Generierte Mitschrift
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Einleitung, Dank und gemeinsames Gebet
In dieser Nacht wird uns bewusst, wie vergänglich unsere eigene Lebenszeit ist.
Ich will Sie grüßen mit einem Wort, das einst Gott an das Volk Israel gerichtet hat: Gott hat dein Reisen durch diese Wüste zu Herzen genommen. An nichts hast du Mangel gehabt. Ihr habt gesehen, wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln und habe euch zu mir gebracht.
Das soll das Erste heute Abend sein: das Danken. Und wir wollen miteinander singen: Bis hierher hat mich Gott gebracht, 329.
Schlagen Sie bitte in Ihren Gesangbüchern jetzt die Nummer 735 auf, und wir wollen sitzend diesen Psalm 90 miteinander beten. Bleiben Sie sitzen.
Psalm 90:
Herr, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der du die Menschen lässt sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder. Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lässt sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst und das abends welkt und verdorrt.
Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen, und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahin müssen. Denn unsere Missetaten stellst du vor dich, unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz. Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hochkommt, so sind’s achtzig Jahre. Und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe, denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.
Wer glaubt’s aber, dass du so sehr zürnest, und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm? Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Herr, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig. Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden. Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern. Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja, das Werk unserer Hände wollest du fördern.
Nun lasst uns gehen und treten. Wir singen das Lied 58, Paul Gerhardts Lied zur Jahreswende, die Verse 1 bis 7.
Wir wollen uns erheben und beten:
Du treuer und barmherziger Herr, wie hast du uns beschenkt in diesem zurückliegenden Jahr. Wie oft hast du uns ganz unerwartet geholfen, wie haben wir deine Nähe erlebt in Schrecken und Angst und Krankheit und Sorgen. Du hast Gebet erhört, und du hast uns alles gegeben, was wir brauchen, in Überfülle: Essen und Trinken, unser Wohnen und den Frieden in unserem Land erhalten.
Wir danken dir für die Menschen, die uns umgeben haben, aber auch für manches Schwere, wo du die Last mitgetragen hast. Und das bedrückt uns jetzt, das ist uns eine Last: dass wir so oft undankbar waren, dass wir dein Wort so oft gebrochen haben. Du kennst unser böses und ungläubiges Herz. Du hast immer wieder mit einer ganz großen Geduld über uns gewartet.
Herr, es ist uns leid, auch die vielen Versäumnisse, die Schuld und die Sünde unseres Lebens, womit wir gegen dich und dein Wort gesündigt haben. Wie viel Unnützes und Böses haben wir geredet, bewusst und unbewusst. Wie viel ist durch unser unreines Herz gegangen, und wie viel Böses haben wir getan an unseren Nächsten und weit darüber hinaus, bewusst und unbewusst. Du erkennst das an uns viel besser, als wir es erkennen können.
Es reut uns, und es ist uns leid, und wir bitten von Herzen um deine Gnade, um deine Vergebung, dass du uns ganz rein machst jetzt am Ende dieses ablaufenden Jahres.
Ist dies euer Bekenntnis und eure Bitte, so antwortet mit einem aufrichtigen Ja. Euch geschehe nach eurem Glauben. Der allmächtige Gott hat sich über euch erbarmt, und durch seinen lieben Sohn Jesus Christus vergibt er euch alle eure Sünde, die ihr bekennt und bereut.
Und weil Jesus uns die Vollmacht gegeben hat, dass wir in seinem Namen Sünden vergeben dürfen, so darf ich euch die Gnade Gottes verkündigen und die Vergebung aller eurer Schuld im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer es glaubt, der spreche: Amen, Amen!
Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.
Da Jesus in der Nacht, da er verraten ward und mit seinen Jüngern zu Tisch saß, nahm er das Brot, sagte Dank, brach’s, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmt hin und esst, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird. Das tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er nach dem Mahl den Kelch, sagte Dank, gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das tut zu meinem Gedächtnis.
Herr Jesus Christus, stärke du unseren schwachen Glauben, dass er unüberwindlich stark, mutig und fröhlich wird, der Freude, dass du uns nicht loslässt. Amen!
Mitarbeiter der Gemeinde bringen nun Brot und Kelche in die Reihen, und ich darf Sie noch einmal bitten, dass Sie beim Weitergeben des Kelches dem neben Ihnen das Zusprechen miteinander den Dankpsalm beten, als ein Bekenntnis auch der Güte Gottes, die wir so oft in diesem zurückliegenden Jahr erfahren haben:
Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.
Wir singen miteinander von guten Mächten, Nummer 65, das Lied Dietrich Bonhoeffers von der Bewahrung und der Behütung auch im Blick auf all das, was sie in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten bedrängt. 65, und wir singen alle sieben Verse.
Lukas 13, Seite 91 in Ihren Bibeln. Lukas 13, die Verse 6 bis 9, das Gleichnis vom Feigenbaum.
Lukas 13, Verse 6 bis 9:
Jesus sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum. Der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum und finde keine. So hau ihn ab. Was nimmt er dem Boden die Kraft?
Der Weingärtner aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge. Vielleicht bringt er doch noch Frucht. Wenn aber nicht, so hau ihn ab.
Die Frage nach dem Sinn des Lebens
Es ist eine seltsame Nacht, Silvesterabend. Besinnlich. Aber wenn man nachdenkt: Was passiert denn da eigentlich?
Man meint, als wäre auf irgendeinem Luxusdampfer eine Gesellschaft fröhlich unterwegs. Ausgelassen feiern sie, alles ist geboten, ein Traumschiff. Man schimpft auch ein wenig, weil es uns so gut geht. Aber ohne Ziel dampft das Schiff durch die Wellen. Man amüsiert sich zu Tode. Ist das eigentlich unser Leben? Das, was in dieser Nacht vielfach gefeiert wird?
Aber wenn man nachdenkt und grübelt, kommt ja immer ein anderer Gedanke: Nein, gar nicht mit dem Feiern, das passt gar nicht.
Ich finde das so toll in dem Bild, beschrieben in einem Roman, wo einer versucht hat, unser Leben zu deuten. Und er erzählt doch von einer riesigen Fabrik, durch die die Besucher geführt werden. Der Produktionsleiter erklärt ganz stolz, wie der Betrieb läuft. Und da sieht man, wie die Arbeiter schuften und rennen. Tag und Nacht, 24 Stunden läuft das. Da sind die Maschinen, die rattern, und die Kamine, die rauchen. Und da sind die Eisenbahngleise. Und da sieht man, wie diese Güterwagen kommen und dann, wie sie ihre Güter ausladen. Und da werden Dinge produziert. Und dann erklärt der Produktionsleiter all das, was da produziert wird, wie präzise und genau das läuft und wie schön. Da werden Kunststeine gemacht. Und die Leute stehen da und gucken erstaunt und erklären, wie die Produktion gesteigert wird. Immer mehr, immer größer, immer weiter.
Und dann, zum Schluss seiner Besichtigung, sagt er: Jetzt ist noch eigentlich das Tolle, wir haben unseren Betrieb fusioniert mit einem anderen. Und wir schaffen jetzt Hand in Hand. Jetzt geht es ganz reibungslos. Gerade wenn die Steine fertig sind, werden sie hinübertransportiert. Und da ist wieder eine große Fabrik mit Maschinen, und da werden all die Kunststeine wieder zermalmt zu Sand. Und dann erklärt der Produktionsleiter so stolz. Und dann fahren die Loren wieder hinten herum, und dann kommen sie wieder ins Werk, und dann geht die Produktion wieder an.
Ist unsere Welt vielleicht so töricht, dass man sich oft fragt: Was ist denn der Sinn von meinem Arbeiten? Was kommt denn überhaupt heraus?
In dieser Nacht fragt man sich: Was ist mein Leben? Oder ist mein Leben nur wie so ein Silvesterknaller? Kurz zischt er am Himmel auf, eine Leuchtspur, dann ist ganz still, dann ist vorbei, verglüht.
Was ist Ihr Leben?
Die Bibel aufzuschlagen ist ganz einfach. Das Wort Gottes gibt Klarheit. Sie sind Erntefeld. Ihr Leben ist einem großen, wunderbaren, schmucken, gewaltigen Baum gleich. Gott hat sie wunderbar gemacht. Was hat Gott ihnen alles mitgegeben an Gaben? Und jetzt wartet Gott auf Frucht, an jedem Tag, in jeder Stunde ihres Lebens.
So ganz einfach: Wozu lebe ich, was ist der Sinn meines Lebens? Gott zur Ehre, damit Frucht herauskommt für ihn. Wunderbar geplant, geordnet, versorgt, betreut, gestaltet.
Meine erste Frage: Was kommt bei Ihnen heraus?
Sie wissen, dass man am Jahresende Bilanzen braucht. Das brauchen die Geschäfte, die müssen gucken, ob sie schwarze oder rote Zahlen schreiben. Was ist rausgekommen? Aber selbst in den demokratischen Gremien fragt man: Was ist rausgekommen? In den Vereinen: Was haben wir erwirtschaftet, was ist das Ergebnis in diesem Jahr? Was ist rausgekommen, hat es sich gelohnt?
Da gebraucht Jesus dieses Bild, wie der Herr durch seinen Weinberg geht. Und plötzlich bleibt er vor diesem Feigenbaum stehen und sagt: Na nun, das kann doch nicht sein. Letztes Jahr nichts, vorletztes Jahr nichts und dieses Jahr auch wieder nichts. War ein schöner Baum, ein stattlicher Baum, starke Äste, schönes Laub, gut hat er geblüht im Frühjahr, keine Frucht.
Dann kennen wir ja schöne Bäume, die keine Frucht geben. Wir haben Bäume gerne, weil sie schön aussehen. Aber das genügt für den Herrn des Weinbergs nicht, die Blüte auch nicht. Er hat den Baum nicht wegen der Blüte und nicht wegen der Schönheit, sondern wegen der Frucht.
Wenn ich auf der Schwäbischen Alb wandere, dann habe ich dort diese Bäume so gern, die man dort auf den Filzen sieht, wie die sich mit ihren Wurzeln eingegraben haben und dort den kalten und wilden Winterstürmen standhalten. So eine Sache. Was so ein Baum aushält und wie er sich da tief eingräbt, der hat ja gar nicht viel Erdreich.
Und manche von Ihnen erinnern mich an solche Bäume. Da sieht man es Ihnen an, durch welche Stürme sie gegangen sind. Und wie Sie sagen: Ich habe mein Leben lang getrotzt, und ich habe standgehalten all den Widerwärtigkeiten des Lebens. Aber es ist nicht genug. Sie sagen: Ich habe es durchgestanden. Es ist zu wenig. Der Herr sucht Frucht.
Niemand von Ihnen wird Geld dorthin tragen, wo er keine Zinsen kriegt. Oder machen Sie das? Das ist Ihre Schuld. Wir sind so geschäftstüchtig, das muss doch Frucht tragen, es muss doch was dabei herauskommen. Wenn Gott Ihnen Ihr Leben gegeben hat, dann wartet er auf Frucht. Was kommt dabei für Gott heraus, nicht für Sie?
Wir leben nicht für uns zum Jux, wir leben für Gott. Was kommt dabei heraus? Was hat Gott Ihnen in diesem zurückliegenden Jahr gegeben? Einen Wohlstand, wie es kein anderes Volk der Welt hat, und zwar der Durchschnittsbürger bei uns. Äußere Versorgung, soziale Sicherheit, Frieden. In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet? Haben Sie es gemerkt?
Manchmal war man ja direkt überrascht. Wie hat Gott uns beschenkt, auch wenn wir noch nicht wissen, wie der Weg unserer Gemeinde weitergeht. Aber dass dieses Jahr so vorübergeht, wir können nur loben und danken. Was hat Gott uns gegeben an lieben Menschen, wie hat er uns aufgerichtet, wie hat er uns erfreut. Ist das alles für die Katz oder was ist rausgekommen bei Ihnen?
Man spricht heute viel vom Dreiliterauto. Und sagt, man muss sorgsam mit Energie umgehen. Das ist richtig, da ist niemand dagegen. Ich würde auch mit einem Einliterauto fahren, besonders wenn der Spritpreis so teuer wird. So kostbar gehen wir mit Energie um. Manche sagen: Löscht doch die Lichter, es kostet so viel, spar doch den Strom, spar Energie.
Das Kostbarste ihres Lebens, noch kostbarer als Energie, ist ihr Leben, weil es eine Leihgabe Gottes ist, über das sie nicht verfügen können. Ihr Leben gehört nicht ihnen. Auch all die Gaben, die Gott Ihnen anvertraut hat, auch ihre Gesundheit, ihre Ämter, ihre Aufgaben, Leihgaben Gottes. Wie gehen Sie damit um? Gedankenlos oder was machen Sie damit?
Also, das war unser erster Punkt: Was kommt am Ende eigentlich heraus? An Frucht.
Der Ruf zur Umkehr und die Geduld Gottes
Zweiter Punkt, den Jesus da erwähnt, ist: So kann es nicht mehr weitergehen. Der Herr geht durch seinen Weinberg und sagt: So, der Baum muss weg. Der Baum muss weg – das klingt so hart. Damals hat man noch nicht die städtischen Beauftragten für den Baumschutz gehabt, die auf dem Papierkrieg bestehen, bis sie einen faulen Baum fällen dürfen. Aber früher war das einfach.
Aber gut, der Baum muss weg. Wie da neulich im Sturm unsere Birke umfiel, es war ja eine Mühe, bis die Feuerwehr die Straße wieder frei hatte. Und zwei Autos, das tut uns heute noch leid, waren fast total beschädigt, und die Leitungen waren heruntergerissen. Da kam eine Frau vorbei, die muss da irgendwo in der Nähe wohnen, die hat ganz frech gesagt: Oh, wenn es nur meinen Baum auch erwischt hätte. Ich sage: Ja, warum sind Sie denn gegen Bäume? Da sagt sie: Ich bin nicht gegen Bäume, aber wissen Sie, die Birken, die hasse ich. War auch eine Birke bei uns. Sie sagt: Die sieht doch so herrlich aus, das weiße Holz. Da sagt sie: Ja, ja, aber die Birke zieht immer das Wasser aus dem ganzen Garten raus. Wenn es nur der Sturm auch bei mir umgerissen hätte.
Also ist es ein unnützer Baum. Das klingt ganz hart, aber aus Erfahrung gesprochen. Und da verstehen wir den Chef, der da sagt: Halt mal, der Baum muss weg. Der hindert doch bloß das andere. Da kann das andere gar nicht mehr wachsen. Der Baum, da ist alles verloren, da kommt nichts mehr heraus.
Und dann auf einmal tritt der Weingärtner dazwischen und sagt: Stopp. Herr, jetzt probieren wir es noch einmal, dieses Jahr. Ich weiß nicht einmal, ob es 365 Tage waren oder ob es nur das angebrochene Jahr war, dass der Weingärtner sagt: Jetzt lasse ich noch dieses Jahr vollends. Ich möchte es noch einmal probieren.
Sie haben mich so amüsiert, wenn jetzt so viel gesprochen wird über das Jahr 2000 und was da bei den Computern passieren kann. Manche haben mir schon gesagt, sie setzen sich um die Jahrtausendwende nicht in ein Flugzeug, und da geht kein Aufzug mehr, und da setzt der Kühlschrank aus, und was weiß ich überall. Wenn das Jahr zweitausend so Probleme gibt beim Programmieren, nein, das ist nichts Problem.
Wissen Sie eigentlich, ob Gott bei Ihnen in diesem neuen Jahr mit seiner Güte da ist? Wissen Sie das? Ja, ich weiß es, weil Jesus beim Vater für Sie betet. Das ist jetzt wichtig. Vater, stopp, nicht abhauen! Wir probieren es noch einmal. Ich will noch mal graben und düngen.
Unser Harry Wigg, unser Diakon, ist ja ein Spezialist mit Bäumen. Ich habe ihn gar nicht um Rat gefragt, aber meiner Kenntnis nach, so wie ich die Feigenbäume kenne, werden die Feigenbäume normalerweise nicht, da wird nicht herumgegraben. Das sind sehr unkomplizierte Bäume, die lässt man einfach so wachsen, auch im harten, steinigen Boden. Die kann man dazwischen setzen. Das ist etwas ganz Besonderes, was hier der Gärtner noch einmal versucht. Das ist eine richtige Operation, die er noch einmal will. Ich tue noch einmal etwas ganz, ganz Besonderes.
Ich habe auch noch nie gehört, dass man Feigenbäume düngt. Er macht noch einmal etwas ganz Besonderes. Das ist nur vergleichbar mit dem, was Jesus für Sie tut. Wissen Sie, was der tut? Wie er Ihnen nachgeht, wie er sein Leben für Sie opfert, wie ihm das das Allerwichtigste ist, dass Sie nicht unter die Räder kommen, dass Ihr Leben nicht abbricht, dass Ihr Leben endlich, endlich doch Frucht bringt. Da muss man vielleicht die kahlen Äste ausschneiden, und Frucht kann man nicht auf Kommando machen. Das ist keine Sache des Willens. Der Weingärtner ist schuld daran, wie das wird mit der Frucht.
Da bin ich beim Letzten. Ein großes Jahr liegt vor uns, das wir zuversichtlich in dieses neue Jahr hineingehen hat, den Grund, dass Jesus für Sie betet. Vater, ich bitte dich ganz besonders. Und das tut er nun ganz persönlich mit Ihrem Namen. Und das ist ihm wichtig, dass jede Stunde, jeder Tag, ganz gleich, ob Sie ganz alt oder ganz jung sind, dieses neue Jahres viel Frucht für Gott bringt.
Ich habe Ihnen oft die Geschichte erzählt von meinem Urgroßvater, der sehr früh starb, als Bürodiener hier in der Zuckerfabrik Reilen und da oben auf der Prag gewohnt hat, ist weggestorben, von seinen kleinen Kindern weg. Und mein Großvater hat mir das immer wieder erzählt, wenn wir durch Stuttgart gewandert sind. So kann ich es nur weitergeben, wie man von dieser Wohnung dort hinüber sah auf den Talkessel, und er sagte: Wenn das mir alles gehören würde, ich würde es hergeben, wenn ich noch ein Jahr bei meinen Kindern bleiben dürfte.
Es war ja früher furchtbar, wenn es keine Rente gab, keine Versorgung. Was ist das, ein Jahr? Wir empfinden das schwerkranke Sterbende, noch ein paar Tage meinem Leben hinzugefügt, könnte ich noch mal leben. Es ist ganz wehmütig. Wir wissen ja gar nicht mehr: Haben wir noch ein ganzes Jahr? Habe ich noch den ganzen Tag vor mir? Wann wird der Herr mich heimholen? Wann stehe ich vor ihm?
Also nicht die Wehmut ist jetzt gemeint, diese 365 Tage, noch dieses Jahr, sondern ich möchte es rumdrehen und sagen: Jetzt kommen Tage, und wenn es nur noch Stunden sind, Sie dürfen sie füllen. Weil das mit der Frucht, das können Sie nicht herausquetschen, das kommt nicht aus dem Holz. Das ist irgendwo das Geheimnis eines gesunden, fruchtbaren Baums.
Und das ist die Frage: Ist in Ihrem Leben das Geschehen, dass Christus die Mitte Ihres Lebens ist? Frucht bringen können wir nicht anders, als dass Christus selber die Mitte meines Lebens ist. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. So wollen wir hineingehen in jeden Tag dieses neuen Jahres.
Was heißt denn Frucht? Dass andere Menschen durch uns die Herrlichkeit Gottes sehen, dass unsere Worte trösten, ermutigen, aufrichten, dass wir helfen können. Was ist denn Frucht? Dass der Geist Gottes in uns Liebe, Freude, Friede, Geduld wirkt und Freundlichkeit und Sanftmut. Es ist doch wunderbar, wenn das in uns geschieht, wenn wir heranwachsen. So heißt auch mal die Bibel zu Bäumen der Gerechtigkeit: Menschen, die geprägt sind durch und durch in ihrem Reden und Tun von der Wahrheit und Gerechtigkeit Gottes, dem wir dienen.
Wie kriegt man das? Wer nachsinnt über das Wort Gottes, wer sich Zeit nimmt, nicht bloß so flüchtig drüber liest, der ist wie ein Baum, gepflanzt an die Wasserbäche.
Also, das will ich Ihnen mitgeben: In dieser Nacht, wo die einen ausgelassen feiern, die anderen schwermütig trauern, andere bang in die Zukunft blicken, in dieser dunklen, unheimlichen Nacht kniet Jesus, der König, vor dem Vater und bittet für uns. Sagt: Herr, lass es ein gesegnetes Jahr werden. Nichts vom Rutsch, das ist nicht wichtig. Herr, lass es ein gesegnetes Jahr werden, ein Jahr, das Frucht bedeutet, ein Jahr, das sich lohnt bei jedem Einzelnen, ein Jahr mit vielen wunderbaren Wirkungen und Taten.
Unsere jungen Leute singen so gern dieses Lied, wo das gesagt wird, dass es nicht bloß darauf ankommt, dass man das jetzt hört, sondern da heißt es: Brich mit dem Vergangenen, sprich zu Gott, ich will. Machen Sie so an der Jahreswende. Brich mit dem Vergangenen, sprich zu Gott, ich will. Herr, ich will deine Ströme fließen lassen, ich will mit deiner Siegeskraft rechnen. Ich weiß, dass du so stark bist, dass du doch mit meiner Sünde, mit meiner Schwachheit fertig wirst. Was hast du mit schwachen Menschen schon gewirkt, wenn deine Gnade übermächtig war? Ich will mit deinem Sieg rechnen, ich will auf dein Wort hören, ich will mich von deiner Spur leiten lassen. Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir ein guter Baum werde und lass mich Wurzel treiben, verleihe, dass zu deinem Ruhm mich deines Gartens schöne Blumenpflanze möge bleiben. Amen.
Zuspruch, Fürbitte und Sendung in das neue Jahr
Singen wir miteinander: „Bleib bei uns, Herr“ 488. Diese Melodie ist ganz bekannt. Sie wurde früher immer bei der Jubilarsendung des Süddeutschen Rundfunks täglich gespielt, ein altes englisches Lied, das dort zu den bekanntesten Melodien gehört. Ich denke, Sie werden dieses Lied liebgewinnen, ein Abendlied, das aber ganz besonders auf die Jahreswende passt. 488, wir singen alle fünf Verse.
Wir wollen beten, du treuer und barmherziger Herr, dass du bei uns bleibst. Das haben wir nicht verdient, das passt auch nicht, aber deine Güte und deine Barmherzigkeit sind ohne Ende. Wir wollen dir dafür danken, dass wir so in dieses neue Jahr hineingehen, dass deine Gnade von keinem von uns weicht und dass wir deine Hand und deine Zusagen fassen dürfen.
Wir wollen ganz besonders für die Angefochtenen beten, für die Trauernden, die Sterbenden und die Kranken, auch für die, die mit wirtschaftlichen Sorgen und Problemen ihres Berufs oder ihrer Ausbildung belastet sind. Du kennst alle unsere Gedanken ganz genau, und du kannst mitfühlen. Wir dürfen alle unsere Sorgen auf dich werfen.
Da lässt du es geschehen, dass aus jedem Tag und jeder Stunde unseres Lebens Frucht herauskommt für dich. Wirke du dies auch aus all unseren Veranstaltungen unserer Gemeinde. Herr, bewahre uns vor Selbstgefälligkeit, vor Stolz, sondern dass du bleibende Frucht wirken kannst. Auch durch unser Zeugnis in unserer Nachbarschaft, in unseren Familien, durch die Gespräche, die wir führen, lass du das geschehen, dass wir Licht und Salz in der Welt sind. Erwecke du deine Christenheit ganz neu.
Wir beten auch für die, die ausgesandt sind aus unserer Mitte, im Dienst in deinem Reich, dass du sie jetzt hineinnimmst in deinen Frieden und sie segnest.
Lasst uns gemeinsam beten:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Heben Sie noch einmal einen Augenblick Platz. Am Ausgang können Sie ein Bibelwort mitnehmen, ein Losungswort. Wir haben gebeten, dass der Herr Sie durch dieses Wort besonders ansprechen und Sie begleiten möge, auch durch die kommenden Tage. Sie dürfen gern auch für Angehörige noch ein anderes mitnehmen. Das freut uns.
Unsere jungen Leute, die machen heute Abend ein Zusammensein drüben. Junge Leute, das ist so bis dreißig. Wenn jemand da dabei sein sollte, herzlich eingeladen. Auch das ist, wenn ich recht unterrichte, erst nach dem zweiten Gottesdienst um acht Uhr. Aber wenn jemand da sein sollte – es kann ja bei jungen Leuten oft sein, die einsam sind heute Abend –, wir freuen uns. Es ist eine fröhliche Sache dann drüben im Gemeindehaus.
Mir hat vor ein paar Tagen ein Polizist besucht, der erzählt hat, dass er zur Schulung von chinesischen Führungsoffizieren der Polizei in einer chinesischen Provinz war. Da waren alle führenden Polizisten zusammen. Das ist die Bettlogge, das ist auch recht schön, die ist automatisch eingestellt. Und da war er in einer Hausgemeinde, und da hat er auch den Doktor Thomas Dreyer, den Mathematikprofessor von christlichen Fachkräften, in der Hausgemeinde in China getroffen. Was ist das herrlich, wenn Christen sich treffen in dieser Welt, und das in den Ländern, wo wir es am wenigsten denken. Das ist das Geheimnis des Reiches Gottes, und ich möchte ganz herzlich danken.
Es ist unglaublich, was durch die Liebe von Ihnen auch in diesem zurückliegenden Jahr durch Ihre Gaben gegeben wurde. Es ist ganz einmalig, auch in unserem Werk so viele Gaben in Liebe als Opfer gegeben, nicht nur durch die vielen Projekte von Hilfsbrüdern in all den Ländern, sondern auch durch die Entsendung der Mitarbeiter der christlichen Fachkräfte international.
Und in dieser Nacht wollen wir sie auch in unser Gebet besonders einschließen. In ihren Bedrohungen: In Angola musste die Ehefrau evakuiert werden, der Mann wollte noch bleiben, trotz der Kämpfe in Hohenburg. Die Margret Roth wollte bleiben. Es ist überall sehr bedrohlich, wo diese Mitarbeiter stehen, in 34 Ländern. Wenn sie sich interessieren, hinten liegt dieses Blatt auf mit den Namen und den Ländern, wo sie alle im Einsatz sind.
Wir wollen nach dem Segen noch stehend singen: „Geh unter der Gnade“. Das kommt im Gesangbuch 543, das Lied von Manfred Siebald, 543. Und wir wollen dann unter dem Segen Gottes in dieses neue Jahr hineingehen. Der Herr geht mit Ihnen und sendet Sie.
Herr, segne uns und behüte uns.
Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden!
Amen!

