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Der Prediger in der Wüste

Lukas 3,1-1414.12.1980
Advent heißt nicht nur Vorfreude: Was erstickt in deinem Leben Gottes Stimme? Johannes ruft zur Umkehr, damit Schuld, Lärm und Selbstbetrug Platz machen für echten Neubeginn.

Ein Warnsignal vor dem Fest

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gemeinde,
an den Eisenbahnübergängen stehen die Baken, das sind Warnschilder. Wenn ich es richtig im Kopf habe, steht die erste 240 Meter vorher, dann kommt eine bei 160 Metern und die letzte 80 Meter davor. Sie warnen: Pass auf, da kann ein Zug durchbrausen. Da muss man die Geschwindigkeit reduzieren und Vorsicht walten lassen.
So geht es mir jedes Mal an den Adventssonntagen: Mensch, dritter Advent, jetzt wird es ernst. Jetzt kommt das ja mit Riesenschritten, jetzt muss die Vorbereitung abgeschlossen sein. Ich denke bei Ihnen auch an die Päckchen, die noch nicht weg sind. Die müssen jetzt dringend weg. Und wenn Sie noch ein Besüchlein machen wollen und so manches noch vorhaben, auch die Hausfrauen, die noch etwas backen wollen, jetzt wird es Zeit. Das ist also das letzte Warnsignal: dritter Advent vor dem großen Fest.
Es ist eine alte Tradition, dass an diesem dritten Advent auch an Johannes den Täufer erinnert wird. Manche sagen, der passt gar nicht in die Festesvorfreude. Das ist so ein unwirtlicher Geselle, der da draußen in der Wüste steht, schon so komisch angezogen. Warum man diesen Johannes den Täufer eigentlich immer wieder da am dritten Advent im Gottesdienst hat und an ihn erinnert, ist einfach deshalb, weil er uns mahnen will: Bereitet euch vor!
Das passt zu diesen Warntafeln. Seid ihr eigentlich bereit für das kommende Fest?

Mehr als ein Vorbild für einen bestimmten Lebensstil

Ich meine, dass dieser Johannes prima in unsere Zeit heute passt. Der Ausgang des zwanzigsten Jahrhunderts ist so ein Bild, ja, der passt für unsere jungen Leute. Das ist kein, wie sagen die jungen Leute, Konsumdepp.
Johannes der Täufer, das ist einer, der lebt den einfachen Lebensstil, Jute statt Plastik. Der geht hinaus in die Wüste und verzichtet auf das grosse Einkommen. Der sagt: Ich brauche gar nicht viel, ich ziehe mich zurück und lebe nur still von mir hin. Und er lebt von der Natur. Ganz einfach. Das, was da draussen in der Wüste zu haben ist: wilder Honig und Heuschrecken. Er legt die Zeichen der Zivilisation ab.
Also, ich möchte da nichts hineinlegen, aber es ist doch interessant: Der Johannes, das ist so ein Idol, könnte der sein unserer modernen Jugend. Er erkennt, dass man alternativ leben muss. Man muss aussteigen aus der Kultur von Jerusalem und aus dem, was die Zöllner und die Pharisäer als Lebensstil predigen. Ich will anders leben, ich will besser leben, ich will intensiv leben, ich will das Eigentliche des Lebens fassen.
Und dass er die Stille sucht, das könnte ein junger Mann unserer Zeit sein. Die Bibel unterstreicht das und erzählt das. Und das wird nicht einfach schlecht gemacht in der Bibel, aber doch müssen wir darauf aufpassen, dass die Bibel noch mehr sagen will. Die Bibel macht das nie zur Ideologie, Fragen des Lebensstils.

Die Wüste als Ort der Erinnerung und des Neubeginns

Und so will ich eigentlich jetzt dick unterstreichen: Mehr als nur ein Lebensstil ist dem Johannes wichtig, mehr als nur ein Lebensstil. Es hieß vor seiner Geburt, er wird mit dem Heiligen Geist erfüllt sein. Und das interessiert uns: Was hat dieser Prediger Johannes uns über den Lebensstil hinaus zu sagen?
Ich will das nicht schlecht machen, aber es geht im Leben um noch wichtigere Dinge. Und gerade Johannes ist uns dafür ein Beweis, ein Zeuge. Denn in der Mitte seiner Verkündigung steht nicht sein Lebensstil. Er hat nicht gepredigt: Leute, werdet wie ich. Er hat mehr gepredigt, und das will ich nun an ein paar Stellen zeigen.
Zuerst: Warum steht er eigentlich in der Wüste? Ist nicht doch sein Ziel, dass er den Menschen zeigen will: Kommt alle zu mir in der Wüste, dann werdet ihr das Glück finden? Das steht doch so oft heute hinter diesen Lebensstilprogrammen, die verkündet werden. Und viele sagen: Ich bin ausgezogen, um mein Lebensglück zu suchen.
Johannes hat es für sein Leben als befreiend empfunden, auf vieles zu verzichten. Und das zeigt die Bibel. Ich will das in keinem Stück irgendwie auch nur etwas verkleinern oder schmälern. Wir wollen darauf aufpassen, wie es die Bibel immer wieder zeigt: Wenn ein Einzelner von Gott den Weg gewiesen bekommt, ein Asket zu sein, so kann dies ein Zeichen für seine Umwelt sein. Und das ist schön.
In der Bibel wird das oft gezeigt: Mensch, der Reichtum kann doch dein Leben belasten und macht dich abhängig von vielen äußeren Dingen. Und da ist einer, der ist frei für Gott. Ich las in diesen Tagen, dass die Versicherungsmathematiker, die doch wissen müssen, wer ein langes Leben hat, sagen: Die höchste Lebenserwartung haben die, die ein einfaches und entbehrungsreiches Leben führen. Wenn wir es noch wissen wollen, wie der Herr segnet, dann sollen wir in diesen Tagen dieses Geheimnis wieder entdecken.
Aber ich bin froh, dass Johannes daraus kein Programm macht, keine Ideologie, sondern er lebt das für sich. Er findet seine Freude darin, und darin soll er uns Mut machen: ob das nicht für uns ein Weg sein kann, der uns gewiesen ist.

Warnung vor dem, was das Wort erstickt

Jesus selbst hat es einmal in einem Gleichnis sehr deutlich gesagt: Die Sorgen dieser Welt und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort Gottes, und es bringt keine Frucht. Und das ist die einfache Antwort darauf, warum in unserem Leben oft das Wort Gottes gar nicht Raum gewinnen kann und warum unser Christenleben abstirbt.
Aber Johannes stellt dies nicht in den Mittelpunkt seiner Verkündigung. Er erwähnt es, als er gefragt wird: Was sollen wir denn tun? Da sagt er: Wenn du zwei Mäntel hast, gib dem, der nichts hat. Teile das, was du hast.
Wenn wir den Lebensstil von Johannes übernehmen sollten, oder wenn das in der Mitte stehen würde, dann ist ja heute immer wieder die Frage, ob wir am Heiligen Abend bloß gegen den Reichtum predigen sollten, wie es mancherorts geschieht. Dann wäre ja die Konsequenz, dass wir das Geld sparen und keine Weihnachtsbäume kaufen, sondern stattdessen einen Besenstiel in die Wohnung stellen und ein paar Kerzen daran machen. Das könnte man auch machen. Es würde auch Geld sparen.
Aber die Bibel streicht uns nicht die kleinen Freuden dieser Welt durch. Sie dürfen sich auch ergötzen an den Geschenken, an der Liebe, die ihnen dort zuteil wird.

Die Bedeutung der Wüste für Gottes Geschichte

Johannes will ein Zeichen für seine Person setzen, und er ruft die Leute in die Wüste. Nicht, weil er ihnen das Schöne dieser Welt madig machen will, sondern weil die Wüste für ihn eine wichtige Bedeutung hat.
Ich habe mich schon manchmal gefragt, warum Johannes nicht im Tempel auftrat. Natürlich sagen Sie: Im Tempel wäre es nicht möglich gewesen. Ja, vielleicht hätte er das doch machen können. Johannes war ja ein Pfarrerskind, sein Vater Zacharias war doch angestellt im Tempel. Er hätte das schon hingekriegt, dass er da Zugang bekommen hätte, und eine Zeit lang hätte er vielleicht schon reden können. Das wäre schon möglich gewesen.
Und wenn es bloß so gewesen wäre, wie in den letzten Sonntagen einer in der Stiftskirche probiert hat, mit Zwischenrufen den Gottesdienst zu sprengen, das kann man ja tun. Warum hat Johannes das nicht gemacht, seine Botschaft dort mitten unter den im Tempel versammelten Menschen loszuwerden?
Für ihn hat die Wüste eine viel wichtigere Bedeutung. Damals, viele Jahrhunderte früher, war das so, als das Volk Israel aus Ägypten gezogen war. Da liefen sie durch die Wüste mit wunden Füßen, und die Kinder klammerten sich an die Rockschöße der Mütter und sagten: Mama, wann sind wir am Ziel? Und die konnten selber nimmer. Und die sagten zu den Männern: Wir geben jetzt auf, wir gehen wieder zurück, wir steigen aus der Führung Gottes aus, die Gegette sind uns dunkel.
Und dann sahen sie plötzlich die Wolkensäule vor sich. Und dann erlebten sie, wie Gott Wasser aus dem Felsen gibt. Und wie das Manna vom Himmel herunterfiel, es war ein Wunder. Später haben sie das nicht mehr erlebt.
Und Johannes sagt: Ihr müsst wieder anknüpfen an den großen Segnungen Gottes. Wenn ihr wieder so einfältig werdet wie eure Väter damals in der Wüste, dann kann das Neue beginnen. Dann kann Gott wieder anfangen, zu euch zu reden.

Umkehr als Antwort auf Gottes Nähe

Damals in der Wüste schrien eure Väter zum Herrn. Das ist mir jetzt wichtig in unseren weihnachtlichen Vorbereitungen. Wenn wir uns auf das Fest rüsten, ist es wieder wichtig, dass wir verstehen, wie arm wir sind, und dann zum Herrn rufen: Herr, segne uns! Wieder, wie du es einst getan hast, tue deine großen Wunder auch heute in unserem Leben.
Wir wollen eine Begegnung mit dir haben. Die äußeren Dinge sollen einmal zurücktreten. Ja, ich will da ruhig etwas reduzieren in meinem Terminkalender. Ich will in diesen letzten Tagen, die mir verbleiben, Zeit und Stille haben für dein Wort, damit du in meinem Leben reden kannst und ich offene Ohren habe für dich.
In Hosea 13 steht das Wort, wo Gott spricht: Ich nahm mich deiner an in der Wüste, im dürren Land. Aber als sie satt wurden und genug hatten, erhob sich ihr Herz; darum vergaßen sie meiner.
Ist das auch unsere Geschichte, dass wir in all den vielen Verpflichtungen unseres Lebens den Herrn vergessen haben? Johannes will uns zur Umkehr rufen. Er will sagen: Knüpft da wieder an, wo Gott euch gesegnet hat.
Lebensstil hin und her, darüber müssen Sie gesondert nachdenken. Wichtig ist, dass in Ihrem Leben Gott wieder Zeit hat und Raum hat und dass Sie überhaupt die Ohren öffnen können für sein Wort. Er will der Herr ihres Lebens sein, er will sie führen, und da braucht es Stille, damit er überhaupt reden kann.

Die eigentlichen Hindernisse auf dem Weg zu Gott

Jetzt möchte ich Sie noch auf die Hindernisse auf dem Weg hinweisen. Die Hindernisse auf dem Weg noch einmal: Das sind also nicht die Lebensgewohnheiten der Menschen, das ist nicht ihre Kultur, die Johannes bekämpft. Aus seinem Munde ist das besonders wichtig.
Johannes sagt nicht: Ihr Leute, ihr müsst einfach anders leben, dann lösen sich eure Lebensfragen. Dem Trug erliegt er nicht. Er sagt auch nicht: Zurück zur Natur, dann wird alles in eurem Leben wieder gut, ihr werdet nicht mehr krank werden, ihr habt keine Probleme mehr. Nein, Johannes ist ja kein Volksbetrüger, sondern Johannes weist darauf hin, wo die entscheidenden Hindernisse liegen, wenn er davon spricht, wie die grossen Steine auf dem Weg liegen.
Und er spricht davon, dass Gott nicht durchkommen kann zu uns. Der Weg ist blockiert. Gott will zu uns, und das geht gar nicht. Das sind die grossen Hindernisse.
Was sind da die grossen Hindernisse? Schuld. Da muss heute von Schuld gesprochen werden. Und es ist gut so, dass da heute nicht selige Weihnachtsträumereien von uns gemacht werden und gefordert sind, sondern dass wir uns damit auseinandersetzen, was in den letzten Tagen und in den zurückliegenden Wochen vor Gott nicht recht war.
Und so können wir nicht Weihnachten feiern, so können Sie nicht in die Festtage hinein die bösen Worte, die gesprochen wurden, die gemeinen Gedanken, all das, was Unrecht war, was Gott nicht will. Das muss bereinigt sein, sonst kommt kein Fest, sonst wird es nicht fröhlich bei Ihnen.

Die scharfe Sprache der Umkehr

Johannes spricht die Leute sehr deutlich an: „Ihr Schlangenbrut.“ Darf man Menschen so anreden? Sie wissen, ich will jetzt nicht den politischen Ausflug machen. Aber das hat ja bis heute Menschen zu Eiferern gemacht, wenn da im Wahlkampf offenbar oder nicht oder vielleicht doch das Wort gefallen ist: „Ihr Ratten und Schmeißfliegen.“ Oder von einem jedenfalls, auf den es gemünzt war. Wie darf denn Johannes das sagen?
Ich habe in einer Predigtanleitung zum heutigen Sonntag gefunden, dass geraten wurde, Johannes der Täufer sei doch von Jesus her einer Kritik zu unterziehen. Und es soll der Gemeinde deutlich klargemacht werden, dass man so nicht von Menschen reden dürfe, von lebendigen Menschen, die doch Geschöpfe Gottes sind. „Schlangenbrut“ – man kann sie doch nicht so betiteln.
Ich möchte mich nun, ohne die politischen Konsequenzen dabei zu bedenken, doch zu Johannes bekennen und meine, dass das einen tiefen Sinn hat. Was meint die Bibel, wenn sie immer davon spricht, dass das Böse in Gestalt einer Schlange kommt? Da ist dieses Bild von dem Täuschen einer Schlange, die so gewandt sich durchlaviert und überall hinkommt. Die kann rechts und die kann links, die kann mittendurch und oben drüber, und immer kommt sie durch. Und das hasst Gott an uns: dieses anpassende Wesen, dieses Kleiden, wo man auch fromm kann, natürlich, wo man auch heute im Gottesdienst sitzen kann.
Da will Johannes uns treffen, wenn er sagt: Schlangenbrut. Ihr könnt ganz schön auch fromm machen, ihr könnt prima beten, ihr könnt Gott anrufen, ihr könnt schöne Lieder singen. Aber ob euer Leben ein Stück der Herrschaft Gottes widerspiegelt, eure Familien, eure Gedanken, eure Geldgeschäfte, ob die von Gott geprägt sind, das ist doch die Frage.
Und ich bin froh, dass Johannes sagt, dass unser Wesen abgelegt werden muss. Da spricht Johannes von der Buße. Seitdem die Polizei Bußgeldbescheide ausstellt, können wir das Wort Buße immer zum biblischen Sinn zurückführen. Obwohl das der Anfang der Reformation Luthers war, darum lassen Sie mich das biblische Wort anders übersetzen: Das heißt, kehrt um, bekehrt euch, macht einen Schnitt in eurem Leben, kriegt die Kurve und fangt neu an. Jetzt gehören neue Anfänge hin, konkrete Entscheidungen.

Gehorsam statt bloßer Zugehörigkeit

Und wenn wir den Johannes heute verstehen wollen, dann sind von uns an diesem dritten Advent konkrete Gehorsamsschritte nötig und gefordert. Tut rechtschaffende Frucht der Umkehr! Lasst das sichtbar werden in eurem Leben, wenn ihr Gott dienen wollt und wenn ihr nicht Schlangenbrut sein wollt! Dann fangt endlich an, Gott in eurem Leben bestimmen zu lassen!
Ich halte es für sehr gefährlich, dass man so leicht in Christengemeinden immer wieder sagt, Johannes der Täufer gehöre doch ins Alte Testament. Ich weiß nicht, ob man das Alte Testament so abwerten darf. Ich weiß es: Man darf es nicht abwerten, wo Jesus das Alte Testament so wichtig nahm und meinte, dass nicht ein Buchstabe von diesem Alten Testament hinfalle, sondern durch ihn erfüllt und bestätigt werde. Jesus selbst kam und predigte Buße, das heißt doch Umkehr. Und es ist ein Trug von Christen, wenn sie meinen, man könnte Jesus gehören und doch noch immer weiter schlittern und weiterfahren im alten Ungehorsam. Das geht nicht.
Und wenn Johannes davon spricht, dass man sich auch nicht auf die Kindschaft bei Abraham berufen kann und sagt: Ich bin doch Volksgenosse in Israel, ich gehöre doch zum auserwählten Volk, dann gilt das bei Gott nichts, wenn es nicht bestätigt wird durch Gehorsam. Überlegen Sie doch, ob Jesus bei seinen Jüngern anders den Gehorsam gefordert hat als Johannes. Natürlich gilt das weiter, dass wir nicht in dieses Fest eintreten können, wenn wir uns nicht einer gründlichen Reue und Umkehr unterziehen und wenn wir auch nicht merken, dass man ins Reich Gottes nicht hineingeboren wird.
Wir haben die ganze Problematik in unserer Kirche mit der Kindertaufe und mit der Meinung, dass man eben mit seiner Familienzugehörigkeit schon den Glauben geerbt hat. Aber Johannes bestreitet uns das und sagt: Jeder muss es in einer eigenen Entscheidung vor Gott ergreifen. Das meint er doch mit seiner Buße. Ich muss einmal bewusst und willentlich zu Jesus Christus Ja sagen und mich für ihn entscheiden. Und wenn sie sagen, ich kenne das in meinem Leben nicht, dann machen sie es doch heute fest und sagen: Ich will mit ihm gehen und will ihm dienen.
Und er weist darauf hin, gerade weil in uns selbst ein Abgrund des Bösen ist, das meint er mit dem Bild der Schlangenbrut. Die Gedanken, unsere Überlegungen, sogar unser Beten sind oft von einem bösen Taktieren bestimmt, wo wir mit Gott handeln wollen, und das ist gar nicht echt und aufrichtig. Darum muss unser Herz und unser Fühlen und unser Denken sich einer grundsätzlichen Prüfung vor Gott unterziehen. Anders werden wir das Heil Gottes nicht sehen.
Verstehen Sie, wo Johannes ansetzt: Die Herzen müssen bekehrt werden, nicht zurück zur Natur. Das können Sie auch machen, wenn Sie wollen. Aber das Wichtigste ist, dass Ihre Herzen bekehrt werden zu Gott hin. Ein gesunder Baum bringt gute Frucht.

Die Hoffnung auf den Kommenden

Jetzt muss ich noch über die Erwartung des Johannes sprechen. Was erwartet er denn? Ja, was ist seine Erwartung, auf die er zugeht? Erwartet er den Frieden, das Glück?
Er weist in die Zukunft. Und wenn Sie wissen wollen, wo Johannes hinter Jesus zurückbleibt, dann an dieser Stelle: Die Menschen haben sich taufen lassen, und sie stiegen aus dem Jordan herauf. Und was ist eigentlich anders geworden? Sie haben den Geist Gottes nicht empfangen.
Da steht noch einmal später in der Apostelgeschichte, dass da welche waren, die sich sogar noch im Ausland der Johannestaufe unterzogen haben und gehofft haben, ihr Leben würde neu. Und sie haben nie gehört, dass der Geist Gottes kommt.
Das Befreiende ist ja, dass im Neuen Testament an so vielen Stellen gesagt wird: Wenn wir gläubig werden, an Jesus gläubig werden und zu Jesus Herr sagen können, dann ist das schon ein Beweis, dass uns der Geist gegeben ist. Und dass uns der Geist Gottes gegeben werden soll, da, wo wir darum bitten.
Und das erzählt hier Johannes. Er weist darauf hin und sagt: Das Neue wird kommen, wenn der andere kommt, der nach mir kommt. Der ist stärker, der wird euch anders taufen, der wird den Geist Gottes mitbringen.
Nicht, Jesus hat die Gehorsamstreue der Jünger abgeschwächt, aber er hat gesagt: Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch aus eigener Kraft sein Leben ändern will oder ob Gott uns seinen stärksten Beistand geben kann, seinen Heiligen Geist, der uns im Tun unterweist, der uns fähig macht, seine Gebote zu erfüllen. Dieser Geist wirkt neues Leben, Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut, Keuschheit.
Davon spricht Johannes mit seiner großen Erwartung. Ich möchte unsere jungen Freunde, die für den alternativen Lebensstil schwärmen, gerade an Johannes darauf hinstoßen: Entscheidend wird die Welt erst neu, wenn Jesus in unserem Leben der Herr wird und durch seinen Geist in unserem Leben wirkt.
Er macht das Krumme gerade. Ich kann das Krumme nicht zurechtbiegen. Nur nach Schlangenart kann ich es machen. Sondern wenn er kommt, dann wird das Leben neu werden. Alles Fleisch wird das Heil unseres Gottes sehen.

Das kommende Gericht und die bleibende Frucht

Johannes redet nicht von anderen Dingen, sondern vom Heil Gottes. Und dieses Heil hat er nur von ferne geahnt, wie es sich später erfüllt hat. Da kamen auch Zschöllner, auch solche trügerischen Gläubigen, die wir Pharisäer nennen. Sie kamen und erlebten, wie Jesus ein Leben von Grund auf verändern kann.
Das Heil sieht Johannes. Er ist ja kein düsterer Prophet. Machen Sie ihn doch gar nicht so düster. Er ist ein Mann der großen Freude, ein Mann der Zuversicht, ein Mann der Hoffnung. Er kann den Menschen sagen: Da kommt das Licht in unsere finstere Welt. Da kann man den Kopf erheben, weil sich unsere Erlösung naht.
Und wenn Sie noch einmal meinen, Sie müssten den Johannes in seiner Predigt korrigieren: Ich will ihn nicht korrigieren. Selbst da, wo er von der Wurfschaufel redet, ist das wahr. Der Herr, der kommt, dessen Kommen wir an Weihnachten besingen und vor dessen Krippe wir anbetend stehen, dieser Herr hat wirklich die Wurfschaufel in der Hand. Er wird schaufeln, und er wird das hochwerfen. Er will sehen, ob der Wind die Spreu vom Weizen trennt.
Wissen Sie, dass das gilt, was Johannes sagt? Auch unser Leben muss durchs Gericht hindurch, und nur die Frucht kann bleiben. Die Spreu muss weggerissen werden. Heute kann man schon durchs Gericht Jesu hindurch und unter seinem Kreuz die Spreu wegwerfen. Das, was Unrecht ist und nicht taugt.
Die Adventssonntage haben ihren Sinn in der Vorbereitung. Die Spreu soll weg, und Weizen, Frucht soll bleiben, Frucht, die er wirkt. Der Herr segne sie dazu. Amen.