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Wie Karfreitag alles auf den Kopf stellt

Oder: Was Goliat mit Golgatha zu tun hat
03.04.2026
Goliath schreit, alle ziehen sich zurück. Doch wer auf Jesu Kreuz schaut, sieht: Gottes Sieg kommt nicht mit Machtgehabe, sondern im scheinbaren Scheitern – und stellt alles auf den Kopf.

Ein besonderer Karfreitagsmorgen

Ja, guten Morgen zusammen zu diesem besonderen Karfreitagsgottesdienst.

Nun, wenn Karfreitag ist, dann ist das Thema quasi schon vorgegeben. Ihr sitzt da und wartet darauf und wisst natürlich, was ich heute lesen werde: Es wird um David und Goliath gehen. Ich habe mal überschrieben: Was Goliath mit Golgatha zu tun hat.

OK, diese Geschichte habt ihr für einen Karfreitag vielleicht nicht erwartet, aber ich möchte sie mit euch lesen und im Laufe der Predigt wird dann deutlich werden, worauf das hinausläuft und warum ich diese Geschichte gerade heute lese.

Ihr dürft gerne mit mir aufschlagen: 1. Samuel 17. Und ich lese es bei mir aus der Neuen Genfer Übersetzung.

 1. Samuel 17,21-25
 und die Philister standen einander gegenüber, Schlachtreihe gegen Schlachtreihe. David ließ sein Gepäck bei der Lagerwache und lief zum aufgestellten Heer. Er fragte seine Brüder, wie es ihnen gehe. Und während er noch mit ihnen redete, trat Goliath aus Gat, der gefürchtete Kämpfer der Philister, wieder aus den Schlachtreihen hervor. David hörte, wie Goliath seine Beleidigungen herüberrief. Als Israels Soldaten Goliath sahen, wichen sie voller Angst vor ihm zurück.

„Habt ihr gesehen, da kommt er“, sagten sie zueinander. „Er will Israel nur wieder verhöhnen. Wer ihn tötet, für den hat der König eine hohe Belohnung ausgesetzt. Er will ihm sogar seine Tochter zur Frau geben, und seine Familie wird er von allen Steuern befreien.“

David fragte die Männer, die bei ihm standen: „Was bekommt der Mann, der diesen Philister tötet und die Schande von Israel abwendet? Wie kann dieser Unbeschnittene es wagen, das Heer des lebendigen Gottes zu verhöhnen?“

Die Soldaten erklärten David noch einmal, wie die Belohnung aussehen sollte. Als Davids ältester Bruder Eliab ihn mit den Männern reden hörte, wurde er zornig. „Warum bist du überhaupt hierher gekommen?“, stellte er David zur Rede. „Und wem hast du deine kümmerlichen paar Schafe übergeben, damit du sie in der Wüste zurücklassen kannst? Ich weiß genau, wie selbstgefällig und hinterhältig du in Wirklichkeit bist. Du bist doch nur hierher gekommen, um dir den Kampf anzuschauen.“

David entgegnete: „Was habe ich denn getan? Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“ Er drehte sich um und fragte einen anderen nach der Belohnung. Und wieder bekam er dieselbe Antwort.

Viele von uns kennen diese Geschichte. Ich habe euch mal ein Bild mitgebracht, jetzt nicht von David und Goliath, aber einfach von so einer Szene, wie sie so ganz grob ein bisschen aussehen könnte. Die Heere hier auf dem Bild sind wahrscheinlich ein bisschen nah zusammen, aber wir kriegen so einen kleinen Eindruck. Auf den Bergen sind die Heere, und dann gibt es da so einen Zwischenraum, wo dann die Vorkämpfer sich begegnen.

Der gefürchtete Kämpfer, um den es hier geht, stand nicht einfach eins zu eins gegenüber. Auf der einen Seite war Goliath. Am Anfang stand er ganz alleine da. Da trat er aus den Schlachtreihen der Philister hervor. Er wird auch Vorkämpfer genannt. Im Englischen, das hat mir gefallen, steht in der King-James-Bibel für Vorkämpfer: Champion. Das ist der Champion, ja, die schicken den Champion raus.

Im Hebräischen steht da der Begriff für der Mann dazwischen oder sogar der Mann zwischen den Armeen. Da gibt es einen Begriff dafür, für diesen Mann, der vortritt und dann in diesen Zwischenraum zwischen den Schlachtreihen tritt. Er tritt da vor für die Philister, für dieses Volk.

Wer die Bibel liest, dem begegnet dieses Volk immer wieder. Und wer die Bibel länger liest, der merkt mit der Zeit auch die Symbolsprache der Bibel. Die Philister stehen ja für die Gegner Israels, für ein Volk, das immer wieder Israel das Leben schwer gemacht hat, es versucht hat zu bedrohen und zu bedrängen.

Es ist ganz gut, wenn wir lernen, auf solche Symbole, auf solche wiederkehrenden Muster und Bilder, auf solche Charaktere, die immer wieder auftauchen, zu achten. In anderen Bereichen kennen wir das auch. Wenn man einen Film schaut, zum Beispiel, da gibt es auch Dinge, die werden immer wieder verwendet, diese Bilder. Also zum Beispiel bei einer Beerdigung: Wie ist da das Wetter im Film? Es regnet, oder? Ja, ganz häufig regnet es bei Beerdigungen im Film, weil es einfach uns mit hineinnehmen soll in diese Art der Bildsprache, damit wir in die Geschichte reinkommen.

Und so gebraucht die Bibel auch immer wieder Bilder, um uns mit hineinzunehmen. Und mit der Zeit, je mehr wir daran gewöhnt sind, die Bibel zu lesen, verstehen wir diese Bilder und was sie bedeuten und wofür sie stehen.

Darauf weist uns ja auch Paulus hin, wenn er im 1. Korintherbrief schreibt: Dies aber – und er bezieht sich auf die Geschichten, auf die Erzählungen, auf die Prophetien im Alten Testament – ist geschehen als Vorbild für uns, damit wir nicht nach dem Bösen verlangen, wie jene verlangt haben. Also speziell auf eine Geschichte, jetzt hier in diesem konkreten Fall, weiter hinten: Dies widerfuhr ihnen, dem Volk Israel, als Vorbild. Es ist aber geschrieben worden, uns zur Warnung, auf die das Ende der Zeit gekommen ist.

Dinge, die damals passiert sind, sind aufgeschrieben worden. Wir können es bis heute lesen, uns zur Warnung oder zum Vorbild, dass wir daraus lernen sollen.

Wie aus dieser Geschichte, wo sie dastehen, die beiden Schlachtreihen, auf der einen Seite die Israeliten, auf der anderen Seite die Philister, das Volk Gottes steht da und seine Gegner. Und die starken Kämpfer Israels, sie zittern. Sie zittern. Als Israels Soldaten Goliath sahen, wichen sie voller Angst vor ihm zurück. Diese starken Helden, sie zucken zusammen, jedes Mal, wenn Goliath wieder anfängt und seinen Hohn rausbrüllt.

Was hat er denn gebrüllt, der Goliath? Weiter vorne im Kapitel steht es. Ich lese euch die Verse noch vor:

Goliath stellte sich hin und rief zu den Reihen Israels hinüber: „Warum stellt ihr euch zur Schlacht auf? Ich stehe für die Philister, und ihr steht für Saul. Wählt doch einen aus, der gegen mich antritt. Wenn er mit mir kämpfen kann und mich tötet, werden wir uns euch unterwerfen. Wenn aber ich siege und ihn töte, müsst ihr euch unterwerfen und uns dienen.“

Dann schrie er: „Wie lange wollt ihr euch von mir verhöhnen lassen? Los, schickt mir einen Mann, damit wir miteinander kämpfen!“ Als Saul und die Soldaten Israels ihn so spotten hörten, wurden sie von schrecklicher Angst gepackt.

Ich denke, wir können uns das schon vorstellen. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre als Soldat in Israels Reihen gestanden, dann kommt so einer und brüllt so mit der Präsenz, die er hier auf den Platz bringt, der Größte mit der Ausrüstung. Mensch, warum kämpft ihr überhaupt so? Ihr Schwächlinge habt doch sowieso keine Chance. Bringen wir es hinter uns, ich mache Hackfleisch aus dem, der kommt!

Nun, wie lange ging das so? Weiß jemand von euch, wie lange das so ging? Wie lange Goliath gebrüllt hat? Einen Tag nach dem anderen kam er immer wieder, vierzig Tage lang. Vierzig Tage lang.

Interessant, auch da schon wieder für die Bibel-Insider unter uns ein biblisches Muster: Zahl vierzig, interessant, kommt immer wieder. Es ist eigentlich das Symbol für eine Prüfungsphase, für eine Zeit des Aushaltens, wo am Ende herauskommt, was drin ist.

Also zum Beispiel: Sintflut, 40 Tage Regen. Israel in der Wüste, 40 Jahre. Mose 40 Tage auf dem Berg Sinai. Die Kundschafter 40 Tage lang in Kanaan unterwegs. Elia wanderte 40 Tage und Nächte. Bei Jona die Frist zur Umkehr: 40 Tage. Auch unser Herr selbst, Jesus, in der Wüste: 40 Tage. Interessant.

Und hier steht der Goliath 40 Tage am Stück. Er kommt immer wieder raus aus den Schlachtreihen und verhöhnt das Volk Gottes.

Ich glaube, es gibt auch in unserem Leben solche Zeiten, solche vierzig Tage. Es ist nicht, weil es vierzig Tage dauert, sondern weil es solche Zeiten sind, wo wir auf die Probe gestellt werden, wo Dinge passieren, wo geprüft wird, was steckt denn drin, was ist denn in uns. Zeiten der Bedrängnis, vielleicht auch, wo du dich verhöhnt fühlst. Zeiten, wo du denkst: Mensch, warum passiert nichts? Gott, du siehst doch, deine Ehre wird hier durch den Dreck gezogen. Was machst du mit mir? Das tut weh. Warum fühle ich mich so schwach, so ausgeliefert?

Vielleicht bist du gerade in so einer Phase drin oder vielleicht bist du kurz davor und weißt es noch nicht. Auch dafür wäre es gut, dann die Lektion von heute vielleicht vor Augen zu haben.

Aber es gibt solche Momente, wo du innerlich zusammenzuckst. Vielleicht jedes Mal, wenn das Telefon klingelt. Jedes Mal, wenn du zum Handy greifst und dieser Name auf dem Display steht und du siehst: Er hat dir wieder geschrieben. Sie hat sich wieder gemeldet. Du siehst dich einer Übermacht gegenüber. So fühlt es sich an, selbst wenn es nur eine Person ist, gegen die du keine Chance hast. Du weißt nicht, wie es weitergeht, manchmal noch nicht mal den nächsten kleinen Schritt. Du stehst irgendwie nur da und beobachtest und wartest nur darauf, dass wieder irgendwo einer brüllt und du zusammenzuckst.

Und dann, hier in 1. Samuel 17, da schwenkt die Kamera weg von der Szene auf dem Schlachtfeld hin zu einem kleinen Bauerndorf. Auf Deutsch würde es Brothausen heißen. Dessen Papa, dessen Söhne als Soldaten auf diesem Schlachtfeld stehen, aber nicht alle. Seinen jüngsten Sohn David hat er noch bei sich, aber den schickt er jetzt los, um seine Brüder zu besuchen. Und er gibt ihnen einen Sack von gerösteten Getreidekörnern mit, ja, leckerer Snack für die Jungs auf dem Schlachtfeld, und zehn Brote. Und dann gibt ihm noch, wir haben ein paar Leibkäse mit, aber die sind nicht für die Brüder, sondern für den Heerführer. Das war ein schlauer Mann, der Isai.

So können wir 1. Samuel 17 nachlesen. Kannst du gern die Ostertage nutzen, um das noch mal im O-Ton dort nachzulesen in deiner Bibel.

Und die Geschichte nimmt uns mit hinein in das, was dann passiert. Viele von uns kennen diese Geschichte ja. Also wenn du schon länger in eine Gemeinde gehst, vielleicht schon als Kind gegangen bist, kennst du diese Geschichte natürlich aus der Kinderstunde. Aber als ich sie kürzlich studiert habe, habe ich neu darüber gestaunt, was da abgeht.

David kommt also mit diesen Broten und den gerösteten Körnern im Gepäck in dieses Heerlager, da wo sie alle bibbern, wo sie nur darauf warten, dass Goliath wieder auftritt, wo der nächste Hohenausbruch kommt, seine wüsten Beleidigungen und Schmähungen. Und dann ist interessant, wofür David sich interessiert. Ich habe es vorhin gelesen, erinnerst du dich? Wofür interessiert sich David noch mal, als er so in das Heerlager kommt und sein Bruder ihm vorwirft, der Kleine kommt ja hier nur wieder, um Reality-TV zu gucken, also einfach so in echt irgendeine Kampfhandlung, weil er scharf drauf ist, der Teenie. Das hat ihm sein Bruder vorgeworfen.

Was wollte er? Nun, er geht da durch und sagt: Moment, was habe ich richtig gehört? Er fragt mehrfach nach. Nach was fragt er denn? Er hat zwei Fragen.

Frage Nummer eins ist: Was kriegt noch mal der, der Goliath kalt macht? Das ist seine erste Frage.

Frage zwei: Wie kann dieser Unbeschnittene es wagen, das Heer des lebendigen Gottes zu verhöhnen?

Mit diesen zwei Fragen kommt er. Diese zwei Dinge sind ihm wichtig. Auf der einen Seite Gottes Ehre, das ist ihm wichtig, und auf der anderen Seite die Belohnung. Wie kann ich da herankommen?

Und die Soldaten um ihn herum, die erklären es ihm. Sein Bruder wird ganz unwirsch. Ja, warum hast du deine Schafe da so gelassen? Geh zurück zu denen, da gehörst du hin. Und David sagt: Mensch, was habe ich denn getan? Ich habe doch nur eine Frage gestellt.

Und wie man es vielleicht von jüngeren Geschwistern so kennt, kümmert sich David überhaupt nicht um die Anweisungen seines großen Bruders. Ja, er geht nicht zurück zu den Schafen, sondern stellt weiter seine Frage, die gleiche Frage. Ja, er kriegt die gleiche Antwort wie vorhin. Sag mal, stimmt es mit der Belohnung? Hier, Steuerfreiheit hat es da geheißen. Und stimmt es, sag mal, dass man sogar die Tochter des Königs zur Frau kriegt?

Und das ist ja interessant. Das ist interessant, auch wenn wir versuchen, das auf uns zu übertragen. Weil ich glaube schon, dass in diesen Phasen, in diesen Wartezeiten, in diesen Momenten, wo wir uns schwach fühlen, wo wir nicht wissen, wie es weitergeht, wo wir uns vielleicht verhöhnt fühlen, vorgeführt, vielleicht von Menschen, vielleicht gefühlt vom Schicksal, vielleicht sogar von Gott, wir oft den gleichen Fokus haben wie die Israeliten, wie die Soldaten, und uns fragen: Mensch, wie kommen wir da irgendwie wieder raus? Wie kann ich das irgendwie überleben? Habe ich überhaupt eine Chance?

Aber David kommt und stellt zwei ganz andere Fragen. Wie kann es sein, dass Gottes Ehre hier durch den Dreck gezogen wird und, in meinen Worten, wir als Volk Gottes dabei stehen und tatenlos zusehen? Und zweitens: Wie komme ich an die Belohnung ran?

Das ist interessant, oder? Komplett andere Einstellung, komplett andere Gesinnung, komplett andere Herangehensweise.

Nun, wie gesagt, die meisten von uns wissen, wie die Geschichte weitergeht. David stellt sich diesem riesigen, furchteinflößenden Kämpfer entgegen. Und die Profis in Militärtechnik zur damaligen Zeit, die sagen ihm: Du hast keine Chance, Junge, du hast keine Chance. Das ist ein ausgebildeter Profisoldat, das ist ein Elitekämpfer. Der hatte schon als Baby keinen Teddy, sondern eine Kalaschnikow. Das haben sie so wörtlich nicht gesagt, aber sie haben gesagt, er hat von Jugend an gelernt, mit Waffen umzugehen, eine andere Übersetzung: ein Kriegsmann von Jugend auf, so heißt es da.

Und als David trotzdem kämpfen will, gibt man ihm die allerbeste Ausrüstung, die es gibt, also die ausgeklügelste Kriegstechnologie sozusagen. Damals war es eben die Rüstung, der Helm, der Brustpanzer und das Schwert des Königs. Es war das Beste, was man hatte an Ausrüstung, das gab man ihm. Ja, hätten wir auch gemacht, oder? Wenn einer für uns einsteht, hätten wir gesagt: Mensch, du musst bestens ausgestattet sein, wenn du dich schon da aufs Schlachtfeld wagst für uns.

Das Ende vom Lied ist, dass David das zwar alles anprobiert, aber dann, ach nee, es wieder ablegt. Er legt es wieder ab, und am Ende steht er da mit seinem Hirtenstock, mit fünf Steinen in der Tasche und seiner Steinschleuder.

Wenn wir uns das mal versuchen, ein bisschen bildlich vorzustellen, und ich kann euch da ein bisschen helfen, weil ich habe die Gegend besucht vor vielen Jahren, wo diese Schlacht stattgefunden hat. Im Terebintental zwischen Socho und Aseka, so wird es da genannt, heute in der Nähe von Bet Schemesch. Die Stadt gibt es noch heute. Das ist so etwa dreißig Kilometer von Bethlehem entfernt. So sieht es da aus.

Ja, eigentlich eine sehr schöne Gegend. Da läuft so ein Bach durch, und ich habe das Foto gemacht, weil ich gedacht habe: Oh! Ja, aus dem Bach vielleicht hat David hier glatte Steine geholt, irgendwie so. Interessant, wenn man da ist und sich die Gedanken so macht und die Steine da so liegen sieht und denkt: Okay, wären die vor dreitausend Jahren da gelegen, dann hätte vielleicht David sich da bedient.

Ja, auf der anderen Seite steht der. Das ist jetzt kein Bild, das ich damals gemacht habe, nur kurz, damit wir uns mal so ein bisschen ein Bild davon machen, dass das jetzt nicht unbedingt sehr romantisch war für die israelische Armee. Auf der einen Seite in diesem Tal steht er, ein Kämpfer, sah bestimmt anders aus, aber nur damit wir einen Eindruck davon kriegen: die Übermacht, groß, stark, höhnisch.

Und auf der anderen Seite sehen wir etwas, das ich damals tatsächlich in diesem Tal beobachtet habe: der hier. Und ich habe gedacht, als ich da in dem Tal war, habe ich gedacht: So stelle ich mir David vor. Wirklich, ja, der lief da rum in diesem Tal, ja, ein Junge. Und ich meine, ja, wenn so ein hochgerüsteter Kämpfer so einem Kerl gegenübersteht, einem gebräunten, gutaussehenden Jungen, ich meine, ja, kann man schon irgendwie nachvollziehen, dass der ihn verachtet.

Hör mal rein in den Text: Als Goliath sah, wer ihm da entgegenkam, hatte er nur Verachtung für seinen Gegner übrig, einen gebräunten, gutaussehenden Halbwüchsigen. Ja, so steht es in der Bibel.

Goliath rief ihm zu: „Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock gegen mich antrittst?“ Dann verfluchte er David im Namen aller seiner Götter. „Komm nur her zu mir“, spottete er, „ich werde dein Fleisch den Aasgeiern und den wilden Tieren zu fressen geben.“

Aber David entgegnete: „Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Wurfspieß, ich aber komme zu dir im Namen des Herrn, des allmächtigen Gottes, der für Israels Heer kämpft und den du verhöhnt hast. Er wird dich heute in meine Hand geben. Ich werde dich töten und dir den Kopf abschlagen, und die Leichen aller eurer Soldaten werde ich heute den Aasgeiern und den wilden Tieren zum Fraß vorwerfen. Die ganze Welt soll erkennen, dass Israel einen mächtigen Gott hat. Alle, die hier zur Schlacht versammelt sind, werden sehen: Der Herr braucht weder Schwert noch Lanze, um sein Volk zu retten. Er selbst führt diesen Krieg, und er wird euch in unsere Gewalt geben.“

Goliath ging vorwärts, um seinen Gegner anzugreifen. Da stürmte David los und rannte auf die feindlichen Schlachtreihen zu, Goliath entgegen.

Wir haben uns an diese Geschichte gewöhnt, wir kennen sie. Aber ich befürchte, dass wir im Alltag oft eine ganz andere Geschichte leben. Wenn die Dinge vor uns stehen, die uns Angst machen, und wir mit aufgerissenen Augen vor der nächsten Herausforderung stehen, vor einer Krankheit vielleicht, vor einer schlimmen Nachricht oder vor dem Bösen der Welt allgemein, das irgendwie uns zu bedrohen scheint, und wir uns überlegen: Wie komme ich da nur wieder raus? Wie soll ich das überleben?

An dieser Stelle möchte ich, dass wir die Szene dort im sogenannten Terebintental zwischen Socho und Aseka verlassen und uns einer ganz anderen Szene zuwenden. Eine Szene, die etwa 1050 bis 1060 Jahre später stattfand, wo es um einen Menschen geht, der in derselben Region gelebt hat wie die, die wir gerade gesehen haben. Einen Menschen, der den gleichen Geburtsort hatte wie David und den Menschen da, wo er aufgetreten ist, manchmal mit einem ganz besonderen Titel begegnete. Sie haben ihn angesprochen, manchmal mit dem Titel Sohn Davids. Besonders Blinde haben ihn so genannt. Im Matthäusevangelium wird dreimal von insgesamt fünf Blinden berichtet, die ihn so ansprechen: Sohn Davids, sei uns gnädig, erbarm dich über uns.

Und auch die Pharisäer waren davon überzeugt, dass der Messias ein Sohn Davids sein müsse, auch wenn sie nicht davon überzeugt waren, dass Jesus dieser Messias sei. Und natürlich bedeutet die Bezeichnung Sohn Davids nicht, dass David der Papa des Messias sein muss. Ein Sohn von jemandem zu sein bedeutet in diesem Zusammenhang ein Nachkomme. Und die Bibel benutzt das Wort Sohn auch in dem Zusammenhang nicht nur für biologische Abstammung, sondern auch dafür, dass das Wesen des einen im anderen steckt, wie es ja auch in der Biologie der Fall ist. Aber auch im übertragenen Sinn benutzt die Bibel das immer wieder. Wir sagen auch heute manchmal: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Zum Beispiel. Und meinen damit: Schau dir das Mädel an, genau wie die Mama oder wie der Vater, so der Sohn.

Auf den Sohn Davids, da haben die Juden jahrhundertelang gewartet. Jahrhundertelang haben sie sich gewünscht, dass irgendwann wieder mal so ein David kommt oder wenigstens einer wie David, dass der kommt, der bei den Propheten angekündigt wurde, als Spross Davids, als einer, der keimt aus der Wurzel Isais. Isai war ja der Papa von David. Und sie haben gehofft auf einen, der dem Feind ins Gesicht schaut und Hackfleisch aus ihm macht.

Aber ich glaube, im Laufe der Zeit ist etwas mit ihrer Erwartung und mit ihrer Fantasie und ihrer Hoffnung passiert. Und ich glaube, diese Hoffnung, die sie hatten, diese Erwartung auf den Sohn Davids, wurde immer mehr geprägt vom Zeitgeist, geprägt von ihrem Umfeld. Sie wurde geprägt, diese Vorstellung vom Sohn Davids, von der Lebensrealität, die sie umgeben hat.

Und wenn wir den Anfang des Neuen Testaments lesen, dann sehen wir Menschen, die sagen, dass sie auf den Sohn Davids warten, aber sich eigentlich einen Goliath wünschen. Na klar, man will ja auch einen starken Kämpfer haben, oder? Einen mächtigen haben, einen, der siegen kann. Und ich meine, wer will es den Juden verübeln? Ich meine, hör doch mal rein, was die Propheten angekündigt haben, zum Beispiel Jesaja 9. Ich lese es euch vor:

Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht. Licht strahlt auf über denen, die im Land der Todesschatten wohnen. Du wächst den Jubel, machst die Freude groß, sie freuen sich vor dir wie in der Erntezeit, sie jubeln wie beim Beuteverteilen. Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das ihnen den Rücken gebeugt, den Stock, der sie angetrieben hat. Denn jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der sich in Blutlachen wälzt, wird ins Feuer geworfen und verbrannt.

Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Das wird der zukünftige Herrscher sein, und dieser Name gehört zu ihm: Wunderbarer Berater, kraftvoller Gott, Vater der Ewigkeit, Friedensfürst. Seine Macht reicht weit, und sein Frieden hört nicht auf. Er regiert sein Reich auf Davids Thron. Seine Herrschaft hat für immer Bestand, denn er stützt sie durch Recht und Gerechtigkeit. Das wirkt Jahwe, der allmächtige Gott, im Eifer seiner Leidenschaft.

Wer würde da nicht an einen mächtigen Herrscher denken, der seine Gegner platt macht, der mal so richtig aufräumt?

Nun, weißt du, wer nicht an so einen Herrscher denkt, der seine Gegner im Goliath-Stil platt macht? Derjenige, der diesen Text genau liest und die Bibel studiert. Weißt du warum? Nun, zum einen ist hier zum Beispiel von einem Sohn die Rede: Ein Kind ist uns gegeben. Das ist nicht die gleiche Assoziation wie so ein Kämpfer, oder? Ein Kind, das kraftvoll sein soll, ja, ein Sohn, der Vater der Ewigkeit ist.

Jetzt denken wir vielleicht: Na ja, okay, es ist vom Kind die Rede, aber so ein Kind wird ja auch irgendwann erwachsen. Aber schau noch mal rein: Es soll das drückende Joch zerbrochen werden, das Joch, das ihnen den Rücken beugt. Und es soll wie am Tag von Midian. Da hast du vielleicht meistens drüber hinweg gelesen, wenn du diese Verse in der Bibel gelesen hast.

Auch diese Geschichte vom Tag Midians kennen viele von euch aus der Kinderstunde. Was ist denn passiert in Midian mit den Midianitern? Stichwort Gideon. Die Geschichte von diesem zweifelnden, verzagten Antihelden, der Kriegspläne geschmiedet hat nach viel Überredungskunst und zu dem Gott dann sagen musste: Also lieber Gideon, hör mal zu, dein Heer ist noch zu groß. Ich kann euch den Sieg so über die Midianiter nicht geben, sonst werden sich die Israeliten am Ende mit mir brüsten und sagen: Wir haben uns aus eigener Kraft gerettet.

Ich habe das angeführt als ein Beispiel von diesem roten Faden, der sich durch die ganze Bibel zieht, wenn man nur hinschaut. Diese Einstellung, die David so ausgedrückt hat dem Goliath gegenüber: Du kommst zu mir mit Schwert und Lanze und Wurfspieß, ich aber komme zu dir im Namen des Herrn, des allmächtigen Gottes. Oder wie es Gott mal dem Propheten Sacharja gesagt hat: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr der Heerscharen.

Aber als dieser Sohn Davids dann tatsächlich den Fuß auf die staubigen Straßen von Galiläa und Judäa gesetzt hat, da waren die Hoffnungen und Erwartungen der Leute derart geprägt von der Lebensrealität um sie herum, dass sie blind geworden waren für die Realität Gottes. In ihrer Realität da hat der Stärkere gewonnen, der mit dem größeren Heer, der Schlauere, der Gerissenere. Ja, so ist das Leben, oder? Da gewinnt der Stärkere.

Und wir leben wieder in so einer Zeit, wo Kriege aufflammen, wo sich Stärkere durchsetzen wollen, wo sie ihre Ansprüche durchsetzen wollen, wo sie sich holen wollen, was ihnen zusteht oder was sie denken, was ihnen zusteht oder was sie brauchen. Oder wo sie einfach nur gerade Lust drauf haben.

Und als dieser Sohn Davids dann anfängt, Wunder zu tun, da hoffen viele damals: Mensch, jetzt, jetzt endlich, jetzt geht es los, super, es ist so weit, jetzt kommt Rettung, jetzt kommt er, dieser Wunderbare, der Starke, der mächtige Sieger.

Und was passiert, als dieser Sohn Davids ihnen dann tatsächlich Rettung bringt? Da sind sie entsetzt, enttäuscht, zornig und traurig, weil sie vergessen haben, dass Gottes Wege so ganz und gar anders sind als unsere Wege, unendlich viel höher. Weil sie sich angewöhnt hatten, so zu denken wie die Welt um sie herum. Stark ist, wer andere runterbügelt, wer andere mundtot machen kann, wer den höheren IQ hat, der ist stark.

Und Jesus dreht die Maßstäbe derart auf den Kopf, dass Menschen an ihm verzweifeln. Und dann hängt er da am Kreuz, an diesem Symbol für Schande und Weh, wie es in dem Lied heißt. Es regnet zwar nicht, aber die Symbolsprache der Bibel und das, was damals passiert ist, geht so weit, dass es dunkel wurde. Am helllichten Tag wird es dunkel. Und so wird auch äußerlich diese Finsternis, die sich ausbreitet, sehr, sehr deutlich.

Und dieser Sohn Davids, dieser Hoffnungsträger, der Heiler, der Wundervollbringer, er hängt da und er sieht erbärmlich aus. Man sieht nichts von einem kraftvollen Helden. Ja, es ist so gekommen, wie man es hätte sehen können, wenn man den gesamten Kontext gelesen hätte. Auch Jesaja, der ja auch von diesem kraftvollen Helden spricht, aber er spricht genauso davon, dass dieser Retter weder stattlich noch schön war, eigentlich unansehnlich. Er schreibt: Er gefiel uns nicht, so schreibt Jesaja vom Retter. Er schreibt davon, dass dieser Retter gemieden und verachtet ist, einer, dessen Anblick man nicht ertragen kann, verabscheut und verachtet. So hängt er da.

Und auch in Bezug auf meine Person befürchte ich immer wieder, dass wir als Menschen im 21. Jahrhundert uns daran gewöhnt haben. Wir haben heute Karfreitag und ja, natürlich, dass wir uns gewohnt sind, uns über das Kreuz Gedanken zu machen. Wir leben in einer Kultur, in der viele Leute ein Kreuz als Schmuckstück um den Hals tragen, und wir singen schöne Lieder, auch als Gläubige: Ich schätze wohl das alte Kreuz, vor deinem Kreuz, Herr, wird das Elend kleiner, da will ich spüren, wie die Stille mich berührt.

Das Kreuz als Ort der Einkehr und Stille, als Ort von Triumph und Sieg über den Tod, und ja, genau das ist es auch. Ich habe befürchtet, dass wir manchmal fast übersehen, wofür das Kreuz eigentlich steht und stand.

Ich möchte euch ganz kurz ein Bild zeigen von einem Menschen in den letzten Sekunden seines Lebens. Es ist das historische Bild von einem verurteilten Verbrecher auf einem elektrischen Stuhl. Was macht so ein Bild mit uns? Also wenn ich mir so etwas angucke und denke, das ist ein echter Mensch, das ist ein historisches Bild, da läuft es mir kalt den Rücken runter.

Und bevor du jetzt denkst: Daniel, Mensch, warum musst du immer so provozieren oder schocken, möchte ich euch fragen: Gott, warum hast du so geschockt? Diese Frage sollten wir uns stellen. Gott, warum machst du das mit uns, mit der Menschheit, ja, mit deinem eigenen Sohn? Warum tust du ihm und mit ihm uns das an?

Gott hat keine Holzkreuzchen zum Schmuck verteilt, sondern er hat seinen eigenen Sohn ein Kreuz hängen lassen. Wisst ihr, die Hinrichtung auf einem elektrischen Stuhl, wenn man sich damit mal beschäftigt, ist etwas echt Furchtbares, wirklich. Aber diese Tötungsmethode, sie wurde angewandt und entwickelt, weil man damals meinte, dass sie menschlicher sei als die Tötung durch den Strang.

Aber weißt du, was das Kreuz ist? Das Kreuz wurde angewandt und entwickelt, um das Leiden so schlimm, schmerzhaft und lang wie möglich zu machen. Das ist das Kreuz. Wenn wir ans Kreuz sehen, dann begegnen uns dort erst mal nicht stille Ruhe und Frieden, sondern Schmerzensschreie, Flüche, Qual.

Uns schaudert vielleicht beim Gedanken an einen elektrischen Stuhl und eine solche Hinrichtungsszene, aber normalerweise ist der Verurteilte auf einem elektrischen Stuhl nach wenigen Sekunden tot. Es gibt Berichte über Kreuzigungen, dass Menschen mehrere Tage am Kreuz hingen, bis sie tot waren, unter unsäglichen Schmerzen.

Warum schockt Gott uns auf diese Art und Weise? Warum mutet er uns diese Geschichte zu? Warum hat er seinen eigenen Sohn derart dahingegeben? Hätte es nicht anders machen können, weniger brutal, ein bisschen menschlicher?

In Jesaja 53, diesem Kapitel, wo beschrieben wird, wie sehr der Retter verachtet ist, da stehen diese Worte, die einem eigentlich das Blut in den Adern gefrieren lassen. Da heißt es in Jesaja 53,10: Der Herr wollte ihn zerschlagen, er war es, der ihn leiden ließ. Vielleicht steht in deiner Übersetzung sogar: Dem Herrn gefiel es, ihn ... Also Jesus, den Messias, den Retter, zu zerschlagen.

Und es wird unmissverständlich deutlich: Dieser grausame, unvorstellbare Tod, diese qualvolle Hinrichtung unseres Retters und Heilandes Jesus Christus war kein Unfall, nicht einfach ein Justizirrtum. Es steckt göttliche Planung dahinter.

Und wisst ihr, nichts könnte von einem heldenhaften Kämpfer à la Goliath weiter entfernt sein als ein am Kreuz hängender Körper, der von Blut überströmt ist und der gerade so noch ein bisschen lebt und sich im Todeskampf windet.

Wenn wir ans Kreuz schauen, an diesem vielleicht dunkelsten Ort der Menschheitsgeschichte, dann sehen wir dort die Vollendung dieses roten Fadens, der sich durch die ganze Bibel zieht. Dann sehen wir: Dieser rote Faden spricht davon, dass Gott die Maßstäbe von uns Menschen, die Weisheit von uns Menschen, die Gedanken und Ideen und Herangehensweisen von uns Menschen, unsere Einstellungen und Pläne komplett auf den Kopf stellt. Komplett, zu hundert Prozent.

Und wenn wir ganz genau auf diesen roten Faden schauen, dann sehen wir, dass er in Blut getränkt ist. Dort am Kreuz, da hängt der Sohn Davids. Dieser Sohn Davids bietet Goliath die Stirn, er bietet dem Bösen die Stirn, der Schlange, dem alten Drachen.

Und wie David über tausend Jahre vorher, da hat er keine Rüstung an, er kommt nicht mit Schwert und Spieß, um von den Römern zu befreien. Und als der Retter der Welt am Kreuz hängt, da wird es derart unmenschlich, dass unser Herr Jesus als Wurm bezeichnet wird. Kannst du dir das vorstellen, als Wurm? So heißt es in dem prophetischen Psalm, der über das Leiden von Jesus am Kreuz spricht, Psalm 22,7: Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet beim Volk.

Das ist aus diesem Psalm, den Jesus am Kreuz hängend zitiert, wenn er sagt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Und ich bin davon überzeugt, dass dieses Verlassensein von Gott noch viel schlimmer war für unseren Herrn als alle körperlichen Qualen, dass all die Krämpfe und der Durst und das Blut nur ein schwaches Abbild sind für die seelischen Schmerzen, die unser Herr durchgemacht hat, als sein geliebter Vater ihm den Rücken zugekehrt hat.

Aber Gott hat so gewollt, und der Sohn hat in diesem Plan eingewilligt. Er hat gesagt: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.

Wissen Sie, wie enorm, wie konkret uns dieser prophetische Psalm 22 einen Einblick in das Seelenleben unseres Herrn am Kreuz gibt? Unglaublich, wie detailliert über tausend Jahre vor der Kreuzigung von Jesus diese Details nicht nur beschrieben, sondern in gewisser Art und Weise schon durchlebt worden sind von David, von David, von genau diesem David, der den 22. Psalm geschrieben hat. Und ich lese euch ein paar Verse daraus vor, wenn er da schreibt:

Sie reißen ihr Maul gegen mich auf wie hungrige und brüllende Löwen. Ich fühle mich, als wäre ich hingeschüttet wie Wasser, alle meine Glieder sind ausgerenkt. Mein Herz ist wie flüssiges Wachs, das tief in meinem Innern zerschmilzt. Ich bin ohne Kraft, ausgetrocknet wie eine Tonscherbe. Die Zunge klebt mir am Gaumen. Du hast mich in den Staub gelegt, dahin, wo die Toten liegen. Die Menschen haben mich eingekreist wie Hunde, eine Horde von Gewalttätern umringen mich. Wie sich ein Löwe in seine Beute verbeißt, so halten sie mich fest und geben meine Hände und Füße nicht mehr frei. Ich könnte meine Knochen einzeln zählen. Meine Feinde starren mich nur erbarmungslos an. Sie verteilen meine Kleider unter sich und werfen das Los, wer mein Obergewand bekommt.

Das ist doch krass, oder? Als würde David die Szene unter dem Kreuz schon beschreiben.

Aber wie gesagt, ich glaube, es ist nicht nur die Szene unter dem Kreuz, die hier schon vorgeschattet wird, sondern auch das Seelenleben, die Empfindung, der abgrundtiefe innere Schmerz unseres Herrn Jesus, für den in diesem Moment ein elektrischer Stuhl eine Wohltat gewesen wäre, der sich einer Horde von Löwen gegenüber sieht, die ihn zerfleischen und ihm die Knochen rausreißen. Der Retter der Welt! Umgeben von einer Horde Löwen und diesen Horden schutzlos ausgeliefert.

Es ist schon erstaunlich, weil doch dieser Herr der Welt, dieser Retter der Welt auch Löwe genannt wird, der Löwe aus Juda, so wird er genannt. Das ist sein Titel in der Offenbarung, weil er als stark und mächtig beschrieben wird, als König. So wie auch Jesaja ihn natürlich beschreibt an verschiedenen Stellen, wir haben es gelesen: mächtiger Ratgeber, ewiger Vater, Friedefürst.

Aber als der Titel Löwe aus Juda in der Offenbarung auftaucht, diesem letzten Buch der Bibel, da herrscht Verzweiflung. Der Autor dieses letzten Buches der Bibel, der geleitet durch den Heiligen Geist das aufgeschrieben hat, der weint vor Verzweiflung. Weil er keinen Ausweg sieht. Er sieht die Geschichte vor sich, aber kein Happy End, keinen guten Ausgang. Er sieht eine Buchrolle, die niemand öffnen kann, das tragische Geschick der Menschheit, aber keinen, der in der Lage wäre, diese Tragödie irgendwie zu einem guten Ende zu führen.

Er sieht Leid und Katastrophen und Ungerechtigkeit und Tyrannen und Diktatoren und Menschen, die sich gegenseitig zerreißen, aber niemanden, der hinter diese deprimierende dystopische Fassade der Menschheit hätte blicken können. Er ist verzweifelt, Johannes ist verzweifelt.

Und in diesem verzweifelten Moment, als Johannes weint vor lauter Ausweglosigkeit, da kommt einer auf ihn zu und sagt: Weine nicht. Weine nicht, siehe, es hat überwunden, also es hat einer den Sieg errungen, und zwar der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross, der aus dem Wurzelstock Davids hervorwuchs. Er ist würdig, das Buch mit seinen sieben Siegeln zu öffnen.

Wir als Menschen sehen Probleme. Wir haben Wartezeiten und Schmerzen. Wir haben zerbrochene Beziehungen und Leute, die gegen uns sind. Das ist diese Welt. So geht es hier zu. Die Goliaths, sie verhöhnen uns und wollen uns das Leben schwer machen.

Aber dann kommt ein David, und dieser David kämpft anders. Dieser David kämpft anders. Er setzt seine Hoffnung nicht auf Schwert und Schild, sondern auf den lebendigen Gott, und er benutzt das, was er gut kann und worin er gut geübt ist: seine Steinschleuder. Und Gott schenkt nicht nur ihm, sondern dem ganzen Volk einen gewaltigen Sieg.

Und Gottes roter Faden geht weiter und weiter, gewoben durch die Geschichte dieser Menschheit. Und Gott zeigt uns immer und immer und immer wieder: Leute, ich bin anders. Meine Gedanken sind höher, sie sind radikal anders als eure. Meine Pläne sind radikal anders als eure. Schau ans Kreuz, dieses Zeichen der Schande, diese Provokation, dieses Bildungssymbol, das uns eigentlich anwidert und uns das Blut in den Adern gefrieren lässt. Es wird zum Symbol des Sieges.

Der Löwe aus Juda, er hat überwunden und er trägt den Sieg davon.

Aber wisst ihr, was interessant ist? Johannes in der Offenbarung, er wird von diesem Ältesten getröstet. Er sagt ihm: Weine nicht. Und dann sagt er zu Johannes: Pass auf, sieh hin, sieh hin, also schau hin, schau genau hin. Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids. Johannes, schau, der Löwe, schau dir den Löwen an, sieh dir den Nachkommen von David mal an, schau genau hin.

Und Johannes schaut hin, aber er sieht keinen Löwen. Weißt du, was er sieht? Ich lese euch vor: Offenbarung 5,6

Und ich sah, und siehe, in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten stand ein Lamm, geschlachtet.

Er hört von dem Löwen aus Juda, einem Löwen, der triumphal gesiegt hat, und er sieht ein Lamm wie geschlachtet. Dahin führt der rote Faden aus Gottes Rettungsgeschichte. Der Retter der Welt, der Mächtigste von allen, ist das Lamm Gottes.

Und dieser Retter, unser Herr Jesus, hat sich auf den Weg gemacht. Wie David damals aus Bethlehem, aus Brothausen, so kommt Jesus aus dem Himmel nach Bethlehem. So wie David sich auf den Weg macht, um seinen Brüdern Brot zu bringen, so geht Jesus als Brot des Lebens den Weg auf dieser Erde.

Und da, wo alle vor dem Bösen zittern und fragen, was soll man denn machen, wie soll man das nur überleben, da stellt er ganz andere Fragen. Wie kann in dieser Situation Gottes Ehre groß gemacht werden? Und wie kann ich maximalen Lohn rausholen, wie komme ich an die Braut?

Und er sieht: Der Weg zur Braut führt über das Schlachtfeld, führt mitten rein in diesen Zwischenraum zwischen dem einen Heer und dem anderen, Angesicht zu Angesicht mit Goliath.

Und so, wie David dem Riesen den Kopf abgeschlagen hat, so hat Jesus am Kreuz der Schlange den Kopf zertreten, exakt so, wie es in den ersten Versen der Bibel schon angekündigt ist. Der Sohn Davids hat überwunden, er hat den Sieg geholt, er hat die Ehre Gottes aufgerichtet und er hat sich die Braut geholt.

Und da haben wir wieder so ein Symbol aus der Bibel: die Braut des Lammes. Wenn du Jesus im Herzen hast, dann bist es du. Du bist diese Braut. Ich bin immer wieder fasziniert von dieser großen, weltumspannenden Geschichte, die Gott schreibt und wo am Ende geheiratet wird. Von einer Geschichte, von der du und ich ein Teil sein dürfen, die extrem spannend ist, weil Gott so ganz anders ist, als wir es erwarten, selbst wenn wir schon lange mit ihm unterwegs sind. Er ist manchmal anders, als wir uns das wünschen, aber immer besser, als wir es uns je vorstellen könnten.

Er ist dieser wahre Held, dieser Champion, der aufs Schlachtfeld ging und für uns alle, der eine für alle, den Sieg errungen hat, nicht mit Heer oder Schwert, sondern als Lamm.

Ich möchte noch beten mit uns und darf euch bitten, dazu aufzustehen, wenn möglich.

Lieber Vater im Himmel, es ist gewaltig. Es ist gewaltig, wenn wir ans Kreuz schauen, was du getan hast. Kein Mensch wäre darauf gekommen, Herr. Es ist so ganz anders als alles, was sich Menschen ausdenken, als alles, wie Menschen leben und ticken. Aber Herr, so bist du, und ich danke dir dafür.

Und Herr, ich danke dir so sehr für diesen Sieg, den dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, am Kreuz errungen hat, wo ich in den Schlachtreihen stehen darf und einfach nur zuschauen, wie der Sieg errungen wird und wie ich Teil dieses Sieges sein darf, weil ich auf deiner Seite bin.

Herr, ich möchte dich bitten, dass du uns das bewusst machst. Wenn wir jetzt auch gerade in der Osterzeit vielleicht ein paar freie Tage haben, wenn wir dann wieder zurückgehen in den Alltag, ins Geschäft, in die Schule, ins Studium, mit den Nachbarn zu tun haben, Herr, lass uns Zeugen dieses Sieges sein. Lass uns Menschen sein, die nicht so sehr zurückschrecken vor dem Bösen, sondern die sich um deine Ehre kümmern, die auf die Belohnung schauen.

Herr, und am Ende wird geheiratet, wie schön. Ich danke dir für diese Bilder und Symbole, für diesen roten Faden, den du durch dein Wort und durch die ganze Menschheits- und Heilsgeschichte gewoben hast und von der wir ein Teil sein dürfen.

Vielen Dank dafür. Amen.