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Hinduimus Teil 5 und Buddhismus Teil 1

01.01.2006
SerieTeil 3 / 4Hinduismus und Buddhismus
Wenn Religionen wie der Elefant wirken: Wer sieht wirklich das Ganze? Die Frage ist brutal aktuell – und entscheidet, ob du nur Meinungen sammelst oder Wahrheit suchst.

Einführende Beobachtungen zur Flutsage und zur religiösen Erzählform

Also, unser Artikel ging über die Flutsage. Uns ist dabei aufgefallen, dass sie wie ein wunderschönes Märchen beschrieben ist: Da kommt ein Fisch und sagt dem Manu, einem Gott, also einem der vielen Götter, dass eine große Flut kommen wird und dass er ihm helfen werde. Dafür müsse Manu aber zuerst dem Fisch helfen, denn auch der Fisch will gerettet werden.
Manu muss den Fisch zunächst in einer kleinen Schüssel aufbewahren, die er nebenbei in einer Waschschüssel gefunden hat. Der Fisch wird dann stufenweise größer gezogen, weil er, wenn er zu klein bleibt, sonst weggefressen würde. Schließlich ist der Fisch groß genug, und Manu baut eine Art Arche Noah, also ein Schiff. Als die Flut dann kommt, zieht der Fisch ihn später auch zu einem Berg. Dort befestigt Manu das Schiff, und als das Wasser wieder sinkt, bleibt das Schiff oben stehen. Das fanden wir sehr ähnlich zur Arche Noah.
Es ist eigentlich ein wunderschönes Märchen, ganz wunderbar geschrieben. Man könnte es auch Kindern gut vorlesen. Es ist aber eben die Arche Noah. Unsere Gedanken waren dabei auch, warum das so gleich sein kann. Sicherlich hat es örtliche Überschwemmungen vielleicht überall einmal gegeben. Du hattest ja auch den Gedanken des Abschreibens erwähnt, Herr Merlin. Es ist jedenfalls sehr stark identisch.
Dann kommt auch wieder ein interessanter Ansatz: Dann ist er eigentlich wieder alleine, der Hermann, und dann opfert er es. Danach muss er sich ja auch erst wieder eine Frau machen, also ebenfalls wie in der Bibel. Die macht er aber dieses Mal aus Milch, Molken und Quark, weil das hier so gemacht wird. Und daraus entstand in einem Jahr ein Weib. Ja, neunhundert, ne?
So interessant ist auch, dass dabei immer sehr viel Gehorsam gefordert wird. Was wir auch einmal gesehen haben: Ich muss schon Vertrauen haben, dass ich dem Fisch helfe. Und dann hilft mir der Fisch. Er versprach dann auch: Ich will dich dann auch retten, wenn du pflegst. Ja, und nachher bei dem Nachkommen ist das auch nicht der Fall; er vertraut eigentlich auch sehr darauf. Und ja, nachher hat er, wie heißt das hier, er irgendwann mir wünscht und sehr segenswünscht wurde ihm eben zuteil dann.
Und geistlich ist vielleicht auch noch von Bedeutung: Er lebte dann zunächst einmal betend und fastend, nach Nachkommenschaft begierig.

Anschlussfähigkeit an hinduistische Traditionen und die Bedeutung von Geschichten

Also, ich habe diesen Text auch bewusst ausgewählt, weil er sich den Heilungsschriften widmet, die uns so aufgeführt werden, dass wir manchmal in Gesprächen auch daran anknüpfen können, an Wissen, das dort bei der Heilung schon vorhanden ist, aus den Heilungsschriften. Und so sagen wir als Nachkommen: Wir berichten auch über eure Heilungsschriften, aber auch uns ist das noch genauer. Denn bei uns hat das Golgatha wahrgenommen, was ungenau geraucht ist.
Dass die Hindus nicht so fremd sind, dass sie jetzt sagen: Wir kommen, das ist ja alles falsch, was du glaubst, um dann zu sagen: Na, da gibt es hier schon Ansätze von dem, was noch einem Hindu bekannt ist. Was uns auch bewusst sein sollte, ist: Hindus leben sehr gerne Geschichten, so etwas wie dieses hier. Das ist eigentlich die überwiegende Zahl der Überlieferungen. Es sind Geschichten, und zwar nicht so sehr wie in der Bibel historisch. Und das geht genau zu dem Zeitpunkt so lang, wie es mythologisch ist. Keiner weiß genau, wann das ist. Es ist keine genaue Ortsangabe, keine genaue Angabe der Zeit, wie lange das Gehen gelangt. Es spielt also gar keine Rolle. Sondern schöne Geschichten, die eine Moral haben, das ist sehr beliebt. Das können wir auch benutzen, wenn wir den Glauben erklären, wenn die kleinen Geschichten den Glauben erklären.
Ja, und dann vielen Dank, dann kommen wir zur nächsten Woche. Ist das nicht Ihr Wunsch, um was er jetzt? Nein, das ist ein Wunsch. Tja, dann machen wir noch eine weitere Anregung. Darf ich euch das filmen? Einfach ranklammern, ja?
Ja, also unser Abschnitt ist eigentlich schon so ein bisschen unterteilt. Da sind ja wahrscheinlich immer eine ältere Person, die einen anderen belehrt, so vier Abschnitte. Welcher ist denn das?
Ähm, das sei die vierunddreißig bis, nee, seit fünfunddreißig bis siebenunddreißig. Diese Upanishaden, die Lehre des Chandilaya und der Liebe.

Systematische Deutung der Upanishaden und ihre ethischen Forderungen

In der Strukturierung sind wir also dazu gekommen, dass der erste Text beschreibt, wie man im All, also in Brahma, aufgeht und wie der Weg dahin aussieht. Der zweite Text beschreibt, dass das Material, aus dem die ganze Welt besteht, die letzte wirkliche Realität ist, also das Atman, das auch jeder Mensch in sich trägt. Der dritte Abschnitt beschreibt, was der Atman ist, nämlich der eigentliche innere Mensch. Der vierte Abschnitt beschreibt die Erlösung, nämlich nichts mehr zu wünschen.
Willst du das mit den Lehren machen? Dann sollten wir herausarbeiten, welche Lehren in den einzelnen Texten aufgeführt werden, also woran sich ein Hindu zu halten hat. Und zwar soll er einmal auf seine eigene Gesinnung achten, weil hier steht: So wie er hier auf der Erde lebt, so wie seine Gesinnung hier auf der Erde ist, so wird es nach dem Tod bewertet. Dieses Karma wird da dokumentiert, und je nachdem wird er auch belohnt.
Das größte Ziel ist es, dieses Brahma anzustreben, diese vollkommene Ruhe. Das soll auch sein Ziel sein. Ehrlichkeit soll er anstreben, also es herrscht keine Unmoral. Er soll bestimmte Werke vollbringen, oder er hat eben Werke zu vollbringen. Einige Kasten müssen halt Almosen geben. Und er soll alles Böse ablegen, alle Wünsche ablegen. Eigentlich soll er sein Verlangen abstellen und Herr über sein eigenes Verlangen sein. Er soll auch keine Angst haben, in dem Sinne.
Also das sind die Verhaltensweisen, die hier angesprochen werden.

Abgrenzung zum christlichen Verständnis von Erlösung und Wirklichkeit

Ja, und das war jetzt die dritte Aufgabe: Unterschiede zum christlichen Glauben.
Im Christentum haben wir ja den Fall, dass wir uns nicht erst lange über die Lehren gewiss werden müssen, bis wir sie irgendwie akzeptieren, sondern wir haben historische Persönlichkeiten und ganz bestimmte Orte. Die Ereignisse, die beschrieben werden, bekommen auch direkt eine geistliche Deutung.
Ein weiterer Unterschied ist, dass die Seele nicht einfach im All verschwindet, sondern persönlich ist. Außerdem gibt es nicht so den Unterschied zwischen der letzten Realität, sondern auch die Sicht, dass diesseits Realität ist, nicht nur das Weltall beziehungsweise Brahma.
Dann wird hier beschrieben, dass das Atman göttlich ist. Also hat jeder etwas Göttliches in sich, und das widerspricht ja auch der christlichen Lehre. Die Vorstellung der Erlösung ist auch sehr unterschiedlich, denn hier bedeutet Erlösung ja, keine Wünsche oder kein Verlangen mehr zu haben. Im Christentum ist Erlösung eben, im Himmel bei Gott zu sein.
Vielleicht gibt es noch mehr Unterschiede, aber das ist das, was wir jetzt so gefunden haben.
Also ich habe hier noch einmal, dass die Erlösung bei den Hinduisten eigentlich durch Werk und durch ihren ganzen Lebenswandel zustande kommt. Wir müssen also genau darauf achten, wie sie leben, und eigentlich ist das nur dadurch erreichbar. Bei uns Christen werden wir einfach durch Gottes Gnade errettet.
Die höchste Stufe, die ein Hindu erreichen kann, ist halt dieses völlig Losgelöstsein, also von jeglichem, von seinen ganzen Wünschen etc. zurückzustehen und sich eigentlich von allem Weltlichen, was weiß ich, zurückzuziehen. Bei uns Christen ist es ja eigentlich anders: Wir sollen uns nicht von anderen Leuten distanzieren und uns zurückziehen, sondern wir sollen Leute missionieren und wirklich auch in Kontakt mit Ungläubigen stehen.

Die Frage nach der Unsterblichkeit der Einzelseele

Gibt es Fragen für euch? Ich habe noch einmal eine Frage, die mir am Übergang liegt, weil natürlich hier im Ersten doch wieder dieser Satz steht: Die Einzelseele ist unsterblich. Das würde ich hier bitte. Ja, okay, also die Frage ist: Die Einzelseele ist unsterblich, ausgehend von diesem Text.
Ich habe diesen Text ausgewählt, weil eben da relativ komprimiert und auf verhältnismäßig verständliche Art und Weise vermittelt wird, wie der Mensch zum Ewigen steht und wie er das auch erreichen kann. Und die Seele ist insofern ewig, weil sie ein Teil von Brahman ist. Brahman ist das All-Eine, das eigentlich nur existiert. Und da ja Atman ein Teil von Brahman ist, ist sie ewig.
Aber das heißt nicht, dass ich als Individualität, ich als Mensch, als solcher ewig bin, sondern nur dieses Göttliche, was in mir ist, das ist ewig. Das ist der Unterschied.
Also bei dem ersten Text, den ihr behandelt habt, um das noch einmal zu wiederholen, da war ja typisch dieses Erzählerische. Das ist hier gar nicht so sehr. Hier geht es so ein bisschen mehr systematisch, so ein bisschen mehr erklärend, dogmatisch zu. Und der erste Text war ja sehr stark erzählend, von der Sintflut. Das wurde alles aufgenommen, und da habe ich euch ja auch gesagt, das ist etwas, was Hindus sehr gerne hören.
Diese lehrmäßigen Texte sind eigentlich eher etwas für einen Brahmanen und für einen, der den Jnanamarga geht, also den Weg über die Erkenntnis, der letztlich damit auseinandergeht, wie ist das Verhältnis von so und so. Das spricht uns intellektuell an. Diese Geschichten sind eher das, was für die meisten Hindus überwiegt. Deshalb können wir sie ja auch für Gespräche benutzen, indem wir Geschichten erfinden. Oder indem wir Geschichten übernehmen, die es im christlichen Glauben gibt. Oder auch, wenn wir aus der Bibel heraus in erster Linie von den Geschichten erzählen, die da werden. Und es gibt eine ganze Menge Sagen und Überlieferungen davon, wie das nun eigentlich im Hinduismus gelaufen ist.

Das Gleichnis von den Blinden und dem Elefanten als religionskritischer Prüfstein

Eine habe ich hier noch bei euch, so eine schöne Erklärung, die wird auch häufig sehr plausibel. Da wird nämlich gesagt: Beim christlichen Glauben, also beim Buddhismus und bei den Religionen, sei das doch genau so wie dieses Jahr. Nämlich gibt es da drei Blinde, und die sollen alle, sie sind blind, den Gegenstand beschreiben, den sie anfassen. Vielleicht habt ihr das auch schon mal irgendwo gelesen, das ist so eine typische hinduistische Sage. Die sagt dann: Ja, dann sagt einer: „Uh, das hier, der Elefant, das ist eine riesige Säule, und die ist weich, aber rund und groß und fest und so, das ist das.“ Und der andere sagt: „Na ja, das kommt eigentlich so an, rund ist der Elefant, aber das ist biegsam, so wie ein Schlauch und hat Löcher drin, ne?“ Und der andere sagt: „Nein, das ist gar nicht so, das ist wie ein Pinsel, ganz faserig am Ende und ganz dünn.“ Und dann sagt der Hinduist natürlich im Nachhinein: Ja, genau so ist das mit der Religion. Keiner kann wirklich erkennen, wie Gott ist, wie Religion ist, aber alle haben Recht. Jeder beschreibt nämlich einen Teil des Ganzen, und das Ganze ist eben hier der Elefant, aber der besteht aus all diesen Teilen. Und alle irren sich natürlich auch ein Stück weit, weil alle nur ein Detail, einen Aspekt dabei haben.
Das ist also eine Geschichte, und in solchen Geschichten, das kommt bei Hindus gut an. Wenn wir gerade mal diese sehr bekannte Geschichte aufgreifen, die klingt ja auch erst mal sehr plausibel. Die hat ja so eine gewisse Suggestivkraft. Wo liegt denn das Problem an dieser Geschichte? Warum stimmt die denn nicht? Es gibt ja tatsächlich einen Elefanten, wenn man jetzt mal an der Geschichte bleibt. Und bei Gott? Aber das beschreibst du ja letztendlich. Dann sagt man: Ja, das ist ein Teil, und der ist ja auch in Ordnung. Aber jetzt gibt es dann die Hindus, die beschreiben einen anderen Teil Gottes, und das ist auch ein Teil davon.
Also der entscheidende Faktor, den du genannt hast, ist das schon. Du musst es nur ein bisschen anders formulieren, nämlich du sagst: Hier gibt es einen Elefanten. Aber in der Geschichte, wir bleiben nur in der Geschichte: Wer weiß denn, dass es diesen Elefanten überhaupt gibt? So ist es. Wir können jetzt auch ein bisschen religiös fassen: Der Hindu weiß das, der Hindu ist der Sehende, und alle anderen Religionen sind die Blinden. Denn der Hindu weiß ja, dass es einen Elefanten gibt. Wenn der Hindu auch blind wäre, dann würde der vielleicht unter dem Bauch tasten, würde sagen: Das ist eine große Decke, ist so stabil und so. Aber woher wissen wir denn überhaupt, dass es einen Elefanten gibt? Das muss ja irgendjemand sehen. Und hier sagt der Hindu: Ja, ich sehe das. Das ist eigentlich sehr ignorant. Da sagen alle anderen Religionen, die haben halt so ein paar Details, aber ich weiß, dass das alles zusammenhängt. Woher weiß der das?
Übertragen, wenn wir das anwenden auf die Religion: Die Behauptung, dass alle Religionen denselben Gott beschreiben, ist ja schön, aber bitte sehr, woher weiß ich denn das? Woher kann ich das denn belegen? Das ist doch auch Fantasie, das ist doch meine Idee. Ich sage einfach, die Religionen gehören alle zusammen, aber woher weiß ich das denn? Es könnte doch auch sein, wenn die jetzt alles beschreiben, dass wirklich der eine ein Tau in der Hand hat, ein Seil, der andere eine Säule und der andere Autoreifen. Wäre ja möglich. Woher weiß ich, dass die alle zusammengehören? Das kann ja nur der sagen, der ins Jenseits hineinsehen kann, der die Götter beurteilen kann, und das nimmt der Hindu für sich in Anspruch. Das andere sind nur religiöse Erfahrungen jedes Menschen, und ich sage jetzt als Hindu: Ich weiß aber, die gehören alle zusammen. Da müsste man jetzt fragen: Wieso? Woher weiß der denn das? Das hat mir ja, das steht in seinen Heiligen Schriften. Da sage ich: Ja, bei meinen Heiligen Schriften steht, dass das verschiedene Götter sind, dass es mich den einen Teufel gibt, der die Menschen verführt, und den anderen einzig guten Gott, der die Menschen richtig leitet.
Denn wir merken: Im Grunde genommen steht ja bei dieser ganzen Geschichte schon fest, dass es sich nicht um einen Gott handelt. Das heißt, das Dogma steht schon fest, und hier werden die Christen, Juden, Muslime nur noch mit hineingenommen. Na ja, ihr Armen, ihr seht ja alle bloß so einen ganz kleinen Teil von uns. Wir, wir als Hinduisten, die wir wissen, dass alles zusammengehört. Ja. Es ist nicht überhaupt eine Persönlichkeit Gottes, sondern es ist irgendwie der eine Recht nichts.
Genau, es ist nichts und alles. Es ist das All eine, das, was einzig ist. Ja, aber du hast Recht, es ist keine Persönlichkeit. Denn Brahman wird nicht als Gott angebetet. Brahman ist ein Gott, abgeleitet davon, aber in der höchsten Instanz löst sich auch Brahman noch auf. Und das ist, wir können auch nicht sagen, direkt eine Kraft, eine Energie. Ihr habt ja einige Texte, wo das ein bisschen beschrieben wird. Ist das bei euch auch noch so ein bisschen drin, was nun da Brahman oder das All eine ist? Was kommt darin vor? Du kannst dir mal das hier vorlesen, so einen Ausschnitt daraus, wie die das beschreiben, wenn du gerade einen hast, ja. Sonst die anderen Gruppen hören wir ja gleich noch. Bei euch ist das, glaube ich, auch noch mit drin, nicht? So ein bisschen. Das ganze Alles Brahman in ihm aufgehen soll, es als ein zur Ruhe gekommener verehren.
Ja, so ein bisschen wird das hier beschrieben. Wir werden das gleich noch von euch etwas näher hören, aber da merken wir: Das ist eigentlich unfassbar. Man kann das auch mit Worten gar nicht mehr richtig beschreiben, was das sein soll. Wie gesagt, weil es keine Persönlichkeit als Gott hat, deshalb auch keine Individualität, die sich mitteilen könnte, wie das ja im christlichen Glauben der Fall ist. Da haben wir einen individuellen Gott, der nicht Mensch ist, aber Person ist, der einen Willen hat, der Eigenschaften hat und der sich dann auch mitteilen sagen will. Das ist bei Brahman nicht der Fall, weil auch Brahman irgendwie eine Art Urmaterie, Urzustand, Urgeist ist, der auch bestimmt wird von dem Gesetz des Karma, das sozusagen eine Art kosmisches Naturgesetz ist, dem auch das unterworfen ist.

Der christliche Gegenentwurf: Offenbarung statt menschlicher Deutung

Das würde ich so interpretieren, dass, wenn sich der Elefant jetzt offenbaren würde und wenn der Elefant dem sagen würde: Ich bin ja ein Elefant, und ihr habt alle einen Teil von mir, dass unser Gott uns nicht offenbart hat, also durch Mitteilung.
Wir könnten hier den Spieß einfach ein bisschen umdrehen und sagen: Ja, ihr im Hinduismus, genau, ihr seid so. Gott hat sich euch nicht offenbart. Ihr überlegt euch, wie Gott ist, und habt ein bisschen von Gott erfasst. Aber bei uns hat Gott selbst gesprochen. Wir sind auch blind, aber Gott hat selbst gesprochen, und deshalb wissen wir, wie er ganz aussieht.
Könnten wir einfach so eine Sage, die bei den Hindus sehr bekannt ist, also das ist eine sehr bekannte Sage, benutzen, um dann auch den christlichen Glauben anzuspielen? Denn bei uns ist es ja tatsächlich so: Wir gehen ja nicht davon aus, dass wir besser über Gott Bescheid wissen, weil wir besonders klug sind oder weil wir besonders intensiv Gott erfahren haben, sondern weil wir davon ausgehen, dass wir jetzt nicht nur beschreiben, was wir erfassen, sondern dass wir beschreiben oder nachsprechen, was Gott uns vorgesprochen hat, was Gott sich von uns selbst mitgeteilt hat.
Eben wie der Elefant, der sprechen könnte, der jetzt genau so sagt: Ja, ich sehe genau so aus, und beschreibt das und schreibt das vielleicht sogar noch auf und führt unsere Hände dann über seinen Körper, damit wir den Ganzen umfassen können. So ähnlich wäre das jetzt anwendbar.
Und dann merken wir: Plötzlich ist der Bann dieser Geschichte gebrochen. Nämlich diese eigentliche Absicht, zu sagen: Ja, alle sind doch gleich, was nämlich der Hinduismus tut, ist ja: Alles ist gleich, spielt ja alles keine Rolle, keine Unterschiede. Das gilt plötzlich nicht mehr.
Und da müssen wir auch sehen, dass wir uns nicht zu schnell von der Plausibilität oder der scheinbaren Plausibilität einer solchen Geschichte beeindrucken lassen. Sondern durchaus mal ein bisschen überlegen: Worauf will das denn eigentlich hinaus? Wo ist hier der Knackpunkt? Wo ist das Problem?
Und das Problem hier ist, dass eben davon ausgegangen wird: Ich als Hindu weiß ja, dass die eigentlich alle zusammengehören. Die einzelnen Leute wissen das nicht, der weiß das nicht, der weiß das nicht, der weiß das nicht, aber ich als Hindu weiß: Die gehören eigentlich alle zusammen.
Und da ist die Frage: Woher weißt du denn das überhaupt? Und da müssen wir als Christen sagen: Die einzige Möglichkeit, dass wir das wissen, ist, wenn dieser Elefant selbst reden könnte. Da müssen wir sagen: In den meisten Religionen ist das ja nicht der Fall, da sind dann menschliche Überlegungen da.
Gut, dann kommt die nächste Gruppe. Wollt ihr? Da können wir jetzt verschiedene Thesen vorschlagen, woher die kommen. Keiner weiß es genau. Also es ist ja auch in den Texten kein Autor angegeben, wo wir sagen können: Der ist Verfasser davon. Das waren Priester, die das aufgeschrieben haben. Das wurde dann mündlich überliefert, wurde irgendwann aufgeschrieben, immer wieder verändert und erweitert, und wir wissen das nicht ganz genau. Wir wissen ungefähr, in welcher Zeit. Meistens sind die auch über mehrere Jahrhunderte hinweg entstanden, aber es gibt keinen feststellbaren Autor.
Das macht es dann auch problematisch, aber das hängt damit zusammen, dass für die Inder auch vollkommen uninteressant ist, die Individualität. Die einzelne Person, die da auftritt oder auch die schreibt, ist vollkommen uninteressant. Ob das historisch wirklich so passiert ist, ist vollkommen uninteressant.
Da merken wir den riesigen Unterschied zwischen der Bibel. Da lesen wir eben Lukas, der dann sagt: Ich habe, lieber Theophilus, genau nachgefragt, genau untersucht. Oder bei der Geburt Jesu, als eben Kyrenius Landpfleger in Syrien gewesen war und als das und das und das passiert ist, da ist das passiert. Genau nachvollziehbar.
Das findest du in keinem einzigen hinduistischen Text. Das ist egal, ob Millionen von Jahren oder ob das nur vor einer Million oder vor hunderttausend Jahren war. Das ist uninteressant. Ob der nur Vishnu hieß oder Shiva oder Krishna, na ja, gut, halten wir einmal fest, aber das ist auch nicht so wichtig, weil deren Individualität ja auch veränderbar ist, sich weiterentwickelt.
Ja, gut, dann kommen wir zu unserer nächsten Gruppe, und dann übergebe ich euch das Mikrofon hier. Stellt uns eure Ergebnisse vor, bitteschön.

Erste Textgruppe: Versform, Karma und die Deutung von Leid

Also, die sind gar nicht so umfangreich, als dass ich mir das jetzt hier anmachen müsste. Wir hatten den Text auf Seite 39, und dann dahinter. Das ist in Versform geschrieben, und wir hatten erst einmal eine ganze Zeit damit zu tun, die Verse überhaupt zu verstehen.
Einen Vers lese ich euch einmal vor:
Selbst wenn du hier dein Werk vollbringst und leben möchtest hundert Jahr, so ändert sich an dir doch nichts, du bleibst der Karmahaftung bar.
Wir haben das so verstanden: Egal, was du machst, du kannst deiner Bestimmung nicht entgehen. Das ist dann gleich entgegengesetzt zu dem, was wir glauben. Ich denke, es ist nicht egal, sondern wir haben hier unser Leben Zeit, um eine Entscheidung zu treffen darüber, wo wir unsere Ewigkeit verbringen.
Dann in Vers 3:
Die Welten sind dämonenhaft von blinder Finsternis bedeckt, in sie geht nach dem Tode ein, wer seine Seele hat befleckt.
Also, die Welten – ich denke, das ist das, was wir als die geschaffene Welt verstehen würden. Ich würde sagen: Die Welt ist Gottes Schöpfung und von daher an sich nicht schlecht. Es ist auch keine Strafe, hier zu leben, sondern eine Möglichkeit, die wir nutzen sollten.
Dann in Vers 5, 6 und 7 erschien uns das, als wäre es eine Beschreibung dieses Atman oder dieser Alleinheit:
Es regt sich und es regt sich nicht, es ist stets fern und doch so nah, in allem wirkt im Innern es und bleibt doch immer auswärts da.
Und so geht das dann weiter. Also irgendwie ist das auch so, vom Gefühl her, nichts Fassbares, nichts Greifbares. Das jetzt in eigene Worte zu fassen, würde mir sehr schwerfallen.
Ja, und dazu haben wir ja schon etwas gesagt. Ich denke, Gott sieht den Menschen anders, hat ein anderes Bild vom Menschen als ein Individuum, das sich entscheidet und dessen Seele in Ewigkeit leben wird. Und wir haben ja auch die Naturgesetze letztendlich dazu, wieder Gottes Schöpfung, wo jeder Mensch im Prinzip ja auch Gott erkennen kann. Das heißt so.
Und dann Verse wie in Vers 9:
In blinde Finsternis geht ein, wem schon das Nichtwissen genügt, und in noch schlimmere Finsternis, wer über Schriftwissen verfügt.
Also ist es irgendwie so: Egal, was du machst, ob du jetzt etwas weißt oder nicht weißt. Wie Sie es einschätzen, zeigt natürlich gerade diese hinduistische Freundlichkeit insofern, als er nämlich sagt: Derjenige, den das gar nicht interessiert, der einfach jeden Tag hineinlebt, der ist schon schlimm dran. Aber der, der sich jetzt noch einbildet, die Welt verstehen zu können, logisch, der ist eigentlich noch schlimmer dran. Denn ich muss realisieren, dass ich die Welt gar nicht begreifen kann, dass die Welt nur vordergründig ist, dass sie nur Illusion ist, dass ich sie eigentlich gar nicht aufnehmen kann. Denn dann nehme ich mich so wichtig und meinen Verstand und meine Wahrnehmung, dass ich sie gar nicht mehr davon loslassen kann.
Das, was ich tun muss, ist ja, mir meines Verstandes und meiner Person bewusst zu werden, über sie zu regieren und sie dann auszuscheiden. Ich denke, dass es im christlichen Glauben das Wissen oder unser Verstand eine Möglichkeit Gottes ist, um uns ein Stück näher zu kommen, um sich uns zu offenbaren. Und diesen Versen nach denken wir da anders, das beweist ja schon die Tatsache, dass wir hier sind. Für uns ist Wissen ja auch ein Stück weit, Gott erkennen, Gott verstehen und ihm nahekommen.
Ja, das ist eigentlich das, was wir gefunden haben in der Zeit. Nicht alles. Zum Schluss ist es noch einmal irgendwie wie so eine Anbetung, wo dann auch irgendein Gott, ich weiß nicht, angesprochen wird.
Wenn ich nun mal auf dieses Karma gehe, da entsteht doch einmal diese Karmahaftung in der Grundsicht. Sind das Werken zu kleiner Karma? Da muss man sich erst sagen, was Karma ist. Also wir werden auch sehen, es gibt im Hinduismus keine vollständige Definition. Wir sind ja gewohnt, deshalb habe ich ja auch gesagt: Nach christlichem Denken ist Naturwissenschaft entstanden, weil christliches Denken in einer gewissen Weise Definitionen hat. Es wird genau umschrieben, worum es geht. Das findet sich in Naturwissenschaften. Das ist im Hinduismus nicht so. Es wird vieles, sehen wir auch hier, lyrisch in Geschichten gefasst.
Und so ist Karma: Karma ist die Gesamtheit deiner Taten, so könnte man das sagen. Wenn du jetzt gute Sachen tust, werden die zu deinem Karma zugerechnet, wie in einem Datenprogramm wird das alles zusammengerechnet. Aber dieses Programm bewertet auch gleichzeitig, was gut und was schlecht ist. Und nach diesem Karma wird dann eine Abrechnung am Ende des Lebens gemacht. Jetzt nicht nur das eine mit dem anderen ausgleichen, so kann man das auch nicht sagen. Die sind auch nicht gleich viel wert, die guten und die bösen Taten. Aber nach diesem Karma-Gesetz, was dann am Computer ausgewertet wird, am Ende des Lebens, wird bestimmt, wie und wo du wiedergeboren wirst.
Also Karma ist eine Art kosmisches Gesetz, das aber alle Handlungen aufnimmt. In gewisser Weise ja. Man sagt ja: Du bist der Kramer, hast du ein Fahrrad? Ja.
Ist das eigentlich das Gleiche wie dieses Kismet? Nein, das ist etwas anderes. Weil Kismet bezeichnet man ja mehr so eine Art Schicksal, Gott will es so oder bei Adler. Das ist ein bisschen etwas anderes, weil hier geht es ja auch schon etwas um moralische Wertung, um das, was ich richtig tue, was ich falsch tue, und alles, was ich mache, wird einmal aufgerechnet. Es geht um eine Art kosmisches Gesetz für richtig und falsch, und jedes Wort, das ich sage, fließt sofort in das Karma hinein und wird am Ende berechnet.
Also ich habe eine gewisse Verantwortung dafür, aber ich trage auch schon das Karma meiner ganzen Gänger mit mir. Also alle meine Vorgeburten, die sind in meinem Karma auch mit drin. Also das ist nicht nur das, was ich getan habe, sondern die Millionen von Wiedergeburten, die ich schon erlebt habe, die sind auch im Karma mit drin. Und das erinnert sich jeweils ein bisschen. Ein bisschen wird dann ausgelöscht, sagen wir mal: Ich habe in meinem letzten Leben meine Frau besonders gequält, und jetzt in diesem Leben werde ich besonders gequält, und das gleicht sich dann so ein bisschen aus. Und im nächsten Karma ist das dann wieder neutralisiert. So wie mit Säuren und Laugen: Wenn ich jetzt ein bisschen Säure dazukippe, dann wird es wieder ein bisschen saurer, und wieder ein bisschen Basen dazu, und wieder ein bisschen basischer. Irgendwann ist das hinterher neutral, dann ist es eben Wasser. So ungefähr muss man sich das sehen.
Ja, wiedergeboren, ja genau, aber Protokoll nur bezogen auf meinen Einklang mit dem Brahman. Ich könnte auch sagen: Schlechte Taten sind diejenigen, die nicht mit Brahman übereinstimmen. Gute Taten sind diejenigen, die mit Brahman übereinstimmen. Also es gibt jetzt nicht einen festen Katalog von Sünden. Es gibt einige Forderungen, aber das Karma geht weit darüber hinaus. Karma kann eben schon sein, sagen wir mal, ich esse jetzt zu hastig oder so: schlechtes Karma. Vorbei. Obwohl das keine direkte Forderung ist. Also alles ist zum Karma gutbestimmt. Ja.
Und dieser kosmische Computer, der das so regelt, das weiß man nie, wo der was damit ist oder wie das ist. Der ist einfach so. Das ist so, ja. So, ja, wenn wir das technisch gestalten wollen, genau. Und der ist schon vorgeprägt, und der ist kosmisch vorgeprägt, der war schon immer so, nicht? Ja, genau.
Oder wir könnten vergleichen: so eine Art Naturgesetz. Das ist so wie eine Art Naturgesetz. Da fragt man ja auch nicht, wann ist das entstanden. Also kein Ungläubiger fragt das als Gläubige wissen, was hat Gott gemacht, auch die Naturgesetze. Aber die Schwerkraft, dass alles hier im Mittelpunkt der Erde angezogen wird, das ist einfach so, das nehmen wir mal als gegeben voraus. Und so würde ein Hindu sagen: Das Karma ist einfach vorhanden, das war schon immer da. Die Frage, wer das gemacht hat, die stellt sich gar nicht. Es ist so.
Im Grunde genommen ja, es bietet auch eine sehr plausible Antwort auf alles Leiden in der Welt. Es gibt im Hinduismus nicht die große Frage, warum lässt Gott das Böse zu. Das Böse ist einfach eine der vielen Konsequenzen deiner letzten bösen Taten, die du getan hast, und die musst du jetzt abstottern, und dann geht es dir in meinem Leben nicht besser. Deshalb muss ich den Armen auch nicht unbedingt helfen, denn stell dir vor, jetzt helfe ich einem besonders Armen, der besonders hungrig ist, ja, dann muss der in seinem nächsten Leben umso mehr hungern. Es ist doch gut, dass er jetzt hungert, dann macht er jetzt ein bisschen seines Karmas gut, und im nächsten Leben geht es ihm besser. Ja, genau, richtig, weil jeder ist ja selbst schuld für das, was er erlebt. Und deshalb auch: Ich muss nicht hadern mit Gott. Erstens gibt es keinen persönlichen Gott, mit dem ich hadern könnte, und zweitens ist es so: Es ist ja eine Konsequenz meiner eigenen Taten. Von daher ist es eine plausible Antwort auf die Frage nach dem Leiden und dem Übel und so in der Welt.
Das wäre jetzt die Konsequenz daraus: keine Spenden mehr zu geben und so, lieber etwas leiden lassen. Aber ich möchte euch jetzt gerade mal einschränkend dabei sagen: Wir sind keine Hindus.
Also gut, jetzt kommt die nächste Gruppe. Nächste Gruppe, bitte stellt uns eure Ergebnisse vor.

Zweite Textgruppe: Erkenntnis, Einheit und die Grenzen des Verstehens

Ach, kommt gleich nach vorne hier, kommt, erzählt uns. Allein könnt ihr euch so unterhalten. Ja, danke.
Also, wir hatten, ähm, ach so, hey, wie geht das jetzt hier? Irgendwie anstecken. Hier so? So geht das irgendwie? Ja, ja, was ist das jetzt? Also, wir hatten den, ähm, ja, so ein Gedicht, Punkt fünf, das geht über die Seite 38. Da sind oben noch so zwei Verse, und dann davor ist dann noch sowas, das ist Punkt fünf, Verse aus Brihat Aranyaka Upanishad, irgendwie sowas. Das waren wir dann. Habt ihr das? Also die zwei Seiten da, sieben dreißig ist das dann. Alles klar, das stand nicht bei uns dran.
Ja, wir haben uns nur auf dieses Gedicht ein bisschen bezogen, weil das andere haben wir nicht mehr geschafft. Aber ich denke, da kann man auch viel rausziehen. In den vier Versen da geht es erstmal so ein bisschen um die hinduistische Lehre, ein bisschen darum, wie man die Erlösung erlangt usw.
Im ersten Vers zum Beispiel wird klargestellt, dass man das Brahma nur dadurch erlangen kann, dass man seine eigenen Wünsche, seine eigenen Gefühle zurückstellt. Ja, zurückstellt. Das sind eigentlich die ganzen Veranlagungen, die man hat, die man eher unterdrücken sollte. Und dann erlangt man eben das Brahma.
Im zweiten Vers wird das sogar noch deutlicher gesagt, dass es überhaupt nicht nötig ist, diesen Atman zu erkennen, dass es überhaupt nicht notwendig ist, dem Leib zu frönen, dass man seinen fleischlichen Gelüsten nachhängt. Es ist überhaupt nicht notwendig, wenn man dann eben den Atman erkennt.
Im dritten Vers wird nochmal klargestellt, dass alles, eben diese Vielheit, ein Ganzes ist, dass das ganze All eins ist, dass alle Organismen ein Ganzes sind. Und es ist vielleicht auch hier später schon mal ganz hilfreich, dann steht in der zweiten Zeile dann auch: „Der Denkende erkennt es klar.“ Später wird aber wieder gesagt, also in dem nächsten Vers wird dann doch auch gesagt, dass die Einheit eigentlich unerkennbar ist. Also wahrscheinlich ist es so, dass die Hindus das erkennen, aber der, der es nicht erkennen soll oder will, der erkennt es eben nicht.
Ja, und in dem dritten Vers, Zeile drei, dann steht auch: „Von Tod zu neuem Tod geht, wer eine Vielfalt noch nimmt wahr.“ Also man muss es irgendwo selbst erkennen wollen, dann geht man von Tod zu Tod. Und diese Formulierung, die finde ich ganz interessant, von Tod zu Tod. Also wir haben uns ein bisschen darüber Gedanken gemacht: Für uns als Christen ist es so, für uns ist eher das Ziel das ewige Leben, und für die, so widersprüchlich das klingt, ist eher der Tod das Lebensziel.
Ja, richtig. Und im vierten Vers ist es halt auch nochmal, wie ich schon erwähnt habe, es ist eigentlich unerkennbar und vor allen Dingen auch anfangslos. Das ist auch ein Widerspruch zu uns, die wir ja sagen, dass alles von Gott erschaffen ist. Es hat einen Anfang, hat für uns in unserem Leben ein Ende, auch wenn es ein ewiges Leben gibt. Wir sind also auch endlos. Nur unser Tod, damit ist unser Ende, das ist das Ende unserer Handlungsfreiheit. Wir können hier entscheiden, wo wir unsere Ewigkeit verbringen.
Ja, und da wird noch mal dargestellt in der letzten Zeile auch: „Der Atman ist unermesslich groß.“ Das ist vielleicht auch ganz interessant, also es ist überhaupt nicht greifbar. Das lohnt es uns vielleicht ein bisschen, das komme ich später dazu. Also das ist erst mal so zum Inhalt, was da noch so gesagt wird. Es ist eigentlich meistens so Leere, ist das.
Und dann zu Punkt zwei, also Lehre, wie gesagt, zur Erlösung. Die Erlösung kann man nur erlangen, indem man halt diese Einheit erkennt, dass man seine Gefühle zurückstellt und sich ganz auf dieses Brahma eben hinbegibt. Das ist ein bisschen sehr, sehr schwierig, muss ich sagen. Aber irgendwo, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen unverständlich, aber es ist eigentlich trotzdem so wie im christlichen Glauben: Man muss eigentlich nur dran glauben, dann erkennt man es anscheinend, dass man von Tod zu Tod geht. Sehr unverständlich für mich, aber wahrscheinlich ist das auch die Vielfalt der Lehre.
Na ja, dann die Beziehung Gott-Mensch, das habe ich ja gerade schon mal gesagt, die ist eigentlich gar nicht so gegeben. Gott-Mensch, der Mensch ist eigentlich für mich immer ein bisschen resignierend. Der kann eigentlich überhaupt nichts machen, der lebt halt so dahin, vegetiert so vor sich hin eher. Und einen Gott, wie wir uns ihn vorstellen als Persönlichkeit, gibt es nicht. Das ist eigentlich nicht so der Fall, ja.
Und Punkt drei, das ist nochmal ganz interessant: christlicher Glaube und die mystische Darstellung. Gott hat die Welt erschaffen, und hier ist es halt anfangslos, das habe ich ja gerade schon mal angedeutet. Gott hat uns auch die Natur als Vielfalt gegeben, denke ich mal. Wir können durch die Natur auch Gott erkennen, aber es ist schon alles eine Vielfalt insgesamt. Also Tiere haben zum Beispiel andere Aufgaben als Pflanzen, Menschen. Sie haben auch kein Heil oder sowas. Das ist dann auch schon ein Unterschied zu dem hinduistischen Glauben.
Dann glaube ich diese Aussage, der Atman ist unermesslich groß, wenn ich das jetzt mal auf Gott so beziehe. Gott ist ja eigentlich auch unermesslich groß, das stimmt schon. Nur denke ich, dass Gott in seiner Liebe zu uns eigentlich sich uns zu erkennen geben will, durch seinen Heiligen Geist eben. Das macht er ja jeden Tag eigentlich bei uns. Und hier ist es eigentlich so: Ja, er ist so unermesslich groß, wir können überhaupt, also die Hinduisten können ihn überhaupt nicht erfassen, also dieses Atman, das ist im christlichen Glauben eigentlich schon anders.
Und was uns auch noch so aufgefallen ist: Man versucht, seine Gefühle auszuschalten, versucht einerseits aber auch irgendwie, alles durch den Verstand so ein bisschen zu ergründen. Und ich weiß nicht, ob das so langt auch, weil bei uns ist es ja so: Ich glaube, als Christ kann man nicht, also wenn man jetzt ungläubig ist, glaube ich nicht, dass man durch den Verstand den Glauben ergründen kann. Das muss schon irgendwie ein Wirken vom Heiligen Geist sein. Man kann selbst als Mensch, vom Verstand her, kann man nicht Gott ergründen, glaube ich, allein. Da muss schon irgendwie eine Wirkung vom Heiligen Geist auch dabei sein. Das ist eben der Unterschied zum hinduistischen Glauben.
Was gibt es da noch zu sagen? Eben diese Beziehung Tod-Leben ist eigentlich der Tod da, der Sinn, und bei uns eben das Leben. Andererseits auch nochmal zum Verstand zurückzukommen: Wir haben ja auch heute Morgen diese Folie gesehen mit den Yogaübungen, Praktiken. Da wird ja auch doch an einer Stelle, glaube ich, gezeigt, dass man sein Gehirn irgendwie ausschalten sollte oder den Verstand ausschalten sollte. Das ist eigentlich auch wieder ein Widerspruch zur Bibel, wo es heißt, Paulus sagt das mal irgendwie: Seid nicht Kinder am Verstand. Wir sollen auf jeden Fall unseren Verstand nicht ausschalten. Er ist da ja vollkommen gefordert sogar.
Und eigentlich so christliche Werte, wie zum Beispiel, dass man Gott auch richtig lieben soll, lieben mit seiner ganzen Seele, mit seinem ganzen Herz, mit seiner ganzen Kraft, das wird überhaupt nicht irgendwie gebraucht in dem Glauben. Das ist irgendwie alles ziemlich kalt und resignierend für mich, würde ich mal sagen, wenn ich jetzt in dem Glauben wäre. Das ist ziemlich ein kalter Glaube. Aber es ist auch so, dass wenn ich überzeugter Hindu wäre, dass es für mich nicht als kalt erscheinen würde, weil es eben so ist. Es ist die Wahrheit, und es ist eben so. So schade das ist.
Diese Zusammenfassung, das sind ja auch einige wichtige Punkte, die jetzt den Glauben davon unterscheiden. Und sicherlich, dass der Körper unterschiedlich definiert wird, es spielt nur eine Rolle. Wir müssen ja auch sehen, es gibt im Hinduismus nicht so etwas, wie wir als Sünde kennen. Es gibt also keine Sünde, wo gesagt wird, das ist jetzt das Falsche, sondern es ist einfach ein Nichtübereinstimmen mit dem Gesetz des Karma. Und deshalb gibt es auch keine Vergebung. Also es ist ja auch niemand da, der vergeben kann, letztendlich. Also es sind ja Götter da, die können sich für uns gut einsetzen, aber die sind ja auch noch nicht auf der letzten Stufe angelangt. Sondern es ist einfach so: Dieses Plus und Minus rechnet sich selbst miteinander auf, und irgendwann komme ich dann ans Ende, dahin wie ein Naturgesetz. Aber es ist keine Persönlichkeit, die vergeben könnte. Das ist ein großer Unterschied.
Das hängt auch damit zusammen, dass es im Hinduismus ja einen Monismus gibt, so nennt man das. Und so ein Monismus heißt von monos, von eins, letztendlich ist alles eins. Da ist ja die Frage: Wer will denn wem vergeben? Also wenn in mir ja Atman ist, ein Atman ist ein Teil von Brahman, Atman ist unendlich, ja, wem will ich denn das ergeben? Atman ist doch schon vollkommen, ist doch schon unendlich. Atman ist nur unter einem bestimmten Naturgesetz stehend, im Augenblick belastet durch mal schlechtes Karma. Aber an sich ist das ja schon vollkommen. Das muss jetzt nur noch durchgebracht werden, bis es sich wieder vereinen kann mit Brahman. Es ist alles eins.
Das ist im christlichen Glauben ja nicht so. Es gibt auch im christlichen Glauben etwas, was Gott widersteht, der Teufel zum Beispiel. Oder auch der Mensch, der als eigenständige Persönlichkeit geschaffen ist, der auch gegen Gott entscheiden kann. Das ist ja gerade das Problem des Sündenfalls. Also ist es nicht von vornherein schon alles eins mit Gott, so dass wir nur noch meditieren müssen, um das auch zu erkennen, sondern es ist schon durchaus Verschiedenartigkeit im christlichen Glauben vorhanden.
Es werden uns Dinge beschrieben, was wir da tun werden und so. Ja. Wobei mit der Frau können wir relativ einfach antworten, weil wir finden mit der Aussage Jesu, dort wird nicht geheiratet, noch so wird man verheiratet, es gibt nicht Mann und Frau, dass sie auch die Antwort ist. Was ist nun die Antwort der Pharisäer, glaube ich? Ist es nicht so, wenn jetzt einer da nun ein Mann stirbt und dann kommt sein Bruder, heiratet die Frau, und dann kommt sein Bruder, heiratet die Frau und so immer weiter: welcher Frau ist sie dann im Himmel? Dann sagt Jesus darauf: Nein, keine gibt es nicht mehr hier.
Ja, vielleicht sagen wir uns für eine traurige Sache nicht, aber wahrscheinlich mag es auch Ehepaare geben, die sagen: Na ja, endlich haben wir nicht mehr so viel miteinander zu tun. Ich hoffe ja nicht, dass das bei euch der Fall ist. Aber das ist eben auch sehr religiös. Ja, genau, richtig. Aber wo wohnen wir? Oder haben wir es so riesig? Genau. Aber hat man das Bewusstsein, dass man früher mal mit dem verheiratet war? Also, das wäre ja trage in meinen Augen kein Problem, denn das ist ein Ergebnis der Sünde. Also, wenn ich einmal im Paradies sein oder in der Herrlichkeit bei Gott sein werde, werde ich auch keine Skoliose mehr haben, eine Wirbelsäule verkrümmern, denn das ist ja auch ein Ergebnis der Sünde, nämlich des Vorkommenden, was Gott geschaffen hat, das ist perfektioniert. Oder du wirst keine Probleme mit den Knien haben, das ist auch ein Vorteil im Jenseits. Da werden wir diese Probleme nicht mehr haben. Es wird ja auch keine Krankheit mehr geben, es wird kein Geschrei mehr geben, wir werden einen Körper haben, der irgendwie erkennbar ist, der aber nicht dieselben Zeichen trägt, wie wir sie hier haben.
Da wäre ja auch dann die Frage: In welchem Zustand kommen wir dann am Himmel an? Also indem wir sterben oder indem wir geboren werden oder indem wir mit dreißig Jahren oder zwanzig Jahren sind, könnten wir uns vielleicht aussuchen. Oder der eine würde sagen: Dann möchte ich aber möglichst früh sterben, denn wenn ich jetzt da mit Arthritis und krummem Rücken und Glatze und so weiter so wie ich dann in den Himmel komme, das ist doch nicht so schön. Also wenn es dann um die Ewigkeit geht, lieber so mit zwanzig sterben, schön und jung und frisch und dann so im Himmel kommen. Ja, irgendwie sowas. Aber das wird nicht der Fall sein. Also all diese Veränderungen unseres Körpers, also auch all die Fehler, die mit der Zeit auftauchen, umso älter wir werden, die werden ja im Himmel nicht da sein.
Also das heißt, wir werden von Neuem einen verklärten, einen Herrlichkeitsleib bekommen, in dem wir irgendwie erkennbar sind. Ich meine, sehr faszinierend ist ja beispielsweise auch bei dem Berg der Verklärung: Da sind ja die alttestamentlichen Propheten, und die Jünger haben die sofort erkannt mit ihrem verklärten Leib. Obwohl die ja nicht einen irdischen Leib gehabt haben. Also das heißt, irgendwie waren die erkennbar als solche, waren aber nicht den irdischen Bedingungen eines menschlichen Leibes unterworfen. Und so müssen wir sagen, es werden nicht alle Details genannt, aber es ist irgendwie für uns erkennbar.
Ja, genau, also du weißt, ob die jetzt nur mit Ikea-Möbeln eingerichtet ist, oder ich weiß es, das weiß ich tatsächlich nicht, ja. Ich meine, wir lesen da vor den Straßen, dass da die Edelsteine rumliegen und Gold und so und alles da durchsichtig und glänzend und hell und ja. Also es stimmt, es werden uns nicht alle Details gesagt. Allerdings glaube ich, dass das Bild des Jenseits schon wesentlich anschaulicher ist für uns als das, was uns im Hinduismus geboten wird. Also es werden uns schon einige Aspekte genannt, beispielsweise dass wir überhaupt als Individuum existieren. Dass es einen Gott gibt, dass wir Gemeinschaft haben werden, auch etwas von der Umgebung wird uns behandelt, auch wird uns gesagt, was wir da tun werden, zum Beispiel Gott loben und all solchen Sachen. Das ist also schon in gewisser Weise konkret, nicht jedes Detail. Das liegt aber, glaube ich, auch eher daran, dass das mit menschlichen Mitteln schwer beschreibbar ist.
Stellt euch mal vor, ihr habt einen Eingeborenen aus dem Amazonas. Den nehmt ihr mal mit einem Missionsflugzeug nach Los Angeles, in die Großstadt. Dann zeigt ihr ihm da irgendwelche Fabriken und Autos und was weiß ich. Jetzt kommt er zurück in seinen Stamm. Und jetzt soll er den Leuten erklären, was er gesehen hat. Wie soll er das tun? Die Leute haben das nie gesehen, die kennen die Worte nicht. Der muss das irgendwie sagen: Na ja, da war ein Vogel, der war aus einem harten Material. Ich meine, der kennt ja kein Aluminium und sowas, und das Flugzeug kennt er ja auch nicht. Ich bin dann auf dem Vogel, habe ich gesessen oder in dem Vogel habe ich gesessen, und in dem bin ich dann in ein fernes Land geflogen, und dann bin ich da herausgestiegen, und da fuhren ja, wieso sind das Autos, wie kann man das umschreiben? Da fuhren große Gegenstände aus härter als Holz, schneller als ein Fuchs, fuhren über eine gerade Bahn. Und ihr merkt schon, allein wenn wir die ganz modernen Worte rauslassen, das wird alles ganz komisch, nicht?
Und so müssen wir uns sagen, wenn jetzt ein Johannes wirklich den Himmel gesehen hat, aber dass das auf der Erde gar nicht vergleichbar ist, das ist ja schwierig, das zu beschreiben. Und ich glaube, das ist eher das Problem, was wir in der Bibel finden. Das Problem in der Bibel ist, dass wir mit menschlichen Worten nur unzureichend beschreiben können, wie die himmlische Heiligkeit ist. Denn die Leute haben sie ja gesehen, Gott hat sie da sehen lassen, aber ihnen fehlen irgendwie die Worte dafür.
Ja, und wenn man jetzt die himmlische Herrlichkeit sehen würde, da sind ja viele Sachen auch, die jetzt nicht mit unserer technischen Welt begreifbar sind, dann kann man das nur unzureichend beschreiben. Ich meine, so typische Beispiele sind, was mir aufgefallen ist, auch habe ich gelesen, himmlisches Jerusalem, nicht? Was mir aber aufgefallen ist: Dann steht da ja, die Straßen sind aus reinem Gold, und das Gold ist so rein, dass es durchsichtig ist. Und da müssen wir sagen, das sind ja alles nur Vergleiche. Da sind hier die Tore wie Edelsteine und so. Natürlich, das ist kein irdisches Gold. Einerseits deshalb schon, weil auch 99 reines Gold nie durchsichtig wird. Gold ist nie durchsichtig, egal wie rein es ist. Das heißt, es wird irgendwie verglichen damit: Das ist so wie Gold, es ist so wertvoll und so rein und so super und irgendwie, aber es ist nicht unser irdisches Material, es ist irgendwas Himmlisches.
Und da merken wir, es wird nur versucht, mit menschlichen Worten zu beschreiben, wie das im Himmel ist. Und es ist auch zutreffend, soweit man es mit menschlichen Worten zutreffend ausdrücken kann. Ich meine, wenn er jetzt sagen würde, die Straßen sind aus Hipszupsack. Oder so. Was würde uns das sagen? Das ist irgendein himmlisches Material, das es auf der Erde nicht gibt. Aber was würde uns das sagen? Es ist hier viel weniger anschaulich, als wenn da sagt: Na ja, das ist Gold, aber ganz besonders reines Gold. Irgendwie können wir uns vorstellen, irgendwelche Ähnlichkeiten hat das. Aber Hipszupsack sagt euch gar nichts. Uns auch nicht, das habe ich gerade erfunden. Das gibt es auch gar nicht, aber so könnte man das ja sonst nur beschreiben: ein Material, das es auf der Erde nicht gibt. Wäre mal eine Idee, vielleicht habe ich da ja Talent dazu, so ein paar Sachen mit Fantasie.
Da war ein Begriff: „sämtlicher Fahrgäste“, ein Mann, der das mal in Zofan entwickelt hat, der diesen Begriff kreiert hat. Okay, bitte.
Als Beispiel: Mein Vater sagte, als er die Offenbarung gelesen hat, war es unvorstellbar, vor fünfzig Jahren, sechzig Jahren, dass, wie es da steht, die ganze Welt wird sehen, was da in Jerusalem passiert. Wie soll die ganze Welt etwas sehen, was an einem Ort passiert? Und zwanzig Jahre später, wo der Fernseher so kam, sagt er: Jetzt kann ich mir das vorstellen, jetzt kann ich das verstehen, dass das auch sein könnte. Früher war das völlig unvorstellbar. Aber es ist möglich, und schon heute denke ich mal, einige Dinge, von denen die Bibel berichtet, was da passieren könnte oder sagt, was da passieren wird, dass das schon mit heutigen Mitteln möglich sein könnte. Und bei Gott, der viel größer ist als das, was wir machen.
Ja, vollkommen richtig. Bibelkritiker der letzten Jahrhunderte haben sich immer genau auf diese Stellen gestürzt. Gerade dieses: Alle Menschen werden es sehen, gesagt, das ist doch blöd, das kann doch gar nicht sein, Fokus unmöglich, die Wissenschaft zeigt uns doch, das geht gar nicht. Wir können Versuche machen, da hat man beispielsweise gesagt, da gibt es dieses Bild des Tieres und so weiter, Bild Propheten, das wird angebetet von allen Menschen. Da sagt man: Wir können doch Versuche machen, jetzt stellt euch mal hier, jetzt schreit ganz laut, mal sehen, wie viele Menschen das hören. Ja, dann können wir sagen, na ja, irgendwann, selbst der lauteste Mensch hat mal Verschluss. Ja, und jetzt soll das die ganze Welt, Millionen von Menschen, wie soll das möglich sein? Entweder die Ersten fallen tot um, weil das so lautes Geschrei ist, und die Letzten hören nichts mehr, geht doch gar nicht.
Und das sehen wir durch moderne technische Entwicklung, wir sehen, das ist möglich. Aber wenn man, aber ein Johannes, der sich die Stimmung vor, der würde jetzt in unsere Zeit hinein sehen, der würde das genauso beschreiben wie die Offenbarung, aber eben natürlich mit den Worten seiner Zeit, vollkommen klar. Und das ist für die Leute nicht verständlich, und manche Dinge, die uns heute unverständlich sind, werden sich genauso klären. Aber wir müssen einfach sehen, dass immer unsere Weisheit, unser Wissen ist begrenzt, beschränkt auf das Wissen unserer Zeit. Und mit dem können wir nur schrittweise versuchen, das zu beschreiben. Deshalb sagt ja auch Paulus zum Beispiel: Jetzt sehe ich wie in einem Spiegel, also erkenne nur undeutlich, so nicht ganz genau, wie ist das eigentlich Sein. Aber natürlich, wenn ich bei Gott bin, dann ist alles klar.
Ja, und er schreibt dann, glaube ich, auch, er wurde unter Entrückung in den siebten Himmel, und dann schreibt er irgendwie hier, das sind unbeschreibbare Worte, hörte er oder so. Ja, stellt euch mal vor, da würde jetzt irgendein Computertechniker hören, der da von Bits und Bytes und was weiß ich redet, dann würde auch sagen, das sind unverständliche Worte, hat er gehört. Und wenn das jetzt nun himmlische Worte sind, noch viel radikaler.
Ja, gut, aber jetzt hoffe ich, dass wir keine unverständlichen Worte von euch hören werden. Wir werden uns noch den allerletzten Abschnitt vorstellen und das Ganze ergänzen, dann schließen wir hier mal den Hinduismus ab. Bitte, kommt nach vorne, berichtet jetzt!

Dritte Textgruppe: Tod, Geist und die innere Gotteserkenntnis

Also, weil wir zu dritt waren, hat man beschlossen, dass nur einer nach vorne gehen sollte. Die anderen haben das so entschieden, und ich war damit einverstanden.
Wir hatten wahrscheinlich etwas weniger Zeit, oder wir hatten einen längeren Text als die anderen. Deshalb habe ich nicht so viel aufgeschrieben. Ich versuche aber trotzdem, das weiterzugeben, was wir hier herausgefunden haben.
Es geht um eine Geschichte. Es geht um die Seite, hier steht keine Seitenangabe, also um die eingeklammerte Nummer acht: Nazi Ketas und der Todesgott. Das ist der letzte Text. Es geht um die Geschichte, dass dieser Nazi Ketas zum Todesgott kommt. Dann geht es weiter auf Seite 42 und 43 und noch auf Seite 44. Der Text ist also schon ziemlich lang.
Es geht hauptsächlich um diese Unterhaltung, wobei das, was in Klammern steht, die Vorgeschichte ist. Im Mittelpunkt steht vor allem das Gespräch zwischen Nazi Ketas und diesem Todesgott. Es geht in erster Linie um die Frage, die Nazi Ketas hat: Was ist mit dem Toten? Wie steht es um den Toten? Das ist die Frage von Nazi Ketas an diesen Todesgott.
Ja, und dann ist es ein Gedicht. Ich finde, nachdem ich das gelesen habe, war ich wirklich erstaunt über die Poesie, die dahintersteckt. Ich finde die Sprüche oder die Verse sehr schön, zumindest die Reime und so. Die finde ich sehr schön. Und ja, es geht um die Frage: Was ist mit den Toten? Das ist so der Inhalt und die Antwort, die dieser Todesgott ihm gibt.
Dann war der Punkt zwei: Was ist die Kernaussage? Die Kernaussagen sind, meine ich, sogar mehrere. Da kann man nicht nur eine nennen, sondern mehrere.
Zuerst in Vers 2: Die Antwort ist zunächst, dass dieser Todesgott sagt: Auch bei den Göttern ist darüber Zweifel, groß ist die Frage, schwer ist sie zu fassen. Sprich einen anderen Wunsch aus, Nazi Ketas, doch diese Frage sollst du mir erlassen. Also er ist sich selbst nicht sicher und gibt gar keine Antwort auf diese Frage.
Dann ist eine andere Kernaussage in den Versen 16 und 17: Der Geist wird nicht geboren, und er stirbt nicht. Er stammt von keinem, und zu keinem stirbt er. Er ist unwandelbar und unvergänglich, und tötet man den Körper, dennoch lebt er. Als Kleinstes und doch größer als das Größte ist Gott im Herzen der Kreatur verborgen. Die Herrlichkeit des Selbst erkennt in Ruhe, wer wunschlos sich befreit von Schmerz und Sorgen.
Nein, also so, wie ich das verstehe, ist dieser Gott in jedem. Er ist im Herzen der Kreatur verborgen, und Gott ist alles in einem. Also können wir sehen, die Begriffe sind zum Teil austauschbar. Insofern könnten wir sagen, das, was auch ein Gott beschrieb, ist dann vielleicht wirklich das Anna. Ja, warum, ja.
Gut, und dann die Verse 20 und 21: Er ist der Wunscherfüller, Geist der Geister, der ewig Eine, dem die vielen dienen. Den Weisen, die ihn in sich selbst erkennen, erblüht der ewige Frieden, und nur ihnen. So sprach der Todesgott, und Nazi Ketas wandte, durch ihn belehrt, den Blick nach innen. Da ward er wissend, rein und frei vom Sterben, wie jeder, der Gott in sich selbst erkannte.
Das sind so die Kernaussagen dieses ganzen Textes. Also das fand ich, oder fanden wir, so heraus. Wenn man liest, sind überall solche Kernaussagen drin, aber das sind meiner Meinung nach die wesentlichen.
Ja, das wollte ich gerade sagen. Die Gegenüberstellung: Es sind hier einige Dinge, die man als Christ bestimmt so bejahen kann, zum Beispiel Vers 8: Der Reichtum kann den Menschen nicht beglücken, nichts Irdisches verlangt, wer dich gesehen. Ich möchte leben, tot, bis du mich abrufst. Ja, und dann sagt er: Nur eins gewähre mir, und die Unsterblichkeit will er haben. Also, dass der Reichtum den Menschen nicht beglücken kann, dass das nicht die Erfüllung des Lebens ist, da können wir als Christen mit einverstanden sein.
Aber wir Christen wissen um das Leben nach dem Tod, und das ist das, was hier überhaupt nicht vorhanden ist. Zuerst weicht dieser Todesgott seiner Frage aus und beantwortet sie nicht, sondern geht dann über in die Erklärung: Was ist der Geist? Bis auf diesen Satz, also: Der Geist wird nicht geboren und er stirbt nicht, sondern es ist eben das Ewige und der Kreislauf usw. Wir wissen um das Leben nach dem Tod, zwar nicht so exakt, wie wir gerade festgestellt haben, wie es da abläuft, aber wir wissen darum, um das Leben nach dem Tod. Und in dieser Betrachtung wird diese Frage überhaupt nicht beantwortet.
Dann wissen wir um einen Gott, auch der außerhalb von uns ist, der sich uns offenbart hat. Und hier ist in der ganzen Betrachtung eben immer wieder davon die Rede, dass dieser Gott in uns ist und dass es keinen Gott gibt außerhalb unserer Existenz, sondern dass es nur eben Gott in uns, der Geist in uns ist. Die Tatsache, dass wir von Gott belehrt werden, durch die Bibel ein persönliches Verhältnis zu Gott haben, das ist ja hier dadurch, dass er von dannen geht, den Blick nach innen gewandt. Um Gott zu erkennen, muss er nach innen blicken, in sich hineinblicken, den Gott in sich zu erkennen. Das ist ja das, was grundsätzlich im Widerspruch zu unserem Glauben ist, wo wir an einen persönlichen Gott glauben, der außerhalb ist, der nicht direkt in uns ist oder so.
Ich glaube, Sie haben gerade das Leben in die Ungemeinschaft, dann ist es sehr gerade ausgeliefert, diese individuellen Vorstellungen. Da hat jede andere Gottesvorstellung versucht, das brauchen wir ja nur, versuchen zu testen. Es könnte jeder versuchen, in sich hineinzuhören, irgendwie zu meditieren, da würden vollkommen andere Vorstellungen herauskommen. Das ist ja nicht automatisch dasselbe.
Wir könnten jetzt auch sagen: Ja, wie ist es möglich, dass in einem sündigen und ja auch nach jübuisischen Vorstellungen fehlerhaften, vom Karma belasteten Menschen ein Gott wohnt? Wird er nicht damit vermischt? Wird er nicht nach unserer Vorstellung auch unmoralisch? Wird er nicht beschmutzt davon? Eigentlich müssten wir sagen: Ja, aber da merken wir, im Hinduismus gibt es diese Moral eigentlich nicht so sehr. Das ist böse, das ist gut, sondern es ist vielmehr: Das belastet das Karma, das hebt es wieder auf. Aber es ist nicht so, dass Gott von vornherein alles Böse ausschließt. Ich habe ja auch von Krishna erzählt, der unmoralische Dinge tut. Das ist einfach so, als Gott kann man das auch tun. Das ist ja noch nicht vollkommen.
Dann merken wir auch, dass es einen Unterschied hat. Wir werden an dieser Stelle den Hinduismus einmal abschließen. Kannst du vielleicht noch etwas ergänzend sagen zu Hindu-Tempel, Gemeinde und eventuell etwas Entsprechendes zu theologischen Fakultäten?
Ja, okay, ich sage kurz etwas dazu. Tempel gibt es. Es gibt allerdings keine feste Tempelgemeinde. Wir könnten jetzt sagen: Bei den Christen gibt es eine Gemeinde, die gehört zu dieser Kirche. Das gibt es nicht. Diese Tempel sind frei zugänglich für jeden Hindu, und ich suche mir den Tempel nicht unbedingt da aus, wo ich wohne, sondern ich suche mir den aus, zu dem Gott, den ich ausgewählt habe, den ich verehre.
Nicht jeder Hindu besucht auch die Tempel, denn den Tempel zu besuchen ist insbesondere für den Weg des Bhakti wichtig, da, wo ich einen Gott besonders verehre, und für den Weg des Karma Marga wichtig. Einer, der Yoga betreibt, muss nicht unbedingt in den Tempel, das geht auch so, das kann ich zu Hause machen. Jnana Marga ist auch möglich ohne den Tempel. Also nur für bestimmte Hindus ist der Tempel besonders wichtig.
Neben dem Tempel gibt es besondere heilige Feste und heilige Orte. Ein heiliger Ort ist zum Beispiel der Ganges. Nach Möglichkeit sollte man in der Zeit regelmäßige Pilgerfahrten an den Ganges unternehmen, denn das Wasser des Ganges ist rein, auch wenn da die ganzen Industrieabwässer drin sind, wenn da die Fäkalien eingeleitet sind, wenn das da stinkt. Ich habe eine Dokumentation gesehen, da schwamm dann eine tote Kuh drin. Und die Leute gehen da rein und nehmen das Wasser, und das ist rein. Sie trinken das direkt, verseucht, schmutzig, aber das ist heiliges Wasser, das ist das Wasser der Götter. Es kommt also nicht darauf an, ob das chemisch rein ist, das ist spirituell rein und erleuchtet sich.
Ihr müsst auch wissen, in den Ganges werden jedes Jahr Hunderttausende von Toten reingeworfen. Die verwesen natürlich auch darin, aber das ist reines Wasser, da gehst du rein. Also wir würden wahrscheinlich sofort erst einmal einen Ekelanfall bekommen und zweitens sofort krank werden. Wir müssten ins Krankenhaus eingeliefert werden wegen aller möglichen Infektionen. Aber das ist reines Wasser, das nimmt man mit nach Hause, dieses reine Wasser.
Und da geht man zum Beispiel nach Benares. Benares ist einer dieser bekannten Orte, und an Benares rechts und links am Ufer, da sind ständig Feuer. Da werden dann die Leichen verbrannt. Wenn man stirbt und das Geld hat, bringt man ihn da hin, bezahlt die Priester, die verbrennen das und schütten die Asche oder den Leichnam direkt in das Wasser hinein. Dann bringt man auch Opfer und betet zu den Göttern. Es herrscht häufig eine gespenstische Atmosphäre, weil uns das Singen, das Murmeln der Heiligen, Sprüche aus Sanskrit in der Nacht, die Feuerlieder, die flackernden Leichenhaufen, die Toten, die im Wasser treiben, und die Leute, die da hinkommen, begegnen.
Viele dieser Leute, die da hinkommen, geraten regelrecht in Ekstase. Wir würden sagen: charismatische Ekstase. Sie geraten außer sich, geben Prophezeiungen von sich, weil sie sagen, sie werden von dem Gott Ganga, zum Beispiel dem Gott des Flusses Ganges, oder von Gott Indra, oder gar nicht, erfüllt, und der spricht durch sie. Das sind besonders geachtete Personen, die in Ekstase geraten und dann außer sich, ohne Bewusstsein, durch diese Götter sprechen.
Also es gibt heilige Orte, und es gibt dann Feste, beispielsweise bestimmte Feste, da werden dann riesige Figuren der Götter durch die Straße getragen, mit Blumen beladen dazu, und dann feiert man die, geht zum Fluss und feiert das. Oder bestimmte Orte, an denen sich dann die Saddhus treffen, und dann sind die anderen Schaulustigen da, die kommen alle dazu. Dann sind da die Leute, die ihre Fleischehaken hier durch die Brust haben oder die sich selbst ein Schwert durch die Brust stecken. Die sind dann verehrt, weil sie ihren Körper schon so weit im Griff haben, dass sie ihn schon so weit abgeschrieben haben, dass sie der Erleuchtung schon ein ganzes Stück näher sind. Solche Feierlichkeiten gibt es dann auch.
Tempel gibt es relativ viele. Neben den großen Tempeln gibt es kleine Schreine an den Straßenecken, vor denen ich meine Räucherkerzen aufstellen kann, Opfer bringen kann. Und jeder Hindu hat normalerweise zu Hause diese Hauspuja, einen Haustempel, einen Hausaltar, vor dem er betet, jeden Morgen, auch genau festgelegt, was er da betet und seine Opfer bringt. Also das ist so die praktizierte Religiosität.
Da gibt es natürlich eine ganze Menge Riten: Wie wird man geheiratet? Wie geht man mit den Toten um? Wie wird ein Kind geboren? Auch diese Dinge prägen sehr stark den Alltag eines Hindus. Also es ist nicht nur diese allgemeinreligiöse Vorstellung, sondern sehr konkret die Planung des Alltags. Das ist allein schon das Problem: Wie gehe ich jetzt mit den Leuten in anderen Kasten um?
Bis heute ist es insbesondere auf dem Land, zum Teil sogar in der Stadt, so, dass einer der höheren Kasten keinen sozialen Kontakt zu einem aus den niedrigen Kasten pflegt. In der früheren Zeit, noch vor zwanzig Jahren, war das auch in den Städten üblich. Da kommt ein Brahmane entlang, dann muss der in der niederen Kaste von einer Straße springen, also vom Berührerstein springen. Der darf den ja nicht berühren. Sobald er ihn berührt, wird er dadurch unrein.
Das sind eben sozusagen die, die in keiner Kaste sind, die fallen unten aus allen Kasten raus. Das sind die sogenannten Kandalas nennt man sie oder die Unberührbaren auch. Das ist die aller niedrigste Kaste, könnten wir sagen, also die keiner konkreten Bezüge waren. Die waren früher dafür zuständig. Es wird auch genau geregelt, was sie machen dürfen. Die dürfen zum Beispiel bloß aus zerbrochenem Geschirr essen, sie dürfen bloß Dreckarbeiten machen, das heißt Straßen kehren, Mülleimer leeren, solche Sachen. Also auch die Berufe sind festgeschrieben.
Allerdings, es gibt jetzt vier große Kasten und die Kastenlosen, die Unberührbaren. Und dann ist jeder dieser Kasten noch aufgeteilt in Unterkasten, also es gibt einige hundert verschiedene Kasten, und man heiratet normalerweise auch nur innerhalb einer Kaste. Das Staatsgesetz schreibt in Indien sogar genau vor, wie viele Staatspositionen in welcher Ebene von wie vielen Kastenmitgliedern besetzt werden dürfen. Also es muss ganz genau festgelegt werden, weil sonst gibt es Streit: so viel Prozent Brahmanen, so viel Prozent von der Kriegerkaste, so viel Prozent von der Händlerkaste. So müssen die da drin vertreten sein, sonst gibt es Streit. Das geht nicht.
Aber bis heute ist es so, man heiratet auch kaum über die Kastengrenzen weg. Das fand ich mir nicht vorstellbar. Man wohnt auch getrennt, die einen wohnen in diesem Stadtteil, die anderen wohnen in dem Stadtteil, man hat wenig mit dem zu tun. Und wie gesagt, hat das nichts mit Geld zu tun. Du kannst als A aus einem niedrigen Kasten Multibillionär sein, das kratzt den Brahmanen gar nicht. Du bist trotzdem auf einer viel niedrigeren Ebene. Der würde nie seine Frau, die er geheiratet hat, seine Tochter deinem Sohn geben, selbst wenn du zwanzigmal so reich bist wie er oder hundertmal so reich. Das spielt keine Rolle, weil Geld nicht das Entscheidende ist. Der verunreinigt sich, wenn er mit dir zu tun hat, egal wie viel Geld. Und Geld macht nicht sauber.
Wir sagen uns: Geld stinkt nicht, ist alles in Ordnung, Geld macht auch die Leute in Ordnung. Aber das ist im Hinduismus nicht so. Geld ist zwar gut, wenn du es hast, aber dadurch kannst du nicht aufsteigen in der Kaste. Du kannst dir keinen höheren Rang kaufen. In England, wenn du genug Geld hast, kannst du alles viel kaufen. Das ist in Indien nicht möglich. Du kannst nicht Geld bezahlen wie das Banane, das geht nicht. Da musst du schon warten bis zu deinem nächsten Leben, dann kannst du das Geld nicht mitnehmen.
Ach ja, genau. Also Priester ist eine spezielle Kaste. Es gibt eine Ausbildung dafür, es gibt zwischenzeitlich auch Ausbildungsgänge an der Universität dafür. Allerdings wurden die Priester normalerweise nicht an der Universität ausgebildet, sondern in so einem Schüler-Lehrer-Verhältnis am Tempel selbst.
Du gehst zum Tempel, hast einen Guru, eben einen Priester. Du musst natürlich auch zu der entsprechenden Kaste gehören. Zu einer niedrigen Kaste kannst du sowieso keine Priesterausbildung machen, du musst schon Brahmane sein. Dann wirst du als Kind schon erzogen, bestimmte Texte zu lesen, zu verstehen, und dann kannst du dich dafür entscheiden, jetzt auch vollzeitig Priester zu werden. Dann musst du eine spezielle Ausbildung durchlaufen durch einen Guru, der dir das lehrt, was er auch kennt. Du lernst das an den Schriften, heiligen Schriften der Hindus. Du liest natürlich nicht alle, du liest ausgewählte, diejenigen, die dein Guru dir auch empfiehlt. Dann machst du Meditationsübungen. Du musst ja auch selbst da vorbeikommen. Das ist ja nicht nur eine intellektuelle Sache, sondern auch eine, dass deine Persönlichkeit sich da verändert und du Vorbild für andere werden kannst.
Und es gibt jetzt keine Abschlussprüfung, wo man sagen kann, also bei den Gurus gibt es keine Abschlussprüfung. Es gibt auch bei den Tempeln keine Abschlussprüfung. Es gibt auch so etwas wie Indologie, also Wissenschaft eben über Indien, auch mit der Religion, der Auseinandersetzung, das gibt es auch an deutschen Universitäten. Das kannst du studieren. Das ist dann aber ein rein akademischer Studiengang, da wird das auch nicht alles für real genommen, die glauben nicht unbedingt daran.
Da lernst du auch, dass viele Sachen nicht historisch sind, wie sie abhängig sind, wie sie entstanden sind. Aber das lernt natürlich kein Priester in Indien, also diesen kritischen Umgang mit der eigenen Religion, das lernt man da nicht. Das kann man an europäischen Universitäten lernen, zum Teil auch in Indien, aber das ist streng voneinander getrennt. Universitätsstudium berechtigt nicht, Priester zu werden. Priester zu werden ist eine rein heilige Sache, das andere eine intellektuelle.
Gut, dann werden wir das jetzt so machen. Wir werden einen Schnitt machen und werden uns noch ein bisschen mit dem Buddhismus beschäftigen. Ich habe zwei Filmausschnitte, die ich ja schon seit gestern hier vorbereitet habe, um sie euch zu zeigen. Jetzt werde ich das auch tun, und schaut euch die an. Wir werden nachher darüber austauschen, was uns darin berichtet wird. Und dann werde ich euch kurz etwas von der Geschichte des Buddhismus erzählen, die wesentlichen Grundlagen, was es relativ einfach macht. Und dann will sie das operieren, damit sind wir in der Sicherheit. Bis zum Abend ist fertig und wird aus der Geschenkstatt.
In ihm befindet sich auf einem hohen Sockel thronend eine acht Meter große Goldstatue eines sitzenden Buddhas. Sie ist eine beeindruckende Buddha-Darstellung. Als heiliges Symbol gebührt der Figur ein erhöhter Platz. Trotz seiner imposanten Erscheinung wirkt er nicht einschüchternd, sondern hat durch sein mildes Lächeln eher ein gütiges Aussehen.
Mit der Buddha die Erde zum Zeugen anruft. Dieser goldene Buddha wurde nach Bangkok gebracht, als Rama I. den Thron bestieg. Die Figur wurde vor etwa sechshundert Jahren in Sukhothai, einem Ort im Nordosten Thailands, erschaffen. Der prächtige Marmorbau von Wat Benchamabopit, Tempel des fünften Königs, ist im Jahr 1900 entstanden. Er unterscheidet sich von allen anderen Tempeln durch seine europäischen Stilelemente, wie die Verkleidung und Pflasterung aus Carrara-Marmor.
Im Tempel säumen 53 lebensgroße Buddha-Statuen den Korridor und stellen eine hervorragende Auswahl der verschiedenen thailändischen Stilrichtungen dar. Zu ihnen befindet sich ein Buddha-Bildnis ganz besonderer Art, dessen Gestaltungsform aus Sukhothai stammt. Die Figur ist aus Bronze gearbeitet und fällt durch ihre weich fließenden Linien auf, die charakteristisch für die Kunst Sukhothais sind. Sie wurde in Form gesetzt, so, als wollte sie sich augenblicklich in Bewegung setzen. Die Statue ist als der „schreitende Buddha“ bekannt.
Was für ein kulturelles Umfeld hat in Sukhothai vor sechshundert Jahren eine solch ungewöhnliche Buddha-Darstellung hervorgebracht? Sukhothai bedeutet in der Sprache des Pali „Dämmerung des Glücks“. Historische Aufzeichnungen weisen darauf hin, dass das Land von Sukhothai in seiner Blütezeit außerordentlich reich war. Es muss ein irdisches Paradies gewesen sein, in dem man Armut nicht kannte.
Fünfhundert Kilometer nördlich von Bangkok entstand hier an diesem Ort vor siebenhundert Jahren das erste selbständige Thai-Königreich nach einer erfolgreichen Revolte gegen die damals herrschenden Khmer. Im zwei Quadratkilometer großen Areal befinden sich über dreißig Ruinen ehemaliger Tempelbauten. Im Mittelpunkt steht Wat Mahathat, der königliche Tempel der Sukhothai-Dynastie aus dem dreizehnten Jahrhundert. Nach dessen Vorbild wurde später der Wat Phra Keow in Bangkok gebaut.
Der liegende Buddha in der Mitte des Tempelkomplexes trägt stets eine frische safrangelbe Robe, das typische Kleidungsstück der Mönche. Buddha hatte ja nicht nur eine neue Lehre, sondern auch die Ordensgemeinschaft buddhistischer Mönche begründet. Die verwitterte Statue erinnert uns heute daran. Es war der dritte König Rama Khamhaeng, bezeichnet als Vater der Nation, der Ende des dreizehnten Jahrhunderts dieses imposante Heiligtum bauen ließ und somit das goldene Zeitalter von Sukhothai einleitete. Er begann damit, Kulturelemente aus anderen Regionen zu übernehmen. Mithin entstammte die thailändische Form des Theravada-Buddhismus den Einflüssen aus Sri Lanka.
Diese thailändische Inschrift, vom König selbst verfasst, teilt uns mit, wie reich Sukhothai war, dass er als König vom Volk keine Steuern verlangte und seine Untertanen freien Handel treiben durften. Sie waren fromm und Anhänger des Buddha. Der Buddhismus schuf Eintracht unter den Menschen und trug somit zum Wohlstand des unabhängigen Königreichs von Thailand bei. Das Volk war aufgeschlossen, stets bereit, neues buddhistisches Ideengut aufzugreifen. Die buddhistische Gedankenwelt führte auch zu Experimenten in der buddhistischen Kunst, welche die Tradition zusätzlich bereicherte.
Dieses Buddha-Bildnis ist zunächst nur durch einen Schlitz in der Mauer zu erkennen. Eine 14 Meter hohe Steinmauer umgibt diese prachtvolle Buddhafigur. Der Platz scheint kaum auszureichen für die imposante 14 Meter hohe Buddha-Statue. Allein die mächtige Hand ist ein Meisterwerk der Bildhauerkunst der Sukhothai-Periode des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts.
Die Finger des Buddha sind vergoldet. Gold, das von den Opfergaben seiner Anhänger stammt. Die besonderen Merkmale der buddhistischen Bildhauerkunst von Sukhothai sind an den fließenden, weichen Linien der Figur gut erkennbar. Die Linienführung ist auch an anderen buddhistischen Statuen zu sehen, von denen man annimmt, dass sie aus dieser Gegend stammen.
Hinter der Mauer befindet sich eine verborgene Kammer. Der Pfad ist schmal und dunkel und erlaubt somit nur einer Person, hindurchzugehen. Kann der Besucher wiederum nur das Antlitz des Buddha sehen.
So, wir enden hier jetzt mal kurz im Verbrechen. Ich habe ja noch einen anderen Ausschnitt. Ich glaube, das genügt, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Was ist euch aufgefallen an diesem Filmausschnitt über den Buddhismus?
Ja, viel Wert auf die Kunst, ganz genau. Und jetzt die Frage wäre: Was wird denn in der Kunst dargestellt? Genau, also was hat als Person nur Buddha, im Gegensatz zum Hinduismus, wo ja viele verschiedene Gottheiten haben. Und bei diesem Buddha fällt euch auch noch mehr auf, bei den Statuen, die ihr gesehen habt?
Frisch, also es ist groß, gewaltig, eindrucksvoll, meistens sitzend. Sie sagen ja, eine große Ausnahme ist dieser stehende, schreitende Buddha. Und dieser Buddha soll dadurch eine gewisse Gelassenheit, eine Ruhe ausdrücken. Und er ist eben meistens in einer Art Meditationssitz. Das heißt, derjenige, der die Buddhaschaft erlangen will, der erlangt sie in erster Linie als Mönch durch die Meditation, denn der Buddha ist ja Vorbild. Der Buddha ist jetzt nicht so sehr Erlöser, sondern er ist Vorbild für die Buddhisten. Das ist ein weiterer Punkt.
Also Buddha hauptsächlich dargestellt, andere Götter fallen weg, er gewinnt eine Art Göttlichkeit auch. Wie gehen die Leute damit um, mit diesen Statuen?
Das hat anfangs eine Beziehung zu Königheit, also hat er es eigentlich in den Kopf genommen, dass es eine spezielle Verbindung gab unter König.
Ja, durchaus. Also bestimmte Buddha-Statuen galten auch als heilig als Schutz für ein bestimmtes Königreich, so wie hier ein Königreich von Thailand. Darüber hinaus auch die einzelnen Personen haben einen Bezug zu Buddha. Inwiefern? Erst am Ende wurde zum Beispiel etwas gezeigt.
Genau, die Menschen verehren Buddha, sie bringen Opfer für Buddha, und das wurde hier benutzt, dass eben Blattgold da auf die Hände von Buddha draufgelegt wird. Sie sehen ja, die Leute fassen eben die Buddha-Hand an, sie bitten Buddha um Hilfe in ihrem Alltag und solche Sachen. Es gibt Pilgerfahrten zu diesen verschiedenen Klöstern dahin, also es gibt eine persönliche Beziehung. Buddha wird als eine Art Hilfsspender angesehen, und er bekommt auch Opfer gespendet. Das ist zumindest die Praxis heute, das ist nicht die Lehre Buddhas ursprünglich, aber das ist die Praxis, die heute stattfindet.
Ja, ihr seht ja auch, Buddha wird zum Beispiel als Mönch verehrt. Also bei Krishna, der ist umhergesprungen als Hirte, der hat sich vergnügt und so. Buddha ist der Mönch, sogar in den Darstellungen mit langem Gewand herum, mit einem Mönchsgewand. Das ist wir sehen auch, der ursprüngliche Buddhismus ist eine reine Mönchsreligion. Das ist der Hinduismus nicht. Wir sehen im Hinduismus, du hast Kinder, du vergnügst dich, du arbeitest und so, und bestimmte Phasen, da meditierst du halt. Aber Buddhismus ist eigentlich in seinem Ursprung eine reine Mönchsreligion.
Was wir auch sehen: Der Buddhismus war immer wieder Staatsreligion gewesen, und als Staatsreligion wurde der Buddhismus auch mit Gewalt verbreitet. Das müssen wir insbesondere im Kopf haben, wenn uns irgendwelche Menschen weiß machen wollen, der Buddhismus sei eine von vornherein vollkommen friedliche Religion. Das ist er nicht. Buddha selbst hat zwar keine Kriege geführt, aber seine Anhänger und Gläubigen haben das sehr wohl getan, um den Buddhismus zu verbreiten. In welchen Ländern war das so? Beispielsweise in Thailand. Wir werden das gleich auch noch sehen, über ein Beispiel Japan, da war das genauso.
Also wir können sagen, in den meisten buddhistischen Ländern gab es auch Kriege. Das, was meistens angeführt wird, ist der Kaiser Ashoka. Den findet ihr auch in den Unterlagen immer wieder. Der hatte ein riesiges Reich in Indien erobert, ist dann Buddhist geworden und hat durch die Einsicht des Buddha gemerkt: Jetzt führe ich keine Eroberungskriege mehr. Er hat dann große Stehlen an den Grenzen seines Reiches aufgestellt und gesagt: Jetzt halte ich Frieden. Das konnte er machen, weil er sein Reich vorher durch Gewalt erobert hat. Aber schon seine Nachfolger, wo das Reich zerbröckelte, haben da wieder zu Gewalt gegriffen.
Also ist dieses Beispiel nicht typisch für den Umgang der Herrscher mit dem Buddhismus, der die Religion wurde, wenn wir das mal im buddhistischen Sinne sagen, immer wieder manipuliert für Herrscherzwecke, also auch für Machteroberung. Und das sehen wir, das war jetzt auch nicht nur der Fall von Herrschern, also Königen, die nicht Mönche waren. Wir werden das sehen, in Japan insbesondere waren die Machtträger der staatlichen Gewalt über Jahrhunderte hinweg die verschiedenen Klöster. Die Klöster hatten eigene Armeen gehabt, mit denen sie das Land erobert und regiert haben, vor denen sich selbst der König gefürchtet hat und eben auf die Rücksicht nehmen musste.
Und das müssen wir wissen, wenn uns die Leute weiß machen wollen, wie der Dalai Lama, das sei nun alles nur Friede gewesen und der Buddhismus sei die Religion des Friedens. Das ist falsch. Also diese Forderung, wie wir sie bei Jesus haben, Feinde zu lieben oder dem, der dir Böses tut, Gutes zu tun, das sind ja nicht einmal die Forderungen, die Buddha aufstellt, geschweige denn, dass das hinterher auch von seinen Anhängern so ausgeführt worden wäre. Also wenn wir die Praxis anschauen, weicht sie ab, und wenn wir den Anspruch des Gründers anschauen, Jesus gegen Buddha, sehen wir, dass da Buddha auch zurückbleibt hinter dem, was Jesus eigentlich fordert.
Ja, sonst sehen wir eben zahlreiche Tempelbauten, prächtige Gebäude, viel Symbolik in den Gebäuden auch. Ihr habt manche dieser Gebäude gesehen, die sehen so aus wie Glocken. Ist euch das aufgefallen, so wie Glocken, oben spitz zulaufend, unten breit? Die nennt man Stupas, und Stupas sollen an Grabhügel erinnern. Das sind welche, in denen hatte man ursprünglich einmal Reste des Buddha begraben, so eine Art Reliquienkult. Man hatte Überreste vom Buddha benutzt, hat die in solchen Stupas begraben, und das waren dann die ersten heiligen Gebäude.
Später, als man nicht mehr so viele Überbleibsel Buddhas hatte, hat man die dann nachgebaut, ohne die Überbleibsel Buddhas, und hat dann zum Teil den Buddha da reingesetzt, da draufgesetzt oder in die Nähe gesetzt. Aber das sind typisch buddhistische Gebäude.
Es wurde dann auch noch erwähnt, dass es verschiedene Formen des Buddhismus gibt. Auf die werde ich im Einzelnen auch noch kurz in der Folge eingehen. Jetzt will ich erst einmal euch noch einen Ausschnitt zeigen aus einer ganz anderen Form, wie der Buddhismus praktiziert wird. Hier ist er ja sehr stark mit dem Herrscher, mit dem König verbunden, mit der Nation verbunden und auch mit der einfachen Bevölkerung verbunden.
Jetzt werden wir sehen, in Japan ist das ein bisschen anders ausgeprägt, der Buddhismus. Hier haben wir auch gesehen, es ist sehr stark mit Opfergaben verbunden, beispielsweise Pilgerreisen verbunden, die eben die Mönche beziehungsweise die einfache Bevölkerung dahin unternimmt. Das ist in Japan ein bisschen anders gewesen. Ich werde gerade mal euch auch den Ausschnitt daraus vorspielen.
Von dieser Art der Selbstfindung, intensiver Leben, innere Ruhe, Gelassenheit aussteigen. Wir machten uns auf die Suche und kamen in die alte japanische Kaiserstadt Kyoto, die Stätte des Friedens und vor allem unser nächster Schauplatz einer Weltkultur.