Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 709
Die Frage nach der Steuer, Teil 3
Gott wird Mensch Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter Weg, Wahrheit und Leben ist Episode 709 Die Frage nach der Steuer Teil 3
Der Hinterhalt und seine politischen Fronten
Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht geben? Das ist die Fangfrage, mit der die Gegner Jesu ihn diskreditieren wollen. Dazu haben sich zwei sehr unterschiedliche Parteien zusammengeschlossen: die ultrareligiösen Pharisäer und die römerfreundlichen Herodianer. Beide schicken ihre Auflauerer, damit sie Jesus, egal was er sagt, schaden können.
Wenn er die Frage mit Ja beantwortet, können die Pharisäer Jesus in ihren Kreisen schlechtmachen: Schaut, ein Römerfreund, und der will der Messias sein. Wenn Jesus hingegen die Frage mit Nein beantwortet, dann können die Herodianer mit ihren guten Beziehungen zum Herrscherhaus diesem Rebellen Jesus schnell gefährlich werden.
Der Ursprung der Steuerfrage in der jüdischen Widerstandsbewegung
Schauen wir uns jetzt noch an, woher die Frage selbst kommt. Sie stammt nämlich ursprünglich weder von den Pharisäern noch von den Herodianern, sondern von den Zeloten. Josephus Flavius nennt diese Richtung die vierte Philosophie neben Pharisäern, Sadduzäern und Essenern.
Die Zeloten waren eine theokratische Widerstandsbewegung, die sich ideologisch auf Judas den Galiläer zurückführte. Dieser erhob sich anlässlich des römischen Zensus unter Quirinius im Jahr 6 nach Christus gegen die Registrierung und Besteuerung Judäas. Zeloten waren, wie ihr Name übersetzt heißt, Eiferer für Gott. Für sie konnte nur Gott allein Israels Herrscher sein, und deshalb war die römische Oberhoheit für sie schlichtweg eine Anmaßung. Die Kopfsteuer war für sie der sichtbare Ausdruck dieser Blasphemie.
Dabei waren die Zeloten keine sauber institutionalisierte Partei, sondern eine Widerstandsbewegung, deren Anhänger sich unterschiedlich stark radikalisierten. Sie werden als Gruppe, vor allem im Hinblick auf den jüdischen Krieg, der zur Zerstörung Jerusalems führt, eine wichtige Rolle spielen.
Nochmal kurz zurück zum Ursprung der Zeloten. Der Ursprung ihrer Ideologie geht nach Josephus Flavius auf den Widerstand gegen den römischen Zensus zurück, nach der Absetzung von Archelaus und der Eingliederung Judäas in die römische Provinzverwaltung. Der Statthalter Quirinius führte diese Vermögensschätzung durch, und in Israel regte sich Widerstand. Vor allem Judas der Galiläer und der Pharisäer Saddock interpretierten diese Registrierung als Zeichen der Unterwerfung unter Rom. Für sie war die Kopfsteuer nicht bloß fiskalisch, sie bedeutete die sichtbare Anerkennung römischer Souveränität.
Für die Zeloten galt: Rom hat kein legitimes Recht, Gottes Volk tributpflichtig zu machen, weil Israel Gott allein gehört. Das Zahlen einer Steuer an den Kaiser war für sie Ausdruck politischer Knechtschaft und theologischer Illoyalität. Für sie steht nichts Geringeres als die gelebte Bundestreue des Gottesvolkes auf dem Spiel.
Jesu Antwort zwischen staatlicher Ordnung und Gottes Anspruch
Jetzt wissen wir, woher die Frage nach der Steuer kommt. Sie ist nicht neu. Nur wird jetzt der Herr Jesus in diesen innerjüdischen Konflikt um die hochpolitische Deutung der Kopfsteuer hineingezogen.
Werfen wir deshalb einen Blick auf die Antwort, die Jesus gibt. Markus 12,17: Jesus aber sprach zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie verwunderten sich über ihn.
Merkt ihr: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, bewegt sich bewusst zwischen zwei Extremen. Die Zeloten und mit ihnen die Pharisäer lehnten die Steuer ab, weil sie darin eine Anerkennung römischer Herrschaft sahen. Die Herodianer und die Sadduzeer akzeptierten sie als notwendiges Übel.
Jesus geht einen anderen Weg. Er lässt sich eine Münze zeigen und fragt nach dem Bild darauf. Da sie das Bild des Kaisers trägt, erkennt er an, dass es eine begrenzte äußere Verpflichtung gegenüber der staatlichen Ordnung gibt. Gleichzeitig lenkt er den Blick auf eine tiefere Ebene, weil der Mensch selbst wie eine Münze ist. Auch er trägt ein Bild. 1. Mose 1,26-27: Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen.
Gott hat den Menschen als sein Bild gemacht. Wir sind das Abbild Gottes, nur halt nicht in Form einer Münze, sondern in Fleisch und Blut. So wie eine Münze den Besitzer zeigt, so sind auch wir nicht unabhängig, sondern spiegeln unseren Besitzer, den Schöpfergott, wider.
Was es bedeutet, Gott das Eigene zu geben
Jesus sagt also nicht, der Staat habe uneingeschränkte Autorität, aber auch nicht, man dürfe keine Steuern zahlen. Stattdessen trennt er politische Pflichten, die erfüllt werden können und sollen, von Gottes Anspruch, der absolut und übergeordnet bleibt.
Frage: Wenn Jesus davon spricht, dass wir Gott geben sollen, was Gottes ist, was meint er damit?
Wenn die Münze das Bild des Kaisers trägt und daher in seine begrenzte Zuständigkeit fällt, dann trägt der Mensch Gottes Bild und gehört ihm auf eine umfassende Weise. Was Gottes ist, meint daher primär nicht etwas Spezifisches, sondern mein ganzes Sein: Leben, Wille, Loyalität und Handeln unterwerfen sich Gottes Herrschaft.
Ein bisschen wie der Prophet Micha es auf den Punkt bringt. Micha 6,8: Er hat dir mitgeteilt, Mensch, was gut ist. Und was fordert der Herr von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und einsichtig zu gehen mit deinem Gott?
Praktisch heißt das zunächst: Gott beansprucht nicht nur religiöse Handlungen, sondern die innere Ausrichtung, mein Denken, mein Wollen, mein Entscheiden. Zweitens betrifft es moralische Integrität. Gottes Bild spiegelt sich in gerechtem und barmherzigem Verhalten gegenüber anderen Bildträgern. Drittens setzt es Grenzen gegenüber staatlichen Ansprüchen. Wo menschliche Autorität Gottes Willen entgegensteht, gilt Gottes Vorrang, ohne dass damit jede zivile Pflicht verneint wird.
Gebt Gott, was Gottes ist, bedeutet also: nicht ein Teilbereich, sondern meine ganze Existenz steht unter Gottes Herrschaft, konkret sichtbar in gelebter Liebe, im Gehorsam und in verantwortlicher Teilnahme am öffentlichen Leben.
Das Scheitern der Gegner und die bleibende Frage an die Hörer
Kein Wunder, dass Jesu Gegner ihn nicht wirklich verstehen. Lukas 20,26: Und sie konnten ihn in seinem Wort vor dem Volk nicht fassen, und sie verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen. Matthäus 22,22: Und als sie das hörten, wunderten sie sich und ließen ihn und gingen weg.
Das war nicht, was sie erwartet hatten. Ihre Falle schnappt nicht zu. Jesus verwandelt das Entweder-oder in ein geistliches Sowohl-als-auch. Dass sie ihn in Ruhe lassen und weggehen, zeigt, dass sie tatsächlich nicht in der Lage sind, ihn bei seinem Wort zu fassen.
Die Pharisäer und Herodianer geben auf. Sie können sich nur wundern. Ein Rabbi wie der hier aus Galiläa war ihnen noch nie begegnet, einer, der mit Weisheit und Autorität auch die fiesesten Fragen zu beantworten verstand.
Persönliche Anwendung und Segen
Was könntest du jetzt tun? Stell dir zwei Fragen: Was bedeutet es für dich, dass du ein Bild Gottes bist? Und wie prägt dieses Wissen deinen Umgang mit Gott und anderen Menschen?
Das war’s für heute. Plane deinen Ruhetag gut. Je älter du wirst, desto mehr wirst du ihn brauchen, um leistungsfähig zu bleiben.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.