
Überzeugende Vorträge: Vielfalt der Meinungen und der erste Eindruck
Ja, wann ist eigentlich für euch ein Vortrag so richtig überzeugend? Geht es darum, dass jemand hinter einem Rednerpult steht, oder würdet ihr es lieber mögen, wenn es eine Frau frei vorträgt?
Ich denke, die meisten würden sagen: besser ohne Rednerpult. Dann kann sich der Redner besser bewegen, es wirkt einfach überzeugender und kommt besser rüber. Aber dann denke ich an große Reden, zum Beispiel von Martin Luther King. Er stand hinter einem Pult und trotzdem sagte er „I have a dream“ – da hing jeder an seinen Lippen.
Oder was würdet ihr sagen: Wann ist ein Vortrag wirklich überzeugend? Wenn man mit Stichwortkarten, mit einem festen Skript oder vollkommen frei redet? Auch da würden wir vielleicht sagen: lieber frei. Aber heute Morgen war ich bei Miriam Kim Rauchholz im Vortrag. Sie hat immer ein ausformuliertes Skript und trotzdem hängen alle an ihren Lippen.
Oder sollte ein Redner eigentlich immer an der gleichen Stelle stehen, um überzeugend zu sein? Oder lieber die Bühne für sich einnehmen und umhergehen?
Ihr merkt, wir sind gar nicht so einig darüber, wann wir überhaupt einen Vortrag überzeugend finden. Aber eine Sache ist ganz entscheidend: Der erste Eindruck zählt. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.
Die ersten Sekunden entscheiden darüber, ob wir einen Vortrag oder einen Redner überzeugend finden oder nicht. In den ersten Sekunden habe ich hundert Prozent eure Aufmerksamkeit. Dann fällt ihr ein Urteil darüber, ob ihr gerne weiter zuhört oder nicht.
Und da zählt das erste Auftreten, aber auch der allererste Satz. Wenn ich jetzt einfach sagen würde: „Hallo, herzlich willkommen, ich bin die Leonie und ich spreche über das Überzeugendsein und ich weiß nicht, wie es euch geht“, dann hätte ich euch schon in den ersten zehn Sekunden verloren.
Warum Überzeugendsein ein wichtiges Thema ist
Überzeugend sein – warum sollte das überhaupt ein Thema für uns sein?
Ich denke, es gibt Menschen, die glauben, sie seien überhaupt nicht überzeugend. Sie fragen sich: Warum sollte jemand ausgerechnet von mir etwas über Jesus hören wollen? Ihr Zeugnis erscheint ihnen nicht stark genug. Sie fühlen sich unsicher, wenn es darum geht, auf kritische Fragen zu antworten. Und manchmal haben sie auch nicht sofort ein passendes Bibelzitat parat.
Dann gibt es diejenigen, die sich ganz sicher sind, absolut überzeugend zu sein. Sie denken: Ich kann jeden im Raum für mich gewinnen, deshalb bin ich immer überzeugend, wenn ich über Jesus spreche. Doch so einfach ist es auch nicht.
Der Vortrag richtet sich an beide Gruppen. Es gibt Dinge, die wir nicht beeinflussen können, wenn wir überzeugend sein wollen. Aber es gibt auch viele Aspekte, die wir sehr wohl in der Hand haben. Über diese Dinge, die wir kontrollieren können, wenn wir überzeugend über Jesus sprechen möchten, möchte ich heute sprechen.
Die Bedeutung, andere von Jesus zu überzeugen
Bevor ich auf drei Aspekte des Überzeugendseins eingehe, möchte ich zunächst darüber sprechen, warum wir das überhaupt tun sollten. Warum sollten wir andere von Jesus überzeugen wollen?
Bei einem Vortrag habe ich einmal die Frage gestellt, ob es überhaupt erlaubt sei, andere von der eigenen Meinung und Überzeugung überzeugen zu wollen. Nur wenige Hände gingen damals nach oben. Als ich dann fragte, ob es erlaubt sei, jemanden vom eigenen Glauben überzeugen zu wollen, hob fast niemand mehr die Hand.
Der Grund dafür ist oft, dass es als zu übergriffig empfunden wird. Man greift zu sehr in das Leben eines anderen Menschen ein, versucht ihn zu überzeugen und zu überwältigen – das erscheint vielen als nicht richtig.
Trotzdem möchte ich heute darlegen, warum ich denke, dass wir überzeugend sein sollten und warum das ein wichtiger Teil davon ist, warum wir über Jesus sprechen sollten.
Überzeugend sein ist wichtig für uns selbst
Das Erste: Es ist nicht nur für die Person, die wir überzeugen wollen, wichtig, sondern auch für uns selbst.
Mir ist es selten besser im Glauben gegangen als in Momenten, in denen ich über Jesus gesprochen habe. Diese Situationen sind nicht immer einfach. Doch wenn ich dann sehe, dass sich wirklich etwas im Leben eines anderen Menschen verändert, wenn ich erkenne, welche Kraft Gottes Botschaft wirklich hat und wie sie jemanden verändert, dann verändert das auch mich.
Ich merke wieder: Ja, mein Glaube hat Kraft. Ja, das, was ich sage und wie ich über Jesus reden kann, ist überzeugend. Deshalb ist es nicht nur gut für die Menschen, die wir überzeugen wollen, sondern auch für uns selbst. Es führt uns zu mehr Tiefe im Glauben.
Überzeugen gehört zum Alltag der Kommunikation
Das nächste Warum lautet: Warum sollten wir es tun? Wir tun es sowieso. Bei vielen Kommunikationen, bei dem, was wir sagen, wollen wir andere beeinflussen oder irgendwie Einfluss auf sie nehmen. Es gibt immer einen Grund, warum wir etwas Bestimmtes erzählen.
Wenn ich zum Beispiel sage, ich habe ein bestimmtes Buch von Johannes Hartl draußen am Stand gekauft, dann ist das nicht nur eine Information. Ich versuche damit auch, mehr zu erreichen.
Oder wie ist es vielleicht in der Schule? Niemand erzählt einfach so von seiner Mathenote. Immer steckt etwas dahinter, wenn jemand so etwas sagt.
Ich glaube deshalb, dass wir uns davon freimachen können, dass es nicht erlaubt sein sollte, über den christlichen Glauben zu sprechen. Überzeugen und beeinflussen tun wir sowieso fast immer, wenn wir kommunizieren.
Wir können es einfach tun – oft ohne Vorbehalte
Das Nächste, warum sollten wir es tun? Ganz einfach, weil wir es können.
Damit meine ich nicht, dass wir großartig sind oder dass das, was wir sagen, immer besonders stark ist. Vielmehr geht es darum, dass wir als Christen manchmal viele Vorbehalte haben. Wir denken: „Ah nee, wenn ich jetzt so über Jesus rede, findet der andere das vielleicht gar nicht so toll. Vielleicht möchte der andere das gar nicht hören.“
Oft ist es aber so, dass Nichtchristen viel weniger Vorbehalte gegenüber dem christlichen Glauben haben, als wir das oft denken.
Das einzige Mal, dass ich wirklich die Erfahrung gemacht habe, dass jemand richtig genervt war, weil ich über den christlichen Glauben gesprochen habe, war in einem Seminar, als ich noch in Tübingen studiert habe.
Ich habe dort ein Seminar an der philosophischen Fakultät besucht. Es waren nur Philosophen im Raum, und ich war die einzige Christin. Für mich war es manchmal wirklich schwierig, das ganze Semester durchzuhalten.
Wir saßen oft um einen Tisch, etwa 20 Leute, und da gab es tatsächlich jemanden, der mir oft gegenüber saß. Es hat ihn immer geärgert, wenn ich über den christlichen Glauben gesprochen habe. Er bekam sogar rote Flecken im Gesicht und war richtig wütend. Manchmal dachte ich wirklich, jetzt zieht er mich noch über den Tisch.
Trotzdem habe ich das ganze Semester durchgehalten. Am Ende ist er auf mich zugekommen und hat gesagt: „Du bist die erste Christin, bei der ich wirklich denke, dass sie das glaubt, was sie sagt, und dass sie es auch vertreten kann.“
Das heißt, selbst wenn Nichtchristen Vorbehalte gegenüber dem christlichen Glauben haben, kann die Art und Weise, wie wir mit diesen Personen umgehen, immer noch Veränderung bewirken.
Die Botschaft von Gott gehört in die Öffentlichkeit
Warum sollten wir das tun? Ich denke, weil die Botschaft von Gott ganz einfach in die Öffentlichkeit gehört.
Wir erleben, dass unsere Gesellschaft in vielen Bereichen sehr gebrochen ist. Damit meine ich nicht nur die großen Krisen wie Kriege und den Klimawandel, sondern auch die vielen Probleme an den Orten, an denen wir leben. Familien sind zerrüttet, Menschen sprechen nicht mehr miteinander, Kinder werden vernachlässigt, und viele Menschen leben in Krankheit oder schrecklicher Einsamkeit.
Wir haben die Botschaft von Vergebung, von Liebe, von Gerechtigkeit und von einem Gott, der zu uns Menschen kommt. Diese Botschaft gehört in die Öffentlichkeit. Jeder Mensch, dem wir begegnen, hat es verdient, von Gott zu hören, der ihn oder sie geschaffen hat und liebt.
Dietrich Bonhoeffer, Theologe und Christ, hat einmal gesagt: Es gibt keinen Rückzugsort für Christen von dieser Welt. Wir sind in die Öffentlichkeit gesandt, um eine gute Botschaft weiterzusagen.
Religionsfreiheit ermöglicht öffentliches Zeugnis
Überzeugend sein – warum sollten wir das tun? Die Religionsfreiheit ermöglicht es uns. Ganz einfach.
Auch das finde ich sehr, sehr wichtig. Wir genießen in Deutschland Religionsfreiheit, und dazu gehört zum einen die negative Religionsfreiheit. Das bedeutet, wir dürfen nicht einfach dazu gezwungen werden, eine andere Religion auszuüben oder etwas anderes zu glauben.
Zum anderen gibt es die positive Religionsfreiheit. Das heißt, ich darf zu Hause mit meiner Familie meinen Glauben frei leben. Es bedeutet aber auch, dass ich meinen Glauben öffentlich kundgeben darf.
Deswegen gibt es so etwas wie die Eucharistiefeier in der Messe. Wir in Stuttgart dürfen den christlichen Glauben öffentlich zeigen. Und deshalb dürfen wir auch ganz einfach überzeugend sein.
Wir sind gesandt, um von Jesus zu reden
Und jetzt das Letzte, und es ist mir fast das Wichtigste: Überzeugend sein. Warum sollten wir das machen? Ganz einfach, weil wir dazu gesandt sind.
Über Jesus reden, Evangelisation heißt, zu zeigen, was und wen wir lieben. Ich habe eine kleine Tochter, das habe ich gerade schon gesagt, und sie hat wirklich überhaupt keine Probleme, mir andauernd zu zeigen, was sie liebt.
Seit kurzem kann sie laufen, und sie hat jetzt so süße Schuhe mit einem rosafarbenen Innenfutter. Mehrmals am Tag trägt sie sie mir hin, lächelt ganz stolz und zeigt sie mir. Sie zeigt die Schuhe auch jedem anderen, ob dieser sie nun sehen möchte oder nicht – voller Stolz, voller Liebe, voller Vertrauen in diese kleinen Schuhe.
Manchmal denke ich: Wie wäre es, wenn wir Jesus den Menschen so zeigen würden, wie meine Tochter mir ihre unbedeutenden kleinen Schuhe zeigt?
Wir haben in Jesus die beste, schönste und kostbarste Person gefunden, die wir uns vorstellen können. Voller Stolz und Vertrauen dürfen wir ihn anderen Menschen zeigen und überzeugend über ihn reden.
Drei Aspekte des Überzeugendseins: Logos, Ethos und Pathos
Jetzt möchte ich auf drei Aspekte eingehen, wie wir überzeugend sein können. Wenn es ums Überzeugen geht, spielt auch die antike Philosophie eine wichtige Rolle. Man hat sich damals viele Gedanken darüber gemacht, wie man richtig argumentiert und wie man andere Menschen überzeugen kann.
Besonders ein Philosoph, Aristoteles, hat sich intensiv mit diesen Fragen beschäftigt. Für ihn gab es drei wichtige Aspekte beim Überzeugen: das erste ist Logos, das zweite Ethos und das dritte Pathos. Diese Begriffe mögen zunächst kompliziert klingen, doch alle drei enden auf „-os“: Logos, Ethos und Pathos.
Sie lassen sich gut mit dem Vers verbinden, der über dieser Einheit steht. Dieser Vers findet sich in 1. Petrus 3,15: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“
Logos: Überzeugen mit Vernunft und guten Argumenten
Logos ist das Erste und bedeutet so viel wie Vernunft und Denken. Wir kennen das Wort „logisch“: Wenn etwas logisch ist, kann man damit argumentieren, und es hängt richtig zusammen.
Logos meint die guten, die richtigen Argumente. Überzeuge mit einer logischen Botschaft – das ist der erste Punkt.
Das steht in dem Vers: Rede und Antwort stehen, jedem Rede und Antwort stehen.
Ethos: Überzeugen mit dem eigenen Charakter
Das zweite ist Ethos. Wir kennen vielleicht das Wort Ethik, das sich darauf bezieht, wie wir uns gegenüber anderen Menschen verhalten sollen und wie wir dabei besonders glaubwürdig sein können.
Es geht um unseren Charakter, also Ethos. Überzeuge mit deinem Charakter. Besonders in 1. Petrus 3,15 heißt es: „Seid stets bereit.“
Mit unserem Charakter zeigen wir, wer Christus ist.
Pathos: Überzeugen mit Leidenschaft und Emotion
Und das Dritte ist Pathos, also die Leidenschaft.
Wir wollen nicht einfach nur irgendwelche Argumente hören oder dass jemand stundenlang vorne spricht. Vielmehr möchten wir auch Emotionen, Gefühl und Leidenschaft spüren, wenn jemand über ein Thema spricht.
Deshalb gibt es diese drei Prinzipien: Logos – überzeuge mit einer logischen Botschaft, Ethos – überzeuge mit deinem Charakter, und drittens Pathos – überzeuge mit deiner Leidenschaft.
Überzeugen mit Logos: Logische Argumentation und Zuhören
Jetzt geht es zunächst darum, Rede und Antwort zu stehen – also um Logos. Dabei geht es besonders um Hobbyphilosophen und Welterklärer.
Überzeugend zu sein mit einer logischen Botschaft bedeutet vor allem, richtig zu argumentieren. Ich höre oft, dass wenn jemand sagt: „Ja, ich habe neulich mal einen Christen gefragt, welche Gründe es eigentlich geben kann, um an Gott zu glauben“, dann wird häufig ganz einfach von den Christen gesagt: „Dafür gibt es keine Gründe, das musst du einfach nur glauben.“
Wenn uns jedoch jemand nach den Gründen fragt, die es geben kann, dass Gott wirklich existiert, dann scheitert er genau daran. Er kann nicht einfach nur glauben, sondern will irgendwelche Gründe hören. Er will Gott verstehen, versteht ihn aber bisher nicht.
Deshalb denke ich, es ist wichtig, wenn wir eine logische Botschaft kommunizieren wollen, dass wir richtig argumentieren. Das tun wir, indem wir eine These über Gott aufstellen. Und wir tun das, indem wir diese These auch begründen können.
Wir können zum Beispiel nicht einfach die These in den Raum stellen: „Der VfB ist auf jeden Fall der beste Fußballverein der ganzen Welt“, sondern wir müssen das begründen. Dazu gehört auch immer ein Beispiel. Menschen wollen nicht nur Argumente hören, sondern sie wollen wissen, welches Beispiel wir aus unserer Alltagswelt kennen oder welches Beispiel es gibt, um das irgendwie zu belegen.
Es geht den Menschen auch immer um Relevanz, also darum, was sich tatsächlich in ihrem Leben verändert, wenn sie zum Beispiel mit Jesus leben würden. Und das Letzte ist eine Challenge, eine Herausforderung.
Wenn Menschen Fragen an den christlichen Glauben haben, dann hilft es oft, mit einem ersten kleinen Schritt zu beginnen, der sie näher zum Glauben führt.
Beispiel für eine logische Argumentation
Ich habe ein Beispiel dafür, wie man richtig argumentieren kann. Wenn zum Beispiel jemand sagt: „Hey, eigentlich ist das mit Gott doch alles nur Wunschdenken. Das hat doch nur mit irgendwelchen Bedürfnissen und Wünschen zu tun, die du in Gott hineinprojizierst. Du wünschst dir zum Beispiel einen Vater, und deswegen ist für dich Gott diese Vaterfigur.“
Die These wäre dann: „Gott ist kein Wunschdenken.“ Das kann ich aber nicht einfach behaupten, sondern ich muss es auch begründen.
Ich würde es folgendermaßen begründen: Eine Sehnsucht, die wir in uns tragen, ein Bedürfnis, das wir haben, ist immer auch ein Hinweis darauf, dass es das, was wir uns wünschen, wirklich gibt. Ein Beispiel: Wenn ich Sehnsucht nach Schokolade habe, ist das ein ziemlich gutes Indiz dafür, dass es Schokolade tatsächlich gibt. Oder noch grundlegender: Wenn ich Hunger habe, ist das ein Hinweis darauf, dass es tatsächlich Essen gibt. Niemand würde sagen: „Du hast Hunger, also gibt es kein Essen.“ Genauso kann man nicht sagen: „Du wünschst dir einen Gott, also gibt es keinen.“ Das macht einfach keinen Sinn.
Was wäre die Relevanz davon, wenn Gott eben kein Wunschdenken ist? Wenn es diesen Gott gibt, dann hat er tatsächlich alles geschaffen, was wir um uns herum sehen. Außerdem beantwortet er viele Fragen unseres gesamten Menschseins. Dann lohnt es sich, sich mit diesem Gott auseinanderzusetzen.
Die Herausforderung könnte zum Beispiel sein: Ich möchte dich ganz einfach dazu herausfordern, mit mir diesen Gott zu entdecken und gemeinsam ein paar Fragen über ihn zu beantworten.
Deshalb gehört zum Logos, also zur logischen Überzeugung, dazu, dass ich richtig und gut argumentiere.
Zuhören und Fragen stellen als Teil der logischen Überzeugung
Zum Überzeugendsein mit einer logischen Botschaft gehört aus meiner Sicht zweitens auch, dass wir gut Fragen stellen und aufmerksam zuhören. In 1. Petrus 3,15 heißt es, dass wir Rede und Antwort stehen sollen. Meines Erachtens tun wir das manchmal genau dadurch, dass wir Fragen stellen und dem anderen zuhören.
Überzeugend sein ist keine Einbahnstraße. Es geht nicht einfach darum, jemandem Argumente so lange um die Ohren zu hauen, bis die Person nichts anderes tun kann, als zuzustimmen. Vielmehr wollen wir immer wissen, wer uns gegenübersitzt, welche Geschichte den Menschen bewegt und wie wir diese Geschichte mit dem Evangelium verbinden können.
Wenn wir gut zuhören und gute Fragen stellen, haben wir Jesus, den Meister, wirklich auf unserer Seite. Denn ganz oft hat er Menschen genau dadurch gewonnen, dass er ihnen zuerst zugehört und ihnen Fragen gestellt hat.
Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Frau am Jakobsbrunnen. Sie geht extra in der Hitze des Tages an den Brunnen, um niemandem zu begegnen, weil sie keine Fragen mehr von anderen hören will. Plötzlich ist da Jesus, der ihr eine Frage nach der anderen stellt. Dabei erkennt sie immer mehr über sich selbst. Am Ende erkennt sie Jesus als den Christus und wird zu einer Evangelistin.
Das heißt: Wenn wir mit einer logischen Botschaft überzeugen wollen, geht es auch darum, richtig gute Fragen zu stellen und gut zuzuhören.
Gebet als Grundlage für überzeugende Gespräche
Und das Dritte ist, Überzeugungskraft durch eine logische Botschaft zu haben. Das bedeutet auch, zu beten. Denn immer dann, wenn jemand wirklich zum Glauben kommt, geschieht das aufgrund dessen, was Gott tut.
Es ist sehr wichtig, dass wir, wenn wir argumentieren und mit Menschen über Jesus sprechen, gleichzeitig im Gebet sind, damit Gott wirkt.
Ich habe das einmal ganz eindrücklich erlebt: Bei einer Evangelisationswoche im Elsass war ein Mann dabei, der sehr viele Fragen über Gott hatte. Er stellte uns den ganzen Tag über Fragen. Wir haben viel mit ihm gesprochen. Wir waren immer zu zweit unterwegs. Während der eine mit dem Mann sprach, betete der andere dafür.
Der Mann verbrachte den ganzen Tag mit uns, und am Ende war er es, der ein Gebet sprach und sein Leben Jesus übergab. An diesem Tag hat Gott alles für ihn verändert, weil das Gebet eben auch dazugehört, wenn wir mit einer logischen Botschaft überzeugen wollen.
Überzeugen mit Ethos: Glaubwürdigkeit und Beziehung
Das zweite Ethos lautet: „Überzeuge mit deinem Charakter, dazu passt diese Zeit stets bereit.“ Dieser Gedanke stammt aus 1. Petrus 3,15.
Der Charakter von uns Christen spielt eine große Rolle, wenn wir überzeugend sein wollen. Oft, wenn man einen Nichtchristen fragt, warum er eigentlich nicht glaubt, hängt das stark mit Enttäuschungen in der Begegnung mit Christen zusammen. Viele haben enttäuschende Erfahrungen gemacht, die dazu geführt haben, dass sie sich gar nicht weiter mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen.
Deshalb halte ich es für sehr wichtig, überzeugend mit deinem Charakter zu sein. Das bedeutet auch, immer wieder Fehler zu machen. Wir werden manchmal fehlerhaft überzeugend sein, aber es ist entscheidend, dass wir diese Fehler nicht einfach ignorieren oder heuchlerisch so tun, als würden wir immer alles richtig machen. Es geht im Christentum nicht darum, perfekt zu sein.
Viel wichtiger ist es aus meiner Sicht, ehrlich mit unseren Fehlern umzugehen. Denn auch dadurch zeigen wir, dass die Botschaft von Jesus eine Botschaft von Liebe, Gnade und Vergebung ist. Indem wir unsere Fehler offen zeigen, können wir also überzeugend mit unserem Charakter sein.
Beziehung als Schlüssel zum Glauben
Überzeugend mit unserem Charakter zu sein bedeutet auch ganz einfach, in Beziehung mit Menschen zu leben – eine einfache Beziehung zu sein.
Wenn man sich anschaut, wie Menschen häufig zum Glauben kommen, dann geschieht das oft, weil sie sich eine Frage stellen, die sie in ihrem aktuellen Umfeld nicht beantworten können. Der Zugang, den die meisten Menschen dann zum Glauben finden, ist ganz einfach: Sie lernen einen Christen oder eine Christin kennen, die ihnen von Jesus erzählen.
Irgendwann später kann es dann passieren, dass sie sich für den Glauben entscheiden, einen Gottesdienst besuchen und sich schließlich selbst Christ nennen. Ganz oft ist der Moment, in dem jemand beginnt, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen, der, dass er eine Beziehung mit jemandem hat, der Christ ist.
Deshalb bedeutet überzeugend mit dem Charakter zu sein ganz einfach, mit Menschen in Beziehung zu leben. Jeder von uns lebt mit Menschen in Beziehung. Durch die Art und Weise, wie wir leben und wie wir über Jesus sprechen, kann nach und nach eine Veränderung bei jemand anderem entstehen.
Persönliche Erfahrungen mit Beziehungsarbeit
Ich habe das besonders in meiner Zeit erlebt, als ich Theologie im Kreislauf studiert habe. Wir wohnten in Plattenbauten und hatten dort ein Netzwerk von Christen. Es gab viele Angebote, die wir gemacht haben. Vor allem ging es jedoch darum, ganz einfach mit Menschen in Beziehung zu leben.
In Ostdeutschland gibt es tatsächlich Menschen, die teilweise noch nie etwas von der Bedeutung von Ostern oder Weihnachten gehört haben. In den Plattenbauten habe ich Florian kennengelernt.
Eine Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben entstand vor allem dadurch, dass wir viel miteinander gegessen haben und viel Gemeinschaft miteinander hatten. Florian hatte die Möglichkeit, alle seine Fragen loszuwerden. Gemeinsam haben wir die Bibel gelesen und so Stück für Stück den christlichen Glauben kennengelernt.
Überzeugen mit Pathos: Leidenschaft und persönliche Geschichte
Jetzt komme ich zum dritten Punkt: Überzeuge mit deiner Leidenschaft.
In 1. Petrus 3,15 heißt es, wir dürfen über die Hoffnung sprechen, die uns erfüllt. Manchmal frage ich mich das sowohl in Bezug auf mich selbst als auch auf viele andere Christen: Warum machen viele so viel Werbung für ihren Lebensstil? Auch für Lebensstile, die wesentlich weniger begründet sind als der christliche Glaube. Doch wir reden manchmal viel zu selten über Jesus.
Warum machen manche Menschen mehr Werbung für einen nachhaltigen Lebensstil als wir für ein Leben mit Jesus? Wir haben etwas erlebt, das unser Leben entscheidend bestimmt. Es beeinflusst, wie wir zur Schule gehen, wie wir arbeiten, wie wir Familie gründen, ein Haus bauen – einfach alles in unserem Leben. Warum besprechen wir das nicht viel einfacher und viel mehr?
Und warum sind sich Nichtchristen so oft sicher, dass sie das, was wir glauben, eigentlich gar nicht wirklich wollen? Der Philosoph Nietzsche hat einmal gesagt, Christen müssten ihm wie Erlöste aussehen. Bessere Lieder müssten sie ihm singen, wenn er an ihren Erlöser glauben sollte.
Also: Die Christen sollten ihm wie Erlöste erscheinen, damit er an den Erlöser glaubt. Er sagt hier: „Von außen betrachtet seid ihr kein Stück überzeugend für mich. Euch fehlt die Leidenschaft. Eure Freude und eure Emotionen müssten eigentlich widerspiegeln, dass ihr an Jesus glaubt. Was ihr predigt und was ihr lebt, passt irgendwie nicht zusammen. Euch fehlt komplett die Leidenschaft.“
Die Bedeutung echter Überzeugung
Heute würde man vielleicht eher fragen: Warum bist du so engstirnig, wenn du an einen Gott glaubst, der dich ganz frei gemacht hat? Oder: Warum überzeugst du mich nicht, wenn du dir sicher bist, dass du das Rezept kennst, das dich und alle anderen Menschen zum ewigen Leben führt?
Wenn das Leben, das du mit Jesus lebst, das aufregendste überhaupt ist, warum sind Christen dann oft so schrecklich langweilig? Ich glaube ganz ehrlich, wenn wir manchmal selbst nicht ganz so überzeugend sind, dann liegt das oft daran, dass wir nicht immer ganz überzeugt sind.
Bist du denn eigentlich überzeugt von ihm? Bist du überzeugt, dass er dich versteht wie kein anderer und dich über alles liebt? Bist du überzeugt, dass er auf die Erde kam, um mit dir in Beziehung zu leben? Bist du überzeugt, dass Gott auch heute noch heilt? Bist du überzeugt, dass er dir die Angst nehmen kann, unter Menschen zu gehen oder ein Problem offen anzusprechen?
Bist du überzeugt, dass er da ist, selbst wenn du dich von allen anderen verlassen fühlst? Und bist du überzeugt, dass er dein Leben verändert hat und die Fähigkeit hat, das Leben eines jeden Menschen zu verändern, dem du begegnest? Bist du überzeugt, dass er am Kreuz hing, eine Dornenkrone aufhatte und sagte: „Ich habe es für dich getan, damit Freiheit und Vergebung für dich möglich sind. Ich habe es für dich getan“?
Bist du überzeugt, dass er dir ein ewiges, freudiges Leben in Gemeinschaft mit ihm schenken will? Bist du überzeugt?
Ich denke, es gibt immer wieder Phasen, in denen wir mehr oder weniger überzeugt sind. Aber wenn du heute nicht ganz überzeugt bist, dann geh heim nach der Yumiko und such Gott neu. Er lässt sich von dir finden, und er wird dich neu überzeugen. Dann kannst du neu mit ihm anfangen.
Leidenschaft zeigen durch Bilder und Geschichten
Wie kannst du jetzt aber überzeugend sein mit der Leidenschaft?
Ich glaube, erstens gelingt das, indem wir Jesus den Menschen vor Augen malen und nicht einfach nur über ihn reden. Erzählt den Menschen nicht einfach nur irgendwelche Inhalte des christlichen Glaubens, sondern zeigt ihnen Jesus.
Jesus selbst hat immer in Gleichnissen gesprochen, die aus der Welt der Menschen kamen. Sprecht also mit Bildern, mit Witzen, mit Geschichten über Jesus. Malt ihnen den vor Augen, der euer Leben verändert hat.
Man soll nicht einfach über Gnade, Gerechtigkeit und all diese großen christlichen Begriffe reden, ohne auch verständlich zu machen, was das eigentlich bedeutet.
Persönliche Geschichte als Zeugnis der Gnade
Für mich ist das eine der besten Geschichten von Gnade in meinem Leben. Sie hat mit meinem Papa und mit ziemlich vielen Autos zu tun.
Nach meiner Führerscheinprüfung habe ich nämlich gleich mein erstes Auto kaputt gefahren. Es war nicht einmal mein eigenes Auto, sondern das Auto eines Freundes, auf das ich nicht versichert war. Das bedeutete, dass mein Papa die Kosten für das ganze Auto tragen musste.
Was für mich die große Gnade war, ist, dass ich trotzdem ein eigenes Auto geschenkt bekommen habe – einen kleinen Skoda Fabia. Diesen bin ich dann auch zehn Jahre lang gefahren, bis er nicht mehr konnte.
Aber auch mit dem Skoda war es so eine Sache. Denn auch da war nur ich versichert, und mein Papa hat immer wieder gesagt: „Gib das Auto ja niemand anderem, weil niemand sonst darauf versichert ist.“ Trotzdem habe ich an einem Tag jemand anderem dieses Auto gegeben, um wirklich nur zwei Kilometer woanders hinzufahren.
Diese Person hat meinen kleinen Skoda Fabia gegen einen Porsche gesetzt, und wieder hat das unheimlich viel Geld gekostet. Trotzdem hat mein Vater mir meinen Skoda Fabia gelassen.
Das bedeutet Gnade für mich: wenn du etwas geschenkt bekommst, obwohl du es überhaupt nicht mehr verdient hast und nichts dafür tun kannst. Gott schenkt uns seine Gnade und seine Liebe einfach aus reiner Liebe zu uns, ohne dass wir es verdient hätten.
Eigene Geschichte erzählen
Wenn du mit deiner Leidenschaft überzeugen möchtest, dann stelle den Menschen Jesus mit Bildern und Geschichten vor, die du kennst.
Möchtest du mit deiner Leidenschaft überzeugen, erzähle deine eigene Geschichte mit Jesus. Warum ist Jesus für dich so relevant? Was verändert er tatsächlich in deinem Alltag, in deinem Leben? Wie lebst du anders als andere Menschen?
Neulich habe ich mit einer jungen Frau gesprochen. Sie arbeitet drei Tage die Woche in einer Agentur und bekommt dafür Geld. Zusätzlich arbeitet sie zwei Tage in einem unbezahlten Praktikum in einer Firma, die sich für erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaikanlagen, einsetzt.
Ich habe sie gefragt: „Warum arbeitest du zusätzlich noch zwei Tage, ohne irgendeinen Cent dafür zu bekommen?“ Sie antwortete: „Ganz einfach, weil ich will, dass es relevant ist, was ich tue.“
Die ganze Geschichte des Christentums ist eine Geschichte von Zeugnissen – von Menschen, die über die Hoffnung gesprochen haben, die sie erfüllt.
Zeige den Menschen also, welche Hoffnung dich erfüllt, und erzähle ihnen von deiner Geschichte mit Gott. Erzähle, was er tatsächlich in deinem Leben und Alltag verändert.
Mut zum Reden und Vertrauen auf Gottes Wirken
Wir haben die beste Botschaft, und deshalb möchte ich dir sagen: Fang einfach an und rede.
Es gibt nicht so viele Regeln. Ja, vielleicht wirst du manchmal wirklich komisch aussehen. Ja, du wirst nicht auf jede Frage eine gute Antwort parat haben. Vielleicht kennst du dich in manchen Dingen überhaupt nicht aus. Vielleicht stotterst du auch öfter, als dass du flüssig sprichst. Und vielleicht machst du auch mal einen Fehler dabei.
Aber was ich sagen will: Es wird trotzdem überzeugend sein – irgendwann für den anderen. Denn die Botschaft, die du hast, schenkt dir und allen anderen Menschen Leben.
Die Grenzen menschlichen Überzeugens und Gottes Wirken
Jetzt haben wir viel über die Dinge gesprochen, die wir selbst in der Hand haben, damit wir überzeugend sein können. Dazu gehören eine logische Botschaft, unser Charakter und auch unsere Leidenschaft.
Es gibt jedoch eine entscheidende Sache, die wir nicht bewirken können: Wir können niemanden einfach so in den Glauben hineinüberzeugen, sodass er keine andere Wahl mehr hat, als zu glauben. Das ist das Besondere.
Gott will dich gebrauchen. Du kannst überzeugend sein und ein Zeuge für ihn sein. Trotzdem ist es am Ende Gott, der die Menschen zu sich zieht. Wir sind diejenigen, die Zeugnis geben können, aber er ist der Große, der ein ganzes Leben lang überzeugen kann.
Am Ende wird es eine große Freude im Himmel geben über jeden, der heimgekehrt ist, und über jeden von euch, der Zeugnis gegeben hat über die Hoffnung, die ihn erfüllt.
Schlussgebet: Bitte um Überzeugungskraft und Mut
Ich möchte noch mit uns beten.
Herr, ich danke dir, dass du uns begegnet bist, und ich danke dir, dass du unser Leben verändert hast. Ich danke dir, dass wir in dir jemanden gefunden haben, der jeden Aspekt unseres Lebens verändert. Ich danke dir, dass wir tatsächlich mit dir gehen dürfen, dass du immer bei uns bist und dass das in allem, was wir tun, eine Rolle spielt.
Ich danke dir auch, dass du durch uns wirken willst. Es ist wunderbar, dass wir dir so wichtig sind, dass du durch uns zu anderen Menschen reden möchtest, damit sie durch dich verändert werden. Danke, dass du uns gebrauchen willst, und danke, dass wir auch überzeugend sein können.
Ich möchte dich bitten, uns neu zu überzeugen, wenn wir gerade nicht ganz überzeugt von dir sind. Zieh uns neu zu dir, damit wir deine Kraft und Herrlichkeit wieder spüren. Ich bitte dich auch, uns die Angst zu nehmen, mit anderen über dich zu reden. Lass uns ganz einfach Zeugnis geben von dem, den wir lieben.
Jesus, wir lieben dich, und von dir wollen wir Zeugnis geben. Von dir wollen wir reden.
Danke, dass du jetzt auch nach der Jumiko mit uns gehst und mit dabei bist, wenn wir mit anderen über dich sprechen. Danke, Herr. Amen.