein?

In Wirklichkeit fühle ich mich oft wohler mit Menschen, die mir sympathisch sind und die um mich herum sind. Menschen, die ganz anders sind und weit entfernt von dem Leben, das christlichen Maßstäben entspricht, fühlen sich für mich schmutzig an. Deshalb halte ich Abstand, und dadurch fühle ich mich besser.

Wohin fließt deine Energie? In Diskussionen darüber, was wir als Gemeinde anders machen müssten, wie ein rechter Gottesdienst aussieht oder wie wir Menschen mit dem Evangelium erreichen können? Oder in Segen zu sein und Mission zu leben? Bei mir ist die Antwort leider oft nicht auf der richtigen Seite.

Ich glaube, wir sind den Juden, die Angst hatten, schmutzig zu werden, näher, als wir uns eingestehen wollen. Sie waren so darauf bedacht, in ihren Grüppchen zu bleiben, die sich sauber und rein anfühlten. Sie schauten ein wenig auf die herab, die weit weg waren.

Jesus bricht das völlig auf, und das ist die gute Nachricht. Er ist völlig anders und reißt alle Schranken ab. Ich glaube, er tut das ganz bewusst. Er setzt ganz bewusst diese Situation mit der Frau am Jakobsbrunnen ein.

Er reist bewusst durch Samaria – das ist das Erste. Er macht es nicht wie die Juden, die den längeren Weg außen herum nehmen, sondern er geht bewusst hindurch.

Wenn im Text steht, dass es notwendig war, diesen Weg zu gehen, bedeutet das, dass Gott es so wollte. Es war notwendig, zu diesem Menschen zu gehen. Der Jude lässt sich herab und bittet eine samaritanische Frau um Wasser. Sie ist völlig verwirrt und schockiert, dass er das tut. Er lässt sich von jemandem helfen, bei dem Sünde im Spiel ist.

Die Frau steht wahrscheinlich aufgrund ihrer Sünde am unteren Ende der Gesellschaft, denn im weiteren Verlauf wird deutlich, dass sie mehrere Männer gehabt hat. Bei den Samaritern gehörte sie damit zu den Ausgestoßenen.

Warum? Sie kommt zur Mittagszeit an den Brunnen. Damals holte man kein Wasser zur Mittagszeit. Das war anstrengend, denn man musste schwere Wasserkrüge tragen. Deshalb ging man abends Wasser holen. Sie tut es nicht so, wahrscheinlich weil sie gesellschaftlich geächtet war. Sie wollte nicht zur üblichen Zeit kommen, wenn alle anderen da sind, sondern lieber mittags, obwohl es heiß ist.

Jesus reißt diese Schranken ganz bewusst ab und begegnet ihr in der Tiefe ihres Lebens. Die gute Nachricht ist: Das gilt nicht nur für diese Frau am Jakobsbrunnen, sondern auch für dich und mich.

Selbst wenn wir hier in der Gemeinde sitzen und eine große Distanz zu denen empfinden, die das Glaubensleben ernster nehmen oder vorbildlicher sind – die scheinbar näher bei Gott sind – und wir uns nicht würdig fühlen, ist Jesus derjenige, der sich zu uns setzt. Er begegnet uns, ohne darauf zu warten, dass wir uns erst ändern.

Das ist das Erste, was auch für uns gilt, wenn wir Mission leben wollen. Weil Jesus uns so begegnet, weil er uns zugewandt ist und wirklich Segen sein will, statt sich abzugrenzen, sind auch wir aufgefordert, uns auf Menschen zuzubewegen, die nicht zu uns passen.

Wir sind aufgefordert, rauszugehen und bereit zu sein, unsere „Bubble“ zu verlassen. Für die jungen Leute bedeutet das, die eigene Blase zu verlassen. Für Erwachsene heißt „Bubble“ einfach, dass man nur noch mit Leuten zusammen ist, die einem gefallen und die einem sympathisch sind.

Das ist der erste Schritt. Jesus ist bereit, das Risiko einzugehen, sich schmutzig zu machen. Ich bin mir sicher, dass ihr das in der Geschichte hier seht und auch in den Evangelien immer wieder. Die Juden hatten ständig Probleme damit, dass Jesus sich mit solchen Leuten abgibt. Sie waren schockiert, wie Jesus zu Sündern ging.

Das taucht immer wieder auf: „Wie kannst du nur da hingehen? Wie kannst du mit diesen Leuten Gemeinschaft haben?“ Zum Beispiel mit Zachäus, dem Zöllner, und so weiter. Die Evangelien sind voll von solchen Geschichten.

Jesus ist bereit, dass andere schlecht über ihn reden, auch Leute aus seiner eigenen Volksgruppe, weil er sich mit Menschen einlässt, die nicht dazu passen und scheinbar nicht rein gehören.

Ziel der Begegnung: Mehr als nur Verurteilung

Was ist aber das Ziel, wenn ich mich in den Regen begebe, dorthin, wo ich schmutzig werden kann? Ist das Ziel, einfach nur den Spaß mitzuerleben? Eigentlich ist die Welt ja nicht so schlimm, und ich dürfte das alles ein bisschen genießen. Nein, sicher nicht – das war nicht der Blick von Jesus.

Ist das Ziel, den Menschen um mich herum endlich mal zu sagen, wie schlimm sie sind, damit sie, wenn sie so weitermachen, in der Hölle landen? Soll ich sie dazu bringen, sich endlich mal zu ändern und auf mich zu hören, weil ich doch wüsste, wie man besser lebt? Ich glaube, auch das ist nicht die Botschaft, auch wenn das manche irritieren mag.

Jesus zeigt uns, was die Botschaft ist. Wir lesen weiter in den Versen 10 bis 26:

Jesus antwortete: „Wenn du wüsstest, woran die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken‘, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir Quellwasser gegeben – lebendiges Wasser.“

Die Frau wandte ein: „Herr, du hast doch nichts, womit du Wasser schöpfen kannst, und der Brunnen ist tief. Woher willst du denn dieses lebendige Wasser nehmen? Bist du etwa mehr als unser Stammvater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat und selbst von seinem Wasser trank – er und seine Söhne und seine Herden?“

Jesus gab ihr zur Antwort: „Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr durstig sein. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die unaufhörlich fließt – bis ins ewige Leben.“

Die Frau sagte: „Herr, bitte gib mir von diesem Wasser, dann werde ich nie mehr Durst haben und muss nicht mehr hierher kommen, um Wasser zu holen.“

Jesus entgegnete: „Geh und ruf deinen Mann, komm mit ihm hierher!“

Die Frau antwortete: „Ich habe keinen Mann.“

„Das stimmt“, erwiderte Jesus, „du hast keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.“

„Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist“, sagte die Frau. „Unsere Vorfahren haben Gott auf diesem Berg hier angebetet. Ihr Juden dagegen sagt, der richtige Ort, um Gott anzubeten, sei Jerusalem.“

Jesus erwiderte: „Glaub mir, Frau, es kommt eine Zeit, da werdet ihr dem Vater weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten. Ihr Samariter betet an, ohne zu wissen, was ihr anbetet. Wir jedoch wissen, was wir anbeten, denn die Rettung der Welt kommt von den Juden.

Aber die Zeit kommt, ja, sie ist schon da, wo Menschen Gott als den Vater anbeten werden – Menschen, die vom Geist erfüllt sind und die Wahrheit erkannt haben. Das sind die wahren Anbeter. So möchte der Vater die haben, die ihn anbeten.

Gottes Geist, und die ihn anbeten wollen, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

Die Frau sagte: „Ich weiß, dass der Messias kommen wird.“ Messias ist das hebräische Wort für Christus. „Wenn er kommt, wird er uns all diese Dinge erklären.“

Da sagte Jesus zu ihr: „Du sprichst mit ihm – ich bin es.“

Jesus sieht die Not hinter der Sünde

Jesus wirft der Frau am Jakobsbrunnen nicht direkt ihre gesamten Sünden an den Kopf. Das bedeutet jedoch nicht, dass er nicht über die Sünde spricht. Jesus sieht die Not hinter der äußeren Sünde ihres Lebens. Er erkennt den Durst, den diese Frau hat, und nutzt den Brunnen, um durch viele Doppeldeutigkeiten die Frau zu ihrem wahren Durst zu führen.

Ich glaube, jeder, der die Geschichte mehrmals liest, wird erkennen, dass Jesus nicht von gewöhnlichem Wasser spricht. Er meint nicht, dass sie auf der Erde nichts mehr trinken muss, sondern spricht von einem tieferen Verlangen nach Wasser. Die Frau versteht diese Doppeldeutigkeit zunächst nicht. Für sie ist der einzige Weg, Durst zu löschen, das Wasser, das sie kennt. Die Option von fließendem Wasser erscheint ihr fast unglaublich – Wasser, das nicht mehr Durst macht. Genau das möchte sie haben, und Jesus bietet es ihr an. Er weckt in ihr den Wunsch nach einer besseren Quelle.

Damit die Frau begreift, dass Jesus nicht vom Brunnenwasser spricht, sondern von einer geistigen Quelle, legt er den Finger in die Wunde ihres Lebens. Er bietet ihr an, dass er viel mehr für ihr Leben hat, und macht ihr dann deutlich, welcher Durst eigentlich gestillt werden muss. Der wahre Durst der Frau ist der nach Liebe. Ich denke, das wird durch ihre vielfachen Liebesbeziehungen klar.

Sie ist der Vorstellung nahe, dass die nächste Beziehung endlich die wahre Liebe bringen wird. Die nächste wird es sein, mit der sie glücklich wird und bis ans Ende ihres Lebens zusammenbleibt. Diese Frau kann sich keinen anderen Ort vorstellen, an dem sie Liebe erfahren kann, als in diesen Liebesbeziehungen. Doch diese stillen den Durst nie wirklich, sondern machen immer wieder neu durstig nach Liebe.

Was Jesus sieht, ist nicht nur die Sünde dieser Frau. Diese spricht er an und macht sie deutlich, aber er sieht die Not dahinter: Sie braucht eine Quelle, die ihren wahren Durst stillen kann. Menschen leben Sünde in der Regel, weil sie Durst haben und denken, diesen Durst durch die vermeintlichen Freuden der Sünde stillen zu können. Im Kern ist Sünde immer Götzendienst, weil man sich von etwas anderem Erfüllung erwartet, das nur Gott geben kann.

Deshalb sieht Jesus nicht nur die äußere Sünde, sondern die Not dahinter. Er erkennt den Kern, an den er heranmuss: Die Frau braucht die Quelle des Lebens. Erst die Not hinter der Sünde legt das wahre Verlangen offen, wofür Wasser da ist.

Ist Sünde schlimm? Ja. Führt Sünde am Ende in die Hölle? Ja, wenn man Jesus nicht hat. Aber Jesus sieht nicht nur das Oberflächliche, was wir so gerne sehen und an dem wir oft ansetzen, wenn wir eine oberflächliche Veränderung wollen. Er sieht die Not des Herzens, den Durst des Herzens, und begegnet dem Sünder so unglaublich zugewandt.

Ich finde es beeindruckend, wie er die Sünde der Frau offenlegt. Sie liegt völlig klar auf dem Tisch. Doch für sie ist es einfach offen, dass er ihre wirkliche Not sieht. Er verurteilt sie nicht nur, sondern will ihr wirklich helfen. Er bietet ihr etwas Besseres an, als die Sünde bieten kann.

Und ja, Jesus ist der Einzige, der wirklich Grund gehabt hätte, sie zu verurteilen. Wenn man jemandem gegenüber sitzt, hat man selbst auch Dreck am Stecken und ist verurteilt. Aber hier sitzt der perfekte, reine, vollkommene ohne Sünde der Sünderin gegenüber. Er legt ihre Not offen, um sie zu heilen, nicht um sie zu verurteilen.

Wasser als Symbol für geistliche Not und Erfüllung

Das ist tief in der Geschichte Israels verankert und immer mit Wasser assoziiert, das Jesus hier bringt. In Jeremia 2,13 wird Israel wegen dieser Kernsünde angeklagt. Es ist die Kernsünde der Menschen: „Mein Volk tut eine zweifache Sünde.“ Beide Sünden haben mit Wasser und Quelle zu tun. Sie verlassen mich, die lebendige Quelle, und machen sich Zisternen, die rissig sind und das Wasser nicht halten.

Auch bei Jeremia war das Problem nicht, dass sie den Brunnen gegraben haben oder kein Wasser mehr aus dem Fluss holten. Das Problem war, dass sie die Erfüllung ihres Lebens – Freude, Frieden, Liebe – aus anderen Dingen erwarteten als von Gott. Ihr könnt jetzt alles einsetzen, was ihr wollt: Reichtum, Geld, sexuelle Sünden, sogar Hass und Mord, das Wegschaffen von Menschen, die einem nicht guttun, und Ähnliches. Ihr könnt die Liste vervollständigen – am Ende kommen alle diese Sünden auf diese eine zurück.

Dieses Thema spielt in unserem Kontext des Johannesevangeliums eine große Rolle. Dieses Wasser war schon bei Nikodemus präsent: neu geboren werden aus Wasser und Geist. Gerade im Zusammenhang mit den ganzen Tauffragen, die wir mit Johannes und anderen betrachtet haben, ist das Thema sehr aktuell.

Wir kommen hierher, weil die Jünger Jesu getauft haben und der Neid der Pharisäer wächst. Warum? Weil wir dieses Wasser brauchen. Hier bekommt es aber einen neuen Kontext. Bei Nikodemus war es eher das Bild der Reinigung, hier ist es die Anknüpfung an Jeremia: die Erfüllung, die wir eigentlich benötigen, die Quelle, die unser Leben antreibt.

Jesus bietet sich selbst als diese Quelle an. Ja, er ist, wie wir am Ende in Vers 26 sehen, selbst die lebendige Quelle. Er ist der Messias, der Sohn Gottes. Er ist das, was die Menschen brauchen, um von ihrer Sünde loszukommen, weil sie die bessere Quelle sehen als das, was ihnen die Sünde anbietet.

Ich weiß nicht, wie du heute hier sitzt – ob du Jesus nicht kennst, ob du mit Sünde kämpfst oder Ähnliches. Vielleicht begegnest du Christen, die nur das äußere Verhalten deiner Sünde ansprechen und wollen, dass du dich besser verhältst, damit dann alles in Ordnung ist. Jesus sieht die Not hinter deiner Sünde. Er will die Not, die dich zur Sünde treibt, mit lebendigem Wasser füllen.

Er will tiefer gehen und diese Not lösen. Er ist es selbst. Er ist der, der dir die Liebe gibt, nach der du wirklich Sehnsucht hast. Nur bei ihm findest du diese volle Erfüllung. Ja, manchmal ist es notwendig, dass er – wie bei der Frau am Jakobsbrunnen – unsere Sünde offenlegt, damit wir überhaupt die Not erkennen, in der wir stecken. Damit wir überhaupt erkennen, warum wir diese Quelle brauchen. Damit wir erkennen, dass hier etwas Tieferliegendes ist, wo wir Wasser des Lebens brauchen.

Das Muster für unsere Begegnung mit Menschen

Wenn ich davon spreche, dass Jesus das Vorbild dafür ist, wie wir Menschen begegnen sollen, dann brauchen wir einen Blick für die wahre Not der Menschen. Es reicht nicht, sie einfach nur verurteilend wegen der Sünde zu betrachten, die sie offenbar leben und die sichtbar ist.

Wir brauchen einen Blick für die Verlorenheit und die Not, die tief in ihrem Leben verborgen liegt. Es ist wichtig zu verstehen, warum diese Menschen so kaputt sind und warum ihr Leben so gegen die Wand gefahren ist.

Natürlich bist du nicht allwissend wie Jesus, der bei der Frau genau wusste, wie viele Männer sie gehabt hatte. Aber ich glaube, dass wir den Geist Gottes erhalten haben, der uns zeigen kann, wo die wahre Not liegt, wenn wir mit Menschen in Kontakt sind. Wir dürfen Gott darum bitten, uns das zu offenbaren.

Und was ist die Botschaft, die wir den Menschen bringen müssen? Es ist nicht: „Leb dein Leben besser.“ Es ist die Quelle des Lebens. Wir müssen die Menschen zu Jesus führen. Es geht nicht darum, sie zu erziehen oder besser dastehen zu wollen als sie. Es geht darum, sie zu dem Einen zu bringen, der alle Not ihres Lebens füllen und verändern kann.

Die Bedeutung von Anbetung und innerer Veränderung

Was muss ich wirklich ändern? Was muss ich ändern, wenn ich meinen Menschen mit dieser Quelle in Verbindung bringe? Warum komme ich darauf? Ich glaube, dass das die Anknüpfung ist, warum diese Frau auf einmal anfängt, über Anbetung zu reden. Du sitzt erst einmal da und denkst: Wie kommst du jetzt von der Quelle auf Anbetung? Und dann folgt eine Diskussion über den Tempel und den Ort der wahren Anbetung.

Vielleicht steckt bei ihr die Frage dahinter: Wenn ich diese Quelle haben will, muss ich jetzt jüdisch werden? Also so wie die im Südreich nach Jerusalem pilgern und Ähnliches. Das ist gar nicht so abwegig. Ich glaube, wenn ich die Quelle des Lebens erfahren habe, dann wird die Frage der Anbetung relevant.

Erstens: Dort, wo ich anbete, erwarte ich mir Segen. Die Samariter haben das auf dem Berg Gerasim getan, den sie hier erwähnt. Die Juden haben das im Tempel in Jerusalem erwartet. Dort, wo ich hingehe, wo ich anbete, erwarte ich mir Segen.

Zweitens: Wenn ich lebendiges Wasser erfahren habe, den Segen erfahren habe, will ich aus Dankbarkeit anbeten. Ich bin dankbar dem, der mein Leben gefüllt und meine Not verändert hat.

Die Juden damals hatten ein klares Ziel: Wenn jemand zum Glauben kam, musste er ab in ihr Regelsystem, ab nach Jerusalem, alles war dort zentralisiert. Jesus wirft ihnen das vor in Matthäus 23,15: „Wehe euch, Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht, damit ihr einen Proselyten gewinnt!“ Ein Proselyt ist ein Heide, der zum Judentum konvertiert. Und wenn er es geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr. Das ist brutal, was Jesus hier den Pharisäern vorwirft.

Was sagt er nämlich? Euer ganzes Ziel, um Menschen zu erreichen, ist, dass ihr einen „Scalp“ bei euch auf den Gürtel schnitzen könnt. Ich habe wieder einen bei uns reingebracht. Es geht euch gar nicht um die Menschen, sondern darum, dass jemand äußerlich so wird wie ihr. Ihr wollt sagen können: Da habe ich es geschafft, noch einen reingebracht.

Deshalb ist ihre Anbetung am Ende ganz auf Äußerlichkeit fokussiert und ausgerichtet, ja vielleicht sogar reduziert. Es geht darum, dass jemand der äußerlichen Form entspricht. Und wir sind so schnell dabei, dass wir uns wünschen, Menschen, die wir mit dem Evangelium erreichen, würden einfach so werden wie wir. Dass sie in die Gemeinde mitbringen können, dass sie hier reinpassen, dass sie sich nicht peinlich verhalten. Vielleicht sind wir sogar noch verantwortlich dafür. Da sind wir schnell dabei.

Jesus wischt in dem Gespräch mit der Frau das weg. Um was es geht, ist nicht, die äußerliche Form der Anbetung richtig hinzubekommen, äußerlich alles richtig zu machen. Jesus geht es um viel mehr. Ihm geht es um das Herz, um das Innere.

Er sagt, mit ihm bricht hier ein neues Zeitalter an. Dieses äußerliche Ort, diese äußerliche Form der Anbetung, tritt zurück gegenüber dem, was im Herzen drinsteckt. Natürlich wird das Äußerliche etwas verändern, da brauchen wir gar nicht drüber reden.

Ich glaube, wenn diese Frau die Quelle erfahren hat und ihr Herz verändert worden ist, dann hatte sie hoffentlich nicht mehr die Sehnsucht, ihre Liebe von zig Liebesbeziehungen erfüllen zu lassen. Aber es geht um das Innere. Das ist, was Jesus hier wahrscheinlich mit Geist meint.

Es geht darum, in Wahrheit Gott erkannt zu haben, Jesus als den Messias und als die Quelle erkannt zu haben und darin anzubeten. Jesus geht es nicht darum, sich mit Menschen zu schmücken. Es geht ihm darum, das Herz der Menschen zu heilen und Menschen in ihrem tiefsten Inneren, in ihrer eigenen Motivation zu verändern.

Er will Menschen machen, deren Leben geprägt ist von einem tiefen inneren Verlangen, Gott anzubeten und zu dienen.

Die Reaktion der Frau und die Wirkung auf die Gemeinde

Wir sehen bei der Samariterin sofort, wie sie das lebt und wie dies die direkte Folge ist. Gott kann nichts mit äußeren Formen anfangen. Er will keine Show nach außen, denn er kennt die Wahrheit deines Herzens. Er weiß, was darin ist. Du kannst uns hier etwas vorspielen. Du kannst perfekt leben, sodass niemand in der Gemeinde irgendwo daran zweifelt, dass du gut bist und ganz vorne dabei bist, wenn es um das Verteilen von Lohn in der Ewigkeit geht.

Ganz ehrlich: Wenn du zu Gott betest, spielt das keine Rolle mehr. Er weiß, was in dir vorgeht, er kennt dich. Gott will keine Anbetung als Leistung, sondern Anbetung, weil das lebendige Wasser in dein Leben gekommen ist. Weil du erkannt hast, wer dieser Mann am Brunnen ist, der dir lebendiges Wasser anbietet.

Gott wünscht sich keine äußeren Formen, sondern Herzen, die so vom lebendigen Wasser berührt sind, dass sie nicht anders können, als anzubeten. Und ja, das wird Auswirkungen haben. In Römer 12,1, nachdem Paulus all die Segnungen aufgeführt hat, die wir in Christus haben, zeigt er diese Folge:

Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist – das ist dieses lebendige Wasser, das Jesus am Brunnen anbietet. Die einzige angemessene Antwort darauf ist, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges, heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat.

Das ist der wahre Gottesdienst, zu dem Paulus auffordert. Was Paulus hier schreibt und was Jesus sich wünscht, sind Anbeter. Merkt ihr, hier geht es um Gottesdienste im Römerbrief. Das ist Anbetung in ihrem Kern, die nicht auf die Perfektion der Form ausgerichtet ist, sondern deren Herzen von der Liebe angetrieben sind, die sie erfahren haben.

Sie geben sich deshalb selbst ganz auf, werden radikal und haben nichts anderes mehr als die Sehnsucht, für die Quelle des Lebens zu leben.

Ziel der Begegnung: Jünger und nicht Proselyten

Was ist dein Ziel, wenn du Menschen begegnest? Willst du Proselyten machen oder Jünger Jesu gewinnen? Menschen, mit denen du dich schmücken kannst, weil sie so werden wie du und ein weiterer Name auf der Mitgliederliste ist? Oder Menschen, deren Herzen an Jesus hängen, deren Herzen von dieser Quelle des Lebens verwandelt werden?

Wenn du ein Segen sein willst, musst du den Fokus von Äußerlichkeiten weglegen und auf das Herz lenken. Es kann sein, dass diese Menschen in mancher Hinsicht ganz anders leben als du und vielleicht an der einen oder anderen Stelle anders anbeten. Doch ihr Herz ist bei Gott.

Gott wünscht sich Menschen wie die Frau am Jakobsbrunnen, die wahrscheinlich noch vieles nicht verstanden hat. Dennoch ließ sie alles stehen und liegen, wie wir in Vers 28 lesen: Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen – damals ein wertvoller Gegenstand – und ging in den Ort zurück. Sie sagte zu den Leuten: „Kommt mit, ich habe einen Fremden getroffen, der mir alles auf den Kopf zugesagt hat, was er getan hat. Ob er wohl der Messias ist?“ Daraufhin machten sich die Leute aus dem Ort auf den Weg zu Jesus.

Jesus wünscht sich eines: Menschen, die ihm begegnen, die in diesem Leben alles stehen und liegen lassen und begeistert von ihm sind. Menschen, die weiter davon erzählen. Am Schluss...

Die Jünger und die Ernte – Ein Bild für Mission

Ihr habt hoffentlich noch fünf Minuten Geduld. Es folgt ein Einschub, der auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz einzuordnen ist, aber dennoch von großem Wert ist. Ich lese ab Vers 27:

In diesem Augenblick kamen seine Jünger zurück. Sie waren erstaunt, Jesus im Gespräch mit einer Frau anzutreffen. Doch keiner von ihnen wagte zu fragen, was er von ihr wollte oder worüber er mit ihr redete.

Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, ging zurück in den Ort und sagte zu den Leuten: „Kommt mit, ich habe einen Fremden getroffen, der mir alles offenbart hat, was ich getan habe.“ Obwohl er der Messias ist, machten sich die Leute aus dem Ort auf den Weg zu Jesus.

Währenddessen drängten die Jünger ihn: „Rabbi, iss doch etwas!“ Aber Jesus antwortete: „Ich lebe von einer Nahrung, von der ihr nichts wisst.“ Verwundert fragten sich die Jünger untereinander: „Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?“

Jesus erwiderte: „Meine Nahrung ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und das Werk zu vollenden, das er mir aufgetragen hat. Sagt ihr nicht, es dauert noch vier Monate, dann beginnt die Ernte? Nun, ich sage euch: Blickt euch einmal um und seht euch die Felder an, sie sind reif für die Ernte. Ja, die Ernte wird jetzt schon eingebracht, und der, der erntet, erhält seinen Lohn. Er sammelt Früchte für das ewige Leben. So freuen sich beide zugleich, der, der sät, und der, der erntet. Das Sprichwort sagt: Einer sät und ein anderer erntet – das trifft hier zu. Ich habe euch zum Ernten auf ein Feld geschickt, auf dem ihr vorher nie gearbeitet habt. Andere haben darauf gearbeitet, und nun erntet ihr die Frucht ihrer Arbeit.“

Viele Samariter aus jenem Ort glaubten jetzt an Jesus. Die Frau hatte ihnen bezeugt: „Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.“ Und auf ihr Wort hin glaubten sie.

Die Leute aus dem Ort, die zu Jesus hinausgegangen waren, baten ihn, bei ihnen zu bleiben. Er blieb zwei Tage dort. Und auf sein Wort hin glauben noch viel mehr Menschen an ihn.

„Wir glauben jetzt nicht mehr nur aufgrund dessen, was du uns erzählt hast“, erklärten sie der Frau. „Wir haben ihn jetzt mit eigenen Ohren gehört und wissen, dass er wirklich der Retter der Welt ist.“

Die Vision Jesu und unser Auftrag

Für uns wirkt es ein bisschen komisch, warum Jesus jetzt mit seinen Jüngern über Ernte redet. Eigentlich müsste man darüber eine eigene Predigt halten. Ja, das wäre richtig – könnte man? Aber ich glaube, es passt in den gesamten Kontext.

Jesus nimmt hier wieder ein Bild. Ihm geht es nicht darum, dass die Jünger jetzt die Sensen auspacken und Getreide ernten. Ich glaube, es ist recht klar, dass es Jesus darum geht, Menschen für sein Reich zu ernten. Er greift dieses Bild auf, um den Jüngern zu zeigen, dass Samaria reif zur Ernte ist.

Jesus setzt hier das erste Muster für Mission. Es ist der erste Moment, an dem Jesus aus dem reinen jüdischen Volk herausgeht, um das Evangelium weiterzugeben. Ich weiß nicht, ob die Jünger schon einen Blick für Mission hatten. Wenn ja, dann ganz sicher nicht für Samaria. Das war nämlich so weit weg.

Jesus setzt zwei Muster, wie diese Mission ablaufen soll: Erstens, es geht nicht um irdischen Genuss. „Gib mir jetzt Segen“, sondern Gottes Willen zu leben führt zu wahrer Erfüllung. Zweitens, Neid hat hier keinen Platz. So beginnt nämlich Johannes 4, wo die Pharisäer neidisch werden auf diese Ernte. Neid hat hier keinen Platz, weil der eine sieht, der andere erntet und alle genießen die Früchte.

Das nur als Randbemerkung, um zuhause weiterzudenken. Was ist aber der große Kernpunkt, der uns auch ein Muster mitgibt, wie wir anderen Menschen begegnen? Die Jünger und wir heute leben in einer sündigen, immer schlimmer werdenden Welt. Die Jünger sind in Samarien, und Jesus sieht ein großes Erntefeld.

Jesu Vision ist größer. Wenn Jesus die Verlorenheit dieser Welt sieht, dann sieht er auch Menschen, die zu ihm kommen werden. Ja, er sieht die Not dieser Welt, er sieht die Verlorenheit, aber er sieht viele Menschen, die aus dieser Verlorenheit herausgerissen werden und zu dieser großen, unzählbaren Schar vor seinem Thron kommen werden und dazugehören.

Wie schnell sind wir dabei, darüber zu jammern, dass alles den Bach runtergeht und die Gesellschaft immer weiter weg ist von Gott. Das ist nicht falsch, dass es so ist. Aber was siehst du? Siehst du dieses Erntefeld? Siehst du die Not, wo Menschen das Evangelium brauchen? Hast du diese Vision von Jesus, wenn du die Verlorenheit dieser Welt siehst, dass hier ein Erntefeld ist? Oder geht es dir nur um deine Bequemlichkeit, dass du eigentlich nicht willst, dass irgendjemand deine Blase in Gefahr bringt?

Jesu Vision ist so viel größer, sein Blick ist so viel größer. Vielleicht ist das zu groß für uns, vielleicht übersteigt es deine und meine Vorstellungskraft. Vielleicht haben wir die Hoffnung schon aufgegeben, dass Menschen zum Glauben kommen. Jesus hat diesen Blick dafür und nimmt uns hinein in seinen Dienst. Darum geht es ihm nämlich. Er hat gerade Mission gelebt und will seinen Jüngern sagen: Das ist das Muster, das ihr auch leben sollt.

Das wird dann erst mal wieder ein bisschen in Vergessenheit geraten, bis sie durch die Verfolgung mit Stephanus im Kern diesen Anschub bekommen. Dann sind wir in der Apostelgeschichte schon hinübergegangen, wieder diesen Weg zu gehen – über Samarien in die ganze Welt.

Was die Samariter am Schluss erkennen: Er ist der Heiland der Welt, der Retter der Welt (Johannes 4,42). Wie dieser Bogen weitergeht, sehen wir hier in einer kleinen Nussschale schon vorgegriffen. Wer die Quelle erlebt hat und von Jesus begeistert ist, der darf anderen zur Quelle werden – wie die Samariterin, die hier ein Vorbild ist und anderen von Jesus erzählt.

Jesus greift das ein paar Kapitel später in Johannes 7,37-38 auf: Am letzten, dem höchsten Tag des Festes, trat Jesus auf und rief: „Wenn jemand Durst hat, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, der, wie die Schrift sagt, von dessen Leib Ströme lebendigen Wassers fließen werden.“

Es ist also dieses Muster, das hier schon sichtbar wird: Wer selbst bei Jesus zur Quelle gekommen ist, darf anderen zur Quelle werden. Wie funktioniert das? Indem ich sie zu Jesus bringe, wie die Samariterin das hier tut und wie die Jünger es später tun sollen.

Das Wahnsinnige, was passiert in der ganzen Situation, um zum Anfang zurückzukommen, ist völlig irritierend und passt nicht mit allem zusammen, was wir kennen. Denn nicht Jesus wird unrein, wo er sich mit dem Schmutz und der Sünde dieser Frau abgibt, sondern die Samariterin und die ganzen Samariter werden rein.

Und um Missverständnisse vorzubeugen, falls mich jemand falsch verstehen will: Es geht nicht darum, in die Welt zu gehen, um erneut aus dem Brunnen dieser Welt zu trinken, die nie unseren Durst stillen kann. Das ist weder, was Jesus tut, noch wozu er seine Jünger aufruft.

Es geht darum, die Quelle des Lebens dahin zu bringen, wo trockenes, dürres Land ist. Und das Muster, das Jesus hier setzt, geht weiter. Es geht seit zweitausend Jahren bis an die Enden dieser Welt. Es geht seit zweitausend Jahren so weit, dass von dem einen, der der wahre Segen Abrahams ist, wirklich die Nationen gesegnet werden und Segen erfahren.

Du und ich dürfen Teil davon sein: Menschen, die aus tiefster Leidenschaft aus dieser Quelle trinken, deren Herzen verändert werden und deren Herzen hingerissen werden, wahre Anbieter zu werden.

Deswegen lasst uns da starten. Lasst uns aufhören, beim Blick auf die Abwärtsspirale unserer Gesellschaft immer zu jammern und zu klagen, dass unser Leben vielleicht unangenehmer wird. Lasst uns dieses Erntefeld sehen. Lasst uns Menschen sehen, die Durst haben und die Quelle des Lebens brauchen.

Lasst uns Menschen zu der Quelle bringen, lasst uns Menschen zu Jesus bringen. Umso größer die Not, umso größer das Verlangen nach lebendigem Wasser. Und wir haben es, wir wissen, wo diese Quelle ist. Lasst uns Wegweiser dahin sein.

Vertieft dich darin, wie Jesus dir begegnet. Trink aus dieser Quelle. Ändere deinen Blick. Blick auf dieses Erntefeld und lass dir von Jesus deinen Blick öffnen für die Not hinter der Not deiner Menschen.

Du musst nicht perfekt sein, und du musst Menschen nicht verändern. Du musst sie zur Quelle bringen. Darum geht es.

Wie kann das konkret aussehen? Vielleicht ist es dran, dass du dir zwei, drei Menschen aufschreibst, für die du betest, dass Jesus dir die wahre Not ihres Herzens offenbart. Vielleicht ist es dran, zu beten und zu überlegen, wo du ihnen begegnen kannst.

Wahrscheinlich wird das nicht hier sein, sondern du musst wahrscheinlich zu ihnen gehen, dich mit ihnen an den Brunnen setzen. Bete darum, dass Jesus sie dir zum Wasserholen vorbeischickt. Ich meine damit Gelegenheiten, wo wir mit ihnen reden können. Hab Mut, ihnen die wahre Quelle zu zeigen.

Das ist das Ziel: ihnen Jesus großzumachen.

Ich lese gerade ein Buch, dazu kommt demnächst eine Buchvorstellung. Es hat mich sehr begeistert. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es ausgepackt hätte, weil Wolfgang Bühne in einem Podcast davon geschwärmt hat.

Vor kurzem ist eine Biografie über Elisabeth Elliot erschienen. Vor gut zwanzig Jahren hat mich Jim Elliot und sein Schatten mächtig gepackt. Das kommt auch wieder mal als Leseempfehlung, weil es der jungen Generation verloren gegangen ist.

Die meisten kennen wahrscheinlich die Geschichte von Jim Elliot, der versucht hat, die sogenannten Auca-Indianer zu erreichen. Mittlerweile weiß man, dass sie eigentlich Waorani heißen. Er wurde mit vier anderen ermordet.

Elisabeth Elliot geht mit der Schwester eines anderen Ermordeten zu diesen Mördern, wo sie eine Gelegenheit bekommt, und lebt dort. Die Schlagzeilen im Life Magazine, einer der größten Zeitungen damals, lauteten: „Kind lebt unter den Mördern seines Vaters“, nämlich die Tochter von ihnen, die damals drei Jahre alt war.

Was hat Elisabeth Elliot gesehen? Hat sie nur die Sünde gesehen, die diese Menschen getan haben, indem sie diese Männer umgebracht haben? Hat sie sich vielleicht gerade dadurch auch hinreißen lassen, selbst zum Mörder zu werden oder ihr Herz zumindest zu einer Mördergrube zu machen? Nein.

Sie sieht die Not hinter der Sünde dieser Menschen. Sie sieht dieses trockene Land, diese Dürre, wo diese Menschen die Quelle lebendigen Wassers brauchen. Und sie bringt diese Quelle zu den Menschen.

Sie zeigt ihnen Jesus, der alle Angst stillt und diesen jahrhundertelangen Kreislauf des Tötens und Mordens, der unter diesem Volk so tief drinsteckte, durchbricht, sodass dort eine Weckung ausbricht.

Sie hat dort, wo nur Verderben, Sünde und Verlorenheit war, ein reifes Erntefeld gesehen.

Hast du den Mut, diesen Blick auch zu sehen? Du musst nicht nach Ecuador in den Dschungel gehen, du musst auch nicht zwingend nach Bangladesch gehen. André Karina, sollte dir das hören, wir sind froh, dass ihr dort seid.

Es reicht vielleicht, die Not deines Arbeitskollegen zu sehen, deines Freundes im Sportverein oder wen auch immer du in deinem Umfeld hast. Viele kommen zum Glauben an dem Ort, wo sie es nie erwartet hätten.

Das ist es, was die Jünger erleben, als sie mit Jesus in Samarien sind. Die Ernte ist wirklich reif. Und ich bin überzeugt – aufgrund des Textes, nicht weil ich es so lebe –, dass die Quelle des Lebens die wahre Not der Menschen ändern wird, dass Menschen umkehren werden zu Jesus.

Weil Jesus dieser Segen Israels ist, weil er der Nachkomme Abrahams ist, in dem alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. Und wenn ich diesen Segen erfahren habe, darf ich ihn weitergeben.

Ja, dieses Heil kommt wirklich von den Juden. Es ist eine Person, es ist die Quelle, es ist Jesus Christus. Und dort, wo Menschen dieser Quelle begegnen, werden sie zum Segen und dürfen Segen bringen und erfahren Segen.

Und wo du und ich dieser Quelle begegnen, dürfen wir Segen sein.

Amen.

Die Wirkung der Begegnung und das Zeugnis der Samariter

Was die Samariter am Schluss erkennen, ist: Er ist der Heiland der Welt, der Retter der Welt (Vers 42).

Wie dieser Bogen weitergeht, sehen wir hier in einer kleinen Nussschale bereits vorgegriffen. Wer die Quelle erlebt hat und von mir begeistert ist, darf anderen zur Quelle werden – so wie die Samariterin, die hier ein Vorbild ist und anderen von Jesus erzählt.

Jesus greift dieses Thema ein paar Kapitel später in Kapitel 7, Verse 37 und 38 auf. Am letzten, dem höchsten Tag des Festes, trat Jesus auf und rief: „Wenn jemand Durst hat, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt und so von mir getrunken hat, bei dem werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Es ist also dieses Muster, das hier schon sichtbar wird: Wer selbst bei Jesus zur Quelle gekommen ist, darf anderen zur Quelle werden.

Wie funktioniert das? Indem ich sie zu Jesus bringe, so wie die Samariterin es hier tut und wie die Jünger es später tun sollen.

Die paradoxe Wirkung der Begegnung mit Jesus

Das Wahnsinnige, was in dieser ganzen Situation passiert, ist zu Beginn völlig irritierend und passt nicht zu allem, was wir bisher kennen. Denn nicht Jesus wird unrein, wenn er sich mit dem Schmutz und der Sünde dieser Frau auseinandersetzt, sondern die Samariterin und die ganzen Samariter werden dadurch rein.

Um Missverständnisse zu vermeiden, falls mich jemand falsch verstehen sollte: Es geht nicht darum, in die Welt hinauszugehen, um erneut aus dem Brunnen dieser Welt zu trinken, der unseren Durst niemals stillen kann. Das ist weder das, was Jesus tut, noch wozu er seine Jünger aufruft.

Vielmehr geht es darum, die Quelle des Lebens dorthin zu bringen, wo trockenes, dürres Land ist. Das Muster, das Jesus hier setzt, setzt sich fort. Es gilt seit zweitausend Jahren bis an die Enden der Welt.

Seit zweitausend Jahren geschieht es so, dass von dem einen, der der wahre Segen Abrahams ist, die Nationen wirklich gesegnet werden und Segen erfahren. Du und ich dürfen Teil davon sein: Menschen, die aus tiefster Leidenschaft aus dieser Quelle trinken, deren Herzen verändert werden und die hingerissen sind, wahre Anbieter zu werden.

Aufruf zum Handeln: Menschen zur Quelle bringen

Und deswegen lasst uns genau hier anfangen. Hört auf, beim Blick auf die Abwärtsspirale unserer Gesellschaft ständig zu jammern und zu sagen, dass unser Leben vielleicht unangenehmer wird.

Lasst uns dieses Erbdefeld sehen. Lasst uns Menschen wahrnehmen, die Durst haben und die Quelle des Lebens brauchen. Lasst uns Menschen zu dieser Quelle bringen, lasst uns Menschen zu Jesus führen.

Je größer die Not ist, desto größer ist das Verlangen nach lebendigem Wasser. Und wir haben es. Wir wissen, wo diese Quelle ist. Lasst uns Wegweiser dorthin sein. Vertieft euch darin, wie Jesus euch begegnet. Trinkt aus dieser Quelle und ändert euren Blickwinkel.

Schaut auf dieses Erntefeld und lasst euch von Jesus euren Blick öffnen für die Not hinter der Not der Menschen. Ihr müsst nicht perfekt sein, und ihr müsst Menschen nicht verändern. Ihr müsst sie nur zur Quelle bringen. Darum geht es.

Wie kann das konkret aussehen? Vielleicht ist es an der Zeit, dass ihr euch zwei, drei Menschen aufschreibt, für die ihr betet. Betet, dass Jesus euch die wahre Not ihres Herzens offenbart. Vielleicht ist es auch dran, zu überlegen, wo ihr ihnen begegnen könnt.

Wahrscheinlich wird das nicht hier sein. Wahrscheinlich müsst ihr zu ihnen gehen und euch mit ihnen an den Brunnen setzen. Bittet darum, dass Jesus sie euch zum Wasser holen vorbeischickt. Ich meine damit Gelegenheiten, bei denen wir mit ihnen reden können.

Habt Mut, ihnen die wahre Quelle zu zeigen. Das ist das Ziel: ihnen Jesus großzumachen.

Beispiel Elisabeth Elliot: Mut zum Blick auf die Not hinter der Sünde

Ich lese gerade ein Buch, und demnächst steht eine Buchvorstellung an. Ich bin sehr begeistert davon. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so fesselt. Ich habe es ausgepackt, weil Wolfgang Bühne in einem Podcast davon geschwärmt hat.

Vor kurzem ist eine Biografie über Elisabeth Elliott erschienen. Vor gut zwanzig Jahren hat mich Jim Elliott und „Schatten der sein Mächtigen“ gepackt. Das Buch wird auch wieder als Leseempfehlung genannt, weil die Geschichte der jungen Generation verloren gegangen ist. Die meisten kennen wahrscheinlich die Geschichte von Jim Elliott, der versucht hat, zu den Auca-Indianern zu gehen. Mittlerweile weiß man, dass sie eigentlich Waorani heißen. Er wurde zusammen mit vier anderen ermordet.

Elisabeth Elliott geht mit der Schwester eines anderen Ermordeten zu diesen Mördern. Dort bekommt sie eine Gelegenheit und lebt bei ihnen. Die Schlagzeilen im Life Magazine, einer der größten Zeitungen damals, lauteten: „Kind lebt unter den Mördern seines Vaters“ – nämlich die Tochter von Jim Elliott, die damals drei Jahre alt war.

Was hat Elisabeth Elliott gesehen? Hat sie nur die Sünde gesehen, die diese Menschen begangen haben, indem sie diese Männer umgebracht haben? Hat sie sich vielleicht gerade deshalb hinreißen lassen, selbst zum Mörder zu werden oder zumindest ihr Herz zu einer Mördergrube zu machen? Nein. Sie sieht die Not hinter der Sünde dieser Menschen. Sie sieht das trockene Land, die Dürre, und erkennt, dass diese Menschen die Quelle lebendigen Wassers brauchen.

Sie bringt diese Quelle zu den Menschen. Sie zeigt ihnen Jesus, der alle Angst stillt und den jahrhundertelangen Kreislauf des Tötens und Mordens durchbricht, der unter diesem Volk so tief verwurzelt war. Dadurch bricht dort eine Weckung aus. Dort, wo nur Verderben, Sünde und Verlorenheit herrschten, sieht sie ein reifes Erntefeld.

Hast du den Mut, diesen Blick auch zu sehen? Du musst nicht nach Ecuador in den Dschungel gehen. Du musst auch nicht zwingend nach Bangladesch reisen. André Karina, wir sind froh, dass ihr dort seid. Es reicht vielleicht, die Not deines Arbeitskollegen, deines Freundes im Sportverein oder jemand anderen aus deinem Umfeld zu sehen.

Viele kommen zum Glauben an dem Ort, an dem sie es nie erwartet hätten. Das ist es, was die Jünger erleben, als sie mit Jesus in Samarien sind. Die Ernte ist wirklich reif. Ich bin überzeugt – nicht nur, weil ich es so lebe –, dass die Quelle des Lebens die wahre Not der Menschen ändern wird. Menschen werden umkehren zu Jesus.

Denn Jesus ist der Segen Israels. Er ist der Nachkomme Abrahams, in dem alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. Wenn ich diesen Segen erfahren habe, darf ich ihn weitergeben. Ja, dieses Heil kommt wirklich von den Juden. Es ist eine Person, es ist die Quelle: Jesus Christus.

Dort, wo Menschen dieser Quelle begegnen, werden sie zum Segen. Sie dürfen Segen bringen und erfahren selbst Segen. Und wo du und ich dieser Quelle begegnen, dürfen wir Segen sein. Amen!