Serie•Teil 3 / 7Göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein unerwarteter Autokauf und die Frage nach Einfluss
Jack hatte vor, einen gebrauchten blauen Honda zu kaufen. Das Auto schien ein echter Glücksgriff zu sein, denn der Verkäufer Phil hatte ihn nur einen Monat gefahren. Jetzt stand der Wagen zum Verkauf, weil Phils Firma ihn plötzlich nach London versetzt hatte.
Jack gefielen das Fahrgefühl, die Motorkraft des Autos und, ganz zu schweigen von der hochmodernen Stereoanlage. Er war drauf und dran, den Wagen zu kaufen. Doch vorher, so sagte er Phil, sollte er ihn noch von einem Mechaniker untersuchen lassen.
„Warum?“, fragte Phil. „Es ist wirklich ein neues Auto. Es ist nur 500 Kilometer gefahren, und Sie bekommen ja die Garantie des Herstellers.“
„Ja, das stimmt“, antwortete Jack. „Aber ich habe meiner Frau versprochen, dass ich kein Auto kaufe, ohne es vorher überprüfen zu lassen.“
Phil bedachte Jack mit einem etwas vernichtenden Blick. „Lassen Sie sich von Ihrer Frau etwa alles sagen?“
„Klar“, sagte Jack. „Sie nicht?“
„Also nein, das tue ich nicht, ja, besser gesagt, das habe ich nicht getan“, antwortete Phil. „Ich bin geschieden.“
Nun lachte Jack leise. „Das ist vielleicht der Grund.“
Jack ließ das Auto von seinem Mechaniker untersuchen, und es stellte sich heraus, dass die hintere Stoßstange ersetzt werden musste. Deshalb kaufte er das Auto dann nicht.
Hat dieser Jack die Beeinflussung seiner Frau nicht etwas zu ernst genommen? Ist er damit nicht weit davon entfernt, wie die Beziehung in einer christlichen Ehe gestaltet werden soll? Hat denn nicht der Mann das letzte Wort? Das wollen wir heute genauer anschauen. Ich tue mich übrigens immer ein bisschen schwer, auch Dave O'Grady, wer hat das letzte Wort, ja, schwierig.
Lesen wir zuerst aber, was Paulus dazu sagt, und dann überlegen wir, wie das alles zu verstehen ist.
Der biblische Ausgangspunkt für Ehe und Beziehung
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie dahingegeben hat, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde für sich herrlich bereite, die keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern heilig und untadelig sei.
So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. Denn niemand hat je sein Eigenfleisch gehasst, sondern ernährt und pflegt es, wie auch Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Leibes.
Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dieses Geheimnis ist groß; ich deute es auf Christus und die Gemeinde. Darum auch hier: Ein jeder liebe seine Frau wie sich selbst, die Frau aber habe Ehrfurcht vor dem Mann.
Liebe, Begehren und die Gefahr der Verwechslung
Die Aufforderung, dass ein Mann seine Frau lieben soll, kann weder einen Mann noch eine Frau überraschen. Natürlich lieben Männer Frauen. Frauen üben auf Männer schon immer eine große Faszination aus.
Amnon, ein Sohn des israelitischen Königs David, ist dafür ein Beispiel. Er verliebte sich über beide Ohren in seine Halbschwester Tamar. Tamar war sehr schön, und Amnon verliebte sich in sie. Die Tatsache, dass er seine Liebe nicht ausleben konnte, machte ihn halb krank. Liebeskummer kann ja wirklich krank machen, ernsthaft.
Doch es gelang ihm mit Hinterlist, seine Halbschwester zu sich zu locken. Als sie ihm eine Krankenspeise ans Bett bringen musste, forderte er sie auf und sagte: „Komm zu mir ins Bett!“ Tamar sagte: „Nein, ich will nicht. Das schickt sich nicht, das gehört sich nicht.“ Doch Amnon bestand darauf. Tamar weigerte sich.
Amnon packte sie, riss sie in sein Bett und vergewaltigte sie. Und nachdem er seine Triebe abreagiert hatte, waren auch seine liebenden Gefühle für Tamar erloschen. Seine Abscheu war nun größer als vorher seine Liebe. Er forderte Tamar auf, sofort zu verschwinden. Sie flehte ihn an, er solle das nicht tun, denn damit würde er ihr Leben ruinieren. Das war Amnon egal. Er rief seine Diener und ließ Tamar hinauswerfen.
Ja, Männer stehen in der Gefahr, ihre Triebe für Liebe zu halten.
Das damalige Rollenverständnis und seine Folgen
Eine Frau zu lieben wurde auch zur Zeit, als Paulus den Brief an die Epheser schrieb, in dem wir uns ja befinden, mit körperlicher Liebe in Verbindung gebracht. Die Frauen waren den Männern in jener Gesellschaft nicht ebenbürtig. Sie hatten auch nicht dieselben Rechte wie die Männer. Eine Frau stand unter der Macht des Mannes und war ihm meist hilflos und rechtlos ausgeliefert.
Wie ich letztes Mal erklärte, ist es nicht Gottes Idee, dass in einer Ehe der Mann über die Frau herrscht. Dass das bis heute leider noch oft der Fall ist und in vielen Kulturen noch schlimmer als bei uns, ist die Folge der Sünde. Als Eva und Adam sich gegen Gott versündigten, sagte er zu Eva: Du hast Verlangen nach deinem Mann, er aber wird über dich herrschen. Das ist der Schaden, der durch die Sünde entstand.
Die Frau versucht, den Mann auf ihre Weise zu steuern und somit zu dominieren, aber der Mann wird die Frau schlussendlich immer beherrschen, weil er auch stärker ist. Ich weiß das mit dem stärkeren Geschlecht. Ich kenne die Antwort der Frauen, die sagen: Nein, wir Frauen sind stärker. Aber die Männer sind stärker, und zwar rein körperlich. In der Regel kann keine Frau einem Mann in der Kraft widerstehen, außer sie ist speziell dafür trainiert. Normalerweise ist der Mann der Frau rein kräftemäßig komplett überlegen.
Ich glaube, es gibt sogar Untersuchungen. Die Frau kann, glaube ich, das Halbe ihres Körpergewichts problemlos heben, und der Mann, glaube ich, das Doppelte seines Körpergewichts. Aber da müsste ich jetzt noch einmal nachschauen. Es gibt jedenfalls frappante Unterschiede.
Die Sünde von Eva und Adam ist der Ursprung des Geschlechterkampfes, der bis heute andauert.
Paulus gegen die Machtlogik der damaligen Kultur
Mit dem, was Paulus zu den Männern sagt, distanziert er sich vollständig von der Vorstellung, dass der Mann über die Frau herrschen soll. Ebenso distanziert er sich von dem Rollenbild, das damals in jener Kultur herrschte.
Heute sind wir uns oft gar nicht mehr bewusst, wie provokativ das damals war, was Paulus über die Rolle und über das Verhalten des Ehemanns geschrieben hat. Wir lesen den Text mit unserem gesellschaftlichen Hintergrund und stören uns daran, dass von der Frau erwartet wird, dass sie sich dem Mann unterordnet. Eifrig wird über diesen Aspekt diskutiert und gestritten. Alles andere, was Paulus zum Verhältnis der Ehepartner zueinander schreibt, verblasst in dieser Diskussion. Was heisst denn das, dass die Frau sich unterordnen soll, und so weiter?
Wenn ihr also ein Gesamtbild wollt, dann müsst ihr auch die letzte Predigt hören. Dann habt ihr zusammen mit dieser ein Gesamtbild.
Doch weil es bei uns heisst, dass darüber diskutiert wird, war das für die Frauen damals überhaupt kein Problem. In ihrer Zeit war es normal, dass sich eine Frau ihrem Mann unterordnet. Vielleicht nahmen sie es sogar mit Genugtuung auf, dass sie sich nur ihrem Mann unterordnen müssen und nicht jedem Mann.
Es gibt auch in christlichen Kreisen die Meinung, eine Frau müsse sich generell dem Mann unterordnen. Ich weiss nicht, woher sie das in der Bibel finden. Ich habe es bis jetzt nicht gefunden, ausser Sie nehmen diese Stelle hier im Ersten Mose. Jetzt habe ich da Durcheinander: Ihr Männer, genau, das Verlangen der Frau und das Herrschen des Mannes. Sie nehmen das als eine Ordnung Gottes, dann kann man es vielleicht so sehen. Aber das ist in meinen Augen exegetisch nicht möglich.
Die eigentliche Schärfe des Abschnitts
Der eigentliche Zündstoff in diesem Abschnitt von Mepheser über die Ehe, über Mann und Frau, liegt in dem Teil, in dem Paulus über das Verhalten der Ehemänner gegenüber ihren Frauen spricht. Er stellt klar, dass Liebe nicht primär etwas mit körperlicher Zuneigung zu tun hat, sondern viel umfassender und tiefgreifender ist.
Und weil sich Paulus durch seine Anweisungen an die Männer deutlich von der damaligen Vorstellung distanzierte, musste er seine Forderung an den Mann, seine Frau zu lieben, ausführlicher erklären und begründen. Bei der Frau konnte er sich kurz fassen; dort sind keine Fragen aufgekommen. Beim Mann musste er intensiver erklären, warum er meint, dass es so ist.
Paulus macht den Männern eindringlich klar: Die Frau ist nicht die Dienerin ihres Mannes, die auch bereit sein muss, geliebt zu werden, wenn der Mann Lust hat. Deshalb beschreibt Paulus exakt und eindrücklich, wie die Liebe zur Ehefrau Ausdruck finden muss.
Christus als Maßstab für eheliche Hingabe
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie dahingegeben hat, um sie zu heiligen.
Das Vorbild für die Männer ist niemand Geringerer als Christus selbst. Und in welcher Weise sie Christus zum Vorbild nehmen sollen, überlässt Paulus auch nicht dem Leser. Er erinnert sie daran, dass Jesus die Herrlichkeit bei seinem Vater verlassen hat, Mensch wurde und sein Leben für uns geopfert hat, indem er sich hinrichten ließ.
Jesus Christus hat sein Leben als Lösegeld für alle gegeben. Er hat einen hohen Preis dafür bezahlt. Mit seinem Sterben bezahlte er für unsere Schuld, wie Paulus es anhand eines Schuldscheins erklärt, der auf unseren Namen ausgestellt war und dessen Inhalt uns anklagte, weil wir die Forderung des Gesetzes nicht erfüllt hatten. Diesen Schuldschein hat er für nicht mehr gültig erklärt, er hat ihn ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt.
Jesus ist am Kreuz für uns gestorben. So hat Jesus sein Leben gegeben, damit unsere Schuld vergeben werden kann. Dadurch entsteht eine neue Gemeinschaft von Menschen, die sich mit Gott versöhnt haben. Das ist dann die Gemeinde, wir.
Alle, die Jesus in ihr Leben eingeladen haben und von ihrer Sünde frei geworden sind, deshalb fährt Paulus weiter: Jesus hat die Gemeinde gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er für sich die Gemeinde herrlich bereite, die keine Flecken und Runzen oder irgendetwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.
Reinigung, Taufe und neue Zugehörigkeit
Diese Reinigung geschah, weil Jesus unsere Schuld auf sich genommen hatte. Das ist der Grund, warum wir ohne Flecken und Runzeln vor Gott stehen können.
Jedes Gemeindeglied hatte dazu eine Entscheidung getroffen. Das Wasserbad im Wort ist ein Hinweis auf die Taufe, den Taufakt, mit dem jedes Gemeindeglied einmal seine Schuld bekannt hatte und Jesus als Herrn in sein Leben einlud.
Paulus schreibt im Titusbrief: Durch das Bad der Wiedergeburt hat er den Schmutz der Sünde von uns abgewaschen und hat uns zu neuen Menschen gemacht. Und dieser Hinweis, den er hier im Epheserbrief macht, das Wasserbad im Wort, ist ein Hinweis genau auf diese Sache, auf die Taufe.
So sind wir nun ohne Flecken und Runzeln und dergleichen vor Gott, weil Jesus das für uns getan hat und weil wir uns ihm angeschlossen haben, indem wir uns taufen ließen. So sagt Paulus es den Ephesern eben genau: Jesus hat die Gemeinde gereinigt durch das Wasserbad im Wort, durch die Taufe. Wir sind wiedergeboren, heißt es an anderer Stelle, aus dem lebendigen Wort Gottes.
Damit er für sich die Gemeinde herrlich bereite, die keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.
Die radikale Umkehrung der Erwartungen an den Ehemann
Das, was Jesus getan hatte, ist nun der Maßstab für den Ehemann. Der Mann soll mit derselben Opferbereitschaft, mit der Jesus uns geliebt hat, seine Frau lieben. So wie Jesus sollen auch die Männer ihre Frauen lieben, wie ihren eigenen Leib.
Damit hat Paulus den Spieß quasi umgedreht: nicht wie das in der Gesellschaft üblich war, dass der Mann über seine Frau Macht ausübte, sondern der Mann musste seiner Frau dienen. Nichts anderes. Es würde erstaunen, wenn die Männer damals über das, was Paulus hier von ihnen verlangte, nicht geschockt gewesen wären. Bis dahin glaubten sie, die Frauen seien für sie da, um für sie zu sorgen und ihr Leben zu bereichern. Und nun ist alles umgedreht. Sie müssen für ihre Frauen da sein, sie müssen gut für sie sorgen und im schlimmsten Fall bereit sein, für sie zu sterben.
Diese aufopfernde Liebe verlangt eine radikale Hingabe des Mannes an seine Frau. Der verheiratete Mann kann sich nicht wie bis anhin als ein autonomes Wesen verstehen, das machen kann, was es will, und auf das alle sich orientieren müssen. Der Mann muss nun seiner Frau dieselbe Aufmerksamkeit schenken, die er sich selbst schenkt. So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst.
Übrigens heißt es hier, es ist ein eigenes Fleisch. Das hat etwas mit seiner Argumentation zu tun, aber das lassen wir jetzt einmal.
Ehe als neue Einheit und schöpfungsgemäße Ordnung
Die radikale Sicht einer Ehe muss die Christin verblüfft haben. Der Mann muss seine Frau als einen Teil von sich selbst betrachten. Er muss sie lieben wie sich selbst. Genauso wie der Mann für sein eigenes Wohl sorgt, muss er auch für das Wohl seiner Frau besorgt sein. Diese Fürsorge betont Paulus mit einer weiteren Bemerkung: Hier steht Fleisch, entschuldigung: Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern ernährt und pflegt es, wie auch Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Leibes.
Also, hier vorher steht, muss ich sagen, Leib, also Soma, und hier steht Fleisch, Sarks. Bei dieser Liebe geht es unmissverständlich um Fürsorge. So wie Christus heute für die Gemeinde sorgt, so muss auch der Mann für seine Frau sorgen, denn sie ist ein gleichberechtigter Teil in seinem Leben. Die Frau ist mit ihrem Mann verschmolzen. Eigentlich gibt es keinen Mann und keine Frau mehr. Heiraten zwei, dann treten Mann und Frau in den Hintergrund, und es entsteht etwas Neues: ein Ehepaar, eben dieses eine Fleisch.
Und wie ernst das Paulus meint, unterstreicht er mit einem Zitat aus der Schöpfungsordnung, als er, bevor die Sünde das Leben der Menschen bestimmte, sagt: Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seine Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Paulus legt Wert darauf, genau dieses Wort zu verwenden. Auch vorher: Da ist ein Fleisch. Der Mann ist ein Fleisch mit der Frau, mit der eine neue Körperschaft entstanden ist. Es zitiert aus 1. Mose 2,24. Das ist das schöpfungsgemäße Konzept der Ehe.
So hat sich Gott die Grundzüge einer Ehe gedacht, auch wenn wir das nicht so leben. Es behält bis heute seine Gültigkeit. So stellt sich Gott Ehe vor. Der Mann verlässt Vater und Mutter, geht zu seiner Frau, und was uns wirklich erstaunen muss, ist: Er hängt sich an die Frau. Er hängt sich an die Frau, nicht die Frau an ihn. So ist also der Mann eher ein Anhängsel der Frau. Und die Frau nicht ein Anhängsel des Mannes. Sehr interessant!
Er hängt sich an die Frau und verschmilzt mit ihr zu einem neuen Wesen. Die zwei werden ein Fleisch sein. Sie gehören ganz und gar und unzertrennlich zueinander. Sie bilden miteinander eine neue Körperschaft. So radikal hat sich Gott die Hingabe des Mannes an seine Frau gedacht. Und damit macht Paulus auch deutlich, dass dieser Begriff „ein Fleisch werden“, den Männer ja immer sehr gern für die körperliche Vereinigung verwenden, von Mann und Frau ein Fleisch werden umfasst alles. Alles.
Wenn ein Mann eine Frau nimmt, dann gibt es nachher keinen Mann und keine Frau mehr, sondern es entsteht ein Ehepaar. Sie sind ineinander verschmolzen. Deshalb soll sich der Mann gegenüber der Frau so verhalten, wie er sich selbst gegenüber verhält. Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern ernährt und pflegt es, wie auch Christus die Gemeinde.
Seht ihr, wie radikal das Paulus schreibt. Er schreibt von der Ehe, vom Mann: Niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst. Und deine Frau ist jetzt sein eigenes Fleisch. Also, wie provokativ muss das gewesen sein in der damaligen Kultur.
Das große Geheimnis hinter der Schöpfungsordnung
Und plötzlich scheint es, als würde Paulus seinen Gedankengang unterbrechen. Er bleibt an dem zitierten Wort aus der Schöpfungsordnung hängen: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein.
Es scheint, als würde Paulus jetzt etwas Großartiges entdecken, das er bis dahin noch gar nicht so bedacht hatte. Er sagt: Dieses Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.
Eigentlich überrascht uns das nicht, und viele Ausleger sehen darin einfach das, was Paulus vorher ja gesagt hat. Zuvor hat er es mit der Gemeinde verglichen, also: Die Frau ist die Gemeinde, der Mann steht für Christus. Und jetzt könnte man meinen, dass Paulus das praktisch nur noch einmal wiederholt und sagt, das sei eigentlich ein Geheimnis. Aber er hat es ja vorher schon erklärt. Wenn es ein Geheimnis ist, müsste er ja vorher sagen: Es ist ein Geheimnis, und ich denke, jetzt zeige ich das auf.
Also muss es vermutlich mit größter Wahrscheinlichkeit etwas anderes sein. Denn das hat er ja vorher bereits auseinandergenommen. Deshalb denke ich, dass Paulus in diesem Vers ein anderes Geheimnis entdeckte. Das hat mich wirklich fasziniert. Vermutlich erkannte er in diesem Prinzip der Schöpfungsordnung Jesus, der seine Braut, die Gemeinde, zu sich holen wird.
Interessant ist auch, dass hier der Mann Vater und Mutter verlässt und der Frau entgegengeht und nicht umgekehrt. Die Frau kommt nicht in sein Haus.
Die kommende Vereinigung mit Christus
Dann wird die Gemeinde mit Jesus unzertrennlich zusammenleben. So wie Paulus zum Beispiel in Thessaloniki schreibt, als er erklärte, wie das vor sich gehen wird, wenn Jesus kommen wird: Zuerst werden die Gläubigen auferstehen, die bereits gestorben waren, und danach werden wir, die Gläubigen, die zu diesem Zeitpunkt noch am Leben sind, mit ihnen zusammen in den Wolken emporgehoben, dem Herrn entgegen. Und dann werden wir alle für immer bei ihm sein.
Das ist der grosse Moment, auf den Paulus und auf den wir als Christen hinleben. Das ist unser nächstes grosses Ziel: die Vereinigung mit Christus. Dann werden wir für immer bei ihm sein. Paulus war ganz auf dieses Ziel ausgerichtet. Er schreibt: Ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.
Am Ziel ist er, wenn Jesus kommen wird und die Gemeinde zu sich holt. Daran, so denke ich, muss Paulus plötzlich gedacht haben, dass in diesem Wort der Schöpfungsordnung eigentlich noch eine viel tiefere Bedeutung ist. Nämlich, dass Christus kommen wird und die Braut, die Gemeinde Jesu, zu sich holen wird.
In der Offenbarung wird uns von der Freude der Gemeinde berichtet, wenn der Bräutigam kommt. Wenn das geschieht, lasst uns jubeln vor Freude und ihm die Ehre geben, denn jetzt wird die Hochzeit des Lammes gefeiert. Seine Braut hat sich für das Fest bereit gemacht.
Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen. Ich habe jetzt zwei, drei Tage darüber nachgedacht, und ich komme zum Schluss: Das muss der Gedanke des Paulus gewesen sein. Genau dieses Bild: Christus kommt, um uns die Gemeinde zu holen. Das tiefe Geheimnis, dass Christus uns holt und sich mit der Gemeinde vereinigt, für immer und alle Zeit. Und wir mit ihm eins sein werden.
Das ist der grosse Moment, auf den wir hinleben, und der Paulus ständig vor Augen war. Der Bräutigam Jesus wird kommen und seine Braut, die Gemeinde, zu sich nehmen und sich mit ihr vereinigen. Und sie werden für immer zusammengehören, ein Fleisch sein. Ich denke, das ist das Geheimnis, das Paulus darin sah.
Zusammenfassung: Respekt, Liebe und gegenseitige Unterordnung
Zum Schluss fasst Paulus nochmals zusammen: Darum auch ihr, ein jeder liebe seine Frau wie sich selbst, die Frau aber fürchte sich oder habe Ehrfurcht vor dem Mann.
Erstaunlicherweise wird von der Frau nicht verlangt, ihren Mann zu lieben; sie soll ihn fürchten. Das bedeutet, sie soll ihn respektieren, und Respekt ist ein wichtiger Aspekt der Liebe. Es gibt keine respektlose Liebe. Respektlose Liebe ist keine Liebe. Man kann nicht respektlos lieben, das ist unmöglich.
Wie ich in der letzten Predigt erklärte, hatte Paulus bei dem, was er schrieb, die damalige Gesellschaft vor Augen. Hätte er geschrieben, die Männer müssten sich ihren Frauen unterordnen, hätte er beißenden Spott über sich ergehen lassen müssen. Das wäre Paulus vermutlich noch egal gewesen, aber dadurch wäre das Evangelium der Lächerlichkeit preisgegeben worden. Kein Mann hätte das, was mit dem christlichen Glauben zu tun hat, noch ernst nehmen wollen. Und das war Paulus nicht egal.
Paulus wählte einen sehr weisen Weg, wie er den Christen mitteilte, wie sich eine christliche Ehe gestalten soll. Zuerst erwähnte er das grundlegende Prinzip, das wir in der ersten Predigt dieser Reihe angeschaut haben: Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi! Das ist eine generelle Anweisung für die Christen, wie sie sich innerhalb der Gemeinde verhalten sollten.
Dann kommt Paulus auf die Ehe zu sprechen, und unter Berücksichtigung der damaligen Sitte sagt er, dass sich die Frauen ihren Männern unterordnen sollen, so wie sie sich Christus unterordnen. Das war also nichts Überraschendes für die Leute damals. Vom Mann verlangte er, dass er seine Frau liebt, und zwar so aufopfernd und radikal, wie das bis dahin vermutlich noch niemand gewagt hat, so zu sagen. Der Mann, der der Frau an körperlicher Stärke überlegen ist, soll das Schwächere, die Frau, in aufopfernder und hingebungsvoller Weise lieben und ihr so begegnen.
Das ist doch, wenn wir ganz ehrlich sind, im Endeffekt nichts anderes als die Unterordnung des Mannes gegenüber der Frau, einfach anders gesagt, nicht mit dem Wort Unterordnung. Aber was der Mann für die Frau tun soll, ist nichts anderes als eine andere Art zu sagen, dass sich auch der Mann der Frau unterordnet.
Somit könnte man sagen, dass Paulus auch in Bezug auf die Ehe festhält, dass sich das Prinzip der gegenseitigen Unterordnung auch auf die Ehepaare bezieht, ohne dabei die speziellen Rollen der Frau und des Mannes aufzugeben. Da sind wir uns ja bewusst, und das ist auch unserer Gesellschaft bewusst. Gerade jetzt, als es um die Bundesratswahlen geht, sind ja die Frauen bemüht, uns zu erklären, was alles anders geht, wenn Frauen in der Führung sind. Die Frauen selber betonen ja auch den Unterschied, der zwischen Mann und Frau besteht. Der Mann ist das Haupt und die Frau der Leib.
Aber ein Ehepaar kann nur in gegenseitiger Unterordnung so funktionieren, wie sich das Gott vorgestellt hat. Der Mann ist in der Ehe nicht der Herrscher, auch nicht der, der alles bestimmen soll und muss. Vielleicht muss sich der Mann bewusster bemühen, den Einfluss seiner Frau zuzulassen, so wie Jack, der sich beim Autokauf an die Abmachung mit seiner Frau gehalten hatte.
Eine Ehestudie von Dr. John Gottman kommt zu folgendem Schluss. Übrigens kann ich das Buch, das ihr in der Leseausgabe findet, sehr empfehlen; es ist für Ehepaare sehr lesenswert. Er kommt also zu folgendem Schluss: Unsere Studie, die haben eine große Studie gemacht und Ehen beobachtet, und das ist das Interessante daran, dass die meisten Ehebücher schreiben und sagen, was sie denken. Aber dieses Institut hat Ehepaare untersucht. Die haben sie quasi in einen Raum gesteckt, gefilmt und geschaut, wie sie reagieren. Und Gottman sagte übrigens, er könne mit 90-prozentiger Sicherheit sagen, wenn er ein Ehepaar gesehen habe, wie sie funktionieren, ob sie zusammenbleiben oder auseinandergehen. Ein anderes Thema.
Aber er sagt Folgendes: Unsere Studie kam nicht zu dem Schluss, dass Männer all ihre persönliche Macht aufgeben und ihr Leben von ihrer Frau bestimmen lassen sollten. Doch wir fanden heraus, dass die auf lange Sicht glücklichsten und stabilsten Ehen diejenigen waren, in denen der Ehemann seine Frau mit Respekt behandelte und sich nicht weigerte, seine Macht mit ihr zu teilen und sie in seine Entscheidungsfindung einzubeziehen.
Wen überrascht das? Habe es mal gut zu hören. Die Ehen von Christen sollten von ganz besonderer Qualität sein, weil sich Christen an der Schöpfungsordnung orientieren. Und in der Schöpfungsordnung gibt es keine Diskriminierung, und keiner übt über den anderen Macht aus. Für den Ehemann ist das Maß aller Dinge Christus selbst.
Paulus fasst das zusammen: Jeder Mann liebe seine Frau wie sich selbst. Die Frau aber habe Ehrfurcht vor dem Mann.
Gebet und Schlusswort
Ich bete mit uns.
Ich danke dir, Vater, für dein Wort und für die Weisheit, die wir immer wieder darin entdecken. Auch Paulus hat in die damalige Zeit hineingeschrieben, und wie weise hat er das getan, wie aussagekräftig war das doch.
Hilf uns, dass wir lernen, uns wirklich an dem zu orientieren, was dir gefällt. Hilf uns, zu verstehen, wie du auch in den Ehen unsere Rollen und unsere Art, wie wir einander begegnen, bestimmst. Hilf uns, dass wir uns wirklich an der Schöpfungsordnung orientieren.
Ich danke dir einfach, Herr Jesus, dass du für uns wirklich das Großartige getan hast, dass du in diese Welt gekommen bist und für unsere Schuld gestorben bist. Und ich danke dir, dass wir wissen, dass du kommen wirst, uns zu dir nimmst, und dann werden wir mit dir eins sein, ein Fleisch. Das ist das Geheimnis, das Paulus erkannt hat. Amen.

