Einleitung
Wir lesen nun weiter von Vers 14 ab, überschrieben Gottes freie Gnadenwahl.
Was sollen wir nun dazu sagen, ist denn Gott ungerecht, keineswegs, denn er
spricht zu Mose: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich
mich erbarme, dessen erbarme ich mich. So liegt es nun nicht am Wollen oder
Laufen des Menschen, sondern - sie können auch noch hineinschreiben: -
allein an Gottes Erbarmen, denn die Schrift sagt zum Pharao, eben dazu habe
ich dich bestimmt, dass ich an dir meine Macht erweise, damit mein Name auf
der ganzen Erde verkündigt wird. So erbarmt er sich nun, wessen er will,
und verstockt, wen er will. Nun sagst du zu mir, warum beschuldigst du uns
dann? Vor 2000 Jahren sind die Argumente immer die gleichen geblieben.
Warum beschuldigt uns Gott? Wir können doch gar nichts dafür? Wer kann sich
seinem Willen widersetzen?
Ja lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Sagt
etwa ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? Hat nicht ein
Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem
und ein anderes zu weniger ehrenvollem Gebrauch zu machen?
Weil Gott seinen Zorn zeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit
großer Geduld die Gefäße des Zornes ertragen, die zum Verderben bestimmt
waren, die haben auch Gnade erfahren. Das tat er, um den Reichtum seiner
Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit zu erweisen, die er zuvor
für die Herrlichkeit bereitet hatte. Dazu hat er uns berufen, nicht nur aus
den Juden, sondern auch aus den Heiden. Wie er denn auch durch Hosea
spricht: »Ich will das mein Volk nennen, das nicht mein Volk war, und meine
Geliebte, die nicht meine Geliebte war« Es soll geschehen, anstatt dass zu
ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk, so im Blick auf die Heiden,
so sollen sie Kinder des lebendigen Gottes genannt werden.
Jesaja aber ruft aus über Israel: Wenn die Zahl der Israeliten wie der Sand
am Meer sein würde, so wird doch nur ein Rest gerettet werden, denn in
Kürze wird der Herr sein Wort vollenden und alles ausrichten auf Erden.
Ebenso hat Jesaja vorausgesagt, wenn sich der Herr Zebaoth Nachkommen
übriggelassen hätte, so wären wir wie Sodom geworden und wie Gomorrha. Was
wollen wir dazu sagen? Die Heiden, die nicht nach der Gerechtigkeit
getrachtet haben, haben die Gerechtigkeit erlangt. Ich rede aber von der
Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.
Israel aber ist dem Gesetz der Gerechtigkeit nachgejagt, und hat es doch
nicht erreicht, warum das? Weil es die Gerechtigkeit nicht aus dem Glauben
suchte, sondern aus den Werken.
Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes, am Stolperstein, wie
geschrieben steht: Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und
einen Fels des Ärgernisses. Wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden
werden.
Herr, jetzt musst du unsere eigenen Gedanken überwinden, und zu uns reden.
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
zum Schwersten gehört vielleicht heute Morgen für manche unter uns, dass
sie jetzt an einen lieben Menschen denken. Ich meine jetzt nicht nur, die
bangen um das Leben und die Gesundheit eines Menschen, der ihnen sehr viel
bedeutet.
Es ist ja noch eine viel größere Sache, wenn man für einen Menschen
empfindet und man spürt, es geht um sein ewiges Heil und um sein ewiges
Schicksal. Nicht bloß, dass er auf der Intensivstation ist, dass es ja nur
um ein paar Jahre dieses Lebens, nein, ums ewige Schicksal.
Schön, dass sie auch andere dran teilhaben lassen an ihren Schmerzen. Wir
wohnen unterm selben Dach.
Wir haben doch nicht den selben Grund, von dem wir letztes mal gehört
haben. Gott ist für uns, wer kann jetzt noch gegen uns sein?
Wir wollten das doch den andern schenken, ihnen vermitteln, und wir sind
ganz müde geworden. Wir haben geredet und geredet und haben gemerkt,
vielleicht haben gerade unsere Worte diesen Menschen abgestoßen und die
Liebe, die kann dann bloß noch weinen. Die Frau denkt an ihren Mann jetzt,
Eltern an ihre Kinder, Kinder an ihre Eltern. Denn das ist ja eine Tatsache
in der Bibel, und die lassen wir uns nicht von denen wegnehmen, die da so
leicht daherkommen und sagen, ach, wir werden alle doch irgendwo selig.
Das spüren wir, wie der Apostel Paulus gelitten hat, und der versteht's.
Er sagt, was aus meinem Leben wird, ist so unwichtig, wenn ich nur ein paar
Leute selig machen könnte. Aber das kann ich ja nicht, ich kann mich ja
nicht für die andern irgendwo hin verbannen lassen, ich kann nicht für die
anderen stellvertretend in die Hölle gehen.
Denn Paulus treibt die Liebe zum Volk Israel, zu den Juden.
Wenn das die Christen gelesen hätten, Römer 9, wäre viel Schuld nicht
geschehen. Weil Christen sich nie lösen dürfen vom Brudervolk der Juden,
von Israel, mit denen wir ganz eng verbunden sind. Doch sagt Paulus hier
ganz schwere Dinge:
Obwohl sie die tröstlichen Psalmen beten wie wir Der Herr ist mein Hirte",
obwohl sie die großen Verheißungen Gottes hören, Es können wohl Berge
weichen und Hügel hinfallen...", haben sie's doch nicht ergriffen. Sie
glauben doch auch an den gleichen Herrn Gott.- Noch viel mehr glauben die,
die haben den Bund, die haben die fleischliche Nachkommenschaft Abrahams,
die haben das Gesetz, die haben den Gottesdienst, die haben die
Verheißungen, und haben's nicht erlangt, damit hat sich Paulus nicht mit
beruhigen können, und er traf ja immer wieder in der Synagoge mit den
Söhnen des Volkes Israels, mit den Töchtern Israels zusammen. Das hat ihn
beschäftigt und umgetrieben.
Und das muss uns umtreiben heute, lass das doch weg. Ich stand in einer
ganz großen Versuchung: nimm Rücksicht auf die Konfirmanden, denen musst du
doch zuerst die einfachen Gründe des Glaubens sagen.
Wir wollen heute in unserer Reihe mit dem Römerbrief fortfahren und wollen
das heute miteinander durchsprechen, was geschieht denn da und was können
wir denn feststellen? Es gibt nicht nur die großen Erkenntnisse des
Glaubens, wie wir sie das letzte Mal gehört haben in diesem
unvergleichbaren Abschluss des Kapitels 8 im Römerbrief. Es gibt auch ein
Handeln Gottes mit seinen Leuten in der Geschichte. Da müssen wir uns dem
stellen.
Ich habe drei Einschnitte, an denen wir uns ein wenig durch diese Fülle
hindurchhangeln wollen:
Diese unverdiente Gnade
Das erste ist eine ganz schreckliche Tatsache, die uns da verkündigt wird,
eine ganz schreckliche Tatsache, eine scheußliche Tatsache, eine
ärgerliche, eine, bei der ich aufbegehren wollte, wie sie. Und es ist
bestimmt keiner da, der sagt, das kann doch gar nicht wahr sein, wir
verlangen von jedem Militärdiktator, dass er gerecht ist. Ist denn Gott
gerecht, wenn er so mit den Menschen umspringt? Aber ich muss ihnen die
Tatsache sagen.
Wir sollten uns an die Tatsachen halten. Es ist wirklich so, dass Gott ganz
verschieden umgeht. Warum sind wir in einem Land der Freiheit geboren und
hunderte von Millionen Menschen leben in Ländern der Unfreiheit?
Warum sind Sie in diesem großen Wohlstand geboren und ihre Vorfahren haben
gehungert. Warum haben sie eine Arbeitsstelle.
Es gibt Menschen die sind begabt und können lernen, und andere, die muss
man pflegen und betreuen, weil sie nicht über die intellektuellen Gaben
verfügen, oder über den Leib ... Wir sind völlig verschieden. Das ist doch
gar nicht wahr, dass Gott allen gleich gibt! Wer hat denn diese
Gleichmacherideologie erfunden?
Da können sie sich aufregen, aber wir
müssen uns an Tatsachen halten. Ja, aber im Geistlichen muss das doch ganz
anders sein! Komischerweise auch nicht. Wenn Sie sich an Tatsachen halten
wollen, müssen sie die Geschichten lesen! Warum mutet uns das Paulus heute
Morgen zu? Ist doch gar nicht erbaulich!? Damit unsere Gedanken zerbrochen
werden, und wir wieder still werden, und hören, was Gott uns zu sagen hat.
Er ist Herr über alles. Nun weiß ich, da kommen ein paar daher, die sagen:
Du hast heute über die Prädestination gesprochen, über den verborgenen
Willen Gottes! Nein, nein, ich werde je mich hüten, über so etwas zu
predigen. Ich predige Gottes Wort, und Sie tun gut daran, wenn Sie jetzt
einmal alles vergessen, was Sie in ihren großen Belesenheit von Martin
Luther über Erasmus und alle die Großen gelesen haben, und halten Sie sich
an die Wort der Bibel, dann werden sie gut tun, und Ihr Glaube wird ein
sicheres Fundament haben. Vergessen Sie manche Lehre der Menschen und
halten sie sich an das Wort der Bibel. Da wird die schreckliche Tatsache
verkündet, ich sag es noch einmal, die schreckliche Tatsache verkündigt,
dass Gott verschieden handelt an Menschen. Der Jakob war ein zartes
Büblein. Wenn's nach unserer Wahl gegangen wäre, wir hätten den Esau
geliebt. Der war ganz anders: robust und gesund, der war so bräunlich von
Natur, ein kräftiger junger Mann, der war naturverbunden. Der streifte
durch den Wald. Der war ein Grüner, ein wunderbarer Kerl unserer Zeit. Ein
schöner junger Mann, für den man sich begeistern könnte. Er war der Ältere.
Es gibt nichts Negatives von unserer Schau her gegen den Esau zu sagen.
Aber gegen den Jakob können wir eine Menge sagen. Nicht dass sie meinen,
ich wollte den großen Glaubenszeugen Jakob heute Morgen kritisieren, das
kann ich mir gar nicht erlauben. Aber wir sollten die Schrift sehr genau
lesen. Er hing am Rockschoß seiner Mutter. Er war ängstlich, er wich kaum
von den Hütten. Und er hat sich Gott gegenüber manchmal sehr Schofel
benommen: Als Gott ihm in Bethel diese wunderbare Himmelsleiter zeigte, da
hat er nicht gesagt, Gott ich danke dir! Er hat gesagt: Ja Gott, wenn du
das machst, dann will ich mit dir einen Handel machen! Erschütternd! Der
Jakob kann nicht mal glauben! Er sagt wenn"! Bei Gott muss man immer noch
machen. Wenn er das wirklich tut, was er sagt. Und wir haben es in unserer
Bibelstunde sehr gründlich gelesen: Wo er gemeint hat, er müsste den Laban,
seinen Onkel, genauso reinlegen wie der Onkel ihn selbst reingelegt hat.
Das müssen Glaubenszeugen nie tun. Gottes Kinder haben andere Methoden.
Als er nachher Esau entgegenzieht, wissen sie, was er gemacht hat? Er hat
die Frauen vorauslaufen lassen. Er war der letzte, hat gesagt, wenn es
vorne nicht gut geht dann kann ich hinten noch abzwitschern.
Ängstlich, obwohl er die Zusage Gottes gehabt hat. Noch, als er mit dem
Mann Gottes rang, am Jabbok! Sie können viel über Jakob sagen, aber eins
hat er gehabt: den Segen Gottes!
Ob er in der Wüste lag, und der Esau ihn umbringen will - der Segen Gottes
war über ihm! Ob Laban ihn betrügen wollte - der Segen Gottes war über ihm!
Ob Esau ihm entgegen zog - der Segen Gottes war über ihm!
Warum? Wieso? Ich versteh' das nicht! Das will ja Gott: dass wir es nicht
mehr verstehen! Ja, aber warum nicht wie Esau? Fassen sie zuerst die eine
Tatsache: Gott gibt seinen Segen, wie er will! Jetzt müssen sie doch sagen:
Warum hat Gott mich, mich so erwählt? Warum hat er mir diese Eltern
gegeben? Warum hat er mich in die Gemeinde geführt? Warum hat er mir sein
Wort aufgeschlossen?
Ich sehe so viele andere, die lesen die Bibel und verstehen doch nichts,
warum hat er mir den Glauben geschenkt. Wir sollten doch stehen bleiben,
und das Wunder der Gnade Gottes, der unbegreiflichen Gnade Gottes anbeten!
Warum fühlen wir uns immer wieder als den Anwalt der anderen und wollen
Gott schulmeistern, als seien wir die Jury? Manchmal sitzt man so im
Gottesdienst, wie da beim Fernsehen, wo man so einen Knopf drücken muss,
das gefällt mir nicht, das gefällt mir – ja – nein, pro und kontra! Das ist
nicht unsere Aufgabe! Wir sollen stille stehen, und das Wunder der Gnade
bei uns beobachten, wie bei Jakob.
So hat Gott bei uns gehandelt. Wenn man uns ansieht, liebe Schwestern und
Brüder, es gibt viele, viele Menschen in der Welt, die hätten es viel mehr
verdient, dass Gott sich ihrer erbarmt, als wir! Kein Stückchen Ruhm darf
dabei sein – unverdiente Gnade. Haben sie auch gelacht, wie ihre Oma das
immer sagte, Aber verstehen Sie's mal, und sagen es genauso bewegt, wie
ihre Eltern, ihren Enkelkindern weiter: Unverdiente Gnade, was Gott an mir
getan hat. Damit erkennen wir auch wie Esau. Das ist bei denen, die da
immer spekulieren über diese Begriffe Prädestination", und den de servo
arbitrio" - all diese grausamen Dinge! Nie hat Gott einen Menschen zum
Bösen angestiftet, fassen Sie das, nirgendwo in der Bibel. Auch den Judas
nicht, auch den Esau nicht. Es wird in der Bibel sehr klar erzählt, dass
Esau das bekommt, was seine Taten wert sind. Er hat ja seine Erstgeburt
weggeschoben. Das hat nicht Gott gemacht. So wie die Menschen an ihrer
Sünde sterben, - wir brauchen Gott nicht verklagen. Gott hat das Recht,
einem Menschen seine Sünde vorzuhalten, allen Menschen dieser Welt. Aber
seine Gnade, die wir empfangen haben, das was er uns gegeben hat, die
Begegnung mit ihm, das war sein unbegreifliches sein unfassbares Wunder,
ein Geschenk, unverdient. Das steht da. Es war mein erster Punkt: eine
schreckliche Tatsache. Ich hätt's viel lieber überschrieben: Das Wunder der
unverdienten Gnade, aber dann hätten Sie nicht so zugehört. Wie ich es
jetzt machen durfte, da war die Spannung noch ein bisschen größer. Nehmen
Sie mir's ab.
Also der erste Punkt diese unverdiente Gnade - eine schreckliche Tatsache –
eine tröstliche Tatsache, denn darauf ruht ja mein Heil.
Ist Gott im Unrecht?
Zweitens: Ist Gott im Unrecht? Machen wir noch mal weiter. Paulus macht das
ja selbst. Er spürt, wie in der Gemeinde von Rom beim Verlesen diese
Briefes es in vielen Herzen kocht. Vielleicht gab es da auch so junge
Leute, die besonders empfindsam waren. Und es ist schön, dass junge Leute
für Gerechtigkeit empfindsam werden. Unsere Welt, nicht dass sie meinen,
das sei gering zu achten, und dann fragen Sie, wie kann das denn Gott
eigentlich zulassen? Ist Gott ungerecht?
Da spricht Gott davon, dass er Gefäße hat. Es gibt kostbare Gefäße, die
dienen zum Schmuck. Da stellt man die Blumen hinein. Es gibt Pötte, die man
zum Aufbewahren der Kartoffeln verwendet, die sind ganz unterschiedlich.
Gott handelt verschieden. Wir haben das ja schon behandelt.
Ich muss das kurz einmal noch hier heranziehen, weil das später noch einmal
kommt in den nächsten Kapiteln, wo ja die meisten mit ihren Zweifeln und
Fragen einsetzen: Wie war das beim Pharao. Hat Gott nicht den Pharao einst
beim Auszug der Israeliten aus Ägypten verstockt? Das steht doch wirklich
da. Da konnte doch der Pharao gar nichts anders machen. Er war doch ein
Werkzeug und stand doch unterm dem Zorn?! Nein nein, wenn sie einmal ganz
genau lesen, werden Sie diesen feinen Unterschied beobachten, dass es eine
freie Entscheidung des Pharao sehr wohl war, die Kinder Israels ziehen zu
lassen. Dann kam der Zorn Gottes auf ihn, und er wurde verstoßen. Erst nach
seiner Entscheidung hat er sich verhärtet. Das sage ich nicht, weil ich
mich über den Pharao erheben könnte, bei mir ist es ja das Wunder der Gnade
nur gewesen. Aber nur damit wir Gott nicht anklagen. Also noch einmal: Es
kann nie, nie die Rede davon sein, dass Gott das Böse tut, nie, weil sie
haben ein paar Dinge, weil sie darüber kurz beweisen müssen, ich zitiere
wieder die Schrift.
Aber das steht in der Schrift drin: Auch wenn Menschen sich gegen Gott
stellen, dann kann das den Heilsplan Gottes nicht aufhalten. Dann zeigt
Gott seine Macht. Das war doch damals als das auserwählte Volk nicht die
Gnade Gottes versteht. Die hätten es doch wissen müssen, die hätten's doch
wissen sollen am Beispiel Jakobs, die hätten's doch wissen sollen über der
Geschichte Abrahams. Aber als Jesus, der Messias kam, da haben sie in der
großen Distanz ihm gegenübergestanden und dann haben sie Jesus weggeschoben
und weggedrückt. Aber Gott hat aus dieser Verwerfung Heil für die
Weltvölker gemacht, für die Heiden, und das steht jetzt hier drin Vers 17:
Gott hat alle dazu bestimmt. Irgendwie müssen sogar die Atheisten und die
Verfolger der Gemeinde noch mithelfen, dass der Plan Gottes zu seinem Ende
kommt. Der Heilsplan, in dem Heilsplan steht leider nicht, dass alle selig
werden. Sogar nur von Israel wird ein kleiner Rest selig. Und ich bin
überzeugt, dass auch alle nicht selig werden, die evangelisch getauft sind,
sondern nur ein Rest.
Denn das was in Israel geschehen ist, das wiederholt sich in unserer
Volkskirche wohl ganz ähnlich: Dass nicht die namentliche Zugehörigkeit
mich auszeichnet, sondern der Gott, der seine Erwählung fest macht im Leben
eines Menschen. Er will seine Macht erweisen, damit mein Name auf der
ganzen Erde verkündigt wird. Pharao, du kannst das nicht stoppen.
Noch einmal: Pharao war nicht genötigt, sich gegen Gott zu wenden, aber
wenn ers tut, dann wird Gott weiter gehen. Und wenn heute unsere ganze
deutsche Christenheit Gott nicht mehr die Ehre gibt und sein Wort wegwirft,
dann wird Gottes Geschichte mit der Welt dennoch weitergehen, auch ohne die
deutschen Kirchen. Damit mein Name auf der ganzen Erde verkündigt werde.
Und wenn wir den Missionsauftrag versäumen und wenn wir stumm sind, Gott
wird weitergehen. Ist Gott im Unrecht? Nein er hat Gefäße. Mein Leben soll
sein Gefäß sein. Aber das wäre furchtbar, wenn der Zorn Gottes sichtbar
würde
Ich will jetzt noch ein Wort zu denen sagen, die für ihre Angehörigen, für
ihre Lieben, leiden, wie es Paulus in den ersten Versen hier beschreibt:
Ich wünschte verflucht zu sein! Noch sind sie nicht Gefäße des Zorns, ich
beobachte, wie über ihren Kindern und über ihren Ehegatten Gottes Güte und
Gnade sogar noch waltet; obwohl sie auf ganz bösem Wege sind, sind sie noch
nicht ganz abgestürzt. Das lässt uns hoffen und warten, auf den Gott, der
es allein auf Gnade hin tut. Nicht am Wollen oder Laufen liegt's. Es ist
nicht so, dass sie es schwerer hätten, weil sie so tief gefallen sind,
sondern es geht ja nach der Gnadenordnung Gottes. Dieser Satz steht da: Es
liegt nicht an jemandes Laufen oder Wollen und nicht am Können, und nicht
am Gutsein und nicht an den Vorteilen, die wir aufzählen können, sondern
allein an dem, was Gott tut.
Und da will Gott seine Herrlichkeit an uns erzeigen. Ich weiß, Sie können
jetzt nächtelang durchdiskutieren über das, was in diesem Kapitel steht,
und es hat schon ganze Generationen gegeben, in der Orthodoxie haben sie
sich bekämpft und befehdet über die doppelte Prädestination. Wenn sie auch
so töricht sein wollen, dann müssen sie sich die alten Folianten in der
Landesbibliothek holen. Wo die ganze dicke Wälzer drüber geschrieben haben
und doch an dem einen vorbeigelaufen sind, um das ja alles hier kreist: Ob
Gott in unserem Leben mit seiner Gnade zum Ziele kommt, ob mein Leben ein
Gefäß wird der Herrlichkeit Gottes. Mehr nicht. Es liegt nicht an meinem
Können und Wollen oder Laufen. Jetzt bin ich froh, dass wir den Text heute
haben, auch wenn junge Konfirmanden da sind. Dass es nicht drauf ankommt,
was ich bin, vor Gott, sondern was er aus mir macht in seiner Gnade.
Darum mein letzter Punkt: Ach, ich hab den zweiten eigentlich auch noch
anders überschreiben wollen. Nicht von der Ungerechtigkeit Gottes, sondern
es kommt nicht auf unsere Selbstverwirklichung an, sondern, ob Gott sich in
unserem Leben verwirklicht - das war mir wichtig - die Herrlichkeit, das
Gefäß zubereiten kann.
Wenn nur du die Gnade ergreifst
Das letzte: Wenn nur du die Gnade ergreifst.
Ja auch die andern, darum bin ich mit Leib und Seele Evangelist und
Missionar: Weil in Christus ein Evangelist einem jeden Menschen sagt, es
kommt nicht darauf an, dass du in der Kirche sitzt, sondern ob du die Gnade
Gottes ergreifst, die dir heute angeboten wird. Gnade, dass Gott dir alle
Schuld durchstreicht, wie dem verlorenen Sohn, und an sein Vaterherz
drückt.
Wir wollen doch nicht die Leute christianisieren, sondern wir wollen sie zu
Jesus führen, dass die Gnade mächtig wird in ihrem Leben. Aber wenn du nur
du sie selbst ergreifst. Ich will zu dem reden, heute, der sich dessen
nicht klar bewusst ist, ob er die Gnade ergriffen hat. Paulus erwähnt das
noch einmal und sagt: Es ist merkwürdig gegangen. Das Volk Israel hatte
alle Zusagen Gottes und hat es nicht begriffen. Man kann es Sonntag für
Sonntag hören, und da haben es die Juden sich noch in diese Kapseln an die
Stirn gebunden. Sie haben es auswendig gelernt und mit ihrem ganz Körper
noch einmal dazu genickt - und nicht erfasst.
Das bewegt uns doch. Wir gehören doch mit diesen Juden zusammen. Und bitte
lösen sie sich nie vom Schicksal der Juden. Da gehören wir dazu, wie zu
unserer Volkskirche. Aber wenn wir das eine immer wieder wissen und
begreifen, es kommt nicht darauf an, dass ich dem Namen nach dazugehöre,
nicht das ich etwa herunterspule mit meinen Worten, nicht dass ich irgendwo
ja dazu sage, der Pfarrer wird schon wissen, wie's recht ist, sondern ob
ich persönlich die Gnade ergreife. Ich weiß, dass manche hier immunisiert
gemacht worden sind, indem man ihnen gesagt hat, das ist ein pietistisches
Evangelium. Das ist es nicht, das ist das Evangelium des Paulus.
Die Heiden haben's erlangt. Nicht alle, paar wenige, und die haben ja dazu
gesagt, und da sagt Paulus: Es gibt einen ganz schlimmen Stolperstein, über
den stolpern alle, das würden heute viele gar nicht zugeben. Aber sagt das
sei so. Man stolpert über den Punkt: Ich werde gerecht allein aus der Gnade
Jesu, allein dadurch. Ulrich Parzany hat neulich diesen mutigen Satz
gesagt: 80% der Christen Deutschlands sind geheim Moslems. Die leben eine
Gesetzesreligion. Die sagen: Ich bin ja so brav, da muss Gott irgendwo ja
dazu sagen. Das ist die Anschauung, die sich hindurchzieht durch unsre
Kirchen und Gemeinden. Ich bemühe mich, ein anständiger Mensch zu sein.
Sicher habe ich ein paar Fehler. Das ist Islam. Christlicher Glaube, so wie
ihn Paulus in den Evangelien verkündet hat, und wie ihn Jesus verkündet
hat, ist, dass Sünder selig werden, und ich kann das Wort nicht anders
sagen, ich muss es sagen. Es liegt nicht am Wort, sondern an der Sache, das
wir vor Gott gescheiterte Leute sind, wir können vor Gott nicht stehen,
wenn nicht Jesu Opfer für uns reden würde, wenn sein Blut uns nicht gerecht
machen würde. Es liegt nicht an meinem Wollen und Laufen, sondern alleine
am Erbarmen Gottes. Ich krieg das nicht über mein Tun und nicht, weil ich
so eine nette Familie habe, und weil ich so viele Dinge erfüllt habe, in
mein Leben, weil ich so lieb bin. Sondern weil Gott für mich starb, wie er
für den Schächer starb. Das ist mein Trost und meine Hoffnung und meine
Freude. Das musst du ergreifen! Das ist 'n Stolperstein. Das ist ärgerlich,
wenn man in einem Laden so eine Treppe hat, die muss man gelb anstreichen,
und muss man rot karieren. So machen's die Rundfunkleute, wenn sie hier die
Kabel durch die Kirche ziehen. Da machen sie so auffälligen Tesa-Film
drauf, dass niemand darüber fällt. Wir sollten das in den Mittelpunkt
unserer Verkündigung stellen. Und wir müssen darüber reden und sagen: Da
stolpern sie wie in der Reformationszeit, heute genauso drüber, weil man
das nicht glaubt. Ach, ich hab doch nichts gegen Jesus! Darum geht's doch
gar nicht. Ob das wieder in unserer Verkündigung und unserem Zeugnis wieder
in der Mitte steht. Ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes, und einen
Fels des Ärgernisses. Ja, macht denn Gott so Sachen, dass er eine Stufe
einbaut, und dann hinsteht und wartet, bis die Leute drüber plumpsen? Das
gibt's doch nicht. Er macht dies, damit wir inne werden sollen, über den
fallen, wo andere aufpassen. Nur aus Erbarmen Gottes wird man selig, anders
nicht. Das sollte jedem ein Trost sein, die jetzt wieder an ihre Lieben
denken: Bei Gott ist nichts unmöglich. Aus Erbarmen seine Gnade allein.
Auch nicht ein Teil meines Herzens macht es. Allein Gottes Gnade. Das steht
zum Schluss: Da an diesem Stein des Anstoßes, an diesem Stolperstein kann
man gerecht werden. Wer drauf achtet, dem wird's zum Heil. Darin liegt der
Unterschied.
Wer an ihn glaubt, an Jesus, vor dem die Werke und das Gutsein nichts mehr
gilt, der wird gerettet, der hat das ewige Leben erlangt, der kann fröhlich
noch einmal Römer 8 lesen. Gott ist für mich - wer kann denn jetzt noch
gegen mich sein? Und der geht bedrückt und traurig nach Hause, weil er auch
an Israel denkt, und für Israel betet. Nicht bloß wegen dem Granatfeuer,
oder was dort gerade toben mag, sondern: Herr, wecke du doch Israel bald
auf! Und dann werden wir zu Betern, zu Missionaren und Evangelisten, die
dieses eine Thema weitersagen: Gnade und Erbarmung Gottes, auf das kommt's
an, auf nichts sonst. Amen.
