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Wenn der Himmel überrascht (Apg. 10,44-11,18)

Apostelgeschichte 10,44-11,1824.05.2026

Einleitung: Gottes Wirken sprengt menschliche Erwartungen

gesehen, dass Cornelius, dieser römische Hauptmann, ein ehrfürchtiger, ein gottesfürchtiger Mann war, einer, der nach Wahrheit gesucht hat, der ein suchendes Herz hatte, aber er war noch nicht ganz durchgedrungen. Er ist noch nicht bei Jesus angekommen, es hat noch etwas gefehlt in seinem Leben.
Wir haben festgestellt: Ein gottesfürchtiges Leben reicht noch nicht, um gerettet zu sein. Und deswegen hilft ihm Gott weiter. Deswegen hilft ihm Gott weiter und er lässt Petrus holen.
Aber wir haben festgestellt: Petrus, dieser Diener Gottes, er steht irgendwie auf dem Schlauch. Er hat irgendwie Grenzen in seinem Kopf, irgendwie von seiner Vorstellung her, wer das Evangelium hören soll, zu welchen Leuten er missionieren soll. Und wir sehen, dass Gott erst einmal diesen Diener Gottes, den Petrus, vorbereiten muss. Er muss seine Grenzen weiten, damit er offen wird für diesen Auftrag.
Gottes Gnade kennt keine Grenzen, das war das Thema vom letzten Mal. Und wir haben gesehen, dass dieses Evangelium auch für die Heiden gilt, also Menschen, die nicht zum Judentum gehören, oder Heiden oder Menschen aus den Nationen, so wird das oft in der Bibel beschrieben. Also wir sehen, dass Gott hier eine Grenze verschiebt, dass dieses Evangelium nicht nur den Juden gilt. Aber diese Grenze muss auch in der Vorstellung von Petrus verschoben werden. Er dachte nur, das Evangelium gilt erst mal nur für die Juden, nicht für die Heiden, nicht für die Nationen. Und so arbeitet Gott mit diesem Petrus.
Warum? Weil dieser Auftrag, den Jesus seinen Jüngern gibt in Apostelgeschichte 1, Vers 8: Ihr sollt das Evangelium verkündigen bis an das Ende der Welt. Das schließt mit ein, dass die Heiden, die Menschen aus den Nationen, also quasi wir, ich wüsste nicht, dass einer von euch ein Jude ist, von der Abstammung her, also wir Heiden, dass wir auch das Evangelium hören und zum Glauben kommen können.
Aber damit ist die Geschichte nicht zu Ende. Petrus kommt zu Cornelius, er verkündigt das Evangelium, aber jetzt greift Gott selbst sichtbar ein. Während Petrus predigt, während Petrus mit Cornelius und denen, die sich im Hause dort versammelt haben, spricht, fällt der Heilige Geist ganz offensichtlich auf alle Zuhörer, und das sprengt alle Erwartungen. Wenn der Himmel überrascht, gerieten die Menschen in Staunen.
Cornelius und sie sind überwältigt von dem Heiligen Geist, sie loben Gott. Aber nicht nur Cornelius und sein Haus sind überrascht, sondern auch Petrus und die Juden, die mit ihm waren, sind überrascht, was jetzt hier passiert, wenn der Himmel überrascht.
Schlagt mit mir bitte auf Apostelgeschichte Kapitel 10. Wir lesen erst einmal die Verse 44 bis 48 und dann im zweiten Block, im zweiten Teil, lesen wir dann Kapitel 11, die Verse 1 bis 18. Also Apostelgeschichte Kapitel 10, ab Vers 44:
Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch den Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war. Denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir? Er befahl aber, dass sie getauft würden in den Namen des Herrn. Dann baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.
Bis hierher.
Während Petrus spricht, während Petrus mit Cornelius spricht, geschieht etwas, womit keiner gerechnet hat. Ich glaube, damit hat Petrus nicht gerechnet, dass sich Pfingsten, also das, was in Apostelgeschichte 2 geschehen ist, dass der Heilige Geist offensichtlich klar erkennbar für jeden auf die Menschen fällt, dass das sich noch mal wiederholt und dass das jetzt noch mal mit den Heiden oder mit den Nationen geschieht.
Auf der anderen Seite hören Cornelius und seine Mitstreiter das Evangelium bis zu diesem Zeitpunkt wie eine Geschichte. Es hört sich an wie ein Ereignis über Jesus, was er alles getan hat. Und wir haben uns letztens in der letzten Predigt angeschaut, was Petrus verkündigt hat, dass diese Botschaft lautet: Allein in Jesus Christus werden wir gerettet. Und er beschreibt kurz, wer dieser Jesus war, dass er gute Dinge getan hat, dass sie Zeugen von ihm sind, dass er gestorben und auferstanden ist. Und all das ist erst einmal für sie Geschichte.
Bis zu diesem Zeitpunkt, wo der Heilige Geist auf sie fällt, wo der Heilige Geist es für sie klar macht, ist dieses Ereignis, dieser Retter Jesus, nicht irgendeine Geschichte. Das gilt nicht irgendwie nur für Juden, sondern es gilt für dich. Cornelius begreift plötzlich: Jesus ist auch für mich gestorben.
Das ist diese Auswirkung in dem Moment, wo sie den Heiligen Geist bekommen. Ich gehöre dazu. Sie begreifen plötzlich, das ist nicht irgendwas Fernes, sondern das betrifft mich real. Ich darf jetzt mit zur Gemeinde Gottes gehören. Und sie kommen aus dem Staunen gar nicht heraus.
In Vers 46 heißt es: Denn sie hören sie in Sprachen reden, und sie beginnen, Gott zu loben, sie preisen ihn. Plötzlich wird das ganz deutlich in ihrem Leben: Jesus ist für mich gestorben. Diese Sehnsucht, die sie hatten, diese Gottesfurcht, die da war, dieses Suchen, dieses suchende Herz erhält plötzlich eine Antwort: Ich bin Sünder, es reicht nicht, meine Gerechtigkeit, die ich vor Gott bringen kann, sondern ich brauche eine andere, die einzig und allein in Jesus Christus zu finden ist.
Und sie verstehen das, weil der Heilige Geist ihnen das eröffnet. Und so heißt es auch in Johannes 16,13-14: „Er wird meine Herrlichkeit offenbaren.“ Das ist mit einer der Aufgaben vom Heiligen Geist. Er wird meine Herrlichkeit, also die Herrlichkeit Jesu, offenbaren.
Wenn ein Mensch plötzlich versteht: Ja, ich bin ein Sünder, ich brauche diesen Jesus, ich brauche diese Rettung, wenn dir plötzlich Jesus klar wird, dann ist das nicht, weil du besonders schlau bist. Sondern weil der Heilige Geist es in deinem Leben offenbart. Und es gab in deinem Leben einen Punkt, wenn du gläubig bist, wenn du wiedergeboren bist, wo du das erlebt hast, wo der Heilige Geist dir die Herrlichkeit Gottes offenbart hat. Und das ist dieser Punkt, wo Cornelius das begreift: Ich gehöre dazu, das ist keine fremde Geschichte, sondern es betrifft mich.
Wenn der Himmel überrascht, ich glaube nicht, dass Cornelius damit gerechnet hat, als er den Petrus eingeladen hat, dass das passiert. Cornelius und sein ganzes Haus sind außer sich, sie loben Gott. Aber nicht nur Cornelius ist völlig außer sich, sondern auch die Menschen, und wir lesen später in Kapitel 11, da waren sechs Brüder, also sechs Juden, die Petrus mitgenommen hat, die kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie können es nicht fassen, dass der Heilige Geist auch auf die Nationen, auf die Völker gefallen ist, dass ihnen der Heilige Geist gegeben ist.
Und das ist für uns heute irgendwie so ganz normal. Aber damals war das ein Riesenschritt, geradezu ein Schock, was die Juden damals erlebten, wie es sein kann, dass sie den Heiligen Geist empfangen. Für uns ist es ganz klar, und wir haben es in Vers 34 gelesen, dass diese Rettung in Jesus Christus allen Nationen gilt, allen Menschen auf dieser Welt gilt, egal welche Abstammung, welche Herkunft, welche Nation, welche Sprache sie reden, spielt gar keine Rolle. Für dich und mich heute etwas völlig Normales. Aber damals, zu damaliger Zeit, etwas Außerordentliches, ein Riesenschritt, wirklich ein Schock, den die Juden erst einmal verdauen müssen.
Die Wirkung des Heiligen Geistes ist hier so unübersehbar, dass diese Juden sofort daran denken müssen, wie es damals in Apostelgeschichte 2 bei ihnen war, als der Heilige Geist auf sie gefallen ist, dass sie plötzlich angefangen haben, in Sprachen zu reden, zum Zeugnis und zur Verherrlichung Gottes. Dieses Ereignis sprengt ihr Denkvermögen, sprengt ihre Grenzen, in denen sie drin gelebt haben. Sie dachten immer, bevor jemand zum Glauben kommt, muss er ein Jude werden, muss er den jüdischen Gesetzen und Gepflogenheiten sich anpassen. Er muss erst einmal beschnitten sein, damit er ein Christ werden kann.
Aber jetzt passiert eben dieses Unfassbare: Menschen, die nicht beschnitten sind, die nicht zum Volk Israel gehören, empfangen den Heiligen Geist einfach so, ohne dass sie irgendwie etwas tun können oder tun sollen. Und hier tut sich ein Problem auf. Für dich und mich sagen wir: Hey, wo ist hier das Problem? Aber für die Juden damals ein echtes Problem.
Um uns da ein bisschen hineinzudenken, was das Problem ist, lese ich euch nur einen Vers vorhin, Galater 3, Vers 2. Da sagt Paulus, da geht es um die gleiche Thematik: Habt ihr den Geist Gottes bekommen, weil ihr die Vorschriften des Gesetzes befolgt habt? Oder habt ihr ihn bekommen, weil ihr die Botschaft, die euch verkündet wurde, im Glauben angenommen habt?
Dieses Thema, dass Heiden, also wir, dass wir aus den Nationen, die nicht zu Israel gehören, Kinder Gottes werden können, dass dieses Evangelium auch uns gilt, das ist ein Riesenthema. Paulus sagt hier zu den Galatern, dass dieser Heilige Geist nicht irgendeine religiöse Erfahrung ist. Da gibt es keine Vorbedingungen. Wenn du das tust, das einhältst und das machst, dann bekommst du den Heiligen Geist. Das war so ein bisschen die Vorstellung bei den Juden, die dachten: Hey, wir versuchen nach den Gesetzen zu leben, wir sind beschnitten, deswegen kommt der Heilige Geist.
Aber nein, der Heilige Geist ist Gottes große Verheißung. Es ist das Geschenk Gottes an uns in der letzten Zeit. Es ist das Zeichen Gottes, den Menschen gegeben, das zu wissen: Wir sind Kinder Gottes, wir haben einen Tröster, wir gehören zu Christus, wir sind versiegelt, wir sind Christi Nachfolger. Und genau dieses Geschenk, das Gott ihnen jetzt gibt, ohne Vorbedingungen, einfach nur durch das Hören und Glauben des Wortes Gottes. Und so entsteht Glaube, das ist das Prinzip, wie das Evangelium funktioniert.
Paulus schreibt es auch in Römer 10, Vers 17: Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort. Genau das sehen wir bei Petrus. Er verkündigt Gottes Wort, die Wahrheit Gottes. Was passiert? Cornelius und sein Haus, sie kommen zum Glauben und empfangen den Heiligen Geist.
In dem Moment, wo du dein Vertrauen auf Jesus gesetzt hast, an ihn geglaubt hast, hast du den Heiligen Geist bekommen. Ein Geschenk Gottes an dich. Dieses Geschenk Gottes an dich, das geschieht einfach frei. Es hat keine Vorbedingungen. Er schenkt seinen Heiligen Geist so, wie er es will.
Im Neuen Testament, in den Lehrbriefen, wird uns deutlich gezeigt, wie die Abfolge funktioniert. Wenn jemand Gottes Wort hört und zum Glauben kommt, in dem Moment bekommt er den Heiligen Geist. Epheser 1, Vers 3: Als ihr zum Glauben kamt, wurdet ihr versiegelt mit dem Heiligen Geist. Oder Römer 8, Vers 9: Wer den Heiligen Geist nicht hat, gehört nicht zu ihm, also zu Christus. Und gerade auch die Stelle, die wir gerade gelesen haben: Aus Glauben. Als ihr geglaubt habt, da habt ihr den Heiligen Geist empfangen.
Und das ist auch die normale Regel. Aber das, was wir heute sehen in der Geschichte, und viermal in der Apostelgeschichte, dass Menschen offensichtlich klar erkennbar den Heiligen Geist bekommen, das hat einen speziellen Zweck und ist nicht die Regel. Einige Situationen, um euch aufzuzeigen in der Apostelgeschichte, wo der Heilige Geist zeitlich getrennt von der Bekehrung geschieht, das ist eine Ausnahme.
Die erste Ausnahme, die wir schon betrachtet haben, ist in Apostelgeschichte 2, dort, wo Gott den Anfang legt, wo er sagt: Hier, jetzt ist ein neues Zeitalter angebrochen, das Zeitalter der Gemeinde. Und es ist offensichtlich und es wird bestätigt durch Sprachenrede, dass hier der Heilige Geist in den Menschen Einzug gehalten hat.
Dann haben wir als zweites in Apostelgeschichte Kapitel 8 die Begegnung bei den Samaritern. Sie kommen zum Glauben, sie lassen sich taufen, aber den Heiligen Geist bekommen sie erst, als Petrus und Jakobus ihnen die Hände auflegen. Und dann auch sehr offensichtlich, so dass die Menschen das sehen, ob sie in Sprachen geredet haben, wir wissen es nicht oder ich weiß nicht gerade, ob es hundertprozentig so war. Auf jeden Fall öffentlich erkennbar.
Warum? Weil es damals darum ging, dass die Samariter, wir haben damals darüber gesprochen, sozusagen ihre Extrareligion hatten. Und Gott wollte sagen: Nein, die Samariter gehören mit in diese Bewegung hinein, die in Jerusalem gestartet ist. Sie sind eins, die Apostel mussten sich mit den Samaritern identifizieren, wir sind eins in Christus. Es ist keine Extrareligion.
Und dann sehen wir das jetzt zum dritten Mal bei den Heiden, bei Cornelius. Dieser nächste Schritt, dass nicht nur Juden, bis jetzt waren alle, die zum Glauben kamen, aus dem jüdischen Dunstkreis gewesen, aber jetzt geht Gott einen Schritt weiter, jetzt fügt Gott eine nächste Menschengruppe mit in seine Gemeinde hinein, und das sind wir. Pfingsten für dich und mich, das ist heute, das ist Kapitel 10 und Kapitel 11. Und deswegen diese besondere Bestätigung, diese besondere Bestätigung, dass auch diese Menschen den Heiligen Geist haben, so wie wir, sagt Petrus. Da gibt es keinen Unterschied. Da gibt es nicht die Christen aus dem Judentum und dann gibt es noch die Christen aus dem Heidentum und irgendwie ähnlich, aber nicht gleich. Nein, wir haben das gleiche Fundament. Und genau dafür war diese Bestätigung sichtbar, dass das jeder versteht.
Und es kommt in der Apostelgeschichte noch einmal vor, und zwar bei den Jüngern des Johannes. In Apostelgeschichte Kapitel 19, wo Paulus mit den Jüngern des Johannes spricht und sagt: Habt ihr den Heiligen Geist? Sie haben gar keine Ahnung, was es gibt den Heiligen Geist, sie haben davon noch nie etwas gehört. Paulus legt ihnen die Hände auf und sie bekommen auch den Heiligen Geist. Öffentlich erkennbar, sichtbar für alle. Auch hier als Bestätigung, dass die Jünger des Johannes nicht irgendwie ein Extrakreis neben Jesus oder irgendwie, nein, sie gehören zusammen auf dieses eine Fundament, was Gott gebaut hat, die Gemeinde.
Das sind vier Ausnahmen, die wir in der Apostelgeschichte lesen und ansonsten nicht mehr. Wir lesen von ganz vielen Bekehrungen auch in der Apostelgeschichte, wo kein öffentliches Zeichen als Bestätigung, dass sie gläubig geworden sind. Der Heilige Geist wird grundsätzlich beim Glauben geschenkt, und diese sichtbaren Zeichen und auch diese Bestätigung in der Sprachenrede, dieses äußere Zeichen, sie gehören mit in die Gemeinde Gottes. Es ist eine Gemeinde, so auch hier im Hause von Cornelius.
Und Petrus sieht das, Petrus erkennt das ganz klar, und Petrus zieht nun eine Schlussfolgerung. Wenn Gott diesem Menschen den Heiligen Geist gegeben hat, genauso wie uns, wer könnte ihnen dann die Taufe verwehren? Interessant: Hier stellt keiner die Frage, ob die Taufe überhaupt nötig ist. Also sie glauben, sie kommen zum Glauben, sie empfangen den Heiligen Geist, und jetzt sagt Petrus: Hey, jetzt lasst euch einfach taufen. Das ist einfach eine logische Folge.
Cornelius kommt nicht auf den Gedanken und die anderen, die dort waren, auch nicht die Juden: Ja, warum denn jetzt eigentlich taufen? Ist doch schon alles da, was man braucht, um gerettet zu werden. Die Taufe ist keine Last, die Taufe ist ein Geschenk. Sie ist auch kein magischer Akt, irgendwie ein Automatismus, der irgendetwas bewirkt, sondern die Taufe ist einfach das sichtbare Siegel dafür, dass du zur Gemeinde Gottes gehörst. In der Taufe spricht Jesus dir einfach das zu, dass du mit ihm gestorben und mit ihm auferstanden bist. Ein sichtbares Zeichen, eine Bestätigung: Du bist mein Eigentum.
Und Petrus sagt zu ihnen: Hey, was hindert es, euch taufen zu lassen? Petrus sagt es anders: Also ich kann die Taufe denen ja gar nicht verwehren, sagt er. Es wird später noch einmal interessant. Und deswegen ordnet Petrus diese Taufe an, nicht als Pflicht, sondern als freudige Bestätigung dessen, was Gott längst im Leben dieser Menschen dort getan hat.
Und an dieser Stelle lass mich dich ganz persönlich fragen, ob diese Rettung und diese Geschichte mit Jesus für dich einfach nur irgendwie eine Geschichte ist oder ob das für dich ab einem gewissen Zeitpunkt, als du den Heiligen Geist empfangen hast, eine persönliche Botschaft geworden ist. Diese Frage ist so wichtig zu beantworten, gerade heute am Tag Pfingsten, wo Gott uns seinen guten Heiligen Geist gibt. Ist das persönlich dein Glaube? Hast du diese Bestätigung oder dieses Zeugnis in dir: Ich gehöre zu Christus?
Während sie hörten, fiel der Heilige Geist auf sie. Ist bei dir auch passiert, wenn du gläubig bist? Nicht offensichtlich. Wir sehen das nicht, und ist auch gut so. Aber hast du das, diese Wahrheit in dir? Hast du das verinnerlicht? Kannst du in dein Leben hineinschauen und sagen: Jawohl, es gab einen Punkt oder irgendwie einen Zeitraum, wo ich das erlebt habe, und ich bin mir heute gewiss, dass Gott mir seinen Heiligen Geist geschenkt hat. Als Bestätigung und Versiegelung, dass ich ein echtes Kind Gottes bin.
Aber lass mich dich auch noch etwas weiteres fragen: Gerade heute an Pfingsten, lässt du zu, dass Gott dein Denken erweitert? Wir sehen hier in Vers 45: Die Juden gerieten außer sich. Gott handelt so überraschend für sie, so wie sie es sich erst nicht vorgestellt haben, ihre persönlichen Grenzen. Lässt du zu, dass Gott deine Grenzen erweitert?
Und wir haben das letzte Mal ja gesehen, wie Gott mit Petrus arbeiten musste. Das ist gar nicht so einfach, wenn wir irgendwie Denkblockaden haben, dass Gott das in unserem Gehirn, in unserem Verstand irgendwie beiseite räumt. Gott sprengt unsere Vorstellungen, wenn der Himmel dich überrascht, wenn die Dinge anders laufen, wie du sie dir vorstellst, im positiven oder im negativen Sinne. Bist du davon überzeugt, dass Gott immer richtig handelt, auch wenn du das nicht verstehst und nicht auf die Reihe bringst? Auch wenn dich Gott irgendwie überrascht, Gott macht es richtig.
Ich glaube, das sind Wahrheiten, die müssen wir uns immer wieder neu bewusst machen und vielleicht gerade heute am Tag des Pfingsten. Aber vielleicht noch eine andere Sache: Freust du dich über Gottes Wirken im Leben von anderen Menschen? Wir werden es gleich sehen, die Juden hier, die sind erstaunt, wie kann Gott sowas tun? Also warte mal, Gott, das, was du tust, das geht nicht in meinen Kopf hinein. Also da überschreitest du eine Grenze, sorry, das geht nicht.
Kannst du dich mitfreuen, wenn Gott jemand anderen segnet? Wir sehen hier, anstatt Freude, dass sie sich darüber freuen, dass sie auch den Heiligen Geist bekommen, dass sie auch zum Leib Christi gehören, dass sie auch Nachfolger Jesu sind: Wie kann Gott so handeln? Unfassbar! Kannst du dich mitfreuen?
Und an diesem Punkt wollen wir weitergehen und wir sehen oder die Frage tut sich auf: Wie reagiert nun die Gemeinde darauf, dass Gott so radikal Grenzen überschreitet aus ihrer jüdischen Sicht? Wie wird aus einem einmaligen Erlebnis eine anerkannte Wahrheit für alle Christen? Und Gott fordert hier die Gemeinde zu einer Entscheidung auf. Hier geht es darum, dass die Gemeinde lernt, Gottes gnadenlose Grenzen anzunehmen und weiterzutragen, das zu akzeptieren, dass die Heiden jetzt auch zu Christus gehören.
Und hier lasst uns jetzt Kapitel 11 aufschlagen, Apostelgeschichte Kapitel 11, die ersten achtzehn Verse:
Die Apostel aber und die Brüder, die in Judäa waren, hörten, dass auch die Nationen das Wort Gottes angenommen hatten. Als Petrus aber nach Jerusalem hinaufkam, stritten die aus der Beschneidung mit ihm und sagten: Du bist bei Männern eingekehrt, die Vorhaut haben, und hast mit ihnen gegessen. Petrus aber fing an, setzte es ihnen der Reihe nach auseinander und sprach:
Und jetzt erzählt Petrus das, wie Gott mit ihm gearbeitet hat, wie sich die Sache zugetragen hat, das ist fast eins zu eins das, was wir letztes Mal in Kapitel 10 gelesen haben. Ich war in der Stadt Joppe im Gebet, und ich sah in einer Verzückung ein Gesicht, wie ein gewisses Gefäß herabkam, gleich einem großen Leinentuch an vier Zipfeln aus dem Himmel herabgelassen, und es kam bis zu mir. Und als ich es unverwandt anschaute, bemerkte und sah ich die vierfüßigen Tiere der Erde und die wilden Tiere und die kriechenden und die Vögel des Himmels. Ich hörte aber auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iss. Ich sprach aber: Keineswegs, Herr, denn niemals ist Gemeines oder Unreines in meinen Mund gekommen. Die Stimme aber antwortete zum zweiten Mal aus dem Himmel: Was Gott gereinigt hat, halte du nicht für gemein. Dies aber geschah dreimal, und alles wurde wieder in den Himmel hinaufgezogen.
Und siehe, sogleich standen vor dem Haus, in dem ich war, drei Männer, die von Cäsarea zu mir gesandt waren. Der Geist aber sagte mir, ich solle mit ihnen gehen, ohne irgend zu zweifeln. Es kamen aber auch diese sechs Brüder mit mir, und wir kehrten in das Haus des Mannes ein, das Haus des Cornelius. Er erzählte uns aber, wie er in seinem Haus den Engel gesehen hatte, der da stand und sagte: Sende nach Joppe und lass Simon holen, der auch Petrus genannt wird. Der wird dir Worte zu dir reden, durch die du errettet werden wirst, du und dein ganzes Haus.
Als ich aber zu reden begann, fiel der Heilige Geist auf sie, so wie auch auf uns im Anfang. Ich dachte aber an das Wort des Herrn, wie er sagte: Johannes taufte zwar mit Wasser, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden. Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die wir an den Herrn Jesus Christus geglaubt haben, wer war ich, dass ich vermocht hätte, Gott zu wehren?
Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Also hat Gott auch den Nationen die Buße gegeben zum Leben.
Die Ereignisse, die in Cäsarea stattfanden, blieben nicht verborgen. Cäsarea, da kam der Cornelius her. Und schon bald hörte man auch in Jerusalem und in diesen jüdischen Gemeinden davon, dass Heiden das Wort Gottes angenommen haben. Und hier ist interessant: Hier geht es ja nicht um irgendwie eine Einzelperson wie damals den äthiopischen Kämmerer, ja, das war ein Fremder, der zum Glauben gekommen ist, wo es aber auch nicht offensichtlich war, dass er jetzt irgendwie besonders den Heiligen Geist bekommen hat, der zog auch wieder nach Afrika. Aber nun kommt eine ganze Menschengruppe zum Glauben in Cäsarea. Und sie sehen auch, dass die Gemeinde sie aufgenommen hat, dass Petrus und die anderen Juden mit ihnen zusammen sind, Zeit mit ihnen verbringen, gemeinsam essen.
Und da stellt die junge Gemeinde in Jerusalem vor eine große Frage, vor eine große Herausforderung: Wie soll man damit umgehen? Was geschieht, wenn noch mehr Heiden zum Glauben kommen? Welche Bedeutung hat dann noch Israel? Welche Bedeutung hatten dann noch das Gesetz und die Beschneidung? Das eigentliche Problem zeigt sich hier zum ersten Mal ganz deutlich: Können Heiden auch ohne Beschneidung, ohne dass sie rituelle Vorgaben aus dem Judentum einhalten, voll zur Gemeinde Jesu Christi gehören?
Und ab diesem Zeitpunkt hier, ab Apostelgeschichte Kapitel 11, entsteht ein handfester Streit in der Gemeinde. Es ist sehr bemerkenswert, oh, sehr interessant, was das eigentliche Problem ist. Das Problem ist nicht, dass die Brüder hier aus Jerusalem dem Petrus sagen, dass irgendwie Heiden zum Glauben gekommen sind. Das ist kein Problem. Sie haben auch nichts dagegen einzuwenden, dass Petrus bei ihnen war und sie evangelisiert hat. Ihr Anstoß liegt woanders. Sie sagen zu ihm: Du bist zu unbeschnittenen Männern gegangen und hast mit ihnen gegessen. Das ist Kern des Problems.
Du bist zu unbeschnittenen Männern gegangen und hast mit ihnen gegessen. Das, was hier Petrus tat, das widerspricht völlig der Gepflogenheiten und der Lebensweise der Juden. Sie hatten mit Ungläubigen, sie hatten mit Römern und mit anderen Völkern drumherum keine Gemeinschaft, erst recht nicht eine Tischgemeinschaft, ja, zusammen essen. Und wir merken hier: Es geht hier gar nicht erst einmal um theologische Fragen oder irgendwie Sonstiges, sondern es ist etwas ganz Praktisches, was ihnen auf der Seele brennt. Darf ein gläubiger Jude mit Heiden so eng zusammenleben? Darf er ihr Haus betreten und mit ihnen essen? Und auch einige Tage hieß es ja im Text, verweilte Petrus mit den anderen bei Cornelius.
Und genau diese Frage wird im Fortgang der Geschichte sehr brisant. An dieser Frage entzündet sich ein echter Streit, und wir werden dazu noch kommen. Und im Kern steht immer wieder die gleiche Frage: Können Heiden einfach so zur Gemeinde gehören, ohne jüdische Vorschriften wie die Beschneidung einzuhalten, oder müssen sie erst Juden werden, bevor sie Christen werden können?
In Galater 2 folgende Geschichte: Petrus ist in Antiochia, und er ist gemeinsam mit Menschen, die aus den Nationen kommen, aus den Heiden. Und dann kommt Jakobus aus Jerusalem, und Petrus distanziert sich schön heimlich, leise von den anderen Christen und setzt sich extra. Petrus beobachtet das Ganze und stellt ihn öffentlich zur Rede. Sagt: Hey Petrus, was soll diese Heuchelei? Was soll diese Heuchelei? Gerade eben saßst du noch am Tisch mit den Heiden und hast mit ihnen gegessen, ab jetzt kamen Juden aus Jerusalem und plötzlich setzt du dich einfach weg. Hey, was soll das? Und dann heißt es auch, durch diese Tat wurde sogar der Barnabas hinfortgerissen. Und Paulus sagt: Nee, nee, nee, so geht das nicht. Das ist Galater 2.
Wir sehen aber auch in Apostelgeschichte 15, dazu werden wir noch kommen, dass diese Frage, ob die Heiden einfach so Christen werden können, eine ganz zentrale Frage ist, und ein echt heftiger Streit entzündet sich. Die kriegen sich richtig in die Wolle wegen dieser Frage. Und dann später sehen wir, wie das Ganze dann auch noch besprochen wird, wie sie da versuchen, theologisch und auch miteinander zu finden, wie man diesen Streit irgendwie klären kann.
Paulus greift in Epheser Kapitel 2 auf und lehrt über diesen Inhalt und sagt: Da gibt es keinen Zwischenraum mehr, da gibt es nicht Juden und Heiden, sondern in Christus ist dieser Zwischenzaun abgerissen worden, wir sind eins. Aber das hat diese junge Gemeinde bewegt. Es hat Streit, wirklich Streit hervorgerufen, weil sie sich nicht einfach gefreut haben, dass der Heilige Geist jetzt auch den Heiden geschenkt worden ist. Sondern: Wie kann es sein? Und hier merken wir einfach, wie Grenzen, wie unser Denken, das, was wir uns vorstellen, wie Gott handeln muss oder auch nicht, wie diese ganze Situation, wie dieses ganze Ereignis einfach nicht in ihr Denken hineinpasst.
Aber hier in Kapitel 11, die Verse 1 und 2, sehen wir auch noch folgendes: Ein Apostel wie Petrus steht nicht einfach über der Gemeinde. Die Christen haben das Recht, ihn zu fragen: Petrus, was hast du gemacht? Was ist in Cäsarea passiert? Der Petrus hat nicht gesagt: Ey, wisst ihr was, ich bin Apostel, was fällt euch eigentlich überhaupt ein, mich zu fragen, was da geschehen ist. Nein, die Gemeinde nimmt ihre Verantwortung ernst, sie prüft das Handeln selbst eines führenden Apostels. Und ich ermutige euch: Auch in der Gemeinde gibt es niemanden, keinen Ältesten, keinen Diakon oder irgendwie Leiter von irgendwelchen Abteilungen hier, den du nicht fragen kannst: Warum hast du das gemacht? Was geschieht in deinem Leben? Es gibt es nicht.
Aber das Problem ist nicht das Fragen: Petrus, was hast du gemacht? Sondern der Vorwurf, der hier gleich als Kritik kommt: Du warst bei unbeschnittenen Männern. Und hier sehen wir, dass Streit in der Gemeinde entsteht. Und ja, lass mich das kurz aufgreifen: In der Gemeinde lassen sich Missverständnisse nicht vermeiden. Es ist so. Solange du und ich in der Gemeinde sind, wird es Missverständnisse geben. Und es ist unrealistisch zu denken, dass es eine Gemeinde gäbe auf dieser Welt, wo alles perfekt läuft, wo alles reibungslos ineinander läuft, wo nie Sand im Getriebe ist, wo alles perfekt ist, wo es nie Spannungen gibt, wo es nie Missverständnisse gibt.
Wenn du das denkst, träum weiter. Ich möchte deine Illusion nicht rauben, aber das wird es in der Gemeinde immer geben, und wir sehen das in der Apostelgeschichte. Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, sondern Streit gehört mit in eine Gemeinde, nicht weil sie wünschenswert ist, sondern einfach auf der Tatsache beruhend, dass du und ich Sünder sind. Immer wieder passiert es, dass man etwas falsch versteht, einen falschen Eindruck bekommt, sich über das Verhalten des Anderen ärgert, aber das gehört dazu. Wir sind Menschen.
Entscheidend aber ist die Frage: Wie gehen wir damit um? Wie gehen wir mit Missverständnissen in der Gemeinde um, wie gehen wir mit Streit in der Gemeinde um? Wir können Streit vom Zaun reißen, so wie die Brüder jetzt aus Jerusalem: Du Petrus, jetzt sag mal, was soll das? Haben dich alle guten Geister verlassen? Wie gehen wir mit Konflikten um? Und da drei grundsätzliche Sachen.
Das bedeutet, dass wir miteinander reden statt übereinander reden. Auch wenn wir das beherzigen würden. Wenn ich weiß, ich habe mit jemandem ein Problem oder ich verstehe nicht, was er getan hat oder ich kriege es nicht eingeordnet, so wie die Brüder jetzt hier, dann geh doch bitte zu der Person, die es betrifft, und frage ihn: Mensch, erzähl mir doch mal, was die Hintergründe sind, erzähl mir doch die ganze Geschichte, ich will doch mal verstehen, warum du denkst oder gehandelt hast, wie du handelst.
Dann zweitens: Nachfragen statt vorschnell zu urteilen. Und drittens: Zuhören statt gleich zu reagieren. Also Konflikte in der Gemeinde sind ganz normal. Lass dich nicht entmutigen, wenn sie kommen, wenn Missverständnisse da sind, es gehört dazu. Ja, ich wünsch dir sie auch nicht. Ist nicht erfreulich, ist nicht der schönste Teil an der Gemeinschaft der Gläubigen, aber es gehört dazu, weil du und ich Sünder sind.
Manchmal entsteht Streit ganz schnell, obwohl sie unnötig ist, zum Beispiel wie hier in Kapitel 11. Die Leute greifen Petrus direkt an und machen ihm Vorwürfe, obwohl sie gar nicht wirklich verstehen, was passiert ist. Und anstatt sich darauf einzulassen oder zurückzuschießen, bleibt Petrus ganz ruhig. Eigentlich ganz erstaunlich, also der Petrus, wir reden schon von dem Petrus, der so impulsiv war, der immer gleich was zu sagen hatte, der immer vorgeprescht ist, dieser Petrus sagt: Wie wagt er es? Nein, er bleibt ganz ruhig. Und das zeigt eins, wie Petrus mit der Situation umgeht, dass in seinem Leben etwas stattgefunden hat, dass dieser Heilige Geist in seinem Leben eine Veränderung bewirkt hat.
In Galater 5, Vers 22 heißt es, dass die Frucht des Geistes, also das, was in dir heranwächst, das, was Gott in dein Leben hineingepflanzt hat als Samen, dass das immer mehr und mehr wächst und immer mehr ausreift: Liebe, Geduld, Freundlichkeit, innere Ruhe. Oh, innere Ruhe, der Petrus hatte das nicht. Ihr kennt den Petrus, der hat so eine Steilvorlage, der hätte dir an die Wand geklatscht, ohne Ende. Aber Petrus ist ruhig.
In Jakobus 5, Vers 9 heißt es auch: Ärgert euch nicht übereinander, Geschwister! Missverständnisse kommen, aber ärgert euch nicht übereinander, ihr wollt doch nicht gerichtet werden. Oft reagieren wir zu schnell, denken gleich negativ, wir wissen ein bisschen was und ziehen gleich negative Schlüsse und werfen es dem anderen auch noch vor.
Es wäre doch irgendwie gescheiter gewesen, wenn die Brüder gefragt hätten: Wir haben da einiges gehört, einiges ist durchgedrungen, aber Petrus, komm, erzähl uns doch mal, was ist denn da passiert? Erzähl uns doch mal die ganze Geschichte, war es so lange weg? In Sprüche 18, Vers 13 heißt es: Wer antwortet, bevor er zuhört, ist töricht und macht sich lächerlich oder ist dumm, unweise. Also wer antwortet, bevor er zuhört, Paradebeispiel, Apostelgeschichte 11, die Verse 1 und 2. Der ist töricht und macht sich lächerlich.
Es ist unklug, jemanden zu verurteilen oder einen Schluss zu ziehen, eine Konsequenz zu ziehen, wenn du ihn nicht mal gefragt hast. Sag mal, was ist eigentlich der Hintergrund? Wer antwortet, bevor er zuhört, ist töricht. Wir reden vielleicht darauf los, ohne die Fakten zu kennen, und verschärfen in solchen Situationen den Streit, ohne dass wir wirklich wissen, worum es eigentlich geht. Und deshalb ist es so wichtig, sich Zeit zu nehmen und wirklich zuzuhören. Und genau das macht Petrus hier an dieser Stelle.
Petrus sagt nicht, also er verteidigt sich nicht, sondern er sagt: Also wisst ihr was, komm, ich erzähl doch einfach mal, was mir passiert ist. Ich erzähl euch einfach mal die Geschichte, was ich mit Gott erlebt habe in der letzten Zeit. Und das macht er dann ab Kapitel 3 bis Vers 17.
Nehmen wir uns doch einfach mal die Zeit, wenn Missverständnisse da sind, die Zeit, einfach mit jemandem zu sprechen. Vielleicht am Telefon, lade ihn zum Kaffee ein oder zum Bierchen, wie auch immer, oder lade ihn zum Essen ein. Eine super Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Sag: Hey, komm, ich höre dir zu, erzähl doch mal. Und vielleicht denk dir ein bisschen zurück. Corona, wo unterschiedliche Oppositionen da waren, warum tickt der andere so wertig, warum kommt er zu diesem Schluss? Voreilig Urteile gezogen, ohne ihm einfach zuzuhören, was ihn bewegt, was die Grundlage dessen ist, dass er zu einem anderen Schluss vielleicht kommt wie ich, und vielleicht lassen sich Missverständnisse ausräumen. Das geschieht ganz oft.
Was wir hier noch sehen können: Entdecke die Handschrift im Leben deiner Geschwister. Das tun die Brüder aus Jerusalem dann bei Petrus und sagen: Ach so, wenn das so ist, dann ist klar, Jesus ist Herr und Jesus führt unser Leben auf unterschiedliche Weise. Jesus musste dem Petrus beibringen, dass kein Mensch unrein ist. Das war für Petrus nicht selbstverständlich. Das war ein Prozess, wo Petrus drin war, das haben die anderen aber gar nicht mitbekommen, wie Gott den Petrus verändert hat.
Und Petrus kann jetzt sagen: Ja, ich war ja genau so, also ich war ja auch hier so wie Scheuklappen unterwegs, aber Gott hat mir gezeigt, ich soll keinen Menschen unrein nennen. Das haben die anderen gar nicht mitbekommen. Warum? Weil sie fragen ihn ja auch gar nicht. Petrus, sag mal, was hast du mit Gott erlebt? Jeder ist irgendwo anders unterwegs in seinem Glaubensleben, jeder steht auf einer anderen Stufe, und dann einfach Rückschlüsse zu ziehen, ist einfach zu kurz gefasst. Darum lasst uns einfach fragen: Was erlebst du gerade mit Gott, wo stehst du gerade in deinem Glauben? Und dann verstehen wir vielleicht auch, warum jemand handelt, wie er handelt oder meint, was er sagt.
Und wenn wir uns darauf einlassen, dann können wir wie diese Männer hier im Vers 18 sagen: Ah, jetzt verstehe ich dich. Petrus, ja jetzt wird alles klar, das ist ja nicht, was du gemacht hast, sondern das wird ja ganz klar deutlich, da hat Gott gehandelt. Und Petrus sagt es ja auch, ich konnte gar nichts tun, das war das Wirken Gottes.
Deswegen lasst es uns mitnehmen, dass wir miteinander reden. Missverständnisse noch mal lassen sich nicht vermeiden, Streit lässt sich vielleicht auch nicht vermeiden, wenn wir nicht richtig aufeinander reagieren, aber lasst uns das, was wir hier auch lernen können, an so einem freudigen Tag. Und ich dachte mir in der Vorbereitung: Das kann doch nicht wahr sein. Auf der einen Seite feiert man Pfingsten, dieses Vorrecht, das Gott uns den Heiligen Geist schenkt. Dann leben wir zusammen, und anstatt dass wir uns freuen, ist das nächste Kapitel im unmittelbaren Zusammenhang Streit. Aber man fragt sich manchmal schon, wie ticken wir Christen?
Deswegen lasst es uns zu Herzen nehmen und miteinander reden. Nicht übereinander reden, miteinander reden. Lad die Leute ein, erzähl doch, hab diese Offenheit, nicht einfach nur, dass du irgendwas aus deinem Leben erzählst, nein, gib doch dem anderen eine Chance zu verstehen, wo du geistlich stehst, bevor du ihn verurteilst oder irgendwie falsche Schlüsse ziehst.
Und wir sehen hier, dass das ganz genau das Gleiche passiert ist. Sie hören dem Petrus zu, sie erkennen: Ja, Gott hat hier gehandelt, das war Gottes Wirken, Gottes Handeln, Petrus konnte gar nichts dafür, das ist nicht aus seiner Idee erwachsen. Und dann kommt Vers 18: Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich. Oh, die waren aufgebracht, ja, die waren aufgebracht, Puls auf hundertachtzig, Petrus, was kannst du tun, wie kannst du sowas erlauben, dass auch die Heiden hier getauft werden und jetzt plötzlich ohne Vorschriften Christ werden. Aber jetzt verstehen sie was, jetzt beruhigen sie sich, jetzt kapieren sie: Ah, da war ja Gott am Handeln, am Wirken.
Und jetzt ist es so schön, was kommt dann? Und sie verherrlichten Gott und sagten: Also hat Gott auch den Nationen die Buße gegeben zum Leben. Am Anfang sagen sie: Du Petrus, du, du bist der Schuldige. Jetzt sagen sie: Gott hat auch den Nationen die Buße zum Leben gegeben. Ihre Sichtweise hat sich komplett geändert, 180 Grad Kehrtwende.
Und wir sehen auch, was passiert, wenn eine Gemeinde einig ist, wenn eine Gemeinde sich versteht, wenn in einer Gemeinde kein Streit ist, dann wird Gott verherrlicht, dann wird Gott gelobt, dann können wir Gott die Ehre geben. Aber wenn das nicht da ist, wenn Streit unter uns herrscht, dann können wir Gott nicht loben, dann bekommt Gott nicht die Ehre, die ihm gebührt. Dann sehen wir das Wirken Gottes in dem Leben des Anderen nicht und können Gott dafür nicht verherrlichen. Aber dort, wo dann Streit aufhört, dort entsteht echte Gemeinschaft, und das hat zur Folge, dass Gott geehrt wird. Deshalb ist Frieden so wichtig in der Gemeinde.
Wir können einfach nicht die Hände strecken und sagen: Na ja, wir Sünder, wir streiten halt, ist halt so. Nein, dagegen müssen wir etwas tun, zuhören zum Beispiel. So wird Gott verherrlicht. Frieden in einer Gemeinschaft hält die Gemeinschaft gesund und macht möglich, dass wir gemeinsam sehen, was Gott tut, und ihn dafür danken können. Und das geschieht hier in Vers 18. Sie haben nicht alles verstanden, weil ich habe es euch vorhin ja gezeigt, es kommt noch unendlich viel Streit wegen diesem Punkt auf die Gemeinde zu. Aber fürs Erste haben sie kapiert: Gott ist am Wirken. Lasst uns das auch entdecken, wie Gott in unserem Leben wirkt und wie wir als Gemeinde dann Gott danken können.
Lass mich zum Schluss kommen: Wenn der Himmel überrascht, und der Himmel hat uns überrascht, dich und mich, weil du und ich Heiden sind und eigentlich kein Recht hatten, zu Christus zu gehören, zur Gemeinde zu gehören, aber Jesus hat uns auch den Heiligen Geist gegeben, obwohl du nicht Jude bist und ich auch nicht. Der Himmel hat uns überrascht. Dafür können wir Gott dankbar sein. Vielleicht ganz neu bewusst heute uns das zu verinnerlichen: Das ist ein Vorrecht, dass wir zu Christus gehören dürfen und dass wir das Geschenk des Heiligen Geistes haben.
Und am Ende bleibt für mich eine einfache, aber tiefgreifende Erkenntnis übrig: Gott handelt oft anders, als du dir es vorstellst, oft in positiven, aber auch in negativen Dingen. Und die Frage ist nicht, ob du alles verstehst und ob du alles auf die Reihe bringst und einordnen kannst, sondern die Frage ist: Trauen wir Gott zu, dass er keine Fehler macht, und lernen wir voneinander, anstatt dass wir uns an die Gurgel gehen, wenn wir merken, dass Dinge passieren, die einfach nicht in meine Vorstellungskraft hineinpassen?
Und ich wünsche dir persönlich, und das wünsche ich auch mir, dass wir von Petrus lernen, ruhig hörend zu sein, offen für Gottes Wirken, einfach zu verstehen, was Gott tut, und auf Missverständnisse oder auf Kritik nicht gleich überzureagieren, sondern einfach zuzuhören, einfach unsere Geschichte zu erzählen, einfach zu sagen: Hey, bevor du mich missverstehst, lass mir doch einfach erzählen, wie es mir gegangen ist, und dann wird sich vieles lösen.
Lasst uns einfach neu anfangen, uns füreinander zu interessieren, zu fragen: Hey, was erlebst du mit Gott?, dass wir Gott die Ehre geben können, dass wir Gott preisen können und letztendlich, dass wir gemeinsam staunen, dass wir gemeinsam danken und gemeinsam Gott die Ehre geben können. Amen.