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Unzucht & sexuelle Unmoral

biblische Bedeutung praktisch erklärt
02.12.2022

Einstieg in das Thema: Sprachliche Herausforderungen und persönliche Erfahrungen

Unzucht, Hurerei, Zügellosigkeit – das versteht doch heute kaum noch jemand. Was genau ist damit gemeint? Sprich doch lieber von sexuellem Fehlverhalten oder davon, sexuell Mist zu bauen. Ist das aus der Volksbibel? Genau, das hast du richtig erkannt. Aber wissen wir denn wirklich, was das konkret heißt? Ja, diese Begriffe klingen modern, aber was steckt genau dahinter? Nicht, dass wir am Ende ein altes Wort wie Unzucht gegen ein anderes eintauschen, das wir dann auch nicht einordnen können.

Ich musste an meine ersten Gottesdienstbesuche als junger Mann denken. Damals fielen Worte wie „Knecht“ und ich dachte als Zuschauer der Simpsons unwillkürlich an den Hund Knecht Ruprecht. Oder als ich zum ersten Mal hörte: „Wir preisen die Werke des Herrn“. Bei dem Wort „Werke“ fiel mir nur Stahlwerke und Sägewerke ein. So dachte ich, bei „Werke des Herrn“ gehe es bestimmt um Fabriken oder Einrichtungsstätten. Vielleicht sind damit die Kirchengemeinden gemeint.

Ich denke, so geht es vielen Menschen bei den Worten Unzucht und Hurerei. Aber können wir genauer erklären, was damit in der Bibel gemeint ist und was genau dahintersteckt? Ja, probieren wir es doch einmal.

Du siehst, ich habe mir heute wieder Verstärkung mitgebracht – von meiner lieben Ehefrau. Du bist studierte Sprachwissenschaftlerin. Das heißt, du kennst dich sehr gut damit aus, wie Sprachen strukturiert sind und wie man Konzepte von einer Sprache in eine andere übersetzt.

Ich bin Theologe und habe Altgriechisch am Institut für Altertumswissenschaften studiert. Wir sind beide langjährige Christen, die die Bibel viele Male gelesen haben. Das ist eine gute Voraussetzung, um heute zu versuchen, euch und dir diese häufig gestellte Frage sauber und konkret zu beantworten.

Damit willkommen beim Bibelfit-Projekt. Hier versuchen wir, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen zu beantworten. Jeden Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. Das gibt es alles gratis auf der Website – dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.

Die Bedeutung von Gottes Regeln und die Rolle der Bibel

Gleich vorweg: Es ist nicht unser Ziel, nur noch darüber zu sprechen, was man machen darf und was nicht. Natürlich wollen auch wir lieber über all den Segen sprechen und das Gute und Konstruktive, das Gott in deinem und unserem Leben tun möchte, wenn du ihn lässt.

Aber das Problem ist, dass es mittlerweile ein Trend geworden ist, nur noch von Gottes Liebe und Güte zu sprechen und Gottes Regeln immer mehr unter den Teppich zu kehren. Das Paradox daran ist jedoch gerade, dass Gott all das Gute und seinen überreichen Segen gerade denen verspricht, die nach seinen Regeln leben. Man muss nur mal im Psalm 119 nachschauen.

Deshalb sprechen wir heute genau darüber. Alles fängt mit Gott an. Lass uns deswegen zuerst über Gott reden. Wer ist Gott? Wie ist der christliche Gott?

Wie in jeder Weltreligion hat der biblisch-christliche Gott eine Reihe von ganz bestimmten Eigenschaften, sodass du sagen kannst: Ja, das ist Gott, und nein, das ist nicht Gott. Ein Profitipp: Du kannst dir in deinem nächsten Hauskreis auch mal umgekehrt die Frage stellen, bevor du den Satz vervollständigst: „Gott ist nicht mehr Gott, wenn ...“ und dann schaust du, was die Leute antworten.

Wir beide geben dir jetzt mal ein paar nichtchristliche Beispiele, und du versuchst zu erraten, über welche Religion wir gerade sprechen.

Nummer eins: Die Gottheit, die ich meine, hat blau-lilane Haut, spielt häufig Flöte und steht gern auf einem Bein. Um welchen Charakter und welche Religion handelt es sich? Das ist die hinduistische Gottheit Krishna.

Nummer zwei: Die Gottheit, die ich meine, sitzt häufig oberkörperfrei auf dem Berg Olymp und schleudert Blitze auf die Erde. Wen meine ich? Die griechische Gottheit Zeus aus dem olympischen Pantheon.

Nummer drei: Die Gottheit, die ich meine, ist sehr muskulös, trinkt Unmengen Bier und wirft einen Hammer, der immer wieder zu ihm zurückkehrt. Das ist die nordische Gottheit Thor.

Das heißt, diese Merkmale gehören total dazu. Damit ist immer klar, worüber wir reden. Das sind sozusagen Markenzeichen, die untrennbar und unverzichtbar sind. Ohne diese Markenzeichen reden wir quasi nicht über dasselbe.

Die Eigenschaften des biblisch-christlichen Gottes

Okay, schauen wir uns jetzt den biblisch-christlichen Gott an. Wenn man die Bibel aufschlägt, begegnet einem dieser Gott mit einer Reihe ziemlich kurioser Eigenschaften. Ich habe euch hier im Bild sechs Grundeigenschaften mitgebracht. Es gibt noch mehr, aber ohne diese sechs Eigenschaften ist das, worüber du in der Bibel sprichst, nicht der biblisch-christliche Gott.

Der Begriff „Gott“ steht im Raum, und das ist kein leichter Begriff, das müssen wir zugeben. Aber der Begriff „Gott“ wird häufig ganz anders verwendet als das, was mit dem biblisch-christlichen neutestamentlichen Gott gemeint ist. Daraus entstehen viele Missverständnisse.

Wo ist der Unterschied zum neutestamentlichen Gott? Nach dem biblischen Christentum hat Gott folgende Eigenschaften: Gott ist absolut. Absolut bedeutet, es gibt nur ihn als einzige Gottheit. Er ist immateriell, das heißt, er ist nichträumlich, also an allen Orten gleichzeitig. Außerdem ist er nicht zeitlich, das heißt, er ist ewig und steht über der Zeit.

Gott ist weiterhin unverursacht. Er ist die unverursachte Ursache für alles. Er ist unheimlich mächtig und unheimlich intelligent. Außerdem ist er der moralische Maßstab für Gut und Böse. Gott ist also der Maßstab dafür, was gut und was böse ist. Und er ist persönlich.

Eine Sache, die du gleich sehen kannst, ist, dass eine Eigenschaft des biblisch-christlichen Gottes seine Persönlichkeit ist. Das klingt immer kuschelig und lieb, aber dazu gehört auch, dass Gott selbst eine Persönlichkeit hat. Mach dir das mal klar: Gott hat eine Persönlichkeit, einen Charakter. Er kann Entscheidungen treffen, er ist ein lebendiger Gott.

Kannst du das so stehen lassen? Ja, denn es gehört zu Gott dazu. Ein harmloses Beispiel, das ich persönlich sehr schön finde: Der biblisch-christliche Gott hat einen eigenen ästhetischen Geschmack – Dinge, die er schön findet, und Dinge, die er nicht schön findet.

Und jetzt noch ein tiefergehendes Beispiel: Der biblisch-christliche Gott hat eine eigene Meinung. Das wird jetzt ein bisschen unangenehm, denn die Frage ist: Kann ich akzeptieren, dass der biblisch-christliche Gott eine andere Meinung hat als ich? Darüber lohnt es sich nachzudenken.

Man sagt so schön: Wenn der Gott, zu dem du betest, dir in allem zustimmt, führst du wahrscheinlich nur ein Selbstgespräch. Und wenn man darüber nachdenkt, ist das in keiner gesunden Beziehung so. Wieso sollte es dann bei Gott anders sein?

Ich fände es schön, wenn Gott mir in allem zustimmen würde, aber dann hätten wir keine echte Beziehung, oder? Darüber sprechen wir noch einmal, wenn die Leute nicht zuhören.

Also einfach mal zum Prüfen für jeden selbst: Ist es das Ziel deiner Gebete, dass Gott zu dir „Amen“ sagt oder dass du zu ihm „Amen“ sagst? Kannst du wirklich aus vollem Herzen sagen – und tust du es überhaupt –, dass dein Wille geschehe?

Mit Gott im Gebet zu ringen und zu argumentieren ist, wie in jeder guten Beziehung, normal und auch gut. Aber die Frage ist eben: Wer darf am Ende das letzte Wort haben? Und da ist Gott nun mal Gott.

Nicht umsonst sagen wir auch „Herr“. Er ist in dem Moment nicht primär dein Freund oder Partner auf Augenhöhe. Sehr, sehr guter Punkt.

Jesus und seine herausfordernden Aussagen

Lass uns über Jesus sprechen. Jesus sagt immer wieder Dinge, die für die Menschen seiner Zeit ziemlich unbequem waren.

Ein paar einfache Beispiele: Jesus sagt zu Menschen, die damals von einer feindlichen Militärdiktatur brutal unterdrückt wurden, dass sie, wenn sie für jemanden eine Meile mit einem Gepäck von dreißig Kilo schleppen sollen, dies nicht nur einmal, sondern zweimal tun sollen.

Jesus sagt zu dem angesehenen Cheftheologen seines Landes, dass selbst er Gottes Reich nicht sehen kann, wenn er nicht von neuem geboren wird.

Jesus sagt zu wohlhabenden Menschen, sie sollen alles verkaufen, was sie haben.

Also sagt Jesus immer wieder Dinge, die für die Menschen damals sehr unbequem waren und ihren Puls steigen ließen.

Warum sollte das für dich, mich und andere heute anders sein?

Die Bedeutung der Bibel und der Umgang mit ihren Aussagen

Lass uns über Gottes Wort sprechen. Erlaube mir, dir eine harte, aber auch logische Frage zu stellen: Wenn jemand aus der Bibel nur das herausnimmt, was er sowieso schon glaubt, und alles andere ignoriert, wozu braucht er dann am Ende des Tages überhaupt noch eine Bibel?

Wenn jemand aus den Grundlagen nur das annimmt, was ihm gefällt, und das ablehnt, was ihm nicht gefällt, wer hat dann am Ende das letzte Wort? Er selbst. Und wem folgt dieser Mensch letztlich? Sich selbst.

Weißt du, wenn jemand wirklich meint, wie es in der liberalen Theologie oft vertreten wird, dass die Bibel nur ein antikes Reisejournal sei, in dem veraltete Menschen ihr hilfloses Verständnis von Gott ausdrücken, wenn jemand wirklich denkt, die Bibel wäre ein zweitausend Jahre altes Poesiealbum, dann gibt es keinen logischen Grund, warum man nicht genauso gut etwas anderes lesen könnte. Warum sollte man nicht etwas Neues hinzufügen? Warum nicht ein neues Neues Testament? Warum nicht das Buch Mormon oder eine Wachtturm-Zeitschrift der Zeugen Jehovas?

Weißt du, Jesus selbst sagt immer wieder: Haltet euch an die Schriften, haltet euch an Gottes Gebote, haltet euch nicht an menschliche Traditionen, orientiert euch an dem, was Gott sagt.

Um es kurz zu machen: Ich finde es großartig, wie du das immer wieder zusammenfasst. Jesus sagt: Folge mir nach. Und wir Christen sind diese Nachfolger von Jesus. Deshalb ist das, was Jesus sagt, für uns gültig und bindend.

Falls das für jemanden nicht so ist, dann hat er jedes Recht dazu, dass es für ihn nicht gültig und bindend ist. Aber dann ist er kein Christ. Dabei denke ich vor allem an liberale Theologie, an progressive Theologie, an Exvangelicals und so weiter.

Es ist einfach spannend, wenn man sich das mal anschaut. Ich scrolle manchmal durch Instagram und sehe, was gerade in der Szene los ist und welche verschiedenen Gründe Menschen haben, um plötzlich völlig neue Behauptungen aufzustellen. Zum Beispiel: Ja, Sex ohne verheiratet zu sein ist für Gott überhaupt kein Problem.

Manche behaupten auf Instagram ganz ernsthaft: „Mich interessiert nicht, was Jesus sagt.“ Das sagen Leute, die sich Christen nennen. „Ich will mich nicht an das halten, was Jesus lehrt. Gottes Wort zählt für mich nicht.“

Andere sagen: „Das kann man gar nicht sagen.“ Oder: „Gott hat sich in den letzten Jahren völlig verändert und sagt plötzlich das Gegenteil von dem, was er tausende Jahre lang gesagt hat.“

Und dann gibt es noch Leute, die sagen: „Naja, wir leben im Westen. Für uns in Deutschland gelten diese Regeln nicht.“ Es gibt wirklich Leute, die das behaupten. Und...

Die Konsequenzen von Buße, Umkehr und Nachfolge

Es ist eine Sache zu sagen: Jesus hat meine Schuld am Kreuz bezahlt. Ich muss daher nicht mehr die Strafe beim Jüngsten Gericht tragen. Und ich danke Jesus, denn durch ihn bin ich freigesprochen. Das ist eine Sache, aber wer das sagt, kann nicht einfach dabei stehenbleiben.

Als ein etwas drastisches, aber wahres Beispiel: Wenn du zum Beispiel christlich aufgewachsen bist, dann bist du streng genommen immer noch ein Nichtchrist, bis du einsiehst, dass du Sünder bist und nur durch Jesus gerettet werden kannst. Das ist dann der Schritt der Buße und Reue.

Und auch wenn du dann freigesprochen bist und diesen Status nicht mehr verlieren kannst, kannst du hier nicht aufhören. Denn zum Christsein gehören eben nicht nur Buße und Reue, sondern auch Umkehr und Nachfolge. Das bedeutet, dass du nicht so weiterlebst wie bisher, dass du Dinge, die Gott schlecht findet, nicht tust.

Ganz praktisch wird es auch bedeuten, dass es Bereiche geben wird, in denen sich dein Verhalten von deinem nichtchristlichen Umfeld unterscheidet. Das braucht Mut, aber das ist eben der Faktor Nachfolge.

Um mal ein Beispiel zu geben, wie untrennbar das ist – denn es ist sehr wichtig, dass wir das verstehen: Eine Gemeinde, die wir kennen, stellt ihren Täuflingen, bevor sie getauft werden, zwei Fragen, sinngemäß wiedergegeben.

Die erste Frage lautet: Glaubst du, dass deine Sünde dir vergeben werden kann und dass Jesus stellvertretend für dich am Kreuz gestorben ist? Das ist der Bereich Buße und Reue, zu dem man dann Ja sagt.

Und jetzt Achtung: Die zweite Frage lautet: Versprichst du, Jesus bis an dein Lebensende nachzufolgen und nie aufzuhören, dich nach Jesus auszustrecken? Die zweite Frage finde ich total berechtigt, denn ohne sie sollte man auch nicht getauft werden. Denn das ist der Bereich Umkehr und Nachfolge.

Amen, einhundertprozentige Zustimmung zu dem, was du gerade gesagt hast. Das ist auch total biblisch und vollkommen neutestamentlich. Diese Tauffragen gehen zurück auf Fragen, die Taufanwärtern schon im zweiten Jahrhundert gestellt wurden, wenn Menschen getauft werden wollten.

Aus diesen Fragen ist übrigens später das apostolische Glaubensbekenntnis entstanden. Aber damit beschäftigen wir uns erst nächstes Jahr.

Historische und gesellschaftliche Hintergründe der Sexualmoral

Okay, jetzt haben wir über einige wichtige Grundsätzlichkeiten gesprochen. Wir sind gut vorbereitet, deshalb lass uns direkt in das heutige Thema einsteigen.

Was ist gemeint, wenn in der Bibel von Hurerei, sexueller Unmoral und Unzucht die Rede ist? Du ahnst es schon: Es geht um die Frage, in welchem Rahmen Sex überhaupt erlaubt ist. Ist Sex außerhalb und ohne Ehe eine Sünde? Ab wann gilt etwas als Hurerei, ab wann als sexuelle Unmoral und so weiter?

Die Antwort nehmen wir direkt vorweg: Ja, all diese Begriffe bedeuten dasselbe. Sie beziehen sich auf alle sexuellen Kontakte zwischen Menschen, die nicht verheiratet sind. Das ist ein Fakt. In den nächsten Minuten zeigen wir dir, woher du das wissen kannst und weshalb das wirklich so ist.

Um das noch einmal zu konkretisieren: All diese Wörter meinen sexuelle Kontakte zwischen Unverheirateten. Wenn wir schon Hurerei oder Unzucht hören, klingt das für viele negativ. Diese Wörter sind negativ konnotiert, das heißt, wir verbinden damit etwas Schlechtes, etwas Verbotenes.

Und das hat einen Grund: Der biblisch-christliche Gott sagt, dass das schlecht ist. Mehr noch: Er sagt, dass es Sünde ist. Damit ist auch Sex ohne Ehe und vor der Ehe gemeint. Es gibt zwar unterschiedliche Begriffe, aber das ist die zentrale Bedeutung. Es ist eine Sünde. Der biblisch-christliche Gott sagt: Tu das nicht.

Ich hoffe, dass nicht die Hälfte der Leute jetzt abgeschaltet hat. Wenn du dir das aber überlegst, gibt es keinen logischen Grund, warum der lebendige Gott, der eine Persönlichkeit hat, das nicht verbieten sollte. Warum sollte er das nicht tun?

Er darf das, weil er der Gott von Himmel und Erde ist. Und wir sind Nachfolger Christi. Das bedeutet ganz automatisch, dass er unser Boss ist – auch in einem Lebensbereich wie Sexualität. Was er dazu sagt, ist keine Nebensächlichkeit, sondern total relevant für dein und mein Leben als Christ.

Jetzt schauen wir uns gemeinsam Schritt für Schritt die Begründung an, damit du das auch anderen einfach und klar zeigen kannst.

Gründe für die Unklarheit in der heutigen Zeit

Deswegen möchte ich dir jetzt gerne vorher eine provokative Frage stellen. Offensichtlich, wenn das stimmt, was wir gerade gesagt haben, ist das eine große Sache und ziemlich wichtig. Wie kann es dann sein, dass wir uns – und damit meine ich uns beide – überhaupt diese Frage stellen müssen? Wie kann es sein, dass uns als Christen im einundzwanzigsten Jahrhundert in der westlichen Welt nicht klar ist, was genau mit den hundertfach in der Bibel auftauchenden Formulierungen wie Unzucht, sexuelle Unmoral usw. gemeint ist?

Auch uns beiden war das lange nicht klar. Die Frage ist: Warum ist das so? Ehrlich gesagt, ist es nicht kompliziert zu verstehen. Es gibt zwei eindeutige Antworten. Erstens die historische Entwicklung und zweitens ein Problem mit manchen Bibelübersetzungen.

Zum ersten Punkt: Die Frage, in welchem Rahmen Sex okay ist, gibt es gesellschaftlich noch gar nicht so lange. Menschen vor 50, 70 oder 130 Jahren hätten gar nicht daran gedacht, diese Frage zu stellen – zumindest nicht so, wie du und ich es vielleicht tun. Klar, den einen oder anderen gab es immer, der das heimlich anders gelebt hat. Aber die grundsätzliche Aussage, wann Sex okay ist und wann nicht, war auch bei uns im Westen ziemlich klar.

Dann gab es eine Revolution in den letzten 150 bis 200 Jahren. Um die Timeline kurz zu machen: Das Jahr 1827 war ein sehr wichtiges Jahr in der Humanbiologie, weil man die menschliche Eizelle entdeckt hat. Früher wusste man als Normalmensch gar nicht, was bei der Fortpflanzung eigentlich genau passiert.

Unsere Dating-Kultur hat sich ebenfalls stark verändert, vor allem ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts. Vor 130 Jahren war es zum Beispiel noch völlig normal, die Eltern zu fragen, ob man mit der Tochter des Hauses auf ein Date gehen darf. Und man traf sich dann im Haus der Eltern.

Schritt für Schritt änderte sich das. Zum Beispiel spielten Autos eine nicht unwesentliche Rolle. Warum? Weil junge Menschen dadurch zum ersten Mal räumlich unabhängig waren, was vorher gar nicht so einfach war.

Ganz wichtig war auch die Entdeckung beziehungsweise Erfindung der Pille als Verhütungsmittel. Die Pille wurde in den fünfziger Jahren perfektioniert, sodass sie wirklich zuverlässig funktionierte. Je nachdem, in welchem Land du schaust, wurde sie in den späten sechziger Jahren eingeführt.

Die Pille führte einerseits dazu, dass Menschen in westlichen Ländern – später auch global – bewusster entschieden, ob sie Eltern werden wollen oder nicht. Andererseits befeuerte sie die sexuelle Revolution enorm. Die Frage war plötzlich: Wenn ich Kinder nur in der Ehe bekommen soll, aber Kinder nur noch dann entstehen, wenn ich es will, wozu dann überhaupt die Ehe?

Das führte dazu, und das kann man statistisch sehr gut zeigen, dass Menschen immer später heirateten. Mit dem Jahr 1968 und damit komme ich zum Ende und zur Verdrängung des Christentums: In der 68er-Revolution und der Verdrängung des Christentums aus unserem gesellschaftlichen Einflussbereich verlagerte sich der Schwerpunkt der Sexualität.

Statistisch gesehen ist die Mehrheit der Gesellschaft im Westen seitdem sexuell aktiv vor und ohne verheiratet zu sein. Langer Rede, kurzer Sinn: Das ist also eine sehr junge Bewegung, ungefähr 50 bis 60 Jahre alt. Deine Großeltern sind noch vor all dem aufgewachsen.

Das ist ein ziemlich westliches Phänomen. In anderen Ländern gibt es zwar auch Verhütung, aber durch das Christentum herrscht dort gesellschaftlich eine andere Situation. Es müssen also mehrere Faktoren zusammenspielen, damit sich eine solche gesellschaftliche Entwicklung wie in Frankreich, Deutschland oder Kanada vollzieht. Die USA sind dabei ein Sonderfall.

Für den Rest der Welt, also die anderen 190 plus Länder, ist das gar nicht so selbstverständlich. Man sollte sich auch überlegen, wie klein der Teil der Christen weltweit ist, der überhaupt in Europa lebt. Hier siehst du eine ungefähre Schätzung, die ich dir dazu eingeblendet habe. Du kannst das Video gerne anhalten und dir die Zahlen selbst anschauen.

Das Fazit ist: Es dreht sich nun mal nicht alles um Deutschland, und die Weltgeschichte hat nicht erst vor dreißig Jahren begonnen. Das heißt, du und ich, wenn du das hier siehst oder hörst, sind wahrscheinlich die Ausnahme, nicht die Regel.

Spannend, sich das mal so historisch anzuschauen. Wir wissen also jetzt, dass diese Entwicklungen erst ein Phänomen der letzten Jahrzehnte sind. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass Menschen vor einigen Jahrzehnten noch besser wussten, was Unzucht und Hurerei bedeuten. In dem Zuge wurden diese Vokabeln auch häufiger verwendet, da sie oft miteinander verbunden sind.

Sprachliche Entwicklung und Bibelübersetzungen

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick in das DWDS, das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache. Dieses statistische Tool ermöglicht es, Wortverlaufskurven anzuschauen. Das bedeutet, man kann bildlich darstellen, wie häufig ein deutsches Wort im Laufe der Zeit verwendet wurde.

Dort lässt sich genau das beobachten, was zuvor erwähnt wurde: Seit der sexuellen Revolution in den 1960er Jahren ist die Nutzung dieses Wortes im deutschen Sprachgebrauch stark zurückgegangen. In der aktuellen Duden-Auflage wird es sogar als veraltet eingestuft und ist praktisch nicht mehr geläufig.

Was bedeutet das für uns? Das Problem ist, dass viele modernere Bibelübersetzungen diesem Wandel im Sprachgebrauch nicht gerecht werden. Das heißt, dass diese Vokabeln mittlerweile veraltet sind und kaum noch jemand ihre Bedeutung kennt. Dennoch werden sie vielfach unverändert übersetzt. Zu Recht kann man sagen, dass aus einer modernen deutschen Bibelübersetzung nicht sofort klar wird, was damit wirklich gemeint ist.

Schauen wir zum Beispiel in die Basisbibel: Dort steht zwar nicht mehr „Unzucht“ oder „Hurerei“, sondern stattdessen wird von „sexuellem Fehlverhalten“ oder „verbotenen sexuellen Beziehungen“ gesprochen. Was bedeutet das nun? Man könnte denken: Solange ich meinen Partner nicht betrüge oder nur einen Partner habe, ist alles in Ordnung.

In der Hoffnung für alle steht zum Beispiel „sexuelle Unmoral“ oder auch wieder „sexuelles Fehlverhalten“. Allerdings wurde dort eine Änderung vorgenommen. Wenn man in neuere Auflagen der Hoffnung für alle-Übersetzung schaut, kann man in den Sacherklärungen nachsehen. Ich empfehle, das einmal in der eigenen Bibel zu überprüfen, falls dort Sacherklärungen enthalten sind.

Dort steht zu dieser Vokabel: „Jede Form gelebter Sexualität außerhalb der Ehe“. Das ist also schwarz auf weiß festgehalten. Es ist daher berechtigte Kritik, dass aus modernen Bibelübersetzungen im Fließtext nicht deutlich wird, was gemeint ist. Das sollte dringend geändert werden.

Doch was tun wir in der aktuellen Situation, in der wir nicht einfach eine neue Bibelübersetzung erstellen können? Als Nächstes möchten wir zeigen, dass man sich trotz Unsicherheit darüber, was „Unzucht“ genau bedeutet, mithilfe vieler Indizien sehr wohl sicher sein kann, dass Gott Sex ohne Ehe ablehnt.

Anschließend wollen wir die Frage beantworten, wie man auch sprachlich sicher erkennen kann, was „Unzucht“ genau bedeutet. Absolut.

Die Haltung von Christen zu Gottes Willen

Deswegen jetzt noch einmal ganz grundsätzlich, und dann gehen wir direkt in die Details hinein. Wir als Christen wollen doch von uns aus fragen: Was will unser Gott eigentlich? Als Nachfolger von Jesus ist es doch irgendwie eine Ehrensache, dass wir uns diese Aufgabe machen, herauszufinden, was unser Gott möchte.

Ein flapsiges Beispiel: Jeder gute Lehrling in einem Ausbildungsjob versucht herauszufinden, was sein Chef von ihm möchte, um einen hervorragenden Job zu machen. In einem anderen Bild: In einer guten Beziehung versucht man, so viel wie möglich über den anderen zu lernen und zu sammeln. Man möchte herausfinden, was ihr gefällt, was ihre Vorlieben sind, was ihr wichtig ist und was sie vielleicht auch nicht möchte.

Also, du siehst schon, da geht es auch ein bisschen um Eigeninitiative. Das ist auch eine Frage der Ehre, dass wir wirklich aus dem Sofa mal hochkommen und aufhören, Däumchen zu drehen. Warum? Weil uns etwas am anderen liegt, schon zwischenmenschlich, und weil wir die Schüler sind und Nachfolger von Jesus.

Häufig, so mein Eindruck, lebt der eine oder andere aber in einer Mentalität von „Man setze mir vor“, nach dem Motto: Mir muss alles mundgerecht vorgekaut und präsentiert werden, oder ich halte mich nicht dran. Da steckt eine gewisse Arroganz dahinter. Oder wir lesen unsere Bibel nur mal hier und mal da, haben sie aber nicht ganz durchgelesen, und dann sagen wir so etwas wie: „Ja, das steht nicht drin.“

Ein anderes Beispiel, wie du das wissen kannst: Für alle, die christlich aufgewachsen sind und christlich erzogen wurden – viele von uns, uns eingeschlossen – haben das auch von ihren Eltern so gelehrt bekommen, dass Sex ohne Ehe nicht geht. Dass dann vielleicht die Erklärung gefehlt hat, warum das genau so ist und wo das genau steht, ist eine andere Frage. Aber es ist doch schon mal ein Indiz.

Warum wird das denn über Generationen erzählt? Das sind doch häufig Menschen, die wir schätzen, denen wir auch in anderen Fragen vertrauen und deren Antworten und Erklärungen wir auch in anderen Kontexten viel Wert beimessen. Warum nicht hier?

Oder nächster Punkt: Geh doch einfach mal in eine bibeltreue Gemeinde oder in mehrere und frag den Pastor, frag die Ältesten einmal direkt und unverblümt: Ist Sex außerhalb und ohne die Ehe okay? Auch in Deutschland werden dir auf diese Frage die meisten Pastoren und Lehrer eindeutig sagen: Nein.

Das Problem ist aber, dass wir es häufig nicht wissen wollen, deshalb fragen wir auch nicht. Dann sagen wir: „Ja, so eindeutig kann man das jetzt nicht sagen.“ International wirst du sehen, dass das im Christentum ganz klar ist. Das ist keineswegs verborgen oder geheim. In den größten christlichen Konfessionen weltweit wird genau das seit Jahrhunderten glasklar gelehrt und überliefert.

Eine kurze Randanekdote: Ich hatte vor wenigen Wochen eine Podiumsdiskussion mit einem Bestsellerautor und atheistischen Philosophiedozenten, Dr. Dr. Joachim Karl, der ein ausgesprochener Kritiker des Christentums ist und auch Bestseller darüber geschrieben hat, warum man nicht Christ werden soll. Die Podiumsdiskussion war spannend, das ist ein anderes Thema.

Aber eine der Sachen, die er am Christentum kritisiert, ist die Sexualmoral der Christen. Er findet sie nicht gut, weil Sex ohne Ehe nicht erlaubt ist, und so weiter. Dann sagt er alles, was er daran blöd findet. Lange Rede, kurzer Sinn: Selbst für Kritiker scheint das ja glasklar aus dem Neuen Testament herauszulesen zu sein.

Und zwei Bibelstellen dazu, nur mal so als Kontext, bevor wir in mehr Details gehen: Guckt ihr euch einfach mal die Weihnachtsgeschichte an. In der Weihnachtsgeschichte hat Maria den vollen Schock, weil sie schwanger ist und gar nicht weiß, was das jetzt bedeutet – ach du Schande, was heißt das auch religiös? Und da ist ja auch ganz klar kein Sex, weil sie nicht verheiratet ist.

Überlegt mal, wie ihr Verlobter Josef instinktiv reagiert. Ich sage nicht, dass seine Reaktion richtig ist, aber schaut doch mal, welcher Gedankenprozess bei ihm da ist. Er denkt: Lieber löse ich die Verlobung, lieber breche ich mein Versprechen ihr und ihrer Familie sowie unserer Gemeinde gegenüber – sie wären ja weiterhin in der gleichen Gemeinde gewesen – als dass die Leute denken, wir beide oder ich seien unzüchtig.

Was du auch mal machen kannst als kleine Bible Study: Du kannst einfach mal den 1. Korintherbrief aufschlagen und da ins Kapitel sieben hineinschauen. Das kennst du wahrscheinlich schon. Dort kannst du mit neuen Augen lesen. Paulus macht dort nämlich eine Gegenüberstellung von zwei verschiedenen Gruppen. Er redet einerseits von den Verheirateten und andererseits von den Jungfrauen.

Damit scheint ja relativ klar zu sein: Die Jungfrauen sind Jungfrauen und nicht verheiratet, und die Verheirateten sind verheiratet und keine Jungfrauen mehr. Das gilt logischerweise auch für Männer, ganz klar. Die Frage ist natürlich: Wenn Sex ohne Ehe total okay wäre, dann macht ja diese Zweiteilung überhaupt keinen Sinn.

Nochmal ein anderes harmloses Beispiel: Schau doch einfach mal in Apostelgeschichte 24, wo Paulus mit Felix spricht, einem Nachfolger von Pontius Pilatus. Er spricht mit ihm über Gerechtigkeit, über Enkrateia – das steht im griechischen Urtext – und über das bevorstehende jüngste Gericht.

Was heißt Enkrateia? Enkrateia bedeutet Selbstbeherrschung hinsichtlich sinnlicher Dinge und wird häufig mit Enthaltsamkeit übersetzt. Warum sollte Paulus denn mit jemand anderem, noch dazu einem Nichtchristen, sofort bei den ganz wichtigen Themen anfangen, über Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit und sexuelle Selbstdisziplin sowie das bevorstehende Gericht zu sprechen, wenn das überhaupt kein Thema wäre? Wenn das für Gott total okay wäre, macht das nicht so viel Sinn.

Zwei Bibelstellen, die eigentlich schon glasklar genug sind, ohne dass man genau wissen muss, was mit Unzucht usw. gemeint ist: Die erste Bibelstelle ist aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 11. Dort spricht Paulus über die Gemeinde und nutzt einen Vergleich mit der Ehe. Er sagt nämlich: „Ich habe euch mit einem einzigen verlobt, nämlich Christus. Ich will euch ihm als unberührte Jungfrau zuführen.“

Das klingt jetzt ein bisschen altmodisch, aber es war uns wichtig, dass hier „unberührte Jungfrau“ steht. Denn welches Bild von der Ehe wird hier vermittelt? Dass man vorher enthaltsam gelebt hat und jungfräulich in die Ehe kommt. Und noch einmal: Das gilt für Männer natürlich gleichermassen wie für Frauen, es ist einfach unsere Vokabel.

Die zweite Bibelstelle ist aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 7. Dort heißt es: Wenn sie, also ein unverheiratetes Paar, nicht enthaltsam leben können, dann sollen sie heiraten. Man kann sich ja fragen, warum das in Gottes Wort steht, wenn Sex ohne Ehe okay und kein Problem wäre. Wozu dann diese spezifische, konkrete Anweisung?

Gott hätte ja einfach in sein Wort schreiben können: „Wenn sie sich nicht enthalten können, dann sollen sie sich nicht enthalten“ oder „Dann sollen sie ein Tinder-Date haben“ oder Ähnliches. Aber das steht ja nicht da. Sondern es steht: Entweder ihr enthaltet euch oder ihr heiratet.

Und noch einmal: Beides ist legitim. Darüber haben wir ja beim letzten Mal in der ausführlichen Videoreihe gesprochen. Du kannst gerne die Glocke unter diesem Video drücken, dann wird dir das auch angezeigt. Aber diese Gegenüberstellung – um die geht es hier dabei.

Die Sexualmoral der ersten Christen im historischen Kontext

Geschichtlich betrachtet ist es so: Ich habe vor kurzem einen großen Beitrag über Jesus veröffentlicht. In den letzten Wochen habe ich viele hundert Seiten zur Geschichte des frühen Christentums und der ersten Christen im Römischen Reich gelesen. Viele hier wissen, dass die Zeit damals stark sexualisiert war.

Vieles, was ich gelesen und auch in den Quellen immer wieder studiert habe, erinnerte mich stark an die heutige Zeit. Heutzutage kann man kaum eine Briefmarke kaufen, ohne von fünf Pornoheften umgeben zu sein. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die ersten Christen durch ein ganz markantes Merkmal auszeichneten – fast wie ein Markenzeichen: Sie heirateten entweder und blieben dann lebenslang monogam, solange beide Partner lebten, oder sie lebten enthaltsam.

Für die damalige Zeit war das, auch aus Sicht der Römer, völlig bemerkenswert. Viele Römer fanden das sogar widerwärtig. Besonders im westlichen Teil des Römischen Reiches war es ein echter Schocker, dass Christen außerhalb der Ehe sexuell völlig enthaltsam waren.

Überlegt doch einmal: Woher hatten die ersten Christen diese Haltung? Hauptsächlich von Jesus und den Aposteln. Von den Aposteln und den Schülern der Apostel – also den Menschen, die Jesus persönlich kannten und ihm am nächsten standen. Ausgerechnet diese Sache, kein Sex vor der Ehe, wurde zu einem ihrer größten Aushängeschilder.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber das gibt mir ernsthaft zu denken. Ich kann dir gleich zeigen, was dazu in der Bibel steht. Aber ich denke wirklich, wenn man die Bibel unvoreingenommen liest, ohne eigene Tendenzen oder Erwartungen, sondern einfach nur schaut, was Jesus uns hinterlassen hat, dann kann man darauf auch allein kommen.

Bevor wir uns kennengelernt haben, war ich viele Jahre Single. Ich hatte keine Absicht, böse gemeint, jemals eine Partnerin zu haben oder zu heiraten. Ich hätte gar nicht gewusst, wozu das gut sein soll. Das hat sich geändert. Mich hat damals das ganze Partnerschafts-Gedudel überhaupt nicht interessiert – wirklich überhaupt nicht. Mein Hausgeist könnte heute noch Geschichten darüber erzählen, aber egal.

Dann haben Leute aus der Gemeinde, weil ich damals schon angefangen hatte zu schreiben und Sachen zu publizieren, mich gefragt: Wie ist das jetzt? Sex ohne Ehe, ist das okay oder nicht? Das ist eine legitime Frage. Also habe ich beim nächsten Bibeldurchlesen mal darauf geachtet, was Gott in der Bibel alles über Sexualität sagt.

Ich finde es immer noch ein bisschen ironisch, wenn Leute zu mir kommen und sagen: „In der Bibel steht doch nicht, dass man keinen Sex vor der Ehe haben darf.“ Das sagen oft Menschen, die die Bibel nie komplett gelesen haben, geschweige denn das Thema wirklich studiert haben. Oder wenn Leute sagen: „Ich bin mir nicht sicher, ob das in der Bibel steht.“ Dann sehe ich häufig nicht, dass es dieselben Leute sind, die unablässig und unnachgiebig nach der Wahrheit suchen.

Aber gut, ich schiebe jetzt mal meine Emotionen in den Skat – und ich bitte dich, deine Emotionen auch kurz beiseitezulegen. Wir parken sie einfach mal, keine Sorge, wir holen sie gleich wieder hervor.

Jetzt wollen wir nicht darauf schauen, was du vielleicht willst oder was ich vielleicht will. Sondern wir wollen einfach nur auf den Text schauen: Was sagt uns das Wort Gottes?

Wenn du die Bibel mit der Frage liest: „Was sagt Gott alles über Sexualität?“, dann siehst du zunächst einmal, wie viel er überhaupt darüber sagt.

Sprachliche Grundlagen der biblischen Begriffe

Jetzt hast du alle Basics, die uns vorher wichtig waren, zusammen. Ohne weitere Vorrede schauen wir uns konkret an, was für uns deutschsprachige Christen im einundzwanzigsten Jahrhundert hinter den Begriffen Unzucht, sexuelle Unmoral und Hurerei steckt.

Am Ende des Tages ist die Bibel ja nicht auf Deutsch geschrieben. In welchen Sprachen wurde die Bibel geschrieben? Ein bisschen Aramäisch, aber nur wenig. Vor allem wurde sie im Mittelhebräischen im Alten Testament und im Altgriechischen im leicht verständlichen Koine-Dialekt im Neuen Testament verfasst.

Das heißt, dieses Mittelhebräisch und vor allem das Altgriechisch im Koine sind zwei gut erforschte Sprachen. Millionen von Menschen haben sich noch bis vor sechshundert Jahren im Koine, also im Altgriechischen, durch ihren Alltag navigiert.

Bevor jetzt der Einwand kommt, dass das zu lange her sei und daher nicht relevant, wenn es auf Griechisch oder Hebräisch geschrieben ist: Einfach mal zum Vergleich: Als Altgriechisch noch gesprochen wurde, gab es schon den Kölner Dom, die Frauenkirche in München, das Ulmer Münster und viele weitere Bauwerke, die heute noch in Benutzung sind und die wir kennen.

Hier sieht man ein Bild von einem Mehrfamilienhaus, das heute noch genauso bewohnt ist wie zu der Zeit, als die Sprache des Neuen Testaments gesprochen wurde. Altgriechisch war also nicht nur für die gelehrte Oberklasse, sondern war eine Weltsprache – ähnlich wie heute Englisch oder Spanisch. Zusammen mit Latein ist Altgriechisch eine der Sprachen der Weltgeschichte, über die wir sehr gut Bescheid wissen.

Zur kontextuellen Einordnung: Heutzutage kann jeder in eine Unibibliothek gehen und selbst nachlesen, was in der Sprache steht, die zur Zeit von Jesus gesprochen wurde und zu der Zeit, als Gott diese Regeln gegeben hat, die an bestimmten Stellen in der Bibel verwendet wurden.

Was steht dort? Im Grunde vier Vokabeln. Hier siehst du eine kleine Tabelle. Wir machen es kurz: Eine Rubrik sind die Wörter „naav“ im Hebräischen und „moichoyen“ im Altgriechischen.

Diese beiden Wörter treten nur auf, wenn das Subjekt im Satz – also die Person, die etwas tut – mindestens verheiratet ist. Das bedeutet, dass eine verheiratete Person sich entscheidet, sexuell aktiv mit jemandem zu sein, mit dem sie nicht verheiratet ist. Das meint „naav“ im Hebräischen und „moichoyen“ im Altgriechischen. Das wird mit Ehebruch übersetzt.

Dieses Wort verstehen wir noch einigermaßen. Aber werden unsere Kinder und Enkel das noch verstehen? Eine gute Frage!

Dann gibt es noch zwei weitere Wörter: „Sana“ im Hebräischen und „Porneia“ im Altgriechischen. Genau diese Wörter stehen in deiner deutschen Bibelausgabe, wenn dort von Unzucht, Hurerei oder sexueller Unmoral die Rede ist.

Das kannst du auch im Internet öffentlich einsehen. Es gibt kostenfreie Dienste, die dir interlinear Wort für Wort aus dem Grundtext zeigen – gar kein Problem.

Was jetzt jeder machen kann: Einfach ins Archäologie- oder Linguistikinstitut gehen, ein Wörterbuch nehmen und nachschlagen. Dort steht für „Sana“ und „Porneia“ eindeutig: vorehelicher Geschlechtsverkehr, manchmal auch genauer beschrieben als sexuelle Aktivität von zwei Personen, die nicht verheiratet sind.

Das will ich noch einmal ganz klar festhalten: Ich sage das nicht als Christ, nicht als Prediger oder irgendetwas Religiöses. Ich sage das als jemand, der an mehreren Universitäten Hebräisch und Altgriechisch mitunterrichtet hat – so habe ich meinen Lebensunterhalt verdient. Ich sage das als jemand mit sprachlichem Studium und Hintergrund, auch in Grammatik und Semantik.

Das Wort „moichoyen“, das mit Ehebruch übersetzt wird, ist ganz klar abgegrenzt von „Sana“ und „Porneia“. „Moichoyen“ findest du ausschließlich in Texten, in denen mindestens eine Person verheiratet ist.

Die anderen Wörter „Sana“ und „Porneia“ findest du ausschließlich in Textstellen, in denen ganz klar ist, dass keiner von beiden verheiratet ist.

Das ist so wichtig, weil manche Leute sagen: „Ehebruch ist natürlich eine Sünde, aber wenn zwei in einer Beziehung vorehelich Sex haben, ist das keine Sünde.“ Nein, das sind zwei verschiedene Wörter, die ganz klar voneinander abgegrenzt sind.

Das sieht man auch an vielen deutschen Bibelübersetzungen an sogenannten Komposita – zusammengesetzten Wörtern, wie „Flaschenhals“. Im Griechischen gibt es auch Komposita, zum Beispiel „Pornogenetos“, jemand, der aus „Porneia“ hervorgegangen ist, also geboren wurde aus einer nichtehelichen Verbindung.

Dieses Wort findest du zum Beispiel im Johannesevangelium Kapitel 8, wo die Feinde Jesu sagen: „Wir sind doch nicht aus einer nichtehelichen Verbindung hervorgegangen, wir haben keine unverheirateten Eltern.“ Und das wird auch in unseren deutschen Bibelübersetzungen eins zu eins so übersetzt. Schlag selbst nach!

Wenn jetzt jemand eine Bachelorarbeit schreibt und behauptet, man könne nicht genau sagen, was diese Wörter bedeuten, dass man es nicht wisse – das würde in der wissenschaftlichen Welt belächelt werden. Man würde diese Person spaßhalber glatt ins erste Semester zurückstufen.

Das Spannende ist: Diese Wörter sind nicht nur in den biblischen Schriften belegt. Es gibt Tausende nichtbiblischer Schriften, ganze Corpora, die diese Wörter benutzen. Das hat nichts mit Christentum oder Religion zu tun, sondern zeigt einfach, wie diese Wörter definiert sind. Darüber diskutiert im wissenschaftlichen Kontext niemand mehr.

Also noch einmal die Zusammenfassung zum Mitschreiben: „Porneia“ im Altgriechischen und „Sana“ im Hebräischen bedeuten glasklar jeden sexuellen Kontakt zwischen Unverheirateten.

Zweitens: Dort, wo in deutschen Bibeln von sexueller Unmoral, Unzucht oder Hurerei die Rede ist, steht im Grundtext genau „Porneia“ und „Sana“.

Drittens: Jesus von Nazareth, unser Messias, spricht ganz deutlich von „Sana“ und „Porneia“. Es ist unumstritten in der historischen Wissenschaft, dass Jesus genau diese Worte benutzt hat – und auch, was diese Worte bedeuten.

Damit ist glasklar, was das für dich und mich bedeutet: Historisch und sprachlich ist klar, dass Jesus diese Worte benutzt, um zu sagen: Tu das nicht.

Das Fazit lautet also: Ja, das steht eindeutig drin. Frag auch mal deine Großeltern, was Unzucht ist – die können es dir noch erklären.

Wie oft steht das in der Bibel? Ich habe das 2019 nachgezählt, als ich die Bibel daraufhin durchgelesen habe: Über 114 Mal sagen Gott und Jesus, dass Sex ohne verheiratet zu sein eine Sünde ist.

Vertiefung und praktische Hinweise

Um mehr darüber zu erfahren, gibt es einen nicht öffentlichen Podcast mit dem Titel „Biblische Prinzipien für deine Sexualität“. Dort werden harte Fragen gestellt und klare Antworten zu genau diesem Thema gegeben. Einige Inhalte sind auf YouTube vielleicht nicht so gut aufgehoben, deshalb lohnt es sich, den Podcast selbst anzuhören. Er ist kostenlos, und der Link dazu befindet sich unter diesem Video. Es ist eine der meist heruntergeladenen Sachen auf der Website. Schau mal, was du damit anfangen kannst.

Noch zwei Punkte zur Veranschaulichung, wie eindeutig das Thema ist: Manchmal fällt es uns leichter, auch emotional zu verstehen, dass Pornografie auf jeden Fall eine Sünde ist und von Gott nicht erlaubt wird. Bei Sex ohne Ehe sind wir uns jedoch manchmal unsicher. Das macht aber gar keinen Sinn, wenn man bedenkt, was wir gerade gelernt haben.

In der Bibel steht an diesen Stellen im Altgriechischen das Wort „porneia“. Darauf basieren auch die Begriffe „Porno“ und „Pornografie“. Es bezeichnet die bildliche Darstellung sexueller Kontakte zwischen Unverheirateten. Und dazu sagt Gott: Das geht nicht. Das ist die Bedeutung des Wortes. „Graphen“ bedeutet schreiben oder darstellen, wie bei „Graphik“, und „porneia“ bezeichnet die grafische Darstellung von porneia. Genau das ist gemeint.

Ein zweiter interessanter Punkt, einfach zum Mitnehmen: Mit dem deutschen Wort „Unzucht“ haben wir aus verschiedenen Gründen, die wir bereits genannt haben, ein bisschen ein Problem. Wir verstehen nicht ohne Weiteres, was alles dazugehört. Aber überlegen wir mal: Wir Christen in Deutschland sind nicht die einzigen Christen auf der Welt, wie schon erwähnt. Die Mehrheit der Christen spricht eine andere Sprache als Deutsch.

Wenn man nun einfach mal einen Schritt zurücktritt und schaut, was die Mehrheit der Christen international über Sex außerhalb der Ehe denkt, dann ist das für fast alle Christen weltweit auch heutzutage noch glasklar: Das geht nicht.

Um das zu unterstreichen, schauen wir uns anderssprachige Bibelübersetzungen an und sehen, was an der Stelle von „porneia“ steht. Zum Beispiel in englischen Bibeln. Überlege mal, wie viele Menschen täglich ihre Bibel auf Englisch lesen. Allein über 335 Millionen Menschen haben Englisch als Mutter- oder Erstsprache. Dazu kommen noch viele Zweitsprachler und Menschen, die Englisch später gelernt haben.

In der King-James-Version steht an diesen Stellen zum Beispiel „fornication“. Wenn man in einem einsprachigen Wörterbuch nachschaut oder einfach Google befragt, findet man als Definition: „The act of having sex with somebody that you're not married to“ – also sexuelle Aktivität mit jemandem, mit dem man nicht verheiratet ist.

Jeden, der seine Bibel auf Englisch liest und das Wort „fornication“ sieht, ist sofort klar, dass damit jeglicher sexueller Kontakt außerhalb der Ehe gemeint ist. Oder er oder sie kann das ohne weiteres nachschlagen. Wenn das 117 Mal in der Bibel vorkommt, überlege mal, wie viele Millionen Menschen jeden Tag in ihrer Bibel über „fornication“ lesen.

Im Spanischen ist es dasselbe. Dort steht „fornicación“ oder „fornica“. Auch hier kannst du einfach nachschauen, was das bedeutet. In einem einsprachigen Wörterbuch findest du ebenfalls die Definition „sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe“.

Ganz nebenbei: Wenn man im Deutschen im Duden „Hurerei“ nachschlägt, findet man genau diese Definition – außerehelicher Geschlechtsverkehr. Was will man da noch sagen?