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EIgenwilligkeit (2/4)

Predigt
Matthäus 4,2315.07.2026
SerieTeil 1 / 1EIgenwilligkeit
Warum tust du Gottes Willen nur halb? Oft steckt nicht Trotz dahinter, sondern Angst vor Menschen, der Wunsch nach Anerkennung oder der Drang, alles selbst zu kontrollieren.
Eigenwilligkeit
Wenn mein Wille sich dem Wort Gottes entzieht.
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch – dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und während ich auf der Sommerbibelschule bin, bekommt ihr eine frische Predigt.
Schauen wir uns einen zweiten Punkt an. Der zweite Punkt heißt: Eigenwilligkeit lebt von Selbstrechtfertigung und Menschenfurcht.

Wenn Angst vor Menschen den Ton angibt

Bleiben wir bei Saul, denn die Geschichte wird, wenn wir sie lesen, noch ein bisschen ehrlicher. Als Samuel den Saul direkt konfrontiert, geschieht etwas sehr Menschliches. Das Erste, was Saul tut, ist, dass er sich rechtfertigt. Er sagt: Ich habe das Wort des Herrn erfüllt.
Und als diese Selbstrechtfertigung nicht mehr trägt, sucht er sich einen Schuldigen und sagt: Das Volk ist schuld. Das Volk hat das Beste verschont, nicht ich, die anderen.
Und dann, ganz am Ende unseres Textes, fällt der Satz, der alles offenlegt. Da sagt Saul plötzlich: Ich fürchtete das Volk und hörte auf seine Stimme. Und dann merken wir: Das ist der eigentliche Motor. Ich fürchtete das Volk und hörte auf seine Stimme.
Wenn man sich die Logik hinter dem Text anschaut, so ein bisschen Schritt für Schritt, dann fängt alles mit der Frage an: Was werden die Leute sagen? Diese Angst vor Menschen, ich fürchtete das Volk, was werden die Leute sagen, wenn ich jetzt das und das so tue, wie ich es tue?
Also, ich habe mir mal überlegt, was das für Schwaben bedeuten würde. Stellt euch mal vor, ihr würdet sagen: Weil wir Christen sind, arbeiten wir nur vier Tage, bauen kein Haus. Also, es gäbe so Dinge, wo man dann sagen würde: Was werden die Leute sagen?
Da gibt es Dinge, die kommen von außen. Also zuerst die Angst vor Menschen, zweitens das Bedürfnis nach Anerkennung. Ich möchte nicht als Versager dastehen, ich möchte nicht als Außenseiter wahrgenommen werden, ich möchte nicht, dass man mich für den schrägen Vogel hält, ich möchte nicht der Narr um Christi willen sein.
Und aus der Angst, aus dem Bedürfnis nach Anerkennung, kommt dann die Anpassung. Ich mache das, was man halt macht, was man von mir erwartet, was die Menge will. Und erst am Schluss, wenn das alles in Gottes Augen nicht aufgeht, kommt dann nachträglich die religiöse Rechtfertigung, so nach dem Motto: Okay, wir haben nicht gemacht, was Gott gesagt hat. Ich habe mich vor dem Volk gefürchtet, ich wollte nicht als der Versager dastehen, ich mache das, was das Volk will, und jetzt brauche ich noch eine gute religiöse Erklärung. Also machen wir halt aus unserem Ungehorsam ein Opfer. Und damit ist die Sache irgendwie, das klingt gut, und dann passt es.
Ich hoffe, ihr versteht, was ich sagen möchte.

Die leise Form des Widerstands

Eigenwilligkeit ist nicht immer dieser laute, aufrechte Stolz, der sagt: Ich mache das nicht, ich will das nicht, ich mache das bewusst anders. Diese Form gibt es auch, das will ich schon sagen, und sie ist sehr gefährlich.
Wenn du dich hier mit erhobener Hand hinstellst und sagst: Gott, ich will nicht tun, was du sagst, dann kann ich dir nur sagen: Das ist eine Haltung, die am Rand von echtem Unglauben entlangschrammt. Wenn du das jemals in deinem Leben spüren solltest, dann tue schleunigst Buße. Wirklich, das ist extrem gefährlich. Es ist nur nicht die Norm.
Die Norm ist anders. Manchmal ist diese Norm schwach. Versteht ihr? Eigenwilligkeit kann ganz schwach daherkommen, weil sie eine Form von Menschenfurcht ist. Eigenwilligkeit passiert dann, weil ich Angst habe, jemanden zu enttäuschen. Und das Bittere ist: Wer Gott nicht genug vertraut, der wird in der Folge tatsächlich immer abhängiger von dem, was Menschen denken.
Ich muss mich da entscheiden. Entweder vertraue ich Gott und tue, was er sagt, oder ich möchte Menschen gefallen und tue, was die Menschen sagen. Man tauscht den Herrn ein gegen ganz viele kleine Herren, gegen die Meinung der Leute, gegen den Applaus, gegen das Vermeiden von Konflikten.
Und diese Menschenfurcht, die wir da in unserem Leben erleben, ist häufig nicht einfach eine Charakterschwäche, die man mit ein klein wenig mehr Entschlossenheit überwinden könnte. Diese Menschenfurcht in uns drin hat häufig eine Geschichte. Wisst ihr, sie kommt ganz stark aus einer Vergangenheit, in der ich nicht sicher angenommen war.
Wenn ich als Kind erlebt habe, dass Liebe an Bedingungen geknüpft ist, wenn ich erlebt habe, dass Zugehörigkeit verdient werden muss, wenn ich gelernt habe: Ich bin nur dann sicher und angenommen, wenn ich funktioniere, wenn ich dem entspreche, was man von mir verlangt, wenn ich das gelernt habe und mich dann bekehre, dann übertrage ich diese Logik ganz schnell auf mein Leben mit Gott.
Dann wird Gottes Wille nicht mehr zuerst als gute Führung erlebt, sondern einfach als eine neue Anforderung. Gott ist dann nur einer in einer langen Kette von Leuten, die etwas von mir wollen und deren Ansprüche ich erfüllen muss, damit ich dann auch ihm genüge und endlich ein guter Christ bin. Und Christsein selbst wird dann eher als eine Reihe von Tests verstanden.

Gottes Führung statt innerer Anklage

Und für den Fall, dass du dich da wiedererkennst und sagst: Ja, manchmal empfinde ich das genau so, lass mich dir eine Sache sagen: Gott sieht deine Geschichte. Er weiß, wo du herkommst. Er nimmt dich ernst. Er nimmt das ernst, was dich geprägt hat. Er verurteilt dich nicht dafür, dass dir Vertrauen schwerfällt. Aber er lässt dich auch nicht in dieser Gefangenschaft.
Also wenn du merkst: Es fällt mir richtig schwer, Gott zu vertrauen, weil ich so viele andere Stimmen habe, die mir scheinbar wichtiger sind, und ich mich wiederfinde in so einem Konstrukt, wo ich gar nicht genau weiß, wie ich all dem genügen soll, was da an Ansprüchen im Raum steht, dann hör bitte diesen Vortrag jetzt nicht als noch eine Last, die jemand dir auflegen will, sondern hör diesen Vortrag bitte als einen Ruf in die Freiheit.
Und versteh den Willen Gottes bitte nicht als eine Bedrohung für dein Leben, sondern als eine gute Führung, die du erleben darfst. Auch dann, wenn du sie nicht gleich verstehst. Wo du wissen darfst: Das, was Gott mit mir tut, das ist wirklich gut. Das ist der richtige Weg. Das ist der beste Weg für mich. Das ist der Weg, der in alle Ewigkeit, wenn wir zurückblicken, Bestand hat.
Genau das ist, was der Prediger sagt: Es ist nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen. Gott hat das für die Ewigkeit gemacht. Gott weiß, was für dich dran ist. Gott weiß, wie du in seiner großen Geschichte als kleines Rädchen deine Rolle spielen kannst und was es dafür braucht.
Und wenn du mal zurückblickst, das verspreche ich dir, das ist Prediger 3,14, dann wirst du nicht sagen: Das hätte ich mal anders, das wäre besser gewesen, wenn wir es so gemacht hätten, und wenn du mir das nicht zugemutet hättest. Nein, nein, es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen.
Wenn du zurückblickst auf dein Leben und wenn du Gottes Allmacht und Weisheit schon heute hättest, dann würdest du dein Leben genau so einrichten, wie er das gerade tut. Das mag dir ein bisschen schräg vorkommen, aber das ist, was wir als Christen wissen: dass Gott es wirklich gut mit uns meint.

Ehrlichkeit vor Gott statt Ausreden

Dieser kritische Blick auf Eigenwilligkeit: Wenn du das nicht so sehen kannst, weil du vielleicht sagst: Ich habe davor Angst, ich traue mich das vielleicht nicht so, dann pass bitte auf, dass du nicht anfängst, das in irgendeiner Weise zu beschönigen. Pass auf, dass du nicht anderen die Schuld in die Schuhe schiebst für das, was du tust.
Lass es nicht zu, dass du, wenn Gott in dein Leben hineinspricht, irgendwann nicht mehr hören kannst. Weißt du, die gute Nachricht ist: Gott konfrontiert hier den Saul auf eine absolut harte Weise, und trotzdem deckt Gott diese falsche Motivation nicht auf, um den Saul zu zerstören. Er wird ihm sein Königtum wegnehmen, das stimmt. Aber wenn Gott ins Leben eines Menschen hineinspricht, dann tut er das, weil er heilen möchte. Er möchte der Arzt sein, und er möchte eine Diagnose stellen. Er möchte dich nicht demütigen, sondern er will, dass du frei wirst. Er möchte dich wirklich in die Freiheit führen, weg von diesen Bindungen, die dich kaputt machen.
Und deswegen lautet der Kernsatz hier: Eigenwilligkeit bleibt stark, solange ich mehr damit beschäftigt bin, mein Verhalten zu erklären, als mich von Gott korrigieren zu lassen. An der Stelle müssen wir raus.

Innere Muster erkennen und benennen

Und ich möchte gerne mit euch etwas wagen. Mal schauen, ob das klappt. Ich möchte, dass wir uns Gedanken machen.
Wir bleiben bei dem Thema Eigenwilligkeit, aber ich will mit euch mal ein paar Minuten investieren, um hinter unser Leben zu schauen, hinter das zu schauen, wo wir unterwegs sind mit Gott. Also ich würde gerne mit euch diese leise Stimme anschauen, die dich antreibt, Dinge zu tun, von denen du eigentlich weißt, dass es in der Bibel einen Vers gibt, der eigentlich etwas anderes sagt. Ich würde gerne, dass wir uns daran mal ganz kurz erinnern.
Also Achtung: Keiner muss jetzt etwas laut sagen. Okay? Ihr dürft für euch selber ehrlich sein. Alles bleibt irgendwie zwischen Gott und dir.
Ich stelle euch mal zwei Fragen. Die erste Frage lautet: Wo fällt es mir gerade schwer, Gottes Willen anzunehmen? Das ist die erste Frage. Und wenn du hier sitzt und sagst: nirgends, dann halte ich dich für einen Lügner, ganz ehrlich. Das Leben ist tough genug.
Also: Wo fällt es mir gerade schwer, Gottes Willen, den Weg, das, was Gott von mir will, anzunehmen? Oder die zweite Frage ist noch ein bisschen direkter: In welchem Bereich meines Lebens sage ich innerlich: Ja, Herr, aber nicht so? Ja, also dieses Halbe, okay?
Also, die erste Frage: Ich gebe euch jetzt mal eine Minute Zeit, darüber nachzudenken, dass ihr euch so einen Bereich sucht. Und ich hoffe, dass jeder von euch mit Gott geistlich so intensiv unterwegs ist, dass er diese Bereiche noch spürt. Natürlich können wir den Geist Gottes auch so weit gedämpft haben, dass wir überhaupt nicht mehr merken, dass zwischen Gott und uns irgendetwas nicht stimmt. Aber ich gehe mal davon aus, ihr seid nicht so weit. Dass ihr alle eine intakte geistliche Beziehung mit Gott habt, dass nicht irgendwo eine grobe Sünde ist, die langsam, aber sicher euren kompletten Glauben kaputt macht. Wenn das der Fall ist, hast du ein ganz anderes Problem als diese Predigt.
Ich rede jetzt zu denen, die so ein bisschen saulmäßig unterwegs sind. Also: Wo fällt es mir gerade schwer, Gottes Willen anzunehmen? Oder in welchem Bereich meines Lebens sage ich innerlich: Ja, Herr, aber nicht so? 60 Sekunden Zeit, um darüber nachzudenken.
Okay, jetzt habt ihr eine Situation vor Augen. Jetzt möchte ich euch drei Stimmen vorlesen, und vielleicht erkennst du in dir drin eine dieser Stimmen wieder.
Die erste Stimme, das ist die Stimme der Kontrolle. Sie sagt: Ich muss es selber in der Hand behalten, sonst geht es schief. Es könnte eine Stimme sein, die dich dazu bringt, Gott nicht zu vertrauen.
Die zweite Stimme, das ist die Stimme der Anerkennung. Sie sagt: Ich darf die anderen nicht enttäuschen, sonst verliere ich meinen Wert.
Und die dritte Stimme ist die des Selbstschutzes, also Kontrolle, Anerkennung, Selbstschutz. Und sie sagt: Ich kann Gott hier nicht ganz vertrauen, weil ich schon einmal verletzt worden bin.
Und jetzt nimm die Situation und überlege: Welche Stimme bringt dich dazu, nicht ganz mit Gott ganze Sache zu machen? Ist es die Stimme der Kontrolle: Ich muss das selber in der Hand halten? Ist es die Stimme der Anerkennung: Ich darf andere nicht enttäuschen, sonst verliere ich meinen Wert? Oder ist es die Stimme des Selbstschutzes, die sagt: Ich kann Gott hier nicht ganz vertrauen, weil ich schon mal verletzt worden bin?
Ordne das bitte mal zu. Welche dieser drei Stimmen ist für dich, wenn es darum geht, Gottes Willen nur so halbherzig zu tun und doch irgendwie hintenrum dein eigenes Ding durchzuziehen, obwohl du wüsstest, dass da etwas anderes zu tun ist? Welche dieser Stimmen kommt dir am vertrautesten vor? Welche beeinflusst deine Entscheidungen am stärksten, vielleicht ohne dass du es wirklich so richtig merkst?
Und wenn du das hast und festmachen kannst an einer Situation, dann formuliere für dich im Herzen: Mein Eigenwille zeigt sich besonders, wenn ...
Mach das für dich mal fest. Wann zeigt sich für dich dein Eigenwille, warum? Und das kann etwas völlig Banales sein. Was ist das? Welche Stimme bringt dich dazu, Gott nicht so zu vertrauen, wie du das eigentlich tun müsstest?

Gebet und Abschluss

Und ich möchte jetzt zum Abschluss von diesem ersten Teil des Vortrages mit euch beten, weil ich glaube, dass das ein ganz wichtiger Punkt ist: dass wir uns trauen, das, was uns davon abhält, Gott zu vertrauen, vor Gott zu bringen. Okay?
Also schließe ich den Vortrag jetzt mit einem Gebet ab.
Vater im Himmel, wir wollen dir danken dafür, dass du uns am Beispiel von Saul zeigst, wie schnell Ungehorsam sich fromm tarnen kann. Und Herr, wir wollen dich darum bitten, dass du uns dazu Gnade gibst, dass wir an dieser Stelle mutig und gläubig genug werden, diese falschen Sätze, die in uns drinstecken, vor dich zu bringen. Sätze, in denen wir uns nach Kontrolle ausstrecken, nach Anerkennung oder nach Schutz. Dass du uns hilfst, diese Dinge loszulassen, um ganz und gar wirklich dir zu vertrauen, dir zu folgen und hundert Prozent das zu tun, was du möchtest. Bitte gib du dazu Gnade. Amen.
Das war’s für heute.
Nimm dir Zeit, in Ruhe über das Thema Eigengerechtigkeit nachzudenken. Was solltest du ändern? Welche Bibelverse könntest du auswendig lernen? Welche Aspekte des Themas müsstest du noch studieren?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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