Einleitung: Die Bedeutung der Kreuzigung Jesu
Hast du dir schon einmal überlegt, wie viel Jesus' Kreuzigung in Euro gekostet hätte? Was ist eigentlich die Todesursache bei einer Kreuzigung? Hier ein Tipp: Es ist nicht der Blutverlust.
Konntest du dir vorstellen, dass man die Wirbelsäule bis auf die Knochen sehen konnte? Nein? Das wusste ich auch nicht. Woher auch? Und es ist noch viel krasser, als du denkst.
Um die Nachfolge wirklich zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Heute schauen wir uns an, was es bedeutet, gekreuzigt zu werden.
Dazu habe ich in den letzten über zwei Jahren Aberdutzende antike Gerichtsakten, lateinische und altgriechische Augenzeugenberichte und mehr durchforstet, um dir an diesem Karfreitag eine Zusammenfassung davon zu geben.
Deshalb schau dir dieses Video bis zum Ende an, denn die meisten Dinge, die du gleich sehen und hören wirst, hast du vermutlich noch nie gehört. Sie werden dir eine ganz neue Wirklichkeit eröffnen. Am Ende dieses Videos wird dir viel klarer sein als je zuvor, was Jesus alles für dich auf sich genommen hat.
Bevor wir starten, kannst du kurz der Community hier helfen, damit solche christlichen Videos auf Social Media nicht verborgen bleiben? Wenn du gerade auf Instagram bist, dann doppeltippe doch mal schnell auf dein Handy.
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Hintergrund und persönliche Erfahrung mit der Passionsgeschichte
Wie kommen wir überhaupt auf dieses Thema? Zunächst ein wenig Hintergrund, dann steigen wir direkt ein.
Vor zwei Jahren durfte ich am Gründonnerstag eine ganz besondere Veranstaltung leiten: einen Bibelleseabend. Der Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich hatte den altgriechischen Urtext der Bibel vor mir und bin mit den Anwesenden die letzten zwölf Stunden von Jesu irdischem Leben durchgegangen – von der Gefangennahme bis zu seinem Tod.
Dabei habe ich versucht, so gut ich konnte, die Umstände zu erklären: die beteiligten Personen, warum sie das getan haben, was sie getan haben, ihre Gedanken, Entscheidungen und Hintergründe. Der Raum war voll, und ich denke, ich darf sagen, dass es für uns alle eine sehr erfüllende, emotionale und auch geistliche Erfahrung war. Die Teilnehmer haben noch Wochen später davon erzählt.
Das Gute ist, dass die Veranstaltung damals aufgezeichnet wurde. Die Aufzeichnung kannst du dir hier kostenlos anschauen. Klicke einfach auf den Link in der Videobeschreibung.
Warum das Ganze? Dank der Unterstützung der Spender-Community – vielen, vielen Dank euch allen – konnte ich die Aufzeichnung vollständig aufarbeiten und hier hunderten Menschen kostenlos zur Verfügung stellen. Nochmals vielen Dank! Klick dafür einfach auf den Link in der Videobeschreibung.
Die Gewöhnung an die Kreuzigung und ihre Bedeutung
Eine Sache, die viele Leute an jenem Abend damals überrascht hatte, war die Kreuzigung. Das nennt man das Gesetz der Gewöhnung. Es gibt Dinge, an die wir uns so sehr gewöhnt haben, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken.
In manchen Gegenden Deutschlands hängt in jedem zweiten öffentlichen Raum ein Kruzifix. Wir gehen einfach daran vorbei. Manchmal steht ein Kind, das Kruzifixe noch nicht kennt, davor und hat Angst. Dann denken wir: „Oh ja, stimmt, da war ja etwas.“
Friedrich Nietzsche hat dazu einmal gesagt: „Was geklärt ist, hört auf, uns etwas anzugehen.“ Woran wir uns gewöhnt haben, hört auf, uns zu beschäftigen. Und das stimmt auch.
Deshalb wollen wir heute einen Blick hinter die Kulissen werfen – auf Dinge, an die wir uns noch nicht gewöhnt haben. Ich bin für dich auf historische Spurensuche gegangen. Du bekommst jetzt eine traurige, aber realistische Best-of-Einschätzung. Damit die Altertumswissenschaftler, die das hier mit dir zusammen anschauen und hören, keinen Herzinfarkt bekommen.
Liebe Kollegen, die Quellen, die jetzt hier eingeblendet werden, habe ich nicht wörtlich übersetzt. Stattdessen habe ich sie so umformuliert, dass sie für jeden ohne Vorwissen leicht verständlich sind. Falls sich jemand für Details mehr interessiert: Die Belege sind alle eingeblendet. Für jeden, der mehr wissen möchte, verweise ich während dieses Videos auf weitere Quellen, sodass du mehr Informationen bekommst.
Falls dich das nicht interessiert, kannst du es einfach ignorieren. Und damit direkt ins Thema.
Die Grausamkeit der Kreuzigung im römischen Kontext
Widersprüche der römischen Kultur
Wie schrecklich war eigentlich eine Kreuzigung? Um es kurz zu machen: Sehr schrecklich.
Wenn wir an die Römer denken, verbinden wir sie oft mit Hochleistungen wie Architektur, Literatur oder dem Rechtswesen. Und das stimmt auch. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Daneben gab es alltägliche Tierquälerei, etwa bei Hahnenkämpfen, inszenierter Jagd und Verstümmelungen, die die Stierkämpfe in Madrid alt aussehen lassen. Denk an Gladiatorenkämpfe in der Arena oder an Christen, die als lebende Fackeln kreischend in Gärten aufgehängt wurden.
Denk auch an die Praxis des Sacking, bei der Menschen in einen Ledersack eingenäht wurden, zusammen mit wilden Tieren, und dann im Fluss Tiber versenkt wurden.
Jetzt denkst du vielleicht: Wie kann das zusammengehen? Einerseits diese Hochkultur, andererseits diese absolute Unmenschlichkeit und Barbarei. Mein Kollege Johannes Hartl hat dazu einen guten Vortrag gehalten. Schau gern mal bei ihm vorbei.
Doch dieser Widerspruch ist eigentlich bis heute präsent. Unser ach so hochzivilisiertes Europa lässt Asylsuchende barfuß zusammengefercht in Slums bei Minusgraden erfrieren. Unser ach so fortschrittliches Deutschland – von all den Menschen, die wir Deutschen jeden Tag rund um die Uhr abtreiben, sind über 96.000 jedes einzelne Jahr ohne jegliche medizinische Notwendigkeit.
Dazu muss ich wohl nichts weiter sagen, oder? Wenn wir uns jetzt über die Barbarei der Römer beschweren, weißt du, was das ist? Heuchelei.
Kreuzigung als Ausnahmebestrafung
Zurück zur Geschichte: Das, was damals das römische Großreich war, ging Schritt für Schritt nieder und versank in Korruption, Gewalt, Drogen, Egoismus, Vetternwirtschaft und all diesen Dingen. In dieser Zeit wurden Kreuzigungen immer häufiger, und sie wurden auch viel gegen Christen angewandt.
Damals, zu Jesu Lebzeiten, war die Kreuzigung jedoch eine Ausnahmebestrafung für Ausnahmeverbrechen. Welche Verbrechen das genau waren, lässt sich anhand eines Hinweises verdeutlichen: Einschließlich Jesus haben wir ungefähr zwanzig Namen von Menschen, die von den Römern durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurden.
Warum sind es so wenige? Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist die sogenannte damnatio memoriae, was bedeutet, dass man sich nicht an diese Menschen erinnern wollte und sollte. Sie wurden aus dem Gedächtnis gelöscht, ähnlich wie in manchen heutigen Diktaturen, in denen Personen, die in Ungnade fallen, aus Fotos entfernt und alle Archive über sie gelöscht werden.
Das heißt, man sollte sich an Kreuzigungsopfer gar nicht erinnern. Der zweite Grund ist, dass die meisten Menschen, die durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurden, kein Stimmrecht hatten und meistens ohnehin nicht als vollwertige Menschen betrachtet wurden.
Das ist absolut unvorstellbar. Cicero sagte dazu, dass einen normalen Menschen durch Kreuzigung zu Tode zu foltern, so elendig und schmerzhaft sei, dass dies außer für Sklaven völlig undenkbar sei. Horaz schreibt dazu, dass man von einem Sklavenbesitzer, der darüber nachdenkt, seinen Sklaven durch Kreuzigung zu Tode zu foltern, sagen würde, er habe nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Kreuzigung als Strafe für Sklaven und Schwerverbrecher
Und damit sind wir direkt beim Thema. Damit du eine Vorstellung hast: Es kommt ein bisschen darauf an, aber für große Teile der römischen Schreckensherrschaft galt, Ausnahmen vorbehalten, dass du, sobald du versklavt bist, nicht mehr als Mensch betrachtet wirst, sondern als Gegenstand. Sklaven galten als mobiler Besitz. Du konntest mit deinen Sklaven im Wesentlichen machen, was du wolltest.
Wenn du Sklave warst und zu Tode gefoltert wurdest, etwa durch Kreuzigung, dann war das die schlimmste aller schlimmen Strafen – die Idee dahinter war, dass dies die Strafe für die Wertlosesten der Wertlosen sein sollte. Es gibt einen Bericht von Sklaven, die ihre Besitzer getötet haben, was im römischen Mindset absolut unvorstellbar war. Danach sollen sie noch die Ehefrauen der Besitzer vergewaltigt haben – also etwas vollkommen Unaussprechliches. Dafür wurden diese Sklaven durch Kreuzigung zu Tode gefoltert. Das war die Strafe.
Damit du eine Vorstellung von der Größenordnung hast: Marzial schreibt dazu, dass vielleicht eine Kreuzigung noch vorgesehen ist für jemanden, der „unser geliebtes Rom niederbrennen will“, also die heilige Hauptstadt. Denn das ist die schlimmste aller denkbaren Strafen. Flavius Josephus schreibt dazu, dass diese Strafe vollkommen unmenschlich ist.
Dazu möchte ich auf Seneca eingehen, den wir noch ein paarmal in diesem Video erwähnen werden. Seneca war ein Berater des damaligen Kaisers und hat viele, aus meiner Sicht, gute Texte geschrieben. Er war mehrfach Augenzeuge, als Menschen durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurden. Wenn du seine Texte liest, bekommst du wirklich den Eindruck, dass er durch das Zuschauen regelrecht traumatisiert wurde.
Was schreibt Seneca? Er sagt, es ist die schlimmste Strafe von allen, der schlimmste Schmerz von allen. Du bekommst jetzt vielleicht eine Idee, in welche Richtung das geht. Der große Historiker Will Durant hat dazu geschrieben, dass selbst Römer ihre Opfer bemitleidet haben. Es heißt, der Schmerz dabei war so unerträglich, dass er mit Worten nicht zu beschreiben war. Deshalb mussten die Römer ein neues Wort erfinden, um diesen Schmerz überhaupt versuchen zu können, in Worte zu fassen: excruciatus.
Und selbst dieses Wort und alles, was damit zusammenhängt, ist regelrecht verpönt. Cicero schreibt dazu, dass schon das Wort Kreuz, also im Lateinischen crux oder im Griechischen staudos, sich in der Gegenwart eines römischen Bürgers verbieten sollte. Er schreibt, niemand sollte an ein Kreuz denken müssen, niemals ein Kreuz sehen oder schon das grässliche Wort hören.
Übrigens benutzten die Römer das Wort Kreuz – also crux oder staudos, da der altgriechische Koine-Dialekt damals die Umgangssprache war – als Schimpfwort. Das findet man unter anderem bei Plautus als Schimpfwort. Dort zitiert er eine sehr unanständige Redewendung, in der eine Frau verflucht wird: „Zur Hölle mit ihm an einem verdammten Kreuz.“ Oder wenn jemand in einer vertrackten Situation ist, sagt er so etwas. Das ist ein seltsamer Text, aber es zeigt, dass Kreuz und Hölle direkt miteinander verbunden waren.
Das war eine völlige Obszönität, wenn das gesagt wurde. Das war damals nicht jugendfrei. Kennst du Pompeji, diese Stadt, in der der Vulkan im Jahr 79 ausgebrochen ist und die Menschen in Asche eingeschlossen wurden? Dort hat man ein Graffito an den Sanitäranlagen gefunden, auf dem steht: „Nagel dich ans Kreuz.“ Du kannst dir vorstellen, was für Schmierereien heute an manchen öffentlichen Toiletten stehen. Das ist so das heutige Äquivalent von „Dich ins Knie“. Na ja, lassen wir es mal dabei.
Zweck der Kreuzigung: Abschreckung und öffentliche Wirkung
Warum haben die Römer damals eigentlich Menschen gekreuzigt? Vor allem zur Abschreckung. Es geht nicht so sehr um die Henker und das Opfer, auch wenn das eine Rolle spielt, sondern vor allem um die Zuschauer. Deshalb wurden Menschen, die durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurden, meist an öffentlichen Plätzen gekreuzigt.
Dazu möchte ich eine kurze Begebenheit aus jener Zeit nacherzählen. Sie ist in all ihrer Tragik fast tragikomisch, wenn sie nicht so grausam wäre. Kennst du die Geschichte von Hannibal? Hannibal, der afrikanische Feldherr, der mit seinen Elefanten über die Alpen zog, aber am Ende doch im Angriff auf Rom scheiterte. Eine Generation vor ihm gab es einen anderen Hannibal. Über diesen gibt es einen Bericht. Darin wird erzählt, dass der afrikanische General Hannibal, also der erste, von seinen eigenen Männern durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurde, nachdem die Flotte, die er kommandierte, besiegt worden war.
Worauf ich hinaus will, ist ein zweiter Hannibal, einige Jahre später – der mit den Elefanten und den Alpen. Dieser Hannibal wollte mit seiner Armee Rom erobern. Das war eine schwierige Geschichte. Er plante, die Haupthandelsrouten abzuschneiden, damit die Römer keinen Nachschub und keine Verpflegung mehr hatten.
Deshalb wollte er in einer Stadt namens Kasinum überwintern, bevor er im Frühling den Angriff starten wollte. Er hatte einen Lotsen dabei, weil er ortskundig war und jemanden brauchte, der sich auskannte. Dieser Lotse brachte ihn jedoch nicht nach Kasinum, sondern nach Cassilinum – nicht nach Kasinum, sondern Cassilinum.
In Cassilinum war Hannibal mit seiner Armee schließlich eingekesselt. Viele heutige Historiker sagen, dass er den Krieg deshalb verlor, weil er in der falschen Stadt überwinterte. Der Lotse hatte den Unterschied zwischen Kasinum und Cassilinum nicht erkannt. Manche vermuten, dass dieser Lotse ein Doppelagent war. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es einfach ein akustisches Missverständnis war und er es nicht richtig gehört hatte.
Hör mal, was der Historiker Livius dazu schreibt, nachdem sie in der falschen Stadt angekommen waren: Einige Leute, die die Gegend gut kannten, erzählten Hannibal, er solle nach Kasinum gehen. Sie sagten, wenn er den Pass kontrollieren könnte, der durch die Berge führt, könnte er die Römer aufhalten, damit sie keine Verbündeten zu Hilfe rufen. Die Karthager, also Hannibals Armee, hatten Probleme mit lateinischen Namen, da ihr Dialekt afrikanisch war.
Der Lotse missverstand Hannibals Anweisung. Statt die Armee nach Kasinum zu führen, brachte er sie nach Cassilinum. Dort angekommen, schaute sich Hannibal die weit offenen Felder mit ihren Flüssen und einigen Bergen in der Nähe an. Er wollte wissen, wo zum Teufel sein Lotse ihn hingebracht hatte. Er rief den Mann und befahl ihm, sich zu erklären.
Der Lotse versicherte Hannibal, dass sie die Nacht in Cassilinum verbringen würden. In diesem Moment merkte Hannibal, welchen riesigen Fehler der Lotse gemacht hatte. Cassilinum lag weit entfernt und in eine andere Richtung als das Ziel Kasinum.
Hannibal befahl, den Lotse zu schlagen. Als abschreckendes Beispiel ließ er ihn durch Kreuzigung zu Tode foltern. Du siehst also: Es ging vor allem um Abschreckung.
Auch der römische Historiker Appius schreibt über den Spartakus-Aufstand. Spartakus war damals ein Gladiator in einer Gladiatorenschule, ein Sklave, der mit seinen Mitsklaven und anderen Unterdrückten ausgebrochen war. Zusammen hatten sie einen Aufstand angezettelt, der später die Größenordnung eines Bürgerkriegs annahm und direkt gegen Rom marschierte.
Das war absolut unerhört: Nicht nur ein Krieg gegen Rom selbst, sondern ein Krieg von Sklaven, die als Unmenschen galten. Spartakus wurde später Anführer dieser Armee. Es wird berichtet, dass Spartakus einen feindlichen Kriegsgefangenen vor den Augen seiner Armee durch Kreuzigung zu Tode foltern ließ. Damit wollte er seinen Männern zeigen, was ihnen passieren würde, falls sie verlieren.
Er wollte seine Männer so entsetzen, dass Verlieren für sie keine Option war. Sie kämpften also nicht nur um ihr Leben, sondern um viel, viel mehr. Das Ende vom Lied ist: Spartakus verlor. Wahrscheinlich fiel er im Kampf selbst. Viele seiner Mitkämpfer aber, die gesehen hatten, wie dieser römische Gefangene durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurde, wurden selbst an der Via Appia bei Rom durch Kreuzigung getötet.
Der vorletzte Bericht kommt aus Sizilien, dem heutigen Sizilien. Damals gab es dort viele heftige Unruhen und viel Gewalt. Man könnte heute von Gangs sprechen. Kurz zuvor hatte es einen Sklavenaufstand gegeben. Ein solcher Aufstand war für die Römer eine Horrorvorstellung, weil ihre Gesellschaft auf Sklaven beruhte, die unbezahlte Arbeit verrichteten.
Um das Ausbrechen eines Bürgerkriegs um jeden Preis zu verhindern, wurden in Sizilien alle Waffen streng verboten. Denn ohne Waffen war die Chance auf einen bewaffneten Aufstand fast null.
Eines Tages wurde ein niedriger, ungebildeter und wahrscheinlich analphabetischer Hirte ergriffen, weil er eine Waffe bei sich hatte – wahrscheinlich einen Speer. Dafür wurde er auf dem Marktplatz öffentlich durch Kreuzigung zu Tode gefoltert. Das sollte eine maximale Abschreckung sein: So ergeht es jedem, der auch nur darüber nachdenkt, eine Waffe zu besitzen.
Dazu schreibt der römische Gelehrte Quintilian ganz deutlich: Wenn wir einen Menschen durch Kreuzigung zu Tode quälen, dann tun wir das an den geschäftigsten und meistbefahrensten Straßen. Wir wollen, dass so viele Menschen wie möglich das genau sehen und das Grauen davon erfassen.
Die Strafe des Todes durch Kreuzesfolter, schreibt er, hat in erster Linie nicht mit dem Verbrechen selbst zu tun, sondern dient der Abschreckung und soll dem Volk eine Lektion erteilen.
Jesus' Kindheit und die allgegenwärtige Bedrohung durch die römische Besatzung
Und schließlich möchte ich dir etwas zeigen. Vor drei Jahren habe ich bereits etwas zur Kindheit Jesu geschrieben. Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen seltsam und kommt komisch rüber. Ausnahmsweise lese ich mal aus meinem eigenen Buch vor. Du kannst dir das gern als E-Book und Hörbuch kostenlos auf meiner Website marcusforst.net herunterladen. Im E-Book findest du außerdem alle Quellenangaben und Fußnoten.
Ich lese jetzt etwas vor, weil Jesus in seiner Kindheit sehr wahrscheinlich die eine oder andere Kreuzigung miterlebt hat.
Pass mal auf: Die Realität ist, dass das kleine Nazareth auf einem Hügel liegt, direkt südöstlich gegenüber, etwa sieben Kilometer entfernt, von der wesentlich größeren Stadt Sephoris. Sephoris war eine Großstadt, die im Neuen Testament aus einer Reihe von Zufällen nicht namentlich erwähnt wird. Im Alten Testament kennst du sie unter dem Namen Kithron in Richter 1.
Sephoris war über Jahrzehnte der römische Verwaltungssitz im nördlichen Galiläa. Das änderte sich erst, als Sephoris im Bürgerkrieg auf eine solch unbeschreiblich brutale Weise zerstört wurde, wie wir es uns kaum vorstellen können. Dazu gleich noch mehr.
Bald danach ließ Herodes Antipas, Sohn des Tyrannen und berüchtigten Kinderschlächters von Bethlehem, Sephoris wieder aufbauen. Schritt für Schritt machte er daraus nicht nur eine Metropole und die größte Stadt in ganz Nordisrael, sondern sogar die neue Hauptstadt.
Bemerkenswerterweise geschah das nicht nur in einer Zeit, in der zehntausende Menschen aus der Region geflohen waren und es dort fast keine Männer mehr gab – geschweige denn Fachleute und Spezialisten. Es war gleichzeitig die Zeit, als Jesus' Familie mit ihm aus Ägypten nach Israel zurückkehrte und sich in Galiläa, ausgerechnet in der Taborregion und ausgerechnet in Nazareth, niederließ.
Flavius Josephus beschreibt, dass die Stadt praktisch niedergebrannt wurde. Noch schlimmer aber war, dass die weiblichen und minderjährigen Bewohner versklavt wurden. Über zweitausend Männer, die des Aufstandes verdächtigt wurden – das heißt im Klartext jeder Volljährige, der nicht bei drei auf dem Baum war – wurden gekreuzigt. Es war eine Hinrichtungsorgie voller Schreie, Blut und Feuer, die sich über Tage hinweg entlang der Landstraßen von Sephoris nach Nazareth zog.
Die Leichen der Gefolterten und zu Tode Gequälten hingen, nachdem sie endlich gestorben waren, noch wochenlang an den Kreuzen. Sie mussten verwesen und wurden schließlich von wilden Tieren gefressen.
Dieses zutiefst traumatische Ereignis muss sich unauslöschlich in das Bewusstsein der Bewohner Israels und darüber hinaus eingebrannt haben. Die meisten der späteren Apostel wuchsen zu dieser Zeit in dieser Region auf.
Die unvorstellbar brutale und allgegenwärtige Bedrohung durch die römische Besatzung macht verständlich, warum so viele Galiläer, Judäer und Bewohner Israels sich damals so sehr danach sehnten, von den Römern befreit zu werden. Genau das war ihre Erwartung an den Messias. Sie empfanden die römische Herrschaft als ihr größtes Problem.
Deshalb war die Enttäuschung vieler so groß, als Jesus nicht der erhoffte politische und militärische Revolutionär war. Das hilft auch zu verstehen, warum die Besatzungsmacht ihn so unerbittlich hinrichtete.
Sie ließen ihn im Jerusalemer Frühling bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt so schwer verletzt krepieren, dass selbst der Statthalter Pontius Pilatus überrascht war, wie schnell Jesus tot war.
Wie gesagt, das Buch kannst du dir gerne kostenlos auf der Website herunterladen. Dort erfährst du mehr darüber, warum es damals fast Minusgrade waren und was genau Pontius Pilatus sich dabei gedacht hat. Diese Hintergründe zur Passionsgeschichte findest du ebenfalls kostenlos über den Link in der Videobeschreibung.
Die Reaktion der Römer auf die Anhänger Jesu
Und wenn wenig später die Römer hören, dass es eine wachsende Gruppe von Menschen in ihrer Mitte gibt, die einem Mann nachfolgen, der durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurde – also die allerschlimmste Strafe für den allerschlimmsten Abschaum –, dann haben sich damals, als die ersten Christen aufkamen, sehr viele Römer gefragt:
Erstens, was hat dieser Mann, der durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurde, für ein abscheuliches Verbrechen begangen? Die Römer dachten teilweise: Beten die jetzt einen Kinderschänder an oder was?
Und zweitens, was für völlig heruntergekommene, widerwärtige Menschen müssen das sein, die jemandem nachfolgen, der durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurde? Denn was muss das erst für ein widerwärtiger Mensch sein, dem man so eine Strafe auferlegt?
Deshalb herrschten bei vielen Römern, als sie sich mit Christen auseinandersetzten, einfach nur Entsetzen, Abscheu und Widerwille.
Die Qualen und der Ablauf einer Kreuzigung
Warum ist eine Kreuzigung eigentlich so schrecklich?
Weißt du, manchmal wurden im alten Rom unter der römischen Schreckensherrschaft Leichen gekreuzigt – also Menschen, die vorher schon umgebracht worden waren. Das geschah zur Abschreckung, damit man die gekreuzigten Leichen sehen konnte und sich dachte: „Ach du Schande!“
Aber lebende Menschen durch Kreuzigung zu Tode zu foltern, das war eine ganz andere Sache. Das war eine völlig andere Größenordnung. Auf so eine Idee musst du erst einmal kommen.
Der römische Historiker Paulus Orosius schreibt dazu über jemanden, der einen Sklavenaufstand anzetteln wollte. Das zeigt, dass es eigentlich ein Angriff ins Herz des römischen Wertesystems war. Hanno, der Anführer dieses Sklavenaufstands, wurde gefasst.
Zunächst schlugen die Leute, die ihn gefangen genommen hatten, ihn immer wieder. Dann rissen sie ihm die Augen heraus und brachen seine Arme und Beine. Es war, als wollten sie sicherstellen, dass jedes einzelne seiner Gliedmaßen bestraft wurde.
Dann kam die öffentliche Hinrichtung: Sie nagelten seinen zerschnittenen und zerschlagenen Körper an ein Kreuz. Im Text wird angedeutet, dass er bis dahin eigentlich schon tot war.
Es gab verschiedene Formen und Herangehensweisen bei einer Kreuzigung, dazu gleich mehr. Aber eine Kreuzigung bestand immer aus vier wesentlichen Elementen. Wenn eines davon fehlte, war es keine Kreuzigung.
Das erste Element war Holz. Selten war das ein Pfahl oder auch ein Schiffsmast. Manchmal wurden Menschen sogar an einem Schiffsmast durch Kreuzigung zu Tode gefoltert. Es gab auch Vorrichtungen, meist in T-Form.
Die Zeugen Jehovas behaupten manchmal etwas anderes, aber wir wissen das aus Abbildungen aus der Zeit. Auch der Kaiserberater Seneca beschreibt es so, und bei Plautus finden wir ähnliche Hinweise. Dort heißt es nämlich: „Deine Arme werden sich auf einem Kreuz ausstrecken müssen, das du tragen wirst.“
Herr Tullian schreibt oft von einem Querbalken. Manchmal wurde das improvisiert. Ganz häufig wurden Menschen an Bäumen durch Kreuzigung zu Tode gefoltert – eine Art Lynchjustiz, dazu gleich noch mehr.
An diesem Holz wurden sie dann festgeheftet, manchmal mit Seilen, häufiger mit Nägeln – wie bei Jesus, dazu später noch mehr.
Das zweite wesentliche Element war, dass es eine Hinrichtung war. Das heißt, der Mensch sollte daran sterben. Das wirft die Frage auf: Warum stirbt man eigentlich, wenn man mit Seilen oder Nägeln an einem Baum festgebunden wird? Was bringt einen eigentlich um? Blutverlust ist es nicht, dazu gleich mehr.
Drittens sollte es ein langsamer, qualvoller, elendiger, entsetzlicher und öffentlicher Tod sein. Es geht darum, jemanden vor möglichst vielen Augen zu Tode zu quälen.
Augustin schreibt dazu: Die Gekreuzigten werden an ein Holzkreuz über dem Boden festgeheftet und dort mit Händen und Füßen angenagelt. Das bedeutet einen sich immer weiter herauszögernden Tod.
Tatsächlich werden Menschen nicht durch Kreuzigung zu Tode gefoltert, nur weil man sie töten will, sondern je nach Position. Ich füge hinzu: Augustin schreibt, dass Menschen noch eine ganze Weile am Kreuz überleben. Aber keineswegs, weil sie das wollen, sondern weil die Henker ihren Tod hinauszögern, um die Qualen zu verschlimmern.
Das vierte und letzte Element war, dass das Ganze hochgehoben und sichtbar sein musste. Das belegt Quintilian. Meist gab es ein Schild oben drüber, das das Vergehen deutlich machte – für maximale Abschreckung.
Denn ganz ehrlich: Sonst wäre es doch sinnlos. Man will Leute abschrecken. Wenn man aber nicht weiß, wer da gefoltert wird und vor allem wofür, wie soll das funktionieren?
Das Schild oben war also tatsächlich wichtig.
Die Vorbereitung der Kreuzigung: Mastigun und Geißelung
Bevor jemand öffentlich durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurde, gab es häufig eine vorherige Strafe, die man Mastigun nennt, auch Mastigoo genannt. Was bedeutet das?
In manchen Bibelübersetzungen steht vielleicht das Wort Geißelung, obwohl das etwas missverständlich sein kann. Denn eigentlich müsste man je nach Kontext differenziert übersetzen. In schlechten Bibelübersetzungen steht manchmal auch Auspeitschen. Das trifft aber nicht genau, was gemeint ist. Wir erklären das genauer.
Man kann sich vorstellen, dass es ein sogenanntes Flagrum gab. Ein Flagrum ist wie ein Holzstock, etwa eine Elle lang. An diesem Holzstock waren Lederstriemen befestigt. In diese Lederstriemen waren sieben oder neun Striemen eingeflochten, manchmal mehr oder weniger. Darin waren kleine Steine, Knochensplitter, Nägel oder Glassplitter festgeknotet.
Vielleicht fragst du dich jetzt, in welche Richtung das geht. Eine Untersuchung im Journal of the American Medical Association beschreibt sehr genau, was passiert, wenn jemand mit einem Flagrum geschlagen wird. Ich zitiere daraus:
Als die römischen Soldaten wiederholt mit voller Wucht den Rücken des Opfers schlugen, verursachten die Kugeln in den Striemen tiefe Verletzungen. Die ledernen Striemen und die eingeflochtenen Schafknochen schnitten in das Fleisch und in das subkutane Gewebe, also das Gewebe unter dem Fettgewebe.
Während das Mastigun weiterging, rissen diese Wunden immer tiefer ein, bis hinunter zu den Skelettknochen. Am Ende blieben nur noch Fetzen von blutendem Fleisch übrig.
Ein anderer antiker Augenzeugenbericht beschreibt, dass man die Muskeln, Sehnen und sogar die Eingeweide des Opfers sehen konnte, wenn das Opfer vorne mastigunt wurde, was ebenfalls vorkam.
Ein weiterer Mediziner beschreibt die Wirkung so, dass der Rücken regelrecht zerschreddert wurde und man die Wirbelsäule sehen konnte. Die Wirbelsäule.
Die Kreuzigung Jesu im historischen Kontext
Und wie war das bei Jesus? Normalerweise, wenn eine Geißelung, Mastigun genannt, durchgeführt wurde, waren Lektoren anwesend. Was sind Lektoren? Das ist etwas schwer zu erklären. Sie waren so etwas wie Adjutanten des damaligen Statthalters. Ihre Aufgabe war es, darauf zu achten, dass alles mit rechten Dingen zuging.
Es gibt jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass in der Provinz Judäa im Jahr 30, geschweige denn bei Pilatus, Lektoren anwesend waren. Pilatus achtete zwar sehr auf Gesetze, aber in Jerusalem waren Lektoren damals überhaupt nicht präsent. Warum Pilatus überhaupt in Jerusalem war, wird in der biblischen Nacherzählung zur Passionsgeschichte erklärt. Das war ohnehin eine komplizierte Angelegenheit. Wer möchte, kann sich die Details über den Link in der Wiederbeschreibung anschauen.
Jedenfalls waren bei Jesus sehr wahrscheinlich keine Lektoren anwesend. Die Geißelung wurde wahrscheinlich von einfachen, frustrierten Fußsoldaten durchgeführt. Diese hatten die Nase voll von den ständigen Aufständen in Judäa, das ohnehin als der letzte Dreck galt. Sie waren so genervt, dass ihnen die gesetzliche Grenze von 39 Schlägen, die theoretisch vom jüdischen Rat vorgeschrieben war, höchstwahrscheinlich völlig egal war.
Das Motto damals lautete: Solange der Typ nicht gleich stirbt, was soll's? Das ist ein großer Unterschied zu beispielsweise Apostelgeschichte 5, wo Petrus und mindestens ein weiterer Apostel gepeitscht werden. Diese Peitschung bestand wahrscheinlich nur aus Schlägen mit Ruten – in Anführungsstrichen – und war definitiv nicht tödlich. Sie sollte auch gar nicht tödlich sein und erfolgte unter jüdischer Autorität. Dabei wurden die neununddreißig Schläge eingehalten, wie Paulus später schreibt.
Bei Jesus war das etwas völlig anderes. Eine Prophezeiung dazu findet sich übrigens im Psalm 129, wo es heißt: „Meinen Rücken haben sie aufgerissen wie ein Feld, in das man tiefe Furchen pflügt.“ Dazu muss man wohl nichts mehr sagen, oder?
Der Weg zur Kreuzigung und das Tragen des Kreuzes
Danach wurden die Opfer durch die Straßen gezogen, wo sie ihr eigenes Kreuz tragen mussten, häufig nur den Querbalken, das sogenannte Partibulum. Wozu?
Die Antwort findet sich beim antiken Schreiber Chariton, der übrigens zu Jesus' Lebzeiten Folgendes schreibt: Die Henker führten die Männer aus der Stadt heraus, zusammengebunden durch Ketten.
Hast du dich nie gefragt, warum die anderen Verbrecher, die zusammen mit Jesus gekreuzigt wurden, nicht versucht haben zu fliehen? Ich persönlich würde ja sofort fliehen, selbst wenn ich dabei getötet würde. Das wäre tausendmal besser als gekreuzigt zu werden.
Aber erstens ist es sehr wahrscheinlich, dass sie vorher selbst eine Geißelung durchlaufen mussten. Deshalb war es völlig utopisch, irgendwohin zu rennen. Es ging gar nicht. Du kannst froh sein, wenn du das Ganze überlebst, denn manche Menschen wurden zu Tode gegeißelt.
Zweitens, selbst wenn du noch laufen konntest und vielleicht keine Geißelung erlebt hast, war das Fliehen unmöglich, weil du festgekettet warst. Deswegen konnten sie nicht fliehen. Das habe ich mich immer gefragt, wenn ich die Bibel gelesen habe.
Jedenfalls schreibt Chariton weiter: Zusammengebunden durch Ketten an Fuß und Nacken, trug jeder sein eigenes Kreuz – gemeint ist das Partibulum, der sogenannte Querbalken. Die Henker fügten dieses grausame öffentliche Spektakel zur eigentlichen Strafe der Todesfolter durch Kreuzigung hinzu. Das sollte für alle Beobachter eine Warnung sein, die auch nur überlegen, ein ähnliches Verbrechen zu begehen.
Ich wollte mal wissen, wie das ist, und habe zumindest das Tragen des Querbalkens mit dem Partibulum ausprobiert. Je nach Quelle wiegt dieser zwischen 40 und 60 Kilogramm. Ich bin ins Fitnessstudio gegangen und habe eine 60-Kilo-Langhantel auf die Schultern gelegt. Jesus musste damals ungefähr 800 Meter laufen, bergab und bergauf, und dabei das Partibulum auf seinen Schultern tragen.
Ich habe das mal ausprobiert: Zwei- bis dreihundert Meter ging schon, aber das hat mich, obwohl ich glaube, ganz gut gebaut zu sein, an den Rand meiner Kräfte gebracht. Und dann noch bergab und bergauf, vielleicht auch noch festgekettet und Ähnliches – und das ohne vorherige Geißelung und ohne die emotionale Last dessen, was danach kommt.
Es ist also absolut verständlich, dass Jesus das nicht geschafft hat und dass Simon von Kyrene für ihn das Tragen übernehmen musste. Das ist völlig klar.
Mehr dazu findest du im Bericht über die letzten Stunden von Jesus' Leben. Klick dafür einfach auf den Link in der Videobeschreibung.
Das Ausziehen und Festnageln an das Kreuz
Und dann wurde das Opfer nackt gemacht, es wurde vollständig ausgezogen. Viele Muslime – darunter auch viele ehemalige Muslime in dieser Community – berichten, dass es für sie, als sie noch keine Christen waren, völlig unvorstellbar war, dass Jesus der Messias sein sollte. Unter anderem lag das daran, dass er nackt gestorben sein soll.
Manche Muslime leben in gesellschaftlichen Zusammenhängen, in denen Begriffe wie Ehre oder Schamgefühl eine große Bedeutung haben. Und welche größere Scham kann es geben, als gegen den eigenen Willen nackt öffentlich irgendwo aufgehängt zu werden? Darüber muss man eigentlich nicht viel sagen.
Anschließend wurde das Opfer festgenagelt – manchmal auch mit Seilen, wobei hauptsächlich Nägel verwendet wurden. Plinius schreibt in einem anderen Zusammenhang, man solle einen Nagel von einem Kreuz nehmen. Ein Stück Seil, das bei einer Kreuzigung benutzt wurde, sei ebenfalls von Bedeutung. Dies ist eine von mehreren Quellen, die solche Praktiken beschreiben.
Auch bei Lucanus und Apuleius gibt es ähnliche Berichte. Dort wird von Leichen nach einer Kreuzigung gesprochen, bei denen in den verschrumpelten Handgelenken noch Nägel stecken. Außerdem ist von zusätzlichen Knoten in den Seilen die Rede und vom verrotteten Fleisch, das noch an den Nägeln hängt.
Häufig wurden die Leichen nicht abgenommen und beerdigt, denn die Kreuzigung sollte die ultimative Abschreckung darstellen. Deshalb ließ man die Leichen einfach an den Bäumen hängen, bis sie vollständig verfault waren oder nachts von wilden Tieren gefressen wurden. Das war der Normalfall in diesem Ausnahmefall.
Anatomische Details der Kreuzigung
Woran wurde jemand festgenagelt? Manchmal gab es tatsächlich Vorrichtungen dafür. Das ist möglich. Aber wir müssen bedenken, dass Holz in der Umgebung Jerusalems zur Zeit Jesu eine absolute Mangelware war. Deshalb ist es zwar denkbar, dass es spezielle Vorrichtungen gab, um Menschen zu kreuzigen, aber das ist nicht unbedingt wahrscheinlich.
Wahrscheinlicher ist, dass die Kreuzigungen an Bäumen stattfanden, die ohnehin dort wuchsen. Dabei handelte es sich sehr wahrscheinlich um Bäume, bei denen Äste aufgrund des Holzmangels bereits abgeholzt worden waren. Für mein letztes Buch haben die Illustratoren ein Bild erstellt, das diese Situation realistisch und historisch darstellt. So ungefähr sah das aus.
Das Opfer wurde dann festgenagelt – durch die Handgelenke, durch die Füße, häufig durch die Hacken, also die Fersen, und manchmal auch seitlich am Körper oder an den Genitalien. Denkst du jetzt wirklich daran? Ja, tatsächlich wurden Menschen auch durch den Penis oder die Hoden zusätzlich festgenagelt. Historische Quellen dazu findest du hier eingeblendet.
Diese Nägel gingen nicht durch die Hände, sondern durch die Handgelenke. Im Griechischen wird nämlich ein Wort verwendet, das das ganze Körperteil meint. Es unterscheidet nicht zwischen der Hand und dem Unterarm, sondern bezieht sich auf den gesamten Bereich.
Warum nicht durch die Hände? Anatomisch ist das gar nicht möglich. Das lässt sich physikalisch ganz einfach zeigen. Im 19. Jahrhundert wurden sogar Tests an Leichen durchgeführt. Dabei prüfte man, ob ein verstorbener Mensch das Gewicht aushalten könnte, wenn ein Nagel durch die Hände getrieben wird. Das funktioniert nicht. Die Hautfetzen und Sehnen können das Körpergewicht nicht tragen, sie reißen einfach. Das ist logisch und daher nicht möglich.
Die Todesursache bei der Kreuzigung
Und jetzt kommt eigentlich der vielleicht schlimmste Punkt in dem ganzen Video. Jeder würde dabei eigentlich auf der Stelle vor Schmerz ohnmächtig werden. Aber das geht nicht – wegen des Mediannervs. Was das ist und warum das so wichtig ist, dazu gleich.
Mit dem heutigen anatomischen Wissen ist das für uns sonnenklar. Aber damals wussten die Menschen nicht so richtig, warum das so ist. Sie haben es zwar beobachtet, aber nicht verstanden, warum Leute einfach nicht ohnmächtig werden.
Finde zum Beispiel folgendes Zitat in den Quellen: Wann immer das Opfer versucht, seinen völlig ermatteten Körper zu entspannen, konnte es nur auf Wunden ruhen. Man nutzte ein Folterinstrument – gemeint sind die viereckigen Nägel – um das Opfer bei Bewusstsein zu halten.
Das bringt uns zu der entscheidenden Frage: Was ist eigentlich die Todesursache bei einer Kreuzigung? Ich gebe dir einen Tipp: Es ist nicht der Blutverlust. Die Idee war ja, den Tod hinauszuzögern.
Wenn dir ein Nagel durch den Arm geschlagen wird oder Ähnliches, und die Hauptadern dabei unberührt bleiben – was hier genau der Fall ist –, gibt es keinen signifikanten Blutverlust. Im schlimmsten Fall sind es vielleicht 100, 200 oder 300 Milliliter Blutverlust, wenn das Opfer noch stark nach oben gezogen wird. Aber die Folterknechte wussten genau, wie sie die Nägel anbringen mussten, sodass kein ernsthafter Blutverlust entsteht.
Wenn du einmal Blut spenden gehst, verlierst du doppelt so viel Blut. Das ist also nicht das Problem. Die Idee war ja, den Tod hinauszuzögern. Wenn die Wunde so stark bluten würde, dass man verbluten könnte, würdest du ohnmächtig werden – und das wäre das Ende. Aber das ist es nicht.
Woran ist man dann gestorben? Der Hinweis kommt daher, dass im Neuen Testament erwähnt wird, dass den Terroristen, die mit Jesus zusammen gekreuzigt wurden, die Beine gebrochen wurden. Schauen wir uns das einfach mal an.
Im Internet gibt es manchmal einzelne Verschwörungstheoretiker, die behaupten wollen, Jesus sei angeblich gar nicht gestorben. Dazu möchte ich dir gerne eine Passage aus meinem letzten Buch vorlesen. Jemand, der so etwas behauptet – also dass Jesus durch seine Kreuzigung nicht gestorben wäre – hat meiner Meinung nach eine sehr naive, schön geredete und jugendfreie Vorstellung davon, wie eine Kreuzigung durch römische Sturmtruppen tatsächlich ablief.
Ich gebe dir einen Hinweis: Die Todesursache ist positionelle Asphyxie. Positionelle Asphyxie bedeutet, dass du dich bei einer Kreuzigung körperlich in einer solchen Position befindest, dass du nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr genug frischen Sauerstoff bekommst. Das passiert nicht nur über Minuten, sondern über Stunden hinweg, immer wieder erstickst du.
Wenn dir das bekannt vorkommt, dann deshalb, weil das dieselbe Todesursache ist wie die von George Floyd am 25. Mai 2020. Ein paar Augenblicke in einer solchen Position wie George Floyd zu liegen, ist definitiv kein Vergnügen, aber noch keine Todesursache.
Sind es aber nicht nur ein paar Augenblicke, sondern mehrere Minuten, hast du keine Chance. Du stirbst als Erwachsener einen überaus qualvollen Tod, durchdrungen von nicht enden wollenden Panikattacken.
Leider sterben jedes Jahr Dutzende Menschen an positioneller Asphyxie, beispielsweise Epileptiker oder Betrunkene, die in einer ungünstigen Position liegen oder sitzen, oder die stürzen und sich danach aus eigener Kraft nicht mehr wenden können.
Ähnliches gibt es leider auch beim SIDS, dem sogenannten plötzlichen Kindstod. Wenn Eltern in besten Absichten ihren Säugling, der sich aus eigener Kraft noch nicht wenden kann, zum Schlafen hinlegen oder in einem Autositz anschnallen, kann eine Position entstehen, die über Stunden die inneren Atemwege subtil blockiert. Säuglinge verlieren deutlich schneller das Bewusstsein und schreien deshalb vor ihrem Tod häufig nicht um Hilfe.
Was hat das mit Jesus’ Folter und Hinrichtung zu tun? Siehst du, ganz anschaulich: Damit du als Mensch, der vor Schmerzen halb wahnsinnig an einem Kreuz festgenagelt ist, dessen Sauerstoffaufnahmefähigkeit nach der ersten Stunde um etwa siebzig Prozent vermindert ist – das ist, als ob du mehrere Treppenstufen hochlaufen müsstest.
Stell dir vor, du müsstest eine Haustreppe hochlaufen und könntest nur auf jeder Etage einmal Luft holen. Stell dir vor, du müsstest Kniebeugen bis zur völligen Erschöpfung machen und könntest nur bei jedem dritten Atemzug überhaupt Luft bekommen, damit du in der Körperposition nach einer Stunde überhaupt noch atmen, also weiterleben kannst.
Du hast überhaupt keine andere Wahl, als dich für jeden tieferen Atemzug meist reflexartig und freiwillig – das ist ja das Schlimmste daran – unter unvorstellbaren Schmerzen an den viereckigen Nägeln hochzuziehen, die direkt in deine äußeren Unterarme geschlagen wurden.
Durch dein eigenes Körpergewicht fühlt es sich an, als würdest du von drei Streitwagen jede Sekunde auseinandergerissen werden. Aber du zerreißt einfach nicht, weil deine Handgelenksknochen unfreiwillig die Nägel davon abhalten, dir die Hand zu zerreißen.
Dabei kratzt du dir von innen deine Armknochen – Elle und Speiche – so wund, dass sie sogar glatt werden. Und mehr noch: Du zerreißt deinen Mediannerv, was sich anfühlt, als würdest du deinen kompletten Arm bis zum Nacken völlig zerquetschen und in kochende Lava tauchen.
Das kannst du nur so lange machen, wie du Kraft hast – in deinem Brachioideanismuskel im Vorderarm, in deinem Bizeps im Oberarm und vor allem im Latissimusmuskel in deinem Rücken, der dir im Fall von Jesus vorher zerschlagen und zerrissen wurde. Also nicht sehr lange.
Je nach Position kugelt dir nach etwa ein bis drei Stunden deine erste Schulter aus. Damit bist du gezwungen, dich bei jedem Atemzug unfreiwillig, als Reflex, ohne es kontrollieren zu können, mit deinem gesamten Körpergewicht an den viereckigen Nägeln hochzudrücken, die durch deine Füße geschlagen wurden.
Dafür hatten die römischen Sturmtruppen zwei historisch belegte Methoden: Entweder schlugen sie die viereckigen Nägel zwischen den Mittelfußknochen durch, so wie auf vielen Kruzifixen sehr verharmlosend dargestellt. Dabei wurden die Nägel wegen deines eigenen Körpergewichts durch deine Füße nach oben gerissen und zerrissen gleichzeitig den inneren Fußrückennerv – Schmerz wie bei einem Nervenriss – bis sie sich an den Keilbeinen in deiner Fußknochenstruktur verhakten.
Oder aber – archäologisch belegt bei einem Schwerstverbrecher, der praktisch zeitgleich mit Jesus in Jerusalem von römischen Folterknechten gekreuzigt wurde – schlugen sie die viereckigen Nägel gleich durch jede Ferse in die Seite des Baumes oder Kreuzstammes.
Was will ich dir damit sagen? Bis zu deiner allerletzten Lebenssekunde kämpfst du als gekreuzigter Mensch nackt unter an den Rand der Besinnungslosigkeit treibenden Schmerzen und unter nicht enden wollenden Panikattacken bei einem Puls von über 140 um jeden einzelnen Milliliter Sauerstoff.
Während du dich unter krampfartigen Zuckungen zu einem Tod hinwimmerst, der einfach nicht kommen will, kannst du dich gar nicht sinnvoll dagegen wehren, dass sich dein eigener Körper reflexartig mehrmals pro Minute an deinen offenen Wunden hochstemmt.
Bis er nach schmerzerfüllten Tagen vollständiger Entkräftung, Dehydration und Unterkühlung kein einziges Gramm Kraft mehr hat und du endgültig erstickst.
Du siehst also Infektionen außen vor. Für die Todesursache sind die Nägel praktisch unerheblich, denn diesen Effekt des qualvollen Erstickens über Tage kannst du genauso gut herbeiführen, indem du jemanden nur an einer solchen Position festbindest.
Aber warum auf die Nägel verzichten? Wenn du damit den Schmerz verhundertfachen und die maximale Abschreckung für alle erreichen kannst, die die Hauptstraße passieren müssen.
Die Realität der Kreuzigung und ihre Nachwirkungen
In Jesusfilmen wird eine Kreuzigung meistens mit einer zwar qualvollen, aber im Wesentlichen fixen Körperposition dargestellt. Das entspricht jedoch nicht der Realität. In dem Moment, in dem du gekreuzigt bist, kannst du dich aufgrund der unvorstellbaren Schmerzen nicht anders verhalten, als dich permanent zu winden und signifikant hoch und runter zu bewegen.
Woher weiß ein Beobachter also, selbst aus tausend Metern Entfernung und ohne auch nur einen Laut deiner Qualen hören zu können, dass du noch am Leben bist? Du windest dich reflexartig nach oben und unten, um verzweifelt nach Luft zu schnappen. Woran erkennt man, dass du tot bist? Du bewegst dich seit mehreren Minuten nicht mehr. Kein Winden, kein Hochschieben, kein Atmen, kein Leben.
Aus diesem Grund brachen römische Folterknechte, wenn es schneller gehen musste, den Gekreuzigten die Beine. So hatten diese trotz ihrer Schmerzen keine Chance mehr, sich nach oben zu winden und erstickten innerhalb weniger Minuten endgültig. Das heißt: Wenn jemand behauptet, man könne bei einer Kreuzigung nicht absolut eindeutig unterscheiden, vor allem aus nächster Nähe, ob jemand, der nackt vor einem hängt, noch lebt oder schon tot ist, dann weiß diese Person einfach nicht, wovon sie spricht.
Ganz selten ist bei Tertullian noch die Rede von einer Art Sitz oder Ähnlichem, falls das Opfer länger am Leben gehalten werden sollte. Das Ziel war, dass es nicht durch Ersticken, sondern durch Verdursten starb. Davon spricht an anderer Stelle auch Eusebius. Meistens jedoch ist die Todesursache die Asphyxie, also das Ersticken.
Traurigerweise – ich nehme dieses Video hier in Jena auf, nicht weit entfernt vom Konzentrationslager in Weimar – gab es diese Art des Hinrichtens auch bei den Nazis in Deutschland. Man nennt es „Baumhängen“. Dabei wurden die Hände hinten festgehalten und mit zusammengebundenen Händen an einem Seil nach oben gezogen. Dadurch konnten die Schultern auskugeln, und in dieser Position war Atmen unmöglich. Die Menschen erstickten nach ein bis zwei Stunden, manchmal auch etwas länger. Das ist die Realität.
Das heißt, wovon wir hier bei einer Kreuzigung sprechen, ist organisierte Lynchjustiz. Und wenn man sich das nur vorstellt – die Geräusche, die Menschen, die nebenbei standen und das alles hörten, die Schreie der Opfer, der Gestank, die vergammelten Fleischstücke von vorherigen Opfern, die an Bäumen hingen, der Leichengestank, die Körperflüssigkeiten, die aus den Opfern oder Leichen austraten – glaube ich, dass wir uns an dieser Stelle besser zurückhalten sollten.
Die Ausrüstung und Kosten einer Kreuzigung
Welche Ausrüstung benötigte man in der Antike, um jemanden durch Kreuzigung zu Tode zu foltern?
Man brauchte Quadratnägel. In einer anderen Quelle wird außerdem von Teer, Wachs, Kerzen und weiteren Materialien gesprochen. Vielleicht fragst du dich, wofür Wachs und Kerzen gebraucht wurden. Manche spekulieren, dass das Opfer nach dem Tod verbrannt werden sollte. Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich, denn die Absicht war ja gerade, eine maximale Abschreckung zu erzielen. Deshalb sollte die Leiche an dem Kreuz hängen bleiben, bis sie verwest war, herunterfiel oder von wilden Tieren gefressen wurde.
Wahrscheinlicher ist, dass Wachs und Kerzen dazu dienten, damit die Soldaten sich nachts warmhalten konnten, während das Opfer zu Tode erstickte.
Außerdem brauchte man die Manpower, also Leute, die diese Arbeit ausführten. Ob sie das freiwillig taten, ist fraglich. Es war vermutlich Sklavenarbeit oder Soldaten, die keine andere Wahl hatten und dafür abkommandiert wurden. Man brauchte einfach Menschen, die das durchführten.
Interessanterweise gibt es dazu einen sehr genauen Bericht. Dort heißt es, dass die Person, die das Henkerteam bezahlt, für jeden Arbeiter vier Sesterzen zahlen muss. So werden die Arbeiter bezeichnet, die alles aufbauen, die Geißelung vornehmen und die Hinrichtung ausführen.
Nun stellt sich die Frage: Wie viel sind vier Sesterzen? Wenn man das umrechnet, entspricht das im damaligen Kontext einem sehr schlechten Lohn. Für einen ungelernten Arbeiter in der Provinz war das ein miserabler Tageslohn.
Das Problem ist, dass eine Kreuzigung bis zu zwei oder drei Tage dauern konnte. Je nachdem, ob das Opfer nach einem Tag erstickte oder erst nach längerer Zeit verdurstete oder auf andere Weise starb. Das bedeutet, man bekam einen schlechten Lohn für mehrere Tage Arbeit.
Dadurch wird deutlich, wie schlecht bezahlt diese Arbeit war. Man kann sich auch vorstellen, was für Menschen diese Arbeit ausführten.
Wie viel wären vier Sesterzen heute wert? Das hängt von der Inflation ab. Es gibt verschiedene Berechnungen, doch ungefähr entspricht es heute einem Betrag von etwa 35 Euro.
Man kann also mit Recht vermuten, dass die Kreuzigung Jesu etwa so viel kostete – so viel wie ein billiger Eimer Farbe. Das kostbarste Leben der Weltgeschichte wurde also für etwa 35 Euro „verbraucht“.
Ich, Markus Voss, habe mein Leben und das von Jesus oft schon für viel weniger weggeworfen, wenn ich an meine Sünden denke.
Umgang mit den Leichen der Gekreuzigten und abschließende Gedanken
Und apropos Wegwerfen: Flavius Josephus schreibt dazu, Zitat: „So widerwärtig waren den Römern Menschen, die durch Kreuzigung zu Tode gefoltert worden waren, dass sie die Leichen einfach hinauswarfen.“
Was heißt hinauswerfen? Das bedeutet, die Leichen wurden auf die städtische Müllhalde geworfen. Entweder wurden die Leichen dort verfaulen gelassen, wie in den Straßen von Sephoris, oder, wenn es in Stadtnähe war, wurden sie auf den Biomüll geworfen. Dort sind sie zu Ende verrottet, in der städtischen Biomüllhalde, oder wurden von wilden Tieren gefressen.
Und weil wir zum Abschluss bei Tieren sind: Vor drei Wochen gab es hier auf Instagram eine Lehrerin – viele Religionslehrer und Jugendleiter sehen ja auch diese Videos –, die ihren Schülern mit Material, das sie hier empfohlen hat, die Ostergeschichte erzählt hat. Ihre Schüler hatten nämlich die Vorstellung, dass der Osterhase an Ostern gekreuzigt wurde.
Als ich das gehört habe, dachte ich: „Oh nein!“ und ich zog mich innerlich richtig zusammen. Diese barbarische Vorstellung – der arme Osterhase! Dann habe ich mir selbst an den Kopf gefasst und gedacht: „Moment mal, der Osterhase ist ein fiktives Märchenwesen, Jesus aber war echt.“ Da wurde mir klar, dass ich viel schockierter war, als ich mir selbst eingestand, nämlich von der Vorstellung, dass ein nicht existenter, fiktiver Osterhase gekreuzigt wird – und nicht von der Tatsache, dass der echte, lebendige Jesus gekreuzigt wurde.
Der arme Osterhase, aber Jesus – ja.
Um dem Fass die Krone aufzusetzen: Das ist jetzt nicht lustig, aber im echten Leben haben die Römer sogar Hunde gekreuzigt. In einer römischen Dokumentation heißt es dazu, Zitat: „Jedes Jahr wurden Haustierhunde bei lebendigem Leib gekreuzigt. Sie wurden durch die Stadt paradiert, also in einer Parade zwischen dem Tempel der Juventas und dem Tempel des Sumanus getragen.“
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber das ist unvorstellbar grausam. Bei Menschen dagegen habe ich mich irgendwie an die Vorstellung gewöhnt.
Es wird immer ultraskeptische Hyperkritiker geben, die bei dieser oder jener Fußnote fragen, ob das alles zu hundert Prozent genau so gewesen ist. Das ist aber gar nicht der Punkt. Selbst wenn – sei es drum – selbst wenn die Hälfte all der Quellen unzutreffend wäre, ändert das nichts am großen Ganzen.
Und das große Ganze beschreibt Seneca so: Er sagt, es sei unvorstellbar, dass ein Mensch es bevorzugen würde, in Schmerzen an einem Kreuz zu sterben, anstatt schnell zu sterben. Wer würde freiwillig wählen, an diesem verfluchten Baum befestigt zu werden, nachdem er so geschlagen wurde, dass er tödlich schwach war, entstellt, mit angeschwollenen Striemen an Schultern und Brust, während er darum kämpft, jeden letzten qualvollen Atemzug zu nehmen?
Jeder, der einem solchen Schicksal entgegensieht, schreibt Seneca, würde auf der Stelle sterben wollen, anstatt ein Kreuz zu besteigen.
Seneca stellt die Frage: Wer würde das jemals freiwillig machen? Jesus.
Jesus hat das freiwillig gemacht.
Wir haben diese Bibelstelle schon einmal besprochen: In Jesaja 49 heißt es, dass Gott deinen Namen in seine Handflächen geschrieben hat – unauslöschlich. Ich denke, das ist ein Hinweis auf die Nägelmale, die Jesus selbst nach seiner Auferstehung getragen hat – für dich.
Und das ändert alles, weil das dich ändert.
Ganz schön heftig, oder?
Falls dich das gerade ähnlich umtreibt, kannst du dir gern den Versöhnungsleitfaden mitnehmen. Dort findest du konkrete Schritte, wie du Christ werden und dich mit Gott versöhnen kannst. Denn das hat Jesus für dich getan.
Den Link dazu findest du auch in der Videobeschreibung.
Lass mich dir noch einmal nahelegen, die letzten Stunden von Jesus’ irdischem Leben mit ihm mitzuerleben. So kannst du in die Umstände, die Person, ihre Gedanken, Entscheidungen und Hintergründe direkt eintauchen, als wärst du live dabei.
Um das zu tun, nimm dir gern den Einblick in die Passionsgeschichte mit. Dort kannst du das live miterleben und viel mehr erfahren, als du es hier in einer oberflächlichen deutschen Übersetzung siehst.
Dank der Hilfe der Spender-Community hier kann ich das Hunderten Menschen kostenlos zur Verfügung stellen. Vielen, vielen Dank euch!
Nimm es dir gern kostenfrei mit – klicke einfach auf den Link in der Videobeschreibung. Es ist mein Geschenk an dich.
