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Die Bergpredigt - Sanftmut

Matthäus 5,1-10
SerieTeil 2 / 5Die Bergpredigt
Wahres Glück hängt nicht von Erfolg oder Besitz ab, sondern von innen: arm vor Gott, ehrlich über Schuld, sanft und hungrig nach Gerechtigkeit. Genau dort beginnt ein neues Leben.

Einleitung und Lesung des Bibeltextes

Wir wollen heute Abend Matthäus 5,1-10 lesen.
Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg. Und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. Er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land ererben.
Glückselig die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren.
Glückselig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Glückselig die Friedenstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.

Das erste Wort des Königs und die Frage nach wahrem Glück

Das erste Wort, das vom Mund des großen Königs fällt, wenn er sein Regierungsprogramm verkündet, ist erwartungsgemäß: glückselig.
„Glückselig, selig, glücklich“ – das ist das erste Wort seines Manifests. Viele Christen, und auch viele Menschen überhaupt, sehen in ihrem Gott einen himmlischen Stabwachmeister. Etwa wie einen großen Polizisten da oben im Himmel, der nur darauf wartet, jemanden dabei zu ertappen, wie er ein bisschen Spaß hat. Dann sagt er: Hör auf, das ist eben nicht erlaubt. Alles muss sehr fromm, sehr nüchtern und ordnungsgemäß ablaufen. Ein himmlischer Stabwachmeister.
Aber so ist unser Gott nicht. Paulus beschreibt ihn in 1. Timotheus 1,10. Er redet von dem Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes. Des seligen Gottes. Hast du je über diesen Vers nachgedacht? Paulus beschreibt den heilenden Gott, der will, dass alle Menschen gerettet werden. Den glückseligen Heilandgott, vor dem es unaussprechliche Freude gibt bei der Bekehrung eines jeden Sünders. Er beschreibt den seligen Gott, dessen Seligkeit, dessen Glück darin besteht, Menschen zu retten. Der Menschen verlockt, wenn sie das wirkliche Leben ergreifen.
Wenn der König dieses Gottes sein Regierungsprogramm vorstellt, dann ist das erste Wort: glückselig, selig, glücklich. Beachte hier, dass es sich um das Urteil des Königs handelt. Er verkündigt Menschen Seligkeit nicht wegen dem, was sie tun oder leisten, nicht wegen dem, was sie haben, sondern wegen dem, was sie charakterlich sind: glückselig die Armen im Geist, glückselig die Trauernden, glückselig die Sanftmütigen.
Das wahre Glück im Leben betrifft meinen Charakter. Laut dem König hängt echtes Glück nicht von Leistung ab, auch nicht von Besitz, nicht von christlicher Leistung und nicht von äußeren Umständen. Selbst der Verfolgte, der nicht weiß, wo er heute Abend übernachtet, der auf der Flucht ist und friert, selbst er ist in den widrigsten Umständen glückselig in Christi Augen. Denn Glückseligkeit hängt vom Charakter des Menschen ab. Wahre Seligkeit beginnt immer von innen und nie von außen.
Was sind die Zutaten des wahren Glücks? Das ist unser Thema heute Abend. Was sind die Zutaten des wahren Glücks, beziehungsweise was sind die Wesensmerkmale eines idealen Jüngers im Königreich?

Die innere Ordnung der Seligpreisungen und ihr Bezug zur Buße

Gestern Abend haben wir ganz kurz von der rhetorischen Struktur der Seligpreisungen geredet: neun Seligpreisungen, wobei wir eine wegrechnen. Jesus redet hier direkt zu seinen Jüngern und sagt in der zweiten Person: „Glückselig seid ihr!“
Er macht aber acht allgemeine Bemerkungen über die Glückseligkeit eines Menschen, der christusähnlichen Charakter besitzt. Acht allgemeine Bemerkungen in zwei Quartetten, haben wir gesagt, also in zwei Vierergruppen.
Das erste Quartett umfasst die Armen im Geist, die Trauernden, die Sanftmütigen und die, die nach Gerechtigkeit hungern. Diese Eigenschaften sind passiv. Im Vordergrund steht ja die Gerechtigkeit. In erster Linie betreffen diese Haltungen, diese Eigenschaften, mein Leben vor Gott.
Die zweite Vierergruppe ist aktiv: Barmherzigkeit übende, Friedenstifter, um der Gerechtigkeit willen Verfolgte. Das betrifft mein Leben in dieser Welt.
Die erste Gruppe beschreibt die bußfertige Haltung eines Gotteskindes, eigentlich beschreibt sie Buße. Die zweite Gruppe beschreibt bußwürdige Früchte in unserem Leben.
Ich möchte das wirklich betonen: Jesus redet hier zu Jüngern, in erster Linie nicht zu Ungläubigen, obwohl man die Bergpredigt sehr wohl auch Ungläubigen präsentieren kann.

Der König zeigt sich in seiner Lehre und im Licht seines Handelns

Wenn man sich heute Abend einen kleinen Abstecher erlauben darf: In dem großen Abschnitt des Johannes-Evangeliums, in dem Jesus sich der Welt präsentiert, in dem er hinaufgeht und sich auf dem Fest zeigt, gibt es eine Reihe von Schritten, die er mit den Menschen geht, mit seinen Zuhörern, mit seinen Beobachtern in Jerusalem, wo er sich als Messias präsentiert.
Wie wird er sich der Welt zeigen? Das ist die Frage zu Beginn von Kapitel sieben. Er wird nicht hinaufgehen zum Fest wie seine Brüder. Sie können jederzeit hinaufgehen, aber die Welt oder die religiösen Führer trachten nach seinem Leben. Wie wird er hinaufgehen? Er wird im Verborgenen hinaufgehen, auf dem sicheren Weg. Und auf dem Höhepunkt des Festes wird er sich präsentieren, wird er sich den Volksmengen zeigen. Und wie wird er sich zeigen?
Er sagt: Leute, ihr seid nicht sicher, ihr seid nicht überzeugt, ob ich der Messias bin. Aber ich bitte euch, meine Lehre zu beurteilen. Suche ich meine Ehre, oder kommt meine Lehre von Gott? Wenn jemand seinen Willen tun will, wird er die Lehre erkennen.
In Kapitel sieben stellt er seine Lehre dar und fordert seine Zuhörer auf, aufgrund seiner Lehre zu beurteilen, ob er der Messias ist oder nicht. In Kapitel acht fordert er die Menschen auf, sich selbst zu beurteilen.
In Johannes Kapitel 8 sagt er: „Ich bin das Licht der Welt.“ Ja, das sagt er auch in Kapitel 9. Warum hat er das zweimal gesagt, dass er das Licht der Welt sei? Wollte er das einfach wiederholen, damit die Leute es kapieren, dass er das Licht der Welt ist? Nein.
In Kapitel 8 ist er das bloßstellende Licht. Menschen kommen zu ihm und zitieren das Gesetz, und sie sagen, das Gesetz verlangt den Tod dieser Frau, dieser Ehebrecherin. Sie zitieren das Gesetz dem Gesetzgeber selbst gegenüber, der symbolisch zweimal mit seinen Fingern in den Staub der Erde schreibt, zweimal. Geschwister, zweimal.
Kapitel 9: Das Licht der Welt. Ja, Kapitel 8: Das Licht der Welt stellt die Menschen bloß. Der Gesetzgeber, der die Gesetzestafeln zweimal mit seinem Finger schrieb, schreibt zweimal auf den Boden und sagt: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Und im Laufe des Kapitels stellt er seine Zuhörer bloß. Denn das Licht hat diese Wirkung: Es stellt Menschen bloß.
In Kapitel 9 hat das Licht eine andere Wirkung. Dieses Mal gibt es eine andere symbolische Handlung. Er beugt sich zum zweiten Mal nieder, um nicht mit seinen Fingern zu schreiben, sondern einen Teig zu bereiten und etwas zu tun, was nicht gesehen wurde, wovon niemand gehört hatte, seit der Schöpfung dieser Welt: einem Blindgeborenen sein Augenlicht zu geben.
Ja, er ist der Gesetzgeber. Johannes Kapitel 8: Er beugt sich nieder, wie Gott es tat, als er mit seinem Finger zweimal auf Sinai schrieb. Er ist nicht nur der Gesetzgeber, er ist selbst der Schöpfer, der aus Teig ein Schöpfungswerk bereitet und einem Menschen sein Augenlicht gibt. So zeigt er sich der Welt.
Und schließlich: Wie wirst du wissen, ob er der Messias ist? Zuerst musst du seine Lehre beurteilen. In Kapitel 8 musst du dich selbst beurteilen. In Kapitel 9 gibt er dir eigentlich das Licht und die Augen, damit du beurteilen kannst.
Aber wie wirst du wissen, wer der gute Hirte, der König Israels, letzten Endes ist? Wie geht er hinauf? Wie ist er auf dem Fest hinaufgegangen? Das war die Frage in Kapitel sieben. Wie wird er hinaufgehen? Kapitel 10: Er wird durch die Tür der Schafe hinaufgehen. Ein Türhüter wird ihm die Tür auftun. Er geht hinauf gemäß messianischer Prophezeiungen und mit der Hilfe von Johannes dem Täufer, dem großen Türhüter.
Aber wie weißt du mit Sicherheit, dass er der König ist? Wodurch zeichnet sich der gute Hirte aus? Er gab sein Leben für die Schafe.

Der Weg des Jüngers: Eingang, Armut im Geist und Trauer über Sünde

Liebe Brüder, liebe Schwestern, wenn ihr jemandem mit Gottes Hilfe zeigen wollt, wer Jesus ist und wie man ihm vertrauen kann, dann sind das die vier Schritte.
Wie beurteilst du seine Lehre? Und wenn du dabei bist, wirst du sehen: Seine Lehre beurteilt dich. Dann wirst du auch darauf kommen, dass überhaupt die Fähigkeit, etwas Geistliches zu sehen, Leben zu sehen, Licht zu haben nötig ist, um zu sehen. Letzten Endes ist er derjenige, der erleuchtet.
Viertens: Menschen kommen letztendlich zu Gott nicht wegen ihrer großen geistigen Leistungen, sondern deswegen, weil sie überzeugt sind, dass Gott für sie ist, weil er stark für sie ist. Etwas, was wir Evangelikalen, wenn wir uns so nennen dürfen – das Wort benutze ich sehr selten –, oft vergessen. Du kannst übersättigt sein. Wenn wir Christen sind, bibelgläubige Christen, und das tut mir leid bei vielen Leuten, die sich auch als Evangelikale bezeichnen, ja, okay, wenn wir Christen sind, die wortgemäß zeigen wollen, wer Jesus ist, sollen wir das nicht vergessen.
Es beginnt mit seiner Lehre. Wie hat er geredet? Was hat er gesagt? Oh, wie überzeugend ist das! Ich entschuldige mich wegen meines Hustens, ich kann nichts anderes. Es ist auch gut, wenn noch nichtgläubige Menschen sich mit einer Botschaft wie der Bergpredigt beschäftigen, um zu sehen, wie er lehrte.
Und obwohl sein Vortrag hier an gläubige Leute gerichtet ist, an Leute, die Buße getan haben, beschreiben die ersten vier Eigenschaften die Bußfertigkeit eines Jüngers. Sie beschreiben zugleich den Weg durch die enge Pforte. Die Pforte ist eng, Kapitel sieben, und immer wieder in der Bergpredigt wird von einem Eingang geredet. Wenn eine Gerechtigkeit nicht vorzüglicher ist als die der Pharisäer und Schriftgelehrten, dann wirst du nicht eingehen in das Reich Gottes. Viele werden eingehen wollen, Kapitel sieben, und Jesus wird sagen: Nein, nein, nein, nein, ihr Übeltäter, oder, Entschuldigung, Gesetzlosen. Eigentlich sagt der Text: Ihr tut nicht den Willen meines Vaters, ich habe euch niemals gekannt. Sie kommen nicht hinein. Und seine Ermahnung ist: Ringt danach, durch die enge Pforte einzugehen.
In dieser Bergpredigt, und das werden wir am Silvesterabend sehen, ist sehr viel Betonung auf dem Eingang ins Himmelreich. Und hier wird uns die Tür gezeigt. Wo es geht, Fertigkeit? Wahre Buße beginnt mit Armut im Geist, wie wir gesagt haben, mit Bettelarmut, mit dem Sich-Zurückziehen, Zusammenkauern, Zittern eines Bettlers. Ein Bettler, angewiesen auf die Gunst von anderen, bankrott und mit leeren Händen – so komme ich. Nicht aufgrund meiner Gerechtigkeit, sondern angewiesen auf Gottes Gunst, gebrochen, ohne Stolz, mit gebeugtem Geist. Und echte Armut im Geist, Menschen, die ihre geistliche Armut erkennen, werden folglich trauern über ihre Sünde.

Sanftmut als gebändigte Kraft und ihre Wurzeln in Gottes Handeln

Und gestern Abend redeten wir über das Trauern nach Gottes Sinn. Es heißt, auf Distanz zu gehen von der gottlosen Weltanschauung „Don’t worry, be happy“. Das ist das gottloseste Lied, das ich seit Langem gehört habe, obwohl diese Melodie darin vorkommt und dann „don’t worry, be happy“, weißt du? Wahrscheinlich diktiert von dem zukünftigen Antichristen.
Der Baum des wahren Glücks wächst unmöglich auf verfluchtem Boden, Geschwister. Und wir haben viel zu trauern: trauern über Missstände im eigenen Leben, trauern über den Zustand des Volkes Gottes, trauern über die Entweihung des Namens Gottes.
Ein Mensch, der seine Armut im Geist wahrgenommen und zu seiner eigenen gemacht hat, sozusagen einer, der über diese verfallene Welt trauert, wird in seinem Leben Sanftmut als Ergebnis haben. Und Sanftmut bedarf einer genauen Definition. Sanftmut ist in unserer heutigen Sprache kaum noch gebräuchlich. Wir sagen wahrscheinlich, wir lesen in der Zeitung oder in irgendeiner Illustrierten oder hören in irgendeinem Gespräch in der Öffentlichkeit sehr selten das Wort Sanftmut. Wie oft hörst du das Wort überhaupt?
Es bedeutet so etwas wie Weichlichkeit, Weichheit. Es hat den Beiklang von Schwäche, Mangel an Kraft oder Männlichkeit. Es beschreibt das äußerliche Betragen eines Menschen, für den man keinen Respekt hat, oder? Wenn man aber in dieses Wort schaut, das hier mit sanftmütig übersetzt wird, in der außerbiblischen Literatur der Antike, dann sieht man: Dieses griechische Wort wird für ein mildes Medikament benutzt, für ein Medikament mit der richtigen Dosis, für einen milden Wind. Einmal wurde es von dem persischen Kaiser im Umgang mit einem Offizier gebraucht, der seine Mission nicht vollständig ausgeführt hatte. Er war sanftwürdig mit ihm, der große, mächtige Perserkönig.
Das Wort beschreibt ein feuriges Pferd, das von einem Trainer gezähmt wurde, um Arbeit zu leisten. Es hat also nichts mit Schwäche zu tun, nicht mit Weichlichkeit, sondern mit Kraft, mit gebändigter Kraft, mit dosierter Kraft, die zum Wohl anderer eingesetzt wird. Im Neuen Testament ist das Wort Sanftmut oder Milde nicht in erster Linie eine natürliche Veranlagung.

Sanftmut im Blick auf Gott, auf Christus und auf den Umgang mit Menschen

Wisst ihr, manche Kinder, ich weiss nicht, ob ich so eines bekommen habe, aber manche Kinder sind von Natur aus, von Veranlagung her, ein bisschen milder. Ich glaube, dass unsere Kinder, manche von ihnen, es kommt mir vor, sie wurden während eines Orkans geboren oder so etwas. Aber das ist okay, wenn sie gebändigt werden.
Es beschreibt nicht in erster Linie den äusserlichen Umgang mit Mitmenschen, sondern in erster Linie eine innerliche, geistliche Tugend im Umgang mit Gott. Sanftmut ist die Verfassung oder die Haltung, die Gottes Handeln als gut annimmt und sich in seinen Plan fügt. Vor Gott heisst das, seiner Führung und seinem guten Willen nicht zu widerstehen.
Diesen Vers sagte der Herr Jesus in Anlehnung an Psalm 37. Schauen wir uns das an: Psalm 37,11. Man kann hier sehr viel über Sanftmut lernen.
 Psalm 37,11: Aber die Sanftmütigen werden das Land besitzen und werden sich ergötzen an Fülle und Wohlfahrt.
Die Sanftmütigen werden das Land besitzen. Diese Welt sagt uns, dass diejenigen, die sich behaupten, die mit den Ellbogen arbeiten können, die Leute sind, die etwas im Leben erreichen. Es war ein sehr bekannter Bestseller, auf Englisch heisst er „How to win through intimidation“ – wie man siegt durch Einschüchterung. Das war ein Buch, ein Lehrprogramm, wie man mit Ellbogen arbeitet, um einfach etwas in diesem Leben zu erreichen.
Aber die Sanftmütigen, sie werden das Land besitzen. Wie kann das sein? Und was ist wahre Sanftmut?
Lies Vers 1: Erzürne dich nicht über die Übeltäter, beneide nicht die, welche Unrecht tun. Denn wie das Gras werden sie schnell vergehen und wie das grüne Kraut verwelken.
Vertraue auf Jehova. Zuerst: Erzürne dich nicht. Zweitens: Vertraue auf Jehova und tu Gutes. Wohne im Lande und weide dich an Treue. Ergötze dich an Jehova, so wird er dir geben die Bitten deines Herzens. Befiehl Jehova deinen Weg und vertraue auf ihn; er wird handeln. Er wird deine Gerechtigkeit hervorkommen lassen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag.
Vertraue still dem Jehova und harre auf ihn. Erzürne dich nicht über den, dessen Weg gelingt. Steh ab von Zorn und erzürne dich nicht.
Vers 9: Hoffe auf Jehova noch ein kleines, und der Gesetzlose ist nicht mehr. Und siehst du dich um nach seiner Stätte, so ist er nicht da.
Aber die Sanftmütigen werden das Land besitzen.
Zusammengefasst ist Sanftmut die Verfassung oder die Haltung, dass Gott es gut mit mir meint, dass sein Handeln gut mit mir ist. Ich widerstehe ihm nicht, ich vertraue ihm. Ich beneide nicht den Gottlosen, dem es vorläufig gut geht. Ich nehme Gottes Willen und Gottes Führung für mein Leben an.
Sanftmut steht öfters in Verbindung mit Demut, denn nur ein Demütiger ist wirklich sanftmütig. Diese Haltung Gott gegenüber wird in unserem Leben auch in unserem Umgang mit Menschen zum Tragen kommen.

Christus als Vorbild der Sanftmut und die Kraft des gerechten Eifers

Wenn man das Neue Testament liest und diesen Begriff Sanftmut untersucht, fällt einem zugleich auf, dass die übrigen Evangelisten das Wort gar nicht erwähnen. Weder bei Markus noch bei Lukas noch bei Johannes erscheint das Wort Sanftmut.
Bezeichnenderweise wird es gerade in dem Königsevangelium, also in dem Evangelium vom Messias-König, immer wieder erwähnt. Matthäus 21,5 ist ein wunderbares Beispiel für diese Eigenschaft Christi. Dort heißt es:
Als Jesus kam und als König in Jerusalem einzog, in seine Hauptstadt, erfüllte er diese Prophezeiung: Sage der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und reitend auf einer Eselin und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.
Der König betrat seine königliche Hauptstadt sanftmütig. Der König des Königreiches kam sanftmütig und bescheiden auf einem Füllen des Lasttiers. Liebe Geschwister, merkt euch: Königliche Größe wird nie so majestätisch sichtbar, wie wenn sie in Sanftmut verhüllt ist. Sanftmut und Demut, mit diesen Eigenschaften umhüllt sie sich. Aber Weichheit oder Mangel an Männlichkeit, das ist in diesen Versen gar nicht zu lesen.
Weiter heißt es in Matthäus 21,12-14:
Jesus betrat den Tempel Gottes und trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften. Die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um. Und er sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden; ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht. Und es traten Blinde und Lahme im Tempel zu ihm, und er heilte sie.
Ist das nicht bezeichnend? Der Sanftmütige betritt das Tempelgelände. Und ein Mensch, hier nicht in seiner Eigenschaft als Gott, obwohl er immer Gott war, sondern als Mensch, vielleicht ein Meter achtzig groß, Blutdruck 120 über 80, Temperatur 37 Grad, nur ein Mensch und kein Bodybuilder, ist so eifrig für Gottes Ehre, dass er die ganze Belegschaft des Tempels und all diese Verkäufer einschüchtert und wegtreibt.
Er hat wahrscheinlich ein paar Stricke genommen, in aller Ruhe die Tiere angebunden oder losgemacht und sich eine Peitsche geflochten. Und dann ist er einfach als Mensch losgegangen. Und wer weiß, wie viele er vertrieben hat, wie viele Dutzende. Ein Mensch. Und dann heilte er ihre Kranken.
Ist das nicht interessant? Der Sanftmütige sagt zu den Kranken: Kommt her zu mir! Und er treibt die religiösen Verführer aus. Wenn es um seine Interessen geht, wenn es um das Leiden der Menschen geht, ist er sanftmütig wie ein Lamm. Wenn es um die Ehre Gottes oder um die Interessen der anderen Menschen geht, kann er ein Löwe sein.
Und das ist Sanftmut, nicht Weichheit oder Mangel an Männlichkeit, nein, das Gegenteil.

Der König in Psalm und Evangelium: Sanftmut, Autorität und Demut

 Psalm 45 beschreibt ihn. Ein einmaliger Psalm, Psalm 45: ein Lied, gedichtet für den König und über ihn hinaus für den König der Könige.
Es wallt mein Herz von guten Worten. Ich sage meine Gedichte dem König; meine Zunge sei der Griffel eines fertigen Schreibers. Du bist schöner als die Menschensöhne, Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat Gott dich gesegnet ewiglich. Gürte dein Schwert um die Hüfte, du Held, deine Pracht und deine Majestät. Und in deiner Majestät ziehe glücklich hin um der Wahrheit willen, um der Sanftmut und der Gerechtigkeit. Und furchtbar wird dich lehren deine Rechte. Deine Pfeile sind scharf; Völker fallen unter dir, im Herzen der Feinde des Königs. Dein Thron, o Gott, ist immer und ewiglich; ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Reiches. Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl mehr als deine Genossen.
Dies wird in Hebräer 1 in Bezug auf unseren Herrn zitiert.
Ja, die Regierungen wissen es, auf die Amtsgebäude zu schreiben. Veritas, Justitia – solche Begriffe wie Wahrheit und Gerechtigkeit tauchen öfter auf. Hast du je auf einem Amtsgebäude geschrieben, was sie kennen unseren König nicht? Und sie wissen nicht, was Gottes Regierung wirklich ist. Ein König, der zieht mit einem Schwert, nicht gegen die Sanftmütigen. Aber vielleicht ist das deutlichste Beispiel Matthäus 11.
 Matthäus 11,28-30: Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Soweit ich weiß, ist das das einzige Mal, dass der Herr Jesus seinen eigenen Charakter darstellt oder beschreibt. Er wird von seinen Aposteln natürlich beschrieben, und der Heilige Geist beschreibt seinen Charakter oder malt seinen Charakter uns auf wunderbare Weise vor Augen. Aber einmal redete Jesus über seinen eigenen Charakter, und hier sagte er: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“
Aber vergiss nicht, liebe Geschwister, den Zusammenhang.

Sanftmut unter Gericht, im Dank und im Vertrauen auf Gottes Plan

Der Anlass: Vers 20. Dann fing er an, die galiläischen Städte, in denen so viel gewirkt worden war, zu schelten.
Wehe euch, Korazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn die Werke in Tyrus oder Sidon geschehen wären, die in euch geschehen sind, dann hätten sie längst Buße getan. Es wird euch im Gericht schwerer ergehen; ihnen aber wird es erträglicher gehen als euch.
Wehe dir, Korazin! Oder Kapernaum: „Bis zum Himmel erhoben, an Vorrechten reich, wirst du hinabgeworfen werden.“ Wie furchtbar ist diese Botschaft, nicht wahr? Hier bedient er sich der Sprache aus Jesaja 14, wo von der Erhabenheit und vom Sturz Satans die Rede ist. Und er verwendet diese Sprache für seine Heimatstadt. Aber so ist es: Große Verantwortung oder große Vorrechte bringen große Verantwortung mit sich.
In Kapernaum wurde Petrus’ Schwiegermutter geheilt. Die ganze Stadt war bei seinem Haus versammelt, als sie das Dach abgedeckt hatten, und in aller Öffentlichkeit heilte er einen Gelähmten. Der Synagogenvorsteher, einer der wichtigsten Persönlichkeiten an diesem Ort, und seine Tochter wurden hier geheilt, und auch der Knecht des Hauptmanns. Alles geschah öffentlich. Das war seine eigene Heimatstadt, lesen wir.
So ist es, liebe Zuhörer: Je näher ein Komet an die Sonne kommt, desto weiter wird er in seiner Bahn weggeschleudert. Je länger der Sommertag ist, desto länger ist die Winternacht. Und ich möchte dir sagen: Je mehr du von Jesus Christus gehört und gesehen hast, desto schwerer wird dein Gericht, wenn du nicht Buße tust.
Das war seine Botschaft. Das hat er gerade ausgerufen: Wehe euch!
Und dann, was sagt er? Vers 25: Zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast und es Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater; noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
In der Stunde seiner Verwerfung, als er Weherufe über die galiläischen Städte aussprach, die ihn am besten gekannt hatten und in denen er am meisten gewirkt hatte, in dieser Stunde seiner Verwerfung und bei diesem Anlass dankt er im gleichen Atemzug Gott und fügt sich in Gottes Plan.
Und das, liebe Geschwister, ist Sanftmut. Das ist das beste Beispiel, das ich von biblischer Sanftmut kenne: in vollem Bewusstsein seiner Gottessohnschaft, in vollem Bewusstsein aller seiner Vorrechte, dass ihm alles übergeben ist. Er dankt Gott für die Offenbarung seines wunderbaren Heilsplans, der seinen eigenen grausamen Tod verlangte. Dankbar fügte er sich unter die Hand Gottes. Das ist Sanftmut.

Das Evangelium für alle und die Demut des Empfangens

Und in diesem Moment richtet Er seinen Appell an seine Zuhörer, an dieselben, die vorher gehört haben: Wehe euch. Jetzt hören sie: Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen.
Ich bin jetzt ziemlich weit weg von der Bergpredigt. Darf ich mich ein wenig weiter von der Bergpredigt entfernen? Hast du das hier bemerkt: „Vater, ich danke dir, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast und es Unmündigen geoffenbart hast“? Das klingt ein wenig willkürlich, oder?
Gott hat entschieden, einfach die Einfältigen, die Unmündigen, das Evangelium verstehen zu lassen. Und die Weisen und Verständigen verstehen das Evangelium nicht, denn das war Gottes Plan, und so hat Er es gewollt. Hat Gott denn nichts übrig für die Verständigen und Weisen? Ist Er einfach willkürlich in seiner Auswahl? Nein, liebe Geschwister, achte darauf, warum das so ist. Das lernst du in den Paulusbriefen.
Wie ist es, dass Er diese Dinge den Unmündigen, den Babys, geoffenbart und den Verständigen verborgen hat? Es liegt alles in der Botschaft selbst, alles in dem Wort vom Kreuz. Wisst ihr was? Es ist die Botschaft des Kreuzes, es ist die Botschaft des Evangeliums, die wählerisch ist. Wisst ihr warum? Weil das Evangelium so universal ist wie das Licht, so universal wie die Luft. Dieselbe Luft, die irgendwie das Blut des Universitätsprofessors mit Sauerstoff speist, tut das Gleiche für einen Bettler in Kalkutta.
Das Evangelium ist für alle: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen.“ Das Evangelium ist so unparteiisch wie die Sonne; sie wirft ihr Licht auf alle. Und manche wollen nicht auf dieser Grundlage zu Gott kommen.
Ich werde das nie vergessen. Einmal hatte ich einen Autounfall auf Glatteis. Einer hatte im Rückspiegel geschaut und ist auf mich geraten. Ich habe seinen Namen vernommen und sagte: Oh, wissen Sie, Herr Doktor, haben Sie einen Artikel für meine Autoclub-Zeitschrift geschrieben? Er sagte: Ja. Ich sagte: Oh, Sie sind dann der Vorsitzende des Kuratoriums für Verkehrssicherheit in Österreich. Stell dir vor, dem auf Glatteis zu begegnen. Frontal. Nicht angenehm.
Er begann, mich mit Fragen zu löchern. Er sagte: Gehört das Auto Ihnen? Ja. Ist es versichert? Ja. Kasko? Ich sagte: Es war nagelneu. Haftpflicht? Ja, natürlich. Und Sie haben einen Führerschein? Ich sagte: Ja. Österreichisch? Ich sagte: Ja. Nein, nein, nein, sagte er. Ich sagte: Deutsch. Er sagte: Deutsch? Ich sagte: Er ist noch gültig. Und Sie sind Ausländer? sagte er. Und ich sagte: Jawohl. Sind Sie hier im Urlaub? Ich sagte: Nein, ich arbeite hier. Und er runzelte die Nase und sagte: Ach so, Sie sind Gastarbeiter. Ich sagte: Nein, Herr Doktor, ich bin Entwicklungshelfer.
Gerade um diese Zeit kam der Gendarm und nahm seinen Führerschein, schrieb die Informationen auf und nahm auch meine Auskünfte auf. Dann sagte er meinen Namen. Er sagte: Oh, Herr Colvin. Ich habe immer wieder von Ihnen gehört, und ich wollte Sie kennenlernen. So schön, Sie zu treffen.
Für den Herrn Hofrat, Doktor, hatte er nichts übrig. Aber er begann mit mir zu reden, und du hättest den Herrn Doktor sehen sollen. Er war nicht gewohnt, nicht mit einer angesehenen Person behandelt zu werden. Und weißt du was? Seine Reaktion ist der Grund, warum viele weise und gebildete Leute zur Hölle fahren. Denn sie wollen keine Botschaft, die sie behandelt wie jeden anderen Menschen. Das werden sie nicht haben.
Sie werden keine Botschaft annehmen, in der sie nur Menschen sind. Und noch weniger eine, in der sie nur sündige Menschen sind. Und erst recht nicht eine, in der sie arm sind und auf Gott und seine Gnade angewiesen sind. Nein, die Weisen und Verständigen werden es nicht haben.
Gott hat eine Wahl getroffen, und die Wahl war dieses Evangelium. Und im Allgemeinen, wenn du die Welt anschaust und die Gemeinde weltweit, dann waren es die Einfältigen, die Armen, die Ausgestoßenen. Die Reichen sind am Werben, sagt Jakobus.
Gott ist nicht willkürlich. Er hat Sir Francis Bacon gerettet, Er hat eine Reihe namhafter Wissenschaftler gerettet und auch sogar ein paar Könige. Königin Victoria war wiedergeboren und hat evangelisiert. Aber Er ist unparteiisch, und auf diesem Boden wollen viele Ihm nicht begegnen.

Das Joch Christi, die Haltung des Lernens und der sanfte Umgang mit anderen

Kommt her zu mir, sagte er, nehmt mein Joch auf euch. Denn ich habe gelernt, selbst unter einem Joch zu bleiben. Ich bin sanftmütig, ich bin von Gott gebändigt, freiwillig. Sohn, der ich bin, bin ich als Urheber ewigen Heils vollkommen gemacht. Ich habe gelernt, was es heisst, gehorsam zu sein, weil ich sanftmütig bin.
Ist das nicht gewahrt? Ich weiss nicht, wie du dir das Joch vorstellst. Ich habe den Eindruck, ich rede über etwas Wichtiges. Es steht eigentlich nicht in den Notizen. Aber ich weiss nicht, wie du das Joch vorstellst. Ob das Joch für dich irgendwie ähnlich ist wie das Joch des Gesetzes, der Schriftgelehrten. Jesus ist der Lehrer, und wir begeben uns unter sein Joch. Er führt uns. Das wäre eine mögliche Erklärung: Sein Joch ist im Gegensatz zu dem der Schriftgelehrten sanft, seine Last ist leicht.
Oder ob du den Vers so verstehst, wie ich den Vers montags, mittwochs und freitags verstehe. Aber dienstags, donnerstags und samstags versteht man das Joch unter einem anderen Gesichtspunkt. Denn in einem Joch sind meistens zwei Lasttiere, und hier redet das erfahrene Lasttier, von dem man lernen will.
Manchmal sieht man das in Rumänien: die Pferdewagen. Neben dem Pferdewagen gibt es zwei Pferde, die ihn ziehen, und daneben ist ein ganz junges Pferd. Und es lernt jetzt schon, mit einem Pferdewagen zu gehen. Später wird es lernen zu ziehen, mit einem Erfahrenen.
Er sagt: Komm zu mir, ich bin sanftmütig. Oh, ich kann dir etwas erzählen von meiner Erfahrung in einem Joch, wie ich manchmal nach rechts gestossen habe, gell? Und man würde fast erwarten von Gott, dass er nach links reist, oder? Ich habe immer wieder gewartet auf den Fusstritt von hinten bei Gott. Und er kommt nicht. Das ist das Eigenartige: Er verzieht zu kommen.
Du kannst allein deine Last im Leben tragen oder ziehen, oder du kannst in einem Gespann sein mit einem erfahrenen Lasttier. Der ist sanftmütig, er ist von Herzen demütig, und wenn du ziehst, wirst du es empfinden mit diesem Lasttier. Dein Joch ist sanft, er reisst dich nicht herum. Und deine Last mit ihm ist leicht.
Ich weiss nicht, was ich sagen soll heute Abend. Ich meine, beide diese Auslegungsversuche haben mir etwas zu sagen.
Später ermahnte Paulus nicht so sanftmütige Christen, das waren natürlich die Korinther. Er sagte: Ich ermahne euch durch die Sanftmut und die Geländigkeit des Christus. Ist das nicht eine interessante Redewendung? Nimm einmal einen Vormittag und denk über diesen Satz nach.
Hier ist wahre Grösse und Kraft. Nicht ein Pferd, das dem Eigenwillen durch die Gegend läuft. Hier ist Kraft und Grösse eingespannt zum Nützen, der Charakter des Königs: Sanftmut vor Gott und im Umgang miteinander.

Sanftmut im Alltag, in der Gemeinde und im Blick auf das kommende Reich

Die biblischen Schreiber Laredon und Sanfmut mit Nachdruck. Jakobus, der in seinem Buch irgendwie die Bergpredigt widerspiegelt, sagt, dass wir das Wort mit Sanftmut empfangen sollen. Ich habe diesen Vers mit meinen Kindern auswendig gelernt.
Ich habe Kinder mit verschiedenen Eigenschaften. Ich mag den Vers: Seid jeder von euch schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn. Ich habe ein Kind, bei dem der Zündschnur sehr lang ist, und er ist schnell zum Zorn. Ich habe ein anderes Kind, das schnell zum Reiten ist. Ich habe einige so, und ich habe ein Kind, das besonders langsam zum Hören ist. Also habe ich die drei Buben beieinander, und ich sage: Lasst einen jeden von euch ... Dann deute ich auf den einen, der sagt: schnell zum Hören. Und der andere sagt: Deute Calvin, er sagte langsam zum Reden. Und der andere: langsam zum Zorn.
Wieso? Weil Zorn nicht Gottes Gerechtigkeit bewirkt. Handle im Zorn, weil du Recht schaffen willst, und du wirst nie Recht schaffen. Das ist wie Mose, der jemanden umgebracht hat. Das ist wie Simeon und sein Bruder, die den Namen Jakob in der ganzen Gegend stinkend gemacht haben, weißt du, mit ihrem Trick, dass sie die Leute von Sichem beschneiden, gell? Zorn bewirkt nicht Gottes Gerechtigkeit. Nein, seid schnell zum Hören, und wenn du hörst, hör sanftmütig, bereit, das zu akzeptieren, was Gott sagt in seinem Wort. Sei ein bereiter Boden für den Samen des Wortes.
Petrus empfiehlt in 1. Petrus 3 Sanftmut in der Verantwortung und Verteidigung des Evangeliums. Sanftmütig sollen wir unseren Widersachern antworten. Wieso? Denk an ein Fernsehgespräch in den USA zwischen John Warwick Montgomery und einem bekannten Atheisten. Montgomery, ein guter Apologet, hat ihn in kleine Stücke zerlegt, klein genug, dass man sie hätte abspülen können. Es war offensichtlich, wie schwach der Atheist ihm gegenüber war. Seine Argumente waren wirklich überlegen, aber Montgomery war nicht gerade sanftmütig.
Und nachher, nach dieser Sendung, haben sie eine Umfrage über die Sympathien der Zuhörer gemacht, und die überwiegende Mehrheit war auf der Seite des Atheisten wegen der Art des Apologeten. Weißt du, manchmal steht mehr zwischen uns und unserem Gegner als das Evangelium. Manchmal ist es eine Menge Stolz und Selbstherrlichkeit. Und Rechthaberei. Und die Ungläubigen können das in einer Sekunde ablesen.
 Galater 6 sagt, dass Sanftmut an der Tagesordnung ist. Galater 6,1 und 2 im Umgang mit Menschen, die in Verfehlungen gefangen sind. Die Geistlichen unter uns, das heißt nicht diejenigen, die ihr Kragen rückwärts anhaben, also nicht die Geistlichen, sondern diejenigen von uns, die von einem geistlichen Leben gekennzeichnet sind, wir sollen in dem Geist der Sanftmut hingehen. Nicht hochmütig, nicht selbstsicher, sondern auch irgendwie in dem Bewusstsein: Ja, ich könnte auch fallen. Und in dieser demütigen Haltung, in dieser sanftmütigen Haltung den anderen zurechthelfen.

Die Verheißung des Erbes und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit

Abgesehen von der Glückseligkeit und der Christusähnlichkeit: Warum sind die Sanftmütigen selig? Denn sie werden das Land oder die Erde ererben.
Die Zuhörerschaft Jesu erwartete einen Messias, der kommen würde, um das Joch Roms zu brechen und die Juden zu befreien. Er sollte sein Reich aufrichten, damit sie das ihnen verheißene Land ererben. Sanftmut eines Königs – das war nicht das, was in ihren Vorstellungen Platz hatte. Das passte nicht in ihre Erwartungen. Ein König, der Gottes Willen annimmt und wartet, bis seine Zeit kommt, bis er an die Macht tritt?
Ja, der Sohn des Menschen, Psalm 8: Alles ist seinen Füßen unterworfen. Wir sehen es noch nicht so. Er ist der Erbe aller Dinge. Und eines Tages wird er sein Erbe in Besitz nehmen, und es werden die Sanftmütigen sein, die mit ihm erben.
Das heißt: die Leidenden während der Drangsal. Und das möchte ich jetzt in aller Deutlichkeit sagen: Es gibt eine andere Lehrmeinung. Aber ich glaube, dass die Gemeinde Gottes ein himmlisches Volk ist und vor der großen Drangsal entrückt wird. Und dass viele, besonders Juden, durch das Zeugnis der Juden gläubig werden in der Drangsal und die Drangsal überstehen werden. Sie werden das Land oder die Erde ererben. Sie werden eine erneuerte Erde ererben, etwa wie Noah nach der großen Drangsal, der Flut, eine neue Welt ererbte. Eine neue Welt, eine erneuerte Welt werden sie ererben.
Ja, die Sanftmütigen, und wir, die wir sanftmütig sind: Die Versammlung aus der himmlischen Stadt wird die ganze Erde regieren, und alles in ihm.
Geistliche Armut, Trauern, Sanftmut, die demütige, sanftmütige Haltung vor Gott – aus ihr entsteht die Sehnsucht nach Gerechtigkeit im eigenen Leben, das Hungern nach Gerechtigkeit. Sie sind nicht zufrieden, wie Paulus nicht zufrieden war mit eigener Gerechtigkeit aufgrund des Gesetzes. Nein, sie hungern nach einer Gerechtigkeit, die aus Gott ist, aufgrund des Glaubens. Sie erachten alles andere als Dreck, als Unrat.
Sanftmütig warten die Menschen auf das kommende Reich, mit einem großen Sehnen nach der Zeit, in der Gerechtigkeit auf dieser Erde regiert.

Hunger nach Gerechtigkeit und die Sättigung durch Gottes Reich

Wisst ihr, ich glaube, dass ein Fünftel der Deutschen hungrig ins Bett geht, jeden Abend. Sie sind auf Diät.
Und die Sehnsucht, die menschliche Empfindung, von der wir hier reden, das kennt der Grossteil von uns nicht. Das ist Hunger. Wir sagen nach fünf Stunden ohne Essen: Ich bin hungrig.
Ich werde nicht vergessen: Einmal machten wir eine Klausur. Wir wollten ein Wochenende lang fasten und beten als leitende Brüder in Pongau. Man hatte vergessen, der Bäuerin zu sagen, dass wir fasten, wo wir übernachtet haben. Und die Fräni hat gross aufgetischt. Und der Rolf war da. Der Rolf sieht irgendwie aus wie King Kong. Der Rolf ist fast zwei Meter gross und bestimmt zwei Meter im Umfang. Und der Rolf sagt: Ja, was sagt ihr, Leute, unterbrechen wir mal unser Fasten für eine halbe Stunde. So, wir haben unser Fasten für eine halbe Stunde unterbrochen. Wir waren hungrig.
Nach fünf Stunden sagen wir: Meine Güte, ich bin hungrig. Nach fünf Wochen? Wie wäre es nach fünf Wochen, wenn du nichts gegessen hättest?
John MacArthur beschreibt in seinem Buch eine Begebenheit aus dem Ersten Weltkrieg, der Befreiung Palästinas. Als die Streitkräfte des Vereinigten Königreiches die Türken zurückgedrängt hatten, war der Angriff schneller als die Wasserversorgung. Die Kamele mit dem Wasser sind ihnen nicht nachgekommen. Viele litten an Schwindelanfällen, ihre Lippen wurden violett und zerbarsten. Hunderte starben, als sie kämpften um den Brunnen von Scheira. Es war nicht mehr ein Kampf, um die Türken zurückzudrängen. Es war ein Kampf um die Brunnen.
Und schliesslich haben die Engländer den Brunnen genommen, und die gesunden Soldaten mussten stehen und vier Stunden lang warten, während die Verletzten tranken oder getränkt wurden. Vier Stunden lang, fünf Meter weg von der Brünne, unwahrscheinlicher Durst. Einer der Offiziere schrieb: Ich glaube, wir lernten unsere erste Bibellektion auf dem Marschweg von Bersebe nach den Schierer Brunnen. Wenn unser Durst nach Gott, nach seiner Gerechtigkeit, nach seinem Willen in unserem Leben eine durchdringende, alles umfassende, in Anspruch nehmende Sehnsucht wäre, wie reichlich wäre die Frucht des Geistes in unserem Leben.
Hunger und Dürsten, das sind Triebe nach lebensnotwendigen Sachen. John Nelson Darby schrieb: Hungrig sein genügt nicht, ich muss am Verhungern sein, um Gottes Herz mir gegenüber zu erkennen. Als der verlorene Sohn hungrig war, begehrte er, mit den Schweinen zu fressen. Als er aber am Verhungern war, kehrte er zum Vater zurück.
Hunger und Durst nach Gerechtigkeit. Samuel Chadwick musste schreiben: Die schreiende Sünde der Gemeinde ist ihre Laulheit, ihre Faulheit nach Gott. Das ist ein furchtbarer Satz. Die schreiende Sünde der Gemeinde ist ihre Faulheit nach Gott.
Glückselig die Hungernden nach Gerechtigkeit, im eigenen Leben, auf dieser Welt, nach dem Kommen des Gottesreiches, denn sie werden gesättigt werden. Und dieses Wort Sättigung kommt aus der Tierhaltung oder wird in der Tierhaltung benutzt. Es heisst, überaus zu sättigen oder zu mästen. Gott ist die überreiche Sättigung dieser Sehnsucht, wenn der Herr Jesus kommt und die Erkenntnis des Herrn diese Erde bedeckt wie das Wasser des Meeres, wenn der Meeresboden Gerechtigkeit am Throne dieser Welt sitzt. Das ist das erste Quartett.

Der Übergang zur zweiten Vierergruppe: Barmherzigkeit, Reinheit, Frieden und Verfolgung

Ich möchte in wenigen Worten, wirklich ganz wenigen Worten, das zweite Quartett umreißen. Das erste Quartett dieser Eigenschaften betraf unser Leben vor Gott auf dem Weg zur Errettung beziehungsweise die Kennzeichen eines Erretteten vor Gott. Das zweite Quartett betrifft die äußerlichen Ausdrucksformen dieser Eigenschaften.
Geistliche Armut oder Armut im Geiste: Wenn ich wirklich weiß, wo ich vor Gott stehe, auf mich gestellt, ist das die beste Grundlage für einen barmherzigen Umgang mit anderen Menschen. Wenn ich sehe, dass ich eigentlich auf mich gestellt, schwach, ein Versager und unwürdig bin, werde ich viel barmherziger in meinem Umgang mit anderen sein.
Wenn ich gelernt habe, über mein eigenes Leben zu trauern, über die Missstände in der Gemeinde Christi, über die Entweihung des Namens Gottes in dieser Welt, dann werde ich, wenn ich das wirklich gelernt habe, ein ungeteiltes Herz in meinem Umgang mit Gott und anderen haben.
Wenn ich gelernt habe, mich unter Gottes Hand zu fügen, sanftmütig vor Gott zu gehen, was für eine Voraussetzung ist das, ein Friedensstifter unter verfeindeten Menschen zu sein, eine sanftmütige Vermittlung zwischen Menschen.
Wenn ich nach Gerechtigkeit hungere, wenn ich wirklich hungrig bin, wie wir das beschrieben haben, dann werde ich, wenn es sein muss, bereit sein, um der Gerechtigkeit willen verfolgt zu werden.

Barmherzigkeit als tätige Liebe und die Ernsthaftigkeit des Gerichts

Barmherzigkeit ist nicht einfach ein Gefühl von Mitleid. Barmherzigkeit ist tätige Liebe. Denken wir an den barmherzigen Samariter. Ist dir je aufgefallen, wie viele Tätigkeitswörter in seiner Beschreibung vorkommen? Er wurde innerlich bewegt, er trat hinzu, er verband seine Wunden, er goss Öl und Wein darauf, er setzte ihn auf sein Tier, er führte ihn, er trug Sorge und er gab dem Inhaber der Herberge Geld. Er gab ihm einen Auftrag. Und nachdem er ihn eine Nacht lang gepflegt hatte, sagte er: „Ich bin bereit, einen Blankoscheck für diesen Mann auszustellen.“
„Nächstenliebe?“, fragte Jesus. Der Schriftgelehrte erwiderte, der die Barmherzigkeit an ihm tat: „Geh hin und tu desgleichen“, sagte Jesus. Barmherzigkeit hat also mit Tun zu tun, nicht mit Reden.
 Epheser 2,4 sagt: Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner großen Liebe, mit der er uns liebt. Wir sehen hier, dass Barmherzigkeit aus der Liebe entspringt. Liebe ist größer. Er ist barmherzig wegen seiner großen Liebe. Wenn Liebe einem schwachen, leidenden Objekt begegnet, nimmt sie eine andere Gestalt an: Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist Liebe für ein schwaches Objekt, oder Gnade ist Liebe für ein unwürdiges Objekt.
Barmherzigkeit ist nötig wegen der Auswirkungen der Sünden. Gnade ist nötig wegen der Ursache, wegen der Sünden selbst. Menschen werden in dieser Welt misshandelt, Menschen werden krank, Menschen sind arm und ausgebeutet, und wir haben viele Möglichkeiten, uns in dieser Welt zu betätigen, wegen der Auswirkungen der Sünden. Gnade ist etwas Grundsätzlicheres. Gnade behandelt die Ursache.
Barmherzigkeit und Gerechtigkeit: Wie können wir so etwas vereinbaren? Wisst ihr, Barmherzigkeit wird nie geübt, ohne einen Preis zu bezahlen. Es ist sehr wichtig, Barmherzigkeit ein wenig zu definieren, denn ich glaube, dass Barmherzigkeit von Christen öfter missverstanden wird, besonders wenn es um Gemeindezucht geht. Gott übt niemals Barmherzigkeit, ohne Sünde zu bestrafen. Jesus starb stellvertretend für unsere Sünde, damit Gott Barmherzigkeit üben konnte. Barmherzigkeit ist mit Gerechtigkeit eins. Und es ist sehr wichtig, das im Umgang mit Sünden zu sehen. Barmherzigkeit ohne Rechtschaffenheit existiert nicht.
Es ist nicht liebevoll, mit Leuten in ihrer Sünde zu sympathisieren. Es ist richtig, barmherzig im Umgang mit ihnen zu sein und ihnen zu helfen. Es ist nicht richtig, uns im Namen der Barmherzigkeit mit ihrer Sünde selbst zu identifizieren. Jakobus 2,13 sagt es: Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht.
Ich möchte sagen, dass unsere Gesellschaft, auch die Angeschlagenen in unseren eigenen Reihen, Krankheit und Armut als Folge von unverantwortlichem Leben, uns genug Anlass geben, Barmherzigkeit in vielen Formen zu üben.
Die Belohnung: Warum sind die Barmherzigen glückselig? Denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren.

Selbstprüfung, Reinheit des Herzens und die Verheißung des Sehens Gottes

Jakobus malt die Kehrseite. Er ist immer wieder sein Echo von der Bergpredigt. Das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat.
Ich möchte nicht in die Haut von Christen stecken, die selbst von dem Herrn begnadigt sind und sehr scharf ins Gericht mit anderen Christen fahren. Immer wieder habe ich das erlebt, wie hart Christen sind in ihren Urteilen über anders denkende Christen. Ich möchte das nicht praktizieren. Ich möchte nicht verwechselt werden. Ich möchte nicht in der Haut von solchen stecken.
Diese Worte haben eine Bedeutung, wenn Worte eine Bedeutung haben. Hier wird uns gesagt, dass es wichtig ist, Barmherzigkeit zu üben. Ihr könnt das auf eure eigenen Blätter schauen. Deswegen habe ich die Blätter verteilen lassen. Es wird interessant sein, am Silvesterabend über diesen Abschnitt zu reden.
Was passiert mit Menschen, die andere Menschen richten, aber sich selbst nicht richten? Die unbarmherzig mit anderen Leuten umgehen, unbarmherzig ins Gericht gehen, wenn sie sich selber nicht gerichtet haben? Die Bergpredigt sagt: Bevor du andere verurteilst, musst du selbst mit deinem eigenen Leben ins Gericht gehen.
Eine kleine Vorausschau: Wir werden heute und morgen Abend sehen, und haben gestern Abend gesehen, dass es in dem ersten Kapitel, Kapitel fünf, um das Urteil über mein eigenes Leben geht. Wo stehe ich? Was für einen Charakter habe ich? Wie lebe ich gegenüber dem Gesetz Gottes?
In Kapitel 6 wird der Untertan des Königreiches beurteilt von einem unsichtbaren Gott, der sieht, wenn er betet, Almosen gibt und fastet. Er lebt im Hinblick auf ein unsichtbares Reich, sammelt Schätze in einer unsichtbaren Bank. Er muss lernen, zu leben im Hinblick auf unsichtbare Realitäten, Wirklichkeiten. Er muss lernen, zu leben im Hinblick darauf, dass er beurteilt wird.
Er beurteilt sich selbst, er wird beurteilt. Wie beurteilst du andere Menschen? Du musst es tun, weißt du. Du musst andere Menschen beurteilen. Aber nach welchen Grundsätzen? Das ist Kapitel 7. Hoffentlich nicht unbarmherzig, bevor du mit dir selbst ins Gericht gehst.
Etablierte Religion hatte nichts für Barmherzigkeit übrig. Jesus tadelte die Pharisäer und Schriftgelehrten deswegen. Etablierte Religion war aber auch bekannt für eine Betonung auf Äußerlichkeit und Riten, zur Vernachlässigung vom inneren Leben und vom Herzen.
Und deswegen lesen wir: Glückselig die reinen Herzens sind. Nicht zeremonisch rein, das ist nicht die Betonung der Bergpredigt, sondern die reinen Herzens sind. Behüte dein Herz, sagt der Spruch. Mehr als alles, was zu bewahren ist, denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens.
In Matthäus 15,19 lernen wir, dass der Geburtsort von Ehebruch das menschliche Herz ist. Der Ausgangspunkt von allen Verunreinigungen ist das Herz. Glückselig die reinen Herzens sind. Und hier haben wir einen Begriff von der Hütenkunde: Metall frei von allen Unreinheiten, ungemischt, ohne Legierung, einfältig, pures Metall. Ein solches Herz, ein reines, einfältiges Herz, ohne Hintergedanken, ohne und mit ungeteilter Hingabe.
Mehr werden wir davon erfahren in Kapitel 6. Es gibt ein einfältiges Auge und ein krankes Auge, eine gesunde und ungesunde Perspektive über Dinge. Ich habe den Eindruck, ich predige Jakobus heute Abend. Aber Jakobus sagt es so im 4. Kapitel, Vers 4: Ihr Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun irgendein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar.
Vers 8: Naht euch Gott, und er wird euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen oder, in Fußnoten, ihr Doppelherzigen. Ein einfältiges Herz, Gott will mein Herz! Gott sagt zu dir und zu mir: Gib mir dein Herz. Folge dem Herrn mit ungeteiltem, reinem Herz.
So viel sogenannter Gottesdienst, so viele Wohltaten, so viel geistiges Getue ist verunreinigt. Es trägt die Befleckung eines unaufrichtigen, berechnenden Herzens. Wenn wir von einer Gerechtigkeit reden, die vorzüglicher ist als die der Pharisäer, dann beginnt sie eigentlich mit dem Herzen.
Die Glückseligkeit: Sie werden Gott sehen. Sie werden ihn sehen in diesem Leben. Titus 1 oder Psalm 18,26 drückt es sehr gut aus: Sie werden Gott sehen. Gegen den Reinen erzeigst du dich rein, gegen den Verkehrten erzeigst du dich entgegenstreitend. Gott wirklich zu sehen und wahrzunehmen, Umgang mit Gott zu haben, das ist dem reinen, einfältigen Herz vorbehalten.
Denke an Psalm 103: Er tat Mose seine Wege kund, Israel seine Taten. Das Volk Israel hat einfach die Großtaten Gottes vernommen. Boah, das war aber gewaltig, gell, wie der Boden gezittert hat, oder phantastisch, jeden Tag Brot. Die Taten Gottes haben sie vernommen. Aber Mose, der reinen Herzens war, er vernahm seine Wege. Die Prinzipien hinter seinen Taten, seine Beweggründe. Er erkannte Gott nicht als Macht, sondern als Person.
Eines Tages wird man ihn sehen und ihm gleichen. Diese ist die reinigende Hoffnung. Ohne Heiligung wird niemand ihn sehen.

Friedenstifter als Kinder des Vaters und die Krone der Charaktereigenschaften

Vers 9: Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Es tut dem Vater sehr weh, wenn er sieht, dass seine Kinder untereinander streiten. Er sehnt sich nach der Beilegung des Konflikts. Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen. Der Charakter des Vaters wird am deutlichsten in denen sichtbar, die Frieden stiften. Ich glaube, dies ist die Krone der sieben Charaktereigenschaften in den Seligpreisungen. Die Krone ist der Friedensstifter, wie Jakobus sagt. In seinem vierten Kapitel, Vers 1: Woher kommen Kriege, woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher, aus euren Gelüsten usw.? Und dann ist die Rede von dem, der Frieden stiftet. Die Frucht der Gerechtigkeit wird in Frieden gesät, aber nur denen, die Frieden stiften. Der Zorn eines Menschen wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit.
Sanftmütige Friedensstifter, Söhne des Vaters, das ist wirklich das Gebot der Stunde heute. Eigentlich die Söhne des Vaters: Das erinnert uns an das Ende des fünften Kapitels, wo diejenigen, die gelehrt haben, ihre Feinde zu lieben, Söhne Gottes genannt werden. Denn so ist Gott. Wir waren seine Feinde, und Gott hat seinen kostbaren Sohn gesandt, um Frieden zu stiften. Als wir noch Sünder waren, Feinde Gottes, starb Christus für uns.
Die Liebe eines Menschen, wie weit reicht sie? Niemand würde sterben für einen gerechten, rechtschaffenen Mann. Für einen gütigen vielleicht. Vielleicht mag ein Paar sich sogar trauen, sein Leben hinzugeben, sagt Paulus. Aber Gott erweist seine Liebe gegen uns: Als wir noch Sünder waren, ist Christus für uns gestorben.
Gott sendet Regen und Sonnenschein nicht nur auf die Felder der Liebhaber Gottes, sondern auch auf die der Feinde. Wisst ihr, wie das ist? Du wirst beleidigt, oder dein Nachbar tut dir etwas an, und er ist da draußen in seinem Garten. Er arbeitet im Garten, und du betest für ihn. Und du denkst: Okay, Gott, schade ist sein Gemüse dieses Jahr einfach, dass die Wühlmäuse kommen. Eine Menge Schnecken her, eine Menge Schnecken, schick ihm eine Menge Schnecken. Aber wie wird Gott wirken? Gott würde eher das Gegenteil tun: einen reichen Ertrag in seinem Garten, sodass er da steht im Herbst und denkt: Bah, dass ich so viel bekommen habe. Ich glaube, ich werde Gott danken. Ich glaube, ich werde diesen Gott anerkennen. Das ist seine Methode.
So ist unser Vater radikal verschieden von vielen von uns bisher, von unserer bisherigen Handhabung. So ist Gott. Lernt, eure Feinde zu lieben. Lernt, sanftmütig mit Menschen vor Gott und vor Menschen umzugehen, und du kannst ein Friedensstifter werden. Und das ist das Höchste von diesen Charaktereigenschaften, das ist die Krone.
So viel für die Seligpreisungen.