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Lukas 23,55-24,12: "Auferstehung Jesu"

Lukas 23,55-24,1210.06.2013
Serie•Teil 51 / 53Lukas-Evangelium
Ostern heißt mehr als „Jesus ist gestorben“: Erst die Auferstehung zerbricht die Angst vor dem Tod. Die Frage ist brutal einfach: Glaubst du dem leeren Grab – oder nur dem, was plausibel klingt?

Ein Blick zurück auf das Kreuz

Ich freue mich, bei euch zu sein, und wir sind am Ende des Lukasevangeliums, wahrscheinlich bei der vorvorletzten Predigt dazu.
Beim letzten Mal waren wir am dunkelsten Punkt des Evangeliums angekommen. In der Finsternis stirbt das Lamm Gottes, und es erfüllt sich genau das, was Jahrhunderte vorher von dem Propheten Jesaja folgendermaßen aufgeschrieben wurde.
Jesaja spricht über Jesus, schreibt es auf, und wir dürfen es lesen. Er sagt über ihn: Er ist wie ein Trieb vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten. Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet.
Jedoch, unsere Leiden hat er getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.
Fantastisch, oder? Jahrhunderte bevor Jesus am Kreuz stirbt, wird ganz deutlich zum Ausdruck gebracht, warum das alles passieren muss.
Noch zwei Verse: Durch seine Erkenntnis wird der gerechte Mein Knecht den vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er auf sich laden. Ihre Sünden wird er auf sich laden. Das ist am Kreuz passiert. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan.
Das war der Moment, in den wir in der letzten Predigt hineingeschaut haben. Und wenn ich so etwas lese, möchte ich eigentlich immer sagen: Darf ich vorstellen, der Gott, der dich liebt!

Mehr als nur das Kreuz

Das Opfer ist gebracht, der Vorhang ist zerrissen, der Weg zu Gott ist frei. Aber wenn wir das so predigen, dann haben wir noch nicht das ganze Evangelium gepredigt.
Wenn wir sagen: Jesus ist für meine Sünden gestorben, dann stimmt das. Das ist, wenn man so will, die erste Hälfte des Evangeliums. Aber es ist noch nicht alles. Der Tod Jesu ist spektakulär, aber der Tod Jesu allein kann uns nicht retten. Das Kreuz ist nicht genug.
Auf diese Weise, wie Jesus damals gekreuzigt wurde, sind ganz, ganz viele, sind Tausende von Menschen hingerichtet worden. Für alle, die Mathematik mögen: In der Mathematik gibt es Dinge, die notwendig, aber nicht hinreichend sind. Oh, ich ahne, jetzt hat es bei euch Klick gemacht, ja, das war so ganz früher. Dinge, die notwendig sind, aber noch nicht hinreichend.
Insofern ist das Kreuz notwendig, ohne Kreuz geht gar nichts. Aber es ist noch nicht hinreichend, es reicht noch nicht, oder es ist nicht der Punkt, an dem Gott sagt: Mit dem Kreuz bin ich fertig. Gott geht einfach noch einen Schritt weiter. Mit seinem Tod besiegt Jesus den Teufel. Aber es gibt einen Schritt mehr, und der heißt Auferstehung. Und mit der Auferstehung geht er diesen Schritt weiter. Er besiegt den, der die Macht über den Tod hat, den Teufel. Und dann, und das ist der Hammer, dann besiegt er auch noch den Tod. Er besiegt am Kreuz nicht nur den Teufel, sondern er besiegt den Tod selbst.
Deswegen brauchen wir das Kreuz, und wir brauchen die Auferstehung. Wir brauchen beides. Wenn wir Paulus hören, so wie er das Evangelium gepredigt hat, und wie ich das auch vom Alphakurs her so kenne, da bleibt man ja auch nicht beim Kreuz stehen. Paulus würde sagen: Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe. Ja, was hat Paulus denn empfangen? Dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften. Also genauso, wie Jesaja das gesagt hat. Genau das macht Jesus. Er stirbt für unsere Sünden.
Und dass er begraben wurde, weil er wirklich tot war, nicht irgendeine Theorie über Scheintod oder irgendetwas anderes, oder Halluzination, da wird jemand begraben. Und dann: dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften. Auch das findet sich schon lange im Alten Testament, dass der, der wirklich Messias ist, nicht tot bleiben darf. Der muss wieder auferstehen.

Warum Ostern mehr Hoffnung schenkt

Also, es ist nicht genug, dass ich weiß: Die Schuld meiner Sünde ist am Kreuz bezahlt. Gott möchte uns viel, viel mehr geben. Er möchte uns schenken, dass wir die Angst vor dem Tod verlieren.
Meine Tochter hat ein T-Shirt, und darauf steht: "I'm only visiting this planet." Ich bin dabei, diesen Planeten nur zu besuchen. Das ist für mich eine Durchgangsstation. Ja, ich bin für eine Weile hier, aber ich weiß: In dem Moment, in dem Gott mir ewiges Leben schenkt, kommt das Beste, das Eigentliche, erst noch.
Und wenn ich das Leuten so sage, dass ich hier lebe wie auf einem Umsteigebahnhof, einfach warte auf den nächsten Zug, und wenn der kommt, der mich dann dahin bringt, wo es wirklich hingehen soll, dann steige ich ein, dann kommt natürlich schnell die Frage: Woher willst du das denn eigentlich wissen? Es ist doch noch keiner zurückgekommen.
Dann sage ich: Doch, einer schon. Einer kam zurück, nämlich Jesus. Er starb, und er ist tatsächlich auferstanden. Und mit seiner Auferstehung setzt er ein Zeichen. Er setzt das Zeichen, dass er mich, weil ich an ihn glaube, mit hinein nimmt in die Auferstehung des Lebens.
Jesus sagt, es gibt zwei Auferstehungen: die Auferstehung zum Gericht und die Auferstehung zum Leben. Jeder wird irgendwann einmal lebendig und muss vor Gott erscheinen. Gott wird ihm als Richter begegnen. Das ist die Auferstehung zum Gericht, das ist nichts Besonderes.
Aber Jesus sagt: Jeder, der auf diese Erde kommt und glaubt, der hat ewiges Leben. Und der kommt nicht ins Gericht, sondern er kommt in die Auferstehung des Lebens, in die Auferstehung, von der Jesus zu Martha spricht, wenn er sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.

Die Wirklichkeit von Auferstehung

Da ist gerade der Bruder gestorben, und sie ist total traurig, Martha. Und Jesus kann sagen: Hey, jetzt lass uns doch mal einen objektiven Blick auf das Geschehen werfen. Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Mann, ja, das ist jetzt traurig, und klar ist es Zeit zum Heulen, logisch. Aber hey, mal kurz einen Blick auf die Realität: Ich bin Auferstehung. Und ich bin Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.
Und das ist, worum es eigentlich an Ostern geht. Jetzt weiß ich, wir haben nicht Ostern. Eigentlich ist das eine Osterpredigt, die ich heute halte. Ja, ist halt so.
Es geht um ein Leben, das sich nicht mehr vom Tod begrenzen lässt. Ein Leben, in dem unheilbare Krankheiten, Verkehrsunfälle, tragische Zufälle einfach nicht mehr das letzte Wort haben. Ein Leben, in dem ich in der Absurdität dieses Lebens einfach leben kann.
Entschuldigung, dieses Leben behält immer ein gewisses Maß an Absurdität und mangelnder Logik, und Warumfragen, die werden euch immer bleiben. Aber mittendrin darf ich wissen: Egal, was kommt, ich gehöre zu dem, der gesagt hat: Ich bin Auferstehung und Leben. Ich bin das. Nicht du und nicht deine Leistung und nicht dein Glaube, sondern ich bin das.
Der Tod, der große Feind des Menschen, der Angst macht, weil man nicht so genau weiß, was danach kommt, das ist so dieser, kennt ihr diese Geburtstagsgrüße: Hauptsache gesund. Mann, ich krieg die öfter, ja, so Hauptsache gesund, weil ich irgendwie noch nicht so richtig marode aussehe. Ja, ist halt so: Hauptsache gesund.
Und ich stehe immer kurz davor und denke mir: Soll ich jetzt was sagen? Ja, ganz sehr schlecht, wenn jemand kommt, Hauptsache gesund sagen, falsch! Macht man ja irgendwie nicht. Aber es ist falsch, es ist total falsch: Hauptsache gesund, nee! Hauptsache gläubig, denn dann weiß ich, wo ich hingehe. Das ist das Einzige, was mir Sicherheit geben kann, dass ich am Ende nicht als Verlierer dastehe.
Wisst ihr, die robusteste Gesundheit, wo du den Rest deines Lebens damit zubringst, nur noch geraspelte Karotten zu essen oder so, das Robusteste, was du dir vorstellen kannst, darf ich dir ein Geheimnis verraten: Die robusteste Gesundheit ist zum Tod. Tut mir leid, wenn ich das einfach mal so sage.
Mag sein, dass du noch zehn Jahre drauflegst, vielleicht auch zwanzig, vielleicht ein halbes Jahrhundert. Aber irgendwann hört es auf, das verspreche ich dir. So viele Karotten gibt es gar nicht auf der Welt, dass du länger lebst. Die robusteste Gesundheit ist definitiv zum Tod.
Wir begegnen ihm alle, und deswegen nicht Hauptsache gesund, sondern Hauptsache gläubig.

Was Paulus über Verwandlung sagt

Paulus, ich zitiere ihn einfach nochmals. Er sagt an einer Stelle: Denn wenn dieses Verwesliche, er redet von der Auferstehung, davon, dass Auferstehung ist wie etwas, wo ich da sähe ich etwas, da stecke ich etwas in die Erde rein, ich sehe etwas Verwesliches, einen Körper, der kaputt geht, denn wenn dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, also wenn ich das Verwesliche in die Erde stecke und Gott das Unverwesliche wieder auferweckt, dann wird das Wort erfüllt werden.
Und Paulus zitiert dann: Verschlungen ist der Tod in Sieg. Wo ist, o Tod, dein Sieg?
Wenn das stimmt, dass Jesus der Prototyp ist und wir sein Schicksal teilen, und ich bin fest davon überzeugt, dann hat der Tod über uns überhaupt keine Macht. Wenn wir wirklich auferstehen, wie Jesus auferstanden ist, weil wir nämlich heute schon sein Auferstehungsleben teilen, noch in einem Körper, der langsam kaputt geht, dann in einem Körper, der passend ist für den Himmel, passend ist für die Begegnung Gottes, wenn das so ist, dass das Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann hat der Tod versagt. Denn es ist der Tod, nicht der Sieger, sondern der Verlierer, weil er uns nicht festhalten kann. Weil er versucht, nach uns zu greifen, wie er versucht hat, nach Jesus zu greifen, und er musste ihn wieder loslassen. Und so wird er uns wieder loslassen müssen.

Der Mensch als Leib, Seele und Geist

Man kann sich die Frage stellen, warum Auferstehung überhaupt dieses merkwürdige Konzept ist. Der Grund liegt darin, dass wir als Menschen keine Geistwesen sind. Wir sind also nicht nur eine Seele, die irgendwie im Körper gefangen ist, sondern wir haben einen sichtbaren und einen unsichtbaren Teil: Körper, Seele und Geist. Und der Körper gehört für uns dazu. Wir sind erst dann wirklich Mensch, wenn wir einen Körper haben, eine Seele und einen Geist.
Als Bürger eines neuen Himmels und einer neuen Erde, die Jesus schaffen wird, werden wir einen Körper haben, der dazu passt. Paulus schreibt, dass Jesus unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichgestalt mit seinem Leib der Herrlichkeit. Er nimmt einen Leib der Niedrigkeit, und Jesus modelliert daran herum, gestaltet ihn um.
Und wenn du in der Ewigkeit Gott begegnest, dann wirst du an dir herunterschauen, und du wirst einen Körper haben. Und ich bin davon überzeugt, dass Karl dann aufrecht laufen kann, ohne Stock. Und ich bin davon überzeugt, dass du auf dem Weg durch diese Welt den einen oder anderen Zahn verloren haben solltest, dass du ihn dann nicht nur als Implantat behältst.
Und ich bin davon überzeugt, dass vieles anders sein wird. Es wird keine Rollstühle mehr geben im Himmel, oder wenn doch, dann nur noch als Spielzeugobjekte, so wie früher einmal, damit man sich daran erinnert: Ja, stimmt, so war das damals. Das wird alles Vergangenheit sein. Er wird den Leib der Niedrigkeit nehmen und ihn umgestalten in seinen Leib der Herrlichkeit, so wie Jesus seinen Auferstehungsleib nach der Auferstehung hatte, der irgendwie Leib war und doch anders war. So werden wir einen besitzen.
Es ist dieselbe Kraft, die Jesus aus den Toten zurückgebracht hat, die in uns wirkt. Das ist die frohe Botschaft von Ostern. Es gibt Auferstehung.

Der leere Grabbericht im Lukasevangelium

Problem: Das ist gar nicht so leicht zu glauben. Und deswegen sind wir ja eigentlich im Lukasevangelium. Ich lese euch mal unseren Text vor: Lukas 23,55 bis Lukas 24,12. Hört euch das mal an und achtet einfach im Text darauf, wer hier eigentlich alles an die Auferstehung glaubt, okay? Nur mal so.
Ich lese das mal vor, und dann sehen wir uns das an.
Vers 55: Und es war Rüsttag. Da geht es dann irgendwie los. Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren, und besahen die Gruft und wie sein Leib hineingelegt wurde. Joseph von Arimathia bittet um den Leib Jesu und beerdigt ihn. Auch das war von Jesaja vorhergesagt: in seinem eigenen Grab.
Die Frauen sehen das. Aber es ist jetzt vor dem Sabbat, also quasi Freitagabend. Um sechs Uhr abends geht der Freitag zu Ende. Bis dahin war nur noch wenig Zeit, sie konnten nichts mehr machen. Als sie aber zurückgekehrt waren, bereiteten sie die wohlriechenden Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot.
Also: Samstag nichts. Jetzt wird Sonntag.
An dem ersten Wochentag aber, ganz in der Frühe, kamen sie zu der Gruft und brachten die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein von der Gruft weggewälzt. Und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. Irgendwie leer.
Und es geschah, als sie darüber in Verlegenheit waren: Siehe, da standen zwei Männer in strahlenden Kleidern bei ihnen. Als sie aber von Furcht erfüllt wurden und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen diese zu ihnen – das sind Engel – sprachen diese zu ihnen: Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war, in dem er sagte: Der Sohn des Menschen muss in die Hände sündiger Menschen überliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.
Und sie gedachten an seine Worte. Und sie kehrten von der Gruft zurück und verkündigten dies alles den Elfen, den elf Jüngern. Immer wieder muss man vorsichtig sein heutzutage, wir sind nicht beim Herrn der Ringe. Es sind nicht die mit spitzen Ohren, sondern die elf Jünger. Den Elfen und den übrigen allen.
Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, und die übrigen mit ihnen, die dies zu den Aposteln sagten. Und ihre Reden schienen ihnen wie leeres Gerede, und sie glaubten ihnen nicht.
Petrus aber stand auf und lief zur Gruft. Und als er sich hineingebeugt hatte, sah er nur die leinenen Tücher liegen. Und er ging nach Hause und wunderte sich über das, was geschehen war.

Wer glaubt hier eigentlich?

Also, wer glaubt an die Auferstehung? Antwort: Niemand. Also, ganz stimmt das nicht. Die Engel schon, die waren ja auch irgendwie dabei. Aber ansonsten glaubt von denen, die eigentlich hätten irgendetwas wissen können, keiner so richtig an die Auferstehung.
Warum hat Jesus ihnen das nicht gesagt? Doch, hat er. Die Engel weisen darauf hin, und wir haben das auch schon im Lukasevangelium gesehen. Lukas 9 haben wir das gelesen, Vers 22. Lukas 18, Vers 33. Immer sagt Jesus: Hört her, das klingt jetzt ein bisschen merkwürdig, wenn ich euch das so sage, weil eure Vorstellung von Messiassein, von Rettersein, das mag jetzt nicht passen. Aber die Realität sieht so aus: Ich werde nach Jerusalem gehen, ich werde dort gefangen genommen werden, ich werde dort gekreuzigt werden, und ich werde am dritten Tag auferstehen. Das sagt er ihnen mehrfach.
Für Jesus war das klar. Für ihn war klar: Das ist der Weg, den ich gehen muss als Messias, weil das der Weg des Messias ist nach den Schriften, wie wir vorhin bei Paulus gehört haben.
Ich möchte euch ein Bild zeichnen. Wenn ich Auferstehung höre, dann entsteht bei mir ganz viel, ganz viel Dramatik. Ich mag ja Actionfilme, das habe ich jetzt ein paar Mal zugegeben. Es bringt mir nicht nur Freude ein, aber ich sage mal so: In einem richtig guten Actionfilm, ihr müsst euch jetzt sowas vorstellen, wo Leute mit Schwertern aufeinander losgehen, wo man am Ende den Showdown hat. Und du schaust hinein in den Showdown, die Schlacht tobt, du hörst die klirrenden Schwerter über eine riesige Staubwolke, und du merkst: Der Kampf ist da. Und du siehst deinen Helden nicht mehr, du weißt nur: Alles steht auf Messers Schneide.
Das ist das Kreuz. Jesus geht in den Kampf hinein. Es ist ein realer Kampf gegen den Teufel. Und dann, dann wird es plötzlich still. Und in diesen typischen Filmen bewegt sich dann für einen kurzen Moment nichts, und die Spannung wird gehalten, die Musik ist aus. Und im Allgemeinen ist es dann so: Du siehst schemenhaft, wie sich im Staub irgendetwas bewegt. Und dann tritt der Held ins Bild, und du weißt: Er hat gewonnen.
Das ist, woran ich denke, wenn ich an Auferstehung denke. Da geht einer in einen Kampf, und er investiert alles, was er hat, bis zum letzten Blutstropfen. Er investiert bis an den Punkt, wo es nichts mehr zu geben gilt, und er besiegt den, den keiner besiegen kann, wenn er es nicht schafft. Da wird einer zum Lamm, obwohl er Löwe ist.
Die Frage ist: Gibt es so etwas nur im Film oder auch im wahren Leben? Ich glaube, der Film funktioniert überhaupt nur, weil es das im wahren Leben gibt. Wir empfinden das als so unglaublich richtig, dass da alles einer auf eine Karte setzt, in den Kampf zieht, investiert, gewinnt, weil wir wissen, dass dahinter ein Plot, eine Geschichte steckt, die Gott selber geschrieben hat. Nur viel größer. Nicht nur ein Film, wo jemand für einen Schatz oder eine Frau oder ein Königreich oder für sonst irgendetwas etwas tut, sondern wo Gott selber für uns in die Schlacht zieht.
Und für mich ist das fantastisch. Es ist fast zu gut, um wahr zu sein. Und deswegen möchte ich dir gerne aus diesem Text drei Lektionen mitgeben, die mir persönlich ganz wichtig sind. Drei Lektionen rund um Auferstehung.
Und die erste Lektion, das ist eine Lektion, die die Frauen gelernt haben hier, die heißt: Du kannst die Wahrheit sagen und trotzdem glaubt dir keiner.

Drei Lektionen für den Glauben

Nochmal die erste Lektion: Du kannst die Wahrheit sagen und trotzdem glaubt dir keiner. Genau das haben die Frauen hier erlebt. Sie wissen: Du gehst in eine Gruft, du schaust da rein, du stellst fest, dass keiner da ist. Dann gehst du zu den Jüngern, du hast mit Engeln gesprochen, sie haben es ja noch einmal bestätigt. Du gehst zu den Jüngern und sagst: Hallo, das Grab ist leer, und wir haben übrigens Engel getroffen. Der Herr ist auferstanden. Und unsere tapferen elf Jünger, unsere Männer, sagen nicht: Er ist wahrhaft auferstanden. Nein, sie sagen: Alles leeres Gerede. Sie nehmen das einfach nicht ernst. Was ist für sie? Ja, ja, also was bindet ihr uns da für einen Bären auf?
Und es kann uns, wenn wir als Christen in der Welt sind, das Gleiche passieren, wenn wir mit anderen Menschen reden. Jürgen, warum glaubst du an Jesus? Mal ganz kurz, in einem Satz: Warum glaubst du an Jesus? Das kann ich dir sagen. Er ist auferstanden, ganz einfach. Das ist der große Unterschied. Dass jemand mich mag, dass jemand für mich stirbt, ist ungewöhnlich. Aber dass jemand für mich stirbt und aufersteht, das habe ich nicht noch einmal. Das ist schon eher selten, sprich: Das habe ich einmal gefunden. Das kann ich nicht glauben. Doch, das könntest du, aber du willst nicht. Du willst nicht, weil Auferstehung zu sehr nach Märchen klingt, zu sehr nach Mythos.
Weißt du, dass Gott ein Gott ist, der Dinge tut, die aus dem Rahmen fallen? Ja, klar. Im Märchen oder im Mythos oder in der griechischen Mythologie gibt es auch mal einen Helden, der ins Totenreich geht und nur mit Ach und Krach wieder rauskommt. Das gibt es, das stimmt, dass einer irgendwie im Märchen wieder lebendig wird. Aber wo ist bitteschön der, der ins Totenreich geht, den Teufel besiegt und den Tod gleich mit? Und der sagt: Ich bringe dir etwas, was dir kein anderer geben kann. Ich sprenge für dich deine persönlichen Grenzen dessen, was du dir wünschen und hoffen kannst. Ich besiege den Tod für dich. Ich sprenge die Grenze des Bekannten, und ich mache in deinem Leben einen Traum wahr. Wer ist das, wenn nicht Jesus?
Und wenn man das den Leuten sagt, dann stimmt es einfach. Es ist nicht so leicht, dass Leute das glauben, ist mir völlig klar. Es ist zu weit weg. Und irgendwie ist es wichtig, dass wir, wenn wir das erleben, uns das tatsächlich vor Augen malen. Dass das auch uns in unserem Leben passieren kann. Und dass wir nicht ängstlich werden. Dass wir nicht sagen: Okay, dann will ich das lieber nicht sagen. Was werden die anderen von mir denken, wenn ich das denen sage? Sondern dass wir dazu stehen. Und selbst wenn wir die Erfahrung machen: Du kannst die Wahrheit sagen und trotzdem glaubt dir keiner, dann sei einfach nicht frustriert. Denn den Frauen und letztlich Jesus selbst ging es ganz genauso.
Der zweite Punkt: Wenn es um Wahrheit geht, darüber reden wir hier, muss man Jesus mehr glauben als den eigenen Erfahrungen, dem Wissen der Eltern oder der Vorstellungskraft. Nochmal: Wenn es um echte Wahrheit geht, müssen wir ganz vorsichtig sein mit dem, was schon in unserem Kopf drin ist. Die Jünger glauben den Frauen nicht. Aber mal ganz ehrlich: Eigentlich glaubt ja hier niemand an Jesus. Jesus hat mehrfach gesagt, dass er auferstehen wird. Und dann ist es passiert, dass er aufersteht, und alle sagen: Was ist denn hier passiert? Alle völlig perplex.
Es gibt im Leben von Menschen so etwas wie selektives Hören. Also: Ich höre nur das, was ich hören möchte. Das gibt es auch beim Lesen. Ich lese nicht das, was da steht, sondern das, was ich denke, dass da stehen sollte. Selektives Hören, selektives Lesen ist durchaus nicht nur ein Problem für Kinder. Auch Erwachsene hören erst einmal das, was sie hören wollen. Wenn zum Beispiel etwas den eigenen Erfahrungen widerspricht oder nicht ganz zu dem passt, was man so von zu Hause kennt, oder den eigenen Vorstellungsrahmen sprengt, dann kann es ganz leicht passieren, dass man das ausblendet.
Wir lachen da so ein bisschen drüber: Wie kann das sein? Jesus hat das gesagt, die hätten das doch wissen müssen. Ich glaube, so ein Text legt den Finger in die Wunde, dass es auch uns passieren kann, dass irgendwo in unserem Leben ein blinder Fleck ist, den wir gar nicht so sehen. Ich möchte euch das bekennen: Es gehört zu meinen sehr häufig gesprochenen Gebeten: Gott, zeige mir, wo in meinem Leben ein blinder Fleck ist, wo es Unausgewogenheiten oder Sünden gibt oder ich weiß nicht was, was ich in dem Moment einfach nicht sehen kann.
Ich habe euch ein Beispiel mitgebracht: ein Buch, das ich gelesen habe. Sehr empfehlenswert, hat mich total begeistert, heißt Radical, David Platt, Radical. Ich lese so ein Buch, um genau zu sein, ich habe es durchgehört, audiomäßig. Und was er macht, ist: Er legt einen Fokus auf die Frage, wie Gemeinden mit den Armen in der Gesellschaft umgehen und wie Gemeinden mit Weltmissionen umgehen. Und er erzählt so ein bisschen, was er gemacht hat. Und ich habe gemerkt: Wenn man immer wieder dafür betet, Herr, zeig mir meinen blinden Fleck, dann kann es passieren, dass so ein Buch vorbeikommt und man auf einmal, weil man sich das anhört und liest, denkt: Ja, du hast recht, stimmt!
Und in seiner täglichen Bibellese achtet man dann auf die Dinge, wo er sagt, das wäre wichtig. Und auf einmal stellst du fest: Das ist aber interessant, das stand immer schon in meiner Bibel drin. Aber es ist so, als würde ich das erste Mal wahrnehmen, dass das da drinsteht. Ich kann euch nicht sagen, wie oft es mir passiert, dass ich beim Bibellesen einen Bibelvers finde, der mich anspringt, und ich denke mir: Freund, ich kenne dich, ich habe dich mindestens schon zwanzig bis fünfzig Mal gelesen. Aber du bist mir noch nie so richtig aufgefallen.
Wir lesen, wir hören viel selektiver, als uns das lieb ist. Wir haben so unsere persönliche Brille. Und ich glaube, dass die Geschichte hier uns deutlich machen kann, wie leicht das passiert, dass Jesus zu einem redet, immer wieder zu einem redet, und dass wir doch dazu neigen, erst einmal die Dinge zu hören, die ein Stück wahrscheinlicher sind, ein bisschen verständlicher sind, mehr in unser Weltbild hineinpassen, vielleicht besser in unsere Kultur hineinpassen. Die hören wir, die Dinge. Und die anderen Sachen ...
Ich möchte euch das Beispiel geben, was mich persönlich am meisten in meinem Leben ärgert, wo ich nicht weiß, was ich damit machen soll, weil es mir wirklich wie so eine Last auf der Seele liegt. Da steht bei Jesus in der Bibel, dass er sagt: Wenn du ein großes Mahl feierst, dann lade nicht deine Freunde ein, sondern die Typen, die am Straßenrand sitzen. Und ich lade sehr gerne Freunde ein, wir haben viele Gäste. Und wenn du mich fragst: Wann habe ich das letzte Mal, bevor ich meine Freunde eingeladen habe, einen Zug durch die Spandauer Altstadt gemacht und mal geschaut, wer da so rumsitzt und gesagt: Weißt du was, komm vorbei, du kriegst eine Dusche, kriegst von mir ein paar Sachen und du darfst mitessen? Ich habe es noch nie in meinem Leben gemacht.
Steht es in der Bibel? Ja. Glaube ich, dass Jesus Dinge sagt, die er so meint? Ja, irgendwie schon. Habe ich es schon gemacht? Nein. Warum nicht? Weil ich schneller damit bin, mir selber zu erklären, warum das so ja nicht gemeint sein kann, wie es da steht. Und wenn dann einer kommt, so ein dusseliger Pastor von irgendeiner dusseligen Mega-Church in dusselig Amerika, der dir sagt: Hast du den Text schon mal gelesen? Hast du ihn schon mal gemacht? Nein, warum eigentlich nicht? Tolle Frage!
Also merkt ihr was: Es geht beim Christsein nicht darum, immer alles richtig zu machen und so zu tun, als wären wir fertig. Wir sind nie fertig. Wir müssen nur Spaß daran haben, die Baustellen unseres Lebens zu kennen und zu sagen: Okay, da bin ich noch am Arbeiten, da ist noch so ein Fleck, der ist blind. Da fange ich an. Da habe ich so etwas wie grauen Star, ich sehe noch nicht richtig klar. Vielleicht lasse ich es irgendwann mal zu, ich weiß noch nicht genau wann.
Dritter Punkt: Also der erste Punkt: Halte die Wahrheit fest, sei nicht überrascht, wenn andere dir nicht glauben. Zweiter Punkt: Bete für blinde Flecken in deinem Leben, damit es dir nicht hier so geht wie den Frauen. Dritter Punkt: Ein Leben, das Jesus nicht glaubt, läuft ins Leere und bleibt beim Sich-Wundern stehen.

Nicht nur gut gemeint, sondern gehorsam

Nochmal: Ein Leben, das Jesus nicht glaubt, läuft ins Leere und bleibt beim Sich-Wundern stehen.
Die Frauen sind schon toll, oder? Sie sind fromm, fürsorglich, hingegeben. Sie wissen genau, wo der Leichnam hinkommt. Sie nutzen am Freitag noch die letzten Möglichkeiten, um Öle und Salben vorzubereiten. Sie halten den Sabbat genau ein. Und am Sonntag steht im Text, dass sie ganz in der Frühe aufstehen, nicht einmal ausschlafen, sondern sich gleich auf den Weg machen.
Und der Clou ist: Sie wollen Jesus, den Toten, einbalsamieren. Klingt cool, wenn da nicht das kleine Problem wäre: dritter Tag. Hallo? Du kommst am dritten Tag zu einer Gruft, um einen Toten einzubalsamieren, der gesagt hat: Ich werde am dritten Tag auferstehen. Das ist ein Problem.
Und deswegen: Sie meinen es gut, diese Frauen. Aber genau das ist gut gemeint und ist nicht gut genug.
Nochmal: Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein sind kein Ersatz für das Zuhören und Glauben. Ich wiederhole den Satz, weil er mir so gut gefällt. Manche Sätze in meinem Skript finde ich einfach schön, den finde ich richtig schön. Also nochmal: Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein sind kein Ersatz für das Zuhören und Glauben.
Du hättest dir den ganzen Aufwand, den ganzen Freitag und das frühe Aufstehen, alles sparen können. Das, was sie tun, ist nett, aber es ist sinnlos. Es ist ein absoluter Schuss ins Leere.
Und wenn du dir die Frage stellst, warum es sich lohnt, in der Bibel zu lesen, dann deshalb, weil wir in der Gefahr stehen, nicht das zu hören, was Jesus uns zu sagen hat. Dann haben wir vielleicht so eine allgemeine Vorstellung davon, was es bedeutet, Christ zu sein. Vielleicht so eine Mischung aus: Ich bin ein bisschen brav, ich bin ein bisschen diszipliniert, und ich gebe da noch so einen Schuss Selbstverleugnung mit rein. Und wir tun vielleicht auch Dinge, die gut aussehen, die aber trotzdem am eigentlichen Willen Gottes völlig vorbeigehen können.
Wenn Paulus für die Kolosser betet, dass sie mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werden, dann, glaube ich, liegt so etwas zugrunde. Man kann Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein und andere christliche Tugenden kultivieren und trotzdem ein Leben führen, in dem Gott sagt: Das habe ich mir nie so vorgestellt. Man kann so wie Petrus einfach drauflosleben und sich am Ende nur noch wundern.
Und deswegen: Der Wunsch ist, dass wir darauf achten, dass wir tatsächlich nicht mit falschen Erwartungen leben, dass wir nicht zu klein von Jesus denken, so wie die Jünger es hier getan haben, und dass wir diese drei Punkte nochmals festhalten.
Also, erster Punkt. Die Überschrift dazu lese ich euch nochmals vor. Sie war: Du kannst die Wahrheit sagen, und trotzdem glaubt dir keiner. Ich bitte dich darum, dass wir an der Wahrheit, an der Auferstehung und an all dem, was Jesus sonst so sagt, festhalten. Jesus lügt nicht. Es kann sein, dass wir heute noch nicht in der Lage sind, es völlig umzusetzen. Es kann sein, dass du sagst: Ich habe es noch nicht ganz durchdrungen. Aber lasst es uns einfach festhalten und bekennen. Das ist der erste Punkt.
Der zweite Punkt: Bete, dass Gott dir deine blinden Flecken zeigt. Es gibt ein schönes Jugendlied, das heißt „In the Light“. Die Jugend wird das kennen: „In the Light“. Es geht darum, dass ich mich gerne ins Licht stelle. Und es greift diesen Gedanken aus Johannes 3 auf, dass Gott mit seinem Licht in mein Leben hineinscheint, um mir die Dinge zu zeigen, also die Schmuddelecken, die dreckigen Stellen in meinem Leben.
Darf ich dir einen Wunsch mitgeben? Ich wünsche dir, dass du Lust darauf bekommst, deine eigene Sünde zu erkennen. Wir neigen ja dazu, Sünde zu nehmen und zu versuchen, sie irgendwie zu verstecken, damit uns ja auch keiner sieht. Und das ist völlig falsch. Nimm deine Sünde und pack sie ins Licht. Sei einer, der über jede falsche Haltung, die er in seinem Leben entdeckt, über jedes falsche Denken, über jede Tatsünde einfach sagt: Boah, ist das ein Segen, dass ich wissen darf, dass das falsch ist.
Ich weiß, das ist ein komischer Gedanke, weil man immer so gut dastehen möchte, gut dastehen vor Gott, gut dastehen vor den Menschen. Aber mach das nicht. Freut euch von ganzem Herzen über jede Sünde, die ihr in eurem Leben erkennt, über jedes Fuzzelchen falscher Perspektive. Genießt es, weil in dem Moment, wo wir das tun, in dem Moment fängt Lebensqualität überhaupt erst an.
Und der dritte Punkt: Pass auf, dass echter Glaube nicht durch Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein oder Ähnliches ersetzt wird. Emotionalität und Disziplin sind noch kein Beweis dafür, dass wir den Willen Gottes für unser Leben erkannt haben. Manchmal wäre es gut, weniger zu tun und nüchterner zu sein und mehr nachzudenken, was in der Bibel steht, als einfach darauf loszuleben.
Drei Punkte, die mir wichtig sind: Halte die Wahrheit der Auferstehung fest, auch wenn du aneckst. Bete um die blinden Flecken deines Lebens. Und schau, dass du nüchtern das lebst, was Gott für dich vorgesehen hat. Das wünsche ich dir. Amen.

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