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Der Weg zu einer gesammelten Glaubenshaltung
Philipper 3,15-21
Wie viele nun von uns vollkommen sind, die lasst uns so gesinnt sein. Und solltet ihr in irgendeinem Punkt anders denken, so wird euch Gott auch das offenbaren. Nur was wir schon erreicht haben, daran lasst uns auch festhalten und danach leben.
Beide Verse sind ein wenig schwierig zu verstehen, aber deshalb legen wir sie aus. Jetzt aber wird der Sinn klar.
Vers 17: Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt. Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe. Nun aber sage ich es auch unter Tränen: Sie sind Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch, und ihre Ehre ist in ihrer Schande. Sie sind irdisch gesinnt.
Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Heiland erwarten, den Herrn Jesus Christus. Er wird unseren nichtigen Leib verwandeln, damit er seinem verherrlichten Leib gleich werde, nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.
Das überraschende Wachstum des Evangeliums
Also, es bleibt für uns einfach unfassbar. Vielleicht können Sie sich gar nicht richtig vorstellen, wie das war: Nach diesen schrecklichen Tagen der Hinrichtung Jesu, nach der Angst, die den letzten kleinen Jüngerkreis befallen hatte, wurden plötzlich aus diesem kleinen, verschreckten Häuflein von elf Männern die Träger des Evangeliums.
Wenn Sie in der Apostelgeschichte nachsehen, dann waren die meisten der Apostel, obwohl Jesus ihnen erschienen war, noch immer ganz schüchterne Leute. Sie hatten keinen Mut. Petrus zum Beispiel hatte überhaupt keinen Mut, zu den Heiden zu gehen. Gott hat alle Umwege gebraucht, und es ist auch viel Zeit dabei verloren gegangen, bis etwa Paulus nach seiner Bekehrung überhaupt zum Apostel und Missionar wurde. Da kann man sich gar nicht vorstellen, wie lange das noch gedauert hat. Da war er in Arabien, dann wieder in Tarsus, dann in Antiochien, und dann auf einmal ist es so.
Es gibt dafür kein Beispiel. Was in Düsseldorf im Flughafen passiert ist, dass da durch diese Rauchkanäle das Feuer ging, ist nur ein schwaches Abbild davon, wie das Evangelium im Römischen Reich lief. Und zwar vom Nahen Osten durch die Türkei bis an das Schwarze Meer, nach Europa hinüber nach Mazedonien und von dort nach Rom hinüber.
Und schon 30 Jahre nach der Kreuzigung Jesu, nach diesen ganzen schrecklichen Ereignissen, gab es in Rom eine so große Christengemeinde, dass der Kaiser von Rom eine große Christenverfolgung organisierte. Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, wie sich dieses Feuer des Evangeliums ausgebreitet hat: ein Flächenbrand ohnegleichen.
Was war das? Der auferstandene Jesus. Das ist das Geheimnis. Er selbst überführt die Menschen. Wir haben es im Ostergottesdienst: Sie können nicht argumentieren, Sie können nur Christus selbst wirken lassen. Er kann durch sein Wort so zu Menschen reden, dass sie überzeugt sind.
Ein Lebensstil, der anders wirkt als Anpassung
Aber ganz entscheidend war der Lebensstil dieser ersten Christen. Natürlich waren sie auch Leute mit allen Mängeln, mit allen Fehlern und mit allen Behinderungen. Sie waren Leute wie wir alle auch. Sie waren auch spröde Leute und schwierige Leute. Es gibt ja nie Christen, die fehlerlos sind, sondern sie haben alle ihre charakterlichen Mängel.
Aber wenn ich einmal herausheben sollte, was auf die Römer wahnsinnig gewirkt hat, dann war es die Freude. Eine Freude, die nie aufgehört hat, besonders auch nicht angesichts des Todes. Dazu kam eine wahnsinnige Liebe, eine Liebe, die die Leute sofort am nächsten interessierte, sie interessierte. Sie haben sich umeinander gekümmert, sie hatten aufeinander Zugang. Es war nichts gespielt, es war echt.
Dann gab es eine ganz bewusste Art des Lebensstils, bei der sie gesagt haben, dass sie gar nicht so sein wollten wie die anderen. Genau, wir machen es nämlich immer so, dass wir sagen, wir wollen auch moderne Christen sein und dass wir gar nicht auffallen. Die haben unbekümmert einen Lebensstil gelebt, der dann gesagt hat: Oh nein, wir leben auf die Ewigkeit zu. Und waren irgendwie ihrer Zeit schon ein Stück entrückt. Und das muss offenbar auf die Römer einen wahnsinnigen Eindruck gemacht haben, oder auf die Griechen oder auf die kleinen Asiaten usw.
Dieser Lebensstil dieser Leute, das kann man immer wieder aus den Briefen sehen, aus der Apostelgeschichte, und man sieht es auch hier, dass die gesagt haben: Es ist eigentlich überhaupt nicht tragisch. Bin ich krank, ist nicht schlimm. Sterbe ich, ist nicht schlimm. Und da waren sie völlig unterschieden von uns. Und jetzt können Sie genau wissen, warum wir heute so wenig auf unsere Zeit und auf unsere Zeitgenossen Einfluss nehmen. Sie haben ewigkeitsbezogen gelebt.
Spannung zwischen Gegenwart und Vollendung
Wir haben ja noch vor der Osterpause gründlich darüber gesprochen und gesagt, dass es natürlich, wenn man die Bibel nur oberflächlich liest, wie ein Gegensatz wirkt. Wie Paulus sagt: Ich habe das Heil ergriffen, und trotzdem sagt er, ich habe es noch nicht ergriffen. Ich habe die Erfüllung noch nicht ergriffen, ich bin noch nicht im Himmel, ich lebe noch hier unter allen Mängeln. Aber das Heil hat er ergriffen.
Natürlich, das ist der Gegensatz. Ich bin hier ganz einer, der Christus gehört, aber ich bin noch ein Mensch, der auch Versuchungen vom Teufel kennt. Im Himmel wird das einmal aufhören. Da wird kein Leid und kein Geschrei mehr sein, keine Untreue, kein Unglauben und kein Zweifel mehr.
Und das sagt er sehr schön in dem, was wir hatten, Vers 12 bis jetzt. Er sagt: Jetzt gibt es in meinem Leben eine Dynamik, ein kraftvolles, energisches Vorwärtsgehen auf die Ewigkeit zu und doch schon ein festes Ergriffenhaben hier.
Wenn man diesen Gegensatz nicht richtig versteht, dann ist es schwierig. Ich bin heute ganz von Christus ergriffen und trotzdem gehe ich mit der ganzen Leidenschaft auf die Ewigkeit zu. Also das muss Ihnen klar sein. Am schönsten ausgedrückt ist das in dem Lied: Ich will streben nach dem Leben, wo ich selig bin. Das haben wir ja gesungen.
Bilder, die den Glaubensweg greifbar machen
Wir verstehen es am allerbesten immer mit Geschichten. Aber merken Sie sich immer, wann Sie ein gutes Beispiel haben: Jesus hat selbst viele Gleichnisse benutzt und uns dadurch sehr viel vom Reich Gottes klargemacht.
Es ist uns in der Christenheit eine Gabe geschenkt worden, die in unseren Tagen ein wenig vergessen wurde: eine Erzählung, die ich Ihnen immer wieder liebzumachen versuche. Ich habe sie heute auch wieder aus dem Bücherschrank herausgeholt. Das ist dieser Kesselflicker von Bedford namens Bunyan. Er hat das Christenleben als eine Wanderung beschrieben. Und er bringt es fertig, in dieses Bild die ganzen biblischen Wahrheiten bildhaft hineinzupacken.
Er fängt damit an, dass ein Mensch zum ersten Mal wach wird und merkt: Es gibt die Ewigkeit, und ich muss irgendwo mein Leben ordnen. Der erste Schritt, den er auf diese Ewigkeit hin tut, ist, dass er in einen Sumpf kommt, in den Sumpf, in den Morast der Verzagtheit. Das sind immer so Namen, und er hat einen Begleiter mit sich, zuerst den Willig und den Halsstarrig. Der Halsstarrig bleibt gleich stehen. Der gibt allem solche Namen, das ist toll gemacht. Das ist ja eines der meistgelesenen Erbauungsbücher der ganzen Weltgeschichte.
Der Halsstarrig bleibt dann bald stehen, sobald sie in den Sumpf kommen. Aber der Willig geht noch mit. Doch der Willig sagt: Wir müssen uns durchkämpfen durch den Sumpf. Und da ersaufen sie fast. Sie wissen, wie es im Sumpf ist: Je mehr man darin strampelt, desto tiefer kommt man unter. Er hat ja das Ziel, er will zur Ewigkeit gehen, der Willig will auch durch. Und je mehr man sich durchkämpft durch den Sumpf der Verzagtheit, umso mehr ertrinkt man in diesem Morast.
Und da geschieht es plötzlich, dass er merkt: Da liegen Steine drin. Und die Steine sind gerade so wie eine Brücke, da kann man im Sumpf drübergehen. Das sind die Verheißungen, das sind Fußstapfen, Verheißungen. Und ich kann den Sumpf der Verzagtheit an den Verheißungen des Wortes Gottes durchschreiten.
Vom Kreuz zur Freude und zum neuen Aufbruch
Er kommt drüben an, er kommt an die enge Pforte und hat immer noch seinen Rucksack auf dem Rücken. Ganz super beschrieben. Er kommt ins Haus des Auslegers, der ihm die ersten Wahrheiten erklärt, ihm erzählt und sagt: In diesem Sumpf hat mein Chef in tausendneunhundert Jahren schon zwanzigtausend Karren mit Steinen reinschmeißen lassen. Aber es hat gar keinen Wert. Der Sumpf des Verzagtseins ist so tief, da ertrinkt man immer wieder. Und Sie können das aus dem Glauben, wenn man das mit eigener Kraft schaffen will. Du musst auf die Verheißungen treten, auf die Steine, dann hast du einen festen Grund.
Und da erklärt er ihm alles. Und dann schließlich kommt er auf seiner Wanderung an einem Kreuz vorbei. Und da passiert’s. Bunyan macht es ganz ausführlich, wie er sagt: Du kannst es nicht mit deinen frommen Werken erkaufen. Wer auf das Kreuz blickt, und auf einmal, ehe er es versieht, geht der Rucksack von der Leihe weg und rollt hinten in ein Grab hinein. Die Last ist ihm von dem Rücken genommen.
Und jetzt? Jetzt hat er die ganze Freude: Ich bin angenommen. Und jetzt geht die Wanderung erst los. Jetzt will er es ergreifen, und dann muss er sich durchkämpfen durch Versuchung. Und dann kommt der Markt der Eitelkeiten und so das Ganze. Dann kommt der Weltweise. Der Weltweise: Du bist schön blöd, wohin gehst du? Du musst doch dein Leben in dieser Welt benutzen.
Also, dass das zusammengehört: das Ergreifen der Zusage Jesu und das Laufen auf das ewige Ziel. Ich habe es doch noch nicht ergriffen. Ich kann hier das Heil ergriffen haben und doch das Heil wieder verlieren, wenn ich nicht loslaufe und es umsetze. Und das ist eine Spannung, die leider heute in unserer Christenheit ganz stark verloren geht, dass viele Leute sich dessen nicht bewusst sind. Und darauf müssen wir heute noch einmal ganz genau achten, was er hier uns zeigt.
Was Vollkommenheit wirklich meint
Er spricht zuerst von dem Vollkommensein. Vollkommen, was ist vollkommen? Wer von uns ist vollkommen? Jetzt achten Sie mal darauf, das geht so ganz leicht los in Vers zwölf: Nicht, dass ich schon ergriffen habe oder schon vollkommen bin. Ich bin noch nicht vollkommen. Und dann sagt er: Wer von uns ist vollkommen?
Es gibt zwei Möglichkeiten der Auslegung, Sie dürfen es wählen. Damals war es ganz verbreitet unter den Nichtchristen, vom vollkommenen Ideal zu träumen. „Ich bin ein perfekter Mensch“, haben sich viele Leute damals eingebildet. Meint Paulus ironisch: Ich glaube es gar nicht, es wäre möglich? Er meint es ironisch, wenn ihr meint, ihr seid vollkommen.
Ich bin der Meinung, Paulus sagt: Wenn du in deinem Leben wirklich die Sache ganz ergreifen willst, musst du wissen, du kannst es immer bloß in diesem doppelten Ergreifen. Wenn du es ganz haben willst, wenn du es richtig haben willst und ein richtiger Christ sein willst, dann mach es so, wie es bei mir ist. Ich habe Christus ergriffen, ich habe die Vergebung empfangen, ich bin sein Kind, aber ich laufe los mit einer Spannung. Und da hatte er oft das Bild genommen vom Sportler, der in der Arena läuft, um den Siegespreis zu erlangen. Ich bin einer, der in der Olympiade losrennt.
Wer vollkommen sein will, ich glaube, dass Paulus einfach so meint: Wer ganz sein will, wer es wirklich packen will, der muss entschlossen sein. Sehen Sie, das ist eigentlich eine tragische Sache, dass man das heute als Frömelei oder pietistisch oder verdächtig ansieht. Das ist eine Aufforderung, die man dauernd nötig hat: Du musst dein Heil ergreifen, und du musst mit ganzer Leidenschaft und mit ganzer Konzentriertheit auf das ewige Ziel zulaufen.
Vorbilder, Orientierung und die Frage nach dem Kreuz
Und Paulus sagt nach Vers 17: Ihr habt ein gutes Vorbild in mir. Das ist gut. Denn von Büchern kann man schlecht lernen. Darum gefällt es mir auch immer wieder so, wenn wir Lebensbilder haben oder wenn wir Menschen haben, die uns das zeigen, Beispiele, an denen wir uns orientieren können und sagen: So möchte ich Christ sein.
Ich möchte auf dieses Ziel zulaufen. Ich will heute das ergreifen, was mir Christus schon ist, was ich im Glauben packen darf, aber mit ganzer Leidenschaft darauf achten, dass ich gehorsam bin.
Das ist auch, wie Sie immer wieder hören werden, dass viele Leute sagen: Oh, Gott ist doch so großzügig und vergibt uns, einer geht doch nicht. Wenn ich Christus ergriffen habe und ihn liebe, dann erfordert es doch erst recht, dass ich das alte Wesen ablege und Christus gehorche.
Und jetzt gibt er als das Hauptleitbild, er hält sich jetzt gar nicht lange auf an Dingen, die man ablegen soll, sondern da will ich sofort auf das eine kommen, auf das Heimatrecht im Himmel. Wir haben ein Bürgerrecht im Himmel.
Das gefällt mir immer wieder bei den Schweizern so, dass man ein Bürgerrecht hat. Das ist immer in dem Ort, wo man geboren ist, wo die Vorfahren herkommen. Und so weit geht es zurück. Und das ist also so: Wenn die Arlene Peter heute in wirtschaftliche Nöte kommen würde, und egal, wo sie wäre, wenn sie wieder in den Ort zurückkommt, hat die Bürgergemeinschaft des Dorfes dort die Pflicht, die Sozialfürsorge zu übernehmen. Das ist Bürgerrecht. Die haften für mich, wenn ich in großer Not bin. Was wunderbar ist.
Ich habe Heimatrecht, ganz toll. Bei uns ist das natürlich alles aufgelöst. Es gibt ja bei uns nicht einmal einen Unterstützungswohnsitz, den es früher gab. Aber dort im alten Bürgerrecht ist es noch bewahrt, in der Schweiz. Und der Paolo sagt: Wir haben ein Bürgerrecht im Himmel.
Die himmlische Heimat als Gegenbild zur diesseitigen Fixierung
Ich habe es jetzt verschiedentlich in den Bibelstunden über den Philipperbrief Ihnen wieder gesagt, wie das eigentlich anfängt. Ich habe es in meiner Schülerzeit beobachtet. Da kam nach dem Krieg eine ganze Welle: Wir wollen doch nicht jenseitig träumen, wir wollen vor allem Christen in der Welt sein. Das kam ganz stark, natürlich auch durch den Spott des Marxismus, der immer gesagt hat: Warum schielt ihr denn auf das Jenseits?
Mit diesem Verlust des ewigen Zieles haben wir sehr viel verloren, und ich möchte Ihnen wieder sagen: Wir müssen es zurückgewinnen.
Ich bin aufgewachsen in einer Familie, in der man bei jedem Familienfest am Ende gesungen hat: Himmel an, nur Himmel an, soll der Wandel gehen. Das war mir ein Bewusstsein, und das ist eine Sache, die wir uns realisieren müssen. Wir müssen sagen: Wer weiß, wann uns der Herr heimholt? Das ist doch wunderbar. Ich habe eine Zielvorstellung. Dort kommt die Krönung meines Lebens, wenn ich über die Todeslinie in die Ewigkeit darf. Und ich möchte jeden Tag auf das große Ziel zuleben, auf das Superfinale.
Und wir hatten es doch in Predigten schon: ready for take off und so weiter. Lasst uns wie beim Flugzeug jetzt auf die große Reise gehen, und lasst uns freuen. Alles, was wir hier haben, hat nur einen Sinn von dieser großen ewigen Bestimmung her.
Wenn wir unseren Glauben von hier hernehmen, das ist ja toll, dass sie beten kann, dass ihr Herz zu mir so herrliche Trostworte spricht. Aber es ist nur ein ganz schwacher Abglanz. Es ist ja nur im Glauben erfassbar, durch ein paar kleine Wunderzeichen, die man hergibt, vor dem, was ich einmal in der Herrlichkeit schauen darf: die völlige Umwandlung meines Lebens.
Ich möchte ganz real auf dieses Bürgerrecht zuleben. Unsere Heimat, unser Bürgerrecht ist im Himmel.
Trost, Hoffnung und die Wirklichkeit des Himmels
In der Ewigkeit, und was meint er mit Himmel? Da meint er die unsichtbare Welt, die uns umgibt. Die ist so real.
Sie denken ja an die ganzen Worte Jesu, wie er sagt: Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Ich darf hinübergehen über die Todesschwelle und darf beim Herrn sein alle Zeit.
Frau Wette hat so einen lieben Brief von einer gelähmten Frau aus Essen gehabt, gell? Und das Ding ist: Wenn so Leute auch so leben, ewigkeitsbezogen, ist das die einzige Antwort auf so ein schweres Leben. Was so Leute einfach an großer Freude und Hoffnung haben, und lassen Sie doch diese Marxisten reden, was sie wollen: Du vertröstest einen aufs Jenseits.
Können Sie überhaupt Menschen trösten? Probieren Sie es mal. Und wenn Sie wirklich Menschen in Trauer sehen, merken Sie: Sie können gar nichts machen. Sie können die Hand drücken, aber das ist ja kein Trost. Ihre Hand ist schön, aber so viel ist auch wieder nicht.
Trost kann doch nur der Herr geben. Das ist das allergrößte Vertrösten, dass ein Mensch nicht mehr hängen bleibt an diesem, an diesem, an diesem Verlust. Das Allergrößte.
Wie ist es überhaupt dem Teufel möglich gewesen, dass er uns den Grundinhalt des christlichen Glaubens genommen hat? Das war die Kraft, das war die Kraft doch der Christen damals im Römerreich, die das ganze römische Riesenreich überwunden haben durch die Ewigkeitshoffnung.
Und gehen Sie durch die Katakomben in Rom und merken Sie, dass das die Römer umgeschmissen hat. In ihrem Luxus, in Saus und Braus, da waren Menschen, die ewigkeitsbezogen gelebt haben. Die hatten eine andere Wirklichkeit, die viel echter war.
Reichtum ohne Ziel und die Kraft der Hoffnung
Und es ist doch wahr, dass das, was wir hier leben, jetzt gilt. Schauen Sie mal auf unser Volk: Was hat unser Volk an Sparguthaben? Das kann man, glaube ich, mit der Milliarde gar nicht mehr zählen, wie viel das ist, was hier in Deutschland an Geld zusammen ist, was die Menschen haben.
Aber sie haben keine Ewigkeitshoffnung mehr, kein Ziel vor sich. Hier steht Sven Paulus, und der Häftling, der war doch hier ein Häftling, sagt: Ich habe so reiche Sache, das ist doch alles begrenzt, und der Herr wird wissen in seiner Regie, wie lange ich dieses Joch noch trage. Ich freue mich, bis ich heimkommen darf in seinen Frieden, bis ich ihn schauen darf.
Und ich kann Ihnen nur sagen: Das macht Sie nämlich nicht weltflüchtig. Da habe ich gar kein Problem, im Gegenteil. Das hilft Ihnen, jeden Tag auszukosten. Wenn Sie die Himmelsvorfreude hier schon haben, haben Sie Geduld, Liebe und Zeit für andere. Und Sie können manchen Blödsinn in der Welt lassen, weil Sie ihn gar nicht mehr brauchen.
Weil Sie viel größere Freude haben. Sie brauchen auch keine Lebenserfüllung wie viele andere Leute mehr. Aber das ist eine ganz infame Behauptung, die gar nicht stimmt, als ob die Ewigkeitssehnsucht uns untreu macht. Das kann man in x Kirchen immer noch hören: Wir wollen nicht zum Himmel schielen, wir wollen unsere Aufgaben treu machen. Gerade das macht uns treu hier im Dienst.
Treue im Alltag und das Ziel der Heimkehr
Mein Vater hat ja im Kultministerium im Neuen Schloss oft bis nachts um zwölf eins gearbeitet. Oben brannte dann immer noch das Lichtlein. Über seinem Schreibtisch hatte er ein Bibelwort aufgehängt: „Mach mir stets süße deinen Himmel und bitter diese schnöde Welt, gib das mir in dem Weltgetümmel die Ewigkeit sehr vorgestellt.“ Er hat das Berufsschulwesen in Baden-Württemberg aufgebaut.
Das ist doch nicht wahr, dass der Mensch dadurch untreu wird in der Welt. Im Gegenteil: Das gibt uns die richtige Dimension. Da kann ich sagen: Ich brauche mich nicht mit letzter Leidenschaft um Dinge zu verkämpfen, wenn der Herr es mir nicht gibt. Dann kann ich es auch nicht tun. Ich will heute das tun, was der Herr macht, so wie er mir Kraft gibt, so wie er mir Gesundheit gibt, so wie er meine Lebenszeit bemisst.
Und als mein Vater, der genau in meinem Alter abgerufen wurde, gesagt hat: „Ich bin bereit“, hat er in vier Stunden seinen Schreibtisch aufgeräumt und sich ins Katharinenhospital einliefern lassen. Obwohl er gerade vor einer Urlaubsreise stand.
Wenn man diesen Blick hat und sagt: Ich weiß, wo ich hingehöre, und diese Zeit ist begrenzt, und da will ich dem Herrn dienen, dann ist es einfach nicht wahr, als ob Leute, die eine Ewigkeitsfreude haben, in dieser Welt nicht treu wären. Sie sind treuer als alle anderen. Die anderen suchen nämlich in der Welt die Erfüllung. Das braucht der andere gar nicht. Der andere kann dienen, weil er sagt: Jetzt wird gearbeitet, den Himmel kann man genießen.
Und mein Heimatrecht ist im Himmel, da habe ich mein Bürgerrecht, und da erwarten wir den Heiland.
Der kommende Herr und die Verwandlung des Leibes
Das ist ein Wort, das damals der römische Kaiser für sich benutzt hat. Das Wort Heiland klingt bei uns ja ganz fromm, stinkfromm. Es ist aber ein politisches Wort, das den Retter bezeichnet hat. Der römische Kaiser hat sich vom Jahr 48 von Caesars Zeiten an mit dem Wort Retter und später mit dem göttlichen Wort Herr belegen lassen.
Und es war von Paulus natürlich eine tolle Sache, dass er sagt: Kein Mensch in dieser Welt ist für uns noch eine wichtige Person, so wie es Jesus Christus ist. Und damit hat er gerade in den politischen Dingen auch ihre letzte Gültigkeit entzogen. Paulus hat sich ja sehr vornehm auch dem Staat untergeordnet. Viele unserer Jungen wollen das ja nicht mehr, dass der Staat eine Obrigkeit hätte, die Gewalt über uns ausübt. Aber er sagt: Der eine Retter, vor dem stehen wir, das ist der Retter unseres Lebens, und auf den warten wir, und der kommt.
Die Herren dieser Welt gehen, hat mal Gustav Heinemann gesagt, unser Herr aber kommt. Genau das ist hier aufgenommen: der unseren nichtigen Leib verwandeln wird. Und jetzt ist es immer wieder schön, dass in jeder Sprache etwas mitklingt. Mit dem Wort nichtig ist ja das gemeint, was wir auch immer wieder spüren, die Not des zerfallenden Leibes. Das geht so schnell, in den heißen Tagen. In den heißen Ländern wird noch am gleichen Tag beerdigt. So nichtig ist unser Leib.
Es ist aber ganz toll, dass sie dieses nichtig auch auf ihren Leib beziehen dürfen. Wenn man schon Zahnschmerzen hat und wenn der Körper auch solche Not macht, dann darf man auch sagen: Es ist ein Leib in seiner ganzen Nichtigkeit. Den hat der Herr nicht vor zu restaurieren, das stimmt doch gar nicht, sondern er wird in der Ewigkeit restauriert sein. Aber hier ist da ein Leib der Niedrigkeit, der Nichtigkeit, ein Leib, der vergeht.
Die leibliche Auferstehung als christliche Hoffnung
Jetzt ist aber Paulus ganz wichtig. Die Griechen damals haben geglaubt, dass die Seele weitergeht in höhere Äonen. Er redet von der Auferstehung des Leibes, des Christenglaubens. Und damit ist das Heidentum der Griechen durchbrochen.
Der Herr wird mich leiblich auferwecken, bekennen wir im Glaubensbekenntnis. Das ist ein ganz wichtiges Element. Er wird meinen Leib erwecken, auch die Individualität. Wie wir sind, wird der Herr neu machen. Ich kann es mir nicht vorstellen.
Jesus hat mal gesagt, es sei die Spannung zwischen Frau und Mann in der Ewigkeit nicht mehr da. Man wird nicht mehr heiraten und nicht mehr heiraten lassen und so. Wie das sein wird, weiß ich nicht. Aber wir werden unsere eigene Prägung haben. Da gibt es gewisse Aussagen auch in den Propheten, dass wir ins vollkommene Alter noch heranwachsen. Ich weiß nicht, was das alles ist. Wir werden es einmal sehen in der Ewigkeit.
Aber es ist eine ganz wichtige Sache, dass der Herr uns leiblich auferwecken wird. Doch Prälat Oetinger hat ja hier einen seiner wichtigsten Sprüche gesagt, der immer wieder zitiert wird, der dann in Weinsberg war: Leiblichkeit ist das Ende der Wege Gottes. Er wollte sagen, Gott macht nie etwas bloß ideell. Er macht es immer real bis zum Schluss.
Meine Auferweckung wird so sein, dass er uns wirklich aus dem Grab herausholt. Und das ist wichtig, dass wir das gegen alle modernen Zweifler heute auch im Christen, in der christlichen Gemeinde, ganz deutlich sagen: Es geht um eine leibliche Auferstehung und nicht um irgendeinen Gedanken oder eine Idee oder einen Sinngehalt.
Ich habe den nichtigen Leib, aber er wird verwandelt werden, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leib, so wie Jesus nach der Auferstehung war. So werden wir einmal sein in einer vollkommen neuen Leiblichkeit. Jesus hat gegessen und getrunken, ganz wunderbar.
Krankheit, Alter und die Kraft der Auferstehung
Das sind die ersten Geheimnisse; ich werde es noch gar nicht besser verstehen können. Jetzt möchte ich das Wort nichtig noch ergänzen. Ich habe früher einmal davon erzählt, aber es ist immer wieder gut, daran zu erinnern.
Es gab einen großen Theologen, Julius Schniewind. Er war ein bibeltreuer Theologe und ist, glaube ich, 1946 gestorben. Er hat sich in den schweren Jahren des Zusammenbruchs, die viele von Ihnen noch erlebt haben, unheimlich eingesetzt. Damals hat er sich als Professor noch zur Verfügung gestellt, durch die Gemeinden zu reisen und dort zu helfen, den Wiederaufbau der völlig zerstörten Gemeinden wieder in Gang zu bringen. Und er hatte damals schon schweren Krebs, Unterleibskrebs.
Damals waren die Züge überfüllt, man hing am Trittbrett, Sie wissen auch noch, dass man auf dem Dach mitreiste, die Wartesäle waren ungeheizt und so weiter. Einer dieser Begleiter von Prof. Dr. Julius Schniewind, es war im Gebiet der heutigen DDR, erzählte, wie er einmal gestöhnt hat unter diesen schrecklichen, krampfartigen Schmerzen. Da hat er das griechische Wort hier zitiert, weil er das Neue Testament immer auf Griechisch las: Sōma. Das heißt: der Leib der Erniedrigung.
Und ich glaube, dass es Ihnen auch hilft, wenn Sie sagen: Ich muss das jetzt im Alter einfach akzeptieren. Jetzt habe ich meine Gelenkschmerzen, jetzt tut mir der Kopf weh, und wir tragen den Leib der Erniedrigung. Aber darum ist für uns auch ein altes Gesicht schön, weil der Herr auch unserem Leib die Zeit zumisst. Und wir wollen das gar nicht, wie man heute einen Körperkult treibt. Dieser Leib der Erniedrigung, auch mit all seinen Schwächen, hat seine Würde und seine Schönheit. Bis hin zum alten Menschen, der nicht mehr laufen kann, hat er seine Schönheit und seine Würde, weil es ein Maß hat, das Gott bestimmt hat.
Es ist unser Leib der Erniedrigung, in dem wir auch spüren: mein ganzes Menschsein. Aber in dem wir auch überwältigend die Hilfe der Kraft Gottes erfahren. Nicht, dass er uns restauriert wird; das ist ein falscher Gedanke, dass wir wieder wie junge Mädchen oder junge Kerle aussehen. Gar nicht. Sondern dass ich in diesem Leib ertragen darf, den Leib der Erniedrigung. Und jedes dieser Worte hat seine Bedeutung.
Ich kann auch sagen: den Leib des Elends. Den Leib des Elends wird er mir verwandeln. Und das ist eine solche Ermutigung. Es ist oft schwer. Neulich hat mir jemand von Ihnen erzählt, beim Bibelstund, dass jemand beide Beine amputiert wurden. Ich weiß ja immer, wie furchtbar das ist, wenn ein Mensch plötzlich nur noch die halbe Größe hat. Es ist der Leib der Erniedrigung. Und ich freue mich auf meines Leibes Erlösung. Der Herr wird mir den neuen Leib geben. Wie er das macht, da werden wir staunen, wie das sein wird.
Römer 8,23: Wir warten auf unseres Leibes Erlösung. Wann wird einmal diese Last dieses Leibes sein? Heute noch ganz fröhlich sein, und morgen liegen wir da. Viele von Ihnen auch, wenn man Migräne hat oder wenn man sonstige Schmerzen hat, Nervenschmerzen und alles. Was hat Herr Hofacker gelitten? Und wie hat Gott durch diesen Leib der Erniedrigung gerade die Ewigkeitshoffnung und das Zeugnis des Glaubens gewirkt, so bei Hofacker?
In der Vergänglichkeit des Leibes wirkt er durch mich. Und zwar mit welcher Kraft? Mit der Kraft der Auferstehungskraft. Diese Auferstehungskraft ist jetzt schon da. Jesus kann in seiner Auferstehungskraft Wunder tun, das wissen wir. Aber er hält sie zurück. Es ist ja ganz wichtig, dass die Todesschranke jetzt noch nicht aufgehoben ist. Das ist ein Grund, warum ich auch in diesen Tagen sage: Nachdem sich jetzt auch John Wimber sogar noch vom Toronto-Segen verabschiedet hat und die Gemeinde in Toronto aus den Vineyardgemeinden ausgeschlossen hat, überschlägt sich das auch, wie innerhalb der charismatischen Pfingstbewegungen eine Reinigung einsetzt.
Ich habe immer gesagt: Die Todesschranke hat uns Gott gelassen, die hebt er nicht auf. Dann haben immer so tote Aufwiegungen stattgefunden, wo und wie. Wir sind alle noch in dem Leib der Erniedrigung darunter gefangen, und die Erfüllung kommt erst in der Herrlichkeit. Er kann hier und da Wunder tun, aber die Todesschranke bleibt. Besonders kann er falsche Geschichten erzählen. Die Todesschranke bleibt bis zur Auferstehung Jesu, aber es bleibt auch die Leidensschranke da. Gehen Sie mal in die Pflegeheime, die bleibt auch bei gläubigen Leuten da. Und dann wird er sie wegnehmen, wenn er wiederkommt.
Aber die Auferstehungskraft ist jetzt schon da. Und wie wirkt die Auferstehungskraft heute? Indem sie Menschen aus der Finsternis herausreißt und bekehrt. Es war doch toll, wie ein Saulus zum Glauben kam. Die Auferstehungskraft ist da im Schutz, in der Bewahrung, in der Erweckung, was Gott tut, aber auch in Wundern und Zeichen natürlich. Aber das Entscheidende ist doch, dass das Wort läuft, das schlichte Wort, und Menschen erreicht. Dass die größte Kraft, die Auferstehungskraft, uns Glauben macht. Glauben haben wir am Sonntag gesagt, das kann ich nicht selber machen. Glauben ist eine Wirkung des Geistes Gottes, der wirkt.
Und einmal wird auch das diese ganze alte Not der Todesmacht überwinden in der Auferstehung Jesu.
Das Vorbild des Paulus und die Gefahr eines bequemen Glaubens
Jetzt haben wir noch ein paar Dinge einfach überschlagen. Das müssen wir noch nachholen, und darüber müsste ich vielleicht noch sprechen.
Vers 17 sagt, wo Paulus sagt: Folgt mir nach, wie ihr uns zum Vorbild habt. Dann nimmt er seinen Lebenslauf und sagt, da steht im Griechischen wieder ein Wort, das man auch als Fremdwort kennt: Nehmt mich als Typ, nehmt mich als Typ. Da steht Typos, nehmt mich als Typ, als Modell, mein Leben.
Und jetzt möchte ich Sie einfach bitten: Leben Sie so zukunftszugewandt wie Paulus. Nehmen Sie die kleinen Beschwerden dieses Tages und halten Sie sich nicht daran auf. Ich war am Ostermontag in Linz bei einem Gottesdienst dort und auch bei einem Scharnsteiner Bibelkreis. Die hatten dort noch einen Vortrag gewünscht, und er war so nett. Ich bin mit einer Familie zusammengekommen, da hat mir ein Mann so imponiert, der diese Ruhe hatte. Ein großer Landwirt und dann bei der Volksbank Vorsitzender und so. Der hat immer gesagt: Ich lebe so aus dem Glauben, es gibt nichts, was mich erschüttern kann. Es ist doch alles bei Christus, und wenn es mir der Herr nicht gibt, ich habe auch in den Sitzungen die Ruhe. Da kommen manche Leute, es geht alles drunter und drüber. Nein, der Herr wird es in seiner Hand haben. Da habe ich gesagt: Ich möchte es wieder lernen.
Es ist auch toll, wenn man es um Menschen begegnet, die einem so praktisch bezeugen, ein Typ, in dem man es leben kann, was das heißt: zum Vorbild, ewigkeitsbezogen in der Gegenwart Christi leben. Aber was ist denn das noch mit dem Kreuz? Da spricht Paulus: Es gibt Leute, die leben das nicht. Ich sage unter Tränen: Sie sind Feinde des Kreuzes Christi.
Feindschaft gegen das Kreuz und die Versuchung des Wohlstands
Es gibt viele Christen, die auch von Jesus reden und auch beten. Aber sie können den Gekreuzigten nicht verstehen, und sie drücken sich darum herum. Ich war sehr dankbar, dass einer unserer Jugendmitarbeiter gesagt hat: Warum sind so wenige junge Leute da? Dann hat er gesagt: Karwoche ist sowieso nichts für unsere jungen Leute, das ist doch belastend, das Kreuz Jesu.
Und da sagt Paulus: Viele suchen in ihrem Glaubensleben, was suchen sie? Nur ihren Bauch. Sie suchen ihr Glück, ihre Gefühle. Der Herr muss ihnen Gesundheit schenken, ihren Erfolg. Mit Bauch meint er wahrscheinlich auch ihren Genuss, ihr Fühlen, ihre Freude. Aber sie sind nicht bereit, ihr Leben von Christus auf den Markt zu tragen und mit Jesus zu leiden.
Und jetzt wissen Sie, wie das bei Zinzendorf Entscheidende war. Er stand vor dem Bild des Gekreuzigten. Ich bat den Herrn, mich notfalls mit Gewalt in sein Leiden hineinzureißen. Ich will mit dir, Jesus, leiden. Ich will nicht bloß von dir Gebetserhörungen haben, ich möchte dir gehorsam sein, dir dienen.
In dieser Welt trägt die Gemeinde Jesu das Kreuzeszeichen. Und deshalb hat sie nicht immer Erfolg. Und deshalb geht es auch durch Anfechtungen und durch Nöte hindurch. Und Paulus hat davon gesprochen: Feinde des Kreuzes Christi.
Nun, das ist ein unerschöpfliches Thema. Ich will das nicht lang entfalten, aber ein paar Dinge noch. Bei Karl Heim habe ich das geschwind gefunden: Goethe konnte es nicht leiden, der Dichter Johann Wolfgang von Goethe konnte es nicht leiden, dass man das Kreuzesbild überall ausstellte, im Alpenthal und in der Ferne. Er fand, dass junge Menschen, die noch ein starkes Körpergefühl haben, also nicht Bauch, aber Körpergefühl, Muskeln, Bizeps, dieses grauenhafte Bild überall vor sich sehen. Goethe wollte, dass es nur reifen Menschen in einem geschlossenen Raum gezeigt wird.
Und Theodor Storm sagt es, ich lese ein Gedicht von Theodor Storm. Ich liebe Theodor Storm, aber das wusste ich gar nicht: Am Kreuz hing sein Gequält, Gebeine, mit Blut besudelt und geschmäht. Dann hat die stets jungfräulich reine Natur das Schreckensbild verweht, durch die sich seine Jünger nannten. Die formten es in Erz und Stein und stellten's in des Tempels düster und in die lichte Flur hinein. So jedem reinen Aug ein Schauder ragt es herein. In unserer Zeit verewigen den alten Frevel ein Bild der Unversöhnlichkeit.
Schlimm ist bloß, dass sicher viele Christen heute mit dem Kreuz nichts mehr anfangen können. Und da ist die Frage: Ist in ihrem Glaubensleben der gekreuzigte Jesus, so wie es in unserer Kirche ist mit dem riesenhaften Kreuz, das Unterpfand der ganzen Liebe Gottes?
Ich habe ja schon mal als Faustregel gesagt: Man müsste in jedem Hauskreis oder in jeder Verkündigung oder in jeder Bibelstunde am Ende auf den Gekreuzigten kommen oder mittendrin, weil da die Offenbarung Gottes zu greifen ist. Und wenn wir daran vorbeireden, sind wir vielleicht beim Heidentum. Adolf Hitler hat auch Erntedankfest gefeiert, aber mit dem Gekreuzigten hat er nichts anfangen können.
Also, es gibt Leute, die danken vielleicht, dass sie satt sind. Ich bin auch so froh, dass ich gesund bin und so. Aber ich muss doch begreifen, dass der Gekreuzigte der Offenbarungsweg Gottes ist. Da hat sich Gott enthüllt vor uns, und da führt er uns.
Kreuzesnachfolge, Verfolgung und die letzte Ausrichtung des Lebens
Und jetzt Feinde des Kreuzes Christi. Herr, ich danke dir, dass du mich liebst und dass ich es wissen darf, auch im Leid. Du lässt mich nicht los.
Paulus hat das Kreuz geliebt und hat es getragen, auch in der Nachfolge. Da gibt es ja so eine schöne Legende, die nicht wahr ist, aber sie ist trotzdem schön: Petrus sei in Rom vor dem Martyrium geflohen. Petrus sei nach Ostia an den Hafen gekommen, da sei ihm plötzlich im Nebel Christus mit dem Kreuz erschienen. Da habe er gesagt: Herr, warum? Herr, ich lasse mich noch einmal kreuzigen. Da sei Petrus umgekehrt, so wird es ja in der katholischen Tradition verehrt, und hätte sich dann im Märtyrertod hinrichten lassen.
Die Legende brauche ich nicht, aber unzählige Leute haben es uns so vorgemacht. Sie haben gesagt, wie wir es gern bei den baltischen Märtyrern haben. Bei Marion von Kloth weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl, und haben den Schatz des Glaubens erkannt, auch wo ihr Leben zerbrochen ist.
Und wir haben viele Menschen um uns her. Die sind heute Abend nicht da, die liegen alle krank, und sie leben den Triumph des Glaubens im Kreuzweg. Wie viele Christengemeinden können es nur in der Verfolgung leben? Ich fürchte, bei uns ist der Wohlstand und der Reichtum zur großen Versuchung geworden, dass alle Leute nur sagen: Mir muss immer gut gehen. Und darüber haben wir Ewigkeit verloren. Wir sind ganz diesseitsbezogene Christen geworden, denen der größte Schatz im Glauben fehlt.
Und ich hoffe, dass Ihnen jetzt das Wort ein bisschen klarer geworden ist, warum diese Dynamik dazugehört: Ich muss es ergreifen, und ich will es heute ergreifen. Jetzt dürfen Sie sich trotzdem freuen, dass Sie ein schönes Bett haben, dass bei uns keine Raketen einschlagen und dass wir nicht verfolgt werden und all dem. Aber dass wir dann die Dynamik ergreifen, den Typ des Paulus, die Ewigkeit vor Augen haben und dann umso mehr sagen: Wir wollen hier nicht bloß gucken, wie wir unseren Leib schonen, sondern wir wollen ihn darbringen für den Herrn, als Opfer aus Dankbarkeit und Liebe.

