Einleitung
Morgen, Montag, fliegen wir mit der Jugi nach Portugal, um für knapp zwei
Wochen eine Gemeinde in Porto in ihrer missionarischen Arbeit vor Ort zu
unterstützen. Wir wissen eigentlich gar nicht so genau, was auf uns
zukommen wird. Wir verlassen uns ganz auf OM und die Gemeinde in Porto,
dass wir von Ihnen gesagt bekommen, was für Ihre Arbeit in Porto wichtig
ist.
Nun möchte ich heute Morgen noch einige Gedanken zum Thema Mission und
Evangelisation weitergeben. Das zur Motivation für die Leute, die nach
Portugal reisen. Aber für die Leute, die in Kilchberg in der Kinderwoche
mitarbeiten und für alle, die mit uns dabei sind, Menschen das Evangelium
zu erklären. Wir betrachten eine Situation in Griechenland, in
Thessalonichi in den 50 Jahren des 1. Jhdts.
Auf seiner zweiten Missionsreise (ca. 50-54 n.Chr.), betrat Paulus zum
ersten Mal europäischen Boden. Er landete in Neapolis und wirkte zuerst
in Philippi. Eine Frau namens Lydia wurde dort Christin.
Aber auch auf europäischen Boden waren ihm nicht alle Leute gut gesinnt,
so wurde Paulus mit Silas in Philippi ins Gefängnis geworfen. Gott selbst
sorgte für deren Befreiung und in diesem Zusammenhang wurde der
Gefängniswärter mit seiner ganzen Familie Christen.
Paulus und Silas reisten mit ihren Begleitern über Amphipolis und
Apollonia, nach Thessaloniki. Sie benutzten die bedeutendste Ost-West-
Verbindung, die römische Militär- und Handelsstraße Via Egnatia. Diese
Straße führte durch Thessaloniki, die wichtigste Hafenstadt von
Mazedonien.
315 v.Chr. wurde diese Stadt vom makedonischen König Kassandros
gegründet, der die Stadt nach seiner Frau, einer Halbschwester Alexander
d.Gr., benannte.
Später, unter römischen Herrschaft, wurde Thessaloniki (148 v.Chr.) zur
Landeshauptstadt und Statthalterresidenz der senatorischen Provinz
Mazedonien. (Diese umfasst 146-27 v.Chr. und 15-44 n.Chr. auch Achaja.)
"Über Amphipolis und Apollonia kamen Paulus und Silas nach Thessalonich.
Dort gab es eine jüdische Gemeinde. / Wie es seine Gewohnheit war, ging
Paulus als erstes in ihre Synagoge, wo er an drei aufeinander folgenden
Sabbaten zu den Versammelten sprach. / Er öffnete ihnen das Verständnis
für die Aussagen der Schrift, die vom Leiden und Sterben des Messias
und von seiner Auferstehung von den Toten sprechen, und zeigte ihnen,
dass das alles nach Gottes Plan so kommen musste. Und deshalb", so
sagte er, "ist der Jesus, den ich euch verkünde, niemand anders als der
Messias, von dem die Schrift spricht." (Apg. 17,1-3) "Einige der jüdischen Zuhörer ließen sich überzeugen und schlossen sich
Paulus und Silas an. Außerdem kamen zahlreiche Griechen zum Glauben,
die sich zur Synagogengemeinde hielten, sowie eine ganze Reihe von
Frauen aus der oberen Gesellschaftsschicht." (Apg. 17,4) "Dieser Erfolg erregte den Neid jener Juden, die vom Evangelium nichts
wissen wollten. Sie warben einige skrupellose Männer an, die sich auf
dem Marktplatz herumtrieben, und wiegelten mit ihrer Hilfe die
Volksmenge auf, sodass die ganze Stadt in Unruhe geriet. Dann zogen sie
vor das Haus von Jason, bei dem Paulus und Silas zu Gast waren, um die
beiden von dort herauszuholen und vor die Bürgerversammlung zu stellen.
/ Doch als sie Paulus und Silas nicht fanden, schleppten sie
stattdessen Jason selbst und einige andere Christen vor die
Politarchen, die höchsten Beamten der Stadt, und schrien: Diese Leute,
die in der ganzen Welt für Aufruhr sorgen, sind jetzt auch hierher
gekommen; / Jason hat sie bei sich aufgenommen! Sie setzen sich alle
über die Verordnungen des Kaisers hinweg, indem sie behaupten, ein
anderer sei der wahre Herrscher, nämlich Jesus." (Apg. 17,5-7) "Die Stadtbevölkerung und die Politarchen waren tief beunruhigt, als sie
das hörten, / und erst nachdem Jason und die anderen Christen eine
Kaution hinterlegt hatten, wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt. /
Noch in derselben Nacht ließen die Christen von Thessalonich Paulus
und Silas nach Beröa weiterziehen." (Apg. 17,8-10a)
## Die Strategie (Apg. 17,1-4)Knotenpunkte
Ob Paulus in den Städten Amphipolis und Apollonia das Evangelium
verkündigte, wissen wir nicht. Aber eines wird durch die
Apostelgeschichte sehr deutlich. Paulus wählte für seine längeren
Aufenthalte immer die Knotenpunkte der damaligen Welt. Er ging dorthin,
wo das Leben pulsierte, dort wo die großen Zentren waren. Beispielsweise
blieb Paulus eineinhalb Jahre in Korinth und 3 Jahre in Ephesus. Von
diesen Städten verbreitete sich das Evangelium in die ländlichen Gebiete
und abgelegenere Städte. Demetrius, ein Feind des Evangeliums in Ephesus,
sagte sogar:
"Nun habt ihr aber sicher schon miterlebt oder durch andere erfahren,
dass dieser Paulus (hat) nicht nur in Ephesus, sondern beinahe überall
in der Provinz Asien Scharen von Leuten den Kopf verdreht und sie auf
Abwege führt. Denn er behauptet, Götter, die von Menschen gemacht
werden, seien überhaupt keine Götter." (Apg. 19,26) So wählte Paulus nun diesen wichtigen Handelsplatz Thessaloniki, damit
sich das Evangelium von dort aus in ganz Mazedonien verbreiten konnte.
Anwendung
Wenn wir morgen nach Porto fliegen, werden wir auch in einer
pulsierenden Handelsstadt wirken.
Aber auch hier in Zürich, haben wir eine große Aufgabe und enorme
Chancen. In einer Weltstadt wie Zürich, könnten wir weit über die
Schweizergrenze Ausstrahlung haben. Denken wir nur an die vielen
Ausländer, die hier in der Stadt leben, oder sich geschäftlich für kurze
Zeit hier aufhalten.
Eine Stadt bietet auch eine gewisse Anonymität, dass es Menschen gibt,
die vielleicht lieber in der Stadt einmal eine Gemeinde besuchen, als in
ihrem Dorf, wo sie von vielen Leuten beobachtet werden können.
Wenn Sie dann Christen sind, dann werden sie vielleicht ohne weiteres
an ihrem Ort die Gemeinde besuchen.
Zuerst die Juden
In Thessaloniki lebten viele Juden, die sich jeden Sabbat in der
Synagoge trafen. Zuerst besuchte Paulus drei Sabbate hintereinander diese
Synagoge und erklärte den Juden und allen dem jüdischen Glauben
nahestanden wer Jesus ist.
"Er öffnete ihnen das Verständnis für die Aussagen der Schrift, die vom
Leiden und Sterben des Messias und von seiner Auferstehung von den
Toten sprechen, und zeigte ihnen, dass das alles nach Gottes Plan so
kommen musste. Und deshalb, so sagte er, ist der Jesus, den ich euch
verkünde, niemand anders als der Messias, von dem die Schrift spricht." (Apg. 17,3)Dass Paulus zuerst in die Synagoge ging, war nicht nur seine
Gewohnheit, sondern es war Programm. Zuerst musste den Juden die
Botschaft von Jesus erklärt werden. Zu den Juden in Antiochia in Pisidien
sagten Paulus und Barnabas:
"Zuerst musste die Botschaft Gottes euch verkündet werden." (Apg. 13,46)
Der Erfolg
Auf Grund es AT erklärte ihnen Paulus wie sie die Texte richtig zu
verstehen hatten. Paulus der das AT bevor er Christ wurde
außerordentlich gut kannte, weiß selber, dass man die Bibel letztlich
nur von Christus her richtig verstehen kann. Den Christen in Korinth
schrieb über die Juden, die Jesus nicht annahmen:
"Aber sie wurden ja auch mit Blindheit geschlagen. Wenn sie die
Schriften des Alten Bundes lesen, liegt für sie bis heute immer noch
dieselbe Decke über deren Worten, und es wird ihnen nicht klar, dass
dieser Bund durch Christus an sein Ende gekommen ist." (2.Kor 3,14)Paulus erklärt den Leuten, dass Jesus der erwartete Retter des Volkes
Israels ist, so wie er eben im AT vorausgesagt wird.
Einen Abschnitt im AT wird er mit großer Wahrscheinlichkeit verwendet
haben. Es ist die Stelle im Jesaja:
"doch wegen unserer Schuld wurde er gequält und wegen unseres
Ungehorsams geschlagen. Die Strafe für unsere Schuld traf ihn, und wir
sind gerettet. Er wurde verwundet, und wir sind heil geworden.
Wir alle waren wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen
eigenen Weg. Ihm aber hat der HERR unsere ganze Schuld aufgeladen." (Jes.
53,5-6)
Evangelisation
Glaubst Du, dass Jesus für unsere Sünden sterben musste und dass er
auferstanden ist?
Glaubst Du das Jesus, der Christus ist?
Petrus bekennt vor dem Hohen Rat von Jesus:
"Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist
uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden
können." (Apg. 4,12) Nur durch Jesus kannst du gerettet werden. Bist Du gerettet, hast Du
das ewige Leben?
Erweckung
"Einige der jüdischen Zuhörer ließen sich überzeugen und schlossen sich
Paulus und Silas an. Außerdem kamen zahlreiche Griechen zum Glauben,
die sich zur Synagogengemeinde hielten, sowie eine ganze Reihe von
Frauen aus der oberen Gesellschaftsschicht." (Apg. 17,4)
Anwendung
Der Glaube wurde durch die Verkündigung und das Studium der Bibel
geweckt. Paulus schrieb einmal:
"Den Herrn anrufen kann man nur, wenn man an ihn glaubt. An ihn glauben
kann man nur, wenn man von ihm gehört hat, Von ihm hören kann man nur,
wenn jemand da ist, der die Botschaft von ihm verkündet." (Röm. 10,14)Sollen Menschen gerettet werden, so müssen sie Gottes Gedanken kennen
lernen. Zu sagen unser Lebensstil spreche für sich selbst, die Leute
würden sich dann automatisch bekehren ist ein Irrtum.
Sowohl hier in Zürich wie in Porto, muss man den Menschen das
Evangelium erklären, das eröffnet ihnen die Möglichkeit, dass sie
gerettet werden.
## Der Widerstand (Apg. 17,5-10a) Die Verkündigung des Paulus und Silas zeigte großen Erfolg, wie wir
gesehen hatten, aber es bleibt keine Zeit sich in diesem Erfolg zu
sonnen. Der Widerstand folgt dem Erfolg auf den Fuß.
"Dieser Erfolg erregte den Neid jener Juden, die vom Evangelium nichts
wissen wollten. Sie warben einige skrupellose Männer an, die sich auf
dem Marktplatz herumtrieben, und wiegelten mit ihrer Hilfe die
Volksmenge auf, sodass die ganze Stadt in Unruhe geriet. Dann zogen sie
vor das Haus von Jason, bei dem Paulus und Silas zu Gast waren, um die
beiden von dort herauszuholen und vor die Bürgerversammlung zu stellen.
/ Doch als sie Paulus und Silas nicht fanden, schleppten sie
stattdessen Jason selbst und einige andere Christen vor die
Politarchen, die höchsten Beamten der Stadt, und schrien: Diese Leute,
die in der ganzen Welt für Aufruhr sorgen, sind jetzt auch hierher
gekommen; / Jason hat sie bei sich aufgenommen! Sie setzen sich alle
über die Verordnungen des Kaisers hinweg, indem sie behaupten, ein
anderer sei der wahre Herrscher, nämlich Jesus." (Apg. 17,5-7)
Nun wird nach bekanntem Schema gehandelt: üble Männer aus dem Pöbel
werden mobilisiert zu einem großen Aufruhr in der Stadt.
Am besten gefällt mir aber der Vorwurf, den sie den Christen machten.
"Diese Leute, die in der ganzen Welt für Aufruhr sorgen, sind jetzt
auch hierher gekommen;" (Apg. 17,6) Das wäre doch wunderbar, wenn wir in Zürich bekannt wären als die, die
für Aufruhr sorgen mit dem Evangelium. Als die, die verkünden, der wahre
Herrscher sei Jesus.
Aber eben, der Wahrheitsgehalt lässt zu wünschen übrig. Sie verleumden
die Christen, indem sie behaupten:
"Jason hat sie bei sich aufgenommen! Sie setzen sich alle über die
Verordnungen des Kaisers hinweg, indem sie behaupten, ein anderer sei
der wahre Herrscher, nämlich Jesus." (Apg. 17,7)
Das ist glattweg eine Lüge! Dass Jesus der wahre König ist, mag Paulus
verkündigt haben, aber dass sie gegen die Gebote des Kaiser verstoßen
sollen, dies ist eine Unterstellung vom gleichen Kaliber wie die
Verleumdung gegenüber Jesus, dass er dazu angehalten habe, man solle dem
Kaiser keine Steuern entrichten.
Wer Paulus aus seinen Briefen kennt, weiß, dass er zur Unterordnung
unter die Obrigkeit aufrief und nicht zur Rebellion.
Diese Art der Anklage war aber die einzige Möglichkeit, die ihnen zum
Erfolg verhelfen konnte, denn Mäjestätsbeleidigung wurde schwer geahndet.
Die Oberen der Stadt konnten sie nur gewinnen, wenn sie eine Anklage
vorbrachten, die gegen das römische Recht verstößt.
So suchten sie nun das ganze Volk aufzuwiegeln.
Jedoch schienen sich die Oberen der Stadt nicht besonders beeindrucken
zu lassen, denn sie wurden gegen eine Bürgschaft freigelassen. Sie waren
vermutlich der Meinung, es handle sich um einen inneren Konflikt der
Juden, in den sie sich nicht einmischen wollten.
Egal woher die Christen unter Druck geraten, damit muss man einfach
rechnen.
Anwendung
Das geschieht oft, wenn das Evangelium Früchte trägt. Plötzlich werden
die Christen unter Druck gesetzt. Das oft nicht von staatlicher Seite.
Manchmal sind es andere Glaubensgemeinschaften oder leider manchmal auch
andere Christen. Sie denken vielleicht, wenn jemand im geistlichen Sinn
erfolgreich ist, dann kann es nicht mit rechten Dingen zugehen.
Das kann sein, aber es kann auch nicht sein. Es gibt dann Leute, die
führen Feldzüge gegen die anderen. Hier in Thessaloniki waren es die
Juden, die neidisch auf den Erfolg des Paulus waren.
Jesus sagt dazu folgendes:
"Die Welt würde euch als ihre Kinder lieben, wenn ihr zu ihr gehören
würdet. Aber ich habe euch aus der Welt herausgerufen, und ihr gehört
nicht zu ihr. Aus diesem Grund hasst euch die Welt." (Joh. 15,19)Das ist unsere Wirklichkeit in Zürich und in Porto. Die Menschen warten
nicht auf uns, dass wir ihnen erzählen, sie seinen Sünder und sollten
sich mit dem Schöpfer versöhnen.
"Die Botschaft, dass für alle Menschen am Kreuz die Rettung vollbracht
ist, muss denen, die verlorengehen, als barer Unsinn erscheinen. Wir
aber, die gerettet werden, erfahren darin Gottes Kraft." (1.Kor. 1,18)Wenn wir missionarisch tätig sind als Gemeinde und alleine, so werden
wir jeweils einer Reaktion begegnen.
Entweder finden wir Zustimmung oder wir treffen auf Ablehnung.
Wenn wir das Evangelium nicht verkündigen werden wir einer - für uns -
angenehmen Gleichgültigkeit der Menschen begegnen.
Die Flucht
Gelöst war das Problem mit der Auflösung dieses Aufruhrs nicht.
Jedenfalls erachteten es die Christen für nötig, Paulus und Silas
weiterziehen zu lassen, damit sie vor weiteren Angriffen verschont
blieben.
Schluss
Also, eine ganz normale Missionssituation.
Auch heute wird es nicht anders sein, wenn wir das Evangelium
verkündigen und zwar das ganze Evangelium, Gericht und Gnade, wird uns
Unverstand und Verachtung begegnen.
Lassen wir uns deshalb nicht davon abhalten das Evangelium zu
verkünden. Was nämlich viel stärker ins Gewicht fällt sind die Menschen,
die durch die Verkündigung gerettet werden.
Amen

