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Single sein – Ich bin so frei.

Eine Gabe der Ehelosigkeit?
14.06.2026
Single-Sein ist ein Geschenk und hat Vorteile, ist aber auch hart - und niemals dauerhaft. Hilfen für Noch-Singles und andere ...

Ein persönlicher Einstieg in die Frage nach dem Alleinsein

Meine Frau Mimi und ich sind, so Gott will, im August zwölf Jahre verheiratet. Ich war bei unserer Hochzeit achtundvierzig, und entsprechend kann ich auf viele Jahre des Single-Seins zurückblicken.
Ich weiß nicht, wie oft ich folgende Szene erlebt habe: Ich war zum Beispiel mit jemandem im Auto unterwegs, und in einer Gesprächspause beugt sich mein Mitfahrer so zu mir rüber und fragt in vertraulichem Ton: Markus, darf ich dich mal etwas Persönliches fragen? Obwohl es Millionen von Fragen in dieser Welt gibt, wusste ich in solchen Momenten immer schon, welche Frage kommen würde: Markus, warum bist du eigentlich nicht verheiratet?
Nun, ich habe bei diesen Gesprächen in aller Regel davon erzählt, dass ich mit Anfang zwanzig mal eine Beziehung zu einem Mädchen hatte. Diese Beziehung hat etwa ein Jahr gedauert, aber dann sind wir in gegenseitigem Einverständnis friedlich wieder auseinandergegangen. Ich muss sagen, dass seitdem in dieser Zeit Anfang zwanzig das Thema für mich nicht mehr Gebetsanliegen Nummer eins war. Als junger Mensch betet man natürlich um Gottes Führung in dieser Frage, aber ohne dass ich mir vorgenommen hätte, nicht mehr für den passenden Ehepartner zu beten, hat es einfach im Rang meiner Gebetsliste nicht mehr die vorderen Plätze eingenommen. Ob das aus Enttäuschung war, kann ich gar nicht mehr so genau sagen.
Jedenfalls hatte ich viel Zeit, um mich in der Jugendarbeit zu engagieren, damals auch schon in der Evangelisation. Ich war an verschiedenen Orten unterwegs mit dem Auftrag, das Evangelium zu verkündigen, und ich konnte mich in der Gemeinde engagieren, ohne erst einmal alles absprechen zu müssen. Kann ich das noch verantworten, dem Ehepartner gegenüber schon wieder für eine Zeit lang weg zu sein, von zu Hause oder auch von Kindern, und ohne ein schlechtes Gewissen entsprechend haben zu müssen?
Noch geistlicher klang es, wenn einer fragte: Hast du die Gabe der Ehelosigkeit? Ich konnte mit diesem Gedanken nie besonders viel anfangen, dass mein Familienstand, mein damaliger Familienstand, eine besondere Gabe sein sollte. Für mich gehörten Gabe und Aufgabe immer zusammen. Also: Wer die Gabe des Lehrens hat, der soll lehren; wer die Gabe der Barmherzigkeit oder des Dienens hat, der soll anderen dienen. Aber was ist dann die Aufgabe hinter der sogenannten Gabe der Ehelosigkeit? Etwa, dass man darüber predigt, wie ich das heute Morgen tun möchte? Das alleine kann es ja sicherlich nicht sein.
Gibt es also tatsächlich so etwas wie eine geistliche Begabung der Ehelosigkeit, also die von Gott verliehene Fähigkeit, alleinstehend glücklich und erfüllt zu leben? In den klassischen Gabenlisten, die wir im Neuen Testament finden, zum Beispiel in Römer 12, auch in 1. Korinther 12, wo viele der Geistesgaben aufgezählt sind, da findet sich die Gabe der Ehelosigkeit nicht. Trotzdem spricht man davon. Warum? Wegen einer Stelle im 1. Korintherbrief im 7. Kapitel, in Vers 7. Dort schreibt Paulus, nachdem er zu dem Eheleben von Christen einige Gedanken geäußert hatte: Ich wünschte mir aber, alle Menschen wären wie ich; doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott. Charisma, Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.

Paulus und die Frage nach der Lebensform

Nun ist Ehelosigkeit für manche ein Angstauslöser. Sie befürchten, dass Gott sie verdonnert haben könnte, allein und damit ohne Familie bleiben zu müssen. Andere empfinden diesen Begriff „Gabe“ in diesem Zusammenhang als eine gewisse Entlastung, weil dadurch ein wenig von dem Erwartungsdruck genommen wird, jemanden finden zu müssen, der Verwandtschaft gegenüber, der Gemeinde gegenüber. Sie können sagen: Na ja, Gott hat mir eben diese Gabe zugeteilt. Und wieder andere sehen im Ledigsein sogar eine Chance, sich nämlich ganz ohne Ablenkung Gott und seinem Reich widmen zu können.
Nun hören wir einmal, was Paulus in diesem Kapitel noch sagt, und schlagen den 1. Korinther 7 auf. Ich lese uns mal ab Vers 25 die Verse vor:
Über die Jungfrauen aber habe ich kein Gebot des Herrn. Ich gebe aber eine Meinung als einer, der vom Herrn die Barmherzigkeit empfangen hat, vertrauenswürdig zu sein. Ich meine nun, dass dies um der gegenwärtigen Not willen gut ist, dass es für den einen Menschen gut ist, so zu bleiben oder so zu sein. Bist du an eine Frau gebunden, so suche nicht loszuwerden. Bist du frei von einer Frau, so suche keine Frau. Wenn du aber doch heiratest, so sündigst du nicht. Und wenn die Jungfrau heiratet, so sündigt sie nicht. Aber solche werden Bedrängnis für das Fleisch haben; ich aber möchte euch schonen.
Dies aber sage ich, Brüder: Die Zeit ist begrenzt, sodass künftig die, die Frauen haben, sein sollen, als hätten sie keine, und die Weinenden, als weinten sie nicht, und die sich Freuenden, als freuten sie sich nicht, und die Kaufenden, als behielten sie es nicht, und die die Welt Nutzenden, als benutzten sie sie nicht. Denn die Gestalt dieser Welt vergeht.
Also: Alles ist relativ in dieser Welt, will Paulus sagen. Ich will aber, dass ihr ohne Sorge seid. Der Unverheiratete ist für die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge. Der Verheiratete ist für die Dinge der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge, und so ist er geteilt. Die unverheiratete Frau und die Jungfrau ist für die Sache des Herrn besorgt, damit sie heilig ist an Leib und Geist. Die Verheiratete aber ist für die Sache der Welt besorgt, wie sie dem Mann gefallen möge.
Dies aber sage ich zu eurem eigenen Nutzen, nicht um euch eine Schlinge überzuwerfen, sondern damit ihr ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim Herrn bleibt. Wenn aber jemand denkt, er handle unschicklich mit seiner Jungfrau, wenn er in der Vollkraft steht und es muss so geschehen, so tue er, was er will; er sündigt nicht. Sie sollen heiraten. Wer aber im Herzen feststeht und keine Not hat, sondern Macht über seinen eigenen Willen und dies in seinem Herzen beschlossen hat, seine Jungfrau zu bewahren, der handelt gut. Auch wer seine Jungfrau heiratet, handelt gut. Und wer sie nicht heiratet, wird besser handeln.
Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt. Wenn aber der Mann entschlafen ist, ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen sie will, nur im Herrn muss es geschehen. Glückseliger ist sie aber, wenn sie so bleibt, nach meiner Meinung. Ich denke aber, dass auch ich Gottes Geist habe.

Der historische Hintergrund und die seelsorgerliche Perspektive

Ein etwas längerer Text:
Aber wir wollen versuchen, diesen Gedanken aufzunehmen, den uns Paulus hier vermitteln möchte. Er spricht im 26. Vers von der gegenwärtigen Not. Manche Ausleger meinen, dass er und die Korinther damals glaubten, bereits die Wehen der großen Trübsal zu erleben, also die Endzeit. Jesus hatte das in Matthäus 24 etwa ganz deutlich beschrieben, dass Verfolgung geschehen wird und vieles andere, als eine Art Wehen wie bei einer Frau, die die Endzeit einleitet, also kurz vor der Wiederkunft Jesu.
Da ist die Rede von der bis dahin noch verbleibenden Frist. Die Aussagen von Paulus scheinen eine Antwort auf schriftlich gestellte Fragen der Korinther zu sein. Im ersten Vers geht also deutlich aus dem Kapitel hervor, dass Paulus und die Korinther einen Briefwechsel miteinander hatten. Und vielleicht haben sie wissen wollen: Hat es in diesen Zeiten der Verfolgung und der Unsicherheit überhaupt noch Sinn zu heiraten, oder, Paulus, sollen wir gar nicht heiraten?
Vor diesem Hintergrund also müssen wir diese Verse lesen. Und dann geht Paulus seelsorgerlich auf diese Frage ein. Ihm ist bewusst, welche zusätzliche Verantwortung es bedeutet, wenn man in schwierigen Zeiten nicht nur für sich selbst sorgen muss, sondern auch für seinen Ehepartner sorgen muss und eben vielleicht auch um Kinder sorgen muss.
Not ist gegenwärtig in diesem Text. In der damaligen Zeit und auch in unserer Welt ist Not vielfach gegenwärtig. Christliche Ehepaare, die in Ländern leben, in denen sie aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden, und deren gibt es zunehmend Glaubensgeschwister, die können solche Verse wahrscheinlich besonders gut nachvollziehen. In ihrer Situation passt so ein Text noch viel besser als in unserer Situation, wo wir sagen können: Wir werden nicht verfolgt, es geht uns als Christen vergleichsweise gut.
Aber wir kennen auch gewisse Nöte. Natürlich kennen wir Krankheit oder gewisse Anfechtungen, wir kennen Arbeitslosigkeit, Beziehungsspannungen, und in all dem will Verantwortung bedacht sein, in all dem will Antwortung bedacht sein.

Verschiedene Lebenslagen in Gemeinde und Gesellschaft

Der Anteil der Alleinstehenden in unseren Gemeinden ist hoch. Das ist auch in der Gesellschaft zunehmend der Fall. Das könnt ihr hier in der Statistik vorne sehen: 42,2 % Singlehaushalte in Deutschland.
Auch in unseren Gemeinden gibt es viele Alleinstehende. Dabei ist Single nicht gleich Single. Es gibt große Unterschiede, besonders hinsichtlich des Alters. Single mit zwanzig zu sein, ist etwas ganz anderes als mit dreißig, mit vierzig oder mit siebzig. Auch die Lebensumstände sind sehr unterschiedlich. Einige waren nie verheiratet, andere sind geschieden oder verwitwet. Und es gibt auch unterschiedliche Haltungen diesem Stand gegenüber.
Manche haben sich bewusst für ein Leben ohne Partner entschieden. Ich kenne solche Leute, und solche mögen auch unter uns sein. Solche sind auch mit diesem Stand zufrieden. Ich erinnere mich gerne an Richard Müller. Er war in unseren Kreisen der Freien Brüdergemeinden einer der sogenannten Reisebrüder, ein Bibellehrer, der viel unterwegs war und das Wort Gottes auf ganz eindrückliche Weise weiterzugeben verstand. Bei einer Konferenz war er bei uns in Dillenburg, wohnte bei uns, und ein Gespräch mit meiner Mutter ist mir in Erinnerung geblieben. Er sagte: Wenn ich am Morgen am Frühstückstisch sitze, danke ich nicht nur für die guten Gaben, die da vor mir stehen, sondern auch dafür, dass ich sorgenfrei in den Tag gehen kann.
Ich konnte das damals gut nachvollziehen. Du wäschst dein Geschirr ab, und es ist nicht allzu viel. Das geht im Singlehaushalt relativ schnell. Dann hast du Möglichkeiten, den Tag zu gestalten. Ein Verheirateter hat natürlich seine Verantwortung und seine Verpflichtungen zu Hause, denen jeder, der zu einer Familie gehört, auch nachkommen soll.
Und dann gibt es andere, die sich einen Partner wünschen und das Single-Sein eher als eine Last empfinden, vielleicht sogar als Frust. Darum möchte ich das Thema einmal von vier Seiten beleuchten. Ich möchte zunächst einmal etwas sagen über die Tatsache, dass Single-Sein ein Geschenk Gottes ist. Nun, warum das so ist, begründe ich gleich. Zweitens: Single-Sein hat Vorteile. Drittens: Single-Sein kann hart sein. Und viertens: Single-Sein ist nicht dauerhaft.
Diese vier Punkte gehen wir jetzt einmal miteinander durch.

Die Würde des Ledigseins und sein geistlicher Wert

Meist wird in der Gesellschaft draußen ebenso wie in unseren Gemeinden selbstverständlich vorausgesetzt, dass Erwachsene einen Partner haben. Es scheint merkwürdig, wenn jemand mit 35 noch ohne Ehering und ohne Kinderwagen das Gemeindehaus betritt. Und das hat Tradition.
Im ersten Jahrhundert sagte Rabbi Eliezer, jeder Mann, der keine Frau hat, sei kein richtiger Mann. Und der Talmud, das ist ja eine jüdische Auslegung des Alten Testamentes aus dem zweiten bis sechsten Jahrhundert, ging noch weiter: Ein Mann, der mit zwanzig nicht verheiratet ist, lebt in Sünde.
Nun ist die junge Gemeinde noch stark beeinflusst gewesen vom Judentum, und ich bin sicher, dass das in den ersten Jahrhunderten durchaus die Haltung der frühen Kirche war: Es ist völlig normal zu heiraten, und wenn dem nicht so ist, stimmt etwas nicht. Vor diesem Hintergrund ist das, was wir hier bei Paulus gelesen haben, umso erstaunlicher. Dem Single-Sein gegenüber ist das doch eine andere Sicht.
Paulus redet von einer Gabe, und der Herr Jesus sagt, dass es gut ist für diejenigen, denen es gegeben ist. Auch Jesus äußert sich einmal in einem Nebensatz zu diesem Thema, in Matthäus 19,11. Und auch er spricht davon, dass es manchen gegeben ist, ganz im Einklang mit dem, was Paulus in 1. Korinther 7,7 sagt.
Nun sollte keiner von uns Singles jemals als Menschen zweiter Klasse betrachten. Die Bibel jedenfalls tut es nicht. Und wir haben ganz positive Beispiele in der Bibel: Jeremia war nicht verheiratet, Johannes der Täufer war nicht verheiratet, der Herr Jesus Christus selbst war nicht verheiratet, als er mit wahrscheinlich 33 Jahren am Kreuz starb. Da ist er aus dieser Welt geschieden, ohne jede sexuelle Erfahrung.
Ehe ist gut, aber Single-Sein ist auch gut. Ja, einigen ist es gegeben, gegeben als Gabe. Wenn Paulus vom Single-Sein als Gabe spricht, frage ich mich allerdings, ob er wirklich die außergewöhnliche Fähigkeit meint, als Single zufrieden zu sein, oder ob er vielleicht mehr vom Stand des Single-Seins redet. Das ist ein Unterschied.
Wenn Gott uns etwas zuteilt, ist es immer eine Gabe Gottes. Wenn ich euch ein Geschenk mitgebracht hätte, ich habe es leider vergessen, dann überlasse ich euch etwas. Oder wenn einer Geburtstag hat, beschenken wir uns gegenseitig. Und wenn Gott uns etwas zuteilt, ist es ein Geschenk, eine Gabe von Gott.
Die Ehe ist auch eine Gabe Gottes für Menschen, denen es geschenkt ist. Der eine so, der andere so, hat Paulus gesagt. Und ich meine, wir sollten unsere Lebenssituation, ob wir jetzt Single sind oder ob wir verheiratet sind, als ein Geschenk der Gnade Gottes ansehen. Gott hat es uns gegeben, so oder so. Es ist ein Geschenk. Ich freue mich über Geschenke. Natürlich gibt es Geschenke, bei denen man sagt: Was soll ich damit anfangen? Aber zunächst einmal steckt ein Geber dahinter, der sich dabei etwas gedacht hat. Und wenn Gott uns etwas schenkt, dann können wir davon ausgehen, dass er eine Absicht mit der uns zugeteilten Lebenssituation hat.
Haddon Robinson sagte in einem Buch, in dem es um den Willen Gottes und die Freiheit unserer Entscheidungen geht: „Nicht allein das ausgegebene Blatt ist wichtig, sondern auch, wie wir spielen.“ Das ist in diesem Zusammenhang eine interessante Aussage. Oder wir können es auf die Fußballweltmeisterschaft übertragen: Also nicht nur die Mannschaftsaufstellung oder die teuer bezahlten Spieler sind wichtig, sondern auch, was sie auf den Platz bringen. Das ist doch wichtig, was wir aus der gegebenen Situation machen. Und dann mögen Mannschaften dabei sein, die eben aus kleineren Ländern kommen. Aber es geht doch jetzt um alles, es geht um die Weltmeisterschaft, und sie werden auch jeweils alles geben.
Zu unserem Thema: Kränke dich nicht. Sag jetzt nicht: Oh, ich bin leider ein bisschen minderbemittelt, weil ich keinen Partner habe. Vergrabe deinen Pfund nicht, setz deine Fähigkeiten ein, setz deine Zeit ein, die Gott dir gibt, Gott und dir selbst zur Freude.
Wir haben bei uns in der Gemeinde in Dillenburg-Mandersbach in der Freien Brüdergemeinde dort viele positive Beispiele von Singles, die also jetzt schon jenseits von dreißig sind und ihre Zeit, ihre Gaben auf wunderbare Weise einsetzen, vorbildlich. Und ich gehe davon aus, dass das bei euch ähnlich ist.

Die Vorteile des Singledaseins im Dienst für Gott

Wir kommen zum zweiten Punkt: Single sein hat Vorteile.
Ehelosigkeit kann sowohl schön als auch herausfordernd sein, und beides gilt auch für die Ehe. Wer verheiratet ist, muss die Wünsche des anderen erkennen und berücksichtigen. Mimi und ich führen eine glückliche Ehe, und trotzdem müssen wir aufeinander achten. Eine Ehe will und soll gepflegt werden.
Man lebt jetzt auch mit den Schwächen seines Partners. Mit den eigenen Schwächen klarzukommen, ist ja schon schlimm genug, oder? Jetzt kommt noch ein anderer Mensch dazu, der manchmal noch ganz andere Schwächen hat. Ich war einmal im Krankenhaus und hatte dort einen gläubigen Bettnachbarn, einen Rentner, der nie verheiratet gewesen war. Er sagte in einem unserer Gespräche scherzhaft: Ich habe mit meinem alten Adam genug zu tun, da kann ich nicht noch eine Eva gebrauchen. Das war seine Begründung für seinen Stand als Single.
Christliche Paare sprechen verständlicherweise selten öffentlich über ihre Schwierigkeiten. Wenn Ehepaare hier reinkommen, Familien, dann strahlen sie meistens. Und man hat als Single den Eindruck, in einer Familie ist immer alles easy peasy, da ist immer alles in Ordnung, denen geht es gut, die sind glücklich. Und dann sind manchmal Singles ein bisschen neidisch oder fühlen sich ein wenig zurückgesetzt. Aber dass es Schwierigkeiten in den Ehen gibt, ist Tatsache. Und es ist ja gut, dass das in der nächsten Woche auch mal hier thematisiert wird.
Bei Singles führt manchmal das Dasein vieler Familien und Ehepaare in den Gemeinden zu einem idealisierten Bild, vielleicht sogar zu einem glorifizierten Bild von Ehe. Nun, auch wenn ich die Beziehung zu meiner Frau wirklich genieße, das Leben ist komplexer geworden und an manchen Stellen auch komplizierter geworden. Es gibt jetzt mehr als eine Person, und manchmal gibt es verschiedene Meinungen über Termine, über Temperatur, über Tapetenwechsel. Bei anderen betrifft es vielleicht den Speiseplan und so weiter.
Und auch bei Kindern ist es so: Kinder bringen viel Freude in unser Leben, das wird jeder bestätigen, der Vater oder Mutter ist, aber auch einiges an Ängsten. Wie wirkt sich ihr Freundeskreis auf ihre Entwicklung aus und so, was ihren Umgang mit anderen angeht, oder auch Einflüsse von der Schule und vieles andere mehr? Man macht sich ja auch um seine Kinder Sorgen. Und da sagt Paulus: Ich aber möchte euch schonen.
Der Megavorteil des Single-Seins ist: Du kannst dich viel intensiver dem Dienst für Gott hingeben. Der Unverheiratete ist für die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge. Der Verheiratete aber ist für die Dinge der Welt besorgt. Das klingt qualitativ nicht so stark, ja, er ist für die Dinge der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge, und so ist er geteilt.
Früher habe ich, wenn ich Urlaub hatte, immer bei Missionseinsätzen mitgearbeitet, bei Missionseinsätzen oder auf Freizeiten, Teenagerfreizeiten. Heute fahre ich, wenn ich Urlaub habe, mit der Familie ans Meer oder an den Bodensee oder so. Früher habe ich oft Jugendliche zu Diensten mitgenommen, wo sich eben solche Gespräche im Auto ergaben oder in unserem gemeinsamen Quartier. Ganz oft habe ich Jüngerschaft so gelebt, dass junge Leute bei mir im Schlepptau mit dabei waren. Heute fahre ich oft mit der Familie, und das ist auch richtig so.
Eine verheiratete Person hat sich um seinen Ehepartner und die Kinder zu kümmern. Das kostet Zeit, Zeit, die Ledige dafür verwenden können, anderen Menschen von Jesus zu erzählen oder alte und kranke Leute zu besuchen. Einige der Kranken sind ja heute hier aufgeführt worden. Oder sie können administrative Aufgaben in der Gemeinde übernehmen oder eine Bibelarbeit vorbereiten usw. Es ist kein Zufall, dass viele Aktivitäten im Gemeindeleben von Leuten getragen werden, die unverheiratet sind. Und in der Bibel ist das ebenfalls der Fall.
Ich habe Jeremia erwähnt, Daniel auch. Zumindest habe ich seine Frau in der Bibel nie kennengelernt, ihr nie begegnet. Wir können davon ausgehen, dass auch Daniel unverheiratet gewesen ist. Bei Timotheus wissen wir es auch nicht so genau, der Apostel Paulus selber natürlich. Und auch in der Kirchengeschichte nach Paulus wäre vieles in der Mission wie auch in der Sozialdiakonie schwer möglich gewesen, wenn Männer und Frauen nicht bereit gewesen wären, ehelos zu bleiben. Denken wir beispielsweise an die Arbeit von Diakonissen, die oft einen ganz hingebungsvollen Dienst für Menschen leisten und irgendwann einmal diesen Entschluss gefasst haben, dafür nicht zu heiraten.
Wenn wir diese Tatsachen bewusster wahrnehmen, könnte es für manch einen Single leichter werden, mit seiner von Gott gegebenen Lebenssituation zufrieden zu sein und dem Herrn entsprechend fröhlich zu dienen. Nun, trotzdem glaube ich, dass sich nur wenige bewusst dafür entschieden haben, Single zu bleiben, um sich ganz der Arbeit in Gottes Reich widmen zu können. Aber ganz egal, ob du dich dafür entschieden hast oder ob du irgendwie so in einer Art Wartestatus lebst: Beide Situationen haben dieselben Vorteile. Und statt sich auf die Schwierigkeiten des Single-Seins zu konzentrieren und darüber zu klagen, wie manche das tun, sollten wir das Beste aus den Vorteilen unseres Standes machen, solange sie sich uns bieten.
Ich möchte nur zum Beispiel die Termine unserer Töchter kurz erwähnen: montags Hausaufgaben, Betreuung, dienstags Ropeskipping, mittwochs Kinderkantorei, donnerstags Flötenunterricht von Lotte, freitags Jungschar, dazu Klassenarbeiten, Kindergeburtstage, andere Verabredungen und so weiter und so fort. Solltest du Single sein und irgendwann heiraten, wirst du so eine Zeit wie jetzt vermutlich nie mehr erleben.
Also: Das Single-Sein, diese Phase, hat das Potenzial, eine ganz besondere Zeit der ungeteilten Aufmerksamkeit auf Christus zu sein oder zu werden. Psalm 65 ausgelegt hat: Glücklich, den du erwählt hast und dir nahen lässt, dass er wohne in deinen Vorhöfen. Ein Single ist ja nicht alleine, er wohnt ja in einer Wohngemeinschaft, wenn er gläubig ist, wenn er Christ ist, wohnt ja in einer Wohngemeinschaft mit dem Herrn. Und wir werden gesättigt werden von dem Gut deines Hauses, dem Heiligen deines Tempels.
Gott sorgt doch für seine Leute ganz wunderbar. Genieße also deine stille Zeit mit einer Tasse Kaffee und deiner Bibel, werde tief verwurzelt in seiner Liebe und verinnerliche sein gutes Wort. Und wenn dann dein Herz voll ist und dein Terminkalender leer, gibt Gott dir die Chance, in seinem Reich etwas Nachhaltiges zu bewirken. Du bist gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus, und die Welt steht dir offen.

Die Herausforderungen von Einsamkeit und Versuchung

Das dritte Single-Sein kann hart sein. In ihrem Buch Single Minded schreibt Kate Waten: Wenn wir ein Formular ausfüllen und bei Familienstand ledig ankreuzen müssen, wenn wir im Urlaub den Aufschlag für ein Einzelzimmer zahlen müssen, wenn wir im Supermarkt Sonderangebote sehen, „Nimm zwei, zahl eins“, von denen wir wissen, dass wir am Ende doch nur etwas wegwerfen müssen, wenn wir uns wappnen, allein zu einer Feier zu gehen, wenn wir beim Möbelaufbau niemanden brauchen, der anpackt, wenn wir nach Hause in die leere Wohnung kommen und niemand da ist, dem wir von den Höhen und Tiefen unseres Tages erzählen können, dann fühlt sich das Single-Sein in solchen Momenten und in vielen anderen wie ein ziemlich schlechter Deal an.
Keines dieser Beispiele, die sie aufführt, ist an sich schlimm. Aber das Leben besteht aus vielen Kleinigkeiten, die sich summieren und die alle zusammenkommen können, manchmal an einem einzigen Tag.
Als Gott Adam allein im Garten Eden sah, sagte er: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. Gott hat uns Menschen für die Gemeinschaft mit anderen Menschen geschaffen, damit wir in Beziehungen leben. Und das schließt verschiedene Formen von Beziehungen ein: von der flüchtigen Bekanntschaft angefangen, über regelmäßige Kontakte bis hin zu verbindlichen Freundschaften und schließlich der Ehe.
Die Ehe ist die engste Verbindung zweier Menschen, und sie ist ein Bild für die Beziehung von Christus zu seiner Braut, der Gemeinde. Zwar äußert sich das Neue Testament, wie wir gesehen haben, positiv über das Single-Sein, aber es besteht kein Zweifel, dass die Bibel die Ehe als Norm ansieht. Sie ist Gottes Geschenk an Mann und Frau, und sie ist der bedeutendste Rahmen, in dem unserem Wunsch nach Intimität begegnet wird.
Darum ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Singles mit Einsamkeit zu kämpfen haben. Etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland fühlt sich zumindest teilweise einsam. Knapp 20 Prozent, das sind gerade ganz aktuelle Zahlen, fühlen sich sogar sehr einsam. Jeder Fünfte in Düren, wenn du zum Einkaufen gehst und dir die Menschen anschaust, fühlt sich sehr einsam. Das sind erschreckende Zahlen. Ich glaube, das ist in der Geschichte so auch nie gewesen.
Und deswegen möchte ich dir Mut machen: Verschließe dich nicht vor Beziehungen zu Freunden. Gott möchte, dass wir das Leben mit anderen teilen. Wenn du dich gerade in einer solchen Lebensphase befindest, dann feiere ihre Verlobungen. Ich weiß ja nicht, ob das noch angekündigt wird oder ob du es vergessen hast, also es wird gleich noch eine Verlobung angekündigt. Freu dich darüber. Sitz jetzt nicht da und denk: Oh, der hat wieder eine oder die hat wieder einen gefunden oder so. Freu dich mit, kauf Geschenke, oder? Auch bei neugeborenen Babys und so. Eines Tages, wenn du deinen Moment erlebst und Gott dir vielleicht, so er will, einen Partner zuführt, dann wirst du froh sein, dass Menschen, die dir wichtig sind, da sind und dich dann feiern werden.
Und Singles haben auch mit sexuellen Versuchungen zu kämpfen. Ich weiß, wovon ich rede. Und diese Kämpfe, die natürlich nicht auf Singles beschränkt sind, betreffen besonders Alleinstehende. Einige entscheiden sich deshalb zu heiraten, andere entscheiden sich nicht zu heiraten, vielleicht fühlen sie sich nicht in der Lage dazu. Wegen ihrer Umstände, wegen ihrer Persönlichkeit, vielleicht auch wegen ihrer sexuellen Orientierung. Und sie werden unter Umständen lebenslang mit Einsamkeit und sexueller Versuchung zu kämpfen haben.
Je einsamer wir sind, desto eher kämpfen wir mit sexueller Fantasie und fallen in Sünde. Und da müssen wir Initiative ergreifen und in diesen Bereichen Hilfe suchen. Stehe also immer in engem Kontakt mit Menschen, sei es die Familie, seien es Freunde, und rede auch mit ihnen über diese Dinge. Lege Rechenschaft ab. Ich habe so einen Rechenschaftspartner, mit dem ich mich regelmäßig treffe, um über sehr persönliche Dinge zu reden. Das tut gut.
Und wir müssen natürlich auch selbst aus der Gnade Gottes herausleben und seine Freiheit in Christus manchmal mit einer gewissen Disziplin zeigen, um die Unzucht zu fliehen, wie es in 1. Korinther 6,18 heißt: Flieht die Unzucht, also sexuelle Unmoral.

Die Vorläufigkeit jeder irdischen Lebensform

Ich komme zum letzten und vierten Punkt: Single sein ist nicht dauerhaft. Manche durchlaufen verschiedene Phasen, eine lange Zeit des Alleinseins, gefolgt von einer kürzeren Ehe, oder eine lange Ehe, gefolgt von einer kürzeren Zeit des Single-Seins als Witwe. Ein weiteres Beispiel für das Single-Sein ist ja im Alten Testament auch Ruth. Und dann gibt es andere, die ihr ganzes Leben Single sind und als solche leben.
Aber, aber, und darauf will ich hinaus: Kein Christ wird für immer Single bleiben. Menschliche Ehen reflektieren die Ehe, die Gott mit seinem Volk auf ewig genießen will. Die Bibel spricht von Jesus als dem Bräutigam, der wiederkommen wird. Wir erwarten seine Wiederkunft, wir rechnen damit, dass er kommt, und dass diese Zeit, wie Jakobus schreibt, ja nur wie ein Dampf ist, der eine kurze Zeit lang sichtbar ist, aber dann verschwindet, aufgeht in die Ewigkeit in seiner Gegenwart.
Er wird kommen, um uns als Braut, uns als Gemeinde, zu sich zu holen, damit wir für immer bei ihm leben. Und dann wird aller Schmerz verschwunden sein, einschließlich des Schmerzes einer schwierigen Ehe oder eines schwierigen Single-Seins. Gott wird alle Tränen von unseren Augen abwischen. Eine laute Stimme wird rufen: Lasst uns fröhlich sein und jubeln, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht. Offenbarung 19,7
Lieber gläubiger Single, dein Hochzeitstag wird kommen. Freu dich darauf!
Wir können schon jetzt etwas von dieser intimen Ehe mit Christus hier auf der Erde genießen. Menschliche Beziehungen sind wichtig, ja, und gehe diese Beziehungen ein, aber keiner hat auch nur annähernd die Bedeutung wie unsere Beziehung zu Jesus Christus, unserem Herrn.

Abschliessende Ermutigung für Singles und Verheiratete

Drei abschließende Worte an Singles.
Erstens: Danke Gott für die Gabe des Single-Seins. Vielleicht hast du es noch nie getan, dann tu es heute. Was auch immer deine Erfahrung mit dem Single-Sein ist, sieh es als Geschenk Gottes an und mache das Beste daraus, solange du diese Gabe hast.
Zweitens: Lebe eng mit Jesus zusammen. Für Singles ist es ansonsten leicht, in einen selbstbezogenen Lebensstil und auch in sexuelle Sünde zu fallen. Sei also diszipliniert und lege anderen Rechenschaft ab.
Und drittens: Halte deinen Blick auf den Himmel gerichtet. Unsere ewige Beziehung zu Christus zählt letztlich am allermeisten.
Aber ich bin noch nicht ganz fertig. Drei letzte Worte auch noch an die Verheirateten. Ich vermute ja doch, dass ihr in der Überzahl seid.
Das Erste an euch: Sieh Singles bitte nie als Menschen zweiter Klasse an! Das wäre schlichtweg eine unbiblische Haltung. Sieh sie als Bruder oder Schwester im Glauben an, der zur Familie dazugehört.
Das Zweite: Vergiss nicht, dass die ganze Gemeinde deine Familie ist. Es sollte keine einsamen Leute in unseren Gemeinden geben. Öffnet eure Häuser füreinander und pflegt Beziehungen in der gesamten Gemeindefamilie.
Ich bekam zu lesen, was eine Frau über eine Single-Freundin berichten musste, wörtliches Zitat, in einer Freikirche. Und ich möchte über ihre Gemeinde nicht schlecht reden, aber als sie krank im Bett lag, kam keiner und hat sie besucht. Als sie wieder halbwegs gesund war, wurde es ganz selbstverständlich wieder erwartet, dass sie ihre Ehrenämter macht. Und so etwas finde ich ganz, ganz schlimm. Das ist wahr.
Das Dritte für euch als Verheiratete: Halte auch du deinen Blick auf den Himmel gerichtet. Menschliche Ehen sind wichtig, aber sie werden nicht ewig dauern. Das können wir zum Beispiel aus Markus 12 ableiten. Die Ehe ist nicht für die Ewigkeit. Unsere Beziehung zu Christus sollte auch für dich, wie für jeden Christen, an allererster Stelle stehen.
Ich glaube nicht, dass Gott einen Menschen, der sich sehr nach einer Beziehung sehnt, der sich nach Ehe sehnt, dazu berufen hat, ein Leben der Ehelosigkeit zu führen. Wenn du leidest, wenn du Familien siehst oder glückliche Paare miteinander turteln siehst, dann mag das nicht Gottes Weg für dich sein, alleine zu bleiben. Dann bete um Gottes Führung und vertraue darauf, dass er seinen Plan dir offenbart und du glücklich wirst, auch in einer Familie.
Meine Erfahrung ist: Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und dies wird euch hinzugefügt werden. Matthäus 6,33 ist ein Vers, der ganz groß bei uns zuhause im Wohnzimmer hängt, weil er sowohl im Leben meiner Frau als auch in meinem Leben immer wieder greifbar wurde. Wenn wir nach seinem Reich trachten, wenn wir uns für seine Sache engagieren, dann fügt er uns das hinzu, was wir auch darüber hinaus nötig haben. Alles andere wird euch hinzugefügt werden. Das ist eine tägliche Erinnerung bei uns im Wohnzimmer, weil es so bedeutsam ist.
Ich war damals 48 Jahre alt, und ich wäre bereit gewesen, für meinen Herrn Single zu bleiben. Ich habe nicht krampfhaft nach einer Frau gesucht, nicht krampfhaft. Mimi hat auch nicht krampfhaft nach einem Mann gesucht. Trotzdem haben wir um Lebensführungen gebetet, und Gott hat uns einander hinzugefügt. Welch ein wunderbares Geschenk!
Viele Menschen erhalten von Gott die Gabe der Ehe. Anderen schenkt er die Gabe der Ehelosigkeit, beides mit den genannten Nebenwirkungen dazu. Aber egal, welche Gabe du hast, ob Ehe oder Ehelosigkeit, du hast immer die Möglichkeit, diese Gabe für ein fruchtbares Leben und einen erfüllten Dienst einzusetzen, dem Geber aller guten Gaben zur Ehre und anderen zum Segen. Denn zu jeder Gabe gehört eine Aufgabe.