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"Geistesgaben: Hirten und Lehrer"

11.04.2011
Serie•Teil 8 / 17Gaben in der Gemeinde
Gemeinde wächst nicht an Programmen, sondern an Menschen mit Aufgabe. Die große Frage: Wer stärkt dich, damit du nicht jedem Trend hinterherläufst, sondern reif und fest im Glauben wirst?

Einführung in das Thema und die biblische Einordnung

Wir stecken in dieser Reihe drin: Gaben in der Gemeinde. Und ich möchte heute einsteigen in ein Kapitel aus dem Epheserbrief, Kapitel 4, das sich auch um dieses Thema dreht.
Wenn man von oben auf das Neue Testament schaut, dann gibt es eigentlich nur drei Kapitel, die das Thema Gaben so schwerpunktmäßig behandeln. Da ist einmal 1. Korinther 12, das hatten wir schon. Vielleicht dann auch noch 1. Korinther 14, da kann man dann auch noch ein bisschen drüber nachdenken, das werden wir auch mit reinziehen. Aber 1. Korinther 12 ist ganz stark. Epheser 4, was wir heute betrachten werden, hat einen starken Schwerpunkt auf Aufgaben. Und dann gibt es noch so ein bisschen vereinzelte Stellen, zum Beispiel 1. Petrus 4. Also, da gibt es noch ein bisschen mehr.
Aber das sind so zwei Schwerpunktstellen. Römer 12, okay, Einwand, okay, hätte das sein können. Ich dachte, ihr habt was vergessen.
Ich möchte mit euch Epheser 4 betrachten. Schlagt das mal bitte auf, und dann gehen wir einfach gemeinsam durch diesen Text durch. Epheserbrief, Kapitel 4.
Das Interessante an dem Kapitel ist, wie es startet. Wenn man so Bibelverse auswendig lernt, dann ist da durchaus ein bisschen was dabei. Wenn man so wertvolle Verse lesen möchte, dann gibt es schon den Predigtzettel dazu. Katrin geht gerade mal so ein bisschen rum und verteilt das. Und wir starten einfach mal mit Epheser 4, Vers 1:
Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn.
Da schreibt Paulus aus dem Gefängnis an die Gemeinde in Ephesus. Ephesus liegt da, also in der heutigen Türkei. Den Ort gibt es, glaube ich, noch, oder? Kann man noch richtig hinfahren? So antik? Okay, kann man. Also Türkei.
Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn. Und jetzt kommt das, was Paulus möchte: Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid.
Paulus sagt: Es gibt eine Berufung. Es gibt für euch als Christen einen Auftrag. Es gibt ein Modell, dem wir folgen. Ich habe meinen Kindern gesagt, als sie nach Amerika gegangen sind, da waren sie noch relativ klein: Ihr nehmt eine Sache mit, die unverhandelbar meinen Namen ist. Ihr steht für Familie Fischer da drüben, ob ihr das nun wollt oder nicht. Wenn ihr euch komplett danebenbenehmt, dann fällt das letztlich auf mich zurück.
Paulus sagt so etwas Ähnliches. Er sagt: Ich habe euch berufen, ich habe euch eine Berufung mitgegeben, Christ zu sein. Und deswegen denkt darüber nach, was das heißt: Wandelt würdig. Mach es so, wie es dem, der dich berufen hat, gefällt.

Das Leben der Gemeinde als Ausdruck von Liebe und Frieden

Was heißt das? Vers 2: Mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragend.
Und manch einer wird sagen: Ach, nicht schon wieder Liebe. Doch, ich kann auch nichts daran ändern. Wo man reingreift, kommt immer wieder dieses Thema Liebe. Und da, wo Liebe gelebt wird, da sind Demut, Langmut und Sanftmut. Das heißt: Da hat Hochmut keinen Platz. Ich überhebe mich nicht über den anderen. Da hat Ungeduld keinen Platz. Ich gehe mit dem anderen langmütig um. Da hat auch Sanftmut, das Gegenstück dazu wäre grobes Verhalten, einfach keinen Platz. Das geht einfach nicht.
Wenn wir Liebe leben wollen, müssen wir einander in Liebe ertragen. Wir müssen irgendwie damit leben, dass der andere anders ist, und diese Andersartigkeit auf uns nehmen. Ja, ertragen! Gestern habe ich in der Jugend etwas zum Thema Sünde gemacht, und ich habe mir so einen Stämmigen genommen. Und dann so einen kleineren. Dann habe ich gesagt, der Kleinere soll mal bei dem Stämmigen hinten draufgehen. Und dann hingen wir da so. Und das ist ertragen. Ertragen bedeutet: Das schmeckt mir nicht immer, dass der mir auf dem Rücken hängt. Ertragen ist nicht dieses ganz easy going, sondern das macht auch manchmal ein bisschen Not. Und deswegen eben Demut, Langmut, Sanftmut.
Dann Vers 3: Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens. Eine Einheit in der Gemeinde wird dadurch bewahrt, dass man Frieden hält. Ist eigentlich nicht so kompliziert. Eine ganz einfache Sache. Wenn du jetzt sagst, oder ich frage dich einfach mal: Gibt es irgendjemanden, mit dem du im Moment nicht auskommst? Irgendetwas, wo es in deinem Bauch grummelt? Jetzt wäre die Gelegenheit zu sagen: Das schmeiße ich über Bord.
Vers 4: Ein Leib, sprich Gemeinde, ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung. Ihr merkt schon, worauf Paulus hinaus will: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.
Wenn ich euch fragen würde, was ist der Schwerpunkt von dem, was ich eben vorgelesen habe, dann würde jeder irgendwie eins erkennen. Es gibt einen Leib, eine Gemeinde. Und das kann man jetzt weltweit runterbrechen, aber man kann es auch auf die Ortsgemeinde runterbrechen. In einer Ortsgemeinde gibt es nur einen Leib. Also: Eine Ortsgemeinde besteht nicht aus zwei Leibern, sondern es gibt Einheit. Ein Leib, einen Geist, alle den Heiligen Geist. Eine Hoffnung. Wenn ich vorne stehe und sage: Eugen lebt, na, ich hoffe, dass ihr alle sagt: Amen. Dann ist das unsere Hoffnung, einmal bei Gott zu sein. Wir teilen dieselbe Hoffnung. Wenn einer sagt: Nee, also ich bin doch eher so ein bisschen für Nirwana. Also diese Nirwana-Idee finde ich irgendwie auch total cool, so im Nichts aufgehen, das ist doch auch irgendwie nett. Wir sagen: Sorry, wir sind hier falsch. Also die Nirwana-Abteilung ist woanders. Hier ist die Hoffnung: Wir hoffen auf eine Ewigkeit bei Gott, mit Gott, Freude im Himmel. Das ist unsere Abteilung, unsere Hoffnung. Und wir haben hoffentlich dieselbe Hoffnung, denn das würde uns verbinden.
Paulus sagt: Man muss haben, ein Herr. Es gibt einen, der uns sagen darf, wie wir leben sollen. Es gibt einen Chef in unserem Leben. Ein Glaube, gemeint ist ein Glaubensgut, im Zentrum unseres Glaubens, das, was uns als Christen besonders macht: unser Glaube an Jesus. Da glauben wir dasselbe. Es mag jetzt an der Peripherie ein paar Unterschiede geben, und da mag der eine oder andere so ein bisschen eine Prägung mitbringen, aber im Zentrum ist es ein Glaube an denselben Herrn, der uns verbindet.
Wenn jemand sagt: Ich möchte aber doch irgendwie nicht nur an Jesus glauben, sondern ich glaube, dass man in den Himmel kommt, wenn man an Jesus glaubt und sagen wir mal an den Heiligen Kürbis, dann würden wir sagen: Nein, das geht nicht. Wir glauben, dass man an Jesus glaubt, nur an Jesus. Und das andere muss weg. Ein Glaube, eine Taufe. Wenn wir jemanden ins Wasser stecken und der dann sagt: Danach möchte ich noch mal getauft werden, sagt Stefan, wenn Stefan käme und sagen würde: Das war nett, können wir das noch mal machen?, dann sagen wir: Nein, das machen wir nicht noch mal. Einmal reicht. Einmal ist völlig genug. Man soll es einmal machen, aber das eine Mal ist dann auch gut. Eine Taufe.
Ein Gott und Vater, da ist völlig klar. Es ist diese Frage: Wie kriegst du das zusammen, Vater, Sohn, Heiliger Geist? Ist das wirklich ein Gott? Ja, steht da. Wenn doch mal nicht so genau: Es ist ein Gott. Und dann wird das ergänzt: und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist. Müssen wir jetzt nicht im Detail verstehen. Der Punkt ist eins.

Von der Einheit zur Verschiedenheit der Gaben

Und kaum sind wir da angekommen, verlässt Paulus diese Idee der Einheit und kommt zu einem ganz anderen Fokus. Und der lautet plötzlich: Unterschiedlichkeit.
Und Epheser 4 fährt da fort, wo 1. Korinther 12 letzte Woche schon war. Dieses: Wir sind ein Leib mit vielen unterschiedlichen Gliedern, mit vielen unterschiedlichen Begabungen. Einheit und Unterschiedlichkeit sind keine Gegensätze. Sondern sie gehören eigentlich zusammen.
Vers 7: Jedem einzelnen von uns aber ist die Gnade ... Und hier ist mit dem Wort Gnade Gnadengabe oder Begabung oder Talent gemeint. Gnade als Begriff im Neuen Testament bedeutet viel mehr als rettende Gnade. Rettende Gnade ist das, was ein Mensch bekommt, wenn er vor Gott zerbricht, dem Evangelium glaubt und dem Herrn Jesus anfängt nachzufolgen. Dann wird er begnadigt.
Aber der Begriff Gnade kann auch so viel bedeuten wie Geschenk, wie Gabe. Und hier bedeutet Gnade, wie wir gleich sehen werden, Gnadengabe, Begabung. Dieser Gedanke hier in Vers 7 ist uns total bekannt: Jedem einzelnen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden.
Jesus überlegt sich gut, wie er jeden einzelnen begaben möchte. Er überlegt sich das und macht es dann auch.
Und kaum ist Paulus an der Stelle, wird es kompliziert. Ich weiß nicht, ob ihr den Epheserbrief so gelesen habt letzte Woche, wie es mir ging. Ich habe angefangen, ihn im Auto zu hören. Und jedes Mal, wenn ich den Epheserbrief lese, denke ich mir: Paulus, Paulus, Paulus. Warum, bitte schön, musst du so kompliziert sein?
Ich meine das wirklich. Gerade beim Epheserbrief fällt mir das so massiv auf. Man liest und liest, und das ist ein herrlicher Brief. Aber du kannst auch leidenschaftlich abstürzen. Du liest einen Satz und hast ihn zu Ende gelesen und denkst: Hm, und nun?
Also, du stehst einfach davor und sagst: Ich habe so eine grobe Ahnung von dem, was er meinen könnte, aber wirklich verstanden habe ich es nicht. Paulus ist im Epheserbrief echt kompliziert. Und hier an dieser Stelle wird er auch kompliziert.
Eben noch denkst du: 1. Korinther 12, ich verstehe alles, was er will. Ja, ja, dann sagt er so eine Sache. Darum. Okay, jetzt begründet er das. Jetzt begründet er das mit der Vielheit von Gaben in einem Leib.

Ein schwer verständlicher Schriftbezug und sein Hintergrund

Darum heißt es, Zitat aus Psalm 68, Vers 19: Hinaufgestiegen in die Höhe hat er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.
Ich weiß nicht, wie es euch an so einer Stelle geht. Ich denke mir: Super, das ist ja auch nun wirklich der ... Also dann liest man es nochmal. Das ist so der normale Anfang dann, ja: Also darum heißt es, Zitat, hinaufgestiegen in die Höhe hat er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.
Du denkst dir: Bitteschön, Paulus, was willst du? Also wenn du das an der Stelle nicht gedacht hast, hast du nur sehr oberflächlich darüber gelesen. Ich denke das immer an der Stelle. Ich denke es auch deshalb an der Stelle, weil die Stelle superkompliziert ist.
Denn wenn ich in Psalm 68 hineinschaue, dann wird dort eine Szene entfaltet. Eine Szene, in der Gott als der siegreiche Heerführer nach Jerusalem kommt und tatsächlich Gefangene dabei hat. Gefangene, gefangen geführt – so würde das kein Deutscher übersetzen oder sagen. Das liegt ein bisschen an der hebräischen Sprache. Es geht darum, Gefangene befreit zu haben. Also Gott ist der siegreiche Heerführer, der nach Hause kommt, und im Schlepptau bringt er quasi seine befreiten Gefangenen mit, die ein anderer gefangen hatte.
Das ist schon schwer genug, aus Psalm 68 herauszulesen. Das nächste Problem ist: Lies bitte nie das Original nach, da steht nämlich gar nicht, was er zitiert. Ja, also du denkst, da würde das stehen, was hier steht. Tut es nicht. Im Original steht nicht: Und er hat den Menschen Gaben gegeben. Im Original heißt es: Und er hat von den Menschen Gaben empfangen.
Du denkst dir also: Jetzt ist Paulus völlig komisch. Und das macht manchmal Spaß. Also an so einer Stelle: Freaks nach vorne. Du hast ein Zitat, das gar kein richtiges Zitat ist, er bringt ein Argument, und du weißt überhaupt nicht, wohin er argumentieren will. Was willst du, lieber Paulus?
Geht man an der Stelle ins Detail, stellt man fest, dass es tatsächlich einige wenige antike Textausgaben gibt, die es so, wie Paulus das hier zitiert, auch haben. Also die dann nicht stehen haben: Gaben empfangen, sondern: Gaben gegeben. Also ich habe einen Text im Alten Testament, der mal Gaben gegeben, mal Gaben empfangen. Was willst du?
Die Lösung dazu findet sich an einer ganz anderen Stelle. Ich sage euch mal, wo Paulus hin will, weil wir sein Argument nur verstehen, wenn wir wissen, wo sein Zielpunkt ist. Denn das, was er hier zitiert, ist wie so eine Angel. Er geht von einem Teil zum nächsten über. Er will dahin, dass er uns sagt: Es gibt bestimmte Menschen in der Gemeinde, die sind für den Gemeindebau von existenzieller Bedeutung. Es sind Menschen, die mit ihrer Begabung von Gott zu einer Gabe für die Gemeinde werden.
Und jetzt Folgendes: Im Alten Testament, und zwar findet sich das in 4. Mose 18, da tauchen die Leviten auf. Leviten, das sind die Leute, die am Tempel dienen. Und dasselbe Konzept von Geben und Empfangen taucht an dieser Stelle auf. Bei Leviten ist es nämlich so: Gott nimmt sie sich, um was damit zu machen? Um sie wieder zurückzugeben an die Gemeinde.
Wir lesen mal 4. Mose 18,6:  4. Mose 18,6Und ich, siehe, ich habe eure Brüder, die Leviten, aus der Mitte der Söhne Israel herausgenommen; sie sind als Geschenk euch gegeben, dem Herrn gegeben, um die Arbeit für das Zelt der Begegnung zu verrichten.
Gott bekommt Leute, und was macht er mit ihnen? Es ist jetzt seins. Er gibt sie zurück an die Gemeinde. Und diese Idee steckt im Hinterkopf eines Paulus, der eigentlich darauf hinaus will zu sagen: Es gibt Leute in der Gemeinde, die haben eine Schlüsselfunktion, wenn es um Gemeindebau, um Gemeindeentwicklung geht.
Das letzte Mal waren wir sehr bei: Alle sind gleich, jeder wird gebraucht, ja, keiner ist unnütz. Das war unser Thema letztes Mal. Jetzt kommt ein anderer Fokus auf diesen Punkt.

Christus als der Erhöhte und die Gemeinde als Werkzeug seines Handelns

In Epheser 4, wenn wir weiterlesen, wird Paulus deutlich machen, dass es in der Gemeinde Leute gibt, die von Gott genommen wurden, empfangen wurden. Gott hat sie befreit. Deswegen dieses Bild von dem siegreichen Heerführer aus Psalm 68: Er hat sie aus der Macht der Sünde befreit, aber er behält sie nicht für sich. Sondern er gibt sie zurück an die Gemeinde.
 Epheser 4,8: Darum heißt es: Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er Gefangene gefangen geführt oder befreit und den Menschen Gaben gegeben. Und das, was hier an Gaben steht, diese Gaben für die Menschen, sind andere Menschen mit ihren Begabungen. Es geht hier nicht um Geistesgaben.
Das Hinaufgestiegen, Vers 9: Aber was besagt es anderes, als dass er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde? Vielleicht kann man das sinniger übersetzen mit: in die unteren Teile, nämlich die Erde. Es geht nicht darum, dass er in die Hölle oder noch tiefer irgendwo oder in den Erdkern oder so geht. Darum geht es überhaupt nicht. Sondern er kommt von oben auf diese Erde. Denn wenn jemand wieder nach oben zurückkehrt, wenn jemand zum Himmel auffährt, dann muss er vorher heruntergekommen sein.
Vers 10: Der hinabgestiegen ist, derselbe ist es auch, der hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte. Diese Idee, dass Gott alles erfüllt, stammt wieder aus dem Alten Testament. In Jeremia Kapitel 23 müsste das sein. Wenn wir gerade schauen, genau in Jeremia 23,24, sagt Gott: Bin ich es nicht, der den Himmel und die Erde erfüllt? Und damit bringt er zum Ausdruck: Bin ich nicht der, der überall ist, der über alles Souveränität und Macht hat?
Und Jesus wird hier beschrieben als der, der vom Himmel auf die Erde kam, wieder zurückgegangen ist, als der, der siegreich vollendet hat, wozu er beauftragt war, nämlich die von der Sünde Gefangenen zu befreien. Jetzt ist er im Himmel als der, der tatsächlich alles erfüllt, der nicht, ich rede jetzt nicht von schwarzer Materie, die irgendwie durch das Universum rumbabbelt, sondern ich rede davon, dass Jesus alles erfüllt, als der, der absolute Souveränität hat.
Im Epheserbrief wird das an anderer Stelle in Kapitel 1 auch so ausgedrückt. Da heißt es über ihn, dass er hoch über jede Gewalt und Macht und Kraft und Herrschaft und jeden Namen ist, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen genannt werden wird. Also Jesus steht ganz oben.
Und jetzt kommen wir von dieser Idee, er ist der, der alles beherrscht, der alles erfüllt. Und wir überlegen uns: Wie sieht diese Herrschaft aus? Wie wird sie gelebt? Das Instrument seiner Herrschaft ist die Gemeinde. Wir sind die, so verrückt sich das anhört, die das Reich Gottes bauen, Herrschaft Gottes aufrichten, indem wir anderen Menschen erzählen, was das Evangelium ist. Dann nimmt das Evangelium seinen Lauf durch die Zeit und erobert Herzen, erobert Menschen, die danach sagen: Herr Jesus. Und das ganz ehrlich meinen und damit zum Ausdruck bringen: Jesus ist mein Herr und mein Gott.
Wie macht er das? Jetzt kommt dieser Schwenk. In Vers 11 war noch im Fokus: Jeder hat seine einzelne Gabe. Und wir dachten: Okay, wir kennen das Thema, nichts Neues unter der Sonne, Epheser 4 ist gleich 1. Korinther 12. Und jetzt sage ich Stopp, denn in Vers 11 heißt es: Und er hat, jetzt kommt eine Liste, die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer. Das ist eine Aufzählung. Es sind Menschen, die von Gott Gaben bekommen haben, um einen bestimmten Dienst zu erfüllen.
Es ist mehr, was hier beschrieben wird, als einfach nur die Beschreibung einer Gabe. Hier sind fast, möchte ich sagen, Spezialisten beschrieben, Leute mit einer besonderen Funktion innerhalb einer Gemeinde und jetzt Vorsicht: auch übergemeindlich. Also Leib Christi. Wenn wir über diese Leute nachdenken, ist hier immer weiter zu sehen als nur die Ortsgemeinde.

Aufgaben, Reife und Schutz vor geistlicher Unmündigkeit

Wofür sind die da, Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer? Wenn wir weiterlesen, merken wir: Ihre Aufgabe ist ganz stark darauf ausgerichtet, die Gemeinde Gottes zu bauen. Und ich meine wirklich auch über die Ortsgemeinde hinaus.
Da heißt es in Vers 12: zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes. Das ist ihr Job: anderen etwas mitzugeben, andere zu qualifizieren, dafür zu sorgen, dass andere in ihrem Dienst weiterkommen. Ich sage das deshalb, weil wir oft bei diesen Leuten so den Eindruck haben: Da kann ich mich zurückziehen, wir haben ja den da vorne. Wir haben ja unseren Evangelisten, unseren Lehrer, unseren Hirten. Geh mal da hin, ja, ist deins. Das steht da nicht.
Da steht: Die Aufgabe dieser Leute besteht darin, andere zu qualifizieren, zur Ausrüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi. Nicht ihre eigene Erbauung. Sie sollen andere groß machen, anderen aufhelfen.
Vers 13: Bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens. Hier merken wir: Einheit bleibt als Ziel bestehen. Die Einheit des Glaubens, die Art, wie wir glauben, leben, das, woran wir glauben, das muss zusammengebracht werden. Nicht eine Zersplitterung innerhalb der Gemeinde. Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, dass wir gemeinsam Gott wirklich gleich gut kennen. Dass nicht einer sagt: Ich weiß eigentlich nur ganz wenig über Gott, und ich weiß gar nicht, wie du deine Beziehung lebst. Und der andere sagt: Ich schwebe da schon im dritten Himmel, ich bin eigentlich schon fast angekommen. Dass es einen Ausgleich gibt, dass man voneinander lernt, dass man einander abgibt von dem, was man selber erfahren und gelernt hat.
Dann kommt ein schönes Wort: zur vollen Mannesreife. Das ist ein Bild. Gott möchte nicht, dass die einzelnen Gemeindeglieder so kleine Jungs bleiben, wie so ein Willi, so quäk, quäk. Und die Sorge, die Paulus hat, ist, dass immer mehr Christen einfach so wie kleine Willis durch die Gegend laufen. Nicht so richtig, wo man sagt: Ja, da kommt schon noch was raus. Aber das soll eben gerade nicht das Ziel sein, klein zu bleiben. Wir sollen erwachsen werden.
Und dann geht es weiter: zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Das klingt nach viel, oder? Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Irgendwie ist Jesus unser Vorbild, ihm sollen wir nacheifern. Er hat die Qualität von Leben und von Charakter, wo wir sagen: Das sind wir. Und da wollen wir hin. Und da müssen wir einander einfach dabei helfen.
Vers 14: Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, nicht mehr Leute, die man reinlegen kann. Das wünschen wir uns ja auch bei unseren Kindern. Man sagt den Kindern ja auch: Weißt du, wenn da jemand so ein Hütchenspiel mit dir vormacht, dann kannst du kein Geld gewinnen. Glaub mir, du wirst da nichts gewinnen bei so einem Hütchenspieler, du wirst nur verlieren. Lass die Finger davon.
Und es gibt so geistliche Hütchenspieler, die daherkommen und so tun, als ob sie einem etwas anbieten würden. Nein, sagt Paulus, wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin und her geworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre. Wie so ein Schiff: Da kommt der Wind von da, dann fährst du ein bisschen nach da. Kommt der Wind von dort, fährst du in die andere Richtung. Wir glauben alles so ein bisschen. Höre ich einen neuen Prediger, dann glaube ich wieder das. Und dem Prediger das. Nein, du sollst selber Überzeugungen haben. Du sollst selber deine Bibel kennen. Du sollst selber wissen, was Glauben ist.
Du musst auch mal sagen können: Nein, das ist Schwachsinn. Das musst du ab und zu mal sagen. Da liest du so einen Artikel in irgendeiner christlichen Zeitschrift, und dann streichst du einfach einen dicken Edding durch und schreibst: blöd. Ja, das ist geistliche Reife. Zu sagen: Das stimmt nicht. Tut mir auch leid, hat jemand was geschrieben, das ist einfach falsch, das ist einfach Quatsch. Muss man doch mal machen können.
Darum geht es: dass wir so reif werden, dass wir die Betrügerei der Menschen durch ihre Verschlagenheit, zu listig ersonnenem Irrtum, erkennen. Ich mag diesen Vers, dieses listig. Da gibt es Typen, die sich überlegen: Wie kann ich die anderen über den Tisch ziehen? Was kann ich tun, damit die anderen quasi den Geldbeutel für mich aufmachen? Und da fallen Leute darauf rein.
Also, wenn ihr glaubt, Christen seien immun gegen Verführung, dann kannst du das knicken. Das kannst du total knicken. Ohne Ende fallen einfältige Gläubige auf Verführereien herein und wundern sich dann, dass ihr geistliches Leben sich nicht entwickelt, dass sie diese Riesensummen an Geld verlieren. Wenn ihr mal einfach nur schaut, wie viele Leute in der Kirchengeschichte schon das Ende der Welt prophezeit haben. Ich meine, es gibt Dutzende von Prophezeiungen. Und wisst ihr was? Immer wieder gibt es einzelne Leute, die tatsächlich ihr Hab und Gut verkaufen, weil ja die Welt untergeht, sich an einem Punkt treffen und sagen: Jetzt warten wir mal, dass der Herr wiederkommt. Und er kommt nicht.
Dutzende von Malen ist das in der Kirchengeschichte passiert. Immer wieder dieses: Ich weiß jetzt, wann die Welt untergeht. In der Bibel steht drin, dass man es nicht wissen kann. Jesus wusste es nicht, aber der wusste es. Und Leute haben ihm geglaubt. Das ist irre. Und Paulus sagt: Das möchte ich nicht. Ich möchte, dass ihr reif seid, dass ihr wirklich Ahnung habt.
Lasst uns aber, Vers 15, die Wahrheit bekennen in Liebe. Also Liebe ist immer wieder unser Punkt, auf den wir zurückkommen. In allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus. Ihm ähnlicher werden, Jesus ähnlicher werden, so viel Ahnung haben, wie Jesus Ahnung hat. Ihn reflektieren, ihn imitieren, ihn für andere Leute sichtbar machen in dieser Welt. Das ist unser Job. Und alleine das ist unser Job.

Das Bild vom Leib und die Bedeutung der einzelnen Glieder

Und dann, Vers 16: Aus ihm wird der ganze Leib, jetzt sind wir bei Jesus, gut zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk des Dienstes. Ich brauche jetzt mal den ganzen Körper. Stell dir das einmal vor: Durch jedes Gelenk des Dienstes. Dienste sind also wie Gelenke. Hier ein Gelenk, da ein Gelenk. Reicht ein Arm, fehlt das Gelenk, dann gäbe es keine Verbindung. Dann würde die Hand hier irgendwo herumhängen, sie wäre irgendwie weg. Aber jetzt hat er so ein Ding da, und das verbindet etwas. Über diese Gelenke möchte ich gleich mit euch noch nachdenken.
Jedes Gelenk des Dienstes entspricht der Wirksamkeit nach dem Maß jedes einzelnen Teils. Es gibt Unterschiede in der Wirksamkeit. Nicht jeder in der Gemeinde ist gleich wirksam. Nicht jeder ist derjenige, der 30 andere beeinflusst, oder 50 andere, oder der neue Gigantoprojekte startet. Das macht nicht jeder. Aber jeder wird gebraucht.
Und so wirkt Jesus das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe. Da sind wir wieder. Das ist die große Klammer über dem Text. Am Anfang sagt er: Ja, es wäre doch schön, wenn du so als Christ leben würdest. Ja, wandelt würdig der Berufung. Ja, einfach nett sein in Liebe. Und dann hast du am Ende wieder das gleiche Thema: Liebe. Und mittendrin hast du das Thema Gaben.
Das heißt, wir können über Gaben denken, wie wir wollen. Eins muss uns klarbleiben: Gaben müssen eingebettet sein in das größere Thema Liebe. Und wer eine Weile dabei ist und die Predigt über 1. Korinther 13 über Liebe kennt, weiß: Da sagt Paulus genau das Gleiche. Da sagt er: Du kannst so viele Gaben haben, wie du willst, du kannst der ultimativ Begabte sein. Wenn du keine Liebe hast, kannst du das alles einfach knicken.

Leitungsdienste als Teil eines Wachstumsprozesses

So, wir reden in Epheser 4 an dieser Stelle über einen Prozess der Gemeindeentwicklung. Gott baut sein Reich durch Gemeinde, und Gott gibt in diesen Prozess hinein Gaben. Diese Gaben sind Menschen, die Gott in besonderer Weise qualifiziert hat, seiner Gemeinde so vorzustehen, dass dieser ganze Wachstumsprozess funktioniert.
Wenn wir uns das genau anschauen, und ich möchte heute nicht die Gabe des Apostels und des Evangelisten anschauen, das möchte ich nächstes Mal machen. Ich möchte auch noch nicht den Propheten behandeln, weil ich dafür einen eigenen Sonntag brauche. Das ist ein großes Thema.
Ich möchte heute mit euch die letzten beiden anschauen: Hirten und Lehrer. Dann ist, wenn ich euch das sage, wahrscheinlich schon klar: Ein Hirte oder ein Lehrer ist nicht einfach so eine singuläre Gabe. Sondern wir reden hier über Leute, die ein Spektrum von Gaben haben. Vielleicht ist eine Gabe besonders ausgeprägt, aber das ergänzt sich. Und zu diesem Gabenspektrum kommen weitere Dinge dazu.
Du kannst einen solchen Dienst nur tun, wenn du über ein gewisses Maß an Erfahrung verfügst. Ich will sagen: Ein Hirte wird man nicht über Nacht. Einen Lehrer wird man nicht, indem man einmal die Bibel durchliest. Du brauchst noch mehr als Erfahrung. Du brauchst eine Gabe, du brauchst Erfahrung, aber du brauchst auch einen Kontext, in dem sich das entfalten kann.
Wenn ein Apostel zum Beispiel jemand ist, der Gemeinden gründet, und du sitzt im Gefängnis, ist das arg schwierig. Dann magst du prinzipiell in die Richtung begabt sein, aber du kannst das nicht entfalten. Du kannst auch manche Erfahrungen nicht sammeln.
Und du brauchst noch etwas: Du brauchst eine gewisse seelische Konstitution für so einen Job. Man könnte auch sagen: ein dickes Fell. Also, wenn du in so eine Aufgabe hineinkommst, verspreche ich dir, du musst etwas wegstecken können. Das ist egal, welchen Dienst du da tust, es gehört einfach mit dazu.
Das heißt, wir reden über Leute, die als Zusatz zu einer geistlichen Gabe mindestens noch Erfahrung, die Möglichkeit und die seelische Voraussetzung mitbringen.

Hirten und Lehrer: Nähe, Auslegung und Verantwortung

Das Nächste, was spannend ist, wenn wir uns Hirten und Lehrer anschauen: Die beiden sind grammatikalisch eng zusammengerückt.
Ich möchte jetzt nicht sagen, der Hirte ist dasselbe wie der Lehrer. Das glaube ich auch nicht. Und ich glaube auch nicht, dass die beiden eine Einheit bilden im Sinne von „der Hirtenlehrer“. Es sind zwei getrennte Gaben, die auch an anderer Stelle getrennt aufgeführt werden. Und trotzdem gehören die beiden enger zusammen.
Das kann man sich gut vorstellen, wenn jemand Hirte ist. Was ist die Aufgabe eines Hirten? Na ja, wenn man jetzt klassisch die Sache mit den Schafen betrachtet, dann ist der Hirte ja derjenige, der sich um die Schafe kümmert. Von Jesus wird gesagt, dass er der gute Hirte ist. Was macht den guten Hirten eigentlich zum guten Hirten? Kein Schaf geht verloren. Was noch, also vom Text her? Er lässt sein Leben für die Schafe.
Also, es ist wirklich ein guter Hirte, wenn einer Einsatz bringt, wenn er sagt: Meine Schafe. Wie macht er das denn? Na ja, im Praktischen, wenn ich jetzt mal die Übertragung auf Gemeinde bringe, dann kümmert er sich um Menschen, indem er ihnen nachgeht, sich mit ihnen unterhält, mit ihnen über ihr Leben redet und dazu sehr oft die Bibel verwenden wird, wenn er klug ist.
Ihr merkt: So ein Hirte ist einer, der irgendwie auch lehren wird, der die Bibel nehmen wird und sagt: Schau mal, da steht das. Und das in deinem Leben müsstest du irgendwie ändern, das passt nicht dazu. Er kommt also, wenn man so will, von der Seite her: Hier ist der Psychologe, der sich auch um Seelen kümmert und nichts mit der Bibel zu tun hat, das ist hier drüben. Und jetzt rüberkommt er und sagt: Nein, für mich ist es die Bibel. Und so bewegt er sich in die Mitte.
So, jetzt habe ich also hier den Hirten. Er kümmert sich um Seelen. Und ich habe auf der anderen Seite den Lehrer. Da gibt es als negatives Exemplar denjenigen, der in seinem akademischen Elfenbeinturm sitzt und sagt: Hier stehen Hirten und Lehrer, da gibt es nur einen Artikel vor den beiden Worten. Hm, vielleicht ist das ja die Granville-Sharp-Regel, da müsste man noch mal nachsehen. Und dann sitzt er da total zwei Stunden darüber nachzudenken, ob das eine ganz spitzfindige grammatikalische Konstruktion sei.
Mit dem kannst du auch nichts anfangen, der sitzt irgendwo da hinten. Wenn du mit einem Lehrer etwas anfangen kannst, dann kommt der dem Hirten schon ganz schön entgegen. Der versucht nämlich, Granville Sharp und die Frage mit dem Artikel aus dem Weg zu lassen und irgendwo in der Mitte so zu predigen, dass es den anderen etwas bringt. Und das ist die Überlappungsfläche.
Also: Ein Hirte und ein Lehrer sind nicht dasselbe, aber die beiden treffen sich oft in der Mitte, dort, wo es darum geht, Menschen in ihrem Leben weiterzuhelfen. Der eine aus der Sicht der Bibel, des Wortes Gottes: Was steht da? Der andere aus der Sicht des Hirten: Was brauchen die Menschen denn? Und dann treffen die sich in der Mitte. Deswegen sind die beiden hier zusammengefügt.

Anforderungen an geistliche Leitung und die Gefahr von Missbrauch

Also Hirten und Lehrer: Was braucht so ein Hirte? Könnt ihr euch vorstellen, dass Älteste in der Gemeinde als Hirten beschrieben werden, dass sie die Gemeinde hüten? Was ist das Verb dazu? Was braucht so ein Hirte?
Na ja, er braucht als Gabe mindestens so etwas wie das Wort der Ermahnung. Das haben wir schon besprochen. Er muss ein guter Seelsorger sein. Aber das ist noch nicht genug. Das macht noch keinen guten Hirten aus. Er muss mit seinem eigenen Leben klarkommen. Er muss sich selbst gut managen können. Er braucht definitiv ein dickes Fell, weil er sich mit Menschen unterhalten wird, die mit ihren Problemen kommen. Er braucht ein sehr gutes Bibelwissen.
Ich glaube auch, es würde ihm in der heutigen Zeit nicht schaden, ein paar Zusatzqualifikationen zu erarbeiten. Also sich wirklich auch inhaltlich mit Fragen der Seelsorge, der Psychologie und bis in den Bereich der Psychotherapie hinein intensiv auseinanderzusetzen. Wenn ich eine Sache in den letzten vier Jahren gelernt habe, dann die, dass wir in Gemeinden unseres Typs zu schnell von Seelsorge sprechen, wo eigentlich gar keine Seelsorge stattfindet, sondern nur ein freundschaftliches Gespräch, in dem man sich gegenseitig ein bisschen Rat gibt.
Ich möchte gerne dahin, dass wir Hirten als das sehen, was sie sind: als Fachleute, die wirklich Ahnung von dem haben, was sie tun, und die fachlich kompetenten Rat geben, den sie auch verantworten können gegenüber denen, die sie beraten. Das wäre der Hirte.
Der Lehrer, der Letzte, über den wir uns heute kümmern wollen, ist eigentlich klar, oder? Der Lehrer ist der, der immer quatscht. Ja, fast. Er ist ja auch zur Ausrüstung für das Werk des Dienstes da. Also wahrscheinlich ist es nicht richtig, wenn er immer nur selber redet, sondern er überlegt sich auch, wie er Dinge weitergibt und wie er Leute qualifiziert.
Aber in der Tat wird es oft so sein, dass er redet. Auch da gibt es einen engen Bezug zu Jesus, denn Jesus ist der Rabbi. Rabbi heißt übersetzt Lehrer. Daran knüpfen wir an. An einer Stelle wird er sogar guter Lehrer genannt.
Gott gibt der Gemeinde Lehrer. Und jetzt wird es ganz heikel: Lehrer, die autoritativ das Wort Gottes auslegen. Es gibt einen Unterschied zwischen autoritär und autoritativ. Autoritär ist einer, der so ein bisschen komisch rüberkommt. Autoritativ heißt: Das, was ich sage, ist durchdacht. Und bevor du sagst, das gilt alles nicht, denk noch mal darüber nach.
Auch da ist der Mittelweg heikel. Auf der einen Seite haben wir den Papst, der sagt: Ich habe immer recht. Da bin ich sehr skeptisch, wenn jemand sich als Lehrer hinstellt und sagt, ich bin unfehlbar. Das glaube ich nicht. Auf der anderen Seite haben wir den, der sagt: Ich lasse mir von keinem etwas sagen. Das ist auch nicht richtig. Denn Gott gibt Lehrer, die ihrer eigenen Fehlbarkeit eingedenk sind und in der Mitte stehen und sagen: Ich habe mir Mühe gemacht, es so gut es irgendwie geht herauszuarbeiten. Ich habe dafür gebetet, dass Gott hinter dem steht, was ich predige. Und ihr habt die Verantwortung, das zu prüfen und zu schauen, ob das stimmt, und darauf zu hören. Ihr könnt das nicht einfach abtun.
Über die Beröer in Apostelgeschichte 17 wird gesagt, dass sie edler waren als andere, weil sie die Schriften daraufhin untersucht haben, ob das, was Paulus gepredigt hat, stimmt. Es gibt in der Gemeinde Menschen, die auch ein bisschen Autorität mitbringen, wenn sie predigen, weil sie sich vorher Mühe gemacht haben, das Wort Gottes möglichst exakt zu studieren.
Das streicht nicht durch, dass wir in einem bestimmten Sinn alle Lehrer sein müssen. Wenn du Kinder hast, musst du den Kindern beibringen, was in der Bibel steht. Wenn du selber dein Leben managen willst, musst du wissen, was gilt. Denn Lehrfähigkeit ist auf einer praktischen Seite unser aller Job.
Aber es gibt andere, von denen Jakobus in seinem Brief schreibt: Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder. Spannend, oder? Achtung, nicht alle jetzt, dass ihr sagt: Ist ja cool, will ich auch. Vorsicht, gemacht, gemacht. Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, weil wir ein schwereres Urteil empfangen werden.
Das heißt, wenn du hier vorne stehst und sagst: Ich lege jetzt die Bibel aus, dann sei dir einfach darüber im Klaren, dass mit dieser Autorität Verantwortung einhergeht. Die Verantwortung, die Gott einmal im Gericht einfordern wird. Das heißt, wenn du im Hauskreis etwas sagst und es stimmt nicht, dann wird Gott sagen: Na ja, kann mal passieren, ist halt Hauskreis. Predigst du von hier vorne und sagst: So ist es, und es stimmt nicht, dann nimmt sich Gott noch mal Zeit, um die Sache mit dir durchzusprechen und überlegt noch mal mit dir, was da eigentlich schiefgelaufen ist, und macht dich verantwortlich für das, was hinten an falschem Verhalten herauskommt.
Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder. Wir brauchen Lehrer, und ich glaube, dass Gott solche Typen beruft. Aber Vorsicht: Wenn du sagst, das ist mein Ding, dann dürfen wir die Verantwortung nicht unter den Tisch fallen lassen.

Warnungen vor falscher Lehre und geistlicher Verführung

Und dieses ganze Paket Lehrer kann noch an zwei anderen Stellen schiefgehen. Da gibt es einmal die Seite der Gemeinde. In 2. Timotheus 4 wird über unsere Zeit gesagt. 2. Timotheus 4,3: Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Lüsten sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt.
Süß, oder? Also, da hört jemand die gesunde Lehre. Bist du kitzelig? Schade. Dann ist es vielleicht sogar besser. Da hört jemand gesunde Lehre, und es kitzelt ihnen in den Ohren. Ja, das kitzelt so ein bisschen. Ich mag es nicht. Was macht er? Ja, was mache ich, wenn ich gesunde Lehre höre und es kitzelt mich im Ohr? Zwei Möglichkeiten: Entweder ich höre darauf, dass es nicht mehr kitzelt, ich mache das endlich. Nee, nee, nee, sagt Paulus, da kommt eine Zeit, da gibt es eine bessere Idee. Ich kaufe mir jemanden, der das schafft, was mir gefällt.
Super, da fallen wir, da fällt Gemeinde von der Seite vom Pferd, die sagt: Wir hätten gerne user friendly, bitte nicht so viel Bibel, ein bisschen mehr mainstream, irgendwie ein bisschen netter werden. Da müssen wir aufpassen, dass, wenn es uns in den Ohren kitzelt, wir Gott kitzeln lassen und mal überlegen, was kitzelt mich denn. Es gilt: Wenn meine Predigt euch nicht gefällt, seid nicht böse, sondern freut euch. Wenn du sagst: Nicht schon wieder. Es gibt manchmal so Themen, die kreuzen einen so fünfmal im Jahr. Da kommt da was vorbei, da denkst du dir: Schon wieder, Mann, Mann, Mann. Ja, und du möchtest am liebsten schon, wenn der Prediger anfängt, darüber zu predigen, rausgehen und denken: Lass mich in Ruhe, ich mag nicht mehr.
Vorsicht, da kitzelt was. Da musst du dich drum kümmern. Nicht wünschen: Ach, wenn nur ein anderer predigen würde, das wäre viel netter. Das bringt dir gar nichts. Was du brauchst, ist da einer, der richtig nachkitzelt, richtig reinbohrt, richtig.
Ausser es ist die zweite Kategorie: Also die Gemeinde kann diesen runterfallen und kann sich einen falschen Lehrer besorgen. Es kann auch sein, und das ist etwas, was die Bibel auch stark betont, dass ein Irrlehrer auftaucht. Auch das gibt es. Es gibt Leute, die wirklich falsches Zeugs lehren. Und das Verrückte ist: Ihr werdet das nie mitkriegen. Ich verspreche dir, dass ein richtig guter Irrlehrer du wirst es nicht mitkriegen. Warum? Der kann quatschen, der kann dir alles verkaufen. Also wenn du so jemanden hast, der richtig gut verkaufen kann, der richtig gut argumentieren kann. In der Antike gab es die Sophisten, die haben sich einen Spaß daraus gemacht, für eine Sache zu argumentieren, und in dem Moment, wo du überzeugt warst, haben sie für das Gegenteil argumentiert. Eine Viertelstunde später hatten sie sich da. Das ist mit Sprache möglich. Ich kann dich mit Sprache so sehr manipulieren, dass du nicht mehr weißt, was du glaubst.
Du kannst einen Irrlehrer ganz, ganz selten an dem, was er sagt, erkennen, aber du hast trotzdem die Chance. Und deswegen betont der 2. Petrusbrief 2, woran man Irrlehre erkennt. Wisst ihr, woran? An den Früchten, am Leben. Schau dir das Leben an. Das Interessante ist: Irrlehrer haben so ein paar Macken, will ich das mal nennen. Die sind habsüchtig, die verwenden nämlich ihre Gabe, um Geld zu verdienen in erster Linie. Die wollen Knete machen damit. Die haben oft ein Problem mit ihrer Sexualität. Sie sind da viel zu freizügig, driften da in Bereiche ab, wo sie überhaupt nicht hingehören. Sie sind hochmütig und vergnügungstüchtig.
Schau dir das Leben an. Und am Leben kannst du sehen, wo er steht, nicht an dem, was er sagt. Da wirst du ihn wahrscheinlich nicht überführen. Aber wenn du merkst, dass sein Leben gegen Jesus steht, dann nimm einfach die Beine in die Hand und lauf davon. Denn dann wird er dir an anderer Stelle auch Dinge verkaufen, die falsch sind, und er wird erklären, warum das, was er lebt, richtig ist. Hau ab, einfach weg!
Irrlehre muss man meiden, da darf man auch nicht zögern. Das gilt für die Ältesten, okay? Nicht zögern! Wenn ich jemals in diese Richtung abdrifte, brächt mir die Beine, schweisst mich raus, innerhalb von fünf, ja, wirklich, da meine ich ganz ernst, weg! Es ist für eine Gemeinde ein ganz tödliches Übel, wenn so jemand sein Unwesen treibt.
Und wenn ihr Geschichten da, wo solche Typen aufgestanden sind, wo sie Gemeinden unterwandert haben, Gemeinden hinter sich hergezogen haben, wo Spaltungen passiert sind, wo Leute sich bereichert haben, wenn ihr das lest und wenn ihr das jetzt auf YouTube, man kann ja auch so Sachen anschauen, es ist immer grausam, es bleiben immer so viele auf der Strecke, gebt so jemandem keine Chance.
Und sollte ich jemals dahin mutieren, bitte ich euch, dass es so wie wenn man einem Pferd einen Gnadenstoß oder so eine Kugel gibt. Wenn ich jemals dazu mutieren sollte, die Gefahr ist immer da, aus einer Position der Autorität und Macht heraus abzuknicken und irgendwann hochmütig zu werden, irgendwann in Sünde abzugleiten und jedem zu erklären, warum das bei mir keine Sünde ist, irgendwann nur noch für Geld zu arbeiten, wenn du das mitkriegst, dann bitte gib mir die Kugel. Bitte steh auf und sag Stopp. Verbündet euch gegen so jemand, egal wer es ist.

Zusammenfassung und Schluss

Was war das Thema heute? Das Thema war Epheser 4: Einheit in der Gemeinde. Dort wird beschrieben, dass es begabte Leiter gibt, die sich um das geistliche Wachstum der Gemeinde kümmern. Zu diesen Leitern zählen Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer.
Was wäre falsch? Falsch wäre es, wenn wir denken würden, jeder kann alles. Das stimmt nicht. Wir sind nicht alle gleich begabt, obwohl wir alle begabt sind. Es wäre auch falsch zu sagen: Wir brauchen keine Führung. Was soll ich mit denen da oben? Ja, völliger Quatsch. Wir brauchen sie. Wir brauchen die Richtigen an der richtigen Stelle.
Die, die den Dienst tun, müssen sich weiter qualifizieren und entwickeln. Genauso falsch ist es natürlich, wenn die, die den Dienst tun und sagen: Ich bin so ein Gelenk, ja, ich kann hier etwas bewegen, ihren Job falsch machen.
Lasst uns in diese Richtung beten, dass wir das erreichen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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