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Der alte und neue Mensch

Kolosser 3,1-1124.08.1993
Nicht Regeln machen dich neu, sondern Christus selbst. Die entscheidende Frage ist: Lässt du ihn dein Leben prägen – oder bleibst du bei alten Mustern hängen?

Die neue Wirklichkeit des Lebens mit Christus

 Kolosser 3
So seid ihr nun mit Christus auferstanden. Das ist eine etwas ungewohnte Redeweise. Sie sind mit Christus auferstanden; da müssen wir überlegen, was das bedeutet. So sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zu Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.
Denn ihr seid gestorben. Auch das ist wieder eine ungewohnte Redeweise: Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.
So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist. Um solcher Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.
Wissen Sie, wenn Sie den Zorn Gottes haben, dann können Sie machen, was Sie wollen. Es klappt nichts mehr. Ich bin neulich bei meiner Bibelarbeit darauf gestoßen, auf den Fluch, der einst dem Volk Israel vom Ebal herab, von dem Berg bei Sichem, gesprochen wurde, der Fluch. Da sagt Gott: Ich sage euch, wie der Weg geht. Wandelt mit dem Herrn, betet die Götzen nicht an und heiligt euer Leben usw. Es kommt ja verschiedentlich, diese ganzen Reihen, und da heißt es dann gleich: Wenn du Gott verlässt, was kann denn schon passieren? Dann wird der Fluch Gottes sich an die Balken deines Hauses heften und in dein Gemäuer, bis alles zerbricht.
So ein wunderbares Bild. Du merkst es gar nicht, du sitzt noch drin. Erst ein paar Jahre später fragst du dich: Was war denn los? Mein Haus bricht zusammen. Man sagt: Kein Segensgut ist mehr drin. Und umgekehrt, wenn das Segensgut da ist, dann geht es so weit, dass dein Backtrog, dass dein Backtrog voll der Gegenwart Gottes ist. Das ist so etwas Wunderbares, wie ich es dann spüren kann, bis in meine Berufsarbeit, bis in meine Küchenarbeit hinein. Der Herr ist da, und so leibhaftig darf ich es erfahren und darf ich es auch wissen.
Und so ist es auch, wenn der Zorn Gottes über uns kommt. Das ist furchtbar. Wenn der Zorn Gottes über uns kommt, dann kann nichts mehr gelingen. Ich kann gegen Gott nicht stehen, dann läuft nichts mehr.

Die Grenze bloßer Lebensregeln

In dem allem seid auch ihr einst gewandelt, als ihr noch darin lebtet. Nun aber legt alles von euch ab: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung und schandbare Worte aus eurem Munde. Belügt einander nicht, denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.
Da ist nicht mehr Grieche oder Jude. Mit Grieche ist immer der Hellenist gemeint, also diese Kultur des Griechentums, die Denkungsart des Griechen. Auch beschnittener oder unbeschnittener, nicht Grieche, Skythe, Sklave, Freier: sondern alles und in allen Christus.
Sie erinnern sich vielleicht noch, wenn Sie das letzte Mal da waren, dass uns eine Frage beschäftigt hat: ob man nicht die Menschen mehr nötigen muss durch klare Regeln. In der Erziehung schon sagen: Du musst christlich leben, und Ordnungen mitgeben. Ich habe das letztes Mal sehr, sehr in Frage gestellt und es als nicht sehr hilfreich Ihnen gegenüber erklärt.
Wir gehen leider diesen Weg, es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Wir unterrichten junge Leute, wir geben ihnen Maßstäbe mit, wir erzählen ihnen die Zehn Gebote und sagen: Du sollst nicht stehlen, du sollst kein Falschzeugnis reden. Wir lehren sie ein anständiges Leben in unserem Sinn, aber eigentlich vom evangeliumherrischen Quatsch.
Denn da setzt sich in den Köpfen dieser Kinder fest: Wenn man also noch nie mit dem Gefängnis zu tun hat, ist man anständiger Christ. Und wenn man sein Leben ordentlich geführt hat, ist alles okay. Das hat sich ja auch in unserem Volk so gegeben. Es ist ja immer das Problem der zweiten Generation, dass man gewisse Regeln hat und sagt: Das ist doch kein Problem, ich bin doch kein besonderer Mensch, ich lebe doch ganz gut, ich bin ein liebenswürdiger Mensch, ich habe meine Fehler, aber ich bin ein ordentlicher Mensch.
Und die Gefahr ist nun immer wieder, dass man sagt: Ja, ich muss doch den Leuten nun ganz scharf sagen, dann gebe ich ihnen Ordnung mit und sage, das müsste er noch mehr leben. Und dann gebe ich ihnen noch schärfere Ordnung mit. Hat alles gar keinen Wert. Lebensordnungen helfen nicht sehr weit.

Christus als Mitte statt äußerer Frömmigkeit

Und ich habe immer ein bisschen Sorge, wenn Sie zu uns kommen oder wenn Sie hier dabei sind, dass Sie sagen: Aha, jetzt muss ich noch Bibel lesen, jetzt muss ich noch beten. Und Sie nehmen das einfach noch als einen Teil, der eben zu einem frommen Leben dazugehört. Das mache ich auch noch. Und in die Kirche gehe ich auch noch. Man kann das alles als Lebensstil machen. Aber so tragisch ist es: Man hat nur eine äußere Form gelebt, eine christliche Form.
Und viele Menschen leben nur in irgendwie geprägten christlichen Formen. Man kann in einem christlichen Haus aufwachsen, man kann in einem frommen Haus aufwachsen, man kann sogar einen frommen Lebensstil leben und trotzdem kein Christ sein. Man kann sogar ein liebenswürdiger Vater sein. Man kann sogar in der Bibel lesen und noch kein Christ sein.
Paulus setzte eine ganz andere Unterscheidung ein, und er hat eigentlich sehr wenig Wert darauf gelegt, die Leute das Christentum zu lehren. Und da müssen wir immer wieder aufpassen, dass wir das nicht tun. Es war immer wieder die Frage, wie wir das vermitteln können. Wie kann ich es Ihnen erklären? Ganz simpel: Sie müssen Jesus kennen. Und wenn Sie Jesus kennen, dann wissen Sie alles. Wenn Sie Jesus in Ihr Leben aufgenommen haben, ist Ihr Leben verändert und neu. Dann kommt aus dieser inneren Veränderung auch die äußere Veränderung Ihres Lebens.
Und wir sitzen immer falsch, wenn man sagt: Wie wird meine Ehe neu? Kannst du mir ein paar Tipps geben? Oder: Wie wird mein Berufsalltag neu? Wie wird mein Zusammenleben neu? Wie wird mein Wesen neu? Kannst du mir ein paar Tipps geben, wie kann ich mich verändern? Stattdessen sollten wir fragen: Wie kann ich Jesus Christus in meinem Leben erleben? Wie kann ich das entdecken? Denn er ist so wahnsinnig anders als ich.
Und das beschreibt Paulus mit dem großen Wunder der Auferstehung. Wenn der auferstandene Jesus in unser Leben tritt, mein Leben beherrscht und in mir wirkt, das ist doch toll!

Zeugnisse aus der Kirchengeschichte und die verborgene Kraft

Jetzt habe ich mir überlegt, wie ich Ihnen das heute Abend, wo Sie alle furchtbar müde sind von der Arbeit und so, einfach erzählen könnte. Da habe ich gedacht, man müsste Ihnen jetzt aus Jahrhunderten erzählen, in denen Christen gelebt haben.
Pfarr Eissler hat uns gestern ein paar Pfarrer hinuntergenommen, das ist eine ganz geheime Sache, in die Gruft der Stiftskirche. Die ist eigentlich nur für Leute aus dem Königshaus zugänglich. Wir haben dort einen seelsorgerlichen Auftrag gehabt und vor den Särgen des württembergischen Hauses gestanden. Das war der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Und wenn man da denkt, die Geschichte, und da steht da unten der Sarg der Magdalene Sibylle, der Mutter, in Israel hat man sie genannt, dann fragt man sich: Was war in der Zeit, in der der Herzog Eberhard Ludwig, dieser Lump, geherrscht hat, in der alten Schlosskirche? Was war da plötzlich da? Das Volk hat diese alte Magdalene Sibylle geehrt und geliebt. Und die hat dem Volk so viel gegeben durch ihren stillen Glaubenswandel. Was war da anders? Die hat den auferstandenen Jesus aufgenommen. Das war ihr Leben.
Überhaupt, wenn Sie sich mal fragen, was war denn durch die Reformation anders geworden? Damals in der Reformationszeit war Stuttgart so kirchlich, wie man es sich überhaupt nicht vorstellen kann. Ich glaube, auf zehn Bürger kam ein Priester oder so, wahnsinnig viele Kapellen und Kirchen und was alles es hier gab. Aber die Kraft des auferstandenen Jesus war nie da.
Und dann waren da schlichte Leute, die haben angefangen, mit Jesus zu leben, ganz konkret. Und haben auf einmal von der Kanzel das Evangelium gepredigt, und es ging dem Volk durchs Herz.
Zu mir sagen immer die Leute: Du bist gegen Methoden. Ich bin gar nicht gegen Methoden, bloß ich kann Christus nicht durch Methoden zwingen. Gar nicht die Frage der Methoden, sondern es ist die Frage, wie das Wunder geschieht, dass Menschen Jesus Christus in ihr Leben aufnehmen. Das kann man nicht lernen, das kann man nicht mit dem Kopf machen, das kann man auch nicht durch Studieren oder durch Schulungen, das kann man nicht mal auf einem Seminar lernen, sondern das ist ein Schritt.

Das Geheimnis des Glaubens und die Mitte der Gemeinde

Jetzt schauen Sie sich noch das Neue Testament an: Wie waren die Menschen, die plötzlich mit Jesus gingen und Jesus aufnahmen? In der Apostelgeschichte wird von einer Frau erzählt, die in Philippi in Europa eine Boutique hatte, Lydia. Der Herr tat ihr das Herz auf, sodass sie achtgab auf das, was geredet wurde.
Und jetzt bitte ich Sie: Es geht gar nicht um Formen oder um Stiefeln. Ich möchte Christus, dass er in mir wohnt. Das Geheimnis, dass ich Christus gehöre, dass er mein Leben reinigt, dass er mir vergibt – dieses Wunder, um das geht es im Glauben.
Und man muss immer wieder sehen, wie Paulus die Gemeinde an diesen Ursprung erinnert, nämlich gerade da, wo sie sagten: Aber man muss doch auch neue Ordnungen und Gesetze machen, man hat viel zu viele Gesetze. Da muss man sich noch einmal daran erinnern, dass die Urchristengemeinde überhaupt keine Gesetze hatte, nur die grenzenlose Freiheit. Aber Jesus hatte sie geliebt, und das war die Autorität, der sie hier unterworfen waren. Und wo das in der Mitte steht, brauchen wir keine Gesetze. Da geht es uns um diese Mitte, und da werden wir das leben.
Jetzt könnte ich Ihnen erzählen von all den Menschen, etwa von Eva von Thiele-Winkler, die als Mädchen mit dreizehn Jahren plötzlich anfing zu sagen: Ich möchte durch Jesus dienen. Dann stellte sie ihr Mädchenleben zur Verfügung und war schon in jungen Jahren ein solches Werkzeug Jesu, dass sie Liebe und Güte weitergegeben hat.

Die tägliche Rückkehr zu Christus

Und sehen Sie, am Abend dieses Tages: Ich habe vorhin beim Einleiten nach dem Lied ein Wort gesagt. Wie viel haben wir heute in unserer eigenen Initiative gemacht, und wir sind gescheitert. Und wir haben gemerkt, das ist alles manchmal so seelisch, man hängt so durch, und dann spürt man, dass aus uns gar keine Aktivität mehr ausgeht.
Deshalb sind Sie heute Abend hergekommen, um wieder zu hören: Nur wenn wir Christus aufnehmen, wenn Christus uns beherrscht, wenn Jesus Christus mein Herr ist und mich erfüllt, kann in meinem Leben etwas Neues geschehen. Und das kann eine Gemeinde nie oft genug hören, weil man immer wieder an diesen Punkt zurückkehren muss.
Es gibt ja manche Leute, die meinen, das sei bloß für die Anfänger, und dann kämen nachher noch die hohen Weihen. Das ist Quatsch. Ich kann immer nur bis zu meiner Sterbestunde an diesen Punkt zurückkehren und sagen: Herr Jesus, nimmst du mich jetzt wieder an? Darf ich wiederkommen mit der alten Schuld?
„Dass ich schwach bin, wirst du wissen, dass er stark ist, weiß auch ich.“ Oder, wie Sie es sagen wollen: Ich bin schwach, doch du bist stark. Sie kommen immer wieder an diesen Punkt und sagen: Herr, am Abend dieses Tages lege ich alles wieder vor dir hin.
Also ergänzt das genau, was wir letztes Mal gehört haben: die Frage der Ordnungen der Gemeinde, der Befehle und der Satzungen und was da alles so war. Das darfst du nicht anrühren, das musst du tun. Aber jetzt sagt Paulus: Wisst ihr eigentlich, was das bedeutet, wenn ihr mit Jesus geht? Ihr seid mit Christus gestorben. Jetzt hat das alte Leben, das, was ihr da noch mit eurem alten Persönlichkeitsrest, mit eurem Leben habt, gar keine Bedeutung mehr. Denn mit Christus ist alles neu geworden.
Das alte Leben: Ihr habt praktisch eure Todesstunde schon vorweggenommen, ihr habt das Alte einmal weggelegt. Und auch das wird noch ein paar Jahre gehen, dann wird der Herr mich sowieso aus dieser Leibeshütte holen. Ich darf jetzt das neue Leben ergreifen. Und einer, der Christ wird, ist einer, der jetzt Christus Raum gibt, ein Jesusleben führt und will, dass Jesus, der Auferstandene, herrscht.
Und die totale Veränderung eines Lebens, die Jesus möglich macht, ist nicht so, dass das Alte immer ausgelöscht ist. Sondern wir wissen ja, wie das bei uns immer wieder ein Kummer ist, was wir spüren: Ich habe doch noch die alte Art an mir, das alte Wesen. Aber ich will umso fester den auferstandenen Jesus ergreifen, möchte mit ihm leben. Und er sagt: Ich gehe mit dir.

Das verborgene Leben und die Hoffnung auf Offenbarung

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Ihr seid nun mit Christus auferstanden.
Ich weiß nicht, ob Sie mit Christus auferstanden sind, ob der auferstandene Jesus in Ihrem Leben Herr ist. Wenn das so ist, dürfen Sie sagen: Dann lasse ich das Alte jetzt los, und ich beginne von heute an dieses neue Leben. Und das kann man jetzt tun und sagen: Das möchte ich heute tun, mit Christus auferstehen.
Bei Paulus selbst ist das so geschehen, in einer seelsorgerlichen Aussprache mit Ananias in Damaskus: Lieber Bruder Saul, Gott sendet mich, jetzt darf der Neu leben. Er hat sich zur Gemeinde in Damaskus getan, und die Gemeinde hatte Angst vor ihm. Aber das neue Leben hat niemand mehr aus ihm ausrotten können.
Und das ist so ein Schatz. Und verstehen Sie: Es ist so tragisch, wenn die Kirchen alles andere wichtig machen, weil sie diese Mitte nicht mehr predigen. Diese Mitte muss gepredigt werden. Und das ist so tröstlich, und das geht mit uns.
Paulus kann ja auch sagen: der Geist Gottes. Das ist übrigens gar kein Unterschied, wenn Sie irgendeinen treffen, der zwischen Jesus und seinem Geist unterscheidet in dieser Weise, ob sie sagen, Jesus ist bei mir oder der Geist Gottes vertritt mich. Da ist doch kein Unterschied. Der Eine ist der lebendige Herr. Und er geht mit uns und macht uns im Glauben gewiss. Und das ist für meine Krankheiten und für meine Anfechtungen wichtig, dass er für mich spricht, und er vertritt mich beim Vater, und er vertritt mich mit Seufzen und was auch alles.
Und da liegt meine Heilsgewissheit begründet: dass der Herr mich nicht aus seiner Hand loslässt, dass ich ihm gehöre und dass seine Kraft unendlich ist. Darum war es oft gar nicht wichtig, was wir an Gaben und an Möglichkeiten mitbringen. Ich darf so viel wirken, selbst wenn einer im Körper schon geschwächt ist oder wenn er alt ist oder so etwas. Es macht gar nichts aus. Der auferstandene Jesus kann so viel wirken durch schwache Menschen. Er kann sie befähigen. Er hat oft unabhängig von der Bildung gewirkt.
Ich bin zu Füßen von Bauernbrüdern gesessen, die mir das Wort ausgelegt haben, besser als Theologieprofessuren. Ist doch klar: Das macht der auferstandene Jesus. Und da dürfen Sie wissen: Jetzt bin ich nur gespannt, was er mit mir macht. Wo braucht er mich? Er gibt ihnen seine Liebe ins Herz, er will sie drängen. Und jetzt lassen Sie doch diese Kraft des auferstandenen Jesus wirken.
Jesus hat den Tod zurückgedrängt und bezwungen am Ostermorgen, aber er hat auch ungeheure Kraft. Das meint ja Jesus, dass jetzt Lebensströme ausgehen. Wer an mich glaubt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Von ihrem Leben gehen große Wirkungen aus, wo Sie sich Jesus verschreiben.
Freuen Sie sich heute Abend daran, wenn Sie müde sind, zu sagen: Ich möchte mich nur wieder in die Arme Jesu werfen.

Die Ausrichtung des Herzens und die Unsichtbarkeit des Wirkens

Nun trachtet nach dem, was droben ist. Trachten, das ist ja sonst eigentlich: Wir trachten nach Ehre, wir trachten nach Geld, wir trachten nach irdischen Dingen, wir trachten nach Anerkennung. Sie kennen das Wort, es ist ein bisschen ein altes Wort, aber wir wissen doch, was gemeint ist.
Trachtet nicht nach Irdischem, sondern lasst euer ganzes Bemühen darauf gerichtet sein, dass Jesus in eurem Leben Herr ist. Es fängt ja schon am Morgen des Tages an, ob wir Zeit haben, uns ganz zu konzentrieren. Dieser Tag soll ihm gehören. Dass wir darum kämpfen und ringen, ihn einzulassen und zu leben. Trachtet nicht nach dem, was auf Erden ist, trachtet nach dem, was droben ist, trachtet nach Jesus, dem Auferstandenen. Sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, nach der Kraft Jesu.
Und wenn ihr das sucht, dann bekommt ihr Hunger. Mir geht es oft so, dass man tagsüber irgendwo erst merkt, wenn man so auf den Felgen daherkommt, wenn man sagt: Heute ist wieder irgendwo etwas kaputt, und man hat keine Spannkraft mehr oder so. Ich habe mich wieder hineinziehen lassen in diese irdischen Dinge, und da ist unsere Kraft sehr bedrängt, begrenzt. Und da brauchen wir wieder den Zuspruch, die Ermutigung. Und die unter uns, die in schwere Anfechtungen gestellt sind, die spüren es noch viel, viel mehr als wir vielleicht, wenn wir gesund sind, nur im Gedränge der Arbeit, dass wir wirklich wieder unsere Gedanken dorthin richten, auf Jesus zu blicken.
Und wenn ihr Krankenbesuche macht, helft dem Kranken, dass er nach dem trachtet, was droben ist. Es ist ja leider sehr, sehr selten, auch bei gläubigen Leuten, dass man mit ihnen darüber reden kann und sagen kann, was jetzt wichtig ist. Oft sorgen sie sich nur um ihren Körper. Und da sind wir alle oft so den Heiden ähnlich. Gott hat es nicht als letztes Ziel, unseren irdischen Leib, der zerfällt, zu reparieren, sondern hat mit uns vor, dass er uns zur Herrlichkeit führt.
Und da müssen wir aufpassen, dass wir nicht an den irdischen Dingen hängenbleiben wie seinerzeit die Frau des Lot, die immer bloß zurückblickt auf das, was hinten vergeht. Trachtet nach der himmlischen Zielrichtung, dass wir fröhlich unsere Straße ziehen, die zu der Heimat führt.

Das verborgene Wirken Gottes in Geschichte und Gegenwart

Jetzt kommt aber noch ein wichtiger Punkt: Wenn wir sagen, wir wollen mit dem auferstandenen Jesus leben, dann müssen wir daran denken, dass das, was Jesus heute in dieser Welt tut, leider nicht messbar ist. Man kann es nicht sehen.
Es gibt törichte Leute, und davon gibt es viele, die sagen: Wo ist denn Jesu Reich in diesen Tagen? Wo ist er denn? Man sieht ja nichts. Und vielleicht gibt es auch ein paar törichte Leute, die zu uns in die Gemeinde kommen und sagen: Bei euch ist ja gar nichts los. Aber du hast recht, du hast recht: nicht viel Gewaltiges, nicht viel Edles. Denn das, was Jesus tut, sieht man nicht.
Sie haben ja auch eine Scheu, darüber zu reden. Und sie wollen mit ihrem Leben auch nicht prahlen und sagen: Guck mal, wie es bei mir aussieht. Sie sagen eher: Bei mir geschieht ja viel zu wenig im Vergleich zu dem, was ich sollte. Es ist so, dass das neue Leben, das Jesus wirkt, verborgen ist.
Jetzt gehen wir wieder zurück zur Urchristengemeinde. Hat man eigentlich sehen können, zu Lebzeiten von Paulus, was Jesus durch diese Missionsarbeit gewirkt hat? Bestimmt nicht. Da waren die Streitereien in den Gemeinden, es waren kleine Scharen, und die Welt hat doch gar keine Notiz davon genommen, als Paulus mit dem Schiff nach Europa hinüberfuhr. Das war ja ein weltgeschichtlicher Moment, doch viel größer als alles, was Kaiser Augustus getan hat. Und da hat doch kein Mensch damals in Troas das überhaupt zur Kenntnis genommen. Das, was Jesus tut, ist völlig verborgen.
Ich möchte Sie herzlich bitten: Tun Sie nicht dieses blöde Rechnen der Welt mit. Sagen Sie nicht: Aha, da sieht man etwas, und das sind Tausende, und das sind Zehntausende. Das wird alles im Lauf der Geschichte verwehen. Die Sachen Gottes waren selten die Sachen der großen Zahlen, sondern immer das Verborgene, das Stille, das Geringe, das sanfte, stille Sausen, so wie Gott es dem Elija klargemacht hat.
Elija hat auch gehofft: Auf dem Karmel gibt es jetzt einen großen Durchbruch. Wenn wir da oben das Wunder erleben, hat es überhaupt keinen Durchbruch gegeben, bei der Gottlosigkeit wie immer. Und Gott hat ihm offenbart: Ich bin im sanften, stillen Sausen.
Und das ist etwas Wunderbares. Sie werden einmal in der Ewigkeit die Augen aufreißen und sagen: Was, aus meinem Leben hat es so eine Segensspur gegeben? Da, wo sie sich gar nichts darauf einbilden, kann Gott wirken. Und da waren vielleicht ganz kleine Dinge: Patenkinder oder so haben bei einer Nachbarin etwas gesagt. Das Wort fiel auf guten Boden, weil der Herr segnet. Es ist ja immer eine Wirkungsweise des Herrn.

Die kommende Offenbarung und der Umgang mit den alten Bindungen

Ich halte das für töricht, wenn wir anfangen zu rechnen und zu zählen und zu sagen: Das ist groß, und das ist wichtig, und das ist eine neue Bewegung. In der jüngsten württembergischen Kirchengeschichte ist es so, dass unsere Freunde in der Synode Ihnen sagen: Es ist ganz merkwürdig. In der Zeit, als damals vor 25 Jahren eine ganz schwierige Epoche war, in der die gläubige Gemeinde durch jede Zeitung geschmiert wurde, war es rückblickend die größte Segenszeit. Das meiste ist geschehen, wenn man am meisten gebetet hat, wenn man entmachtet war.
Und selbst in Zeiten, in denen sie in der Synode die Mehrheit hatten, haben sie im Nachhinein gesagt: Eigentlich haben wir überhaupt nichts erreicht. Weil Gott ganz anders wirkt. Das ist komisch. Ich bin doch nicht dagegen. Von mir aus würde ich alles tun, damit man noch mehr Mehrheiten hat. Aber es hat gar keinen Sinn. Die geistlichen Dinge laufen oft umgedreht. Das, was Jesus tut, und das Leben mit Christus ist verborgen.
Wenn Sie meinen, Sie könnten es an sich messen, täuschen Sie sich. Auch da werden Sie ganz närrisch nur messen können und sagen: Na ja, ich sehe doch schon Fortschritte bei mir. Ich hoffe, dass Ihr Herz täglich beschwert ist und sagt: Ich lebe so wenig von der neuen Herrschaft Jesu. Und das ist echt. Man will noch viel, viel mehr ihm dienen. Aber ich darf Ihnen einfach zusprechen: Das Leben mit Christus ist verborgen in Gott, und es wird erst offenbar werden an jenem Tag in der Ewigkeit.
Manchmal können wir rückblickend auf die vergangenen Jahrhunderte noch etwas sagen: Das war ja enorm, was aus der Missionsbewegung herausging. Das ist der Grund, warum ich gerne zurückblicke in die alte Zeit, wenn man sagt: Das gibt es doch gar nicht. Wenn ich da in Madagaskar stehe und sehe, wo diese neunzehn Frauen an dem Felsen standen, und oben am Seil hat man die Aufgänge über dem Abgrund, und hat gerufen: Wollt Christus absagen?, dann kam das Nein. Zack, und man hat sie in die Tiefe plumpsen lassen.
Da war eine Frau dabei. Da hat die Königin gesagt, die da eine Hasserin Christi war, hat gesagt: Die möchte ich retten. Und die muss alle neunzehn unten sehen, wie sie unten auf dem Boden klatschen, damit die Nein sagt. Die Frau sagte: Ihr könnt mich nicht von Jesus losreißen. Und sie ist auch noch runtergefallen. Und wenn man da sieht, was da aufging aus diesem Samen, die haben alle nichts gesehen. Es waren Afrikaner, die Madagassen. Und so kann man es überall erzählen.
Diese Jungen am Hof des ugandischen Königs, in der ersten Generation der Mission, die ganz aus dem Heidentum kamen und damals dem König verweigerten, dass sie für homosexuelle Praktiken mitmachen wollen, die jungen Burschen machen nicht mehr mit. Das hatten sie bisher getan. Als sie Jesus kennengelernt hatten, sagten sie: Nein. Sie sind alle im Feuer gestorben. Und was aus diesem Zeugnis in dem ganzen Land gewirkt wurde, haben sie nie gesehen, weil es immer verborgen ist. Wir sehen ein Stückchen davon.
Darum ist es für uns eine Ermutigung. Aber Sie müssen immer sehen, dass Sie das wirkliche Wirken Jesu gar nicht sehen können, sondern Sie gehen im Glauben voraus und werfen den Samen aus und lassen das Wachsen Gott machen und die Ernte. Deshalb ist es nur so schön, wenn man treu bleibt und einfach sagt: Lasst dieses Verborgensein!

Die neue Schöpfung und die Kraft des Auferstandenen

Jetzt haben wir eine ganze Reihe gehört. Darf ich es noch einmal ordnen? Wir wollen Jesus Christus aufnehmen, den Auferstandenen, in unser Leben. Wir wollen dann die Spur mit ihm gehen und uns auch nicht irre machen lassen, dass man das nicht sehen kann.
Der Aufblick ist so wichtig, dort, wo Christus ist. Und dann braucht es auch einen Rückblick: Nicht mehr das alte Ansehen soll gelten. Ich darf vorwärts marschieren. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit. Da werden wir staunen, was er getan hat. Von uns bleibt gar nichts mehr übrig, aber was er durch unser Leben wirkt, das ist wunderschön.
Jetzt kommt noch eine Aufforderung: Was wollt ihr denn noch mit den alten, er nennt es Glieder, das sind noch Teile unseres Körpers, was wollt ihr denn noch mit diesen Dingen? Können wir das mal ein bisschen ordnen?
Er nennt zuerst die sexuellen Dinge, die geschlechtlichen Dinge: Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Werte. Das ist eine ganz erschütternde Sache. Euer Glaubensleben wird dadurch belastet.
Jetzt können wir all die verschiedenen Bereiche nehmen. Es sind also geschlechtliche Dinge, dann sind es Habsuchtsachen des Besitzes, dann sind es Temperamentsdinge, und dann sind es Zungendinge. Vier Gruppen hat er. Und es ist ganz egal, wo bei ihm die Schwächen liegen, irgendwo liegt es bei uns allen drin. Aber das lähmt unseren Glauben.
Der Glaube wird nicht gelähmt durch Verstandesprobleme, das bildet man sich nur ein: Ich bin so klug, und deshalb kann ich nicht glauben. Das habe ich auch schon gedacht, ich sei viel zu klug für den lebendigen Gott. Wir sind alle gar nicht so klug. Aber das sind nicht Kopfprobleme, sondern es sind immer Lebensprobleme, immer, immer.

Konkrete Gefahren und die Notwendigkeit klarer Entscheidungen

Auch wenn Sie mit Leuten zu tun haben, mit denen Sie reden, sind Sie doch barmherzig. Jetzt können Sie Torheit machen, nächtelang über irgendwelche Probleme reden, ob die Bibel Widersprüche hat und so. Das kann man mal tun, wenn man Spaß daran hat. Aber die wirklichen Probleme liegen in den anderen Dingen, darin nämlich, dass ich nicht glauben kann, weil mir diese Dinge wichtiger sind.
In einer Zeit heute, in der auch etwa Persönlichkeitsentfaltung oder Lustempfindung das höchste Lebensziel ist, was töricht ist, wie kann man so etwas als Lebensziel setzen? Selbstverwirklichung: Am Ende bleibt man isoliert. Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Wenn er sich selbst bloß macht, verliert er alle Freunde usw. So zerfallen ja heute viele Ehen usw. Aber so kann ich jeden Punkt nehmen, wenn einer nur seine geschlechtliche Erfüllung sucht. Das kann doch gar nicht sein. Das vergeht am allerschnellsten. Es kann doch kein Gefühl sein, das dich trägt, oder wie? So töricht sind wir.
Und nun zeigt es der Paulus für die Glaubenden: Wenn ihr mit Jesus leben wollt, müsst ihr an diesen Stellen klare Sachen machen. Verstehen Sie, wie er es tut. Er sagt den Leuten nicht: Also bitte, seid mal anständig. Ich habe vorhin gesagt, dass man die Ordnungen predigt. Er sagt es nur für glaubende Leute, denn die können es verstehen. Das ist ja oft so ein Problem, wenn wir uns heute zu Fragen äußern, wie zur Abtreibung oder so etwas. Die Menschen können uns ja gar nicht verstehen, weil sie unsere Glaubensgrundlage nicht kennen und weil sie Jesus Christus nicht kennen. Und deshalb meine ich: Wir müssen zuerst evangelisieren, um ihnen sagen zu können, wie man lebt.
Sicher, es gibt auch eine Verantwortung für unser Volk. Und wenn sich alles nun im Volk ereifert, weil eine Mutter ihr Kind mit einem Fußtritt tötet in Bamberg, was ist eigentlich so viel Unterschied zwischen einem anderthalbjährigen Kind und einem Kind, das nur im Mutterleib ist? Aber auch hier: Man kann sich mit Ungläubigen nicht verständlich machen. Ich möchte immer aufpassen, dass ich mich nicht an diesen Fragen mit den Ungläubigen zerstreite, auch bei Besuchen oder was. Ich möchte den Menschen Jesus Christus predigen.
Und ich möchte Sie auch bei Ihren Kollegen bitten, dass Sie sagen: Ich wünschte mir, du würdest einmal entdecken, was mein Leben reich macht. Und Sie machen den anderen, wie sagt man in der Schweiz, lustig, dass sie sagen: Ich habe etwas erlebt, das ist für mich so groß, und das trägt mich, das trägt mich auch durch den Todessinn hindurch, die Freude des Christen, weil ich Jesus gefunden habe. Das ist so super, ich bin beschenkt, ich muss gar nichts machen. Die anderen stellen sich immer vor, ein Christ sei so ganz eng, der müsse immer gucken, von Gesetzen. Eigentlich sind wir ja gar nicht so.

Die letzte Ermahnung und die Freiheit in Christus

Aber wir wollen den kostbaren Schatz unseres Glaubens bewahren, und darum sind wir rigoros konsequent. Jesus hat einmal davon gesprochen, dass wir lieber unsere Augen ausreißen sollten, als dass wir mit unserem Glauben zu Fall kommen. Genau so ist es jetzt: Bitte pass auf, das sind Minenfelder. Das kann auch im Alter mit achtzig noch passieren, die Torheit der Sünde.
Bitte pass doch auf, und jetzt nicht mehr entlang der Unzucht. Was heißt denn das? Gott hat uns die Gabe der Geschlechtlichkeit gegeben, und die kann nur in der Ordnung gebraucht werden, wo sie Segen stiftet, in den Ordnungen, in der Ehe. Ein außereheliches Verhältnis kann niemals von Gott gesegnet sein und kann ihnen auch niemals Freude und Erfüllung bringen. Sondern da sitzt es wie ein Fluch, der im Gebälk drin sitzt. Es zerreißt ihr Leben, und sie werden zum Schluss in ihrem Gewissen krank.
Und Sie wissen, wie das Ihnen ist, wenn Sie irgendwo einmal eine Lektüre gehabt haben. Das belastet Sie mehr, als es Ihnen je bringen kann, und Sie können es nur unter dem Kreuz Jesu und durch die Vergebung wieder loswerden.
Unzucht ist so klar, was sie meint: Unreinheit. Auch hier, wo die Liebe nicht wirklich die reine Liebe ist, sondern nur in der Selbstsucht mündet. Und das liegt ja bei der geschlechtlichen Liebe manchmal so ganz nah beieinander, dass es gar keine dienende Liebe ist, sondern nur die, wo man sich selber sucht. Und da gibt es unheimlich viel Ehe. Oder auch sonst Liebende, die völlig allein bleiben, weil sie nur sich selber suchen und gar nie den anderen finden.
Unreinheit, schändliche Leidenschaft, das sind alle perversen Dinge, böse Begierde. Und jetzt kommen böse Begierde und Habsucht, das sind die Besitzdinge. Für uns heute in der Wohlstandszeit ganz besonders. Eigentlich muss man ja lachen, wie die Diskussionen geführt werden, wo man sagt: Jetzt bei der Wiedervereinigung, die sich ja keiner hätte vorstellen können, müssen wir ein bisschen die Gürtel enger schnallen. Aber doch nicht bei uns, oder eine Stunde mehr arbeiten, und was, dass da irgendwo gekürzt werden muss.
Wir sind ja alle auch so drin irgendwo in der Habsucht. Und wie das uns packt! Jesus sprach davon, dass der Betrug des Reichtums das Wort Gottes erstickt. Und durch diese Habsucht können wir heute oft nicht mehr im Glauben leben. Und Sie wissen es, wie es bei vielen Menschen ging: Keiner Erbe sei, Geld hing uns seitdem aus, sind die geistlichen Dinge verschüttet.
Ich habe Ihnen ja mal erzählt, dass meine Großmutter so als Gebetsanliegen gehabt hat, dass ihre Töchter, sie hatte wieviel sechs, nie den reichen Mann kriegen. Wenn man das weiß, so steht es im Neuen Testament drin, es ist der Originalton von Jesus. Es ist ganz arg schwierig, wenn jemand von Ihnen mit Geld umgehen muss. Sie wissen gar nicht, was in Ihrem Leben ein Fallstrick ist. Und ich will es auch noch einmal sagen: Das sind Minenfelder, so wie die geschlechtlichen Dinge.
Da kommen Sie nämlich plötzlich in Sachen rein, dass Sie dann plötzlich unwahre Steuererklärungen abgeben. Was weiß ich warum, es haben wir ein paar Pfennig, die Sie da irgendwo sparen wollten, und Sie sind plötzlich zum Lügner geworden und wollten doch gar nichts. Aber es könnte dem Staat nicht alles geben, bloß weil Sie zu viele haben. Ich bin ja auch nicht dafür, dass man dem alles gibt, aber es ist eben mal so, wenn sie wahr sein wollen.
Und es sind tausend Dinge, und das macht die Habsucht. Da wird sie plötzlich ganz komisch, wenn sie sich mal prüfen, wie es im Lichte Gottes sieht. Und wenn man am jüngsten Tag da steht und sagt: Herr, ich schäme mich. Aber warum machen wir es denn, als ob es uns das Glück bringen könnte.

Die Sünden des Zorns und die Macht des neuen Lebens

Dritter Teil sind die Temperamentssünden. Aber da kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams, auch über die Habsucht.
Auch hier ist es so, wie Jesus sagt, dass die Motten und der Rost hineinkommen, dass die Diebe stehlen. Es gibt gar keine Sicherung. Das redet man sich immer ein. Es ist eine sehr große Sache, dass man neue Systeme entwickelt, damit die Autos nicht mehr gestohlen werden. Unser Verkehrsminister hat ganz tolle Ideen, dass er künftig mit den Satelliten um den Mars herum die gestohlenen Autos jagt. Haben Sie auch schon Gläser mit einer riesig teuren Anlage? Da gibt es natürlich Arbeitsplätze, aber es wird dann bloß gehen wie in Amerika: Die Mafia nimmt halt einen Kult, und dann sagt sie: Ich schieße los, und da gibt es schon den Autoschlüssel.
Gestohlen wird immer. Wer meint, er könne Diebstähle mit Satelliten verhindern, der ist ein Narr. In der Welt wird gestohlen. Ich würde meinen, man könne es ein bisschen einfacher machen, und er würde sich gar nicht mehr so anstrengen, aber er würde niemanden abhalten. Und wenn es noch so die beste Alarmanlage hat, die sind ihnen irgendwann einen Schritt voraus.
Aber ich will über Politik jetzt nicht reden, sondern ich will nur sagen, wie töricht es ist, mit dem, was wir tun, jetzt lebt doch nimmer daran. Und jetzt kommen die Temperamentssünden: Zorn. Sie meinen, der berechtigte Zorn sei erlaubt. Der Zorn tut nicht rechte Dinge, und er redet auch nicht rechte Dinge. Und Grimm macht übrigens seinen Magen noch kaputt, zu allem hin. Bosheit, Lästerung, das heißt, dass man dann so es ist vom Leibe redet, furchtbar erleichternd, aber es ist nicht gut. Die Lästerung, schandbare Worte aus ihrem Munde.
Als Studenten hat man gesagt, man muss einmal ganz stinkend in den Keller gehen und ein paar wüste Worte rausrufen. Keine Therapie macht uns kaputt. Belügt einander nicht, jetzt kommt noch die Zungensünde, die Lüge. Denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken. Da wohnt Jesus nicht bei uns. Ich kann es aber nur so herum sagen: Jesus aufnehmen und hier, und ich denke, heute Abend haben wir alle etwas, wo wir wieder anfangen und ganz neu Jesus zu weihen und seinem Dienst zu stehen und sagen: Dann ist gar nicht mehr wichtig, woher wir kommen.

Christus als neue Ordnung für alle Lebensbereiche

Und da hat der Paulus ja die große Kluft überwunden zwischen Grundbesitzer und Leibeigenem, Sklave. Das nehmen ihm ja viele Sozialisten übel, dass Paulus nicht mehr zur Sklavenfrage gemacht hat und nicht zur Revolution ausgerufen hat.
Denn die Revolution hat, wie wir langsam sehen, ja nicht einmal in Kuba den Menschen geholfen, und auch nicht in Russland. Vielleicht wird die Geschichte uns noch einmal anlügen und sagen, es sei nur der westliche Einfluss gewesen. Der war für die Länder bestimmt auch nicht gut. Aber die Unfreiheit der Menschen wurde nie durch eine Revolution beseitigt. Sondern die Unfreiheit ist nur beseitigt, wo ich in Jesus merke: Die äußeren Stände sind gar nicht schlimm. Egal, wie ich bin, ob ich abhängig bin oder unabhängig, ob ich frei bin, ob ich den Mann habe oder einen anderen oder wie und wo ich lebe, es ist gar nicht wichtig.
Wenn ich in Jesus drin bin, dann kann ich in seiner großen Macht an meinem Platz wunderbar wirken, wenn ich das Alte ablege und ihm Raum gebe. Dann ist alles und in allen Christus.
Und es wäre schön, wenn bei uns wieder so etwas da wäre, wenn sich dieses neue Leben entfalten könnte. Ich freue mich, dass Sie heute Abend gekommen sind. Ich hoffe nur, dass Sie etwas Praktisches mitgenommen haben.
Ist irgendeine Frage geblieben oder ein Missverständnis, dann dürfen Sie es auch gern sagen. Sonst singen wir noch: Du hast noch ein Lied.