Generierte Mitschrift
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Ein Gespräch über Herkunft, Auftrag und aktuelle Fragen
Hallo, mein Name ist Ron Kupsch. Ich bin Redaktionsleiter bei Evangelium 21 und habe heute die Gelegenheit, mit Benjamin Schmidt und Andreas Münch zu sprechen. Beide sind Mitarbeiter bei der Herold Mission, es geht also um ein Missionswerk.
Wir wollen etwas über die historischen Wurzeln des Werkes erfahren, natürlich auch etwas über die Herausforderungen der Gegenwart hören. Und wir erfahren, warum die Bücher von Charles Finney, die ursprünglich einmal im Verlag Herold erschienen sind, nicht mehr aufgelegt werden.
Ja, hallo ihr beiden, Ben und Andreas. Ich freue mich, dass wir heute die Gelegenheit haben, über die Herold Mission zu sprechen. Bevor wir loslegen, sollten unsere Hörer aber auch etwas über euch erfahren. Könnt ihr euch kurz vorstellen?
Ja, ich fange mal an. Ich bin Ben, Benjamin Schmidt, bin Jahrgang 1982, komme aus dem Kreis Wetzlar, bin hier geboren und aufgewachsen, bin Vater von drei Kindern, verheiratet mit Hanna seit jetzt 13 Jahren, bin seit ungefähr 20 Jahren Christ und darf seit mittlerweile elf Jahren in der Herold Mission mitarbeiten. Seit mittlerweile sieben Jahren bin ich auch Leiter der Herold Mission.
Ich bin verheiratet mit Miriam, Vater von drei wilden Jungs, und ich bin jetzt seit einigen Jahren auch hier vollzeitlich beim Herold beschäftigt.
Ja, könnt ihr uns mal erzählen, wie ihr beiden euch kennengelernt habt? Ihr seid ja nun nicht zusammen aufgewachsen.
Fast. Wir kennen uns schon seit 2006, also das sind mittlerweile schon 15 Jahre. Wir haben zusammen die Bibelschule Brake besucht, haben dort gemeinsam in der Bibelschule angefangen und haben uns da kennengelernt und auch gleich gemocht.
Ja, also wir haben festgestellt, dass wir ziemlich viel gemeinsam haben, gerade was Film-, Buch- und Musikgeschmack anging. Da waren wir uns ziemlich einig.
Mir ist vor allem aufgefallen, dass er der einzige Reformierte in unserer Klasse war. Im Laufe des Studiums hat mich dann immer mehr die reformatorische Lehre angezogen, und da haben wir viel diskutiert. Ja, und ich bin sozusagen als Nichtreformierter nach Brake gekommen, und nach den drei Jahren war ich dann auch ein überzeugter Reformierter. Das hat uns dann zusammengeschweißt, und die Freundschaft hat dann auch weiter überdauert, selbst nachdem jeder seiner eigenen Wege gegangen ist.
Wir haben uns fast gegenseitig selbst verheiratet, könnte man so sagen. Ben war Trauzeuge bei mir und hat die Traurede gehalten, ich war sein Trauzeuge, und seit ein paar Jahren sind wir jetzt sogar schon Nachbarn. Uns trennt nur eine Hauptstraße im Dorf.
Ja, das klingt ja wirklich interessant. Ben, was dich anbetrifft, sollten wir noch erwähnen, dass du ja eine besondere Beziehung zu Evangelium 21 hast. Du bist ja nicht nur Vereinsmitglied, sondern warst auch mehrere Jahre im Vorstand.
Ja, es war eine kurze Zeit, es waren drei Jahre, in denen ich bei Evangelium 21 mitgeholfen und mitgearbeitet habe. Es waren intensive Jahre, in denen ich auch gerade den Vorstand näher kennenlernen konnte, so hinter die Kulissen schauen konnte von der Arbeit von Evangelium 21, von so einer Vorbereitung für die Konferenz. Und ich muss sagen, es war wirklich eine herausfordernde, aber sehr gesegnete Zeit. Und ich bin dankbar, dass ich es damals gemacht habe.
Ja, und wir sind immer noch dankbar für deinen Einsatz. Und ich vermisse dich manchmal. Wenn wir dann zusammenkommen, ist der Ben nicht mehr dabei, und wir haben uns seitdem du da ausgestiegen bist, aus dem Vorstand ja auch nicht mehr so oft gesehen, was natürlich damit zusammenhängt, dass wir doch ziemlich weit auseinander wohnen.
Die geschichtlichen Anfänge und der Wandel des Profils
Okay, kommen wir zur Herold Mission. Wo liegen eigentlich die Wurzeln des Missionswerks?
Die Anfänge der Herold Mission gehen bis in die neunzehnhundertfünfziger Jahre zurück. Sie wurde ursprünglich von einem amerikanischen Missionar in Frankfurt am Main gegründet. Dieser Missionar kam eigenständig nach Deutschland, ohne aussendende Gemeinde und ohne finanzielle Mittel, um hier das Evangelium zu verkündigen.
Er war stark pfingstlerisch geprägt und davon überzeugt, dass, wenn Gott ihn dorthin sendet, Gott auch die Mittel zur Verfügung stellen wird. Durch Gottes Gnade ist es dann tatsächlich so gekommen, dass Gott die Wege geführt hat. So konnte dieser Missionar hier nach einigen Jahren und mit einigen Helfern eine Missionsorganisation gründen.
Er begann damit, Schriften herauszugeben, Flyer, Traktate, Broschüren und eine Zeitschrift, die mittlerweile in der siebenhundertneunundsiebzigsten Ausgabe ist. Das waren die ursprünglichen Anfänge der Herold Mission.
Zwischenzeitlich wurde der pfingstlerische Vorsitzende der Mission durch meinen Vorgänger, Wolfgang Gerstenberg, abgelöst. Er war eher in der Brüdergemeinde beheimatet, und das hat man auch an der einen oder anderen Stelle gemerkt. Es gab dadurch einen kleinen theologischen Umschwung.
Mittlerweile hat sich der Umschwung noch einmal in eine andere Richtung bewegt, nämlich in die reformatorische Richtung, dadurch, dass ich der Hauptverantwortliche für die Inhalte bin.
Gegenwart, Arbeitsfelder und die Reichweite der Zeitschrift
Ja, könnt ihr auch noch ein bisschen etwas zu eurem Profil der Gegenwart sagen? Also: Was ist heute eure Mission, euer Hauptauftrag? Welche Arbeitsbereiche habt ihr in eurem Missionswerk?
Wir haben mehrere Arbeitsbereiche. Der Grossteil ist immer noch die Erstellung und die Verbreitung von Schriften. Wir haben ja ein recht grosses Angebot, sowohl für evangelistische Einsätze, also Schriften, die sich an Nichtchristen richten, als auch Schriften, die mehr die Unterweisung, Belehrung und Erbauung von Christen zur Grundlage haben.
Dann haben wir die Herold-Zeitschrift. Das ist sozusagen das, wofür wir auch am meisten bekannt sind. Sie erscheint jeden Monat. Dazu haben wir noch unseren digitalen Auftritt, das heisst unseren Onlineshop und unseren Blog, wo dann passend zur Ausgabe meistens wöchentlich neue Artikel erscheinen.
Was ich immer gerne noch erwähne, ist auch ein Teil, der eigentlich nicht ursprünglich geplant war, aber so entstanden ist: die Telefonseelsorge. Dadurch, dass wir eine Mission sind und die Telefonnummer auch im Internet steht, in Zeitungen, in Traktaten, in Broschüren und so weiter abgedruckt ist, haben wir ziemlich häufig Anrufe von Leuten mit den unterschiedlichsten Fragen. Das sind geistliche Fragen, persönliche Fragen oder seelsorgerliche Probleme, von denen sie sich Hilfe erhoffen.
Oftmals müssen wir sie an wirklich ausgebildete Seelsorger weiterleiten, an Leute, die da noch viel mehr Fachkenntnis haben. Aber sehr oft reicht es auch aus, wenn wir ihnen zuhören, wenn wir ihnen eine Verheissung aus Gottes Wort mitgeben, wenn wir sie in einer gewissen Ansicht bei einem Gottesbild korrigieren können und wenn wir ihnen durch Gottes Wort Mut machen, auf Christus zu vertrauen. Und da muss ich sagen: Das ist echt eine Arbeit, die oftmals herausfordernd ist, die ich aber eigentlich fast am meisten mag.
Zusätzlich dazu haben wir dann noch den Herold Verlag. Das ist sozusagen unser Geschäftsbetrieb, der der Mission untergeordnet ist. Dort bieten wir noch Bücher an, hauptsächlich für Christen. Das heisst: Erbauungsliteratur, ein bisschen etwas Evangelistisches und Apologetisches. Genau, das haben wir auch noch.
Ja, ich freue mich immer wieder über neue Bücher, die beim Herold Verlag erscheinen. Oft kriege ich ja welche zugeschickt. Und natürlich freue ich mich auch auf die Herold-Zeitschrift, die ich dann immer gerne durchblättere, meistens nach einer Mahlzeit oder so. Eine schöne Sache.
Verbreitung, Spendenmodell und praktische Nutzung
Bleiben wir doch mal bei der Zeitschrift. Ihr gebt sie ja sogar in mehreren Ländern heraus. Ich weiß nicht, wollt ihr über Abonnenten sprechen, also über die Zahl der Abonnenten, oder bleibt das ein Geheimnis? Das ist natürlich für mich in Ordnung. Aber vielleicht wollt ihr uns ja erzählen, in welchen Ländern die Zeitschrift erscheint und vielleicht sogar, wie viele Abonnenten ihr habt.
Ja, können wir gerne darüber sprechen. Wir sind jetzt seit einigen Jahren zweisprachig. Wir waren eine Zeit lang viersprachig unterwegs. Da gab es die Zeitschrift auf Deutsch als den Herold, auf Französisch als Araldo, in Italienisch und noch auf Holländisch. Und jetzt, seit einigen Jahren, weil eben Französisch und Italienisch sehr, sehr stark abgenommen haben, die Unterstützung von den Lesern, die Nachfrage, haben wir es auf die zwei Sprachen beschränkt, wo sehr viel Nachfrage war und nach wie vor ist. Das ist Deutsch und Niederländisch. Und die versenden wir tatsächlich noch weltweit.
Da versenden wir die deutschen Zeitungen bis nach Mexiko. Wir haben Leser, die niederländische bis nach Suriname, die niederländischen Antillen und so weiter. Also, wir versenden weltweit in den zwei Sprachen. Und zu den Zahlen kann Andi noch etwas sagen. Wir haben also ungefähr 20 Leser und ungefähr doppelt so viele Zeitschriften, die jeden Monat versandt werden.
Das ist ja wirklich viel. Wenn man jetzt zum Beispiel evangelistische Traktate sucht, dann kann man sich auch an die Herold Mission wenden.
Ja, auf jeden Fall. Manche Leute rufen bei uns an und fragen, was wir hier in Deutschland machen können. Zum Beispiel haben wir nach bestimmten Traktaten zu manchen Themen. Manchmal fragen wir auch nach, um herauszufinden, was jetzt für welches Anliegen oder für welche Zielgruppe das Beste ist.
Wir versuchen da, ausgewogen zu sein, dass wir Schriften anbieten können, die sich sowohl an Leute richten, die noch nie etwas vom Evangelium gehört haben. Wir haben beispielsweise eine Weihnachtsbroschüre, die jetzt in der nächsten Zeit wieder besonders angeboten, beworben und dann auch dementsprechend bestellt wird, wo es dann um die Weihnachtsbotschaft geht. Und dann haben wir auch welche, die sich eher an Gläubige richten, die dann mehr helfen wollen im Glauben.
Zum Beispiel unsere allerneueste Broschüre, die jetzt vor ein paar Wochen in Druck gegangen ist oder jetzt auch erhältlich ist. Da geht es um die Frage der Jungfrauengeburt, also ein Thema, das ja jetzt zu Weihnachten wieder neu aufkommt. Dort behandeln wir die Frage: Muss man heute wirklich noch an die Jungfrauengeburt glauben? Da geht es um die Frage, möchten uns die biblischen Autoren wirklich glauben lassen, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde? Und ist diese Lehre wirklich so wichtig für das Evangelium, oder ist es vielleicht zweitrangig? Können wir diese Lehre fallen lassen?
Das ist uns ein Anliegen, und da möchten wir gerne dann auch eben durch Traktate Hilfestellung geben. Und es werden tatsächlich auch viele Traktate und Broschüren bestellt, sowohl von Einzelpersonen, die die für die Familie brauchen. Es ist ein Familienfest, es ist eine Beerdigung, ein Geburtstag, eine Frau will an die Enkelkinder zum Geburtstag etwas weitergeben oder so. Aber auch Gemeinden und Straßenevangelisten, die teils große Mengen bei uns bestellen.
Es fängt dann oft an, dass wir für Gemeinden oder Straßenevangelisten dann extra Drucke machen mit Visitenkarteneindruck hinten, wo die sich dann an eine Gemeinde wenden können, die Leute, die den Flyer in die Hand bekommen. Da habe ich mal zusammengerechnet: Wir haben ungefähr in diesem Jahr, alleine jetzt in den letzten zehn Monaten, um die hunderttausend Flyer und Broschüren drucken lassen und verschickt.
Boah, erstaunlich, das habe ich noch nicht mal geahnt, dass ihr so viele Flyer und Traktate produziert.
Ja, also wer sich das Portfolio mal anschauen will, auf herold-mission.com, da ist eben das ganze Angebot, sowohl an kostenlosen Traktaten, Broschüren als auch unsere Bücher.
Ja, also im Internet kann man euch erreichen und auch die entsprechenden Bestellungen aufgeben für Verteilmaterial und natürlich auch die Bücher bestellen, die bei euch herauskommen.
Finney, Erweckung und die theologische Abgrenzung
Ich bin ja in meiner Jugend ab und zu mal in das Jesushaus in Düsseldorf gegangen. Ich habe meine ersten Jahre als Christ in Düsseldorf verbracht. Dort fand ich in diesem damals, wahrscheinlich auch heute noch, recht charismatischen Haus oder in einem Kino, einem ehemaligen Kino, allerlei Bücher vom Herold Verlag. Einige dieser Bücher stammten von Charles Finney.
Heute bietet ihr ein Traktat an, das sich kritisch mit Finney auseinandersetzt. Was ist da im Herold Verlag passiert? Könnt ihr das mal erklären?
Also, ich würde mal sagen: Da wurde das Gebet meiner Vorgänger erhört. Meine Vorgänger und auch die Unterstützer der Herold Mission haben in den letzten Jahrzehnten immer um eine Erweckung gebetet. Und ich würde sagen, das ist eine Erweckung dahingehend, dass entdeckt wurde, wofür Finney steht, was wirklich seine Theologie war und inwiefern sie vom biblischen Evangelium abweicht.
Die Leute, die früher Finney-Bücher beim Herold herausgegeben haben – ich kenne die meisten Leute persönlich – waren gläubige Leute. Es sind liebe Leute, die den Herrn Jesus lieb haben, aber sie haben sich nicht kritisch genug mit den Inhalten von Finneys Theologie auseinandergesetzt.
Ich habe in meinem Bibelstudium selbst Finney gelesen, auch ein Herold-Buch, und bin in tiefe Glaubenskrisen gestürzt durch dieses Buch. Denn seine Theologie ist eine rein arminianisch-pelagianische Theologie, in der die Handlungen des Menschen so eine große Rolle spielen, dass Gottes Souveränität, Gottes Gnade und Gottes Vorsatz gar keinen Platz mehr haben.
Als ich hier anfangen sollte und das Angebot hatte, die Herold Mission zu übernehmen, hat Gott mir den Mut geschenkt, zu meinem Vorgänger, zu meinem Chef, zu sagen: Entweder der Finney geht, oder ich kann nicht kommen. Wenn Finney im Herold-Programm bleibt, dann kann ich nicht anfangen.
Dann habe ich mich mit meinem Vorgänger zusammengesetzt, und wir haben geschaut, was in der sogenannten systematischen Theologie von Charles Finney über die Sühne, die Stellvertretung Jesu, über das Sühneopfer steht. Finney hat ganz klar gesagt, dass er auch als studierter Jurist davon überzeugt ist, dass kein Mensch für die Sünden anderer sterben kann und dass auch Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch nicht stellvertretend für die Sünden anderer Menschen sterben konnte. Deswegen hat sein Opfer nur eine Symbolwirkung für Gottes Liebe, aber keine sühnende Wirkung.
Als ich dann dargelegt habe, dass das völlig unbiblisch ist und das ganze Evangelium kaputtmacht, was Finney sagt, war mein Vorgänger Gott sei Dank auch völlig entrüstet. Und dann waren es, ich weiß nicht mehr wie viele Tausend Bücher, es waren über dreitausend Bücher, die wir dann geschreddert haben. Von einem Tag auf den anderen haben wir Finney rausgenommen.
Es gab immer mal wieder Anfragen, ob wir ihn nicht noch einmal neu auflegen wollen. Verschiedene Spender haben gesagt, sie unterstützen uns, wenn wir das Buch noch einmal herausbringen. Aber wir sind da hart geblieben.
Bei mir unten in meiner Bibliothek gibt es ein Buch von Finney, das heißt Erweckung. Heißt das jetzt, dass ihr nicht mehr mit Erweckung rechnet? Hatte sich da Charles Finney ein falsches Ziel gesetzt?
Ich glaube, Charles Finney hatte eine falsche Vorstellung davon. Das Buch ist eine kleine Korrektur. Es heißt: Erweckung ist möglich. Und Charles Finney hatte eine falsche Vorstellung davon, wie Erweckung erreicht wird und was Erweckung wirklich ist.
Finney war davon überzeugt, dass Gott nur handeln kann, nur Erweckung bewirken kann, wenn wir bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dass Gott nicht souverän handeln kann und Erweckung nicht wirklich Gottes freies Wirken ist, wie zum Beispiel Johannes 3 es uns beschreibt, dass der Geist weht, wo er will, sondern dass Gott nur dort wehen kann, Gottes Geist nur dort wirken kann, wo bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Und Finneys Vorstellung von Erweckung war auch sehr moralisch. Seine Vorstellung von Erweckung war hauptsächlich, dass Menschen vom Alkohol freikommen. Das war sein großes, wichtigstes Anliegen: dass Menschen von Süchten freikommen, von Alkoholsucht, von Spielsucht.
Da haben verschiedene Theologen, wie zum Beispiel Michael Horton, nachgezeichnet, was aus diesen Gemeinden geworden ist, die Finney geprägt hat. Sie sind sehr gesetzlich geworden, wo es nur darum ging, Dinge zu lassen, aber sich nicht der Herrlichkeit Christi zuzuwenden.
Also: Die Erweckung, die Finney sich vorgestellt hat, war bloß weg von alten, schlechten Dingen, aber sie war niemals erfüllt von der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus. Und das ist für mich wirklich ein Kern von Erweckung, wie Paulus es auch in 2. Korinther 4 beschreibt. Wahre Erweckung geschieht dort, wo die Herrlichkeit Gottes erkannt wird, wo jemand Christus als den größten Schatz, als das größte Ziel entdeckt. Und das finden wir in Finneys Verkündigungen irgendwo nicht.
Ja, mich hat das auch erschreckt, was du da gerade beschreibst. Auch dass er bereit war, Erweckung mit bestimmten Techniken herbeizuführen, hat mich dann zutiefst abgeschreckt und auch dazu angeregt, mal kritisch zu hinterfragen, was er da eigentlich wollte.
Aktuelle Spannungen und die Frage nach Erneuerung
Kommen wir noch einmal zurück zur Herold Mission: Was erlebt ihr denn derzeit für Herausforderungen, und welche ermutigenden Entwicklungen gibt es?
Zunächst einmal zu den Herausforderungen: Da ist ganz klar, dass wir momentan einen starken Generationswechsel sehen. Wir erhalten eigentlich, man könnte schon fast sagen, täglich Anrufe von Herold-Lesern im weit fortgeschrittenen Alter, die teils schon seit den Anfängen, also seit den Sechzigern, dabei sind. Sie sind treue Leser und Unterstützer der Arbeit, sagen aber: Wir sind zu alt geworden, wir können den Herold nicht mehr lesen, bitte nehmen Sie uns raus, schicken Sie uns den Herold nicht mehr zu. Häufig kommt es auch vor, dass dann die Kinder anrufen und sagen: Die Mutter oder der Vater ist gestorben, können Sie bitte das Abonnement einstellen?
Das heißt, viele Leser gehen momentan einfach naturbedingt weg, und es kommen verhältnismäßig wenig jüngere Leser nach. Genau da liegt gerade die Herausforderung, neue Leser zu gewinnen und neue Leute für den Herold zu begeistern. Das ist heute nicht unbedingt einfach, gerade im medialen Zeitalter, mit einer klassischen Zeitschrift aus Papier. Die Leute zu erreichen, die vielleicht theologische Literatur ohnehin nicht mehr so gewohnt sind, wie das frühere Generationen noch waren, ist schwierig.
Das ist gerade die Herausforderung für uns: inwieweit wollen wir auch neue Trends mitmachen, und inwieweit passt das zu unserem Profil? Der Herold ist ja schon ein Traditionswerk. Sich da selbst treu zu bleiben und gleichzeitig Wege zu finden, die nächste Generation zu erreichen, das ist im Moment wohl die größte Herausforderung, der wir uns gegenübersehen.
Ja, ich kann mir vorstellen, dass zu schnelle Wechsel im Profil dann auch die älteren Leser der Zeitschrift vielleicht überfordern würden.
Genau. Ben und ich haben schon viele Gedanken dazu, was wir gerne umsetzen würden, sei es inhaltlich oder auch in Bezug auf die Form. Wir sind uns aber bewusst, dass das teilweise nicht zum Herold passen würde. Und da müssen wir einfach schauen: Was machen wir? Da brauchen wir auch viel Weisheit, wie du schon sagst, Ron, damit wir die jetzigen Herold-Leser, gerade auch die ältere Generation, nicht irgendwie übergehen oder verschrecken.
Wir haben teilweise schon Dinge erlebt, als wir den Herold vor ein paar Jahren, oder als Ben den Herold, optisch schon ein bisschen optimiert hat: ein schönes Cover, eine schöne Aufmachung, und wir haben ein neues Logo in Auftrag gegeben. Da haben wir tatsächlich auch Anrufe oder Rückmeldungen von Leuten bekommen, denen das schon zu viel Veränderung war, und die deswegen den Herold abbestellt haben. Das war nicht die Masse, aber es kam doch schon vor. Und da merkt man schon, wie sensibel manche Leute auf Veränderungen reagieren, gerade wenn sie sich vielleicht sogar schon Jahrzehnte an eine Sache gewöhnt haben und diese dann auf einmal anders ist als vorher.
Ermutigung, Resonanz und die Finanzierung der Arbeit
Ja, das glaube ich gern. Wobei ich den Eindruck habe, dass ihr das sehr liebevoll umsetzt und auch darauf achtet, dass für möglichst viele Leser, die aus unterschiedlichem Hintergrund kommen, etwas dabei ist.
Ja, was gibt es an ermutigenden Entwicklungen?
Ja, also ermutigend ist natürlich, dass trotzdem auch viele positive Rückmeldungen immer wieder kommen, von Leuten aller Altersklassen. Wir bekommen immer wieder Briefe, E-Mails und Anrufe, in denen uns Leute ermutigen. Und vor allem, was uns immer am besten gefällt, sage ich jetzt mal so flapsig, ist, wenn Leute wirklich sagen: Ihr bleibt bei der Botschaft der Bibel. Und wenn Leute uns ermutigen und sagen: Macht weiter so, bleibt am Herrn dran, bleibt bei der Botschaft der Bibel dran, nehmt Gottes Wort ernst und verbiegt euch nicht. Dann haben wir wirklich den Eindruck, dass es tatsächlich so ist.
Wir nehmen wichtige Themen und Alltagsthemen und betrachten sie wirklich unter dem Licht des Evangeliums. Dann geben wir sie verständlich an Leute weiter. Das ist ermutigend, dass es tatsächlich so ist. Manchmal denkt man ja, wenn man eine Zeitschrift in Druck gibt, ob das wirklich gut ankommt. Man hat seine Zweifel: Spricht es die Leute an? Ist es wirklich das, was die Leser draußen jetzt brauchen, gerade in so Krisenzeiten, in denen wir jetzt stecken? Und wenn dann die Rückmeldungen kommen, dass es genau das war, was die Leute brauchten, dann ist das sehr ermutigend.
Und es kommen dann manchmal mehr als nur eine Rückmeldung. Es kommen Nachbestellungen, sodass in der Nachbarschaft oder in der Familie Zeitschriften noch einmal nachbestellt werden, die dann verteilt werden. Das ist für uns natürlich total ermutigend, weil man einfach sieht: Okay, Gott gebraucht uns, und wir sind hier am richtigen Fleck.
Ja, genau. In einer Zeit, in der viele Medien evangeliumsärmer werden, fällt das wirklich auf, dass euch die Freude an Christus motiviert. Und auch, dass ihr die Leute dazu anstiftet, in Christus ihre Erfüllung zu suchen, finde ich sehr, sehr wertvoll.
Also vielen, vielen Dank, dass ihr da dranbleibt. Vielen Dank für eure Arbeit. Und die Hörer möchte ich jetzt mal ganz herzlich bitten, auch wirklich mal auf die Website von der Herold Mission zu schauen und sich ruhig dort auch mal die Zeitschrift zu bestellen.
Wie ist das eigentlich mit der Bezahlung? Wie läuft das? Gibt es die nur im Abo, kann man die auch frei beziehen? Könntest du dazu etwas sagen?
Die Zeitschrift läuft eigentlich über Spenden. Wir haben so ein symbolisches Abo, das wir vor Jahren mal erhoben haben. Das ist aber so weit unten, das liegt bei fünf Euro im Jahr, das deckt unmöglich die Kosten. Wir haben das seit Jahren einfach so belassen. Oder zehn Euro, Entschuldigung, zehn Euro. Aber es deckt noch lange nicht die Kosten. Eigentlich läuft alles bei uns, bis auf die Bücher, über freiwillige Spenden. 80 unserer Produkte laufen über freiwillige Spenden. Von daher sind wir für jede noch so kleine Spende wirklich von Herzen dankbar, weil sie unsere Arbeit überhaupt erst ermöglicht. Ja, und da gehört eben die Arbeit der Erstellung der Zeitschrift genauso dazu.
Genau, also ruhig mal diese Zeitschrift bestellen. Man kann sie sogar mehrfach bestellen und dann weitergeben, denn sie eignet sich auch wirklich hervorragend als kleine ermutigende Gabe an Nachbarn oder auch Freunde in der Gemeinde, die so mit einer evangeliumszentrierten Botschaft beschenkt werden.
Persönliche Lektüre und kreative Interessen
Zum Schluss würde ich euch gerne noch einmal persönlich fragen: Was sind denn neben der Bibel natürlich eure Lieblingsbücher? Bernd, kannst du mal anfangen?
Ja, also sowohl christliche als auch säkulare Bücher. Es gibt halt ziemlich viele gute Bücher, finde ich immer so. Was ich sehr gerne lese, sind zum Beispiel bei den christlichen Kommentaren: Ich lese am liebsten Kommentare von James Montgomery Boyce. Den mag ich irgendwie sehr gerne, weil er einen tiefen theologischen und praktischen Bezug hat. Die kann ich sehr empfehlen.
Und was ich momentan sehr interessant finde, sind alle möglichen Bücher, die sich mit Evangelisation im postchristlichen Zeitalter beschäftigen. Wie kann ich das Evangelium meinen Nachbarn, die wirklich mit dem Evangelium gar nichts mehr anfangen können, weitergeben? Wie kann ich die Kultur, in der wir leben, wie kann ich da das Evangelium reinbringen? Da sind wir, Andi und ich, beide momentan immer auf der Suche nach guten Büchern und haben da einige gute gefunden. Generation Z und ähnliche Bücher, die können wir sehr empfehlen.
Und säkular gibt es auch jede Menge Bücher. Ich mag zum Beispiel so Abenteuerromane von Jack London auch gerne. Ich mag Bücher von Dostojewski oder Emil Zola, auch nicht alles von Emil Zola, aber manche sind sehr empfehlenswert, damit man einfach mal schaut, wie haben Menschen zu anderen Zeiten gelebt, und einen Einblick bekommt in die Lebensweise anderer Menschen in anderen Epochen und so.
Ja, ich muss da nicht groß überlegen. Also meine Nummer eins nach der Bibel natürlich, das ist Der Herr der Ringe von Tolkien. Ich bin ohnehin ein großer Freund von Tolkien und auch von C.S. Lewis. C.S. Lewis mag ich eigentlich mehr für seine christlich-apologetischen Schriften, auch wenn ich die Narnia-Bücher ganz gut finde. Aber da lese ich Lewis ganz gerne für seine Essays und das, was er sonst über den christlichen Glauben geschrieben hat.
Einer meiner Lieblingsautoren momentan ist Timothy Keller. Den lese ich auch ganz gerne, so momentan der Theologe, den ich mit am meisten lese. Ja, ich glaube, das reicht erst mal. Ansonsten gibt es zu viel, was man sagen könnte.
Also du hast ja sogar selber ein Buch geschrieben, willst du das noch kurz erwähnen?
Meinst du den Fantasy-Roman?
Ja.
Genau, ja. Ich hatte schon lange den Wunsch, selber als Romanautor in Erscheinung zu treten, habe dann vor einigen Jahren angefangen, mich viel mit der Thematik auseinanderzusetzen, also kreative Schreibbücher gelesen, mich hingesetzt, Schreibkurse gemacht. Herausgekommen ist ein Fantasy-Buch, heißt Die Hüter der Diras, was für Freunde von Jurassic Park und Der Herr der Ringe so ein kleiner Mix daraus ist. Genau, findet man bei Amazon. Wenn man meinen Namen sucht, dann findet man das.
Ja, das ist für diejenigen, die es interessiert.
Geistliche Herausforderungen im deutschsprachigen Raum
Ja, zum Schluss, Ben, an dich noch eine Frage: Wo siehst du denn hier im deutschsprachigen Raum momentan die größten geistlich-theologischen Herausforderungen?
Zum einen eben das Öffnen für die liberale Sichtweise, die vielen konservativen, gerade jungen Leuten attraktiv scheint. Ich habe manchmal das Gefühl, dass ihnen die Botschaft des Evangeliums, das einfache Evangelium und das einfache Leben in der Nachfolge, zu langweilig ist, sage ich jetzt mal in Anführungsstrichen. Und ich glaube, das ist deshalb so, weil sie es noch nie wirklich richtig durchdacht haben, sich noch nie selber wirklich im Licht des Evangeliums betrachtet haben. Deswegen kommt ihnen das oft so eintönig und langweilig vor, und deswegen öffnen sie sich für neue Interpretationen und finden die dann interessant und attraktiv.
Und auf der anderen Seite habe ich oft so das Gefühl, bei uns Konservativeren, Bibeltreuen, gerade Reformatorischen, hört es nicht auf, dass man sich einigelt, dass die anderen nicht konservativ, nicht reformatorisch, nicht fromm genug sind. So wird immer mehr eigentlich, anstatt dass man zu einer starken Einheit wird, so als Bollwerk, sage ich jetzt mal, gegen diese liberale Anfechtung, gibt es immer mehr kleinere konservative Gruppen, die so alle ihr eigenes Ding machen.
Und da sehe ich so eine Gefahr, die sich auf zwei Weisen auswirkt. Da habe ich so ein bisschen Sorge, dass sich das immer weiterentwickelt. Ich würde mir wünschen, dass gerade Leute, die eben eine klare Sicht vom Evangelium haben, auch viel offenherziger werden im Umgang mit Glaubensgeschwistern und auch im Umgang mit der ungläubigen Welt. Offenherzig nicht in Bezug auf ihre Orthodoxie, sondern offenherzig in Bezug auf den Umgang mit den Menschen draußen in der Welt. Und dass wir nicht als wahrheitsliebende, verschlossene Christen, sondern als wahrheitsliebende Menschen und nächstenliebende Christen bekannt werden.
Ja, da kann ich nur hoffen, dass viele dir jetzt eben zugehört haben. Lieber Ben, lieber Andreas, ganz herzlichen Dank dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt für dieses Gespräch. Ich wünsche euch Glück mit euren Familien, gottesreichen Segen und natürlich auch euch als Missionsgesellschaft alles Gute!
Das war das Gespräch mit Benjamin Schmidt und Andreas Münch von der Herold Mission. Wenn Sie mehr über Evangelium 21 wissen möchten, dann empfehle ich den Besuch unserer Internetseite www.evangelium21.net. Ihnen alles Gute!
