Zum Inhalt

Bei Gott anfangen

10.06.2020
Ein Vortrag von Kim Lotz beim Frauentag des Württembergischen Christusbundes in Weilheim unter Teck im Juli 2019.

Ein erster Zuspruch und die Frage nach dem Frieden

Und sein erstes Wort an die Menschen, an die er schreibt, ist: Gnade und Friede werde euch. Als Erster Petrus steht dort: Gnade und Friede werde euch mehr und mehr.
Das ist Gottes erstes Wort an diese Menschen durch Petrus, und das ist auch mein erstes Wort an euch heute. Ich hoffe, dass ihr nach diesem Tag mit einem tieferen Bewusstsein von der Gnade und von dem Frieden Gottes, der in Jesus Christus ist, nach Hause geht. Das ist mein Gebet für euch, für uns.
Und ich möchte mit einer persönlichen Frage an jede von euch anfangen: Lebst du in Frieden? Ich vermute eine negative Antwort, da ihr heute zu diesem Frauentag mit dem Thema „Wie finde ich Frieden in Christus?“ gekommen seid.
Für die meisten von uns geht es nicht darum, dass wir an Orten wohnen, wo Krieg herrscht, obwohl es Frauen gibt, die diesen Zustand nur zu gut kennen. Und es geht auch heute nicht hauptsächlich darum, wie wir in Frieden mit unseren Familienmitgliedern, Nachbarn, Bekannten oder Mitarbeitern leben können, auch wenn unser Thema darauf einen Einfluss haben kann.
Heute geht es für uns um den inneren Frieden, den wir nur in Jesus Christus finden können. Und damit wir alle auf derselben Seite sind, fange ich mit einer Definition des inneren Friedens an, die ich auf definitions.net gefunden habe. Da steht: Innerer Frieden bezieht sich auf einen Zustand des geistigen und seelischen Friedens mit genügend Wissen und Verständnis, um sich im Angesicht von Zwietracht oder Stress stark zu halten. In Frieden zu sein, wird von vielen als gesund und als das Gegenteil von Stress oder Angst angesehen. Seelenfrieden ist im Allgemeinen mit Glückseligkeit, Glück und Zufriedenheit verbunden. Ruhe und Gelassenheit sind Beschreibungen einer Disposition, die frei von Stress ist.
Ja, Glückseligkeit, Glück, Zufriedenheit, Ruhe, Gelassenheit, frei von Stress – das hört sich gut an, oder? Das möchten wir alle, denke ich, und Gott möchte, dass wir dies alles in Christus finden. Dieser Frieden ist eine Frucht des Heiligen Geistes, der in jedem Christen wohnt. Warum erfahren wir ihn nicht? Was hält uns davon ab, und wie können wir dahin kommen, den Frieden in Christus zu genießen?
Ich habe noch eine zweite Definition des Friedens gefunden, diesmal so, wie er sich aus der Heiligen Schrift verstehen lässt. Frieden ist ein Zustand der Ruhe oder Stille des Geistes, der die Umstände überschreitet. Der Begriff Frieden wird in der Schrift als ein Geschenk Gottes beschrieben, das mit seinem Charakter übereinstimmt.
Hier lernen wir, dass der Frieden, den wir in Christus finden wollen, ein Geschenk Gottes ist, eine Frucht des Geistes, wie schon gesagt. Und dieser Frieden stimmt mit Gottes Charakter, mit seinem Wesen, überein. Das bedeutet, dass wir, um Frieden in Christus zu verstehen, bei Gott anfangen müssen. Und so möchte ich auch heute bei Gott anfangen.

Das Gottesbild als Schlüssel zum wahren Frieden

Wenn ich die Frage stelle: Wie ist Gott? Was ist dein erster Gedanke?
Manche Menschen, auch manche Christen, haben falsche oder unvollkommene Vorstellungen von Gott. Mein Sohn ist in der Gemeinde aufgewachsen, und eine Zeit lang schien er auf dem richtigen Weg zu sein. Jetzt geht er aber auf einem ganz anderen Weg, und vor ein paar Jahren hat er zu mir gesagt: Ich habe kein Problem mit Gott.
Die Idee, dass Gott ein Problem mit ihm haben könnte, ist ihm gar nicht in den Kopf gekommen. So denken viele, auch mein Sohn, dass Gott irgendwie wie ein netter Opa ist. Er liebt mich, aber er hat keine Ansprüche an mich, auch wenn er das, was ich tue, nicht immer gut findet.
Viele andere, auch viele Christen, gehen in die andere Richtung und denken, Gott ist nie mit ihnen zufrieden. Sie denken, auch wenn er mich wegen Christus angenommen hat, steht er immer bereit, mich zu verurteilen. Am liebsten würde er mich jedes Mal strafen, wenn ich nicht die Perfektion seines Sohnes erreiche.
Die Ersten genießen einen falschen Frieden, die Zweiten gar keinen Frieden. Beides kommt daher, dass diese Menschen ein falsches Gottesbild haben. Gehörst du zu einer von diesen Gruppen? Zu welcher?
Wir wollen keinen falschen Frieden, sondern den wahren finden. Dafür muss unser Gottesbild auch wahr sein. In der Bibel hat sich Gott so offenbart, wie er tatsächlich ist. Was wir in seinem Wort finden, das wollen wir jetzt sehen: Wie ist Gott wirklich?
Wir werden uns auf ein paar Eigenschaften beschränken. In diesem Vortrag geht es um Gottes Souveränität, seine Heiligkeit und seinen Eifer für seine Ehre. In den folgenden Vorträgen werden wir weitermachen; das ist nur der Anfang.

Gottes Herrschaft über alles

Was bedeutet es zu sagen, dass Gott souverän ist? Psalm 115,3 beschreibt es klipp und klar: Aber unser Gott ist im Himmel; er tut alles, was ihm wohlgefällt.
Niemand und nichts kann Gott, der alles geschaffen hat und über alles herrscht, davon abhalten, das zu tun, was er sich vorgenommen hat. In Jesaja 46,10 sagt Gott selbst: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, führe ich aus.
Gott kontrolliert alles. Wenn er entschieden hat, dass etwas geschehen soll, dann geschieht es. Auch die Kreuzigung seines Sohnes hat er kontrolliert, wie der Apostel Petrus in Apostelgeschichte 2 sagt: Diesen Mann, das heißt Jesus, der nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes hingegeben worden ist, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht. Es war nach Gottes Ratschluss, dass Christus ans Kreuz genagelt wurde.
Wo sich das findet? Psalm 115,3 war der erste Vers: Aber unser Gott ist im Himmel; er tut alles, was ihm wohlgefällt.
Dann Jesaja 46,10: Hier spricht Gott selbst: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, führe ich aus.
Und dann zur Kreuzigung in Apostelgeschichte 2: Diesen Mann, das heißt Jesus, der nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes hingegeben worden ist, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht. Es war nach Gottes Ratschluss, dass Christus ans Kreuz genagelt wurde.
Im Epheserbrief schreibt Paulus, dass wir Christen auch vorherbestimmt wurden, nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Ratschluss seines Willens wirkt. Das steht in Epheser 1,11. Ich lese das wieder: Christen wurden vorherbestimmt nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Ratschluss seines Willens wirkt.

Seine Macht, sein Wissen und seine Gegenwart

Gottes Souveränität, die Tatsache, dass er alles tut, was er will, stammt aus drei Eigenschaften, die er allein besitzt: Allmächtigkeit, Allwissenheit und Allgegenwärtigkeit.
Gott ist allmächtig. Er kann alles. Die Bibel sagt uns nicht nur, dass Gott allmächtig ist, sie zeigt es uns. Gleich am Anfang wird die Macht Gottes in der Schöpfung offenbart. Sechsmal lesen wir in 1. Mose 1: Und Gott sprach: Es werde. Und bei jedem Mal geschah tatsächlich das, was er gesagt hatte. So ist es immer wieder: Gott hat alle Macht. Er ist fähig, alles zu tun, was er will.
Wie Jeremia erklärt: Ach, Herr, Herr, siehe, du hast den Himmel und die Erde gemacht mit deiner großen Kraft und mit deinem ausgestreckten Arm. Dir ist nichts unmöglich. Ich wiederhole nur: Dir ist nichts unmöglich.
Diese Allmächtigkeit besitzt auch Gottes Sohn, auch als der Mensch gewordene Jesus. So haben viele über seine Allmacht gestaunt. Im Markusevangelium, um nur ein Beispiel zu nehmen, lesen wir, wie Dämonen, Krankheit, Wind und Wasser Jesu Macht untertan sind. Er heilt Aussätzige, Blinde und Lahme und weckt die Tochter von Jairus aus den Toten.
In Markus 1,27 fragen sich die Menschen: Was ist das? Was für eine neue Lehre ist dies? Mit Vollmacht gebietet er auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm. Mit Vollmacht gebietet er auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm.
Und als er in Markus 4 im Boot einen Sturm beruhigt, staunen seine Jünger und fragen: Wer ist denn dieser, dass auch der Wind und der See ihm gehorsam sind? Wer ist denn dieser, dass auch der Wind und der See ihm gehorsam sind?
So sehen wir, dass Gott allmächtig ist. Und Gott ist auch allwissend. Er weiß alles, nichts ist ihm verborgen. Ob Taten, Gedanken, Motivationen oder sonst etwas. Diese Allwissenheit wird von David in den ersten vier Versen von Psalm 139 ganz persönlich auf sich selbst bezogen.
 Psalm 139: Herr, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es. Du verstehst meine Gedanken von ferne. Du beobachtest mich, ob ich gehe oder liege, und bist vertraut mit allen meinen Wegen. Ja, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht völlig wüsstest.
Ich wiederhole vielleicht nur den einen Vers: Du beobachtest mich, ob ich gehe oder liege, und bist vertraut mit allen meinen Wegen.
Was weiß Gott über David? Er weiß, was er tut, wo er hingeht, wann er zurückkommt, was er denkt und was er sagen wird. Und das alles weiß er auch über uns, über dich.
Aber nicht nur über David und über uns weiß der Herr alles. Er weiß alles, was geschieht in seiner Welt, auch alles, was geschehen ist, und alles, was geschehen wird. Wieder in Jesaja 46,10 sagt der Herr: Ich verkündige von Anfang an das Ende und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist. Ich verkündige von Anfang an das Ende und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist.
Gottes Allwissenheit stammt davon, dass er souverän ist. Er herrscht über alles. Nichts kann passieren, das er nicht verursacht oder erlaubt hat. Um etwas zu erlauben, muss er wissen, was es ist. Nichts liegt außerhalb von Gottes souveräner Kontrolle, außerhalb seines Wissens.
Der Sohn Gottes, Jesus Christus, der das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist und in dem es gefiel, der ganzen Fülle zu wohnen, so steht es in Kolosser, weiß auch alles. Das Evangelium von Johannes ist voll von Jesu Allwissenheit. Dies sehen wir zum Beispiel in Johannes 2,23-25, wo steht: Als er aber am Passafest in Jerusalem war, glaubten viele an seinen Namen, weil sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und weil er es nicht nötig hatte, dass jemand von dem Menschen Zeugnis gab; denn er wusste selbst, was im Menschen war.
Ich wiederhole den letzten Teil: Denn er wusste selbst, was im Menschen war.
Jesus wusste, was in den Menschen war. Er weiß es immer noch. Auch in den folgenden Versen aus Johannes wird klar, dass Jesus alles wusste. In Johannes 6,64 steht: Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und in Johannes 13,1, vor dem Passafest aber, da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen. Und weiter in Johannes 13,3, da Jesus wusste, dass ihm der Vater alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hinging.
Und in Johannes 18,4, im Garten von Gethsemane, Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen sollte, ging hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? Und dann am Kreuz, in Johannes 19,28: Nach diesem, da Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.
So sehen wir, dass unser himmlischer Vater und unser Retter alles können und alles wissen. Gott ist unbeschränkt in Macht und in Kenntnis. Denken wir daran und ist uns bewusst, was das bedeutet. Gott ist nicht nur ein Wesen, das mehr kann und mehr weiß als wir. Eine Art Superheld. Er kann und weiß alles ohne Ausnahme.
Ein dritter Aspekt von Gottes Souveränität ist seine Allgegenwärtigkeit. Gott ist überall gegenwärtig. Im Psalm 139 bezeugt David weiter von Gott: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mich. Wo sollte ich hingehen vor deinem Geist, und wo sollte ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Stiege ich hinauf zum Himmel, so bist du da. Mache ich das Totenreich zu meinem Lager, siehe, so bist du auch da. Nehme ich Flügel der Morgenröte und ließe mich nieder am äußersten Ende des Meeres, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spreche ich: Finsternis soll mich bedecken, und das Licht zur Nacht werden um mich her, so wäre auch die Finsternis nicht finster für dich, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Die Finsternis wäre für dich wie das Licht.
Das alles steht in Psalm 139,7-12. So beschreibt David seine persönliche Erfahrung von Gott als allgegenwärtig. Gott ist immer und überall bei ihm, und so ist es auch mit uns. Dort, wo wir sind, dort ist auch Gott. Wie er in Hebräer 13,5 sagt: Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen. Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen.
Diese Eigenschaft Gottes, dass er nicht an einen Platz gebunden ist, macht ihn ganz anders als seine ganze Schöpfung. Es gibt nichts, was Gott geschaffen hat, und er hat alles geschaffen, das gleichzeitig an mehr als einer Stelle sein kann. Auch die Luft und das Licht haben ihre Grenzen, Gott aber nicht.
Als Jesus Mensch geworden ist, hat er diese Eigenschaft beiseitegelegt, und es war ihm ab dem Moment, als er menschliches Fleisch angenommen hat, nur noch durch den Heiligen Geist möglich, überall und immer bei jedem Einzelnen seiner Erlösten zu sein. So kann er sein Versprechen halten, das wir in Matthäus 28,20 lesen: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit.
Wegen dieser drei Eigenschaften, seiner Allmächtigkeit, Allwissenheit und Allgegenwärtigkeit, ist er souverän über die ganze Schöpfung. In Vers 6 von Psalm 139 staunt David über das, was er von Gott weiß, und schreibt: Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar, zu hoch, als dass ich sie fassen könnte. Und das wiederhole ich: Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar, zu hoch, als dass ich sie fassen könnte.
Ja, Gott und Gott allein gebührt Ehre, Lobpreis und Anbetung sowie voller Gehorsam. Er ist der souveräne Schöpfer und Herrscher von allem. Er ist ganz bestimmt kein harmloser Opa. David hat das verstanden. Dass wir das auch verstehen, ist wichtig, wenn wir Frieden in Christus finden wollen.
Verstehst du das?

Gottes Heiligkeit und seine Treue

Gott ist aber mehr, viel mehr. Er ist heilig.
Das sagt er von sich selbst immer wieder im Alten Testament, zum Beispiel in 3. Mose 19,2: „Ich bin heilig, der Herr, euer Gott.“
Das sagt Gott von sich selbst: Ich bin heilig, der Herr, euer Gott. Was bedeutet das?
Erstens bedeutet das, dass Gott einfach anders ist als wir. In seinem ersten Brief schreibt Johannes: „Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist.“
Der wichtigste Bestandteil dieses Andersseins ist, dass Gott ohne Sünde ist. Alles, was er ist, denkt, tut, fühlt und sagt, ist rein und ohne Sünde. Seine Motivationen sind nur gut, sein Verhalten ist immer, wie es sein sollte. Eigentlich bedeutet das: Was Gott ist, das ist der Maßstab. Gut bedeutet: wie Gott. Rein bedeutet: wie Gott. Vollkommen bedeutet: wie Gott.
Gott wird nie gerichtet, denn er ist perfekt. Wir Menschen mit unseren Sünden, unserer Unvollkommenheit und unserem begrenzten Verstand dürfen Gott nie verurteilen.
Gottes Gerechtigkeit ist auch Teil seiner Heiligkeit. Was Gott für richtig hält, ist richtig. Er ist nie ungerecht, er macht nie einen Fehler in seinem Gericht. Keiner wird zu sehr oder zu wenig gestraft, jeder bekommt das, was er durch seine Taten verdient hat. Paulus beschreibt Gottes Gerechtigkeit in Kolosser 3,25 so: „Wer aber Unrecht tut, der wird empfangen, was er Unrechtes getan hat; und es gilt kein Ansehen der Person.“
Gott schaut nicht auf Status, Herkunft, Reichtum oder Bildung, wenn er Menschen richtet. Sein Urteil ist nie parteiisch, er lässt sich nicht bestechen.
Gottes Treue gehört auch zu seiner Heiligkeit, seiner Verlässlichkeit. Was Gott sagt, das tut er auch, was er verspricht, hält er. Er verlässt nie seine Kinder. Im Alten Testament sieht man Gottes Treue in seinem Verhalten angesichts der Untreue seines Volkes. Er bleibt Israel treu, er sucht sich nicht einfach ein anderes Volk. Und diese Treue verspricht er auch der Gemeinde. Jesus bleibt seiner Braut treu. Immer treu.
Die Ehe hat Gott gegeben als Abbild seiner Treue zu seinem Volk. So ist die Ehe für Gott so wichtig, weil sie seine Treue widerspiegeln soll.
Noch ein Bestandteil von Gottes Heiligkeit ist, dass er sich nicht verändert. Jakobus bestätigt: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch ein Schatten infolge von Wechsel.“
Gott ist immer so gewesen, wie er jetzt ist, und er wird nie anders werden, als er immer gewesen ist. Alle Eigenschaften, von denen wir bis jetzt geredet haben und von denen wir im nächsten Vortrag reden werden, bleiben ewig bei Gott erhalten. Er ist ewig souverän, heilig und treu gewesen und wird auch ewig souverän, heilig und treu bleiben. Auch seine Entscheidungen und sein Denken werden sich nie verändern.
In 4. Mose 23,19 steht: „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereuen würde. Was er gesagt hat, sollte er es nicht tun? Was er geredet hat, sollte er es nicht ausführen?“
Ja, Gott ist nicht ein Mensch, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereuen würde. Was er gesagt hat, sollte er es nicht tun? Was er geredet hat, sollte er es nicht ausführen?
Wie anders sind wir Menschen, wir Frauen, ich. Einen Tag sind wir freundlich und hilfsbereit, am nächsten Tag sind wir kalt und egoistisch. Einen Tag entscheiden wir, etwas zu unternehmen, am nächsten Tag bereuen wir diese Entscheidung und unternehmen das doch nicht.
So ist Gott nicht. So ist auch Jesus Christus nicht, wie uns in Hebräer 13,8 versichert wird: „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit.“
Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit.

Gottes Ehre als Ziel von Schöpfung und Erlösung

So groß und so herrlich ist unser Gott. Ihm gebührt die Ehre, wie wir so oft singen. Und weil ihm die Ehre gebührt, tut er auch alles, was er tut, zu seiner eigenen Ehre.
Diese Wahrheit sieht man immer wieder im Gotteswort. Es fängt bei der Schöpfung an: Alles, was Gott gemacht hat, soll seine Herrlichkeit widerspiegeln, wie wir in Psalm 19 sehen. Hier schreibt David in Vers 2: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. Die Berge, die Meere, die Sterne, die ganze Schöpfung hat Gott zu seiner Ehre geschaffen.
Und wir Menschen, wie sieht es mit uns aus? Der Prophet Jesaja berichtet in Jesaja 43,6-7, wie der Herr als Erlöser Israels spricht: Ich will zum Norden sagen: Gib heraus! Und zum Süden: Halte nicht zurück! Bringe meine Söhne aus der Ferne herbei und meine Töchter vom Ende der Welt, einen jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen habe, den ich gebildet und gemacht habe. Bringe meine Söhne aus der Ferne herbei und meine Töchter vom Ende der Welt, einen jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen habe, den ich gebildet und gemacht habe.
Gott hat Menschen geschaffen, nicht weil er uns irgendwie braucht oder weil ihm etwas fehlt. Er hat uns ganz allein zu seiner Ehre geschaffen.
Als Mose mit Israel vor dem Schilfmeer steht und vom Pharao und seiner Armee bedroht wird, verspricht der Herr in 2. Mose 14,4: Und ich will das Herz des Pharao verstocken, dass er ihnen nachjagt. Und ich will mich am Pharao und an seiner ganzen Heeresmacht verherrlichen, und die Ägypter sollen erkennen, dass ich der Herr bin. Und in Vers 18 sagt er wieder: Und die Ägypter sollen erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich mich am Pharao, an seinen Streitwagen und an seinen Reitern verherrliche.
Gottes Ziel in der Errettung Israels aus Ägypten war, sich dadurch zu verherrlichen. In 4. Mose 14, als Israel durch Murren und Unglauben Gottes Zorn verdient hatte, bittet Mose, dass Gott wegen seiner Ehre und seines Ruhmes unter den Völkern das Volk Israel verschont. Und Gott antwortet ihm: Ich habe vergeben nach deinem Wort. So wichtig ist Gott seine eigene Ehre. Auch seine Gnade hat seine Ehre, die die ganze Erde erfüllen soll, als Grund und Ziel.
Gottes Ehre ist auch seinem Sohn wichtig. In der Bergpredigt, in der Jesus das Reich Gottes vorstellt, spricht er von guten Werken und deren Ziel. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen, steht in Matthäus 5,16. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Die Werke, die wir als Christen tun, die guten Werke, sollen natürlich Menschen helfen. Aber ihr Hauptziel ist, Gott zu verherrlichen. So ist es auch mit den Werken von Jesus. Durch seine Wunder, wie zum Beispiel in Lukas 5,26, wo Jesus einen Gelähmten heilt, wird uns gesagt: Da gerieten alle außer sich vor Staunen, und sie priesen Gott und wurden voll Furcht und sprachen: Wir haben heute Unglaubliches gesehen. Also durch dieses Wunder priesen sie Gott und wurden voll Furcht und sprachen: Wir haben heute Unglaubliches gesehen.
Und als Erklärung, warum Lazarus krank geworden ist, sagt Jesus in Johannes 11,4: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht wird. Also auch diese Krankheit ist zur Verherrlichung Gottes, und so wartete Jesus auch, bis Lazarus tatsächlich an seiner Krankheit gestorben war, bevor er sich auf den Weg zu ihm machte. Die Krankheit, der Tod und die Erweckung von Lazarus aus den Toten hatten als Grund und Ziel die Verherrlichung Gottes.
Ich gehe weiter: Warum ist Jesus Christus ans Kreuz gegangen, um Sünder zu retten? Für Jesus dienten sein ganzes Leben und auch sein Tod einem einzigen Ende: der Verherrlichung Gottes. Dies sehen wir in Johannes 12,27-28, als er an seinen nahenden Tod denkt. Da sagt er: Jetzt ist meine Seele erschüttert. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn wiederum verherrlichen.
Alles, was Jesus auf der Erde getan hat, hat er zu Gottes Ehre getan, wie er in seinem Gebet in Johannes 17 sagt: Ich habe dich verherrlicht auf Erden, ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll.
So sehen wir aus Gottes Wort, dass seine Motivation für alles, was er tut, seine Ehre ist. Und das hört nicht auf bei unserer Errettung. Jesus sagt dies auch in seinem hohepriesterlichen Gebet. Der Grund unserer Errettung, dass wir die Ewigkeit in Gottes Gegenwart verbringen sollen, wird hier in Johannes 17,24 klar: Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen.
Und in seinem zweiten Brief an die Thessalonicher schreibt Paulus, was bei der Wiederkunft Jesu passieren wird. So spricht er von jenem Tag, wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben. Jenem Tag, wenn er wiederkommt, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben.
Gottes Eifer für seine Ehre, dass alle seine Herrlichkeit sehen und genießen, prägt alles, was er unternimmt. Um seiner Ehre willen hat er alles geschaffen, auch die Menschen. Um seiner Ehre willen hat er verlorene, sündige Menschen errettet, und um seiner Ehre willen sollen wir als seine Erlösten seine Herrlichkeit ewig anschauen und genießen.
Und vielleicht denkst du, dass das eine schlechte Nachricht ist. Du hast immer geglaubt, Gott tut alles für die Menschen, damit sie gesegnet werden, damit Menschen gerettet werden. Und ich möchte hier ganz klar sagen: Das ist auch wahr. Aber unsere Errettung, unsere Glückseligkeit, ist nur ein Mittel, ein Zwischenziel auf dem Weg zu dem ultimativen Ziel, dass das ganze Universum die Herrlichkeit Gottes sieht und ihm die Ehre gibt.
Und vielleicht denkst du, das mache Gott zu einer sehr selbstzentrierten Person. Und das ist auch wahr. Aber Gott ist Gott. Ihm gebührt die Ehre, die Macht, die Herrlichkeit, alles Lob und aller Preis. Dass Gott gottzentriert ist, ist nur gut und zu wünschen, und wir werden das später sehen. Unsere Errettung, unsere Glückseligkeit und unsere Freude daran werden nicht dadurch gemindert, dass Gottes Endziel seine Verherrlichung ist.

Eine persönliche Schlusswendung und das Gebet

Ich weiss nicht, ob dein Gottesbild schon so war. Bei mir hat es dreissig Jahre gedauert, bis ich das verstanden habe, bis ich wirklich diesen Blick auf Gott, auf seine Grösse, seine Souveränität, seine Herrlichkeit und seinen Eifer für seine Ehre hatte. Das hat bei mir in den ersten dreissig Jahren meines Christseins gefehlt.
Und als dieses Bild von Gott durch sein Wort, durch Predigten und durch die Wirkung seines Heiligen Geistes in mir klar wurde, hat sich fast alles in meinem Leben verändert. Dass Gott so ist und dass er mein Gott ist, ist für mich eine Quelle der Freude und des Friedens.
Ich muss hier für jetzt ein Ende machen. Ich hoffe aber, dass keiner von euch jetzt nach Hause gehen muss. Denn es gibt so viel mehr zu diesem Thema zu sagen, und wir werden auch heute Nachmittag noch viel mehr darüber sagen. Ich wollte euch aber schon eine Vision von Gottes überwältigender Grösse geben. Denn den Frieden in Christus, den wir suchen, werden wir nur finden und erfahren, wenn wir bei Gott anfangen, bei seinem Charakter und seinem Wesen.
Ich hoffe, dass das, was wir bis jetzt gesehen haben, in euch Bewunderung und Ehrfurcht vor unserem grossen und grossartigen Gott erweckt hat. Und was heute noch kommt, muss im Lichte dieser Vision bestehen.
Lass mich beten.
Herr, du grosser, herrlicher Gott, da können wir nur staunen, dass du an uns Menschen denkst, an uns Frauen. Aber das tust du, Herr. Danke, dass du dich in deinem Wort so offenbart hast, dass wir sehen und verstehen können, wer du bist.
Und Herr, ich bete für uns jetzt, dass diese Gedanken uns nicht gleich wieder aus dem Kopf gehen, sondern dass wir immer wieder daran denken. Ich bete auch für die Gespräche, die jetzt kommen werden, dass du dich auch dadurch verherrlichst. Das bete ich in Jesu Namen. Amen.