Serie•Teil 7 / 14Das Buch Daniel
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Rückblick auf die beiden Weltreiche und ihre Deutung
Wir haben gestern die anfänglichen Verse von Daniel, Kapitel 7, gelesen. Wir werden uns heute noch etwas länger mit diesem Text beschäftigen müssen.
Wir haben gestern gesehen, dass diese vier Tiere in Kapitel 7 den entsprechenden vier Reichen aus Kapitel 2 entsprechen. Die Parallele ist also offensichtlich. Das fünfte Reich ist in Daniel 2 das Reich des Messias gewesen. Hier werden die Tiere durch einen Menschensohn abgelöst, in dem gar nichts Tierisches ist, überhaupt nichts.
Dass die Reiche beziehungsweise die Könige dieser Reiche wie Tiere dargestellt werden, zeigt, dass sie gewissenlos sind oder oft gewissenlos handeln und dass sie keine Beziehung zu Gott haben. Tiere können nicht aufblicken zu Gott, wie wir Menschen. Der Menschensohn ist vollkommen, und der Herr Jesus hat ganz bewusst diesen Titel, der Menschensohn, für sich beansprucht. Immer und immer wieder hat er vom Menschensohn gesprochen.
Wenn ich jetzt zurückgehen darf: Das erste Tier war der Löwe. Das würde dem neubabylonischen Königreich entsprechen, genau wie in Daniel, Kapitel 2. Das zweite Tier war der Bär; das waren die Medo-Perser. Das medopersische Reich würde dem zweiten Reich in Daniel 2 entsprechen.
Das dritte Tier war dann dieser Panther mit den vier Köpfen. Oft wird gesagt, die vier Köpfe seien die vier Diadochen, also die vier Nachfolger Alexanders. Aber dann müssten es mindestens fünf Köpfe sein, eigentlich sogar sechs, denn Antigonus war ja auch noch ein Kopf. Den haben die anderen vier dann abgesägt, aber dennoch war er da, also von 312 bis 301 v. Chr.
Das ist alles ein bisschen schwierig. Vor allem, wenn die vier Köpfe die Diadochen darstellen sollen, fehlt der wichtigste Kopf doch: Alexander selbst. Gerade der wichtigste Kopf würde fehlen, das passt irgendwie nicht. Mir scheint eher, dass die vier Köpfe, ebenso wie die vier Flügel und die vier Himmelsrichtungen, aufzeigen, dass sich dieses Reich nach Westen, Norden, Süden und Osten ausdehnt. Das weist auf die große und vor allem schnelle Ausdehnung hin, mit der Alexander das Persische Reich erobert hat.
Wir sollten also nicht zu schnell mit der Deutung kommen, dass die vier Köpfe die vier Diadochen seien. Das scheint in den Kommentaren oft zu schnell getan worden zu sein. Wer wären dann die vier Flügel? Flügel zeigen die Schnelligkeit, aber die Schnelligkeit war gerade Alexander. Die anderen waren nicht schnell; das hat sich sogar sehr lange hingezogen, bis die vier Diadochen ihre Reiche bekamen.
Bei Alexander dagegen war das die Schnelligkeit. Im Flug hat er das ganze Persische Reich erobert. Von daher würde das auch dem dritten Reich in Kapitel 2 entsprechen.
Das vierte Reich und die Frage nach dem historischen Hintergrund
Und das vierte Reich, da scheiden sich ja die Geister. Wir hatten gestern davon gesprochen. Die traditionelle Auslegung hat gesagt, das vierte Reich ist das römische Reich. Aber es gibt große Schwierigkeiten mit dieser These, dass das vierte Reich das römische Reich wäre.
Es gibt schon die Schwierigkeiten in Daniel 2. Wenn wir allein das Danielbuch selbst sprechen lassen, dann haben wir gesehen: Wir haben Daniel 11 mit Daniel 2 verglichen, und da ist es sehr, sehr eindeutig, dass das geteilte griechische Reich das vierte Reich ist. Es wurde hauptsächlich in zwei Teile geteilt. Die anderen Teile wurden unwichtig. Das kleine griechische Reich von Kassandros und das Reich von Lysimachos waren nicht von Bedeutung. Aber die zwei, das Reich des Königs des Nordens und das Reich des Königs des Südens, wurden bedeutend. Und die werden ja auch des Langen und Breiten dann in Kapitel 11 erklärt.
Und da ist es, wenn man diese zwei nimmt, König des Nordens und König des Südens, der König des Nordens, der eindeutig immer der Stärkere ist und dessen Reich weiter ausgedehnt war. So dass also durchaus jetzt hier passend wäre, dass das vierte Reich hier speziell das Seleukidenreich ist, also das Reich des Königs des Nordens. Und gerade aus diesem Reich kam ja dann der Bedränger Antiochus IV. Das war ja gerade das, was uns dann in Kapitel 8 und in Kapitel 11 so stark beschäftigen wird: dieses kleine Horn, aber auch in Kapitel 7.
Die traditionelle Auslegung hat immer gesagt: Das vierte Reich ist das römische Reich. Und das zieht sich dann über zweitausend Jahre hin bis zur Europäischen Union. Und die zehn Hörner sind die Europäische Union, und das kleine Horn, das ist der Antichristus. Und da wurde dann ungeheuer viel spekuliert und viel in den Text hineingelesen, was wirklich Probleme bereitet.
Also rein vom Text her, wir gehen ja jetzt den Text entlang, passt es viel, viel besser, dass dieses vierte Reich das Seleukidenreich ist.
Die Zahl der Hörner und die Frage nach der Nachfolge
Ich habe gestern dann noch diese zehn Hörner kurz mit einer These in Verbindung gebracht. Ich sage nicht, dass das jetzt absolut das Nonplusultra ist, aber die These war, dass diese zehn Hörner die syrischen Könige sind, mit Antigonus dazu. Seleukos wäre dann, genauer gesagt Seleukos IV., der Achte. Er wurde aber getötet, vergiftet durch Heliodorus.
Heliodorus war ein syrischer General. Jetzt muss ich gerade kurz abschweifen: Ich suche da eine Information in meinem Computer, die ich hier nicht finde. Heliodorus war einer, der die Macht an sich riss. Er war zusammen mit Seleukos IV., dem Bruder von Antiochus Epiphanes, aufgewachsen. Heliodorus ermordete Seleukos IV. im Jahr 175 und wurde danach Vormund des Antiochus, des fünfjährigen Sohnes von Seleukos IV. Das wäre dann die Nachfolge des Thronanwärters gewesen.
Also: Seleukos IV. hatte einen Sohn, Antiochus, Klein-Antiochus nennen wir ihn, fünf Jahre alt. Er wäre der Thronanwärter gewesen. Aber Heliodorus, dieser syrische General, wollte die Macht an sich reißen, gab sich als Vormund des minderjährigen Antiochus aus und wollte den Thron an sich reißen. Doch Antiochus Epiphanes, Antiochus IV., vertrieb diesen Heliodorus noch im gleichen Jahr. Heliodorus wurde dann umgebracht, und Antiochus konnte dadurch im Jahr 175 kampflos die Macht übernehmen, indem er sich dann zum Vormund des Minderjährigen Antiochus ausgegeben hat. Er hat also die Vormundschaft übernommen und regierte dann anstelle dieses minderjährigen Antiochus. Auf diese Weise hat er sozusagen die Macht an sich gerissen.
Er heiratete die Mutter dieses Neffen und ließ also den Mörder Heliodorus hinrichten, den Mörder seines Bruders, Entschuldigung: Heliodorus, der seinen Bruder umgebracht hat, ließ er hinrichten. Auf diese Weise verdrängte er den eigentlichen Thronfolger aus der Herrschaft. Er erhielt dafür von der Bevölkerung Syriens den Beinamen Epiphanes, der Erscheinende. Also Antiochus Epiphanes, die Erscheinung, da er sich durch die Beseitigung dieses Usurpators als rechtmäßiger König erwiesen habe.
Antiochus ließ sich daraufhin als Theos Epiphanes, als erscheinender Gott, propagieren und verdrängte seinen Neffen Antiochus, für den er eigentlich nur stellvertretend regieren sollte, aus der Herrschaft. Der gewaltsame Tod des Neffen im Jahr 170, also fünf Jahre später, dieser mittlerweile zehnjährige Neffe, geht vermutlich auf die Veranlassung des Antiochus zurück. Also Antiochus hatte seine Hände im Spiel, dass dieser Minderjährige abserviert wird.
Auf diese Weise hat er eine ganze Reihe von Leuten abserviert, um selbst endlich auf den Thron zu kommen. Die eigentlichen Thronfolger hat er aus dem Weg geräumt. Indem er also diese drei königlichen Rivalen beseitigt, bemächtigt er sich dann der Herrschaft.
Zwei mögliche Zählweisen und ihr gemeinsamer Kern
Also, jetzt noch einmal zurück zu unserer Folie. Es gibt hier zwei Thesen, die ich nicht verwirren möchte. Aber beide Thesen sind es wert, dass man sie beachtet.
Hier ist These eins:
Diese Könige gehen von Antigonus an und reichen dann hinunter bis zu Seleukos IV. Das wäre der Achte. Er wurde umgebracht. Der Neffe Demetrius, also der Neffe von Antiochus, der auch ein Sohn von Seleukos war, hätte die Thronfolge bekommen. Er wurde aber nach Rom verbannt. Der minderjährige Antiochus wurde schlussendlich dann getötet, und Antiochus IV. hat sich den Thron genommen. Insofern sind also drei beseitigt worden, damit Antiochus an die Macht kommt.
Seleukos IV. wurde getötet, von wem auch immer, also wahrscheinlich von Heliodoros. Aber ob Antiochus die Hände im Spiel hatte, weiß man nicht. Der Neffe wurde verbannt, also Neffe Demetrius. Und der Neffe Antiochus wurde ermordet. Also insofern hat er drei auf die Seite geschafft, damit er an die Regierung kommt. Das ist These eins.
Jetzt kommt These zwei:
These zwei ist, dass man den Antigonus nicht mitrechnet. Das heißt, man rechnet von Seleukos I. an. Das wäre dann der erste Seleukide. Dann haben wir sieben Seleukiden: Seleukos I., Antiochos I., Antiochos II., Antiochos III., Antiochos IV. Der Bruder von Antiochos IV. wurde durch Heliodoros vergiftet. Und der Antiochos wäre dann der, der drei demütigte: den Neffen Demetrius hat er nach Rom verbannt, den Neffen Antiochus, für den er sich als Vormund ausgegeben hatte, und der dann ermordet wurde, und Heliodoros, der eigentlich die Macht an sich reißen wollte. Den hatte er auch hingerichtet. Das wären dann die drei.
Also, wir können so oder so rechnen. Entweder war Antigonus dabei, wie vorher, Antigonus I., und die drei, die beseitigt wurden, waren Demetrius, Seleukos und Antiochos der Minderjährige. Oder wir rechnen von Seleukos I. an. Dann kommen wir bis zum Siebten. Der siebte König wäre dann Seleukos IV., und Antiochos demütigt die drei, nämlich den Demetrios, den minderjährigen Antiochos und den Heliodoros, den Usurpator, der die Macht an sich reißen wollte und den er auch hingerichtet hat.
Also, so oder so. Ich hoffe, ich verwirre euch nicht. Aber man kann in der Geschichte tatsächlich feststellen, dass Antiochos dieses kleine Horn ist, das drei von den vorigen, die eigentlich Thronanwärter gewesen wären, beseitigt hat. Also, so oder so kommt man auf eine durchaus plausible Erklärung. Und es würde sehr gut passen, dass genau dieses kleine Horn niemand anderer als Antiochos IV. ist. Nicht der Antichristus aus irgendeiner zukünftigen Zeit, nicht etwas, das zweieinhalbtausend Jahre in der Zukunft liegt, sondern damals sind diese seleukidischen Könige gemeint.
Jetzt habe ich euch total verwirrt, gell. Das ist ja auch Geschichte, das ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass man merkt: Es gibt durchaus plausible Erklärungen für diese Sieben plus die Drei. Darum geht es.
Der Menschensohn als Gegenbild zu den Tieren
Versteht es eigentlich niemand, die Namen? Naja, das ist deshalb so, weil die Namen einfach die Namen sind. Das war aber fast wie ein Titel, oder? Ja, bei den Ptolemäern ist das leichter, da heißen sie einfach Ptolemäus der Erste, Zweite, Vierte, Vierte, Fünfte, Sechste, Siebte und so weiter. Da haben sie immer nur Ptolemäus. Ja, gut.
Aber jetzt gehen wir wieder zum Text zurück. Da waren wir stehen geblieben bei Vers 13.
13 Ich schaute in den Gesichten der Nacht, und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschensohns.
Die Wolken deuten sicher auf das Himmlische hin. Also hier handelt der Himmel, und der Himmel bringt diesen Menschensohn. Der Menschensohn kommt an die Regierung. Er kam, Vers 13, zu dem Hochbetagten, also er wird dorthin geführt zu diesem Hochbetagten. Der Hochbetagte ist der Ewige, ist Gott selber, und er wurde vor denselben gebracht.
Das Kommen des Messias wird hier als nur ein einziges Kommen geschaut. Im Alten Testament gibt es keine zwei Kommen Christi. Und ihm wurde Herrschaft gegeben und Herrlichkeit und Königtum, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird.
Das ist jetzt die Parallele zu dem, was wir gelesen haben in Kapitel 2, Vers 44, 45. Also auch hier kommt jetzt der Blick auf das Reich des Messias, so dass dieses Reich des Messias auch das Volk der Heiligen zu ihrer Herrschaft bringt. Das werden wir gleich in den folgenden Versen lesen. Wenn der Messias zur Herrschaft kommt, kommt das Volk der Heiligen zur Herrschaft. Die Heiligen sind die Treuen aus Israel. Das sind hier Daniel und andere, die treu festgehalten haben, auch in der Makkabäerzeit, die, die sich an Gottes Wort und an Gottes Gesetz gehalten haben.
Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, also ohne Ende. Da denken wir auch an Jesaja 9,6: seines Reiches wird kein Ende haben, kein Ende sein. Ich erinnere nochmals an Kapitel 2, Vers 44: ein Königtum, das in Ewigkeit nicht zerstört werden wird, und das Königtum wird keinem anderen Volk überlassen werden, es wird bestehen in Ewigkeit. Das haben wir in Kapitel 2, Vers 44 dort gelesen. Auch Lukas 1,33: Als der Messias kam, dort heißt es, und er wird als König herrschen über das Haus Jakobs bis in Ewigkeit, und seines Königreiches wird kein Ende sein. Das ewige Reich.
Wenn man die zwei gegenüberstellt, ich habe jetzt keine Folie dazu, aber wenn man die zwei gegenüberstellt, Kapitel 2 und Kapitel 7, dann merkt man: In Kapitel 2 geht es um verschiedene Metalle oder Materialien. Gold, Silber, Bronze, Eisen und Ton gemischt. Gold, Silber, Bronze allein, also das waren die ersten drei; das vierte war Eisen, und Eisen und Ton gemischt. Das zeigt die äußere Herrlichkeit dieser Reiche.
In Kapitel 7 sind es vier Tiere. Das zeigt die innere Brutalität, das Tierische, das Nichtgöttliche, das Zerstörende, Destruktive, Grausame, das Gewissenlose dieser Reiche und dieser Könige. Und das vierte Reich bei Daniel, in Daniel Kapitel 2, war diese Mischung aus Eisen beziehungsweise Eisen und Ton vermischt. Das eine ist stark, das andere ist schwach. Insgesamt wird aber eine Zerbrechlichkeit dargezeigt, also äußerlich groß und herrlich, aber innerlich doch zerbrechlich, nicht von langer Dauer, diese Reiche.
Und bei Daniel 7 ist das vierte Reich ein schreckenserregendes Tier, das gar keinen Vergleich hat mit irgendeinem wilden Tier in der Natur, einfach ein Zehnhörnertier. Es ist grässlich und schrecklich und zertritt alles, macht alles kaputt. Und es hat zehn Hörner, und ein Horn hat Menschenaugen und einen Menschenmund und redet lästerliche Dinge. Das wird dann herausgestrichen. Also das Schreckliche von dem vierten Tier sind vor allem diese Hörner und vor allem dieses eine Horn, das so lästerlich redet.
Antiochus als geschichtliche Entsprechung des kleinen Horns
Wenn wir uns später noch ein wenig mit Antiochus beschäftigen, dann wird deutlich: Antiochus war wirklich so. Er hat es gewagt, gegen Gott selbst zu kämpfen. Das ist ja das Besondere, das ist das Schreckliche.
Das hat nicht einmal Alexander der Große gemacht, dass er den Tempel Gottes verunreinigt und entweiht hätte. Das hat er nicht gewagt. Aber Antiochus hat es gewagt. Er ist in das Allerheiligste hineingegangen und hat die Sachen dort weggenommen. Er hatte überhaupt keinen Respekt vor dem Gott Israels. Niemand darf das Heiligtum Gottes betreten, aber Antiochus geht einfach hinein, entweiht alles und lässt dann ein Schwein schlachten, ein unreines Tier. Er lässt das Blut und die Schweinebrühe, die man gemacht hat, einfach dort herumspritzen, und dadurch hat er alles zerstört. Das ist das Grässliche.
Für uns ist es so: Wenn wir die Begriffe schrecklich, grässlich und grausam hören, dann denken wir an Hitler oder an etwas Ähnliches. Aber nein, hier geht es darum, dass man sich an Gottes heiligem Tempel vergreift und auch an Gottes Volk, das er dann zerstört hat. 80 Menschen wurden in Jerusalem umgebracht, und noch einmal 80.000 in die Gefangenschaft geführt oder 40.000 in die Gefangenschaft und 40.000 sonst verkauft. Also, er hat es gewagt, Gottes Volk viel, viel Übel zuzufügen. Das ist das Schreckliche am vierten Tier.
Was interessant ist: Bei dem vierten Reich haben wir in Daniel 2 diese unmögliche Mischung von Eisen und Ton. Eisen und Ton kann man nicht mischen, und das ist spröde, und dann zerbricht alles. Das zeigt die Instabilität dieses Reiches. Und tatsächlich war es ja so: Das geteilte griechische Reich war instabil und ist dann immer mehr zerbröckelt, bis dann die Römer kamen, und das war dann das Ende dieses geteilten griechischen Reiches.
Und in Daniel 7 ist es die unmögliche Mischung zwischen tierischer Kraft, tierischer Grausamkeit, instinktmäßiger Grausamkeit und menschlicher Intelligenz. Da ist ein Tier, das aber Hörner mit Menschenaugen hat und das redet wie ein Menschenmund. Das ist eine Mischung von tierischer Kraft und menschlicher Intelligenz. Das ist eine sehr gefährliche Mischung: Brutalität, Destruktivität.
Die Lektion in Kapitel 2 ist: Die Weltmächte sind menschlich, majestätisch, aber innerlich fehlt ihnen der Zusammenhalt, und sie brechen. Sie sind instabil, sie gehen kaputt.
Die Lektion in Kapitel 7 ist: Die Weltmächte sind stark, raubtierartig, grausam und zerstörerisch, aber sie kennen keine Moral.
Und das Königreich? In Kapitel 2 kommt dieser Stein von außen, zerschmettert die Reiche und ersetzt sie. Der Felsen wird zu einem Berg, der die ganze Erde füllt. Das ist etwas Stabiles, einen Berg kann man nicht umwerfen.
Und hier kommt ein Menschensohn, der Menschensohn. Gerade das Gegenteil von dieser Bosheit und Destruktivität: der ideale Mensch und seine Heiligen regieren. Er regiert, und dann erfahren wir am Ende von Kapitel 7, dass seine Heiligen mit ihm regieren. Er lässt die Gläubigen mit sich regieren. Welch ein König!
Die anderen Könige haben immer darauf geachtet, dass die Menschen möglichst Abstand haben, dass sie Abstand von den Menschen haben, dass sie allein regieren können und niemand ihnen den Thron streitig macht. Dieser König setzt sich auf seinen Thron, und alle seine Heiligen setzen sich mit ihm auf den Thron. Wie herrlich! Das ist ein großer Unterschied.
Die Deutung der Vision und die Stellung der Heiligen
Wir lesen weiter und kommen nun zur Deutung dieses Bildes, dieses Nachtgesichtes.
Kapitel 7, Vers 15: Es wurde mein Geist in mir, da Daniel zutiefst beunruhigt war in meinem Leibe, und die Gesichtserlebnisse meines Hauptes schreckten mich, bestürzten mich. Ich nahte zu einem der Dastehenden, um ihm Gewissheit über dies alles zu erbitten, und er sagte mir, dass er mir die Deutung der Sache kundtun wolle.
Vers 17: Diese großen Tiere, deren vier waren, vier Könige sind es. Er sagt hier Könige, achten wir darauf, aber er meint die Vertreter von Königreichen. Wenn er Könige sagt, meint er Repräsentanten von Königreichen. Später, in Vers 23, kommt das ganz klar heraus: Das vierte Tier bedeutet, ein viertes Königreich wird auf Erden sein. Habt ihr das? Zuerst sagt er Könige, aber dann sagt er Königreiche. Also Könige, die das Reich repräsentieren.
Wenn es hier also heißt: vier Könige, dürfen wir nicht meinen, der erste König sei Nebukadnezar und der zweite dann Nabonid und der dritte Belsazar oder sonst irgendwie. Nein, nein, nein, nicht so. Der erste König, das sind die Vertreter des babylonischen Reiches, der zweite die Vertreter des medopersischen Reiches und so weiter. Vier Könige sind es, die von der Erde aufstehen oder sich erheben.
Manche Ausleger haben nun gesagt: Ja, aber wie kann er sagen, sie werden sich erheben, wenn doch Daniel das schreibt zu einem Zeitpunkt, als Belsazar schon König war? Da war er schon der letzte König der Babylonier an der Regierung. Wieso kann er denn hier noch von Zukunft schreiben? Der erste ist ja schon vergangen.
Nun, das ist hier ganz allgemein gesprochen. Er nimmt einfach diesen Stand ein von Babylon an. Da waren einige Könige auf dem Thron, und sie repräsentieren das eine Königreich. Und die anderen werden sich noch erheben. Einer ist gerade da, und die anderen kommen. Dann kommen die Medoperser, dann kommt Alexander, also das makedonische Reich, und dann die Seleukiden. Das müssen wir uns also nicht täuschen lassen oder irritieren lassen, wenn er sagt, sie werden sich erheben. Na klar, einer ist gerade da, die anderen werden sich erheben. Es geht ja um die gesamte Entwicklung der Reiche.
Vers 18: Aber das Königreich empfangen werden die Heiligen. Das ist interessant. Die Könige erheben sich, die Königreiche von der Erde her wollen die Welt regieren, aber das Königreich empfangen werden die Heiligen. Die Heiligen bekommen das. Die einen wollen es gerne und reißen es an sich. Aber sie haben es nicht lange. Bekommen werden es die Heiligen des Höchsten, und sie werden das Königreich auf ewig besitzen, im Gegensatz zu diesen anderen, die es nur für kurze Zeit besitzen. Sie werden es erhalten und behalten, es wird ihnen bleiben. Der König lebe ewiglich, ja, denkste, er lebt nicht ewiglich. Aber die Heiligen leben ewiglich, und ihr König lebt ewiglich.
Die Heiligen, dieser Ausdruck kommt hier, glaube ich, zum ersten Mal vor, bedeutet einfach die Treuen, die diesem Herrn heilig sind. Die Heiligen sind oft im Alten Testament die treuen Glieder des Bundesvolkes, also die treuen Israeliten. Nicht alle Israeliten an sich, sondern die treuen Israeliten. Es gab viele Untreue, die sind nicht gerettet, und die bekommen auch nicht das Reich am Ende. Die Heiligen, die bekommen das Reich.
In 2. Mose 19,6 hat Gott schon zu Israel gesagt: Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation, ein heiliges Volk sein. 2. Mose 19,6. Gott wollte von Anfang an, dass sein Volk ein Königsvolk ist, ein königliches Priestertum, Priesterkönige wie Adam. Adam war der erste Priesterkönig. Du sollst herrschen und du sollst priesterlich dienen im Garten.
Offenbarung 5,10 heißt es: Du machtest uns zu Königen und zu Priestern für unseren Gott. Offenbarung 22,5: Sie werden als Könige herrschen in alle Ewigkeit, und in Offenbarung 20 heißt es, sie werden Könige und Priester sein. Also diese zwei ziehen sich durch: König heißt herrschen, und Priester heißt Gott dienen, Gottes Dasein zu verehren. Und das ist die Bestimmung des Menschen. Gott hat den Menschen bestimmt zu herrschen und Gott zu dienen.
Und wenn er herrschen will, muss er zuerst über sich selbst herrschen. Das erste Mal, wo das Wort herrschen vorkommt nach dem Sündenfall, ist es zu Kain: Die Sünde lauert vor der Tür, du aber sollst herrschen über sie. Und wenn der Mensch lernt, nicht sich selbst zu beherrschen, wie kann er überhaupt herrschen? Also es beginnt immer mit sich selbst zuerst.
Und Christus kam, damit wir befreit werden von der Sklaverei der Sünde, sodass nicht die Sünde als Macht über uns herrscht, sondern dass wir herrschen. Durch Christus, durch den Einen, im Leben herrschen, als solche, die mit ihm verbunden sind, sodass nicht die Sünde herrscht. Römer 5, steht das in 6.
Also, die Gläubigen sind zum Herrschen berufen, die Heiligen sind zum Herrschen berufen, in alle Ewigkeit und um Priester zu sein für Gott, ihm zu dienen, Gott Ehre zu bereiten. Das dürfen wir heute schon, wir dürfen heute schon dem Herrn Priester sein.
Bis in die Ewigkeit der Ewigkeiten, also bis in alle Ewigkeit. Das ist nicht gemeint als ein gewisser Zeitabschnitt, und dann ist es zu Ende. Nein, das ist nie zu Ende, die Herrschaft der Heiligen.
Das vierte Tier, seine Hörner und die Gefahr der Vermischung
Vers 19: Darauf begehrte ich Gewissheit über das vierte Tier, das von allen anderen verschieden war. Sehr schrecklich war es, seine Zähne von Eisen und seine Klauen von Erz. Es zermalmte das Frasende und zertrat das Übrige mit seinen Füßen. Und über die zehn Hörner auf seinem Kopf.
Hier haben wir also Hörner, die Macht symbolisieren. Das war immer so in der Bibel: Das Horn eines Tieres zeigt seine Stärke. Wenn das Tier dem anderen hier zeigen will, dass es jetzt stärker ist, dann senkt es den Kopf und zeigt ihm die Hörner. Pass auf, jetzt stürme ich gleich los auf dich. Die Hörner sind etwas Gefährliches, und sie symbolisieren Stärke. In der Daniel-Prophetie sind sie nicht Königreiche, sondern Menschen. Hörner sind hier Menschen. Zehn Hörner heißt: zehn Menschen mit Macht, mit großer Macht.
Wie wir gesehen haben, sind sie hintereinander, diese zehn. Drei von ihnen kommen nicht wirklich zur Macht, beziehungsweise einer wurde gleich getötet, und die anderen, die dann die Macht an sich reißen wollten, wurden von Antiochus, von dem elften Horn, dann gleich gedemütigt, sodass das elfte Horn, Antiochus, an die Macht kam. Also: zehn Hörner auf seinem Kopf.
Und Vers 20: Und über das andere Horn, das elfte, das emporstieg und vor welchem drei abfielen. Und das Horn hatte Augen und einen Mund, der große Dinge redete, und sein Aussehen war größer als das seiner Gefährten.
Was uns hier auffällt, ist, dass sie nicht alle zehn gleichzeitig regieren. Nicht alle zehn Hörner können gleichzeitig Könige sein. Es geht ja um ein Königreich. Das Tier ist das Königreich, und die Hörner sind die Machthaber. Aber in einem Königreich können nicht alle zehn gleichzeitig Macht haben. Es geht also gar nicht darum, dass sie hier zehn gleichzeitig regieren; dann wären das zehn Reiche. Das würde nicht funktionieren.
Nein, es sind zehn, die hintereinander regieren, wobei die letzten drei das Thronrecht hätten. Die kommen aber nicht. Sie werden praktisch von Anfang an gleich gedemütigt, niedergehalten oder zerbrochen, sodass das achte an seine Macht kommt. Und achtet: Nach ihnen heißt es hier, nach den anderen. Also das elfte Horn, das kommt nach den anderen. Auch das zeigt, dass es sich um Könige handelt, die hintereinander regieren, nicht um Könige, die gleichzeitig regieren.
Viele Ausleger, ich weiß nicht, ob ihr Kommentare lest, aber viele Ausleger haben hier gemeint: Diese zehn Hörner, das sind doch die gleichen zehn Hörner wie in der Offenbarung. In der Offenbarung gibt es ja auch so ein Tier, und das hat auch zehn Hörner. Dann sagen sie: Ja, das ist das gleiche Tier von Daniel. Das ist viel zu schnell gesagt. Wenn ein ähnliches oder gleiches Ding auftritt, müssen wir nicht meinen, es ist dasselbe.
Die Gemeinden, die Ausleger meinten, das Buch der Offenbarung sei die Fortsetzung vom Danielbuch. Aber das ist eine These, die einfach nicht aufgeht. Das Buch der Offenbarung ist ein eigenes Buch. Es verwendet zwar viele, viele, viele Symbole aus dem Alten Testament und auch aus dem Danielbuch, ja klar. Aber wenn diese Symbole verwendet werden, heißt das nicht gleich, dass es um dieselbe Sache geht.
Also hat man gemeint, das vierte Tier sei das römische Tier, und in der Offenbarung kommt ja auch dieses Tier vor, das hat zehn Hörner, das ist dasselbe. Das stimmt ja gar nicht. Wenn man den Text genau liest – ihr könnt von mir aus, machen wir hier kurz einen Exkurs, schauen wir mal in Offenbarung 13 hinein, damit ihr mal die Unterschiede seht. Das sind ja ganz, ganz große Unterschiede. Ein paar Sachen sind parallel, ja. Aber ganz, ganz viele Sachen sind unterschiedlich, und auf die wird bei den übrigen Kommentatoren stillschweigend hinübergegangen. Das darf man aber nicht. Man muss die Unterschiede auch betonen.
Ein Vergleich mit der Offenbarung und die Grenzen der Gleichsetzung
Zum Beispiel in der Offenbarung, in Kapitel 13, Vers 1, heißt es: Ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen. Ein Tier, nicht vier, das ist der erste Unterschied. Bei Daniel steigen vier Tiere aus dem Meer auf. Hier nur eins. Da sagt man ja, das ist eben dann das vierte. Ja, gut, aber dann schauen wir genau hin.
Sieben Köpfe hat es und zehn Hörner, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen einen Namen der Lästerung. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther, und seine Füße waren wie die eines Bären, und sein Maul wie das eines Löwen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Vollmacht.
Interessant: Da kommt ein Löwe vor, ein Panther, also ein Löwe, ein Bär und ein Panther und ein Zehnhörner. Alle vier Elemente haben wir im Buch Daniel, oder? Im Buch Daniel sieht er zuerst einen Löwen, dann einen Bären, dann den Panther und dann das Zehnhörnertier. Hier ist es umgekehrt. Hier sieht er zuerst die zehn Hörner, dann sagt er, es sieht aus wie ein Panther, dann hat es aber Füße wie ein Bär und den Mund und das Maul wie ein Löwe. Gerade in umgekehrter Reihenfolge wie bei Daniel.
Aber hier ist es ein Tier, bei Daniel sind es vier Tiere. Das ist ein großer Unterschied, oder? Aber er entlehnt alle Bilder, die er verwendet, der Heilige Geist, sage ich jetzt, alle Bilder, die der Heilige Geist hier verwendet, entlehnt er aus dem Alten Testament. Das heißt, er will eine Verbindung und eine Assoziation herstellen zu Daniel, das ist keine Frage. Aber dass es dasselbe ist, geht gar nicht.
Hier ist es ein Tier, und wie viele Köpfe? Ja, sieben Köpfe. Jetzt zählen wir mal: Wie viele Köpfe hat denn der Löwe gehabt? Einen. Und der Bär? Auch einen. Und der Panther? Vier. Jetzt haben wir schon sechs. Und das Zehnhörnertier? Einen. Jetzt hat man sieben Köpfe. Und wie viele Hörner? Ja, da gab es nur zehn Hörner. Dieses Tier hat alle Köpfe und alle Hörner zusammen von den Daniel vier Tieren. Also sieben Köpfe und zehn Hörner. Das heißt, es geht nicht um dasselbe Tier. Dieses Tier ist eine Symbiose von allen vier Tieren Daniels. Da kann man doch nicht sagen, das ist das vierte Tier von Daniel. Nein, das sind alle Tiere von Daniel in einem. Ja, alle Elemente.
Nächster Unterschied: Diese zehn Hörner von diesem Tier dort, die werden ja dann in Kapitel 17 der Offenbarung beschrieben, oder? Zehn Hörner, lesen wir das? Offenbarung 17,12: Und die zehn Hörner, die du sahst, sind zehn Könige, welche noch nicht ein Königreich bekamen. Also zu dem Zeitpunkt, als das geschrieben wurde, durch Apostel Johannes, hatten diese zehn Hörner noch nicht das Königreich. Sind zehn Hörner, die noch nicht ein Königreich bekamen, sie bekommen jedoch Vollmacht wie Könige eine Stunde mit dem Tier. Das heißt, wenn das Tier da ist, dann bekommen diese zehn Hörner gleichzeitig mit dem Tier eine Stunde lang Vollmacht.
Also die Frage: Sind sie hintereinander oder sind sie gleichzeitig, die zehn Könige? Die sind gleichzeitig, alle zehn sind gleichzeitig. Das ist ein großer Unterschied zum Danielbuch. In Daniel, Kapitel 7, sind sie nicht gleichzeitig, sie sind hintereinander, und dann kommt sogar noch ein Elftes danach, und drei von den Vorigen, die die Krone bekommen sollten, bekommen sie nicht, weil dieses Elfte sie wegnimmt. Aber es geht um hintereinander und nicht um gleichzeitig. Und hier ist es gleichzeitig. Es ist ein ganz großer Unterschied, da kann man nicht sagen, dass es dieselbe Sache ist. Nein. Die Ideen, die Assoziationen sind da zum Buch Daniel, aber die Sache ist eine ganz andere.
Also ist nicht das Buch Offenbarung eine Fortsetzung oder ein Aufgreifen der Vision von Kapitel 7 in Daniel. Nein, ist es nicht. Das war für mich eine ganz große Entdeckung, es ist noch gar nicht lange her, als ich das entdeckte. Aber ich habe so lange so ungenau meine Bibel gelesen. Ich weiß nicht, warum ich so ungenau gelesen habe, wahrscheinlich deshalb, weil ich beeinflusst war von irgendwelchen Büchern. Aber als ich dann endlich anfing, mal genau die Bibel anzuschauen, merkte ich: Das stimmt ja gar nicht, was die Bücher sagen. Ein Buch schreibt vom anderen Buch ab, und wir lesen all die Bücher und glauben es auch. Aber die Bibel ist so klar, es kann gar nicht dasselbe sein.
Da sind wir ja nicht bei der Offenbarung, das dauert zu lange. Außerdem kann ich ertäuschen, es geht ja nicht darum, was ich meine, was es ist. Was viel wichtiger ist, ist, dass wir lernen, richtig mit der Bibel umzugehen, und viele Sachen, wenn wir nur die Texte sprechen lassen, erklärt sich von selbst. Zum Beispiel hatten wir gestern eine Runde, da haben wir über die Hure Babylon gesprochen. Der Text sagt ja, wer die Hure Babylon ist. Braucht hier gar nicht rätseln, es steht ja im Text, wer die Hure Babylon ist. Jetzt sagt die Hure Babylon, es ist die große Stadt, aber es ist alles geklärt. Für die, die Frau Baran gelesen haben, war das damit geklärt, der Enkel hat ihnen schon erklärt, wer die Hure Babylon ist. Man muss die Texte sprechen lassen und die Texte vergleichen, dann wird die Sache viel, viel einfacher.
Und ich habe gemerkt: Diese ganze Endzeitlehre, das ist gar nicht so kompliziert. Vergessen wir nie, die Leute, die das bekommen haben, die haben verstanden. Nicht alles haben sie verstanden, aber das Entscheidende haben sie verstanden. Aber jetzt müssen wir weggehen von der Offenbarung. Jetzt zurück zum Danielbuch.
Das kleine Horn, seine Macht und sein Angriff auf Gottes Volk
Wir waren im Vers, Kapitel 7, Vers 20, bei dem anderen Horn, vor dem drei abfielen, und das Horn hatte Augen und einen Mund. Jetzt erfahren wir, dass das Horn also ein Mensch ist, ein Mund, der große Dinge redete, also ein hochmütiger Mund, und sein Aussehen war größer als das seiner Gefährten.
Also: Das kleine Horn, das andere Horn, das aufsteigt, wird jetzt größer als die anderen. Nun haben viele Ausleger gesagt: Ja, aber Antiochus IV. war ja gar nicht größer als sein Vater Antiochus III. Antiochus III. war doch viel der bedeutendere König, denn er hatte das Reich vermehrt und auch richtige Kriege gegen die Römer geführt. Damals gab es ja schon die Römer übrigens. Er hat Kriege gegen die Römer geführt, einen hat er verloren, eine ganz entscheidende Schlacht, aber immerhin einen Krieg hat er gewonnen gegen Israel beziehungsweise gegen Ägypten und hat Israel ihnen abgeheimst, sodass das Land Juda dann ab dem Antiochus III. den Syrern gehörte.
Antiochus III., der Vater von Antiochus IV., war also wirklich ein gewaltiger Mann und hat lange regiert. Aber wieso ist dann Antiochus IV., der gar nicht so lange regiert hat wie sein Vater, wieso ist denn der dann größer? Nun, größer in Bezug auf das, worum es hier geht. Der hat einen großen Mund, redet große Dinge, also ein Mund, der große Dinge redet, und sein Aussehen war größer als das seiner Gefährten.
Im Kapitel 8 wird beschrieben, dass dieses Horn so groß wurde, dass es bis an den Himmel reichte, bis zu den Sternen. Der konnte die Sterne kratzen, sozusagen nicht nur kratzen, der hat sogar die Sterne runtergeworfen, so groß wurde dieses Horn. Was heißt das? Der hat es gewagt, gegen den Gott des Himmels in einen Krieg zu führen, gegen Gott selbst anzutreten, und hat die Sterne des Himmels, das Heer des Himmels, das göttliche Heer, zu Boden geworfen. Und die Wahrheit hat er mit Füßen zu treten. Das lesen wir alles dann in Kapitel 8.
Das heißt: Es geht um die Bedeutung dessen, was er getan hat in Bezug auf das Volk Israel und in Bezug auf den lebendigen Gott. Da hat er sich groß gemacht. Das hat nämlich sein Vater nie gewagt, gegen Gott, den Gott der Juden, vorzugehen, gegen Jahwe. Also in dem Sinne: größer und große Dinge.
Und ich schaute, wie dieses Horn Krieg führte. Jetzt haben wir es: Jetzt führt er einen Krieg. Gegen wen? Ich schaute, wie dieses Horn Krieg führte gegen die Heiligen, das heißt gegen das heilige Bundesvolk, die Treuen aus dem Hause Israel. Krieg führte gegen die Heiligen und sie überwand. Der hat sie getötet, bis der Hochbetagte kam und Recht verschafft wurde den Heiligen des Höchsten und die Zeit eintrat, da die Heiligen das Königreich in Besitz nahmen.
Dieser freche König führt einen Krieg gegen das Gottesvolk, aber dann tritt der Hochbetagte, der Ewige, auf und macht ihn nieder. Und die Gläubigen, die alle da getötet wurden, sollen, die werden auf den Thron erhoben, und die bekommen das ewige Königreich. Kapitel 12 wird er dann noch davon sprechen. Die werden aus den Toten auferweckt und bekommen ein ewiges Königreich und regieren alle Ewigkeit.
Also: Was hier gezeigt wird, ist einfach, dass er gegen Gottes Volk kämpft, Gottes Volk tötet, und dann kommt Gott und legt ihm das Handwerk, kommt mit Gericht über ihn, und die Gläubigen bekommen das Reich. Manche Ausleger meinten: Ja eben, das siehst du, das muss ja die Endzeit sein, weil das bezieht sich ja auf die Endzeit. Nein, das ist ganz normale biblische Prophetie, wie das immer berichtet wird.
Die damalige Situation: Gott greift ein mit Gericht, und dann ist der Blick auf das ewige Reich. Hier wird prophetisch einfach einiges über die Geschichte überblickt, wie soll ich sagen, zusammengeschaut, zusammengezogen, und das, was wichtig ist für diese Gläubigen, das wird betont, nämlich dass sie das Reich bekommen in alle Ewigkeit. Wann es dann genau ist, wie viel Zeit verstreicht, dass die Toten unter der Erde liegen müssen, bis sie das Reich dann bekommen, steht hier nicht da. Das ist aber typisch für Prophetie.
Das ist ja bei Jesaja so, das ist bei Jeremia so, das ist bei Hesekiel so, das ist bei allen Propheten so. Wenn sie das Königreich des Messias sehen, dann sehen sie es hinter den Assyrern, sehen den Messias, hinter den Babyloniern, sehen den Messias, hinter Antiochus sehen den Messias und sein Reich. Also Gott tritt auf den Plan, übt Gericht über dieses Tier beziehungsweise über das Horn, und er richtet sein Königreich auf. Das wird hier also in verkürzter prophetischer Perspektive dargestellt.
Das Reich der Heiligen und die Bestimmung des Menschen
Vers 23. Er sagte also: Das vierte Tier, ein viertes Königreich, wird auf Erden sein, das sich von allen Königreichen unterscheiden wird.
Der Unterschied besteht darin, dass es gegen Gott selbst kämpft. Gemeint ist das seläukidische Königreich, und hier besonders Antiochus IV. und das, was er dann tun wird.
Dieses Königreich wird die ganze Erde fressen, sie zertreten und sie zermalmen. Nun, das ist tatsächlich so gewesen. Die Seläukiden haben das gesamte Reich an sich gerissen, mit Ausnahme des Reiches des Königs des Südens. Aber auch darum haben sie immer wieder gekämpft, oder? Deshalb kam der König des Nordens immer wieder in den Süden, um auch das Südreich noch einzuheimsen. Das ist ihm nie wirklich richtig gelungen. Ganz knapp war er ein paar Mal daran, aber dann ist es wieder zerfallen. Es gab also nie eine Zeit, in der das ägyptisch-ptolemäische Reich wirklich als seläukidisch galt.
Es wird die ganze Erde fressen und sie zertreten und zermalmen. Wie bei den anderen Tieren: Der Bär kam, der Löwe kam, der Bär kam und der Panther kam. Sie haben immer das vorherige Reich übernommen. Hier ist es das seläukidische Reich.
Und die zehn Hörner: Aus eben diesem Königreich werden zehn Könige aufstehen. Jetzt haben wir es. Aus diesem seläukidischen Königreich werden zehn Könige aufstehen, nacheinander natürlich. Ein Königreich wird von Königen regiert, die nacheinander regieren, nicht gleichzeitig. Also die zehn Hörner: Aus eben diesem Königreich werden zehn Könige aufstehen. Das waren dann die Könige entweder ab Antigonus oder ab Seleukos I.
Und ein anderer wird nach ihnen aufstehen, also nach ihnen, ganz klar, nicht gleichzeitig. Und dieser wird verschieden sein von den vorigen.
Übrigens fällt mir noch ein weiterer Unterschied zu Offenbarung 17 ein. In Offenbarung 17 werden sie erst Könige, wenn das Tier regiert, also erst mit dem Tier werden sie Könige. Hier sind die anderen schon längst Könige, als das elfte Horn kommt, also dieser Antiochus. Die anderen sind also schon Könige gewesen. Es ist also nicht so, wie manche meinen, dass das kleine Horn der Antichrist sei und dass, wenn der Antichrist kommt, die anderen auch ihre Macht bekommen und dann zehn plus Antichrist elf sind. Nein, die waren schon längst vorher Könige. In Offenbarung waren sie vorher nie Könige, bis dann dieses Tier kommt und sie mit ihm zusammen eine Stunde lang Macht bekommen. Das ist wieder ein Unterschied.
Und noch ein Unterschied: In der Offenbarung ist es das Tier, hier ist es das kleine Horn. Auch diesen Unterschied betont man oft nicht. In der Offenbarung sagt man: Das ist der Antichrist, das ist das Tier. In Daniel sagt man: Der Antichrist ist das kleine Horn. Ja, was ist es jetzt, das kleine Horn oder das Tier? Dann sagt man: Ja, das ist bei Daniel anders als in der Offenbarung. Also doch anders. Es ist also doch nicht dasselbe.
Es sind, wie gesagt, große Unterschiede. Und wenn wir solche Endzeitbücher lesen, dann bitte überkritisch lesen oder besser gar nicht. Besser ist es, selbst Bibelstudium zu betreiben. Damit kommt man viel weiter.
Also: Ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und dieser wird verschieden sein von den vorherigen, und er wird drei Könige erniedrigen. Darüber haben wir schon gesprochen.
Historische Einordnung von Antiochus IV. und seine Politik
Vielleicht darf ich jetzt ein bisschen näher auf diesen Antiochus eingehen, damit wir ein wenig Geschichte lernen. Was war eigentlich mit diesem Antiochus los?
Man kann das übrigens heutzutage sehr praktisch machen: Man braucht nur den Computer anzuschalten und Antiochus einzugeben. Dann kommt man zu Wikipedia, und der Herr Wikipedia erklärt alles, wer Antiochus war. Das ist alles sehr praktisch. Nun, manchmal sind es natürlich auch ein bisschen schwache Artikel, aber manchmal sind auch sehr gute Artikel dabei, das muss ich schon sagen. Es ist nicht alles schlecht im Internet, es gibt auch wirklich sachliche Artikel, die weiterhelfen.
Oder man kann ein Geschichtsbuch über die Seleukiden lesen. Es gibt genügend Bücher über die Seleukiden. Seleukiden ist ja ein sehr bekanntes Thema in der Geschichte, da kann man auch dort nachlesen. Man kann auch Josephus lesen. Josephus Flavius hat ebenfalls über die Seleukiden und über Antiochus geschrieben, im Buch Die jüdischen Altertümer. Man kann auch das Makkabäerbuch lesen.
Das Makkabäerbuch ist ja ein apokryphisches Buch, das heißt, es gehört nicht zur Bibel. Aber es sind doch jüdische Spätschriften, jüdische Geschichtsbücher, vielleicht manchmal ein bisschen jüdisch gefärbt, weil das jüdische Judentum ein bisschen verherrlicht wird. Aber im Großen und Ganzen kann man ihnen schon vertrauen, was da im Makkabäerbuch steht. Das sind also Berichte über die ganze Geschichte des Kampfes der Juden gegen Antiochus den Vierten. Gerade dieser Krieg, von dem hier beschrieben wird, wird im Makkabäerbuch beschrieben.
Also, Antiochus IV. hieß Epiphanes, der Erscheinende oder der erscheinende Gott. Er wurde im Jahr 215 vor Christus geboren. Als er also im Jahr 175 an die Regierung kam, war er schon etwa 40 Jahre alt. Gestorben ist er im Jahr 164 vor Christus. Er war der jüngste Sohn des Antiochus III. und der Laodike. Ihr kennt noch die Laodike, das war die, die das Gift genommen hat.
Laut Diodor galt Antiochus III. als der mächtigste König seiner Zeit, also der Vater. Als eine der Bedingungen des Friedens von Apameia 188 v. Chr. musste Antiochus IV. von seinem Vater als Geisel nach Rom geschickt werden. Dort lebte er 14 Jahre lang in Rom, bis er 178 v. Chr. gegen seinen Neffen Demetrius ausgetauscht wurde. Also, es ist so: Der Vater musste immer einen von seinen Söhnen nach Rom schicken als Geisel, weil die Römer sagten: Wenn du uns das Geld nicht gibst, dann kriegst du deine Kinder nicht mehr. So einfach geht das. Und dann hat er immer einen ausgetauscht. Beziehungsweise, hier war Antiochus 14 Jahre in Rom, und dann kommt Demetrios nach Rom.
Antiochus lebte danach mehrere Jahre in Athen, als er mit Hilfe der Attaliden als Gegenprätendent, als Gegenherrscher zu seinem Bruder Seleukus IV., aufgebaut wurde. Noch bevor er die Grenze zum Seleukidenreich erreichte, wurde Seleukus IV. ermordet. Antiochus konnte dadurch 175 vor Christus kampflos die Macht übernehmen, indem er sich zum Vormund seines gleichnamigen Neffen, des minderjährigen Antiochus, erklärte, dessen Mutter heiratete und den Mörder seines Bruders, Heliodorus, hinrichten ließ.
Laut Appian erhielt er von der Bevölkerung Syriens den Beinamen Epiphanes. Das habe ich schon vorgelesen. Dann hat er seinen minderjährigen Neffen getötet, im Jahr 170 vor Christus, also nach fünf Jahren Regierung.
Im Jahr 170 vor Christus war Antiochus erfolgreich in den Sechsten Syrischen Krieg gegen Ägypten verwickelt. Also, die Könige des Nordens haben wir immer wieder gegen die Könige des Südens Krieg führen sehen. Hier ist es der sechste Krieg, den unser Antiochus führte. Nach einem Sieg bei Pelusium konnte er das ganze Nildelta besetzen und Alexandria belagern. Der Sturz der beiden Könige Ptolemäus VI. und Ptolemäus VIII. und die Vereinigung Ägyptens mit Syrien schien greifbar nahe. Dies führte allerdings zu einer Intervention Roms.
Also, der hat tatsächlich einen Krieg geführt, hat die Ägypter besiegt und war jetzt drauf und dran, ganz Ägypten einzunehmen und tatsächlich das ehemalige Alexanderreich zu vereinen, also die größte Ausdehnung des Reiches zu erreichen. Und dann kommen die Römer und mischen sich ein. Die Römer waren damals schon kräftig, sie waren stark, sie waren schon im Mittelmeer die beherrschende Macht, und die Römer hatten schon Zypern unter ihrer Herrschaft. Als sie merkten, hier ist ein gefährlicher Mann, der baut ein großes Reich auf, und wir müssen hier eingreifen, denn wenn der jetzt auch noch Ägypten nimmt, dann haben wir eine Schwierigkeit. Dann haben wir einen ganzen Block, gegen den wir schwer ankommen. Die Römer wollten ja mit der Zeit alles erobern.
Und was machen sie? Auf eine demütigende und ultimative Art und Weise wurde Antiochus am sogenannten Tag von Eleusis von einem römischen Gesandten, der übrigens Lenas hieß, zum Rückzug aus Ägypten aufgefordert. Der kam mit der Flotte von Zypern her nach Alexandria. Und dort, vor Alexandria, hatte er mit der Riesenflotte gelagert. Dann ließ er Antiochus zu sich kommen. Antiochus war gerade in der Nähe von Alexandria, und er wurde zitiert: „Kommt da her.“ Antiochus kam und stellte sich dort hin und sprach mit diesen Gesandten von Rom.
Dann machte der Gesandte von Rom einen Kreis um Antiochus in den Sand und sagte: So, mein lieber Freund, hier ist ein Kreis, und du stehst hier. Und du wirst diesen Kreis nicht verlassen, bis du uns sagst, ob du kämpfen willst oder verschwinden willst. Und jetzt steht Antiochus da, sieht die Riesenflotte der Römer und muss jetzt entscheiden. Er darf niemanden fragen oder so weiter, er darf nicht einmal lange überlegen, er muss jetzt entscheiden: Krieg gegen die Römer oder Rückzug, das heißt aus Ägypten verschwinden und wieder in sein Land zurück. Nun, er hat gewusst, dass er keine Chance gegen die Römer hat, und mit großer Wut ist er dann gegangen und hat sich zurückgezogen.
Auf demütigende und ultimative Art und Weise wurde Antiochus am sogenannten Tag von Eleusis aufgefordert, um ein militärisches Eingreifen Roms, welches kurz zuvor Makedonien unterworfen hatte, abzuwenden. Antiochus musste auf diese Forderung eingehen und sich nach Syrien zurückziehen. Im Gegenzug etablierte sich damit Rom als die dominierende Macht im östlichen Mittelmeerraum.
Also, Rom wurde stärker und stärker, und Antiochus war sehr wütend. Von Alexandria zog er dann wieder zurück durch das Land Israel ins syrische, in das Seleukidenland zurück. Und als er durch Israel kam, hörte er, dass es dort Unruhen gab. Ich lese das am besten vor, um seine Herrschaft in Jerusalem zu retten.
In den Folgejahren betrieb Antiochus in der Provinz Koilesyrien, das ist in der Gegend von Palästina, eine aggressive Kulturpolitik, um die Bevölkerung des Landes zwangsweise zu hellenisieren, das heißt, die griechische Religion und die griechische Kultur anzunehmen. Im Jahr 168 v. Chr. brachte er Jerusalem wieder unter seine Kontrolle. Dort gab es Unruhen und Aufstände gegen diesen König. Um seine Herrschaft in Jerusalem zu stabilisieren, gründete Antiochus inmitten der Stadtmauern eine griechische Polis, eine griechische Stadt, und verbot den Jahwe-Kult. Er ließ den Tempel zu einer Kultstätte des Zeus umweihen.
Damit provozierte er im Jahr 168/167 den Aufstand der Hebräer unter dem Hasmonäer Mattathias, der langfristig zur Unabhängigkeit der Provinz Judäa, Galiläa und Samarien und zur Bildung eines unabhängigen jüdischen Staates führte. Das ist hier sehr kurz in Wikipedia beschrieben, in der Bibel und im Makkabäerbuch sehr, sehr lang beschrieben. Das war dieser Kampf der Makkabäer gegen die Syrer, gegen Antiochus, in diesen Jahren 168 bis 165 vor Christus, gute drei Jahre, fast dreieinhalb Jahre. So lange dauerte der Kampf, und so lange dauerte auch die Unterdrückung.
Um seine Kriegskasse zu füllen, beabsichtigte er, in der Landschaft Elymais in Persien einen Tempel, einen der Artemis geweihten Tempel, zu plündern. Damit scheiterte er jedoch am Widerstand der Einheimischen und starb auf dem Rückzug. Seine Abwesenheit von Syrien konnte Judas Makkabäus nutzen und im Jahr 165 Jerusalem erobern und den Tempel von Neuem dem hebräischen Gott weihen.
Ja, soweit. Das ist ein Artikel aus dem Computer, was ich jetzt gelesen habe. Also, das war jetzt nur sehr kurz und straff gesagt. Wir werden jetzt aber sowieso Kapitel 7 und Kapitel 8 lesen, und dann werden wir im Detail sehen, was Antiochus alles getan hat, was er den Juden alles angetan hat.
Sind jetzt noch Fragen? Kapitel 7 ist erfüllt, mit Ausnahme natürlich des ewigen Königreiches, aber ansonsten ist die Geschichte erfüllt.
Sein Tod? Ja, sein Tod war so: Er wollte ja sein Geld. Er wollte Geld haben, er war immer in Geldnot, immer wieder, weil er durch seine Politik sehr viel verschenkt hatte. Er hat sich auch die Juden gekauft. Juden und Geld, das passt immer gut zusammen. Er hatte den Juden Geld versprochen, wenn sie bereit sind, sich hellenisieren zu lassen. Das heißt, er wollte zuerst gar nicht mit Krieg arbeiten, sondern eigentlich mit Taktik.
Und es gab ja ein liberales Judentum zu der damaligen Zeit. Die Juden waren in dieser Zeit gespalten. Es gab ein paar Treue, also der geringere Teil waren die orthodoxen Juden. Und die anderen waren die liberalen Juden, die sich sowieso schon gerne an das Griechentum angeglichen haben. Es war ja alles griechisch, und da hat man die Kultur mehr und mehr übernommen, die Kultur der Griechen, und die eigene Tora, die heiligen Schriften, vergessen oder vergessen wollen. So kam es zu einem massenweisen Abfall von der jüdischen Religion, also von Gott eigentlich.
Er hat ihnen dann immer Geld gegeben. Den Leuten, die dann bereit waren, mit ihm zusammenzuarbeiten, hat er Geld gegeben. Die waren dann seine besten Leute, die gegen die anderen, gegen die orthodoxen Juden, vorzugehen hatten. Dadurch hatte er viel Geldmangel. Auch die Kriege kosteten Geld, der Krieg gegen Ägypten kostete Geld. Und dann hat er sein Heer geteilt: Einen Teil des Heeres hat er zurückgelassen, die Hälfte des Heeres ließ er in der gefährlichen Gegend, also an der Grenze bei Judäa, und den anderen Teil des Heeres hat er mitgenommen und ist nach Persien gezogen. Dort hat er in Persien diesen Tempel der Artemis berauben wollen. Es war ein ganz, ganz reicher Tempel, dort war viel Gold.
Aber die Leute waren gewarnt worden und hatten sich tatsächlich gerüstet. Sie verteidigten diesen Tempel so erfolgreich, dass er ihn nicht berauben konnte. Da war er sehr wütend und zog sich dann zurück. Aber er war auch gesundheitlich angeschlagen, nicht wegen des Krieges, sondern scheinbar soll er Magengeschwüre oder sonst etwas gehabt haben. Weil so vieles nicht so lief, wie er wollte. Und vor allem, genau in der Zeit, als er das erlebte, bekommt er eine Nachricht aus Judäa. Ein Bote kommt und sagt: Stell dir vor, unser Heer hat gegen die Minderheit der Juden verloren. Die Minderheit der Juden, die Makkabäer, haben unser Heer, praktisch die Hälfte des Heeres, in die Flucht geschlagen und haben uns die meisten Beutestücke abgenommen.
Und als er das gehört hat, wurde er total krank, also todkrank, und ist dann an dieser Krankheit auch gestorben, in den folgenden Wochen oder Monaten, also innerhalb weniger Wochen. Er ist also nicht auf dem Schlachtfeld gestorben, auch nicht getötet oder verletzt worden. Er starb an innerer Krankheit. Gott hat ihn erlegt, praktisch nicht ein Mensch, nicht durch Menschenhand ist er gestorben.
Persien, der den Ausraum wollte, das war ja eigentlich sein Krieg, oder? Ja, das war Persien. Das ist natürlich so, weil sie das Geld nicht hergeben wollten, ganz einfach. Das war ihr Geld, das war ihr Tempel, das war ein Artemistempel. Ja, aber man muss wissen: So ein Riesenreich zu beherrschen, da musst du ja ein sehr, sehr großes Heer haben, und du musst dir alles unterdrücken. Aber das konnte er gar nicht, weil das Reich so groß ist. Der hat gar nicht mitbekommen, was da in der Gegend von Indien passiert. Sein Reich reichte ja fast bis Indien. Und es ist so weit: Die haben zwar nur äußerlich noch Seleukiden geheißen, aber sie haben gemacht, was sie wollten. Er hatte nicht diese Struktur, die über das ganze Reich reichte. Das ist einfach zu groß für so einen König.
Ja, wie spät haben wir noch? Fünf Minuten. Ja, wir haben ja noch ein paar Verse, sehe ich gerade.
Das Lästerwort, die Veränderung von Zeiten und die Bedrängnis der Heiligen
Vers 25: Er wird Worte reden gegen den Höchsten, also gegen Gott. Das hat er tatsächlich getan. Er hat Gott gelästert, er hat Yahweh gelästert. Wir sind in Kapitel 7, Vers 25. Er wird Worte reden gegen den Höchsten, er wird Worte reden gegen den Höchsten, er wird Worte reden gegen den Höchsten, er wird Worte reden gegen den Höchsten, er wird Worte reden gegen den Höchsten, er wird Worte reden gegen den Höchsten, er wird Worte reden gegen den Höchsten.
Auch hier gilt: Weil in Offenbarung 13 steht, dass das Tier seinen Mund öffnete zur Lästerung gegen Gott und die Heiligen verfolgte, haben viele Ausleger gesagt, das sei dasselbe. Nein, das ist nicht dasselbe. Es gibt zwar einige Parallelen, aber es ist nicht das Gleiche.
Und die Heiligen des Höchsten aufreiben, das heißt also bedrängen, bedrücken, viele töten. Auch das hat er getan. Und er wird darauf sinnen, Zeiten und Gesetz zu ändern. Er hat es tatsächlich nicht nur vorgehabt, er hat es auch durchgesetzt. Er hat die jüdischen Zeiten, die jüdischen Festzeiten und die jüdischen Gesetze, die religiösen Gesetze, aufgehoben und in griechische Gesetze geändert. Das heißt: Die Festtage der Juden hat er abgeschafft und griechische Festtage eingeführt. Und die Gesetze der Juden, also das Gesetzbuch der Juden, hat er verboten. Eine Bibel zu besitzen war damals in Israel verboten, und wer eine Bibel hatte, wurde getötet. Jeder, der sich gegen diese Hellenisierungsbewegung des Königs aufgelehnt hat, wurde getötet.
Wenn es hier also heißt, dass er Zeiten und Gesetz geändert hat oder ändern würde, dann bedeutet das, dass er in das religiöse Leben des Gottesvolkes eingreift und neue religiöse Festzeiten einsetzt. Genauso ist es geschehen.
Übrigens lesen wir das ja dann auch in Kapitel 8, Vers 11 und 12, wenn ich das gerade vorausgreifen darf: Selbst bis zu dem Fürsten des Heeres wurde dieses Horn groß, und es nahm ihm das beständige Opfer weg, und die Stätte seines Heiligtums wurde niedergeworfen. Und ein Heer wird hingegeben werden samt dem beständigen Opfer wegen des Frevels, und er wird die Wahrheit zu Boden werfen, die Tora, das Gesetz Gottes, zu Boden werfen, und in seinem Tun Gelingen haben. Tatsächlich gelang ihm das alles.
Man kann das nachlesen im Makkabäerbuch. Kapitel 1, Vers 44. Ich habe Ihnen ja diese ersten Kapitel aus dem Makkabäerbuch herauskopiert, und Sie haben es bekommen: 1. Makkabäer 1,44. Nun schickte der König durch Boten den schriftlichen Befehl nach Jerusalem und in die Städte Judas, man solle fortan die ausländischen Satzungen und Bräuche beobachten. Die Brand- und Schlachtopfer sollten im Heiligtum wegfallen, Sabbate und Feste ungefeiert bleiben, das Heiligtum und die Heiligen solle man verunreinigen. Vers 47: Altäre, Heiligtümer und Götzentempel solle man errichten dürfen, Schweine und andere unreine Tiere schlachten, also opfern. Ihre Söhne sollten sie unbeschnitten lassen und ihr Gewissen mit jeder Art von unreinen und gräuelhaften Dingen beflecken, so dass sie das mosaische Gesetz vergessen und alle heiligen Ordnungen abschaffen. Und wer dem Gebot des Königs nicht Folge leiste, der solle den Tod erleiden.
Dann auch noch in 2. Makkabäer 6,1: Nicht lange nachher sandte der König einen alten Athener, um die Juden zu zwingen, von den väterlichen Sitten abzufallen und nicht mehr nach den Gesetzen Gottes zu leben. Vers 2: Auch sollte er den Tempel zu Jerusalem entweihen. Also hier, 2. Makkabäer 6,2, sollten sie auch haben: Er sollte auch den Tempel zu Jerusalem entweihen und ihn nach dem olympischen Zeus benennen, und ebenso den Tempel zu Garizim nach dem gastlichen Zeus, nach dem Zeus der Gastfreundschaft, wie das ja der gastfreundlichen Art der Ortsbewohner entspräche.
- Makkabäer 6,6: Und weder fand eine Sabbatfeier statt, noch die Beobachtung der herkömmlichen Feste; ja, es war sogar unstatthaft, sich äußerlich zum Judentum zu bekennen. Vers 7: Dagegen trieb man sie mit roher Gewalt alle Monate, wenn der Geburtstag des Königs gefeiert wurde, zum Opferschmaus, und bei der Feier des Bacchusfestes, des Weinfestes, sahen die Juden sich gezwungen, mit Efeu bekränzt am Festtage zu Ehren des Bacchus teilzunehmen. Das war ein Götze des Weines, der römische oder griechische Weingott zu Ehren des Bacchus.
Also hier bestätigt Makkabäer genau das, was eigentlich hier steht: dass er die jüdischen Gesetze abgeschafft hat, die Feiertage abgeschafft hat.
Er wird darauf sinnen. Sie werden in seine Hand gegeben sein, eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit. Dreieinhalb Jahre ging das. Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit ist eine ungefähre Angabe. Später wird es eine genaue Angabe, da wird es in Tagen angegeben: 1.290 Tage. Also dreieinhalb Jahre lang.
Das war die Hauptbedrängnis von dem Jahr 168 bis Mitte des Jahres 168 bis Ende des Jahres 165. Das gibt dreieinhalb Jahre. In dieser Zeit war die große Bedrängnis Israels. Große Drangsal, das ist die große Drangsal Israels unter Antiochus.
Hier wollen wir in die Pause gehen. Wollen wir noch beten vor der Pause? Und dann.

