Serie•Teil 2 / 12Weinsberg 2012 - Der Zweite Petrusbrief
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Ein Weckruf zum geistlichen Wachsein
Zur Gliederung oder vielleicht noch ein paar Worte zum Titel: Ich habe gesagt, es handelt sich um einen Weckruf, um Hilfen zum Wachbleiben und Festbleiben. Das ist das Thema: Hilfen zum Wachbleiben und Festbleiben angesichts von Gefahren.
Petrus weiß, was es heißt, einzuschlafen. Zweimal lesen wir von ihm, dass er eingeschlafen ist, wo er unbedingt hätte wach sein sollen: einmal am Berg und einmal im Garten. Am Berg, als der Herr Jesus verwandelt wurde, da heißt es, dass die Jünger schläfrig wurden und einschliefen. Aber es wäre so wichtig gewesen, oder? Und dann hat Jesus im Garten zu ihnen gesagt, sie sollten mit ihm beten, und sie sind eingeschlafen.
Deshalb weiß Petrus, wovon er spricht. Und ich soll mich auch fragen, und wir dürfen uns auch in diesen Tagen fragen: Herr, schlafe ich? Wenn ich schlafe, dann weiß ich nicht, dass ich schlafe. Geht es Ihnen auch so? Man meint, man sei wach, oder? Aber man schläft. Und dann stellt man im Nachhinein fest, wenn man wieder wach ist: Ah, ich hatte geschlafen, das war ein Traum.
Im Geistlichen gibt es das auch. Im Geistlichen kann es auch vorkommen, dass wir irgendwie schlafen, vielleicht in irgendwelchen Bereichen eingeschlafen sind. Und dann ist es gut, wenn wir beten: Herr, wenn ich schlafe, bitte weck mich. Oder: Herr, wenn ich in diesem Bereich eingeschlafen bin, zeig mir, in welchem Bereich meines Lebens ich eingeschlafen bin, und bitte weck mich auf.
Der 2. Petrusbrief soll uns helfen. Wie weckt Petrus seine Leser? Nun, er weist darauf hin, was Gott uns gegeben hat: den kostbaren Glauben, alles, was zum Leben dient, die großen Verheißungen. Und er weist auf die Zuverlässigkeit der Schriften hin, des Alten Testaments und auf die Zuverlässigkeit der Worte des Herrn Jesus und der Apostel. Er weist auf Christus hin, der einmal in die Welt eingreifen wird, und er weist auf die Vergänglichkeit der diesseitigen Dinge hin, auf das Vergehen dieser Welt.
Aber schauen wir uns einmal die Gliederung an. Ich habe darauf schon hingewiesen: Wir haben einen Briefeingang in den ersten vier Versen, einen Gebetswunsch um Vermehrung von Gnade und Friede. Er betet hier: Gnade soll euch und Friede soll euch vermehrt werden. Das ist ein Wunsch, aber gleichzeitig auch eine Bitte, ein Gebet für diese Leser, also ein Gebetswunsch um Vermehrung von Gnade und Friede durch Erkenntnis Gottes und Jesu Christi.
Und am Ende des Briefes haben wir, wie schon gesagt, beim Briefschluss diesen Aufruf zum Wachstum in Gnade und Erkenntnis Christi. Der eigentliche Hauptteil des Briefes liegt dazwischen, also von Kapitel 1, Vers 5 bis Kapitel 3, Vers 17. Das ist der Hauptteil des ganzen Briefes. Und da beginnt er zuerst mit einem Aufruf zu geistlichem Fortschreiten im Blick auf den Eingang in das ewige Königreich Jesu Christi. Kapitel 1, Vers 5 bis 11 ruft er sie auf, fortzuschreiten im Blick auf den Eingang in das ewige Königreich Jesu Christi.
Also wir haben hier, wie soll ich sagen, das Erste und das Letzte entspricht einander, das Zweite und das Vorletzte entspricht einander. Der Aufruf zu geistlichem Fortschreiten in Kapitel 1, Vers 5 bis 11 entspricht im vorletzten Teil dem Aufruf zu rechtem Verhalten im Blick auf das zukünftige Eingreifen Gottes in diese Welt, Kapitel 3, Vers 11 bis 17.
Also wir haben hier, man nennt das einen chiastrischen Aufbau, das heißt A, B, C, D, C, B, A, oder? Es geht hier in die Mitte auf ein Zentrum zu und danach wieder zurück. Das sieht dann so aus: Der dritte Teil, Kapitel 1, Vers 12 bis 21, da spricht er über die Wichtigkeit der Botschaft, dass die Botschaft zuverlässig ist. Und er zeigt, dass sie zuverlässig ist, dass es keine Märchen sind, die er ihnen bringt.
Und beim vorvorletzten Teil, Kapitel 3, Vers 1 bis 10, spricht er wiederum von der Wichtigkeit der Botschaft und von der Zuverlässigkeit dieser Botschaft, dass das keine Märchen sind. Die Spötter meinen, das sei ein Märchen, das mit der Wiederkunft Jesu Christi. Aber er zeigt ihnen: Das sind keine Märchen.
Und in der Mitte, ganz in der Mitte dieses Briefes, haben wir – ich habe es rot markiert, man kann es nicht so gut lesen – Kapitel 2. Kapitel 2 steht im Zentrum des Briefes. Dort schreibt er über die falschen Botschafter, über die falschen Lehrer, falschen Propheten. Und das ist auch das Hauptanliegen dieses Briefes.
Das ist gerade dieses Kapitel, das uns so langweilig vorkommt, weil da so viele böse Dinge vorkommen, Sünden und böse Leute usw. Aber gerade dieses Kapitel ist ihm ein ganz großes Anliegen. Er möchte nämlich diese falschen Botschafter beschreiben. Das steht im Zentrum des Briefes.
Also das nur soweit jetzt zur Aufgliederung des Briefes.
Der Anfang des Briefes und die Selbstvorstellung des Apostels
Wir wollen uns jetzt aber Zeit nehmen und beginnen zu lesen in Kapitel 1, Vers 1. Wir haben also jetzt den ersten Briefeingang, diesen Gebetswunsch um Vermehrung von Gnade und Friede durch Erkenntnis Gottes und Christi, und das ist gleichzeitig also der Gruss, das Grusswort des Apostels.
Da haben wir zuerst den grüssenden Petrus, den Grüssenden, Vers 1, am Anfang. Simeon Petrus stellte sich vor, ganz anders als im ersten Brief. Hier gibt er beide Namen an, Simeon und Petrus. Da erfahren wir, wer er vorher war. Vorher war er ein Simeon, und nachher wurde er ein Petrus, ein Stein. Simeon Jona ist ein ganz normaler Name, Simon Jona, Simon, Sohn des Jona, und Petrus ist ein Name, den der Herr Jesus ihm gegeben hat, ein ganz spezieller christlicher Name, der Felsbrocken.
Also Petrus zeigt hier, dass er nicht vergessen hat, wer er war und was der Herr Jesus aus ihm jetzt gemacht hat. Er erinnert daran, wie er diesen Weg begonnen hat. Es ging auch bei mir schlecht am Anfang, es hat bei mir auch nicht gut angefangen, liebe Geschwister, sagte der Christ. Seid ermutigt, ich war auch einmal ein Simeon, aber aus mir hat der Herr einen Petrus gemacht. Simeon Petrus.
Und dann kommt die Beschreibung seiner Tätigkeit: Er ist ein Knecht und Apostel Jesu Christi. Das erste Wort „Knecht“ heißt im Griechischen ein Wort, das eigentlich mit Sklave übersetzt werden sollte, also Sklave Jesu Christi, Dulos. Sklave, das ist einer, der erkauft wurde und der jetzt seinem Herrn gehört. Man könnte ein schönes Wort dazu verwenden: Im Deutschen haben wir das Wort „ein Leibeigener“. Das heißt, sein Leib gehört jemand anderem.
Das ist der Petrus. So stellt er sich vor: Ich gehöre nicht mir selbst, ich bin ein Sklave, ein leibeigener Knecht Jesu Christi. Der Herr hat mich gekauft, aber er hat mich nicht nur gekauft, er hat mich auch gesandt. Deshalb bin ich auch ein Apostel. Das Wort Apostel heißt Gesandter, Gesandter Jesu Christi. Also der Herr hat ihn gekauft, deshalb ist er ein Knecht, ein Sklave, und der Herr hat ihn gesandt, deshalb ist er ein Apostel. Von Gott geschaffen, von Gott gekauft und von Gott gesandt, das ist seine Geschichte. Er gehört Gott.
Und dann kommen, das war jetzt der Grüssende, jetzt kommen die, die gegrüsst werden, immer noch Vers 1. Er schreibt jetzt die Adresse, an wen er sich richtet, die Gegrüßten, denen, welche in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters, Jesus Christus, mit uns einen gleich kostbaren Glauben zugeteilt bekamen.
Also er schreibt an Christen, nämlich an Heidenchristen, in der Zerstreuung. Die sind in der ganzen Welt zerstreut, in Asien, Pontus, Galatien, Bithynien, also über die heutige Türkei zerstreut. Fremdlinge sind sie, irgendwie nicht mehr ganz in dieser Welt zu Hause. Und er sagt, sie haben mit uns, das heißt mit uns, mit den Aposteln, einen gleich kostbaren Glauben zugeteilt bekommen. Sie haben einen kostbaren Glauben bekommen, und sie haben ihn bekommen mit uns, das heißt mit Petrus und mit den anderen Aposteln, und vielleicht heißt es auch mit den Judenchristen, denn er schreibt hauptsächlich an Heidenchristen. Vielleicht will er sagen: Ihr Heiden habt das Gleiche bekommen wie wir Juden. Es könnte sein, dass er das meint.
Und was haben sie bekommen? Einen gleich kostbaren Glauben, heißt es hier. Einen gleich kostbaren Glauben haben sie bekommen. Kostbar ist dieser Glaube, weil man gekauft wurde. Alle, die zu diesem Glauben gehören, die sind alle gekauft worden, und sie wurden teuer gekauft, durch das Blut Jesu Christi gekauft. Und kostbar ist er wegen der geliebten Person, an die man glaubt, weil die Person, an die wir glauben, so kostbar ist. Deshalb ist unser Glaube so kostbar. Und kostbar ist er, weil man nur Vertrauen braucht und so viel bekommt durch das Vertrauen, durch das Glauben. Man braucht nur Vertrauen, nur sein Vertrauen auf Jesus Christus setzen.
Ihr merkt, mit dem Wort Glauben meint er jetzt nicht einfach den Inhalt. Er meint nicht die Tätigkeit des Glaubens, sondern er meint, was wir glauben. Das haben wir bekommen, oder? Wir haben einen kostbaren Glauben bekommen, genauso kostbar wie die Juden. Der Glaube der Juden, so ist unser Glaube genauso kostbar. Der Glaube ist das, was wir glauben, der Glaubensinhalt, das ist kostbar. Das, an was wir glauben dürfen, das ist kostbar. Für alle gleich kostbar, für die aus den Heiden und für die aus den Juden, für die, die Jesus gesehen haben, und für die, die Jesus nicht gesehen haben, für die Apostel und für die anderen, die nicht Apostel sind. Gleich kostbar ist dieser Glaube für alle, alle dürfen ihn haben.
Also einen kostbaren Glauben. Kostbar ist dieser Glaube hauptsächlich deshalb, weil der Inhalt Jesus Christus ist. Der Inhalt dieses Glaubens ist Jesus Christus. Er ist der Kostbare schlechthin, sagt Petrus im ersten Brief. 1. Petrus 2,7 sagt er, ich möchte das vorlesen, 1. Petrus 2,7, also im ersten Brief, nicht im zweiten Brief, im ersten Brief. Dort hat er geschrieben, euch also den Glauben ist er die Kostbarkeit. Der Herr Jesus, er schreibt vom Herrn Jesus dort in Vers 6. Dort hieß es, dass Jesus Christus der Stein ist oder der kostbare Eckstein. Haben Sie das? 1. Petrus 2,6: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, so kostbar. Und dann sagt er in Vers 7: Euch nun, die ihr glaubt, bedeutet er die Kostbarkeit. Das ist ganz etwas Kostbares. Aber für die Ungläubigen gilt: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.
Aber gehen wir zurück zu 2. Petrus 1, wir sind immer noch im gleichen Vers. Einen kostbaren Glauben, ein Vorrecht ist es, ein kostbares Vorrecht ist es, an einen kostbaren Herrn Jesus glauben zu dürfen. Und dann heißt es weiter, immer noch in Vers 1: denen, die mit uns einen gleich kostbaren Glauben bekommen haben. Und dieses Wort „bekommen haben“, da steht eigentlich: durchs Los zugeteilt bekamen. Durchs Los zugeteilt bekamen. Das ist Bildersprache. Dort spricht er von der Sprache aus dem Alten Testament. Wie war das da bei Josua? Da kamen sie ins Land, oder die Israeliten, und was bekamen die Israeliten? Jeder bekam ein Stück Land, und das bekamen sie durch das Los. Also der Stamm Juda bekam dort, und der Stamm Joseph dort und der Stamm Benjamin woanders usw. Jeder bekam durch das Los ein Landstück, ein großes Gebiet zugeteilt, und dort wiederum jede Familie wieder ihren eigenen Bereich. Jeder bekam etwas zugeteilt. Gott hat sie reich beschenkt.
Und er sagt: Schau, uns ist es auch so gegangen. Gott hat uns reich beschenkt in Jesus Christus, er hat uns ein Erbe geschenkt, und wir haben ein Vorrecht bekommen. Wir dürfen jetzt Jesus Christus glauben, und zwar einen kostbaren Herrn. Der Herr Jesus ist für alle gestorben, aber nur die, die ihm vertrauen, die kommen in den Genuss dieses kostbaren Glaubens. Nur die, die dem Herrn Jesus vertrauen, kommen in den Genuss dieses Glaubensinhaltes. Das, was wir glauben dürfen, ist etwas Kostbares. Es ist ein Herr, und es ist ein Erbe, das wir mit dem Herrn bekommen.
Und dann heißt es noch weiter, immer noch im gleichen Vers: denen, die in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters, Jesus Christus, diesen kostbaren Glauben bekommen haben, in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Herrn Jesus Christus. Gott ist ganz gerecht gewesen. Oh, der Herr Jesus ist gerecht, wenn er die Heiden auf die gleiche Ebene stellt wie die Juden, wie Israel. Das ist ganz gerecht gewesen. Er ist gerecht, wenn er bestimmt, dass die Heiden auch so viel erben dürfen wie die Israeliten, die Heidenchristen sowie die Judenchristen. In der Gerechtigkeit Gottes.
Es heißt hier: „In der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters, Jesus Christus.“ Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen in Ihrer Bibelübersetzung steht, aber hier ist es tatsächlich so, dass der Herr Jesus Christus hier beide Titel bekommt. Der Herr Jesus Christus bekommt den Titel „Gott und Retter“. Das kommt aus dem griechischen Text sehr deutlich hervor, weil nämlich der Artikel nur einmal verwendet wird. Da steht das andere zusammen: Gottes und Retters. Gottes und Retters ist beides bezogen auf Jesus Christus. Also Petrus stellt hier vom Anfang des Briefes klar, dass Jesus Christus unser Gott und Retter ist.
Ich weiß nicht, wie das jetzt in den anderen Übersetzungen steht, aber so sollte es eigentlich stehen. Er ist unser Gott und Retter, und er heißt Jesus Christus. So stellt er sich vor. Das ist der erste Vers, und das ist der Gruss. Er stellt sich vor und er schreibt an die, die er grüßen möchte, die Adressaten, die Empfänger des Briefes.
Der Wunsch nach wachsender Gnade und innerem Frieden
Und jetzt kommt noch ein Grusswort in Vers 2. Das ist dieser Wunsch, dieser Gebetswunsch zur Vermehrung von Gnade und Friede in der Erkenntnis Gottes und Christi. Also: Gnade euch und Friede werde vermehrt.
Jetzt sind sich die Übersetzer hier nicht ganz einig. Heisst das jetzt, Gnade werde euch zuteil und Friede werde euch vermehrt, oder bezieht sich das Vermehren auf beides: Gnade und Friede werde euch vermehrt? Ich denke das Zweite, aber es ist nicht ganz klar. Aber klar ist, dass er möchte, dass es mehr wird. Mehr Friede soll in unserem Leben heute sein als gestern, mehr Friede und mehr Gnade heute als gestern.
Was heisst das? Wir wünschen uns viel Gnade, oder wir sagen: Der Herr hat mir Gnade geschenkt. Aber was meinen wir damit? Oder wir schreiben vielleicht am Briefende: Die Gnade Gottes sei mit dir, wenn wir jemandem einen Brief schreiben. Aber was meinen wir damit? Was ist Gnade? Es ist gut, wenn wir uns einmal einfach Gedanken machen, um über solche Worte, diesen Worten, auf den Grund zu gehen.
Was heisst also Gnade? Es gibt in der Bibel mehrere Arten von Gnade. Es gibt in der Bibel Gnade in Form von Vergebung. Das ist dann, wenn wir mit unseren Sünden zu Christus gekommen sind. Dann kamen wir zu dem Herrn, und er hat uns Gnade gegeben, und wir haben Vergebung bekommen. Die Gnade hat sich so geäussert, dass wir Vergebung bekamen. Die Gnade war hier ein Geschenk der Vergebung. Die Vergebung wurde uns geschenkt, und das ist die Gnade.
Gnade ist, wenn ich etwas Unverdientes bekomme, etwas geschenkt bekomme: Vergebung. Man könnte auch so sagen: Gnade ist, wenn ich etwas, was ich verdient habe, nicht bekomme, nämlich Strafe. Strafe habe ich verdient, und ich bekomme sie nicht. Das ist Gnade. Also einerseits ist Gnade, wenn ich etwas, was ich nicht verdient habe, geschenkt bekomme, und andererseits, wenn ich etwas, was ich verdient habe, nicht bekomme. Etwas Negatives, das ich verdient habe: die Strafe.
Ja, also Gnade in Form von Vergebung, das ist eine Art von Gnade. Aber es gibt noch mehrere Arten von Gnade in der Bibel. Denn nachdem wir zum Glauben gekommen sind und Vergebung der Sünden bekommen haben, brauchen wir immer noch Gnade, sagt der Apostel Petrus. Er will sogar, dass die Gnade vermehrt wird. Aber was meint er damit?
Nun, da denken wir zum Beispiel an 2. Korinther 12,9. Diesen Vers kennen wir ja alle auswendig. Paulus hat dreimal gefleht, und der Herr, was hatte der Herr Jesus ihm gesagt? Meine Gnade genügt dir, ja, meine Gnade reicht aus für dich, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig oder kommt in der Schwachheit zur Vollendung. Das heisst, die Gnade kann man in Form von Kraft erleben. Hier ist ja das parallel gebraucht, oder? Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft ist für die Schwachen da. Das heisst, Gnade ist hier Kraft im Christenleben. Kraft in vielfacher Hinsicht.
Gnade kann hier Kraft sein in Bezug auf Ausrüstung zu gewissen Diensten, die ich zu tun habe oder die ich tun soll. Die Bibel spricht von Gnadengaben. Das sind ganz besondere Befähigungen. Jemand von Ihnen sollte Kinderstunden machen, und er fühlt sich gar nicht in der Lage, jetzt Kinderstunden zu machen, dann darf er um eine Gnadengabe bitten, darf er bitten: Vater, bitte gib mir eine Gnadengabe, dass ich den Kindern das Evangelium und das Wort Gottes erklären kann. Diese Bitte wird der Vater gerne erhören, denn es ist in seinem Sinne, dass wir den Kindern Gottes Wort weitergeben. Der Herr hört uns, und der Herr kann uns dann befähigen, dass wir diesen Dienst tun können. Wenn der Herr uns in einen Dienst stellt, dann will er auch die Gnade, sprich die Kraft, die Befähigung dazugeben für diesen Dienst. Also wir dürfen wirklich beten und dürfen danken.
Eine dritte Form von Gnade ist Hilfe jeglicher Art, Hilfe jeglicher Art. Zum Beispiel in Hebräer 4,14 oder vielleicht 4,15 steht, dass wir kommen dürfen zu dem Thron der Gnade und Hilfe empfangen, dann wenn wir Hilfe brauchen. Also das ist ein Thron der Gnade, ein Thron, von dem wir Hilfe geschenkt bekommen, immer dann, wenn wir sie auch brauchen.
Und da gibt es noch eine vierte Art von Gnade. Von der spricht Petrus im ersten Brief, in Kapitel 1, Vers 13. Er sagt, wir sollen unser Vertrauen auf Jesus Christus setzen, und zwar ganz besonders dann, wenn er wiederkommt. Setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi. Das heisst, wenn der Herr Jesus Christus wiederkommt, braucht es eine ganz besondere Gnade, ein Geschenk, dass er uns heimnimmt in den Himmel. Nun, er hat für uns bezahlt, er hat alles für uns getan, und er hat uns die ganze Zeit getragen. Aber dennoch ist es eine Gnade, dass er uns dann mitnimmt und uns nicht richtet mitsamt der Welt. Das wird er nicht tun. Aber es ist eine Gnade, und auf diese Gnade hoffen wir. Wir hoffen also auf die Gnade der Vollendung.
Es gibt also verschiedene Arten von Gnade. Übrigens hängen Gnade und Freude in der Bibel ganz eng zusammen. Wenn man Gnade bekommt, freut man sich. Im Griechischen heisst das Wort Gnade Charis und das Wort Freude Chare. Es ist nur ein Buchstabe ein bisschen anders, oder die Endung ist anders. Das heisst, Gnade hat mit Freude zu tun. Wenn jemand beschenkt wird aus Gottes Gnade, freut er sich, darf er sich freuen.
Das war jetzt nur so ein bisschen ein Ausflug zu dem Wort Gnade.
Frieden als inneres Wohlergehen und Ruhe in Christus
Friede ist das Nächste. Friede. Das Wort, nicht nur Gnade, soll ja vermehrt werden, sondern auch Friede. Und Friede, das kommt ja aus dem Hebräischen Shalom. Shalom heißt im Hebräischen, es ist ein sehr weit großes Wort. Das heißt so viel wie Wohlergehen in jeder Hinsicht, Wohlergehen geistlich und leiblich.
Natürlich geht es uns nicht immer leiblich wohl, aber dann dafür darf es uns geistlich wohlgehen. Das möchte der Herr. Der Herr möchte, dass wir innerlich gesund sind. Der Herr möchte, dass es uns innerlich gut geht. Und es soll uns heute innerlich besser gehen als gestern.
Friede soll vermehrt werden, der Friede Gottes, der alles Denken übersteigt. Er wird unsere Herzen in Christus Jesus bewahren, steht im Philipperbrief. Wenn wir beten, wenn wir unsere Anliegen mit Gebet und Flehen vor Gott kundwerden lassen, dann wird der Friede Gottes, der alles Denken übersteigt und alles Sorgenmachen übersteigt, an unser Herz ganz eng in Jesus Christus bewahren. Dort steht: in Jesus Christus gefangen halten, so dass wir in Christus bleiben, fest bei ihm.
Ein schöneres Gefängnis gibt es nicht, oder? Als bei Christus gefangen zu sein, ganz bei ihm. Das ist das Herrlichste, was es gibt für uns Menschen. Und der Friede Gottes, der möge uns ganz fest in Christus Jesus halten und bewahren.
Hier heißt es, Gnade und Friede soll vermehrt werden, multipliziert werden. Also Gott möchte einen Fortschritt sehen, und Gott möchte gerne, dass es uns gut geht und immer besser geht. Also Vermehrung von Gnade und Friede.
Manchmal gerät man aus der Fassung, aus irgendwelchen Gründen, oder es gibt so viele Dinge in unserem Leben, die bringen uns in Unruhe. Das können ganz einfache Sachen sein. Man hat etwas vergessen, man hat etwas verloren, oder man hat Sorgen über ein Kind oder über einen Erwachsenen, und dann ist man in Unruhe. Der Herr möchte, dass unser Herz ruhig wird.
Vertraut auf Gott und vertraut auf mich, sagte Herr Jesus, euer Herz werde nicht erschüttert. Euer Herz werde nicht beunruhigt, vertraut auf Gott und vertraut auch auf mich. Johannes 14, am Anfang, Vers 1.
Ja, also Friede, da geht es um das Gedeihen. Wenn kein Streit da ist, wenn Einmütigkeit da ist, wenn Liebe da ist, wenn man innerlich Ruhe hat, dann hat man Friede, und der soll reich werden und immer reicher. Der gute Hirte bringt uns zur Ruhe. Er erquicket meine Seele, Psalm 23. Im Hebräischen heißt es: Er führt mich zur Ruhe. Das Wort hat mit Ruhe zu tun. Er bringt mich innerlich zur Ruhe und zur Erfrischung.
Erkenntnis als Weg zu mehr Gnade und Frieden
Weiter immer noch Vers 2: Gnade und Friede, Gnade euch und Friede werde vermehrt. Ja, wie soll er vermehrt werden, in welchem Zusammenhang? In Erkenntnis Gottes und Christi Jesu.
Wie gibt Gott uns seine Fülle, seinen Reichtum der Gnade und des Friedens? Wie lässt er uns Gnade und Friede erfahren? Nun, auf zweierlei Weise: durch Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, Vers 2 am Ende, und dadurch, dass er uns alles gibt, was wir brauchen, Vers 3.
In Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unseres Herrn. Gott besser kennenzulernen, das soll unser Wunsch sein. Lass mich dich besser kennenlernen, ihn erkennen, ihn erkennen, das ist Leben. Oder Gott kennenzulernen und Jesus Christus, den er gesandt hat.
Also geht es darum, dass wir, wenn wir Jesus Christus mehr kennenlernen, dass sich das auf unser Leben auswirkt. Das wird Petrus dann in den nächsten Versen gleich noch sagen, da kommen wir gleich darauf zurück.
Also wenn wir Gott kennenlernen, dann ist die Bahn frei. Dann kann Gott uns Gnade schenken, Hilfe in jeder Art, Kraft, Vergebung. Und dann kann Gott uns Friede zuteilwerden lassen, wenn wir ihn besser kennenlernen. Ach, wenn wir ihn doch nur besser kennen würden.
Der Herr Jesus war traurig, als Philippus ihn gefragt hat: Zeige uns den Vater, Johannes 14. Zeige uns den Vater. Der Herr Jesus sprach vom Vater: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Und der Thomas versteht es nicht, und Philippus versteht es nicht. Und Philippus sagt: Ach Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.
Was sagt der Herr Jesus? So lange bin ich bei dir, und du hast mich nicht erkannt? Philippus, hast du mich nicht kennengelernt? Philippus, hast du nicht erkannt, dass der Vater in mir ist und dass ich in dem Vater bin? Merkst du nicht, dass der Vater dir gegenüber sitzt?
Den Vater, den kennen wir durch Jesus Christus, und den Herrn Jesus Christus kennen wir durch die Schrift. Der Heilige Geist hat ein großes Anliegen. Der Heilige Geist hat das Anliegen, uns Jesus Christus vor Augen zu führen, groß zu machen. Und wir sollten dafür beten.
Wenn der Herr möchte, dass wir beten, und der Herr wird dieses Gebet erhören, denn der Herr sagt, wenn wir etwas bitten in seinem Sinne, in seinem Namen, nach seinem Willen, dann wird er uns erhören. Dann wissen wir, dass wir die Bitten haben, die wir von ihm gebeten haben.
Also wenn wir bitten in seinem Sinn, dann wird der Herr antworten und wird der Herr dieses Gebet erhören. Dann beten wir: Herr, lass mich dich besser kennenlernen, lass mich zunehmen in der Erkenntnis Gottes und Jesu Christi.
Wir tendieren dahin, dass wir uns um uns selber drehen wollen, dass wir uns selber im Mittelpunkt sehen. Petrus möchte uns hier dorthin lenken, dass wir den Herrn vor Augen geführt bekommen, denn der Herr will Herr sein in unserem Leben.
Es ist ja interessant, wie Petrus das sagt hier, oder? Gnade euch und Friede werde vermehrt in Erkenntnis Gottes und Jesu, nicht Punkt, Jesu unseres Herrn, oder unseres Herrn. Das sagen wir oft zu schnell, oder? Herr Jesus, vielleicht sollten wir so sagen: Herr, dann Pause. Ist er wirklich Herr in meinem Leben? Herr Jesus Christus.
Er will Herr sein in mir und in uns, und wir dürfen hier unser ganzes Leben lang lernen. Ich habe mir hier einen Satz notiert, den möchte ich gerne vorlesen:
In dem Maße, in dem ich Gott und Jesus Christus mehr kennenlerne, werden Gnade und Friede mir vermehrt zuteil. Denn je mehr ich ihn erkenne, desto mehr erkenne ich auch, was ich in Christus habe, nämlich alles, was zum Leben dient. In dem Maße, in dem ich das erkenne, werde ich Gottes Hilfe, Gottes Gnade im Alltag erfahren und auch seinen Frieden inmitten von Stürmen und mitten in einer Umgebung von streitsüchtigen Menschen.
Soweit also das Großwort.

