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Lügen haben kurze Beine

1. Samuel 21,1-1623.02.1986
Wenn Angst dich packt, greifst du schnell zu Ausreden und Eigenmächtigkeit. Doch genau da wird’s gefährlich: Eine kleine Lüge kann Leben zerstören — und Vertrauen neu lernen.

Einleitung und erster Blick auf die Flucht

Wir lesen aus 1. Samuel 21,1-15.
Und David machte sich auf und ging seines Weges. Jonathan aber ging in die Stadt.
Als David nach Nob kam, zum Priester Ahimelech, entsetzte sich Ahimelech, als er David entgegenging, und sprach zu ihm: Warum kommst du allein, und ist kein Mann mit dir?
David sprach zu dem Priester Ahimelech: Der König hat mir eine Sache befohlen und sprach zu mir: Niemand darf auch nur das Geringste von der Sache wissen, in der ich dich gesandt habe und die ich dir befohlen habe. Darum habe ich meine Leute an den und den Ort beschieden. Hast du nun etwas bei der Hand, etwa fünf Brote oder was sonst vorhanden ist? Das gib mir in meine Hand.
Der Priester antwortete David: Ich habe kein gewöhnliches Brot bei der Hand, sondern nur heiliges Brot. Nun müssen die Leute sich der Frauen enthalten haben.
David antwortete dem Priester: Sicher, Frauen waren uns schon etliche Tage verwehrt. Als ich auszog, war der Leib der Leute nicht unrein, obgleich es nur um ein gewöhnliches Vorhaben ging. Um wie viel mehr werden sie heute am Leibe rein sein?
Da gab ihm der Priester von dem heiligen Brot, weil kein anderes da war als die Schaubrote, die man vor dem Herrn nur hinwegnimmt, um frisches Brot aufzulegen, an dem Tag, an dem man das andere wegnimmt.
Es war aber an demselben Tag ein Mann von Sauls Großen dort eingeschlossen vor dem Herrn, mit Namen Doeg, ein Edomiter, der über die Hirten Sauls gesetzt war.
Und David sprach zu Ahimelech: Ist nicht hier bei dir ein Speer oder ein Schwert? Ich habe mein Schwert und meine Waffen nicht mit mir genommen, denn die Sache des Königs war eilig.
Der Priester sprach: Das Schwert des Philisters Goliath, den du im Eichgrund erschlagen hast, das ist hier, in einen Mantel gewickelt unter dem Ephod. Willst du es, so nimm es; denn es ist kein anderes hier als dies.
David sprach: Seinesgleichen gibt es nicht. Gib mir es.
Wir lesen weiter nun 1. Samuel 22,6-23.
Wir überschlagen die Flucht von David in die Philisterstadt Achisch zu Gat, das hatten wir ja am Jahresende als Predigt zusammen mit Psalm 34. Wir überschlagen auch, dass David in der Wüste der Mittelpunkt wurde von allerhand hilflosen und notleidenden Männern. Ich möchte nur die Geschichte der Priester von Nob jetzt fertiglesen, weil sie erschütternd ist und betroffen macht.
Und es kam vor Saul, dass David und die Männer, die bei ihm waren, von sich reden machten. Und Saul saß zu Gibea unter dem Tamariskenbaum auf der Höhe, den Speer in der Hand, und alle seine Großen standen um ihn.
Da sprach Saul zu seinen Großen, die um ihn standen: Hört, ihr Benjaminiter! Wird der Sohn Isais euch allen auch Äcker und Weinberge geben und euch alle zu Obersten über Tausend und über Hundert machen, dass ihr euch alle verschworen habt gegen mich? Und dass niemand da ist, der es mir zu Ohren brächte, dass mein Sohn sich mit dem Sohn Isais verbunden hat? Ist niemand unter euch, der sich um mich gekümmert und es mir zu Ohren gebracht hätte, dass mein Sohn meinen Knecht gegen mich aufgereizt hat, dass er mir nachstellt, wie es jetzt am Tage ist?
Interessant, so ein Saul kann ja nur denken, dass da ganz wüste Verschwörungen laufen. Er merkt gar nicht, dass von ihm Gottes Vollmacht gewichen war.
Da antwortete Doeg, der Edomiter, der unter Sauls Großen stand, und sprach: Ich sah den Sohn Isais, wie er nach Nob kam, zu Ahimelech, dem Sohn Ahitubs. Der befragte den Herrn für ihn und gab ihm Wegzehrung und das Schwert des Philisters Goliath.
Da sandte der König hin und ließ rufen den Priester Ahimelech, den Sohn Ahitubs, und das ganze Haus seines Vaters, die Priester, die zu Nob waren. Und sie kamen alle zum König. Und Saul sprach: Hör du, Sohn Ahitubs!
Da sprach er: Hier bin ich, mein Herr.
Und Saul sprach zu ihm: Warum habt ihr euch verschworen gegen mich, du und der Sohn Isais, dass du ihm Brot und ein Schwert gegeben und Gott für ihn befragt hast, damit er sich gegen mich empöre und mir nachstelle, wie es jetzt am Tage ist?
Ahimelech antwortete dem König und sprach: Wer ist unter allen deinen Knechten so treu wie David, dazu des Königs Schwiegersohn und der Oberste deiner Leibwache und geehrt in deinem Hause? Habe ich denn erst heute angefangen, Gott für ihn zu befragen? Das sei ferne von mir. Der König lege solches einem Knecht nicht zur Last, noch meines Vaters ganzem Hause; denn dein Knecht hat von all dem nichts gewusst, weder Kleines noch Großes.
Aber der König sprach: Ahimelech, du musst des Todes sterben, du und deines Vaters ganzes Haus.
Und der König sprach zu seiner Leibwache, die um ihn stand: Tretet heran und tötet die Priester des Herrn, denn ihre Hand ist mit David, und obwohl sie wussten, dass er auf der Flucht war, haben sie mir es nicht zu Ohren gebracht.
Aber die Männer des Königs wollten ihre Hände nicht an die Priester des Herrn legen, um sie zu erschlagen.
Da sprach der König zu Doeg: Tritt heran und erschlage die Priester.
Doeg, der Edomiter, schlug die Priester, sodass an diesem Tag 85 Männer starben, die den leinenen Priesterschurz trugen. Auch Nob, die Stadt der Priester, schlug er mit der Schärfe des Schwertes: Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Esel und Schafe, mit der Schärfe des Schwertes.
Es entrann aber ein Sohn Ahimelechs, des Sohnes Ahitubs, der hieß Abjatar, und floh zu David. Und verkündete ihm, dass Saul die Priester des Herrn getötet habe.
David aber sprach zu Abjatar: Ich wusste es schon an dem Tag, als der Edomiter Doeg dort war, dass er Saul verraten würde. Ich bin schuldig am Leben aller aus deines Vaters Haus. Bleib bei mir und fürchte dich nicht; denn der Herr, der mir nach dem Leben trachtet, der trachtet auch dir nach dem Leben. Du bist bei mir in Sicherheit.
Viele von Ihnen werden wohl einen Weg gehen müssen wie David. Wir hatten da am letzten Sonntag aufgehört, als David sich trennt von Jonathan und nun zieht er seine Straße allein. Können Sie überhaupt reden und es anderen sagen, wie schwer das ist, wenn man allein ist, wenn man niemand hat? Jonathan hat ja noch David verstanden. Aber dann weiß man gar nicht mehr, wo man hingehen soll. Man passt nirgendwo mehr hin, das Heimatland hat man verloren, die Zukunft ist ungewiss. Was soll denn mein Leben überhaupt?
Ich kann mir vorstellen, wie David durch die Nacht läuft. Da hört man irgendwo von fern einen Hund bellen, die Nacht ist kalt, und irgendwo läuft man und läuft. Aber man hat gar keinen richtigen Sinn mehr, weil man das Ziel nicht mehr kennt. Und dann kommt Angst auf.
Es ist gut, dass wir Menschen Angst empfinden können, denn Angst ist ein Zeichen unserer Klugheit, unserer Intelligenz. Da können wir kurz überlegen und das registrieren: Sind wir nicht wirklich verlassen, sind wir nicht ganz schwer bedroht? Das wäre schlimm. Und ein Zeichen unserer Dummheit wäre es, wenn wir gar nicht mehr kurz überschlagen könnten, wie gefährdet unser menschliches Leben ist.
Ich verstehe, dass David in Angst war. Er floh vor Saul. Und wie hat er denn überhaupt seine Flucht dann meistern können? Wenn man so allein durchs Leben gehen muss, wie viele von Ihnen, wenn man sein Ziel nicht kennt, wenn man fragt: Bin ich nicht bloß hierhin und dorthin geschoben von den Zufällen des Lebens? Gibt es noch einen Sinn hinter meinem Leben?
Ich glaube, David war ein mutiger und tapferer Mann, wie Sie auch, und eine Frau. Und darum hat er sich gesagt: Du musst das packen, David, komm, reiß dich zusammen. So ein Kerl, lass den Kopf nicht hängen. Los, lauf, lauf, gib nicht auf, David, es wird schon werden, du kriegst das schon unter die Füße. So wunderbar, wie Menschen in schwierigen Augenblicken sich zusammenreißen und sich mit ihrer ganzen Kraft noch einmal aufbäumen.
Jetzt muss ich Ihnen aber heute sagen, dass gerade dies der tiefste Fall Davids war. Sie kennen ja immer nur die Geschichte mit Bathseba als den großen Sündenfall Davids. Dabei haben wir hier und an der anderen Stelle, die später noch kommt, 1. Samuel 27, einen ganz furchtbaren, tiefen Fall von David. Vielleicht ist Ihnen das gar nie bewusst geworden, dass wir das fälschlich bewundern, wenn ein Mensch so entschlossen sagt: Ich muss das jetzt in meinen Griff kriegen, ich muss das meistern.
Lassen Sie mich einfach die Geschichte jetzt entlanggehen, damit wir sehen, was falsch wird und wo die Sünde lag.
David kommt nach Nob, ein kleines, verschlafenes Dörflein. Was würde uns schon gewesen sein? Es steht nicht viel in der Bibel über Nob. Wahrscheinlich war die Stiftshütte später von Silo nach Nob gebracht worden, und ab und zu kam vielleicht einer vorbei, der dort im Heiligtum mit Gott reden wollte. In dieser Zeit wird sich nicht viel in Nob abgespielt haben. Wir lesen nichts davon, dass Samuel groß gewirkt hätte in der Stiftshütte. Wir lesen auch nicht von einer Gotteserscheinung. Ein verträumtes Dörflein, vielleicht sogar ein Zeichen einer toten Kirche, dass sich nichts mehr abspielt, bis plötzlich auf seiner Flucht David in diesem abseitsgelegenen Flecken vorbeikommt und der Priester Ahimelech ihm entgegenläuft.
Wissen Sie, was er sagt? Was ist mit dir los? Das überrascht mich, dass Ahimelech ein Seelsorger war. So wünsche ich mir einen Begrüßungsdienst in der Kirche, der ihnen sofort sagt: Was ist heute mit ihm los? Sie sehen so anders aus. Der das einem abspürt, das sind Menschen, die haben Probleme, sagen: Brauchen Sie nicht ein Gespräch? Ich habe Zeit für Sie.
Der Ahimelech war ein großer Mann. Ich bewundere ihn mit seinem Gespür für die Lage Davids. Das ist nicht nur, weil er allein kam, dass er ihn so ansprach, sondern das sieht man doch einem im Gesicht an. Da ist irgendwas los. Was sieht man dem David im Gesicht an? Dass da einer kämpft und ringt, dass er mit seinem Leben nicht mehr fertig wird, dass er die Bitterkeit unten halten muss. Verstehen Sie, das hat man doch dem David abgespürt, dieses Ringen in seinem Leben.
Ich habe meine Predigt heute überschrieben: Lügen haben kurze Beine. Es war ja gar nicht nötig zu lügen. Ahimelech war ja nicht sein Feind. Er hätte ihm ja die ganze Geschichte erzählen können. Er hätte ihm doch sagen können: Ich bin in großer Not, hilf mir, bet mit mir, sag mir ein Gotteswort.
Warum sind wir eigentlich in Stunden der Not so verschlossen? Warum sagen Sie das nicht? Es gibt ja kaum einen von Ihnen. Ich glaube, es war niemand in den letzten zwei Jahren, der den Mut gehabt hat, die Krankenscheine hinten hinzuhängen. Es ruft ja kaum einer an und sagt, wenn er krank ist: Brauchen Sie das nicht, die Fürbitte und die Hilfe? Ich werde das schon meistern, ich kriege das unter die Füße.
David will auch Ahimelech nichts erzählen. Stattdessen erfindet er eine total verlogene Geschichte. Warum, weiß doch ich nicht. Das steckt so in uns drin. Vielleicht war es Angst, vielleicht war es Angst vor Sorge. Das entschuldigt eine Lüge nie. Notlüge ist Lüge, obwohl er nicht einmal in Not war.
Und wenn Sie einmal anfangen zu lügen, und das Lügen liegt uns ganz nahe im Munde, dann geht das weiter. Er sagt, ich bin unterwegs, und meine Leute, die sind da irgendwo anders. Und dann sagt er kurz ein paar Ortsnamen. Und jetzt wird das so dumm. Sie kennen das: Wenn man einmal angefangen hat zu lügen, muss man weiter lügen. Dann sitzt man in der Falle des Teufels drin.
Er ist doch ein Gottesmann. David, wo bleibt denn eigentlich dein Glaube? Wo ist denn dein Gottvertrauen? Das erzählt uns die Bibel ganz gewiss nicht, um uns als Richter aufzuspielen über einen so großen Zeugen des Glaubens wie David. Und wir brauchen uns gar nicht zu erheben, sondern das erzählt die Bibel, um uns ein wenig kritisch zu prüfen, dass dieser gesegnete und auserwählte David so rasch seinen Glauben verliert.
Ist die Hand des Herrn denn zu kurz geworden, dass er nicht mehr helfen könnte, selbst wenn er in Lebensgefahr wäre? Warum muss er denn Lügengeschichten erfinden? Der David, der als Hirte auf die Löwen zugestürzt ist und mit den bloßen Händen das Schaf herausgerissen hat, dieser Glaubensmann, ist so ein fieser Lügner.
Ich verstehe gar nicht, warum bei Glaubenden die Sünde oft so schick und so vornehm wirkt, so clever. Die Sünde gibt sich ja immer so einen Anstrich, als ob sie weltsmännisch wäre. Dabei ist sie so ausbeuterisch, so gemein, so hinterhältig, so dumm, so töricht, sagt die Bibel.
Der David, der dem Goliath entgegentrat, bloß mit der Hirtenschleuder, der fängt an, seine Zuflucht zu nehmen zu einem wirren Zeug von Lügen. Es ist gut, dass die Bibel uns nie zeigt, als ob die Glaubenden tolle Leute wären. Sie sind Leute wie du und ich, aber die das Erbarmen Gottes einmal erlebt haben, der sie herausgerissen hat.
Jetzt ist nur die Frage, ob sie sich herausreißen lassen aus ihrem Lügengewirr, ob sie sagen: Ich will das nicht machen, ich habe es erkannt, ich habe Umkehr gemacht bei mir. Ich habe das Alte verlassen.
Und das Schreckliche, dass dahinter sich etwas für uns zeigt, das ganz wichtig ist: Nicht in den schweren, großen Stunden des Lebens ist unser Glaube in Gefahr, sondern im ganz alltäglichen Trott des Tages, wo eigentlich gar nichts läuft, diese normalen Werktage, wo wir mittendrin stehen in unserer Arbeit, wo wir gar nicht mehr denken, dass der Versucher uns zu Fall bringen will. Dort geschieht dies, wo man das Vertrauen nicht mehr auf Gott setzt.
Vielleicht ist man so beschäftigt wie David, mit seiner Einsamkeit fertig zu werden und das unter die Füße zu kriegen: Ich will das meistern. Er ist doch im Heiligtum, er lügt im Heiligtum. Ja, gibt es das? Ja, das kennen sogar wir Christen gut: im Heiligtum zu lügen.
Dort hätte er doch niedersinken können, sagen können: Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Du hast doch so schöne Psalmen gemacht, David, warum singst du hier deine schönen Psalmen nicht? Wissen Sie, was er gesagt hätte? Ich habe doch im Heiligtum nur Brot gesucht. Ich war nur hungrig. Und was ein Mann, wenn er Hunger hat, verspeisen kann, das ahnen wir. Dass er sagt: Fünf Brote sind genug. Aber das waren nicht so Doppelstullen, sondern das waren so ganze zwei oder drei Kilo Leib. Das reicht mir für die nächsten zwei Tage.
Ich habe manchmal so Angst, wir kommen ins Heiligtum Gottes und suchen nur Genesung, nur Hilfe für den Tag, nur neue Kraft, nur ein bisschen Brot. Und Gott ist nicht der Lieferant unserer äußeren Bedürfnisse allein. Er will uns mehr geben.
Oh, wenn wir doch das merken könnten, wie leicht man hineinrutscht in die Gottlosigkeit und von der Gottlosigkeit in die Sünde, vom Glauben in den Unglauben gerade kurz darauf. Und dann wird unser Christenleben so oberflächlich, so billig, so schwach.
Das war mein erster Punkt: So rutscht man in eine Lüge.
Das Zweite, das ist der Weg Gottes. Das ist der Weg Gottes. Jetzt ist wichtig, dass Sie sehen: Das hat Gott ganz bewusst zugelassen. Hat nicht die ganzen letzten Tage auf seinem schweren Weg, den er einsam gehen muss, Herr David gedacht: Kann das noch von Gott zugelassen sein, dass ich so leiden muss? So fragen wir doch immer: Lieber Gott, wo bist du denn? Und wir kapieren nicht. Sie müssen es aus der Bibel merken: Es sind Gottes Wege.
Er führt seine Leute ganz bewusst diesen schweren Weg der Einsamkeit, dass wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzen, sondern auf Gott, der Tote auferweckt. Und Sie müssen wissen, dass bei Ihnen sogar solche schrecklichen Tiefen durchlitten werden müssen.
Gott lässt seine Leute in tiefe Sünde fallen. Es ist nicht wahr, dass Gott die Christen fehlerlos bleiben lässt. Er lässt sie in tiefe Sünde fallen, damit sie nie mehr den Mund so vollnehmen, als ob sie dem Herrn treu sein könnten, sondern sie leben von seinem Erbarmen bis zur letzten Todesstunde. Es wird nie anders bei ihnen sein.
Und bei David begann das doch nicht nur, als damals Bathseba ihn in Versuchung brachte. Das liegt doch auf so vielen Gebieten unseres Lebens, genau in diesen Stunden, wo wir uns freuen können und sagen können: Ich habe es doch mit meinem Christentum zu etwas gebracht, und ich bin doch eigentlich jetzt ein ganz ordentlicher Mensch geworden, und ich mache doch Gott lauter Freude. Und dann kann man so tief sinken.
Nicht das kleinste Stückchen können wir Gott treu sein, wenn ein Mensch wie David, der uns haushoch überlegen ist, so tief fallen kann. Sie sehen noch weiter den Fall Davids, als er dort in dem Heiligtum sagt bei Ahimelech: Gib mir das Schwert. Seit wann braucht David menschliche Waffen? Gibt es das denn? David braucht menschliche Waffen. Will er denn mit dem Schwert reinschlagen? Das hat er noch nie gebraucht.
Ich sage es noch einmal: Er ist auf den Löwen zugegangen mit den bloßen Händen auf dem Hirtenfeld von Bethlehem. Er ist auf den Goliath mit der Hirtenschleuder zugegangen. Aber wenn er schwach wird, dann nimmt er menschliche Waffen und setzt sein Vertrauen auf so etwas. Es war nie die Art der Christen, es ist nie eine Sache der Gläubigen, mit diesen menschlichen Möglichkeiten zu rechnen.
Worauf soll er denn vertrauen? Der Herr ist mit mir, was können mir denn Menschen tun? Der Herr ist bei mir wie ein starker Held.
Es hat mich ja gelockt, in diesen Predigten auch vielmehr noch die Psalmen durchzugehen. Die ganzen Psalmen ergänzen ja unsere Berichte, wo David selbst erzählt von der Gottlosigkeit, als er den Herrn verlassen hat, als er sich wieder ihm zuwendet.
Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte Sie heute Morgen bitten: Sie können Ihr Vertrauen auf Gott gar nie groß genug setzen und gar nie groß genug machen. Sie sagen: Ich weiß nicht, was morgen kommt, aber der Herr, der Herr ist bei mir. Wie dem, der sein Vertrauen auf Fleisch setzt, der sich selbst verstärkt hält.
Aber nehmen Sie doch die großen Zusagen Gottes, so wie es uns die Kinder gesungen haben in dem 23. Psalm, dass da er, der Herr, mit mir geht. Warum geht er denn mit mir? Weil ich so gut bin oder weil ich so lieb bin? Weil er sich für sündige Menschen erklärt hat, Schwestern und Brüder, das ist der Grund. Warum Sie mit der Treue Jesu rechnen dürfen? Weil er zu einem Verlorenen kommt, zu einem Gefallenen, zu einem Versager.
Das ist der Weg Gottes, den David gehen muss durch die Wüste. Gott hat ja das Ziel gesetzt, dass er König über Israel wird. Wann kommt denn das? Oh, Gott hat lange Zeit zu warten.
Wissen Sie, dass das ganze irdische Leben nur eine Übung ist bei Ihnen jetzt für die künftigen Aufgaben in der Ewigkeit? Darum kann uns Gott lang durch die Wüste führen. Und wenn ältere Menschen fragen, warum muss ich noch leben? Weil Gott das einüben will, was ein David noch lernen muss: dass allein unsere Stärke im Herrn liegt und nicht in uns.
Darum fällt auch unsere Leibeskraft dahin, wenn nur der Glaube um so mehr erneuert und gestärkt wird. Dass wir das einmal sehen, das ist das, was so parallel bei uns läuft zu David: Wir müssen durch die Wüste, das lässt Gott zu.
Gott hat nicht die Fratze, die wir da manchmal sehen, als ob Gott uns Böses will. Er hat Gedanken der Liebe und nicht des Leides. Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.
Aber dass wir in den Versuchungsstunden unseres Lebens das lernen, auf den Herrn zu schauen, die auf ihn sehen werden erquickt, so hat David damals gedichtet, als er von dem Philisterkönig Achisch wieder loskam, in Gat. Und ihr Angesicht wird nicht zu Schaden.
Oh, wie habe ich mich gefreut über die Losung heute Morgen. Der wird nicht zu Schaden, der auf Gott traut. Jetzt müssen wir bloß helfen, dass unsere Mitbrüder und Schwestern, die da durchs Leiden gehen, den Glauben nicht aufgeben. Das ist das Wichtigste: Jetzt bleibt treu, jetzt steht fest.
Und da sammelten sie sich dann in der Höhle Adullam, das wird da erzählt, in der Wüste, die Leute, die keine Hoffnung mehr hatten, und lernten bei David das Glauben und das Vertrauen und die Zuversicht in den lebendigen Gott.
Der Saul hat das nicht verstanden. Der sagt immer wieder zu seinen Getreuen: Hat euch David denn mit Geld bestochen? Der kann immer nur denken, es gehe um Geld. Und er kann nicht ahnen, dass Menschen viel Größeres und Wichtigeres gefunden haben: das Vertrauen in den Gott, der hilft und der nicht loslässt.
Jetzt muss ich noch das Dritte sagen über die bitteren Folgen der Sünde. Ja, die Lügen haben kurze Beine. Wir glauben es ja nie. Wir meinen immer, die Verheißungen Gottes wären viel zu kurz und sie würden für uns nicht mehr gelten. Und wir meinen, sie wären vielleicht für uns nicht mehr realistisch genug und konkret genug. Wir haben doch den geheimen Zweifel an dem Wort Gottes, ob das wirklich so gilt. Wir warten es ja kaum, ein Gotteswort in die Situation der Traurigkeit und der Not hineinzurufen.
Aber das zeigt die Bibel, ich sage es noch einmal, wie fies Sünde ist, wie schmutzig. Sünde hat so etwas Kokettierendes an sich, so etwas Charmantes, und verführt uns. Und darum müssen Glaubende manchmal die ganze Tiefe einer Sünde auskosten. Es geht bei manchen Gläubigen fast hinunter bis in das Zerbrechen ihrer Seele. Wenn Gott Schuld in sein Licht zieht, aber das ist nötig, damit wir wissen, was Schuld und Sünde ist.
Sie haben die Geschichte gehört, ich habe sie in der ganzen Ausführlichkeit gelesen. Ahimelech kann ja gar nichts dafür, er war ja wirklich durch die Lüge Davids irregeführt. Saul gibt ihm gar keine Gelegenheit, sich zu verteidigen, er reagiert ja im Jähzorn. Und jetzt werden 85 Mann, dazu Frauen und Kinder, dazu all die Tiere im Ort umgebracht, bloß wegen der Lüge Davids. Kein anderer Grund.
Und glauben Sie bloß nicht, Ihre Sünde hätte weniger verursacht. Wir sehen sehr oft gar nicht. Manchmal, wenn wir merken, wie es das Leben anderer Menschen vergiftet hat, dann wissen wir, wir können es ja gar nicht mehr in Ordnung bringen, das ist viel zu schlimm alles. Wie soll ich das abwischen können?
Es gibt überhaupt keine Schuld, die man abwischen kann, nicht nur die Schuld des letzten Weltkrieges und der Juden. Ich kann überhaupt keine Schuld wiedergutmachen. Wie soll ich sie denn wiedergutmachen? Sie ist geschehen und sie wirkt sich aus, so furchtbar, so wie diese Welt gezeichnet ist von all der Sünde von Menschen.
Der Priester Ahimelech stirbt, eine schreckliche Geschichte, und mit ihm all die Frauen und Männer und die Kinder. Und da will ich einfach damit schließen, dass die Bibel das andere sagt, dass für unsere Schuld der Sohn Gottes die Verantwortung übernommen hat und sie hinausführen lässt und sie hinrichten lässt, damit sie wissen: Meine Schuld ist endgültig gebüßt.
Das soll sie nie lässig machen und zum Spielen reizen, sondern dankbar und fröhlich, und sagen: Er hat mein Herz gewonnen und gefunden, ich will ihm gehören mit der ganzen Leidenschaft meines Lebens, will ihm gehören und ihm dienen, meinem Herrn, meinem Heiland, der für mich starb, mein Erlöser. Die Gnade gilt mir!
Und dann können wir heute diese ganze Geschichte nur hören und sagen: Herr, bei mir sind es ja noch ganz andere Dinge als bloß eine Lüge. Bei mir war ja so viel Eigenes, so viel Auflehnung. Herr, ich will kein Stück mehr gehen ohne dich. Jetzt lass meinen Glauben, mein Verbundensein mit dir, nicht abbrechen. Ich sehe, wie viel Herzeleid es bringt, dich zu verlassen. Halt mich treu und fest an deiner Hand.
Darum meine ich, dass diese Textgeschichte von David heute eine wunderbare Ermutigung für uns ist, für Leute, die allein durch die Nacht laufen, wo die Hunde bellen, wo man sagt: Mein Leben ist hin und her gewirbelt. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Oh, er wird uns wunderbar hindurchführen.
Bloß nichts ohne ihn, bloß nichts Eigenes, bloß keinen Weg der Sünde. Ich will nur die Sünde hassen, will nur treu ihm dienen von ganzem Herzen. Amen!