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Gnadengaben zum Nutzen

1. Korinther 12,7-3026.05.2013
Du bist nicht überflüssig — und du sollst auch nicht alles allein schaffen. Gott gibt dir Gaben nicht für dein Ego, sondern damit ihr als Gemeinde zusammenwachst und keiner außen vor bleibt.

Rückblick auf den Brief und die Themen der Gemeinde

In der Pfingstpredigt letzten Sonntag hat Pastor Lars Göhl eine Predigtserie begonnen, eine Predigtserie durch den ersten Korintherbrief, Kapitel 12 bis 14.
Dieser Brief ist ein interessanter Brief, weil Paulus ihn an eine junge Gemeinde schreibt, die eine Vielzahl von Problemen und Herausforderungen hat. Paulus schreibt in diesem Brief und spricht dann diese verschiedenen Problemfelder an, mit dem Ziel, der Gemeinde dabei zu helfen, biblischer zu denken und zu leben.
In Kapitel 1, gleich zu Beginn, spricht er zum Beispiel an, dass die Gemeinde doch nach Einheit streben sollte, und er kritisiert spalterische Tendenzen. In Kapitel 5 spricht er eine skandalöse Sünde an, die es in der Gemeinde gibt, und erklärt der Gemeinde, wie sie damit umgehen soll.
In Kapitel 7 nimmt er dann Stellung zu einer Frage, die es in der Gemeinde offensichtlich gab, nämlich wie man mit Ehe und Ehelosigkeit umgehen soll. Ist es gut oder schlecht zu heiraten? In Kapitel 8 greift er eine andere Frage auf, nämlich die Frage, ob es richtig oder falsch ist, Fleisch zu essen, das Götzen geopfert wurde.
In Kapitel 11 nimmt er dann Stellung zu der Frage der Frau im Gottesdienst und auch dazu, wie das Abendmahl gefeiert werden soll.

Der Schwerpunkt des Abschnitts

Und dann, in den Kapiteln 12 bis 14, greift er jetzt das heißeste Thema von allen an. Er packt dieses heiße Eisen an und sagt zu Beginn: „Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit lassen.“
Lars hat letzte Woche schon betont, dass das Erste und Grundlegendste, was Paulus dann hervorhebt, dies ist: Letztendlich ist nicht so wichtig, welche Geistesgaben jemand besitzt, sondern die alles entscheidende Frage ist, ob jemand den Heiligen Geist hat, ob jemand mit dem Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt, dass Jesus Christus Herr ist.
Und nachdem Paulus gesagt hat, dass dies die grundlegendste Offenbarung des Heiligen Geistes ist, greift er dann in den Versen 7 bis 30, also in dem heutigen Predigtabschnitt, die Frage auf: Warum haben wir dann Geistesgaben überhaupt? Wozu sind sie gut?
In Vers 7 haben wir quasi eine Überschrift, in der uns Paulus eine grundsätzliche Antwort gibt, nämlich dass diese Gaben, diese Offenbarung des Geistes, gegeben wurden zum Nutzen aller.
Dann sehen wir in den Versen 8 bis 11 und noch einmal in den Versen 28 bis 30 des Predigttextes, dass es eine Vielzahl von Gaben gibt.
Dann erklärt Paulus in den Versen 12 bis 14, dass diese Vielfalt an Gaben nichts daran ändert, dass wir zusammengehören, dass wir ein Leib sind. Diese Vielfalt sollte uns immer noch vereinen und nicht trennen.
Und dann im Hauptteil dieses Kapitels, in den Versen 15 bis 27, da kommen zwei konkrete Anwendungen. Diese untergliedern sich in die Verse 15 bis 20, wo Paulus betont: Niemand ist überflüssig, jeder wird gebraucht. Und in den Versen 21 bis 27: Niemand ist unabhängig, jeder braucht auch die anderen.
Das ist vielleicht eine etwas komplizierte Struktur. Deswegen steht sie da, damit Sie sie sich kurz einprägen können. Denn anhand dieser Struktur möchte ich jetzt mit Ihnen durch diesen Predigttext gehen. Und ich hoffe, dass wir dann alle erkennen werden, dass Gott uns als Gemeinde, dass Gott jede Gemeinde mit vielfältigen Gaben beschenkt hat, um der Gemeinde als Ganzes Gutes zu tun und gerade durch die Vielfalt die Einheit zu fördern.
Darum soll es gehen.

Die Gaben als Geschenk und ihr eigentlicher Zweck

Zuerst sehen wir in Vers sieben wirklich diese Überschrift. Paulus ist, nachdem er schon auf einige Gaben eingegangen ist in dem Abschnitt, den wir letzte Woche betrachtet haben, bei dem Gedanken: In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.
Das ist der Grund, das ist der Zweck, warum Gott Geistesgaben gibt: zum Nutzen aller dieser Offenbarungen des Geistes.
Wenn wir über Geistesgaben nachdenken, möchte ich gleich zu Beginn eine wichtige Information weitergeben, die vielleicht nicht jedem sofort klar ist: Das Wort Geistesgaben ist eigentlich kein biblisches Wort. In Vers 1, wo davon scheinbar die Rede ist, da geht es um geistliche Dinge. Er will uns über geistliche Dinge nicht im Unklaren lassen. Das ist also eine allgemeine Aussage.
Und dann geht es im Fortgang bei diesem bekannten Wort Charisma oder Charismata nicht um Geist, denn Charis ist nicht Geist. Charis ist, weiß es jemand, was ist das? Gnade. Es sind Gnadengaben, es sind Gnadengaben, die uns gegeben wurden.
Und das ist schon wichtig, weil es betont, dass das, was wir haben, die Gaben, die wir haben, wir empfangen haben aus Gottes freier Gnade. Und er hat sie uns gegeben. Das betont Vers 7: zum Nutzen aller. Also nicht als Spielzeuge für uns selbst.
Das ist eine grundlegend wichtige Erkenntnis: Gnadengaben gegeben zum Nutzen aller, das sind die Offenbarungen des Geistes.

Die Vielfalt der Gaben und ihre Einordnung

Und dann greift Paulus in Vers 8 einige dieser Gaben auf. Ich möchte diesen einen Abschnitt lesen. Ich werde viele Abschnitte nicht im Detail lesen. Sie können mit offenem Bibeltext folgen und vielleicht mitlesen. Aber diesen Abschnitt möchte ich lesen, einfach damit wir noch einmal einen Eindruck von diesen verschiedenen Gnadengaben bekommen.
Dem einen, schreibt Paulus, wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem anderen wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist; einem anderen Glaube, in demselben Geist; einem anderen die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; einem anderen die Kraft, Wunder zu tun; einem anderen prophetische Rede; einem anderen die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem anderen mancherlei Zungenrede; einem anderen die Gabe, sie auszulegen. Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will.
Wer die Listen der Gnadengaben in der Bibel kennt, der weiß: Diese Liste, die hier in den Versen 8 bis 11 genannt wird, ist genauso wenig vollständig wie die in den Versen 28 bis 30. Es geht Paulus hier ganz sicher nicht um eine vollständige Auflistung aller vorhandenen Gnadengaben. Es geht ihm hier einfach darum, einige Gnadengaben anzusprechen und uns die Vielfalt zu zeigen.
Und doch ist es interessant, sich einige dieser Gaben einmal anzuschauen, weil uns das vielleicht hilft, Gnadengaben noch einmal etwas genauer biblisch-theologisch einzuordnen. Vers 8 nennt uns zwei Gnadengaben, nämlich die Gabe, von der Weisheit zu reden, und auch die Gabe, von der Erkenntnis zu reden. Die Wörter, die dahinterstehen, finden sich nirgendwo sonst im Neuen Testament. Wir können uns sicherlich einiges vorstellen, was das bedeutet, aber ein konkretes Beispiel dafür haben wir nicht. Genauere Erklärungen haben wir nicht. Es bleibt so ein bisschen im Unklaren.
Vers 9 nennt die Gnadengabe des Glaubens. Damit ist wahrscheinlich ein besonders starker Glaube gemeint. Andererseits wissen wir, dass ein besonders starker Glaube auch eine Frucht des Geistes ist. Nun denke ich schon, dass die Bibel zwischen den Gaben des Geistes oder den Gnadengaben und der Frucht des Geistes unterscheidet. Aber hier ist die Unterscheidung zumindest nicht so ganz eindeutig feststellbar.
Gleiches gilt übrigens auch für Gaben und Ämter. Wir haben hier in den Versen die Gabe, in Vers 10 die Kraft, Wunder zu tun, und auch die Gabe der prophetischen Rede. Und dann am Ende unseres Abschnitts werden diese Gaben verbunden mit Ämtern. Da spricht er dann nicht mehr von den Gaben, sondern da spricht er dann vom Propheten und vom Wundertäter.
Worauf ich hinaus will, ist, dass letztendlich dieses Thema sehr komplex ist. Und ich glaube, so manche Diskussion würde ganz anders verlaufen, wenn wir uns klar machen, was für ein komplexes Feld wir hier haben. Und wenn wir dann noch bedenken, dass es Gnadengaben gibt, die es Charisma-Tag gibt, die wir als solche vielleicht in mancher Diskussion überhaupt nicht mitdiskutieren, dann wird die Sache noch ein bisschen interessanter.

Die grundlegende Gabe und die Einheit des Leibes

Im ersten Korintherbrief erwähnt Paulus nämlich als Allererstes eine Gnadengabe in Kapitel 7, die ich in der Diskussion über die charismatische Frage nur selten behandelt gehört habe: das Charisma der Ehelosigkeit und das Charisma der Ehe. Interessant, nicht wahr? Es ist dasselbe Wort, dieselbe Definition. Es ist eine Gnadengabe Gottes. Was genau das bedeutet, dürfen Sie für sich selbst überlegen.
Wichtig ist mir an dieser Stelle nicht, eine spezifisch detaillierte Definition von Gnadengaben zu geben. Mir geht es darum, dass wir erkennen, was dieser Text hier eigentlich tut. Worum geht es Paulus hier? Paulus geht es darum, uns zu zeigen, wie vielfältig die Gnadengaben sind. Er entwickelt hier keine konkrete Theologie der Gnadengaben, sondern er zeigt uns: Schaut, Gott hat ganz viele Gnadengaben gegeben, und er hat sie zugeteilt, so wie er es will, damit wir sie zum Nutzen aller in die Gemeinde einbringen.
Das ist der Fokus, mit dem Paulus uns hier auf das vorbereitet, was er dann weiter zu sagen hat. Und in Vers 12 greift er das dann weiter auf. Dort betont er diese Unterschiedlichkeit, diese Vielfalt, die in den Versen 8 bis 11 beschrieben wird. Diese Vielfalt soll uns nicht trennen, sondern gerade sie vereint uns in einem Leib. Gerade als Christen, gerade als die, die Gnadengaben bekommen haben, weil der Geist in uns wohnt und weil der Geist uns beschenkt, sollten wir darum wissen, dass wir sie bekommen haben, um damit zusammenzukommen, um uns in einem Leib zu vereinen.
In der Tat ist das etwas, was wir gar nicht primär tun, sondern was Gott selbst tut. Das tut er, indem er uns die grundlegendste aller Gnadengaben gibt, die grundlegendste Gnadengabe: Das eine Charisma, das alle Christen haben, wird im Römerbrief in Kapitel 6, Vers 23 erwähnt. Dort ist die Rede vom Charisma des ewigen Lebens. Das ist die Gnadengabe, die wir alle brauchen. Denn allein aufgrund von Gottes Gnade, durch den Glauben an den Retter und Herrn Jesus Christus, werden wir Teil dieser Gemeinschaft, dieses Leibes.
Wenn du, wenn Sie mit meinen bisherigen Ausführungen also nichts anfangen konntest, mit dieser ganzen Diskussion über Gnadengaben, dann möchte ich dir sagen, dann möchte ich Ihnen sagen: Das ist alles nebensächlich. Was wirklich wichtig ist, was grundlegend wichtig ist, ist, dass du verstehst, dass du diese eine Gnadengabe ganz dringend brauchst.

Die Rettung in Christus und die persönliche Frage

Paulus beschreibt diese eine Gnadengabe hier mit den Worten, er deutet es hier nur an: Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, in Vers 13. Wir sind durch den Geist zu einem Leib getauft, das heißt, der Geist hat uns überhaupt erst vereint.
Und wohlgemerkt: Die Taufe, von der hier die Rede ist, ist nicht die Wassertaufe. Es geht um eine Geistestaufe. Und auch wohlgemerkt: Diese Geistestaufe haben alle Christen empfangen. Wir sind alle durch einen Geist zu einem Leib getauft. Es ist also keine besondere zweite Segenstufe, die irgendwann mal kommt. Das ist das, was alle Christen eint, dieses Zusammengebracht worden sein in der Taufe.
Diese Taufe bedeutet: Wir sind dem alten Menschen gestorben, wir sind durch das Wasser hindurch neu hervorgegangen, wir sind reingewaschen von aller Schuld. Das ist etwas Geschehenes, als wir diese erste Gnadengabe empfangen haben, als wir den Heiligen Geist empfangen haben, diese Reinwaschung von aller Schuld.
Diese Gnadengabe, ich hoffe, das ist uns klar, die brauchen wir alle. Keiner von uns ist von sich aus rein genug, um vor diesem Gott, von dem wir vorhin gehört haben, dass er heilig, heilig, heilig ist, bestehen zu können. Das kann keiner von uns von sich aus, weil wir nicht heilig, heilig, heilig sind.
Wir alle denken, tun und sagen immer wieder Dinge, die Gott nicht gefallen können. Wir alle leben eben nicht so in der vollkommenen Liebe, in der wir doch leben sollten, zu der wir berufen sind. Das gilt weder für diese Liebe zu Gott, für die wir geschaffen wurden, noch für die Liebe füreinander, in der wir leben sollten.
Und deswegen brauchen wir diese Gnadengabe, deswegen brauchen wir diese Reinigung. Denn vor dem heiligen Gott können wir sonst nicht bestehen. Gott ist gerecht, und er wird keine Schuld, keine Sünde ungestraft lassen. Aber Gott ist nicht nur gerecht. Er ist der Gott der Liebe und der Gnade. Er ist ein Gott voller Barmherzigkeit.
Und deswegen kam Gott zu uns Menschen, deswegen kam Jesus Christus. Gott wurde Mensch, der lebte, so wie wir hätten leben sollen. Er tat nie etwas, das nicht heilig war. Und dann ging er, der eine Unschuldige, ans Kreuz. Dazu war er gekommen. Er ging ans Kreuz, um dort Schuld auf sich zu nehmen, unsere Schuld auf sich zu nehmen, damit wir rein sein können, befreit sein können, rein gewaschen sein können von unserer Schuld, sodass wir vor Gott bestehen können, hier in diesem Leben und für alle Ewigkeit.
Denn das ist die große Zusage Gottes, das ist die Gnadengabe des ewigen Lebens, die wir hier schon empfangen. Wer zu Jesus Christus gehört, durch seinen Glauben an ihn, wer ihm nachfolgt als sein Herr, der darf wissen: Er hat dieses ewige Leben schon. Und das ist ein Leben, das Bestand hat, selbst durch den Tod hindurch, und uns bringen wird in eine neue Welt, in eine neue Situation, wo wir kein Leid, keine Traurigkeit, keine Tränen mehr haben werden, sondern nur noch die Herrlichkeit Gottes erleben werden.
Und so ist meine grundlegendste Frage für dich heute Morgen: Hast du diese Gnadengabe empfangen? Kannst du mit Sicherheit sagen: Ja, ich habe den Heiligen Geist empfangen, ich bin ein Kind Gottes, ich habe ewiges Leben?
Wenn du dir nicht sicher bist, dann möchte ich dich bitten: Nimm dir Zeit und denk darüber nach, wie du zu dem einen, der uns da hinbringen kann, zu Jesus Christus, stehst. Lies Gottes Wort und erfahre, wer Jesus Christus wirklich ist, warum er zu uns Menschen gekommen ist, was er getan hat und wozu er dich aufruft. Das ist die wichtigste Frage, die du dir jemals stellen kannst und auf die du unbedingt eine Antwort finden musst.
Ich bin gerne bereit, dir dabei zu helfen. Lars Göhl ist gerne bereit, dir dabei zu helfen, und viele andere von uns sind gerne bereit, mit dir ins Gespräch zu kommen, wenn du Fragen dazu hast.

Leben als Glieder eines Leibes

Das ist grundlegend. Wir brauchen die Gnadengabe des ewigen Lebens. Und diese Gnadengabe bekommen wir. Dieses ewige Leben beginnt dann mit der Bekehrung, mit der Bekehrung hin zum Herrn Jesus Christus, dem wir dann nachfolgen, auf den wir dann hören wollen.
Das tun wir dann in der Gemeinschaft der Gemeinde, die hier beschrieben wird als sein Leib. Das heißt: Christwerden ist etwas ganz Persönliches. Es geschieht individuell. Zum Christ werden wir nicht durch die Geburt. Zum Christen werden wir, zum Nachfolger von Jesus Christus, werden wir durch eine persönliche Hinwendung zu Jesus Christus.
Aber wenn wir das dann getan haben und den Heiligen Geist empfangen haben, diese Gnadengabe des ewigen Lebens haben, dann sollen wir Teil werden des Leibes Christi, der uns offenbart, der sich manifestiert in dieser Welt in lokalen Gemeinden. Und in diese lokalen Gemeinden sollen wir uns dann einbringen, in aller Vielfalt zur Einheit, die vielen Glieder in dem einen Leib.
Das ist das, was Paulus in Vers zwölf bis vierzehn betont. Und das ist das, was er dann weiter erklärt, eigentlich im Rest des Kapitels, in den Versen 15 bis 27. Und denen wollen wir uns jetzt zuwenden. Wir wollen sehen, wie wir als unterschiedliche Glieder in dem einen Leib zusammenleben sollten.

Niemand ist überflüssig

Zuerst geht es in den Versen 15 bis 20 darum, dass niemand überflüssig ist. Jeder wird gebraucht. Vers 18 bringt das, denke ich, gut auf den Punkt, wo es heißt: Nun aber hat Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat.
Es ist übrigens wie ein Echo in diesem Text, dass der Wille Gottes immer wieder betont wird: wie er gewollt hat. Er hat uns die Gaben gegeben, wie er gewollt hat. Er setzt uns ein, wie er gewollt hat. Und er spricht dann in sehr bildhafter Sprache davon, dass wir zwar eins gemacht, aber nicht gleich gemacht wurden. Wir sind unterschiedlich. Und gerade in der Unterschiedlichkeit sind wir zu einem Leib vereint.
Die Unterschiedlichkeit führt manchmal dazu, dass manche den Eindruck bekommen können: Ich gehöre nicht dazu. Die sind alle so, ich bin eher so. In der Gemeinde der Hände, wo alle ganz aktiv sind, anpacken und jeder tätig wird, mag es vielleicht jemanden geben, der sagt: Ich habe nicht die Fähigkeiten dazu oder ich habe auch nicht mehr die Kraft dazu. Ich werde hier nicht gebraucht, ich gehöre hier nicht dazu.
Oder vielleicht in der Gemeinde der Augen. In der Gemeinde der Augen könnte es sein, dass alle intensiv in der Bibel lesen, studieren, studieren, studieren und theologisch diskutieren. Der theologisch gut geschulte Mensch fühlt sich dort wohl, und andere, weniger gebildete oder belesene Menschen mögen denken, dass ihnen vielleicht noch etwas fehlt, dass sie irgendwie nicht dazugehören.
Ihr Lieben, ich möchte uns Mut machen. Gott hat jeden so gemacht, wie er ist, damit er sich so, wie er ist, mit den Gaben, die er hat, in den einen Leib einbringen kann. Manche haben Einschränkungen. Manchen fällt es vielleicht schwer, einer langen Predigt zu folgen. Ihr Lieben, jeder wird gebraucht. Gott weiß, was er getan hat, als er uns in diesen Leib eingepflanzt hat, und das sollte uns ermutigen.
Niemand hier sollte sich minderwertig fühlen. Niemand hier sollte das Gefühl haben: Mich braucht hier keiner. Gott braucht dich. Er hat dich gemacht, wie du bist, und er hat dich hier eingefügt zum Nutzen aller. Sei ermutigt: Niemand ist überflüssig.
Vielleicht kannst du nicht so toll Klavier spielen wie Lukas oder so eloquent moderieren wie Jan Henning. Ich bin sehr dankbar für eure Gaben, liebe Brüder. Aber es wäre jetzt nicht besonders hilfreich, wenn 300 Leute da am Klavier säßen oder wir 150 Gottesdienstmoderatoren hätten.
Ich bin froh, dass wir Leute haben, die an der Tür stehen und Menschen begrüßen. Ich bin dankbar für die, die gestern Abend die Stühle hier noch in Reih und Glied gestellt haben und die in der Woche das Haus gereinigt haben. Ich bin froh, dass wir nach dem Gottesdienst die Gemeinschaft der Gemeinde pflegen können und dabei einen Kaffee trinken können. Ich bin dankbar, dass ich weiß, dass meine Kinder gerade gut betreut werden im Kindergottesdienst, weil sich Menschen dort mit ihren Gaben einbringen. Und ich bin froh, dass mancher Senior heute hier sein kann, weil andere sich die Mühe gemacht haben, die Person heute früh hierher zu fahren, die sonst vielleicht nicht mehr hätte kommen können.
Das mag alles nicht sonderlich spektakulär sein, aber Gott hat einem jeden Glied eine Aufgabe gegeben, damit es sich zur Einheit der Gemeinde einbringt. Jesus bringt das einmal auf einen ganz interessanten Punkt. Da erklärt er über die Verteilung von Talenten: Der eine kriegt fünf, der andere zwei und der andere eins. Und das Interessante ist, dass die Frage nicht ist, wie viele du bekommen hast, sondern was du mit den Talenten gemacht hast, die ich dir gegeben habe.
Egal, ob du fünf hattest oder zwei: Wenn du mit deinen Talenten so umgehst, dass du sie einsetzt, dann darfst du wissen, dass Gott dir am Ende sagen wird, was Jesus in dem Gleichnis erklärt: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht! Darum geht es. Die Frage ist: Was tun wir mit dem, was Gott uns gegeben hat?
Gott aber hat die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat. Gott will dich, und Gott wird dich in dieser Gemeinde gebrauchen, wenn du es zulässt. Und natürlich sollten wir als Gemeinde auch immer offen dafür sein, dass Menschen hier hineinkommen und uns bereichern, die vielleicht erst einmal ein bisschen anders sind. Wir wollen offen sein für Neue und für Menschen, die anders sind als wir.
Wenn du jetzt hier in dieser Gemeinde angekommen bist und deinen Platz noch nicht gefunden hast, dann möchte ich dich noch einmal darauf hinweisen, dass es unten, wenn man die Treppe herunterkommt, neben dem Fahrstuhl ein wunderbares Schaubild gibt. Da sind alle Dienstbereiche dieser Gemeinde aufgelistet, alle Teams, und da sind Ansprechpartner. Dann kannst du einmal schauen, ob es nicht irgendeinen Bereich gibt, in den du dich einbringen kannst.
Ganz aktuell brauchen wir jemanden, der die Küche übernimmt, der das Bistro übernimmt, der dafür sorgt, dass wir bei besonderen Veranstaltungen auch etwas zu essen haben. Wir brauchen Hilfe im Sekretariat, wir brauchen Leute, die sich handwerklich in der Gemeinde engagieren können. Das ist alles nicht sonderlich spektakulär, aber ich bin mir sicher, es gibt hier Menschen, die von Gott dazu begabt und befähigt sind, sich so in den Leib Christi einzubringen.
Bei diesen Dingen geht es sowieso nicht um Selbstverwirklichung, um irgendetwas Spektakuläres, was Aufmerksamkeit auf dich zieht. Worum es wirklich geht, ist die Erbauung der Gemeinde. Das wird im Fortgang in diesem Kapitel noch sehr viel deutlicher werden, und wir haben es in Vers 7 schon gelesen: zum Nutzen aller.
Ich möchte uns ermutigen, so miteinander zu leben und uns mit dem einzubringen, was Gott uns gegeben hat.

Niemand ist unabhängig

Nachdem Paulus also in den Versen 15 bis 20 betont, dass kein Glied im Leib Christi überflüssig ist, betont er in den Versen 21 bis 27, dass auch niemand unabhängig von den anderen ist und ohne die anderen leben kann.
Paulus ermahnt hier wohl vor allem die, die sich für besonders begabt und für besonders wichtig halten. Und das mag ja so sein, dass manche offensichtlichere, sichtbarere, bemerkenswertere Gaben haben, so wie Lukas, der am Klavier sitzt und einfach mehr auffällt als die, die gerade unten den Kaffee kochen. Das ist gut, dass wir Menschen in diesen verschiedenen Bereichen haben. Aber keiner sollte sich zu wichtig nehmen, denn die Gaben haben wir allein aufgrund von Gottes Gnade bekommen. Und wir haben sie bekommen, damit wir sie investieren und in den Leib einbringen.
Das heißt: Wenn du dich für besonders begabt hältst oder das vielleicht auch bist, dann nimm das dankbar zur Kenntnis. Erkenne aber auch an, dass damit eine besondere Verantwortung einhergeht. Eine Verantwortung, deine Gaben nun zum Wohle anderer zu investieren.
Das war das Problem in Korinth. In Korinth gab es Menschen, die meinten, sie hätten eine besondere Gabe. Sehr wahrscheinlich war das, vom Kontext in den Versen 12 bis 14 her, die Zungenrede. Da waren Leute, die in Zungen redeten. Und ich will gar nicht darüber diskutieren, ob es das heute noch gibt oder nicht. Sie hielten das für besonders wichtig und meinten, alle anderen wären minderwertig, die das nicht täten. Und sie bräuchten die anderen eigentlich gar nicht.
Paulus stellt dem entgegen und sagt: Das ist ungeistliches Verhalten. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: „Ich brauche dich nicht.“ Oder auch das Haupt zu den Füßen: „Ich brauche euch nicht.“ Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten. Interessant, nicht wahr?
Paulus erklärt dann weiter, dass Gott den Leib in aller Vielfalt so zusammengefügt hat, wie es in Vers 25 heißt, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Das heißt: Der Missbrauch, den Paulus hier anprangert, ist, dass wir unsere Gabe nehmen und uns damit besonders wichtig machen. Und dann sagen: Wir brauchen die anderen nicht.
Paulus betont dagegen, was Gott eigentlich wollte, als er euch so unterschiedlich gemacht hat: euch zusammenzustellen, so dass ihr euch so ergänzt, dass mehr daraus werden kann, als ihr alleine jemals hinkriegen würdet.
Sei du, der du vielleicht heute hier bist und eher ein sehr unabhängiger Mensch bist, der Meinung, du brauchst die anderen gar nicht oder nur sehr bedingt? Ich glaube, die Grundfrage ist nicht, was du brauchst. Die Frage ist: Warum hat Gott dich so gemacht, wie er dich gemacht hat, und wie will er dich gebrauchen?
Lieber Freund, lass dich einfügen in den Leib. Sei nicht ein einzelnes Glied, sondern werde ganz bewusst Mitglied mit anderen und bring dich ein zum Wohle aller. Und in deiner Selbständigkeit: Tu nicht so, als wenn du immer alles selbst im Griff hast, nach dem Motto: Leben, ich komme schon alleine klar. Aber wir alle brauchen mal Hilfe. Wir alle brauchen mal die Ergänzung der anderen. Öffne dich, bekenne deine Not, nimm Hilfe an. Dafür hat Gott die Gemeinde so zusammengestellt, dass wir einander bereichern und helfen können.
Wenn du heute stark bist, investier dich, damit die Schwachen mitgenommen werden. Wenn du schwach bist, mach deine Schwachheit bekannt, damit wir dich mittragen können. Wie begabt wir auch sein mögen, wir brauchen einander. Und das ist genau das, was Paulus zum Abschluss betont.

Die abschließende Zusammenfassung und der Ruf zur Beteiligung

Er betont anhand einiger rhetorischer Fragen, dass keiner alle Gaben hat. In der Tat ist es Gott, der in seiner Gnade verschiedene Personen mit ihrer Unterschiedlichkeit und ihren unterschiedlichen Begabungen in die Gemeinde eingesetzt hat.
Gott hat in der Gemeinde eingesetzt: erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wundertäter, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten, und mancherlei Zungenrede.
Dann kommen diese rhetorischen Fragen: Sind alle Apostel? Und es ist völlig klar: Die Antwort auf all diese Fragen muss immer Nein lauten. Sind alle Apostel? Nein. Sind alle Propheten? Nein. Sind alle Lehrer? Nein.
Und als er uns dann am Ende an den Punkt gebracht hat, dass wir das gemerkt haben und Nein sagen müssen, kommt die Frage: Reden alle in Zungen?
Das ist ganz interessant, was Paulus hier tut. Ich will darauf nicht weiter eingehen, aber wer behauptet, dass jeder in Zungen reden muss, um den Heiligen Geist zu haben, der vertritt, glaube ich, eine Irrlehre.
Wenn du heute als Christ hier bist, dann darfst du wissen: Gott hat dich begabt, oder er hat dich in den Leib eingefügt. Die wichtige Frage ist: Lebst du so? Bist du ganz bewusst Mitglied, zusammen mit den anderen Gliedern, an dem einen Leib? Bringst du dich mit den dir von Gott aus seiner reichen Gnade gegebenen Gaben ein, zum Wohle aller?
Liebe Freunde, die Fülle Gottes, die Fülle im Leib Christi, wirst du nur erleben, wenn du dich einfügst und einbringst. Dazu ruft uns Paulus auf.
Ich bete.