
Die Heilung eines besessenen Knaben - Bibelarbeit über Markus 9, 14-29
Markus 9,14-2928.04.1998
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Die Rückkehr vom Berg und die erste Konfrontation
Markus 9,14
Es ist erstaunlich, wie dieses Evangelium uns beschenkt. Beim letzten Mal hatten wir gesehen, wie Jesus aus der unsichtbaren Welt, wirklich aus der unsichtbaren Welt von Mose und Elija, diese Begegnung hat, und wie diese drei Jünger daran teilhaben dürfen und das entdecken dürfen.
Und nun kommen sie wieder von diesem Berg der Verklärung herunter. Sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten. Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn. Er aber fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen?
Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht; der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn, und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten es nicht.
Jesus aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir!
Und sie brachten ihn zu Jesus. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist es, dass ihm das widerfährt?
Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns.
Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst? Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!
Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein!
Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag wie tot, so dass die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.
Und als er heimkam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und Jesus sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.
Der scharfe Gegensatz zwischen Herrlichkeit und Not
Der Kontrast war so unheimlich. Die drei Jünger hatten eben noch diese ganz große Begegnung mit dieser überirdischen Wirklichkeit gehabt. Sie ist ja vor unserem Auge immer wieder nicht sichtbar, und doch wissen wir, dass jetzt Gott der Herr mit den himmlischen Heerscharen um uns her ist. Wir haben immer den verkürzten Blick. Wir sehen nur die irdischen Dinge und meinen, das sei das Letzte. Dabei umgibt uns die Welt Gottes direkt auf Tuchfühlung. Wir können nicht hineinfassen, doch ist sie da, was Gott uns vielfach versprochen hat.
Die drei Jünger waren überwältigt. Da wollen wir bleiben, in diesem Lichtglanz der himmlischen Herrlichkeit. Der Himmel ist da, der Himmel ist offen. Plötzlich ist alles wieder weg, und sie sehen bloß noch diese Welt. Sie sind sofort konfrontiert mit einer unbeschreiblichen Not. Ein Vater bringt seinen Sohn her. Wenn Sie in Ihrer Familie solche schweren Nöte haben, dann wissen Sie, wie das ist, wenn man Tag für Tag hofft und betet und wartet und sich sehnt und immer wieder Linderung erhofft.
Es ist ja immer merkwürdig, dass bei Jesus eigentlich das ganz besonders in das Blickfeld rückt. Wir haben uns angewöhnt, die Welt anders zu sehen. Wir sehen die Welt von ihrem technischen Fortschritt her, und wir sehen die Welt in der Frühlingspracht, in ihrer Schönheit. Und die Kranken, die kann man ja zum Beispiel ausblenden, die Verzweifelten auch. Oder wir hören nicht darauf, was die Menschen um uns her bewegt.
Bei Jesus ist das anders. Da kommt es immer ans Licht, was an grauenvollem Leiden da ist. Bei Jesus ist das nie verborgen. Jesus kennt das, sucht das, weil ihn die Menschen drücken. Das heißt, es jammert ihn. Er hat Mitleid mit ihnen. Es zieht ihn wie ein Magnet zu diesen Menschen hin mit ihrer Not.
Wir haben Schwierigkeiten, weil wir das oft gar nicht tragen können. Wir flüchten oft. Aber wir brauchen lange, bis wir zu Menschen hingehen, die leiden. Das ist immer wieder auch bedrückend. Wir haben oft keine Zeit, wenn andere uns etwas erzählen. Aber Jesus ist ganz anders. Er geht auf diese Menschen zu und sieht das. Und deshalb kommt es zu diesem großen Kontrast.
Eine große Menschenmenge läuft zusammen. Es war also vermutlich in einem Gebiet, wo viele Menschen wohnten. Und es gibt dort einen Streit, weil diese Leute erwarten, dass die Jünger Jesu doch in dieser großen Not helfen können. Und sie sind ohnmächtig.
Die Ohnmacht der Jünger und die Enttäuschung der Menschen
Das ist jetzt mein erster Punkt, über den ich mit Ihnen nachdenken will. Das ist ein großes Problem.
Die Jünger waren eigentlich ganz patente Leute, sie waren begabte Leute. Aber wie Sie mit Jesus ziehen, werden an Sie Wünsche herangetragen, und die können Sie nicht befriedigen. Und das gibt Ärger, das gibt Streit. Die Leute kommen und sagen: Wir haben eine Gemeinde, die Jünger könnten auch etwas tun angesichts der Not, und die versagen. Die sind ohnmächtig. Ja, was sollen die auch können? Das ist die Not, die ganz besonders uns betrifft.
Sie können sich umhören, wo Sie wollen: Die meisten Leute können Geschichten erzählen von Enttäuschung mit Christen. Dass Leute erzählen und sagen: Ich habe ja auch einmal gehofft, und ich habe ja auch einmal gebetet, und ich habe ja auch einmal gewartet, und dann habe ich gemerkt, da ist auch nichts los.
Vergessen Sie nicht, wie einmal vor vielen Jahren ein Mann mich nach dem Gottesdienst ansprach und sagte: Hören Sie, so ein bisschen wehmütig für mich, ich bin im großen Stuttgarter Betrieb als Betriebsleiter. Ich bin heute in der Kirche gewesen, denn ich habe mich entschlossen, aus der Kirche auszutreten. Es bedeutet mir nichts, und ich wollte einfach noch einmal so drin sitzen, so ein Stück meines Lebens, das ich hier verabschiede.
Und er hat auch nichts gefunden. Er war bestimmt enttäuscht von dem, was er dort im Gottesdienst erlebt hat. Und das geht mir immer nach, wenn ich so denke, wie Menschen etwas erwarten, und dann sehen sie bloß Gesichter, Menschen, andere, an denen sie sich vielleicht ärgern.
Die Enttäuschung an den Jüngern Jesu ist sehr groß, und die Leute sagen richtig: Die machen große Sprüche und können nichts vermitteln. Es ist auch ganz gut, wenn man sich das bewusst macht. Wir können nicht viel, was können wir schon tun? Den Jüngern wurde es erst richtig bewusst, dass sie Versager sind und ohnmächtig sind, wie sie in dieser Situation waren, wie der Vater mit seiner großen Erwartung kam und er dachte, die können helfen, und die können eben nicht helfen.
Zu unserer Zeit, in unseren Tagen, ist die Enttäuschung an den Christen noch besonders groß, wenn man daran denkt: Was wollen die Leute von den Christen, was sollen die Christen ihnen geben? Die Leute können ihr Leben gut gestalten ohne Christentum, ohne Kirche, ohne Frömmigkeit. Und die Ohnmacht der Kirche ist so offensichtlich. Ich finde es oft noch am blamabelsten, wenn die Kirche meint, sie sei der Friedenstifter, obwohl es doch in den Kirchen gar nicht so friedlich zugeht. Und was soll denn dort noch geschehen? Was wollen denn die Christen dieser Welt vermitteln?
Diese Situation, wo der Vater dort kommt und seine ganze Not herausbrüllt, das ist so wunderbar und vielleicht hilft uns das erst wieder einmal zu sehen: Menschen mit ihrer Not, die wollen Hilfe haben. Und was können wir denn geben? Wir können keine Sozialmittel verteilen, wir können keine Lösungen anbieten für die Probleme, die die Menschen haben, wir können auch nicht die ideale Gemeinschaft anbieten.
Es ist auch schwierig, wenn die Leute versprechen: Komm zu uns, bei uns geht es ganz besonders schön her. Ich weiß nicht, ob das schön ist oder wie. Die Menschen sind enttäuscht aus dieser Sache, und es geht um einen großen Kampf. Und das ist so schön in dieser Geschichte, als das herauskommt.
Unsichtbare Mächte hinter dem Leiden
Es geht um einen großen Kampf.
In dieser Welt herrschen dunkle, böse Mächte. Man könnte ja meinen, das sei einfach die Form einer Epilepsie. Aber in diesem Bibelbericht wird ganz deutlich gesagt: Es geht nicht bloß um eine Krankheit. Hinter dieser Krankheit steht eine zerstörerische Macht.
Ein Mensch ist gebunden, ein sprachloser Geist. Also: Dieser Geist macht diesen jungen Kerl stumm. Wir lächeln ja manchmal über diese biblischen Worte und meinen, was ist das für eine altertümliche Vorstellung mit diesen dämonischen Mächten. Mich hat es schon komisch berührt, als vor ein paar Tagen bei mir im Briefkasten das Heftel drin lag, in dem stand, dass ich für 280 Mark in der Schweiz für drei Monate magnetische Felder bestellen kann, die mich beeinflussen. Dass man so etwas sogar für Menschen bestellen kann, die nichts davon wissen, mag noch geschäftstüchtig sein. Aber sie wissen natürlich, dass diese Mächte unsere Welt bestimmen: unheimliche, dunkle Mächte.
Warum gelingt es keinem Politiker, in den jugoslawischen Unruhen Frieden zu stiften? Warum gelingt es nicht, im Nahen Osten Frieden zu schaffen? Warum gelingt es nicht in Ruanda? Ich habe das von vielen Leuten immer wieder gehört, die im Dritten Reich mutig bekannt haben und versucht haben, dagegen anzugehen. Sie sagen: Es sind unheimliche Finsternismächte. Da kann man nur bekennen und untergehen.
Und diese Mächte kennen Sie, wenn Sie sehen, wie Menschen mitgerissen werden und in den Abgrund fallen. Wenn wir sehen, wie heute eine junge Generation kaputtgeht, an Dingen, die sie zerstören. Vor ein paar Tagen sagte mir ein Vater: Mein sechzehnjähriger Sohn hat nicht einmal den Hauptschulabschluss gemacht, und er rutscht jetzt hinein in die ganzen zerstörerischen Drogen. Er selber ist Arzt und gläubiger Christ. So ein junger Kerl, und er kann ihn nicht halten. Er hat nie auch den Zugang zu unseren Jugendgruppen gefunden. Und wenn man das alles sieht, was sind das für Dinge? Und Sie sehen es selber in Ihrem Leben.
Wir meinen immer wieder, das seien irgendwelche seelischen Fehlentwicklungen. Wir dürfen Gott um seinen Schutz bitten vor diesen Mächten. Es ist auch in den Briefen des Paulus sehr viel davon gesprochen worden, nicht bloß in den Evangelien, von diesen Mächten, gegen die wir ankämpfen müssen. Und wir wissen ja ganz genau: Wenn diese unheimlichen Mächte in unserem Leben losgelassen sind, dann folgen wir ihnen wehrlos.
Man kann nur um die Güte und die Liebe Gottes bitten, dass er sagt: Herr, bewahre mich. Und wir dürfen auch für unsere Angehörigen bitten und für unsere Freunde. Ich habe immer noch den Eindruck, dass in unserem Land noch die Gebete der Gläubigen wirksam sind, dass noch nicht all diese unheimlichen Zerstörungsmächte offen wieder da sind.
Unsere lieben Wagners, Sie wissen aus Ihrer Indianerarbeit, wie das ist, wenn diese dunklen Mächte überall am Wirken sind. Und da ist die Frage: Was können denn die Christen eigentlich, was können sie denn dagegen machen?
Die Not des Glaubens und die Frage nach echter Vollmacht
So kommt der Vater da her und nennt das alles ganz offen ohnmächtig zu unserer Situation. Wir können nicht viel. Wir sind selber gefährdete Leute. Wir wissen es, dass die Christen ganz besonders vielleicht gefährdet sind, von bösen Mächten besetzt zu werden. Es fängt wahrscheinlich immer am meisten dort an, wo Gott eigentlich Fuß fassen will, da entwickelt es sich am schlimmsten.
Der Vater schildert ganz kurz die Not mit seinem Sohn, mit dieser Krankheit, wie dieses arme Kind auf dem Boden liegt. Es ist ja merkwürdig, dass die Krankheiten überhaupt nicht bloß ein Defekt unseres Körpers sind. Das wäre eigentlich noch ganz einfach, wenn man einfach sagt: Das ist irgendetwas, was nicht funktioniert. Sondern mit den Krankheiten kommen eben immer auch in unser Leben die großen Anfechtungen. Und Krankheitszeiten sind auch Zeiten, die uns ganz besonders in unserer Liebe zu Gott herausfordern.
Wie viele Leute werden bitter und voll Hass in der Krankheit. Man kann ja froh sein, solange man noch fit ist und gesund ist. Es ist ganz wichtig, dass wir uns auch um die Kranken kümmern. Es ist ein uralter Dienst gewesen, den Christen gemacht haben, von den ersten Christen an, um die Kranken sich zu kümmern.
Ich weiß, wie jetzt Ihre Fragen immer ganz schnell darauf hingehen und Sie sagen: Ja, wie ist es, darf ich Wunder widmen? Ja, also ich weiß nicht, wie Sie Wunder erleben, ich erlebe viel, viel Wunder. Wir haben gestern Abend im Kirchengemeinderat gesagt, wir haben uns nicht vorstellen können, dass die Sorgen und Ängste, die uns am Jahresanfang so erschüttert haben, Gott so weit von uns einmal aufschiebt, dass wir wieder richtig atmen können und befreit sind. Das ist ein Wunder unseres Herrn, der herrscht im Himmel und der die Dinge lenkt, auch da, wo wir menschlich nichts erreichen können.
Wir sind überzeugt, dass Gott auch die große Weltpolitik lenkt, und wir erleben das bis hinein in die Krankheitsmächte. Also, das könnte ich überhaupt nicht glauben, wenn Sie sagen, Sie hätten das noch nicht erfahren. Dass wir heute Abend da sind, dass wir gesund sind, ist doch eine Frucht so vieler Gebete. Sie beten doch sehr viel um Hilfe und um Rettung und um Beistand, und dass bei Gott kein Ding unmöglich ist. Was haben wir das in schlimmen Situationen erfahren?
Aber Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, das ist ganz wichtig. Aber da sprechen wir nachher noch mal drüber.
Mir geht es jetzt heute Abend einmal darum, wie Jesus an dieser Stelle sagt: Die Hauptnot liegt doch darin, dass kein Glaube da ist. Er redet vom ungläubigen Geschlecht, und dann fordert Jesus diesen Mann wieder auf: Wenn du glauben könntest.
Daraus ist ja, ich will es eigentlich im Grunde immer gar nicht, diesen dummen Satz gar nicht erwähnen, das ist immer blöd, weil er dann im Kopf drin ist. Wir kriegen ihn immer raus, die fixe Idee, wenn man an etwas glaube, dann würde man das positiv beeinflussen können. Das meint doch Jesus nicht. Wenn Sie das können, dann gucken Sie Ihren Geldbeutel an und wünschen sich viel darüber, und wenn das wirklich wirkt, dann ist er voller. Ich halte von dem nichts. Nicht mein Glaube ist es, sondern es geht um etwas ganz anderes.
Und das ist ja vielleicht das Missverständliche, wenn man das so ein bisschen verkürzt sagt. Das meint ja Jesus gar nicht. Sondern was meint Jesus mit Glauben? Jetzt denken Sie mal an den Abraham. Was war Glauben beim Abraham? Ein Mann, der sich ganz dem Befehl Gottes unterstellt und ihm folgt. Jetzt können wir es gleich so sagen: Der lebt in der Gegenwart der Herrlichkeit Gottes in der unsichtbaren Welt. Das war es gerade noch bei der Verklärungsgeschichte.
Da war: Wenn du diese Verbindung mit Gott hättest, dieses Vertrauen, diese Nähe Gottes suchen würdest, du musst dein Verhältnis mit Gott in Ordnung bringen.
Vertrauen, Gehorsam und die Kraft des Gebets
In diesem Wort Glauben steckt eben das drin, dass Gott Menschen ruft und ich mit Vertrauen antworte. Nicht irgendetwas, was ich positiv beeinflussen will, sondern Gott ruft mich, und ich gehorche ihm. Deshalb ist das Wort Glauben so wichtig. Und das kann man nur immer und immer wieder tun.
In der Urbedeutung, in der biblischen Bedeutung, hat es ja immer zwei Teile. Das eine ist das Vertrauen, einer Person gegenüber Vertrauen schenken. Für mich ist das immer wieder das schönste Beispiel in der menschlichen Liebe: Zwei Menschen lieben sich, und sie vertrauen einander. Sie schauen einander an und sagen: Ich vertraue dir.
Das Verhältnis mit Gott ist ein persönliches Vertrauensverhältnis. Ich schaue auf ihn und vertraue ihm. Und das andere, das ganz stark in der Bibel immer wieder vorkommt und aus vielen Geschichten gezeigt werden kann, ist der Gehorsam. Glauben ist Gehorsam. Das war bei Abraham das Entscheidende, das war bei Mose das Entscheidende. Das sind die Aussätzigen, die zum Priester gehen und sich dort zeigen. Oder im Römerbrief, 1,5, wo Paulus sagt: Ich möchte den Glaubensgehorsam aufrichten. Der Glaubensgehorsam.
Das Wort ist interessant. Vielleicht hört man das bei uns dann gar nicht mehr. Ich möchte den Namen ganz stark betonen: Glauben ist die Vertrauens-Liebesbeziehung zum ewigen Gott, und auf der anderen Seite der Gehorsam gegenüber seinem Wort. Darum geht es in diesem Wort um viel, viel mehr.
Wenn du dieses Vertrauen hast, diesen Gehorsam des Glaubens, lieber Mann, dann steht dir eine ganz neue Welt offen. Sie dürfen es genau so sehen. Und das ist der Dienst, den wir tun, wenn wir Kranke besuchen: dass wir sie aufrichten und sagen: Du, siehst du das? Merkst du das, dass Jesus bei dir ist? Auch in der Finsternis merkst du das, dass er dich sucht, dass du nicht allein gelassen bist, dass du mit ihm jetzt Erfahrungen machen kannst, dass er zu dir redet. Du bist nicht allein mit deiner Not.
Es ist ganz wunderbar, dass Jesus an dieser Stelle ein klares Wunderzeichen getan hat. Und es ist Jesus auch ein kleines, das auch durch machtvolle Zeichen, Wunderzeichen zu demonstrieren. Aber das ganz Entscheidende ist doch in der Geschichte, dass Jesus ihm zeigt: Du, da ist eine Welt um dich her, und zu der musst du Verbindung haben. Du musst dich zu dieser Welt ausstrecken.
Jesus macht diesem Mann Mut und sagt: Wenn du glauben kannst, wenn du vertrauen kannst, sind alle Dinge möglich. Also, um es noch einmal vom Anfang her zu sagen, wo ich gesagt habe: Unsere Ohnmacht wird auch Schritt für Schritt deutlich. Deshalb ist auch jetzt noch einmal ganz klar: Das Einzige, was wir den Leuten sagen können, ist, dass wir sagen: Ich möchte dich zu Jesus führen.
Die Grenze menschlicher Mittel und der Weg zur Vollmacht
Es ist gut, dass Jesus uns immer wieder auch in diesen Pleiten, in diesen Niederlagen sitzen lässt. Das treibt uns immer wieder dorthin, dass wir die Menschen zu Jesus weisen: Zu dem müsst ihr kommen.
Über Pfarrer kann man sich grün und blau ärgern, über die Kirche kann man sich ärgern, über Christen kann man sich ärgern. Aber wir wollen Menschen sagen: Jesus ist der, der Macht hat. Jesus ist der, der den Schlüssel zu deinem Leben hat. Wir können es nur erzählen von dem, was wir selber erfahren haben.
Dieser Mann war ja erstaunlich ehrlich, indem er sagt: Ja, ich würde gar nicht glauben, ich kann nicht glauben. Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben. In jedem Herzen, in jedem Kopf ist Zweifel drin. Der Mann drückt das super aus und sagt: Bei mir ist das so nah beieinander. Ich will ja glauben, und immer wieder ist bei mir genau so diese Stimme da, die zweifelt.
Aber was aus diesem Wort dieses Mannes kommt, auch aus der Antwort, die Jesus gibt: Ich darf nicht im Zweifel stehenbleiben. Das ist eigentlich heute so notvoll, dass man den Zweifel so in die Mitte rückt und so wichtig nimmt. Im Zweifel kann ich nichts erkennen, im Zweifel bleibe ich ausgeschlossen. Im Zweifel bin ich auf Distanz, kann ich nicht glauben. Das ist ganz ferne. Und darum sagt Jesus zu ihm: Du musst glauben, du musst Klarheit schaffen.
Aber ich möchte das noch einmal kurz erklären, warum der Zweifel so tödlich ist. Es meint einer und sagt: Ja, ich habe bloß Zweifel, jeder Mensch hat Zweifel. Es ist die kritische Lage ihres Lebens, ob sie bei ihrem Zweifel bleiben. Denn der Zweifel ist letztlich etwas, wo ich mich in die Mitte setze und sage: Also ich, okay, ich bin, und alles andere bezweifle ich um mich herum. Das ist letztlich ein maßloser Egoismus. Und deshalb ist es mal wichtig, dass ich mein Ich auch kritisch in Frage stelle: Bin ich überhaupt richtig mit meinem Zweifel?
Der Unglaube nimmt sich so ungeheuer wichtig. Und das ist bei diesem Vater so schön, dass er seinen eigenen Unglauben in Frage stellt und auch vor Jesus offen bekennt. Der Unglaube ist ein falscher Glaube, ein verkehrter Glaube, ein Missglaube, ein Unsinniglaube. Und zum Unglauben gehört eine sehr große Selbstsicherheit.
In unseren Tagen ist es immer schwierig, über den Zweifel zu reden, weil viele da ganz empfindlich sind. Viele meinen ja auch, nur wenn man zweifelt, könne man glauben. Das stimmt nicht. Es erschließt sich Jesus nur im Vertrauen. Sie wissen das, wie das ist, wenn man den ersten Schritt des Vertrauens geht. Wenn Sie das Wort lesen, wollen Sie das Jesus um die Ohren schlagen und sagen: Ha, ha, ich gehe mal kritisch her?
Die große Not der gegenwärtigen Theologie ist ihre kritische Grundhaltung, die ihr den Zugang zum Glauben verschließt. Darum sagt Jesus das so ganz, ganz klar: Du musst glauben!
Und es gibt in der Bibel sehr, sehr viele schöne Beispiele, da schon das kleinste Stückchen Glauben so groß ist, dass es die Welt bewegt. Dass Jesus an anderer Stelle sagt: Wo ist es vom Senfkorn usw. Senfkorn ist Matthäus 17,20. So ein kleines Körnlein von echtem Vertrauen zu Jesus, gehorsam versetzt Berge. Und deshalb hat Jesus auch so gelobt, wenn die Kinder glauben. Ganz, ganz bloß ein wenig dieses ganz echte Vertrauen bewegt alles. Markus 11,23: Wir wollen da zwei Kapitel mal weitergehen. Wer zu diesem Berg spreche: Hebe dich und wirf dich ins Meer, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubt, dass es geschehen werde, was er sagt, so wird es ihm geschehen.
Ja, was kann ich dann tun? Ja, aber es muss immer wieder daran bleiben, dass für den Glauben das ganz wichtig ist: der Gehorsam.
Das Wagnis des Glaubens im Alltag und in der Mission
Deshalb kann der Glaube keine Witze machen, keine Spässchen. Das ist keine Sache für eine Klaunerie oder für sonstiges Theaterspielen.
Wenn Sie Dinge haben, die Sie im Gehorsam mit Gott wagen, weil Sie seinen Befehl hören, können Sie Dinge vollbringen, die grösser sind als das Versetzen eines Berges. Und das ist ja in der Tat ein Geheimnis, wenn man das immer wieder in so Biografien liest, wie da Leute waren, die einfach im Gehorsam auch den Befehl Gottes gewagt haben und Gott vertraut haben: Er wird mir die Mittel geben, ich verstehe das nicht.
Ich las neulich, war es eine Zeitung oder wo, ja, da ist da so schön gekommen die Geschichte von dem Kinderheim in Korntal, wie das der Hoffmann begonnen hat, wieder mit nichts im Grund, aber im Vertrauen, im Gehorsam, dass Gott dieses Werk nicht scheitern lässt.
Und gerade heute, wenn man so viel von Finanznöten spricht, ist das wieder wichtig, dass alle Glaubenswerke von Gott darin bestätigt wurden, wenn sie aus dem Glauben getan wurden. Und wie das viele Missionen im letzten Jahrhundert haben sich zum Kennzeichen gegeben, dass sie gesagt haben: Wir werden nie über Geld reden.
Die allergrösste Mission war die vom Hudson Taylor in China mit über tausend Missionaren, die gesagt haben: Wir werden nie über Geld sprechen. Wir haben dieses Werk im Gehorsam gegen Gott begonnen, und dann muss Gott sehen, wie er das macht. Es war besonders kühn, wenn dann die Steigerungen waren, dass sich die Zahl der Missionare innerhalb eines Jahres verdoppelt hat. Wie soll das gut gehen?
Sie wissen, wie schwache Leute es gewagt haben, Dienste zu tun. Das Beispiel von Herrn Schmidt, wo ich so gern nehme: Gott will es machen, dass die Sachen gehen, wie es heilsam ist. Der da drüben in Popfingen die Typhuskranken gepflegt hat, als junger Mann, alle anderen sind davon gerannt, er hat gesagt: Das muss ich tun. Und wurde nicht krank. Das meint Jesus. Das, was ich im Befehl, im Auftrag Gottes wage, das muss gelingen. Und dann kann ich diesen Weg gehen.
Also, es geht nicht um Schaustücke. Man kann das jetzt so theoretisch diskutieren, um irgendwelche witzigen Schaustücke, da kann man also irgendetwas nach Belieben über Gott verfügen. Und darum geht es ja gerade nicht. Sondern wer Gott sich so unterstellt, wer Gott gehorcht, der kann in seinem Leben Grosses erwarten und wagen.
Jetzt ist ja die Frage: Ist mein Leben und sind meine Aufgaben, die ich tue, wirklich so mit Gott geklärt, dass ich unter seinem Segen stehe und in seinem Auftrag bin? Wir haben selber viele Dinge unternommen. Ich erinnere mich immer noch, wie wir da mit Bangen an die Strasseneinsätze gezogen sind und wie man beschenkt wurde jedes Mal von Gott, wie man wirklich wusste: Man kann das nicht.
Und Sie erleben es, wenn Sie sich um andere kümmern und wenn Sie Aufgaben wahrnehmen, dass der Glaube die Röhre wird, wo Gott seinen Segen durchgibt. Wir können Gott nicht manipulieren, das soll auch nie so sein. Und wenn manchmal über den Glauben gesprochen wird, wie wenn das so ein Schwert wäre, mit dem man Gott treiben könnte und Gott zu irgendwas jagen könnte, das kann ja nicht sein.
Aber es ist die Röhre, durch die Gott zu uns seinen Segen fliessen lassen kann, durch die er uns seine Kraft gibt, durch dieses Vertrauen, durch diesen Glauben. Und ich würde das jetzt so meinen, dass wir ganz wörtlich das nehmen dürfen für die Aufgaben, in denen wir stehen, für Tage oder Jahre, die uns Gott noch mit unserer Lebenskraft schenkt: Herr, ich möchte etwas für dich tun, ich möchte noch etwas wirken, ich möchte die nächsten Wochen und Monate meines Lebens für dich gebrauchen, ich bin gespannt, wo du mich gebrauchst.
Ich finde es auch schön, wenn Leute in ihrem Ruhestand sind: Ich möchte noch mal was tun, ich möchte noch mal was wirken, und Herr, jetzt gebrauche mich, ob ich anderen Menschen Freude mache, ob ich mich kümmere um andere. Aber ich will ihnen etwas weiterbringen von der Welt Gottes. Und ich will etwas mitwirken, damit diese unheimlichen dunklen Mächte weichen müssen und das Segen geschehen kann in unserer Welt.
Befreiung, Aufrichtung und das bleibende Vertrauen
Jesus hat dies getan. Er hat dieses befreiende Wunder ausgelöst. Er hat diesen Befehl gesprochen, und diese Krankheitsmächte sind gewichen. Und jetzt liegt das Kind wie tot da. Jesus richtet es auf; er hat Lebenskräfte.
Und die Jünger haben dann, als sie wieder allein waren, zu Jesus gesagt: Warum konnten wir das nicht tun? Wir würden auch gerne vollmächtig sein. Das Wort ist ein biblisches Wort: Vollmacht haben, das ist ganz entscheidend wichtig. Das liegt an nichts Äußerem, das verfügen wir auch nicht. Wie können wir das auch so haben, dass wir so etwas bewirken können?
Es ist ganz wichtig: Man kann das nicht in Kursen erlernen, man kann es nicht trainieren. Jesus nennt beten und fasten. Was ist beten? Du kannst nur darum bitten. Und wer bittet, der empfängt. Und was ist fasten? Das ist auch wieder menschliche Schwäche.
Ich bin nach wie vor nicht der Meinung, dass wir die Fastenbräuche unbedingt wieder einführen müssen. Ich habe großen Respekt. Wir hatten einen orthodoxen Gast da in der Passionszeit, und es hat mir Eindruck gemacht, wie da fast nichts mehr aufs Brot kommt, weil man die orthodoxen Fastengebote richtig einhält. Aber trotzdem meine ich: Unsere evangelische Freiheit ist auch etwas Schönes, Befreiendes.
Aber Jesus meint dies in dieser menschlichen Schwäche, nicht, dass wir meinen, wir müssen viel irdische Mittel herbringen. Gott will segnen, so wie er die Jünger segnet, wenn sie beten. Es kommt nur aus der Wunderkraft Jesu. Wenn sie wissen wollen, wie sie vollmächtig wirken können, was können sie tun? Beten. Es geht nur durchs Gebet, auch die großen Wunder in unseren Tagen. Es geschehen gewaltige Dinge durch sie hindurch, und wir brauchen gar keine Kraftmittel. Das meint Fasten: durch menschliche Schwäche.
Und steh zu deiner Schwäche, steh zu deiner Abhängigkeit, und du darfst diese großen Wunder Gottes erleben. Alles ist möglich dem, der da glaubt. Wir haben in unseren Tagen so viele Zeichen von Ohnmacht bei den Christen, aber wir haben auch herrliche Zeichen von Vollmacht. Wir haben auch wunderbare Zeichen von Menschen, die selbst das vom Herrn ins Leben gelegt haben, mit Kranken zu beten und sie zu heilen.
Wer einmal nach Männedorf kommt und die Geschichte der, wie heißt sie, Kaiser Trudel dort liest, wo höre ich noch mal, auch der Elias Schrenk ist ja geheilt worden, da sind ja sehr viele Menschen, die das erzählen. Aber bei der Frau war immer entscheidend: Seelsorge und die Fürbitte. Gott hat mächtig gewirkt.
Wir dürfen in vielen Dingen auch heute das erwarten. Wir sollten mutiger sein, wo sich auch in unserer Nähe die dunklen Mächte Satans aufbäumen. Das tun wir ja, indem wir viele Nöte mittragen, auch die, die sie haben, die in ihrem Leben drin sind, wo wir Gott bitten: Herr, lass doch deinen Sieg hier noch sichtbar werden. Und wir erleben Gewaltiges, wie Gott auch in unseren Tagen befreiend und heilend wirkt.
Vollmacht gibt er ihnen. Bloß beten, fasten, schwach sein und auf den Herrn blicken. Und mein Vertrauen, mein Glaubensgehorsam darf das erleben.
