Zum Inhalt

Escape "Das kann ich nie wieder gut machen..." vom Umgang mit Schuld

27.11.2005
Serie•Teil 5 / 8Escape
Schuld lässt sich nicht wegdrücken. Die Frage ist: Was, wenn dein Gewissen recht hat – und du Vergebung brauchst, statt nur neue Regeln?

Einleitung und Ausgangspunkt

Weglaufen ist zu wenig. Vom Umgang mit Schuld soll es heute gehen. Und ich dachte mir, ich bringe euch eine ganz aktuelle Geschichte mit aus dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
Der Spiegel hat vor nicht allzu langer Zeit Leuten die Möglichkeit gegeben, sich mit Giorgio Basile zu unterhalten. Jetzt mögt ihr Giorgio Basile nicht kennen, das kann sein. Er ist ein ehemaliger Auftragskiller der Mafia, der sich im Moment unter der Obhut der italienischen Polizei in einem Zeugenschutzprogramm befindet und der einfach mal Leuten die Möglichkeit gegeben hat, mit ihm zu reden. Es wurde ein Internet-Chat eingerichtet, und man konnte dort Fragen eintippen und sagen: Du Giorgio, wie fühlt man sich eigentlich so als Killer?
Und da kam dann folgende Frage: Da hat einer gefragt: Giorgio, glauben Sie eigentlich an Gott? Und wenn ja, wie verträgt sich eigentlich der Glaube an Gott? Der Schreiber dachte: Giorgio ist Italiener, da glauben irgendwie alle an Gott. Wie verträgt sich der Glaube an Gott eigentlich mit dem Töten? Und die Antwort von Giorgio war: Nein, an Gott direkt glaube ich nicht. Ich habe schon Gewissensbisse, aber an eine höhere Macht glaube ich nicht.
Das wird unser Thema heute sein: Gewissensbisse, Umgang mit Schuld. Ich möchte das Thema anhand von drei Punkten behandeln.
Mein erster Punkt lautet dabei: Jeder Mensch empfindet Schuld. Und das ist gut so. Jeder Mensch empfindet Schuld, und das ist gut so. Ich schaue mir die Weltgeschichte an, ich lese ganz gerne, und ich stelle fest: Schuld ist etwas, was es weltweit gibt. Jeder Mensch kennt Gewissensbisse, jeder Mensch ist ein moralisches Wesen, das tatsächlich unterscheiden kann zwischen dem, was richtig ist, und dem, was falsch ist.
Gewissensbisse wird man nicht los, selbst dann nicht, wenn man wie Giorgio schon eine ganze Reihe Leute umgelegt hat. Fragt man ihn direkt, wie geht es dir dabei, dann sagt er: Na ja, so manchmal habe ich schon ein schlechtes Gewissen.
Schuldgefühle entstehen dann, wenn wir etwas Falsches tun. Und ich möchte heute Abend am Anfang betonen, dass die Fähigkeit, Schuld zu empfinden, dass die Möglichkeit, überhaupt Gewissensbisse zu haben, eine ganz fantastische Sache ist. Das ist kein Knacks, den wir haben, nicht so ein Fehler im System, sondern im ureigensten Sinn ist die Fähigkeit, Schuld empfinden zu können, absolut menschlich.
Ich würde so weit gehen und sagen: Dass du Schuld empfinden kannst, dass du zwischen richtig und falsch unterscheiden kannst, macht dich zu einem bestimmten Teil, zu einem wesentlichen Teil, zu einem Menschen.
Jeder von euch hat wahrscheinlich ein Handy. Stellt euch vor, ihr geht in so einen Handyshop. Ich weiß nicht, wie viele Tausend Handyshops es in Berlin gibt, ich habe den Eindruck, es ist im Moment an jeder Ecke einer. Einer sagt: Ich hätte gern ein Handy. Und der Verkäufer sagt: Ja, ich habe hier ein Handy, und das hat sogar drei Knöpfe mehr als die anderen. Aber die drei Knöpfe bewirken nichts, die hat man nur drangebaut, um daran herumzudrehen. Dann wirst du sagen: Das ist ja komisch. Wenn ich so ein normales Handy habe, dann hat jeder Knopf genau eine Funktion oder mehrere Funktionen. Aber dass ich ein Handy haben soll mit Knöpfen, die keine Funktion haben, das ist ja irgendwie ganz komisch.
Also, ich habe einen alten VW-Bus, einen richtig alten, und der hat eine Standheizung. Eine Standheizung, die sollte stillgelegt werden. Und an Pfingsten hatte ich Besuch von vier Jungs. Freunde von uns sind in den Urlaub gefahren und haben uns ihre Kinder dagelassen. Und da war so ein kleiner Pfiffiger dabei, ja, klein, eher so einer, wo man drüberschauen kann, den man nicht für voll nimmt, der aber die Angewohnheit hat, an jedem Knopf zu drücken, den er findet, jeden Regler einzuschalten, bei jedem Gerät mal zu schauen, was passiert, wenn man daran rumspielt. Also die Art von Kind, wo ich dir rate: Gib ihm deine Digitalkamera nicht. Du kriegst sie zurück, und alle Bilder sind gelöscht.
Den Kleinen hatten wir also bei uns im Auto. Noch nie hat jemand hinten an den Knöpfen dieser uralten Standheizung gespielt. Er schon. Und natürlich hat das keiner mitbekommen. Drei Tage später fährt meine Frau los, und nach ein paar hundert Metern stinkt es nach Diesel, es fängt an zu qualmen. Und sie traut sich keinen Meter mehr weiterzufahren, fährt ran, ruft mich an. Ihr erkennt das ja: Jeder Knopf hat seine Funktion. Und in dem Moment, wo du eine alte, kaputte Standheizung hast, ist es einfach so, dass auch da gilt: Jeder Knopf hat seine Funktion. Und wenn du eine alte Standheizung mit dem richtigen Knopf einschaltest, na ja, dann stinkt das und qualmt halt einfach.
Warum erzähle ich euch das? Was für die Standheizung gilt und was für das Handy gilt, das gilt auch für uns Menschen. Wir haben also, ich habe eine Brille, und dahinter habe ich Augen. Wozu? Weil man etwas sehen kann, weil es etwas anzuschauen gibt. Wir haben Ohren. Warum? Weil es Schallwellen gibt, weil man Musik hören kann. Und wir haben ein Gewissen, weil man tatsächlich zwischen Recht und Unrecht, zwischen dem Falschen und dem Richtigen unterscheiden kann.
Und ich bin als Mensch gerade keine biologische Maschine, die einfach nur so funktioniert, sondern ich bin als Mensch dazu gemacht, nachzudenken, zu reflektieren, zu reagieren, mein Verhalten zu bewerten. Ich kann das, und das Schlimme ist: Manchmal muss ich das sogar.
Kennt jemand von euch den Pumuckl nicht? Es ist dieser Kobold mit dieser furchtbar schrillen Stimme. Also wir haben davon Kassetten, von dem Pumuckl und dem Meister Eder. Es ist ja wirklich so etwas ganz Penetrantes, wenn dieser Kobold anfängt zu schreien. Und manchmal habe ich den Eindruck, ist es mit unserem Gewissen auch so ein penetrantes Gestochenwerden in dem Moment, wenn man es am allerwenigsten brauchen kann.
Schuldgefühle sind auf der einen Seite etwas ganz Normales, und sie sind etwas ganz Wichtiges. Das ist mein erster Punkt.

Wenn Schuld zur Last wird

Mein zweiter Punkt lautet: Jeder Mensch ist im Umgang mit Schuld irgendwie hilflos. Schuld belastet. Man kann versuchen, Schuld irgendwie loszuwerden. Man kann sie zum Beispiel verdrängen. Man kann sie anderen in die Schuhe schieben. Man kann erklären, warum das, was man getan hat, doch nicht so schlimm ist. Aber irgendwie wird man sie nicht richtig los.
Ich habe hier wieder Giorgio Basile, unseren Auftragskiller. Man könnte ja eigentlich denken: Wenn jemand mit dem Thema Schuld beim Mord gut klarkommt, dann müsste das so jemand sein. Das ist ja ein Profi. Der macht das ja nicht ein- oder zweimal, der lebt ja davon. Der wurde in diesem Chat auch gefragt, wie das denn mit diesen Taten ist, ob das manchmal noch ein bisschen hochkommt in ihm. Und er hat zugegeben, dass einige seiner Opfer ihm im Traum begegnen und er das nicht wirklich verarbeitet hat.
Im Umgang mit Schuld gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Ich weiss nicht, welche du wählst. Vielleicht träumst du nicht von deiner Schuld. Vielleicht ist es Angst. Vielleicht ist es auch eine Depression. Vielleicht ist es etwas anderes. Das spielt auch gar keine Rolle. Der Punkt ist, dass Schuld belastet und dass man Schuld irgendwie nicht loswird.
Und wir stellen auch in der Bibel fest: Das Thema Schuld nimmt einen breiten Rahmen ein. Es ist ein wichtiges Thema. Wir haben ein Gewissen, und es ist letztlich Gottes Idee gewesen, dass wir ein Gewissen haben. Ich denke, die Tatsache, ich habe ja vorhin gesagt, jeder Knopf hat eine Funktion, dein Gewissen hat eine Funktion. Und ich denke, man kann mindestens drei Funktionen für das Gewissen klar von der Bibel her sehen.
Das eine ist: Der Mensch hat ein Gewissen, weil er für sein Leben verantwortlich ist.
Der zweite Punkt lautet: Der Mensch hat ein Gewissen, weil Gott von ihm verlangt, dass er nicht irgendwie lebt, sondern dass er richtig lebt, dass er die Gebrauchsanweisung, die Gott ihm mitgegeben hat, beachtet.
Und der dritte Punkt ist: Der Mensch hat ein Gewissen, weil Gott ihn einmal für sein Leben zur Rechenschaft ziehen wird.
Mit einem schlechten Gewissen ist es wie mit der Angst. Alle Autofahrer hier, zumindest die etwas vorsichtigeren unter euch, kennen das Gefühl, wenn man in eine Kurve hineinfährt und den Eindruck hat, man sei einen Tick zu schnell unterwegs. Das kribbelt so ein bisschen im Rücken, und du denkst dir: Jetzt besser bremsen.
Genau so ist das Gewissen. Es ist wie Angst. Es hat eine ganz, ganz positive Seite. So wie mich die Angst in der Kurve davor bewahrt, einen Unfall zu machen, so bewahrt mich mein Gewissen an einer anderen Stelle davor, einen Fehler zu begehen. Und dieser Fehler lautet: falsch zu denken.
Der grösste Fehler, vor dem mich mein Gewissen bewahrt, ist der, zu denken, dass in meinem Leben alles in Ordnung ist, dass ich irgendwie ein guter, cooler, netter Typ bin, an dem eigentlich überhaupt nichts auszusetzen ist. Dieses falsche Denken, davor bewahrt mich mein Gewissen.
Ich trage mit mir, ob mir das passt oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle, ich trage mit mir einen moralischen Kompass herum, den ich vielleicht manipulieren kann, aber ich kann ihn nicht abschalten. Der läuft immer weiter, einfach mit. Und ich weiss: Wenn er anschlägt, dann ist etwas passiert. Ups, jetzt habe ich schon wieder etwas getan, was einfach falsch war.
Ich kann es innerlich spüren, wenn ich sündige. Ich kann das innerlich spüren, wenn ich Gottes Gebote übertrete. Ich kann das innerlich spüren, wenn ich, na ja, wenn ich jemanden ablehne, statt ihn anzunehmen; wenn ich an der Stelle, wo Anerkennung sein sollte, neidisch bin; wenn ich mir, statt meine Fehler zuzugeben, so ein bisschen selbstgerecht durch die Gegend stolziere und denke: Wird schon irgendwie gehen, ich bin ja eh der Beste. Ich kann es spüren, dass an der Stelle irgendetwas nicht stimmt.
Schuldgefühle sind, ich bin kein Fussballer, ja, und ich möchte euch jetzt vormachen, wie man jemanden tritt. Also stellt euch vor, da liegt einer, und so ein Schuldgefühl, das ist so ein Tritt in die Seite, der dich aufwecken soll. Gewissensbisse sind, wenn wir ehrlich sind, allerdings das ist immer so eine Sache, ja, wer ist schon ehrlich, aber vielleicht können wir ein Stückchen für uns selber, mit uns selber ehrlich sein: Schuldgefühle sind ein Indiz dafür, dass etwas ganz Grundlegendes mit uns nicht stimmt.
Ich mag keine Schuldgefühle. Sie sind mir zuwider. Ich mag das nicht, irgendwie belastet durch die Gegend zu laufen und zu sagen: Irgendwie blöd, ich wollte irgendwie nett sein, aber es ist doch wieder nicht geklappt. Und ich mag das wirklich überhaupt nicht. Das Blöde ist: Ich schaffe es auch nicht, ohne Schuldgefühle zu leben. Ich schaffe es auch nicht, so zu leben, dass ich nur das Richtige tue und immer ein reines Gewissen habe.
Und das ist doch merkwürdig, oder? Mein erster Punkt war, dass ich gesagt habe: Gewissensbisse oder ein Gewissen zu haben ist normal und eigentlich etwas Gutes. Und mein zweiter Punkt war, dass ich gesagt habe: Irgendwie werden wir Schuld nicht los. Das Thema von heute ist der Umgang mit Schuld. Eigentlich können wir gar nicht mit Schuld umgehen. Es ist etwas in unserem Leben, was wir nur irgendwie loswerden wollen, aber dem wir, und jetzt bleibe ich mal beim Pumuckl, das kreischt immer in dem Moment los, wenn du es am wenigsten brauchen kannst.

Ein Weg aus der inneren Sackgasse

Jetzt mein dritter Punkt: Jeder Mensch braucht aus der Schuldfalle einen Ausweg.
Und ich habe mir überlegt, wie man den Ausweg aus der Schuldfalle einteilen kann. Ich möchte drei Punkte nennen, wie der Ausweg aus der Schuldfalle aussieht.
Der erste Punkt ist: Wir müssen etwas verstehen und einsehen. Verstehen und einsehen.
Was müssen wir verstehen? Zugegebenermaßen ist das jetzt der schwierigste Punkt. Der schwierigste Punkt deshalb, weil er gegen unseren eingebauten Stolz gerichtet ist. Wir müssen einsehen, dass ich meine Schuld nicht loswerden kann. Ich kann sie verstecken, ich kann sie anderen in die Schuhe schieben und so tun, als wäre doch nichts. Aber so richtig loswerden kann ich meine Schuld nicht.
Und der Punkt ist tatsächlich der: Entweder sind wir bereit, dieser Wahrheit ins Auge zu blicken und zu sagen: Ja, das stimmt, ich komme mit meiner Schuld nicht klar. Da gibt es ein Problem in meinem Leben, nenn es, wie du magst, ich nenne das Sünde, und ich weiß eigentlich nicht, wie ich damit umgehen soll. Entweder schaue ich dieser Wahrheit ins Auge, oder die Schuldfalle wird mich für den Rest meines Lebens gefangen halten.
Entweder gebe ich zu, dass ich es nicht schaffe, mein Leben noch nicht einmal nach meinen eigenen Maßstäben zu leben. Ich rede ja gar nicht von den Zehn Geboten und der Bibel und der Bergpredigt. Ich rede ja nur von dem, was du für richtig und falsch hältst. Entweder gebe ich zu, dass ich es nicht einmal schaffe, das zu halten, oder aber mir kann nicht geholfen werden.
Das ist das Schlimme am Selbstbetrug. Wenn ich mir etwas vormache, dann ist das vielleicht der schlimmste Betrug, den es überhaupt auf der Erde gibt, weil er das Leben so gründlich ruiniert. Und da, wo du deine Schuld anerkennst, an der Stelle hast du eine Chance. Da kannst du etwas erreichen, was über deine eigene Kraft hinausgeht.
Und das ist mein zweiter Punkt. Wir müssen also etwas verstehen, nämlich unsere eigene Unfähigkeit, und einsehen. Und dann müssen wir Hilfe suchen. Hilfe suchen deshalb, weil kein Mensch dir in der Schuldfrage helfen kann. Denn wir sind alle miteinander, wie wir hier sitzen, Problemfälle. Aus eigener Kraft können wir das, was wir verbockt haben, nicht mehr gut machen.
Mein Lieblingsbeispiel ist nun mal der Polizist, der dich anhält, wenn du über eine rote Ampel fährst. Und er sagt: Hören Sie mal, junger Mann. Also bei mir vielleicht sagt er schon nicht mehr junger Mann, aber früher hat er mal gesagt: Hören Sie mal, junger Mann, Sie sind da gerade über eine rote Ampel gefahren. Und dann sage ich: Wissen Sie, Herr Wachtmeister, das ist völlig egal, ich habe die letzten zehn alle bei Grün mitgenommen. Das wird ihn nicht begeistern. Und selbst wenn ich sage: Und ich lege noch eins obendrauf, ich werde auch die nächsten zehn wieder bei Grün mitnehmen, dann wird er sagen: Wissen Sie, so ist es nicht. Einmal über Rot gefahren, das ist das Problem. Und sonst das Richtige tun, nämlich bei Grün über die Ampel zu fahren, damit können Sie nun leider nichts auslösen.
Das ist aber oft das Denken, was Menschen im Kopf haben. Wenn ich das Richtige tue, dann kann ich damit das Falsche nicht auslösen oder ungeschehen machen. Das geht einfach nicht. Und wenn ich das Beispiel jetzt auf Schuld übertrage, wenn ich sage: Wie ist das mit meiner Schuld? Denn schuldig geworden zu sein, kann ich nicht dadurch auslösen, dass ich jetzt nicht mehr schuldig bin. Denn das sollte ich ja die ganze Zeit sein. Sondern die Schuld steht da, und ich werde sie nicht mehr los.
Ich brauche tatsächlich Hilfe von außen. Und das zuzugeben, das ist irre schwer. Denn das ist der Punkt, wo ein Mensch sagt: Ich ergebe mich. Ich schaffe es nicht. Ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich mit meinen Möglichkeiten nicht mehr weiter weiß.
Ich weiß, es ist irre schwer, das zuzugeben, aber es ist nicht unmöglich. Warum? Ich glaube, es ist deshalb nicht unmöglich, weil wir alle ehrlich sein können. Weil wir alle zugeben können, dass es tatsächlich so ist: Wir haben ein Problem. Der eine empfindet das ein bisschen stärker, der andere ein bisschen weniger stark. Das ist jetzt egal, wie viel. Das Problem besteht.
Und jetzt kommt einer und sagt: Ich würde dir gerne helfen. Ich habe hier ein Zitat aus dem Matthäusevangelium. Da sagt Jesus: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen. So spricht heute kein Mensch mehr. Wenn du down bist und nicht mehr weiter weißt, dann lädt Jesus dich ein. Das steht da. Du weißt nicht mehr weiter, dann lädt Jesus dich ein. Ein Angebot, das vor zweitausend Jahren gesprochen wurde und heute noch gilt.
Wenn menschliche Hilfe versagt, kann Gott noch weiterhelfen. Aber Gott hilft anders, als du dir das vielleicht vorstellst. Und deswegen heißt mein dritter Punkt: Also, das erste war Verstehen und Einsehen, der zweite Punkt lautet Hilfe auch suchen, weil ich es selber eben nicht schaffen kann, und der dritte Punkt ist Hilfe annehmen.
Und dieser dritte Punkt, der ist nun ganz anders, als man das vielleicht erwarten würde. Wir leben ja, ich sage immer, in einem Zeitalter der Selbsthilfegruppen und Ratgeberbücher. Es gibt für alles eine Selbsthilfegruppe und für alles ein Ratgeberbuch. Ich habe die früher auch gelesen, also ich kenne so die Sachen, die vor 20 Jahren geschrieben wurden. Du bist vielleicht selbst nicht so richtig selbstbewusst, kaufst dir ein Buch: Die Kunst, ein Egoist zu sein, oder irgendwie sowas. Also liest diese Dinge halt und weißt dann: Aha, wie man sich verhalten muss, damit man auch möglichst kompetent daherkommt und alle sagen: Oh, was für ein Selbstbewusstsein.
Jetzt kommt Gott und sagt: Weißt du was, ich mache es anders. Ich gebe dir nicht, ganz bewusst nicht, noch ein paar gute Tipps, wie du dein Leben leben kannst. Oder ich lege dir auch nicht irgendwelche Bußübungen auf, sondern ich wähle einen ganz anderen Weg.
Und Gott tut es, weil er hinter das Problem meiner Gewissensbisse schaut, weil er mitbekommt, dass diese Gewissensbisse so an der Oberfläche nur ein Symptom für ein viel tiefer liegendes Problem sind. Dass hinter meinen Gewissensbissen wirklich Sünde steckt, da etwas steckt, womit ich nicht fertig werden kann. Dass hinter meinen Gewissensbissen meine persönliche Verlorenheit steht.
Und deswegen kommt Gott daher und sagt: Ich gebe dir nicht ein paar neue Regeln. So nach dem Motto: Okay, du hast es vorher nicht geschafft, dein Leben zu leben, und jetzt lege ich dir die Bergpredigt hin, jetzt probier es mal danach. Entschuldigung, das funktioniert nicht. Es kann nicht funktionieren, denn das, was wir brauchen, sind nicht neue Regeln. Das, was wir brauchen, ist ein neues Herz. Wir brauchen innen drin eine Veränderung.
Und das ist der Weg, den Gott gewählt hat. Gott will ein neues Herz schenken. Und deswegen setzt Gott ein Rettungsprogramm in Gang, das ganz anders ist als das, was wir sonst kennen aus den Ratgebern und aus den Selbsthilfegruppen: Jetzt sprich dich mal aus, und hast du schon über das nachgedacht? Gott macht das ganz anders.
Wenn es um die Errettung des Menschen geht, dann ist Gott ein Alleinunterhalter, dann ist das eine One-Man-Show. Und immer, wenn ich in einer Predigt an dem Punkt bin, wenn ich mir überlege, jetzt müsste ich euch ja eigentlich sagen, was Gott getan hat, um dich zu retten, da schmunzle ich innerlich. Und ich wollte euch das einmal wenigstens sagen.
Ich schmunzle deshalb, weil ich, wenn ich jetzt kurz zusammenfasse, was das Evangelium, die gute Botschaft, was das ist, was eigentlich Gott dir sagen möchte, voll verstehen kann, wenn irgendeiner sagt: Das kann ich nicht glauben. Das ist einfach zu ungewöhnlich, das ist einfach zu frech, das ist einfach zu abgehoben. Und ich sage dir: Ja, das stimmt, du hast völlig recht. Verglichen mit dem, was du kennst, ist das, was Gott tut, einfach ganz, ganz, ganz anders.
Und ich möchte das hier so zusammenfassen, was Gott getan hat, um dein Problem mit Sünde und Schuld zu lösen: Er hat bezahlt für deine Sünde, er ist Mensch geworden, er ist hier an einem Kreuz für deine Schuld gestorben, er wurde begraben, er ist wieder auferstanden. Übrigens feiern wir das an Ostern. Ostern ist genau dieser Moment, wo eigentlich die Christenheit jubelt und sagt: Er ist auferstanden. Wissen auch nicht mehr so richtig viele.
Und unser Thema heute vom Umgang mit Schuld, Sünde, diese kleinen und großen Ungerechtigkeiten, die unser Leben vergiften, da sagt Gott nicht: Oh, das ist nicht so schlimm. Sondern Gott sagt: Das ist richtig schlimm. Und das einzige, was dir hilft, ist, wenn irgendeiner für den Müll und den Dreck deines Lebens bezahlt, weil du selber es nicht kannst.
Und das ist das Angebot, was seit Ostern gilt. Gott zwingt mir seine Vergebung nicht auf, er sagt nicht: Jetzt muss der aber das glauben. Das überhaupt nicht. Aber was Gott tut, ist, er stellt sich hin und sagt: Ich habe ein Angebot für dich, ich biete dir etwas an. Lass mich doch das Minus in deinem Leben ausgleichen, lass mich deine Schuld nehmen, gib sie mir, fang noch mal von vorne an und lass mich in deinem Leben dein Gott sein. Das ist das Angebot.
In der Sprache der Bibel heißt das dann so: So ändert nun eure Einstellung und kehrt zu Gott um, damit der Herr Jesus eure Schuld auslöscht. Das sagt Petrus, der Apostel Petrus, in Jerusalem, zu Leuten, denen in diesem Moment klar geworden war, dass sie Mörder waren. Mörder in dem Sinn: Das waren die Leute, die ein paar Wochen zuvor in Jerusalem so in diesem Mob drin standen und geschrien haben: Kreuzige ihn, kreuzige ihn, kreuzige ihn.
Und jetzt, in diesem Moment, wo Petrus seine Predigt hält, wird den Leuten klar: Halt, was haben wir da eigentlich gemacht? Wir haben geschrien: Kreuzige ihn. Und er ist wirklich gekreuzigt worden, die Römer haben das tatsächlich gemacht, und wir wollten das. Wir sind eigentlich die Mörder.
Und jetzt stehen sie mit ihrer Schuld da und wissen nicht weiter. Was sollen wir denn jetzt machen? Ja, wir haben damals geschrien: Kreuzige ihn. Und Petrus sagt: So ändert nun eure Einstellung. Kehrt zu Gott um, damit der Herr Jesus eure Schuld auslöscht.
Merkt ihr das? Gott muss Schuld auslöschen. Schuld kannst du nicht bezahlen, aber Schuld kann man bei Gott geben, und man kann ein neues Leben bekommen, weil Gott, weil Jesus für deine Schuld bezahlt hat.

Schluss und Gebet

Fazit: Wie geht man mit Schuld um? Wir verdrängen Schuld nicht, das macht nur krank. Wir leugnen Schuld nicht, weil das nichts anderes als Selbstbetrug ist, sondern wir stehen zu unserer Schuld. Wir stehen dazu, dass es ein Problem gibt. Und wir gehen mit diesem Problem dorthin, wo der Einzige steht und sagt: Hier, ich bitte dich darum, nimm doch mein Angebot an.
Wenn wir das nicht tun, dann wird unsere Schuld unser Leben zerstören. Und es wird tatsächlich so sein, dass Jesus einmal auch unser Leben verurteilen muss für die Schuld, die wir angerichtet haben, für die Sünde, die wir getan haben.
Und es ist heute Abend nicht die Zeit, jetzt das gesamte Spektrum der Themen, die ich angerissen habe, zu Ende zu diskutieren. Ich möchte nur eine einzige Sache. Ich möchte nur, dass du anfängst, über dieses Angebot Gottes nachzudenken. Das ist das Einzige, was ich will.
Gott bietet dir einen Neuanfang an, wenn du ihn um Vergebung bittest, und Gott bietet dir einen Neuanfang an, wenn du dein Leben ihm ganz anvertraust. Das ist das Angebot, das steht.
Wenn du noch Fragen hast, sprich mich nachher an!
Jetzt möchte ich zum Abschluss noch beten.
Herr Jesus, wir danken Dir dafür, dass Du auf diese Erde gekommen bist, für unsere Schuld gestorben bist, begraben wurdest, auferstanden bist, dass Du heute lebst, dass Dein Angebot heute gilt. Und wenn das auch ein phantastischer Weg ist, seine Schuld abzugeben, noch einmal von vorne anzufangen, so bitte ich Dich darum, dass Du Herzen bewegst, dieses Angebot ernst zu prüfen und anzunehmen.
Herr, wir können das nicht anders als Dich immer wieder loben und preisen. Und ich denke, dass das auch in der Musik zum Ausdruck kam. Herr, wir sind begeistert von dem, was Du getan hast, wir sind begeistert von den Möglichkeiten, die Du uns erschlossen hast.
Und wir beten von ganzem Herzen darum, dass diese Botschaft hinaus in die Welt kommt, dass sie gehört wird, dass sie Leben verändert. Bitte gib dazu Gnade. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.