Erhebt eure Häupter
Lukas 21,20-2812.12.2021
Serie•Teil 10 / 11Die letzte Woche des Herrn Jesus
Dieser Inhalt wird noch redaktionell aufbereitet.
Aktuell können Elemente fehlen oder falsch angezeigt werden.
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Erwartung in der Adventszeit
In dieser Adventszeit wollen wir uns mit Jesu Endzeitrede beschäftigen und uns dabei ganz bewusst vorbereiten. Diese Rede soll uns helfen, uns darauf vorzubereiten, dass der Herr wiederkommt.
Wir haben das in den letzten beiden Wochen schon getan. Wir haben gehört, wie Jesus seine Jünger auf das vorbereitet, was ihnen bevorsteht, bis er wiederkommt. Er hat deutlich gemacht, dass diese Adventszeit, diese Zeit des Wartens, des langen Wartens auf sein Wiederkommen, eine Zeit mit großer Not sein wird, eine Zeit des Leidens.
Da stellt sich schon ein wenig die Frage, ob wir den Advent eigentlich richtig verstanden haben. Wir singen in dieser Zeit ja vor allem sehr heimliche, fröhliche Adventslieder. Passt das eigentlich? Ist das vielleicht ein bisschen so wie die Lieder, die auf der Titanic gespielt wurden, als sie sank? Ein bisschen wie das sprichwörtliche Pfeifen im Walde?
Wenn die Wehen des Endes kommen, wenn Sonne, Mond und Sterne aus den Fugen geraten, wenn diese Welt im Chaos versinkt: Wie wirst du dann reagieren? Wirst du vor Furcht vergehen? Wird dir bange sein? Von Natur aus ist das die normale Reaktion. Und Jesus weiß das. Gerade deswegen bereitet er seine Jünger auf seine Wiederkunft und auf all das vor, was ihr vorausgehen muss.
Er tut im Prinzip das, was getan wird, wenn Einsatzkräfte darauf vorbereitet werden, in eine Krisenregion zu gehen. Man simuliert das, was sie erwartet, damit sie nicht überrascht werden von dem Chaos inmitten des Krisengebiets, sodass sie dann, wenn sie dort ankommen, einen kühlen Kopf bewahren können und das tun können, wozu sie da sind.
Genau das hat Jesus mit seinen Jüngern vor, und letztendlich auch mit uns. Deswegen diese Rede. Diese Ankündigung der Dinge, die noch kommen werden, damit wir inmitten der Adventszeit tatsächlich frohe Lieder singen können.
Zu Beginn seiner Rede hatte Jesus seinen Jüngern die völlige Zerstörung des Tempels angekündigt. Wir haben das vor zwei Wochen gehört. Und wir haben gehört, wie die Jünger daraufhin eine Frage stellten: Meister, wann wird das geschehen, und was wird das Zeichen sein, wenn das geschehen wird?
Jesus ging auf diese Fragen erst einmal gar nicht ein, wir haben das gesehen. Vielmehr erklärte er seinen Jüngern einfach, wie sie auf das kommende Chaos und Leid reagieren sollten. Das war der große Tenor der Predigt von vor zwei Wochen: Entsetzt euch nicht! Entsetzt euch nicht!
Und in der letzten Woche haben wir mehr davon gehört, was den Christen vor der Wiederkunft von Jesus bevorsteht. Wir haben gehört, dass da Verfolgung auf sie wartet, und wiederum ein Aufruf von Jesus am Ende dieser Ausführung: Seid standhaft!
Heute nun, im dritten Teil seiner Endzeitrede, beginnend in Vers 20 von Lukas 21, gibt Jesus seinen Jüngern zuerst einmal eine Antwort auf die Frage, die sie gestellt hatten, die Frage danach, wann das geschehen wird und was die Zeichen sein werden. Und dann, nachdem er das getan hat, macht er deutlich, dass all das, was kommen wird, kein Grund zur Panik sein sollte, sondern tatsächlich eher ein Grund zur Vorfreude. Denn all dieses Chaos und diese Leiden sind wirklich nur die Wehen seiner Wiederkunft und der damit einhergehenden Erlösung, der Zeit großer Freude.
Der erste Blick auf das kommende Gericht
Die Verse 20 bis 28
Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Herrn belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. Alsdann fliehe, wer in Judäa ist, ins Gebirge. Und wer in der Stadt ist, der gehe hinaus. Und wer auf dem Land ist, der komme nicht hinein. Denn das sind die Tage der Vergeltung, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.
Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen, denn es wird große Not auf Erden sein, und Zorn wird über dieses Volk kommen. Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter alle Völker. Und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.
Und es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen. Und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und den Wogen des Meeres. Und die Menschen werden vergehen vor Furcht in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde, denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Wenn aber dies anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Wir sehen hier in diesem Predigtext wirklich drei Abschnitte. Das sind die drei Punkte dieser Predigt. Wir wollen zuerst sehen, in den Versen 20 bis 24, wie Jesus seinen Jüngern deutlich die Zerstörung Jerusalems noch einmal ankündigt und deutlich macht, dass das ein Gericht Gottes sein wird. Und er erklärt seinen Jüngern, wie sie darauf reagieren sollen.
Dann zieht Jesus in den Versen 25 bis 27 weiter in die Zukunft und kündigt kosmische Zeichen an, kosmische Phänomene, die mit dem Gericht Gottes über die ganze Welt einhergehen werden. Nach diesen beiden Ankündigungen von kommendem Gericht sagt er schließlich, wie seine Jünger darauf reagieren sollen. Das ist Vers 28.
Meine Hoffnung, mein Gebet für uns heute ist ganz einfach. Ich hoffe, dass die Betrachtungen dieses erst einmal sehr furchteinflößenden Predigtextes in uns eben nicht Furcht bewirken, sondern dass in uns eine Vorfreude wächst auf das, was kommen wird. Und dass sie uns bereit machen, damit wir in dieser Zeit, bis Jesus wiederkommt, frohe Adventslieder singen können, ja frohe Herzen haben können.
Ich bete mit uns, und dann kommen wir zu diesen drei Punkten.
Himmlischer Vater, wir wollen dir danken, dass dein heiliges Wort zu uns spricht. Wir danken dir, dass du in deiner großen Gnade nicht schweigst über das, was uns bevorsteht, sodass es uns unvorbereitet treffen müsste. Nein, du erklärst uns, was vor uns liegt, sodass wir zugerüstet sind, sodass wir feste Herzen haben können, sodass wir getrost durch dieses Leben gehen können, im Vertrauen auf einen guten Hirten, der uns durch jedes finstere Tal führen wird hin zu grünen Auen. So wollen wir dich bitten, dass du nun sprichst und uns Ohren und Herzen gibst, dein Wort zu hören. Amen.
Die Warnung vor der Belagerung Jerusalems
Lass uns zuerst zu den Versen 20 bis 24 kommen und zu den Worten über die kommende Zerstörung Jerusalems. Denn nachdem Jesus die Zerstörung des Tempels angekündigt hatte, hatten seine Jünger ihn gefragt: Wann wird das geschehen, und woran können wir das erkennen?
Jesus beantwortet diese Frage hier direkt in Vers 20: Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. Das heißt, was Jesus hier deutlich macht: Eines Tages werden die Menschen in Jerusalem am Horizont sehen, wie ein großes Heer heranrücken wird. Sie werden merken: Jetzt kommt Gefahr.
Jesus spricht nun zu seinen Jüngern und kündigt ihnen das an, damit sie wissen können, wann die Zeit gekommen ist, die Zeit der Zerstörung des Tempels, ja, die Zeit der Zerstörung Jerusalems. Aber er tut noch viel mehr. Er sagt nicht nur, wann oder woran man es erkennen wird, sondern auch, was genau sie dann tun sollen.
Und bevor ich überhaupt auf das Inhaltliche weiter eingehe, möchte ich, dass wir für einen Moment innehalten und uns die Situation vorstellen.
Jesu Fürsorge mitten im drohenden Leid
Was für eine Fürsorge hier von Jesus! Wir bekommen einen Einblick in das Wesen unseres Herrn. Er weiß ja, dass er hier in Jerusalem ist. Das hat er immer wieder gesagt. Und nun wird er in den allernächsten Tagen verraten werden, gefoltert werden und brutal hingerichtet werden. Aber anstatt jetzt darüber zu lamentieren, wie ungerecht er von den Menschen behandelt werden wird, was für eine Gewalt ihm angetan werden wird, anstatt jetzt hier zu lamentieren über das, was ihm bevorsteht, ist er ganz auf das Wohlergehen seiner Jünger bedacht.
Ist das nicht eine wunderbare Herzenshaltung, inmitten der Situation, in der Jesus sich befindet, so auf andere bedacht zu sein, inmitten von Leid und Not? Nicht zu klagen, sondern darauf bedacht zu sein: Wie kann ich diese Zeit jetzt noch nutzen, um anderen Gutes zu tun?
Ich wünsche mir für mich selbst und für uns als Gemeinde, dass wir Jesus in diesem Aspekt wie in allen anderen Aspekten auch immer ähnlicher werden, dass auch wir gekennzeichnet sind von einer Liebe für andere, die diese Welt nicht kennt.
Im Vers 21 sagt Jesus dann, was seine Jünger genau tun sollen, wenn das feindliche Heer heranrückt: „Dann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht herein.“
Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise war der sichere Weg der Weg in die Stadt hinein. Jerusalem hatte kräftige Stadtmauern, hatte eine Schutzbefestigung, und tatsächlich war es in der Geschichte Jerusalems immer wieder so gewesen, dass sich die Menschen in die Stadt zurückgezogen hatten und dort bewahrt wurden.
Wahrscheinlich der bekannteste Angriff, der in einer solchen Situation stattgefunden hatte und bei dem Jerusalem bewahrt wurde, war der, als die Assyrer das Nordreich zerstört hatten und gen Jerusalem zogen. Und alles zog sich hinter die Stadtmauern zurück. Dann kämpfte Gott für sein Volk, und das Volk war in der Stadt sicher. Es war der natürliche Instinkt, dafür waren die Befestigungsanlagen da.
Aber Jesus sagte seinen Jüngern, dass sie dieses Mal, wenn sie sehen, dass das Heer kommt – das feindliche Heer, das römische Heer würde es sein –, nicht hinter die Stadtmauern flüchten sollten, sondern aus der Stadt hinausgehen sollten und nicht hineinflüchten, sondern weiter weggehen sollten. Denn Jesus kündigt den Menschen an: Wenn das geschieht, wenn ihr dieses Heer kommen seht, dann wisst, dass das jetzt Ausdruck von Gottes Gericht über sein Volk ist. Es ist eine Vergeltung über die Sünden des Volkes, das er als das Volk seines Eigentums berufen hat.
Jesus sagt: Was geschehen wird, wird geschehen in Erfüllung der prophetischen Worte.
Gericht, Erfüllung und historische Katastrophe
So lesen wir hier in Vers 22: Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben steht. Und er macht deutlich: Es wird schrecklich sein. Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen, denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dieses Volk. Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.
Was Jesus hier seinen Jüngern ankündigt, das muss für sie wie eine Horrorgeschichte geklungen haben. Und das wurde circa 40 Jahre später wahr. Nach einem jüdischen Aufstand kam die römische Besatzungsmacht mit gleich drei römischen Legionen Richtung Jerusalem gezogen. Es wird berichtet, dass 60.000 Soldaten auf die Stadt zurückrückten. Viele der Juden flüchteten hinter die imposanten Befestigungsanlagen. Und weil diese Belagerung am Tage des Passafestes geschah, waren viele Menschen in der Stadt.
Der römische Historiker Flavius Josephus berichtet, und manchmal übertreibt er ein bisschen, aber er berichtet, dass 3 Millionen Menschen in der Stadt Jerusalem waren. Mehrere Monate wurde die Stadt belagert, die Befestigungsanlagen haben lange gehalten. Aber letztendlich brachen sie zusammen, und die Römer nahmen die Stadt Jerusalem komplett ein. Der Tempel wurde, genau wie von Jesus angekündigt, komplett zerstört.
Josephus, der selbst auf Seiten der Römer mit dabei war, hat als Augenzeuge darüber berichtet. Er schreibt davon, dass über ein Drittel der Bevölkerung, er sagt 1,1 Millionen Menschen, zu Tode kam. Knapp 100.000 Menschen wurden aus Jerusalem gefangen weggeführt. Wie auch immer wir genau diese Berichte von Josephus einordnen müssen, ob die Zahlen übertrieben sind oder nicht, eines ist klar: Es war absolut grausam. Die Berichte davon sind schrecklich.
Es war so schrecklich, dass das jüdische Volk bis zum heutigen Tag diesem Tag gedenkt, als einem Tag des Fastens und der Trauer. Es muss traumatisch gewesen sein. Doch nach Berichten des Kirchenvaters Eusebius soll inmitten dieser Situation etwas Erstaunliches geschehen sein. Während alle anderen in die Stadt hineinflüchteten, waren es die Christen, die im Moment des Anblicks des römischen Heeres die Stadt verlassen haben. Sie flohen in eine Stadt namens Pella, wo sie von dem brutalen Gemetzel bewahrt wurden.
Wahrscheinlich waren es genau diese Worte Jesu. Genau diese Ankündigung, diese Warnungen, die dazu führten, dass die Christen verschont wurden. Weil sie dem glaubten, was Jesus hier ankündigt, wurden sie gerettet.
Liebe, uns muss klar sein: Als die Jünger diese Worte hörten, da konnten sie damit wahrscheinlich nicht viel anfangen. Nochmal: Die Situation, Jesus wusste, was ihn erwartet. Er hat es seinen Jüngern immer wieder gesagt, aber wir merken in allen Berichten: Die Jünger haben das noch nicht verstanden. Die Jünger sagen: Mensch, jetzt ist Passafest, wir wollen ein Fest feiern, da war Trubel in der Stadt, es war fröhlich und ausgelassen, man war mit Jesus unterwegs, und jetzt solche Ankündigungen von Jesus. Das müsste völlig surreal geklungen haben, völlig unvorstellbar.
Der Blick über Jerusalem hinaus
Ich denke, ähnlich surreal und unvorstellbar ist das, was wir dann im Fortgang ab Vers 25 lesen. Lass uns noch einmal diese Worte lesen, Worte, die für uns so klingen, als könnte das nicht geschehen.
Es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen. Und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres. Und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde. Denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Wir sehen: Hier verändert sich jetzt der Fokus. Die Verse 20 bis 24, das waren Worte, die Jesus gesprochen hatte im Hinblick auf Jerusalem, im Hinblick konkret auf das Gottesvolk. Es waren Worte, die sich in der nahen Zukunft erfüllen würden. Was jetzt in den Versen 25 bis 27 kommt, ist, wenn wir so wollen, die nächste Eskalationsstufe. Das beschreibt nun etwas, das auch für uns noch in der Zukunft liegt. Es beschreibt ein Gericht Gottes nicht über eine Stadt oder über ein Volk, sondern über die ganze Welt.
Die Sprache, die Jesus hier gebraucht, ist sicher sehr bildhaft. Wir wissen nicht genau, wie wir uns das vorstellen müssen, wie genau das sein wird. Manche dieser Aussagen lesen wir im Alten Testament im Hinblick auf andere Gerichtssituationen, die so gedeutet wurden. Aber was auch immer Jesus hier ankündigt, wie auch immer es genau sein wird, es ist klar: Es wird für alle Welt offensichtlich sein, und es wird für die Menschen beängstigend sein. Es heißt hier, die Menschen werden vergehen vor Furcht.
Vielleicht hast du so etwas schon einmal andeutungsweise erlebt, dass du in einer Situation warst, in der Dinge geschehen sind um dich herum, die Angst und Schrecken verbreitet haben. Mir fielen einige Dinge ein, aber vielleicht ist das, was dem hier am nächsten kommt, das, was wir als Familie erlebt haben, direkt bevor wir nach München umgezogen sind. Im Jahr 2008, nach dem Auszug aus unserem Haus in Washington, waren wir von Freunden eingeladen, noch eine Zeit bei ihnen zu verbringen, auf Grand Cayman in der Karibik, ein sehr schöner Ort.
Als wir dort auf der Insel landeten, merkten wir interessanterweise, dass mehr Leute wegflogen als ankamen. Uns wurde gesagt: Ja, es gibt Gerüchte über einen Hurrikan, der sich über der Karibik breitmacht, und Menschen bringen sich lieber in Sicherheit, weil die dort gefährlich werden können. Aber man wusste noch nicht so genau, was kommen würde. Im Laufe der nächsten Tage wurde es immer deutlicher. Wir verfolgten dann im Fernsehen, was geschehen sollte.
Hurrikan Gustav kam. Er ging über andere Inseln in der Karibik schon hinweg und hinterließ eine Spur großer Verwüstung. Über hundert Menschen sind in diesem Hurrikan schon gestorben, und wir saßen auf dieser Insel. Dann wurden die Fenster alle zugenagelt, und wir saßen da. Wir sind noch einmal rausgegangen und haben am Strand gestanden, und du sahst eine schwarze Front auf dich zukommen. Es war absolut beängstigend. Und die Menschen auf dieser Insel gerieten in Panik. Es war Furcht und Schrecken.
Ja, ich glaube, man kann die Worte unseres Bibeltextes hier nehmen: Die Menschen vergingen vor Furcht in Erwartung der Dinge, die kommen sollten, und die Kräfte der Himmel schienen ins Wanken geraten zu sein. Und das war nur ein ganz kleiner Vorgeschmack, nur ein ganz kleiner Vorgeschmack von den Schrecken, die Jesus hier ankündigt. Es werden kosmische Phänomene sein, die die Menschen auf der ganzen Erde, nicht nur auf einer kleinen Insel, Menschen auf der ganzen Erde in Angst und Schrecken versetzen werden.
Und doch sollten wir nicht übersehen, dass das nicht das Schlimmste ist, was Jesus hier ankündigt. Auch diese kosmischen Phänomene, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzen, sind nur ein Vorbote dessen, was dann geschehen soll, oder besser: ein Vorbote dessen, der dann kommen soll, zu richten die Lebenden und die Toten. Das kündigt Jesus hier in Vers 27 an: Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Das mag im ersten Moment positiv klingen, aber uns muss klar sein, dass für sündige Menschen das Kommen der Herrlichkeit Gottes, das Kommen Gottes in Kraft, nichts Gutes ist. Das ist der größte Schrecken in diesem ganzen Bericht, denn sündige Menschen können in der Herrlichkeit Gottes nicht bestehen. Tatsächlich sehen wir das in der Bibel immer und immer wieder: Da, wo die Herrlichkeit Gottes auch nur aufstrahlt, auch nur ein Abglanz davon aufstrahlt, ist die natürliche Reaktion der Menschen Furcht.
Das sehen wir selbst in der Weihnachtsgeschichte, dass die Herrlichkeit des Herrn, nicht weil der Herr selber, sondern nur weil die Herrlichkeit des Herrn am Himmel erscheint, bei den Engeln die Hirten in Furcht und Schrecken geraten. Und so wird es sein an diesem Tag. Die Menschen werden in Panik geraten. Dieser Tag des Gerichts wird für die allermeisten Menschen ein Tag des Horrors sein, auf den ewige Qualen folgen werden.
Und so ist die Adventszeit für uns eine gute Zeit, um uns selbst die Frage zu stellen: Bin ich bereit für das Kommen des Menschensohns? Jesus hat immer wieder davor gewarnt, dass dieser Tag kommen wird. Er hat immer wieder deutlich gemacht: Täuscht euch nicht! Kein Mensch wird aus eigener Kraft diesen Tag durchstehen können. Wir werden vergehen vor Furcht. Und das zu Recht, denn von Natur aus rebellieren wir alle immer wieder gegen Gottes gute Gebote und letztendlich eben gegen Gott, gegen diesen mächtigen Herrn. Und als Rebellen stehen auch wir, so wie damals die Stadt Jerusalem, unter gottesgerechtem Gericht.
Aber so wie damals in Jerusalem bereitet der Herr auch hier einen Ausweg. So wie Jesus seinen Jüngern sagte, wie sie vor der Zerstörung Jerusalems gerettet werden können, so sagt er auch uns, wie wir vor dem Tag des Gerichts gerettet werden können. Dazu ruft er uns auf, von unseren falschen Wegen abzukehren und uns ihm ganz anzuvertrauen, ihm zu vertrauen und zu tun, was er sagt, ob das für die Menschen um uns herum vernünftig klingt oder völlig verrückt, so wie zum Beispiel aus einer sicher befestigten Stadt zu fliehen im Angesicht eines heranrückenden Feindes.
Jesus ist gekommen, um uns einen Ausweg zu bereiten. Dazu ist er hier in Jerusalem. Dort in Jerusalem würde er in den nächsten Tagen das Gericht Gottes, das da kommen soll, auf sich nehmen. Dazu würde er ans Kreuz gehen und dort sterben. Und, ihr Lieben, als Jesus am Kreuz gestorben ist, da geschieht genau das, was er hier ankündigt. Es gibt kosmische Phänomene, die einhergehen mit dem Gericht Gottes, das Jesus selber trägt. Wir wissen aus den Berichten der Kreuzigung, dass es mitten am Tag drei Stunden finster wurde. Wir wissen, dass es im Nachgang Erdbeben gegeben hat. All das geschieht als Ausdruck davon, dass Gott hier richtet.
Er richtet unsere Sünde, aber er richtet sie, indem er sie selbst in Jesus Christus auf sich nimmt, sodass jeder, der zu ihm flieht, der ihm vertraut, das Gericht nicht mehr erleben muss. Jesus hat das Gericht auf sich genommen, sodass jeder, der ihm nachfolgt, der ihm vertraut, der auf seine Stimme hört, das Gericht nicht fürchten muss.
Also noch einmal: Bist du bereit für den Tag des Kommens des Menschensohns? Vielleicht ist es gut für dich, die Adventszeit ganz bewusst zu nutzen, um dich darauf vorzubereiten, vielleicht um dich wieder neu auf Jesus zu besinnen oder vielleicht auch, um das überhaupt einmal zu tun. Wenn du Fragen dazu hast, wie du das tun kannst, dann sprich mit uns, sprich mich an der Tür oder schreib mir im Laufe der Woche eine E-Mail oder melde dich im Gemeindebüro.
Jesus gibt uns diese Worte der Warnung, damit wir vorbereitet sind, damit wir nicht überrascht werden, wenn der Tag des Gerichts kommt. Und wenn wir dann darauf vorbereitet sind, wenn wir auf Jesus vertrauen, wenn er der Herr unseres Lebens ist, dann müssen wir diese Tage nicht fürchten. Das ist genau das, was Jesus seinen Jüngern dann schließlich in Vers 28 erklärt. Wir lesen seinen Aufruf an seine Jünger: Wenn aber dies anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Die Ausleger streiten darüber, was Jesus hier genau meint, wenn er sagt: wenn aber dies anfängt, worauf sich dies bezieht. Manche Ausleger sagen, es bezieht sich wohl auf die Verse 25 bis 27, also auf diese kosmischen Phänomene. Wenn ihr das erlebt, dann seid getrost. Das ist auf jeden Fall richtig, denn das steht uns noch bevor, und wir tun gut daran, diese Worte unseres Herrn tief in unseren Herzen zu verankern. Wir tun gut daran, damit wir, wenn das Ende kommt, eben nicht in Panik geraten, uns nicht anstecken lassen von Panik und Furcht um uns herum, sondern getrost auf den Herrn schauen, der da kommen wird, voller Vorfreude in Erwartung der Erscheinung unseres Erlösers.
Hoffnung trotz der letzten Erschütterungen
Trotzdem bin ich nicht überzeugt davon, dass sich dies nur auf die Verse 25 bis 27 bezieht. Ich denke, Jesus spricht hier konkret zu seinen Jüngern, und damit bezieht sich dies auf alles, was er zuvor gesagt hat. Denn in den Versen 20 bis 24 hat er seine Jünger ja ganz persönlich angesprochen: Wenn ihr aber sehen werdet. Dann blieb er in den Versen 25 bis 27 sehr allgemein. Man kann schon ahnen, dass die Jünger das vielleicht selbst nicht mehr miterleben würden.
Und es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen der Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht. Also keine persönliche Ansprache. Und dann in Vers 28 wieder eine persönliche Ansprache: Wenn aber dies anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Ich gehe davon aus, dass Jesus seinen Jüngern hier sagt: Wenn ihr seht, wie das Heer der Römer kommt, dann wisst, das sind die ersten Vorzeichen der Wiederkunft des Herrn. So ist diese ganze Rede zu verstehen. Wir sehen, wie es immer wieder wechselt zwischen dem, was schon geschehen ist, und dem, was noch kommen wird. Es ist eine lange Zeit, in der es immer wieder Zeiten besonderer Leiden geben wird, bis dann alles kulminiert in der ganz großen Trübsal. Aber die Zeit der Trübsal, die hat schon begonnen.
Die Bibel macht das tatsächlich ganz deutlich. Das Wort Trübsal taucht im Neuen Testament mehrfach auf und wird teilweise von Paulus zum Beispiel in seiner Ansprache an die Gemeinde, an die er schreibt, so gebraucht, dass er sagt: Ihr lebt in dieser Zeit der Trübsal. Er spricht auch von unserer Trübsal und beschreibt sie als zeitlich und leicht und sagt danach die Herrlichkeit. Aber wie dem auch sei: Klar ist, das Schlimmste steht uns noch bevor.
Die Bibel lehrt eindeutig, dass wir auf diesen Tag der Wiederkunft des Herrn vorbereitet sein müssen. Wir leben schon in den letzten Tagen, aber der letzte Tag steht uns noch bevor. Manche Christen sind davon überzeugt, dass wir gerade aktuell ganz nahe daran gekommen sind. Ich bin von mehreren Geschwistern angesprochen worden, ja, ich bin sogar ermahnt worden, mehr darüber zu reden, dass wir in den allerletzten Tagen sind. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich denke, wir werden es dann sehen, wenn es so weit ist.
Aber eines weiß ich, eines weiß ich gewiss: wie wir mit dieser Situation umgehen sollen, weil Jesus uns das sagt. Er sagt: Erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Oder in anderen Worten: Seid frohgemut, seid zuversichtlich, seid voller Hoffnung!
Auch ganz persönlich: Was auch immer geschieht, wenn du Leid und Not erlebst in deinem Leben, wenn du erlebst, dass die Welt aus den Fugen gerät, dann fang nicht an, an Gott zu zweifeln, so als hätte er die Kontrolle verloren. Er hat doch all das angekündigt. Damit wir, wenn diese Dinge geschehen, wenn wir Not und Leid erleben, wissen können: Unser Herr hat alles im Griff, und er wirkt in all diesen Dingen.
Diese Worte sind uns gegeben, damit wir in schweren Zeiten wie dieser einen kühlen Kopf und ein festes Herz behalten und Vertrauen darauf, dass unser Herr alles zu einem guten Ziel bringt. Nicht dazu hat der Herr uns seinen Geist gegeben, damit wir uns nicht anstecken lassen von der Furcht der Menschen um uns herum, von all dem Chaos und all den Streitereien. Denn Gott hat uns gegeben, wie es so schön heißt in 2. Timotheus 1,7: Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Ich glaube, das ist eine Botschaft, die wir heute brauchen. Das ist eine Adventsbotschaft hier für uns, heute, für unsere Zeit. Wir sehen doch, wie unsere Welt aus den Fugen gerät und wie die Menschen in Panik geraten, wie sie sich streiten, wie sich Fronten bilden über ganz neue Themen. Und ich sehe mit großer Sorge, dass das auch Gemeinden erreicht, dass sich Gemeinden zerstreiten und dass sich Christen voller Angst zurückziehen, verkriechen.
Wenn es dir gerade so geht, dann hoffe ich, dass Jesu Worte dir Trost sind und eine Hilfe. Ja, es mag sein, dass du gerade durch ganz schwere Zeiten gehst. Es mag sein, dass manches für dich beängstigend ist. Aber wenn du Jesus Christus als deinen Retter und Herrn kennst, dann darfst du wissen, dass dich dein liebender Vater durch diese Zeit hindurchtragen wird.
Erinnere dich an die Zusagen aus Psalm 23: Er ist dein guter Hirte, der dich durch finstere Täler führt, weil das der Weg ist hin zu frischen Auen. Oder wie es Paulus später den Korinthern schreibt: Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.
Ihr Lieben, gerade das Leid, durch das wir durch müssen, ist das Leid, das auf dem Weg liegt hin zum Ziel. Wir können ihm nicht entgehen, weil das Ziel dahinter liegt. Und deswegen ist es gut, diese Zeiten getrost durchzugehen, mit dem erhobenen Haupt, nicht schauend auf die Panik, das Chaos um uns herum, sondern aufzuschauen zu unserem Herrn, der uns sicher durchbringt, der Acht auf uns hat, wie wir das letzte Woche gesehen haben, dass nicht ein Haar von unserem Haupt verlorengehen wird.
Und, ihr Lieben, dafür brauchen wir einander. Gerade deswegen ist es so verheerend, wenn wir uns in solchen Zeiten zurückziehen und mehr oder minder als Einzelkämpfer durch diese Zeit gehen. Deswegen ist es so verheerend, wenn wir uns in dieser Zeit verstreiten über irgendwelche Nebensächlichkeiten, denn die Gesinnung Jesu ist eine andere. Jesus hat uns doch vorgelebt: Er hat nicht lamentiert über seine Not, lamentiert über die äußeren Umstände. Jesus war bedacht auf die anderen, voller Liebe und Fürsorge, und hat ihnen Mut gemacht, den Weg zu gehen.
Und so möchte ich uns ermutigen, so miteinander durch diese Zeit und das, was noch kommen wird, zu gehen. Auf gut Norddeutsch würde ich sagen: Kopf hoch! Jesus sagt: Erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Deswegen können wir in dieser Zeit frohe Adventslieder singen und voller Vorfreude warten, bis diese Adventszeit zu einem Ende kommt und unser Herr der Herrlichkeit kommt.
Ich bete mit uns.
Himmlischer Vater, wir wollen dir danken für Worte, die im ersten Moment so hart, so angsteinflößend klingen, aber die doch so voller Hoffnung sind. Danke, dass du nichts sagst: Geratet in Panik und verkriecht euch, sondern uns zurufst: Erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Herr, so beten wir, dass dieser Tag kommen möge, auch wenn es bedeutet, dass damit auch die Trübsal noch schlimmer werden wird. Wir harren und warten auf den Tag, an dem du wiederkommst, und die Herrlichkeit danach. Stärke uns dazu, stärke uns als eine Gemeinschaft dazu, dass wir einander durchtragen, dass wir einander ermutigen und anspornen in einem Leben, im Schauen auf dich, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens.
Wir preisen dich dafür. Amen.
