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Einführung in die Gebetswelt Davids
Wir beschäftigen uns in dieser aktuellen Serie mit dem Gebetsleben von König David. Diese Gebete finden wir im Buch der Psalmen, einem Buch mit 150 Psalmen, von denen 74 David zugeschrieben werden, diesem großen König.
Dieses Buch befindet sich ungefähr in der Mitte der Bibel. Wenn ihr die Bibel gar nicht kennt und einmal in die Verlegenheit kommt, dass ihr euch äußern müsst oder jemand etwas aus der Bibel hören möchte, dann sagt doch einfach: Lesen wir doch einen Psalm. Dann seid ihr ungefähr in der Mitte, und dann seid ihr bei den Psalmen. Also ein kleiner Trick: Psalmen. Dann haben die Leute den Eindruck: Oi oi oi, der kennt sich ja gut aus in der Bibel. Das ist ziemlich in der Mitte. Natürlich muss das Alte Testament dabei sein, sonst geht es natürlich nicht, weil man sonst lange suchen muss.
Psalmen sind leidenschaftliche Gebete, Aufschreie aus tiefster Not, großem Schmerz, Verzweiflung und Klage über die scheinbare Untätigkeit Gottes. Psalmen geben auch ihrem Erstaunen über Gottes Führung Ausdruck und nehmen uns mit in die Begeisterung über Gottes Allmacht, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Die gesamte Gefühlspalette des Lebens mit ihren Höhen und Tiefen, den tiefsten Tiefen, begegnet uns in den Psalmen. Deshalb lieben viele diese berührenden, aufrichtigen Gebete.
Heute beschäftigen wir uns mit Psalm 19, der von der Begeisterung über Gott und seine Werke erzählt. Lesen wir zuerst diesen faszinierenden Psalm.
Vorzusingen. Ein Psalm Davids.
Das heißt, diese Gebete wurden nicht nur als persönliche Gebete geschrieben, sondern auch, um im Rahmen des Gottesdienstes vorgetragen zu werden.
Die Himmel verkünden die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe bezeugt, dass es das Werk seiner Hände ist. Ein Tag erzählt es dem anderen, und eine Nacht gibt es der anderen weiter. Sie tut es ohne Worte, kein Laut und keine Stimme ist zu hören, und doch geht ihre Botschaft über die ganze Erde, ihre Sprache bis an das Ende der Welt.
Gott hat der Sonne ihren Ort am Himmel gegeben. Wie ein Bräutigam aus seiner Kammer hervortritt, so geht sie am Morgen auf. Wie ein freudig strahlender Held läuft sie ihre Bahn. Von Horizont zu Horizont vollführt sie ihren Lauf. Nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.
Das Gesetz des Herrn ist vollkommen. Es stärkt und erfrischt die Seele. Was der Herr in seinem Wort bezeugt, darauf kann man sich verlassen. Auch einem Unerfahrenen wird dadurch Weisheit geschenkt. Die Anordnungen des Herrn sind wegweisend und erfreuen das Herz. Das Gebot des Herrn ist klar und deutlich, es schenkt neue Einsicht. Die Furcht vor dem Herrn ist rein, in Ewigkeit bleibt sie bestehen. Die Ordnungen des Herrn sind zuverlässig und entsprechen der Wahrheit, sie sind ausnahmslos gerecht. Wertvoller als Gold sind sie, kostbarer als eine Menge von feinstem Gold. Sie sind süßer als Honig, ja süßer noch als Honig, der aus der Wabe fließt.
Herr, auch ich, dein Diener, lasse mich durch sie zurechtweisen. Sie zu befolgen bringt großen Lohn. Wem fällt es schon gleich auf, wenn er falsch gehandelt hat? Sprich mich frei von unbewusster Schuld. Bewahre deinen Diener vor überheblichen Menschen. Lass sie keine Macht über mich gewinnen, dann kann ich ohne Schuld und frei von schwerem Vergehen bleiben.
Mögen die Worte, die ich spreche, und die Gedanken, die in meinem Herzen sind, dir gefallen, Herr, mein Fels und mein Erlöser.
Die Frage nach Gott und die Spur in der Schöpfung
Gibt es einen Gott? Wenn ja, kann man dann seine Existenz beweisen? Es gab und gibt verschiedene Versuche, mithilfe der Vernunft die Existenz Gottes zu beweisen. Offen gesagt ist das nicht ganz einfach, denn jeder Erklärungsversuch hat seine Schwachstellen, die man hinterfragen kann. Doch, und das muss auch gesagt sein, kann genauso wenig das Gegenteil bewiesen werden. Niemand kann mit letzter Gewissheit die Existenz Gottes ausschließen.
Selbst Richard Dawkins, ein einflussreicher Atheist, kann nicht mit letzter Sicherheit sagen, es gäbe keinen Gott. Er präsentiert in seinem Buch ein Siebenstufenmodell: Stufe eins: Ich weiß, dass es Gott gibt. Stufe sieben: Ich weiß, dass es keinen Gott gibt. Und Stufe sechs: Ich kann es nicht wissen, aber ich halte es für unwahrscheinlich, dass Gott existiert. Er stuft sich folgendermaßen ein: Mich rechne ich zur Kategorie sechs, also wahrscheinlich gibt es keinen Gott, mit einer Neigung zu Kategorie sieben. Dieser leidenschaftliche Atheist, dessen Aufrichtigkeit ich hoch schätze, fehlt die letzte absolute Sicherheit in dieser wichtigen Frage. Neigung, ich erinnere mich bei sechs: wahrscheinlich gibt es keinen Gott, mit Neigung zu sieben. Aber ich bin nicht sicher. Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, dass kein Gott existiert.
Für David gibt es eindeutige Hinweise, die die Existenz Gottes wie selbstverständlich bestätigen. Es ist das Universum. Er betrachtet die Welt so, wie ein Kunstwerk betrachtet wird. Wer sich in der Kunstwelt auskennt, wird in einem Bild sofort den Künstler erkennen: Das muss ein Picasso sein, das muss eine Skulptur von Giacometti sein oder eine von seinen Schülern. Auch in der Architektur kann man erkennen, wer das Gebäude entworfen hat: Das muss ein Haus von Botta sein. Da könnte ich noch viele, viele Beispiele anführen, die uns wie selbstverständlich sind. Wir müssen die Leute nicht sehen, wir erkennen sie an ihrer Handschrift, an ihrer Kunst.
Die verschiedenen Werke tragen die unverkennbare Handschrift des Schöpfers. Das ist die Logik von David. Die Himmel verkünden die Herrlichkeit Gottes, und die Himmelsgewölbe bezeugen, dass es das Werk seiner Hände ist. Das Firmament, die Welt, die Weite des Himmels führen uns die Schaffenskraft Gottes vor Augen. Sie zeigen uns, wie kreativ, fantasievoll und mächtig Gott ist. Das Universum lässt für David nur einen einzigen Rückschluss zu: Es muss einen Gott geben, der das alles ausgedacht und geschaffen hat. Das Universum trägt die Handschrift Gottes.
Ununterbrochen übermittelt jeder einzelne Tag und jede einzelne Nacht diese Botschaft, dass es einen Schöpfer gibt. Jeder Tag spricht von der Herrlichkeit Gottes, und ein Tag erzählt es dem andern, eine Nacht gibt es der andern weiter. Lautlos, nonverbal wird hier weitererzählt. Sie tun es ohne Worte, kein Laut und keine Stimme ist zu hören. Niemand schreit vom Himmel herab: Horcht, horcht, horcht, Gott existiert, glaubt an Gott! Nein, lautlos vermittelt das Universum die Botschaft durch seine eigene Existenz.
Die überwältigende Schönheit der Erde und des Himmels, atemberaubende Landschaften, die faszinierende Vielfalt von Pflanzen und Tieren – das ist alles nonverbale Kommunikation, die uns sagt: Es gibt einen Gott. Jeder Mensch kann diese Sprache verstehen, und zwar überall auf der ganzen Erde. David schreibt: Und doch geht ihre Botschaft über die ganze Erde, ihre Sprache bis ans Ende der Welt.
Gott hat der Sonne ihren Ort am Himmel gegeben. Jeden Tag verlässt die Sonne ihren Ort und durchstreift den Himmel zuverlässig, immer und immer wieder. Wie ein Bräutigam, der aus seiner Kammer hervortritt, so ist dieses Bild: ein stolzer Bräutigam, der sich auf seine Braut freut. So geht sie am Morgen auf. Wie ein freudig strahlender Held läuft sie die Bahn, mächtig und herrlich zieht die Sonne jeden Tag über den Erdball. Man kann sich darauf verlassen. Selbst wenn Wolken am Himmel schweben, wird die Sonne ihren Lauf vollenden. Von Horizont zu Horizont vollführt sie ihren Lauf, nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.
Das ist natürlich poetische Sprache. David äußert sich hier nicht als Naturwissenschaftler und will uns nichts über die Funktion der Natur erklären oder uns mit Erkenntnissen belehren. Natürlich drehte sich auch zur Zeit Davids die Erde um die Sonne und nicht umgekehrt. Ich denke, dass David das sogar wusste. Trotzdem würde selbst heute im 21. Jahrhundert kein Naturwissenschaftler sagen, dass es wunderschön gewesen sei, wie sich die Erde von der Sonne abgewandt hätte. So eine schöne Abwendung von der Erde, von der Sonne weg, hätte er jetzt schon lange nicht mehr gesehen. Jeder noch so begabte und ausgezeichnete Naturwissenschaftler wird sagen, er habe einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten können, obwohl er weiß, dass nicht die Sonne untergegangen ist, sondern dass sich die Erde von der Sonne weggedreht hat.
Genau aus dieser Perspektive schreibt David. Er beschreibt, was er mit seinen eigenen Augen wahrnehmen kann. Das hätte natürlich seinerzeit, ich weiß nicht, wer das verstanden hätte, wenn er gesagt hätte, wie sich die Erde immer abwendet von der Sonne mit großer Macht und Herrlichkeit. Also: Er hat wahrgenommen, was Menschen wahrnehmen, so wie wir die Welt sehen. Und was er da sieht, ist unglaublich beeindruckend und faszinierend.
Und vielleicht würde David heute über die Entdeckungen in der Zellforschung berichten. Zellen, die die kleinsten bekannten Organismen sind, tragen komplexe Informationen in sich. Sie beinhalten Baupläne, die dann auch umgesetzt werden. Durch das, was man in den vergangenen Jahrzehnten in der Forschung alles entdeckt hat, würde David ein riesiger Fundus zur Verfügung stehen, um aufzuzeigen, dass das Universum nicht durch Chaos entstanden ist, sondern dass Intelligenz am Werk gewesen sein muss und, ja, dass Gott derjenige ist, der diese Intelligenz besitzt.
Der Apostel Paulus begründet die Existenz Gottes wie König David. Er schreibt den Christen in Rom: Was Menschen von Gott wissen können, ist ihnen bekannt; Gott selbst hat ihnen dieses Wissen zugänglich gemacht. Und wie hat er es zugänglich gemacht? Weil Gott die Welt geschaffen hat, können die Menschen sein unsichtbares Wesen, seine ewige Macht und göttliche Majestät mit ihrem Verstand an seinen Schöpfungswerken wahrnehmen. Sie haben also keine Entschuldigung. Die Schöpfung ist selbstredend. Ich nehme an, dass Paulus ein Fan von Psalm 19 war, weil er nämlich genau denselben Gedanken folgt. Die Schöpfung trägt die Handschrift Gottes.
Der Name Gottes und die Bedeutung seiner Weisung
Nun, nachdem David in seiner Liedstrophe über die Schöpfung die Existenz Gottes begründet hat, macht er nun deutlich, von welchem Gott er spricht. Denn in den ersten sieben Versen, die wir jetzt miteinander angeschaut haben, spricht er im allgemeinen Sinn von Gott. Es könnte irgendeiner sein. Im Hebräischen heißt das El. Das ist ein Name, mit dem verschiedene Götter bezeichnet wurden. Also könnte es theoretisch irgendein Gott sein.
In der zweiten Strophe macht er unmissverständlich klar, von welchem Gott er spricht. Denn jetzt häufen sich die Namensnennungen Gottes. Sechsmal benutzt er den Namen des Gottes Israels, Yahweh. Yahweh ist der Eigenname Gottes, der Offenbarungsname Gottes des Volkes Israels. Ins Deutsche wird Yahweh leider, finde ich, mit „Herr“ übersetzt. Das nimmt ein bisschen das Verständnis für diese Begriffe, aber es ist nun mal so.
Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, also das Gesetz Jahwes ist vollkommen. Es stärkt und erfrischt die Seele. Das Gesetz, die Tora, die fünf Bücher Mose, die ersten fünf Bücher im Alten Testament, wird mit „Gesetz“ übersetzt, und das ist auch nicht ganz falsch. Aber es könnte bei uns falsche Assoziationen auslösen. Gesetz bringen wir schnell mit Recht und Ordnung in Verbindung: Was darf ich tun und was muss ich lassen? Wann werde ich für etwas bestraft? Wir denken sofort an Richter, an Juristen usw.
Die Tora beinhaltet natürlich auch solche Äußerungen, aber es geht vielmehr um Weisung und Belehrung. Die Tora belehrt uns über Gottes Pläne, Absichten und Ziele. Die Tora gibt uns Einblick in das Wesen und den Charakter Gottes. Sie zeigt uns, wer Gott ist und wie Gott ist. Die Tora zu lesen und zu studieren bedeutet nicht in erster Linie, das Gesetz, Rechte und Pflichten auswendig zu lernen. Vielmehr geht es um ein Verständnis des Lebens überhaupt.
Deshalb ist für David die Tora Stärkung und Erfrischung für die Seele. Sie beantwortet ihm die wichtigsten Fragen des Lebens: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was ist überhaupt unsere Identität? Und das, was in dieser Tora steht, sind keine handgestrickten Philosophien, die schlussendlich nichts taugen und sich als Lügen entpuppen werden. Das, was der Herr in seinem Wort bezeugt, darauf kann man sich verlassen. Auch einem Unerfahrenen wird dadurch Weisheit geschenkt.
Genauso wie die Sonne jeden Tag ihren Lauf vollendet, genauso verlässlich ist das, was Gott in der Schrift der Tora bezeugt. Man kann sich darauf hundertprozentig verlassen. Jeder Mensch, auch unerfahrene Menschen, werden dadurch weise werden. David ist sichtlich begeistert. Die Anordnungen des Herrn sind wegweisend, um der Freude das Herz. Das Gebot des Herrn ist klar und deutlich, es schenkt neue Einsicht.
Nun kann diese Freude an den Anweisungen Gottes auf uns freiheitsliebende Menschen des 21. Jahrhunderts etwas befremdlich wirken. Das ist doch nicht möglich, sich an Gottes Anordnungen dermaßen freuen zu können. Das ist Schwärmerei, das ist doch nicht normal. Doch, das ist normal. Es ist normal, wenn wir verstanden haben, worum es in der Tora geht. Es ist eine große Freude zu erkennen, mit welcher Liebe sich Gott den Menschen zuneigt, welche Bedeutung und Identität er uns Menschen zuspricht, welche Würde er uns schenkt.
Jedenfalls sind die Gebote Gottes entgegen allen Unkenrufen nicht schwer. Denn selbst im Neuen Testament lesen wir, dass sich unsere Liebe zu Gott im Befolgen seiner Gebote zeigt. Seine Gebote zu befolgen ist nicht schwer, es ist leicht. Gott will uns nicht unnötig belasten, er will uns entlasten.
Das Lesen der Tora bewirkt in David einen großen Respekt vor diesem großartigen Schöpfer. Ehrfurcht vor Gott ist rein, in Ewigkeit bleibt sie bestehen. Die Ordnungen des Herrn sind zuverlässig und entsprechen der Wahrheit, sie sind ausnahmslos gerecht. David ist voll Bewunderung über diesen großartigen Gott. Gott ist für ihn der größte Reichtum, den er sich überhaupt vorstellen kann.
Und David wusste sehr viel über Reichtum und welche Macht Reichtum mit sich bringt. Er war in seiner Zeit einer der reichsten, erfolgreichsten und einflussreichsten Herrscher überhaupt. Vermutlich wäre David, hätte es damals schon eine Vorbildliste der reichsten Menschen gegeben, mit Abstand der reichste Mensch seiner Zeit gewesen. Doch David fand den wahren Reichtum dort, wo ihn selbst die ärmsten Menschen finden und reich werden können: in der Tora, im Wort Gottes oder, heute würden wir sagen, in der Bibel.
Wie hoch er die Weisungen Gottes bewertet, sagt er: So wertvoll wie Gold sind sie, kostbarer als eine Menge vom feinsten Gold. Und David hatte Gold in Hülle und Fülle, bei ihm war alles vergoldet. Für den Tempel war Gold bereitgelegt, alles war vergoldet. Wertvoller als Gold sind sie, kostbarer als eine Menge vom feinsten Gold. Sie sind süßer als Honig, ja süßer noch als Honig, der aus der Wabe fließt.
David bewundert diese Weisung Gottes nicht so, wie man ein Bild bewundert und sich daran erfreut. Nein, er nimmt das, was er liest, versteht und erkennt, für sich persönlich. Herr, auch ich, dein Diener, lasse mich durch sie zurechtweisen. Sie zu befolgen bringt mir großen Lohn. Er lässt sich als mächtiger König von diesen Weisungen Gottes zurechtweisen, obwohl er selbst einer der Mächtigsten seiner Zeit war.
Er will aber nicht nur Hörer und Bewunderer sein, sondern er will zum Täter werden. Ich befolge deine Weisungen, das ist das, was einen gläubigen Menschen auszeichnet. Er ist nicht nur Hörender und Bewunderer. Er lernt nicht einfach auswendig und wird dadurch Fachmann oder Fachfrau. Wer den Reichtum, den Gott uns schenkt, in seiner Tiefe und Bedeutung erkennen und verstehen will, der muss diese Weisungen persönlich nehmen.
Deshalb schreibt Jakobus: Hört euch diese Botschaft nicht nur an, sondern handelt auch danach, andernfalls betrügt ihr euch selbst. Glaube, der nachhaltig sein soll und nicht einem Strohfeuer gleicht und in Heuchelei versackt, nimmt Gottes Weisungen und Belehrungen für sich persönlich. David weiß: Sie zu befolgen bringt mir großen Lohn.
Schuld, Bewahrung und das Gebet um Reinheit
Und dann kommt er auf sich selbst zu sprechen. In der Tora wird ihm bewusst, wie heilig und gerecht Gott ist und wie unzulänglich er als Mensch Gott gegenübersteht. Er erkennt seine eigene Schuld, und er sagt: Wem fällt es schon gleich auf, wenn er falsch gehandelt hat? Sprich mich frei von unbewusster Schuld.
Aus der Sicht des Neuen Testaments können wir uns über diese Bitte freuen, denn wir haben eine klare Antwort, die Gott uns gegeben hat: Für unsere Schuld, egal welcher Art auch immer, ist Jesus am Kreuz gestorben. Er hat genau das Problem gelöst, das David hier anspricht: die Vergebung unserer Schuld.
Der Apostel Paulus beschreibt das so: Ja, Gott hat euch zusammen mit Christus lebendig gemacht. Ihr wart nämlich tot, tot aufgrund eurer Verfehlungen und wegen eures unbeschnittenen, sündigen Wesens. Doch Gott hat uns alle unsere Verfehlungen vergeben. Und wie hat er das getan? Den Schuldschein, der auf unseren Namen ausgestellt war und dessen Inhalt uns anklagte, weil wir die Forderung des Gesetzes nicht erfüllt hatten, hat er für nicht mehr gültig erklärt. Er hat ihn ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt. Jesus löst das Problem, von dem David in seinem Psalm spricht.
Und zum Schluss bittet David um Bewahrung: Bewahre deinen Diener vor überheblichen Menschen, lass sie keine Macht über mich gewinnen, dann kann ich ohne Schuld und frei von schwerer Vergehen bleiben. Auch hier wieder die Bitte, die uns schon letzten Sonntag begegnet ist: Unser Vater, und lass uns nicht in Versuchung geraten, sondern errette uns von dem Bösen. Gott verschone uns vor allzu grossen Herausforderungen, die das Mass des Erträglichen überschreiten würden und bei denen wir in Gefahr stünden, uns gegen dich zu versündigen.
Die Bewahrung Gottes ist glücklicherweise aber keine Lotterie nach dem Motto: Wenn wir Glück haben, wird uns Gott helfen, wenn wir Pech haben, lässt er uns sausen. Gott wird uns nie mutwillig in Versuchungen treiben, und er wird den Christen helfen. Das Leben als Christen wird genauso Lasten mit sich bringen wie auch das Leben eines Menschen, der Jesus nicht nachfolgt. Wir können krank werden, auch als Christen. Unsere Kinder können verunfallen, auch wenn wir Christen sind. Die Lasten werden nicht einfach uns allen abgenommen, doch Gott lässt seine Leute nicht allein.
Schon im Psalm 68 heisst es: Gelobt sei der Herr täglich; Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Und im neutestamentlichen Kontext klingt das dann so: Die Prüfungen, denen ihr bisher ausgesetzt wart, sind nicht über ein für uns Menschen tägliches Mass hinausgegangen. Und Gott ist treu, er wird euch auch in Zukunft in keine Prüfung geraten lassen, die eure Kraft übersteigt. Wenn er euren Glauben auf die Probe stellt, wird er euch auch einen Weg zeigen, auf dem ihr die Probe bestehen könnt. Das Leben kann grosse und schwierige Herausforderungen mit sich bringen, aber Gott wird uns helfen.
Und zum Schluss des Psalms bittet David um das, was jedem Menschen, der eine leise Ahnung von der Grösse und Herrlichkeit Gottes hat, am Herzen liegt: Mögen die Worte, die ich spreche, und die Gedanken, die mein Herz ersinnt, dir gefallen, Herr, mein Fels und mein Erlöser. Es ist mein sehnlichster Wunsch, dir zu gefallen. Es ist für David keine Pflicht, keine religiöse Pflichtübung, die er zu erfüllen hatte. Es ist die Sehnsucht eines Liebenden, der dem, den er liebt, unbedingt um jeden Preis gefallen will.
Die, die gerade in einer Verliebtheitsphase stecken, wissen, wie das funktioniert. Da will man nur alles tun, damit der andere denkt: Doch, ich glaube, der hat mich gern. Also sucht der Liebende, dem anderen einen Gefallen zu tun. Der Liebende fragt nicht nach den Grenzen, wie weit er gehen kann; der Liebende fragt danach, was dem anderen gefällt. Und David will mit seinem ganzen Leben, seinen Worten und Gedanken Gott, seinem Schöpfer, gefallen.
Sir Isaac Newton, ein englischer Mathematiker und Physiker, gilt als Entdecker der Gravitationsgesetze. Er berechnete als Erster die Masse des Mondes und der Planeten. In Newtons Büro stand ein beeindruckendes Modell unseres Sonnensystems mit allen seinen Planeten und Monden. Ein Freund besuchte ihn und wollte wissen, wer dieses kunstvolle Modell konstruiert hätte. Und schmunzelnd meinte Newton: Ja, es ist ganz von alleine entstanden. Der Freund meint: Komm, sag jetzt endlich, woher hast du denn dieses Modell? Newton blieb bei seiner Aussage: Es ist ganz von alleine entstanden. Das ist jetzt wirklich nicht mehr lustig, meint sein Freund. Sag mal, woher kommt das Modell? Da sagt ihm Newton: Siehst du? Du regst dich zu Recht auf, denn du kannst dir überhaupt nicht vorstellen, dass dieses kleine Modell aus Zufall entstanden sein könnte. Aber mir willst du immer erklären, dass das grosse Original keinen Schöpfer braucht.
Die Himmel verkünden die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe zeigt, dass es das Werk seiner Hände ist, dass er seine Handschrift trägt. Es ist grossartig, dass der Gott, der die Welt erschaffen hat und sie erhält, mit uns Menschen Gemeinschaft pflegen will. Gott kommt uns so nahe und beweist uns seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit, dass Menschen ein Leben führen wollen, an dem sich Gott freuen kann.
Mögen die Worte, die ich spreche, und die Gedanken, die mein Herz ersinnt, dir gefallen, Herr, mein Fels und mein Erlöser.
Und das führt dann zu ganz persönlicher Freude, so dass der mächtige, reiche, einflussreiche König David sagt: Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es stärkt und erfrischt die Seele.
Ich bete mit uns! Ja, Vater, die Welt, das Universum trägt deine Handschrift. Selbst wir sind Ausdruck deiner Handschrift, wie komplex du uns Menschen gemacht hast. Und das muss jetzt auch unseren Familien wieder neu vor Augen geführt worden sein bei der Geburt ihrer Kinder. Was für ein Wunderwerk!
Und ich bete dich an als Schöpfer des Himmels und der Erde, und ich danke dir, dass du nicht ein ferner Gott bist, der die Welt erschaffen hat und dann auf sich beruhen lässt, sondern dass wir mit dir in Verbindung kommen können, dass du uns entgegengekommen bist, ganz nah in deinem Sohn Jesus Christus, der für uns unser Kernproblem gelöst hat. Ich danke dir, dass das Leben mit dir Freude macht, Geborgenheit schenkt, zutiefst in unserer Seele, uns eine Identität gibt, die erfreut und die Hoffnung macht auf die Zukunft. Ich bete dich an. Amen.

