Serie•Teil 7 / 7Maleachi
Generierte Mitschrift
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Ein neuer Anfang mit einem ernsten Text
Hier bin ich. Als ich heute, oder nicht heute, eigentlich schon in der Woche festgestellt habe, was für ein Text dran ist, dachte ich mir eigentlich schon im letzten Jahr noch, als mir klar wurde, dass die Reihe über Maleachi nicht im Dezember zu Ende geht und dass ich die erste Predigt in diesem Jahr auch noch für den Schluss von Maleachi halten muss, dachte ich mir: Super, Freund, ja.
Es gibt so Momente, wo du da stehst und dir denkst: Jetzt ist da ein neues Jahr, alle sagen frohes neues Jahr, und heute Nacht haben viele die Korken knallen lassen, andere haben andere Sachen knallen lassen. Und du denkst dir: Alle schauen also nach vorne, jeder hat schon seinen neuen Terminplan herausgeholt. Man fängt an. Also ich zumindest bin ja noch so papierbasiert. Ich muss noch Geburtstage übertragen. Meine Frau fragt mich dann immer, ob sie es tun darf.
Wir sind alle so nach vorne gewandt. Alles ist hoffnungsvoll, alles ist irgendwo neu. Ja, endlich ein neues Jahr. Alles, was wir letztes Jahr nicht geschafft haben, wollen wir jetzt endlich schaffen. Und dann kommt so Maleachi. Ich dachte mir: Oh nein, wie willst du den Schluss von Maleachi in diese ganze Wir-lassen-die-Korken-knallen-wir-sind-hoffnungsvoll-nach-vorne-gerichtet-Stimmung reinbringen? Wie passt das da rein?
Denn wer sich so ein bisschen in der Bibel auskennt, weiss, dass das Alte Testament gar nicht so positiv ausgeht. Also am Ende steht Gott nicht da und sagt: Habt ihr gut gemacht, sondern am Ende kommt dann eher so: Freunde, Daumen runter. Da müsste er schon noch eine Kohle nachlegen, wenn das gut werden soll.
Und dann, als ich den Text so durchgegangen bin, dachte ich mir: Das ist ja interessant. Es ist interessant, dass ein Text, der vordergründig etwas mit Gericht zu tun hat und eigentlich ein sehr ernster Text ist, gleichzeitig ganz, ganz viel Hoffnungsvolles enthält. Für die, die Gott kennen, ist das nicht verwunderlich. Weil es oft bei Gott so ist, dass er einen sehr ausgewogenen Charakter hat. Dass er auf der einen Seite das Böse böse nennt und das bleibt auch böse, und das Gute gut nennt und das bleibt auch gut.
Und genau diese Spannung werden wir jetzt miteinander betrachten. Wir schlagen auf Maleachi, Kapitel 3, ab Vers 13. Wer sich jetzt noch entschliesst, doch noch eine Bibel haben zu wollen, kann sich immer noch melden. Ich sehe keine Hand. Maleachi 3,13.
Und vielleicht erinnert ihr euch noch an den Anfang von Maleachi, die ihr von Anfang an bei der Reihe dabei wart. Der erste Gedanke, mit dem uns Maleachi konfrontiert, ist der, dass die Juden zu seiner Zeit, etwa 430 v. Chr., sich hinstellen und sagen: Gott hat uns nicht lieb. Das ist ein grosser Fehler, und das haben wir uns angeschaut. Hier stellen sich die gleichen Leute hin und sagen: Gott hat uns nicht nur nicht lieb, sondern es bringt auch überhaupt nichts, so mit Gott unterwegs zu sein. Es wäre eigentlich viel besser, wenn wir auf der anderen Seite stehen würden.
Schauen wir uns das mal an. Vers 13: Eure Worte sind anmassend gegen mich, spricht der Herr. Ihr aber sagt: Was reden wir gegen dich? Wir haben schon ein paar Mal miteinander darüber geschmunzelt, über dieses: Hä? Wir? So als Vater ist das etwa so, als wenn du das Zimmer aufmachst und da siehst, wie das Kind gerade so die Hand in so einer Süssigkeitsdose drin hat, wo es eigentlich nicht reingreifen darf. Und dann sagt der Vater: Hast du jetzt was Süsses gegessen? Nein, nein, nein, nein, auf keinen Fall. Das ist hier so.
Es ist ganz offensichtlich, dass das Volk völlig falsch unterwegs ist, und Gott sagt: Mann, bedenkt doch mal, wie ihr über mich redet! Dieses Wort, was hier steht, anmassende Worte, das können auch beleidigende Worte sein. Man hat einfach Gottes Charakter falsch dargestellt. Man hat Dinge über Gott gesagt, die einfach nicht stimmen. So wie wenn jemand über euch sagen würde, dass ihr klaut oder lügt oder auf euch kann man sich überhaupt nicht verlassen. Was nicht stimmt. Und so hat man aber über Gott geredet. Anmassende Worte. Man hat sich zum Richter aufgeschwungen, auf Gott herabgeschaut. Der Gott, was will ich mit dem anfangen? Und die Leute wieder: Was haben wir denn gesagt? Und weil Gott alles weiss, kriegen wir das dann mit.
Vers 14: Ihr sagt, nichts bringt es, Gott zu dienen. Und was ist der Gewinn, dass wir für seinen Dienst sorgen und dass wir in Trauer einhergehen? Das ist ein Zeichen für Busse vor dem Herrn der Heerscharen. Das ist das, was die Leute hinter dem Rücken von Gott sagen.
Äusserlich dieser Gottesdienst: Man bringt irgendwelche Opfer, nicht so wirklich das, was Gott will. Man macht irgendwas Religiöses, man geht schon mal auch in die Kirche. Man ist auch, wenn mal Weihnachten ist und so ein Beutelchen für Brot für die Welt unterwegs ist, auch bereit, ein Promille von seinem Einkommen vielleicht zu spenden oder ein bisschen weniger, je nachdem, wie viel man halt hat. Und man ist irgendwo auch nicht so grundsätzlich gegen Gott. Man möchte schon auch O du fröhliche singen und all das. Aber wenn es dann hart auf hart kommt und wenn man sich mal anschaut, wie denken die Leute wirklich über Gott, wenn man so das ganze religiöse Brimborium, wo man so hineingeboren wird, was man mitmacht, ausblendet, wenn das mal beiseite bleibt, dann fangen die Leute an und sagen: Nichts bringt es, Gott zu dienen. Und was ist der Gewinn, dass wir für seinen Dienst sorgen? Was habe ich davon, dass ich mich um Gott kümmere, dass ich mir überhaupt noch den Kopf darum mache?
Und die Leute, die das hier sagen, das sind Menschen, die das wahrscheinlich erlebt haben. Wenn es hier heisst, dass sie in Trauer einhergehen vor dem Herrn der Heerscharen, da passiert etwas in ihrem Leben, was mies läuft, und sie beten zu Gott, und irgendwie dieses Traurigsein, sie tun auch irgendetwas, um ihre Traurigkeit vor Gott zum Ausdruck zu bringen. Damals hat man ja noch so Sacktuch und Asche genommen. Würde heute keiner mehr auf den Gedanken kommen. Stellt euch das mal vor: Du nimmst einen alten Kartoffelsack, stülpst den über und dann greifst du so in die Asche. Ja, wenn du dann wirklich dreckig aussiehst, dann legst du noch so eine Leidensmine auf und gehst durch die Stadt. Was ist los mit dir? Ich tue Busse. Und, hat es was gebracht? Nee.
Und warum bringt es nichts? Weil die Leute, die das äusserlich tun, meinen, ein bisschen religiöses Getue, ein bisschen äusserlicher, halbherziger Gottesdienst, denn sie glauben, dass man damit Gott manipulieren kann. Weil im Grunde genommen denken sie, Gott funktioniert wie ein Cola-Automat. Ich schmeisse oben eine Münze rein, und dann muss es irgendwann ja, jeder von uns kennt dieses Gefühl, wenn das dann und so muss Gott sein. Und Gott sagt: Nein, was ihr denkt über mich, das ist Heidentum, das ist Magie, das ist Mechanik. Ihr meint, mich manipulieren zu können. Aber darum geht es nicht. Ich will von euch nicht Religion. Ich möchte von euch Furcht, ich möchte von euch Ehre, ich möchte von euch Liebe. Glaub nicht, dass Gott etwas tun muss, weil du deine Hände faltest, wenn dein Herz ihm nicht wirklich gehört.
Und hier ist ein ganzes Volk auf diese Weise unterwegs, und sie schauen sich ihr Leben an, und sie sagen: Das bringt doch gar nichts. Klar, Halbherzigkeit bringt nie etwas, könnte man jetzt sagen. Und hätten überlegt, wir haben ja Neujahr. Was würdest du über das letzte Jahr schreiben? Würdest du sagen, es war gut, mit Gott gelebt zu haben, es hat was gebracht? Oder würdest du sagen, es war mir eigentlich eine Nummer zu schwer?
Und wenn man das so formuliert, es war mir eigentlich eine Nummer zu schwer, ist das positiv oder ist das eigentlich negativ? Also ist Gott nur dann ein guter Gott, wenn es mir von Jahr zu Jahr ein bisschen besser geht? Ich werde ein bisschen gesünder, meine Ehe wird ein bisschen heiler, mein Bankkonto ein bisschen voller, was weiss ich. Ist Gott nur dann ein guter Gott, wenn er so lebt, wenn er so mit mir umgeht?
Und Markus wird im Februar mit euch über das Thema Gnade nachdenken, und ich darf einen Vers, wenn ich einen Vers vorneweg ziehen darf, einen Vers, der mich immer schon so ein Stückchen gepackt hat. Und nach unserem Gespräch, Markus, glaube ich, dass du ihn nicht bringen wolltest. Ich hoffe es zumindest. Ansonsten bring ihn noch mal. Er ist so gut, dass man ihn zweimal predigen kann. Weil die Frage, wenn ich sage: Im Rückblick, war das letzte Jahr eigentlich ein gnadenvolles Jahr? Kann ich zurückschauen und kann ich die Gnade Gottes in meinem Leben erkennen?
Dann sehen wir: Wir hören Gnade und wir denken immer so Dinge wie: Etwas wird leichter, gesünder, heiler, netter, vollkommener. Und dann stösst man auf einen Brief im Neuen Testament, den ersten Petrusbrief, und da heisst es in 1. Petrus 5,12: Durch Silvanus, den treuen Bruder, wie ich denke, habe ich euch mit wenigen Zeilen geschrieben und euch ermahnt und bezeugt, dass dies die wahre Gnade Gottes ist, in der ihr steht.
Schön! Also wenn du wissen willst, was ist die wahre Gnade Gottes, anscheinend Leute, die sich nicht mehr ganz sicher waren: Leben wir denn eigentlich noch als Begnadigte oder sind wir hier abgestürzt, hat Gott uns vergessen? Petrus sagt: Das ist die wahre Gnade Gottes. Und du denkst dir, jeder, der den ersten Petrusbrief schon ein bisschen kennt, muss denken: Die wahre Gnade Gottes? Ist das nicht der Brief, der anfängt mit: Darin verlockt ihr euch jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, in mancherlei Versuchungen betrübt worden sei? Ist das nicht der Anfang? Und geht das dann nicht in Kapitel 2, Vers 20 weiter mit: Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharrt, indem ihr sündigt und geschlagen werdet? Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist Gnade bei Gott? Denkst du dir: Halt, halt, halt, hier steht was von Versuchungen, von Nöten, von Ausharren, obwohl man Gutes tut. Und dann geht es weiter mit: Wenn wir geschmäht werden, sollen wir nicht zurückschmähen, wenn wir ausgeschimpft werden, nicht zurückschimpfen. Kapitel 4, Vers 1: Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so waffnet auch ihr euch mit demselben Sinn, denn wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen. Du denkst dir: Was ist denn das für eine Gnade?
Darüber wird uns Markus einiges sagen. Wenn wir von Gnade denken, dass Gnade darin besteht, dass es leichter und netter wird, dass nur dann Gott uns gnädig ist, wenn unser Leben nach unseren Massstäben gelingt, und bitte jetzt gelingt in Anführungs- und Schlusszeichen, dann haben wir nicht im Ansatz verstanden, worum es beim Christsein geht. Dann sind wir wie diese Israeliten hier, solche, die zurückblicken und sagen: Was bringt es eigentlich, was bringt es eigentlich, mit Gott zu leben? Und dann begreifen wir nicht, dass die grösste Gnade, die es in dieser Zeit gibt, darin besteht, ein Leben nachleben zu dürfen.
Petrus schreibt dazu im ersten Petrusbrief, Kapitel 2, Vers 21: Denn hierzu seid ihr berufen worden, denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fussstapfen nachfolgt. Du möchtest wissen, was die grösste Gnade ist, die es auf diesem Planeten gibt? Das klingt jetzt nicht nett, weil wir würden uns andere Dinge wünschen. Aber die grösste Gnade besteht darin, das wertvollste Leben, was je gelebt wurde, zu imitieren.
Und wenn du dir Jesu Leben anschaust, dann hat es damit zu tun, dass Gott uns ein Beispiel gibt, damit ihr seinen Fussstapfen nachfolgt, der keine Sünde getan hat, noch ist Trug in seinem Mund gefunden worden, der geschmäht nicht schmähte, leidend nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet. Im Zentrum wahrer Gnade, im Zentrum eines Lebens, das wirklich gelingt, egal wie es nach aussen aussehen mag, egal ob du reich oder arm, gesund oder krank, deine Familie desaströs oder geschlossen ist, im Zentrum wahrer Gnade steht, dass du den Fussstapfen Jesu nachfolgst.
Und da, wo du nicht mehr weiter weisst, da, wo du an deine Grenzen stösst, wie Jesus in Gethsemane, wo er sagt: Vater, alles ist dir möglich, wenn du magst, nimm diesen Kelch von mir weg, doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe. An der Stelle wird Gnade gelebt.
Und deswegen dieser Blick zurück, den man manchmal wirft: Es ist manchmal ein Blick, der eine falsche Perspektive hat. Die Perspektive nämlich hier der Israeliten: Es bringt mir nichts, mit Gott zu leben. Doch nur wenn du das, was es dir bringt, reduzierst auf Gottesmanipulation, wenn du es darauf reduzierst, zu sagen: Bin ich hübscher geworden, im Beruf aufgestiegen, habe ich irgendwas gekriegt, was ich mir immer schon gewünscht habe, bin ich immer heil geblieben? Wenn das deine Perspektive ist, dann erwartest du heute, was Gott dir erst in der Ewigkeit geben möchte. Dann bist du im Grunde deines Herzens ein Heide. Und das ist das, was wir von den Israeliten hier lernen können.
Und die Israeliten bleiben natürlich nicht da stehen, die gehen einen Schritt weiter. Die sagen: Und nun wir preisen die Frechen glücklich. Boah, ja. Die sagen: Es bringt nichts, und wer hat denn den meisten Spass im Leben, mal ganz ehrlich? Na ja, die Frechen, die gottlos leben, die sich heute nehmen, worauf sie Bock haben. Und nun wir preisen die Frechen glücklich. Sie kommen sogar noch voran, als sie gottlos handelten.
Die Idee dahinter ist: Wenn jemand sündigt, dann muss doch Gott eingreifen, dann muss er doch was tun. Tut er aber nicht. Irgendwie hat Gott viel mehr Geduld, als uns lieb ist, und lässt Dinge an Stellen laufen, wo du sagst: Wow, Kirchengeschichte ist für mich die Geschichte der Geduld Gottes. Weil manchmal Dinge, wo ich denke, wenn ich Gott wäre, ich hätte nach fünf Minuten die Auszeit genommen und hätte gesagt: Schluss. Alle vom Platz! Und Gott steht da, und oft genug wartet er einfach mal hundert Jahre, einfach mal so drei, vier Generationen. Läuft da was? Und du denkst dir: Wozu? Weil Gott Geduld hat, viel mehr als wir.
Und ich verstehe, warum die das so sagen. Sie kamen sogar noch voran, als sie gottlos handelten. Ja, sie versuchten Gott und kamen voran. Ich kann verstehen, manchmal, dass man diesen Blick hat: Gott handelt nicht. Wie kann Gott ein heiliger und gerechter Gott sein, wenn er nicht sofort gegen das Böse auf der Welt vorgeht? Und dann die Idee: Wenn ich auch ein bisschen böse bin, dann habe ich doch mehr vom Leben, oder? Wenn ein bisschen Betrug, ein bisschen die Dinge tun, von denen ich eigentlich weiss, dass Gott dagegen ist, aber die trotzdem so viel Spass machen. Ja, da muss man doch mal ehrlich sagen: Meine Sünde ist natürlich eine schlimme Sache, aber es gibt auch so Sachen, die einfach Spass machen, oder? So einfach nett sind, für eine Weile. Und sich das einfach mitnehmen.
Und ich meine jetzt gar nicht so die groben Sachen. Als ich jetzt eben so meine Gedanken durchforstete, welches Beispiel ich bringen wollte, dachte ich jetzt einfach so an Völlerei. Weil ich einfach denke, wir haben gerade so ein paar gute Tage hinter uns, mit braun gebrannten Vögeln und Christstollen und so, und denke mir: Ja, einfach mal sich da reingeben, einfach mal so best of abgreifen, schon gut. Und der Gedanke könnte hochkommen: Warum nicht wenigstens an der einen oder anderen Stelle sich mal so ein bisschen darauf einlassen, einfach mal den Weg der Frechen mitgehen? Einfach mal ignorieren, dass für Gott Ethik, Gut und Böse wirklich wichtig ist.
Ich leide, wenn ich mir die Generation meiner Kinder anschaue, ich leide vor allem darunter, dass sie diesen Blick für Gut und Böse verlieren. Und das Drama dabei ist, dass Gott diesen Blick nie verloren hat. Viele junge Christen leben eigentlich nach dieser Devise hier: Ich preise die Frechen glücklich. Eigentlich haben die anderen doch Recht. Die nehmen sich, was weiss ich, vor der Ehe, worauf sie Lust haben. Die müssen nicht warten. Die können sofort einen Ehepartner haben, suchen sich keinen Christen. Die lügen dem Lehrer mitten ins Gesicht. Die schreiben ab, die haben den Spickzettel, der Lehrer ist einfach zu blöd, um es zu merken. Die haben doch eigentlich Recht. Ich habe immer drei Punkte weniger. Na, ist doch so.
Der Gedanke, die Frechen sind die Glücklicheren, die Frechen machen es eigentlich richtig, ist ein Gedanke, der so nahe liegt, weil die Langmut Gottes, dass Gott wartet, das lässt ja förmlich diesen Schluss zu: Gott muss doch ein bisschen so sich geändert haben. Früher gab es noch, ja, früher passierte noch was. Da wurde wenigstens noch mal gedonnert. Oder war so ein Blitz, da fiel auch schon mal einer tot um. Ja, aber heute, Mann, da passiert doch nichts mehr.
Und die Gefahr, dass wir zurückschauen, unser Leben beurteilen wie Heiden und dass wir anfangen, darüber nachzudenken, ob wir nicht auch ein bisschen Glück verdient haben, dass wir nicht an der einen oder anderen Stelle so ein bisschen von den Fussstapfen Jesu abweichen, der keine Sünde getan hat, noch ist Trug in seinem Mund gefunden worden, und doch so ein bisschen Sünde tun, nur so ein kleines bisschen, nicht die grossen Sachen, die kleinen, die kleinen Netten, wo man auch leicht sagen kann: Herr, vergib mir, weil es nicht so schlimm war, wo Busse auch leicht fällt, wo es keiner mitkriegt und was trotzdem Spass macht, weil in seinem Herzen der Gedanke aufkommt: Die Frechen haben eigentlich Recht. Eigentlich bringt es nichts, Gott zu dienen.
Und wenn das in unserem Herzen da ist, dieser Gedanke, dann müssen wir etwas ganz Wichtiges lernen. Wir müssen lernen, dass Gott alles weiss, alles kennt und dass für ihn Ethik, rechtes Verhalten, Gut und Böse genau so wichtig ist, genau so eine Rolle spielt, damals wie heute.
Vers 16: Da redeten die miteinander, die den Herrn fürchteten. Also es gibt solche Leute, die in einer Beziehung mit Gott leben und die es zulassen, dass die Schwierigkeiten ihres Lebens ihre Beziehung zu Gott gefestigt haben. Wenn du zurückschaust auf das letzte Jahr und sagst: Mein letztes Jahr war schwierig. Ich persönlich tue das. Ich tue es, weil ich im letzten Jahr einfach zu viel Zeugs gemacht habe, zu schnell unterwegs war, mich zu oft mit meiner Frau gestritten habe, an manchen Stellen einfach murzgelebt habe. Ich schaue auf ein Jahr zurück, wo ich sage: Das davor war besser. Ja, wenn ich 2010 mit 2011 vergleiche, ist das für mich ein Minus.
Aber Schwierigkeiten, Probleme haben immer zwei Seiten. Die eine Seite ist, dass eine Beziehung durch Schwierigkeiten vertieft wird, weil es mich ins Gebet hineintreibt, weil ich Verständnis für mein Gegenüber entwickle und weil ich Hilfe bekomme oder anderen Hilfe leiste. Schwierigkeiten können Beziehungen tiefer machen oder aber Schwierigkeiten können mich vertreiben. Das gilt für Freundschaften, für die Ehe, das gilt für die Beziehung mit Gott. Wenn ich in Schwierigkeiten hineinkomme, wenn Dinge passieren, die ich nicht verstehe, wo ich den Eindruck habe, hier sind Dinge schlecht gelaufen, weil ich vielleicht daran schuld bin oder weil die Umstände daran schuld sind, ist es egal, woher das kommt. Dann habe ich immer auch die Chance, dass ich aufhöre zu beten, mich zurückziehe, keine Hilfe annehme, dass ich erleben muss, wie Menschen mir wehtun. Schwierigkeiten können Beziehungen zerstören oder Beziehungen festigen. Und es ist unsere Frage, wie wir damit umgehen.
Die Israeliten haben sich entschieden zu sagen: Es wird schwierig, also klage ich Gott an und fange an, schlecht über Gott zu reden. Und dadurch wird es natürlich nie besser, weil wir nicht tiefer in die Beziehung mit Gott hineinkommen, sondern immer weiter rausgehen. Wer Gott anklagt, wer anmassend über Gott redet, wird nie eine tiefe Beziehung mit Gott erleben. Im Blick auf die Ehe ist es völlig klar, alle Solos mögen mir das jetzt verzeihen, ja, aber wenn ich in einer schwierigen Situation da, wo es mit meiner Frau in der Ehe nicht klappt, wenn ich an dieser Stelle nicht die Nähe suche, sondern mich distanziere, dann wird das Problem immer grösser und nie kleiner. Und dasselbe gilt für Gott.
Dieses Volk, was Gott anfängt anzuklagen, hinter seinem Rücken schlecht über ihn zu reden, sich eine neue Theologie zurechtbastelt, wo Gott ein ungerechter Tyrann ist, dieses Volk hat keine Chance, in eine tiefe Beziehung mit Gott hineinzukommen. Und es ist so falsch. Es ist deshalb so falsch, weil, wenn wir uns Gott genau anschauen, Gott einer ist, der alles kennt und alles weiss.
Also schauen wir uns an. Vers 16: Da redeten die miteinander, die den Herrn fürchteten. Es gibt sie, die in den gleichen Lebensumständen leben und sich nicht von Gott verabschieden, sondern in die Beziehung hineintreiben lassen. Und der Herr merkte auf und hörte, und ein Buch der Erinnerung wurde vor ihm geschrieben für die, die den Herrn fürchten und seinen Namen achten.
Das ist bitte ein Bild. Ich muss das ab und zu mal sagen: Es gibt verschiedene Bücher in der Bibel, und sie sind immer ein Bild. Also wenn ich ein Buch habe, besseres Beispiel: Wir haben einen Zettel in der Küche, da schreibt jeder drauf, was eingekauft werden soll. Warum? Damit man, wenn man einkaufen geht, etwas hat, wo man nachlesen kann. Gott schreibt auch sowas. Gott hat verschiedene Bücher, die er schreibt, und so wie der Zettel dafür steht, dass ich mich an etwas erinnere, so steht das Buch in der Bibel als ein Bild dafür, dass Gott etwas weiss, dass Gott sich an etwas erinnert.
Und hier: Ein Buch der Erinnerung wurde vor ihm geschrieben für die, die den Herrn fürchten und seinen Namen achten. Gott weiss, wie es dir geht, wenn du so ein Gerechter bist. Gott weiss, dass in diesem Leben die Gerechten vieles durchmachen, vieles durchmachen, was ihnen wehtut, vielleicht sogar mehr durchmachen als die Ungerechten, dass gerade weil wir mit Gott leben wollen, uns manches nicht so leicht fällt, weil wir an der einen oder anderen Stelle tatsächlich einstecken müssen. Aber vor Gott ist das alles aufgeschrieben. Gott weiss das.
Ich nehme nochmal das Beispiel mit dem Abschreiben. Ich finde das so ein schönes Beispiel. Du schreibst nicht ab, und ja, du kriegst eine Note schlechter, und du weisst, der Blick auf den Nachbarzettel hätte mir eine Note mehr gebracht, und du sagst: Nein, das will ich nicht. Du hast es womöglich gelernt und du hast es in dem Moment vergessen, das ist das Fieseste. Du wusstest es gestern noch, du weisst noch, wo es in deinem Ordner steht, aber du schaust nicht auf den Nachbarn, du tust es einfach nicht, weil du mehr Furcht vor Gott als vor irgendwas anderem hast. Ich will Gott mehr gefallen. Du tust es nicht. Gott weiss das, Gott sieht das, Gott sieht die Einschränkungen, mit denen wir leben.
Und dann heisst es in Vers 17, und es geht immer noch um die Gerechten: Und sie werden mir, spricht der Herr der Heerscharen, zum Eigentum sein, an dem Tag, den ich machen werde, und ich werde sie schonen, wie ein Mann seinen Sohn schont, der ihm dient.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt hier. Die Bibel betont, dass es einen Tag des Gerichts geben wird. Es ist der Tag, den Gott machen wird, dieser besondere Tag. Es ist der Tag, an dem Gott alles Böse und Unheilige, alles Frevlerische und Kaputte, da wo Menschen sich gegen ihn vergangen haben, das rausholen wird und sagen wird: Jetzt schauen wir uns dein Leben an, jeden Gedanken, jedes Wort, jede Tat. Jetzt schauen wir uns deine Pseudo-Religiosität an. Jetzt schauen wir mal, wie es dir wirklich innerlich geht.
Und Gott verspricht, dass in diesem Gericht die, die ihn hier fürchten, die hier nach seinen moralischen Massstäben leben, dass er sie schonen wird, wie ein Mann seinen Sohn schont, der ihm dient. Damit ist gemeint, der in ungetrübter Gemeinschaft mit ihm lebt, der also mit ihm noch zusammenarbeitet, wo es noch stimmt zwischen ihm und seinem Vater. Gott wird die Gerechten schonen. Warum? Weil sie so gerecht sind? Ja, so nach dem Motto: Ich habe nie abgeschrieben, deswegen muss ich in den Himmel. Wäre doch ein Deal, ne? Stell dir vor, du hast eine Ewigkeit im Glück für nie abschreiben. Nee, das ist es nicht.
Warum ist es das nicht? Wir kennen das Geheimnis aus dem Neuen Testament, da kommt das noch klarer raus. Wir kommen nicht deshalb am Gericht vorbei, weil wir so viel besser sind als die anderen. Wir kommen am Gericht vorbei, weil ein anderer für uns an einem Kreuz schon bezahlt und die Strafe getragen hat. Deswegen kommen wir vorbei. Der Gerechte ist in der Bibel der Gläubige, und der Gläubige ist gerecht. Der Gerechte ist deshalb der Gläubige, weil er nur deshalb gerecht sein kann, weil im Zentrum dieser Jägergerechtigkeit Gott selber steht und es ihm viel mehr um die Person dahinter geht als um das, was die Person will, weil es ihm um die Beziehung geht. Und der Gläubige ist immer der Gerechte, einfach deshalb, weil wenn ich glaube, wenn ich Gott vertraue, wenn ich ihn ehre und fürchte und liebe, dann möchte ich einfach das tun, was ihm gefällt.
So, und im Blick auf diese Typen, die nicht nur nach aussen hin ein bisschen, sondern ehrlich in ihrem Herzen gerecht sind, im Blick auf die sagt Maleachi, dass Gott sie schonen wird, dass das Gericht an ihnen vorbeiziehen wird. Und deswegen, wenn jemand sich hinstellt und sagt, es ist doch eigentlich total cool, so ein bisschen frech zu sein, dann ist es total uncool, weil du hast nicht zu Ende gedacht. Du siehst nicht, worauf derjenige zuläuft. Ja, es ist ja süss, dass er heute abgeschrieben hat und morgen vielleicht einen kleinen Versicherungsbetrug und übermorgen, was weiss ich, was ihm einfällt. Es ist ja süss, dass das dreissig, vierzig, fünfzig, siebzig Jahre geklappt hat. Und dann? Und dann? Dann kommt Gott und sagt: Jetzt schauen wir uns mal dein Leben an.
Und an diesem Tag des Gerichts, Vers 18, da heisst es: Und ihr werdet wieder den Unterschied sehen. Ganz interessanter Punkt. In der Geschichte Israels gibt es ganz oft diesen Unterschied zwischen den Gerechten und den Ungerechten. Sie hätten das viel früher wissen können. Und ihr werdet wieder den Unterschied sehen zwischen dem Gerechten und dem Ungerechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.
Wenn du es heute nicht siehst, wenn du sagst: Was bringt es denn? Es wird einen Tag geben. Und ich weiss nicht, ob ihr manchmal über den Tag des Gerichts nachdenkt. Man kann ihn so ewig weit wegschieben, man kann sagen, damit habe ich nichts zu tun, weil der Herr Jesus hat für mich bezahlt, game over. Aber jetzt geh mal in diesen Gedanken rein, jetzt stell dir das mal vor, dass Gericht wirklich Gericht ist, dass vor einem grossen weissen Thron Gott einen nach dem anderen sich vornimmt und mit ihm durch sein Leben zieht. Hast du gelogen, hast du gestohlen, hast du gesegnet, bist du einer, der sich an mir gefreut hat, der keine anderen Götter hatte neben mir, dem die Ehe heilig war, der seine Kinder erzogen hat auf eine gute Weise, der fleissig war, der sein Meinreich gebraucht hat? Gott geht durch!
Und das könnt ihr nachlesen, Offenbarung 20. Da werden auch Bücher aufgetan. Und Gott erinnert sich an alles. Und jetzt stell dir vor, du stehst auf der einen Seite, und auf der anderen Seite findet dieses Gericht statt, und du siehst diese langen Schlangen von Menschen, die da stehen und die natürlich vielleicht für einige Zeit, wir geben dir alle Zeit, die du brauchst, diese Leute, die für einige Zeit einen Plus hatten, am Hebel der Macht sassen, sich genommen hatten, was sie wollten. Und da siehst du sie da mit schreckensgeweiteten Augen, und sie müssen erkennen, dass nicht die kleinste Tat unter den Tisch fällt, und sie stellen sich diese Frage: Wie kommen wir hier raus?
Und da siehst du die Verzweiflung in ihren Augen, den Horror, zu wissen: Ich bin auf der falschen Seite. Zu wissen: Ich stehe wirklich vor einem lebendigen Gott, vor einem Gott, der wirklich Gut und Böse voneinander trennt. Vor einem Gott, der wirklich richtet, nicht so einem Pappmaché-Gott, der in einem Krippenspiel an Heiligabend besungen wird und den keiner ernst nimmt, den man benutzt, um daraus ein riesiges Konsumfest zu gestalten. Du hast wirklich einen Gott, wo, wenn Menschen ihm begegnen, einfach durch die schiere Konfrontation mit wahrer Heiligkeit sie ganz klein werden, wenn sie diese ganze Verkommenheit spüren können an ihrem Körper. Sie vergehen förmlich vor diesem Gott.
Und du siehst, wie Tausende und Millionen ins Gericht gehen, und du stehst auf der anderen Seite. Ich weiss nicht, wie es euch geht, wenn ihr so Situationen erlebt, wo du merkst: Das war ganz schön knapp. Ich hätte vor kurzem beinahe jemanden überfahren. Der war schwarz gekleidet und ging unbedacht einfach auf die Strasse, auf der linken Spur, und ich wollte gerade rüberziehen, nachts hier vorne, Falkenseer Chaussee. Und du rauscht an dieser Silhouette vorbei, weisst du ja, und du denkst dir: Boah, hätte ich fünf Meter vorher angefangen rüberzuziehen, ich hätte ihn voll mitgenommen mit fünfzig Sachen, bam! Dieses Gefühl: Gerade noch ist es nicht passiert. Das ist das Gefühl, nur multipliziert wahrscheinlich mit Faktor tausend, wenn du da stehst und sagst: Boah, das ist ja wirklich wahr.
Wir verdrängen ja Gericht. Wir verdrängen diesen Gedanken, dass Gott ein Richter sein könnte, aber Maleachi schreibt: Ihr werdet wieder den Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Ungerechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient, sehen. Ihr werdet ihn wiedersehen. Es wird passieren.
Vers 19: Denn siehe, der Tag kommt, der wie ein Ofen brennt. Da werden alle Frechen und alle, die gottlos handeln, Strohstoppeln sein. Meiner Jugend habe ich viel Kartoffelfeuer miterlebt. Da schmeisst man die ganzen Stoppeln und dann schmeisst man die Kartoffeln mit rein, und dann Erntefest. Das wird hier sein. Sie werden wie Strohstoppeln sein, und der kommende Tag wird sie verbrennen. Es gibt keine Zukunft für die Frechen, spricht der Herr der Heerscharen, so dass er ihnen weder Wurzel noch Zweig übrig lässt.
Es gibt keine Zukunft. Hier ist das Bild von der Pflanze. Von den meisten Pflanzen, wenn noch ein Stückchen was übrig ist, dann kann man das wieder ins Wasser stellen, und dann treibt das wieder unten Wurzeln aus. Manchmal brauchst du nur so einen kleinen Schnipsel. Meine Frau hat das früher gerne gemacht, jetzt hat es sich ein bisschen gegeben, wenn man so unterwegs ist und so ein Blümchen sieht, wo man sagt: Oh, das hätte ich auch gerne. Kann ich mir hier einen Ableger abschneiden? Dann machst du so ein Ablegerchen ab, packst ihn zuhause ins Wasser, und dann hast du wieder was. Da gibt es eine Zukunft, wenn Wurzel und Zweig übrig bleiben, da kann wieder was wachsen. Aber das ist nicht bei den Frechen. Da ist einfach vorbei.
Aber, Vers 20, und das ist das Aber, es ist ein wunderschönes Aber: Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, jetzt dann alle die, die ehrlich sagen: Ich bin gläubig, ich fürchte Gott, nicht auf so eine pseudo-religiöse halbe Weise, sondern ehrlich, wenn ich in mein Herz hineinschaue, ich fürchte Gott. Diese Gottesfurcht, wie die Bibel sie beschreibt, diese Mischung aus: Ich kenne ihn, ich liebe ihn und ich will so leben, wie er sich das wünscht. Dieses Dreigestirn bildet eigentlich Gottesfurcht in der Bibel ab.
Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen. Ich mag diese Bilder, die Sonne der Gerechtigkeit. Damit ist gemeint, dass meine Gerechtigkeit wie die Sonne scheinen wird. Das ist jetzt ein komisches Bild. Hm, wie erklärt man das? Also Sonne ist einfach hell. So richtig hell. So, ja, jetzt habe ich es.
Stell dir vor, du liegst unter einer Sonnenliege, ne, Sonnenliege, uv, ja, und wenn man jemals in so ein Studio geht, so ein Sonnenstudio, ja, da heisst es dann immer: Ziehen Sie sich aus, in fünf Minuten geht es los. Und dann liegst du da manchmal, und es tut sich noch nichts. Du bist schon ausgezogen, hast dich da hingelegt, und irgendwann hörst du so einen Klick und weisst eigentlich, die Maschine geht an. Und dann gehen die einzelnen Leuchtstoffröhren los, und es wird eigentlich immer heller, klick, klick, klick, klick, klick, klick, und irgendwann liegst du im gleißenden Licht. Und das ist das, was hier beschrieben wird.
Das ist unsere Gerechtigkeit. Wir kommen an einer Stelle an, wo wir reingehen, eigentlich nicht als die, die wirklich gerecht sind. Ich hoffe, dass wir uns nicht einbilden, irgendeiner von uns sei gerecht. Wir gehen rein als die, die beschmutzt sind, die einfach nur deshalb gerecht sind, weil Jesus unsere Gerechtigkeit geworden ist. Er hat unsere Schuld getragen, wir bekommen seine Gerechtigkeit geschenkt. Nur heute sehe ich noch nicht so viel davon. Samuel hat da schön gebetet, ja, die innewohnende Sünde, ja, ich latsch durch diese Welt und denke mir: Super, und jetzt schon wieder ein blöder Gedanke und schon wieder ein blödes Wort und schon wieder irgendwas. Und ich ärgere mich darüber.
Aber es kommt der Moment, wo das alles hinter uns liegt und das, was wir wirklich sind in Gottes Augen, gerechte, reine, heilige Menschen, wo das mit einem Mal angeklickt wird, so ein bisschen wie gestern Abend. Das machst du diesen Wuuuuh, bam! Ja, und dieses Bam, das ist, wenn wir in der Ewigkeit ankommen, da macht es einmal so richtig Bam! Nun denkst du dir: Boah, wer bin ich eigentlich, das wusste ich ja gar nicht. Stimmt, weil man es heute noch nicht sehen kann, weil es ein Heute und ein Morgen gibt und das Morgen in der Gegenwart Gottes einfach so ganz anders ist.
Dann wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und Heilung ist unter ihren Flügeln. Ich weiss nicht, ob ihr diesen Vers mögen werdet, weil es geht dann weiter: Und ihr werdet hinausgehen und umherspringen wie Mastkälber. Das ist nicht so das schöne Bild. Stell dir vor, du hast so einen kleinen Kuhtriebtäter, so eine kleine Kuh, die einfach immer gewachsen ist, im Stall drinsteht, die sich bewegen will, so einen kleinen Energiebolzen. Und dann darf die das erste Mal raus auf die Weide, das erste Mal Sonnenlicht, und die kommt da raus aus ihrem engen Käfig und hat diese gebündelte Energie und springt ab, ab, ab, ab, ab. Dieses Bild purer Freude, purer Lebenslust, das ist das Bild, was Maleachi verwendet, um unseren Übergang zu beschreiben, rein in die Ewigkeit.
Und warum? Heilung ist unter ihren Flügeln. Und das ist ganz wichtig: Erwarte nicht zu viel Heilung auf dieser Erde. Das Gegenteil von Heilung in der Bibel ist Krankheit, emotionale Verletzung, Unglück, Angst. Wer dieses Skript hat, kann das nachlesen, wo die Stellen dazu sind: Krankheit, Unglück, emotionale Verletzung, Angst. Und oft schauen wir auf das letzte Jahr zurück und denken uns: Ja, das war alles da. Und wir wünschten uns, es wäre anders. Ich wünsche mir das, ganz ehrlich. Ich wünsche mir ein Jahr, wo ich mal sagen könnte, es wäre besser. Keine Angst, kein Zahnarztbesuch. Kein Knatsch mit meiner Frau, an dem ich schuld bin. Weisheit bis zum Abwinken im Umgang mit allen Menschen. Und du sagst dir: Wann kommt das? Wann ist dieser Punkt erreicht, wo wir das geniessen dürfen?
Die Antwort lautet: Wenn wir in die Gegenwart Gottes treten. Am Tag des Gerichts für die Frechen wird uns das hier zuteil, wir werden Heilung erfahren, umfassende Heilung. Und deswegen lasst uns das letzte Jahr nicht danach beurteilen, wie es uns ging. Erwarte nicht zu viel von dieser Heilung auf dieser Erde, du wirst sie nicht kriegen. Aber es kommt eine Zeit, wo die unter uns, die Schmerzen hatten, traurig waren, gelitten haben, wo sie zurückblicken und sagen: Vergangenheit hat nichts mehr mit meiner Gegenwart zu tun.
Das Kennzeichen von einem neuen Himmel und einer neuen Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt, ist, dass Thomas sich mit seiner Frau wiedersehen kann und dass das, was sie jetzt trennt, weggenommen sein wird in einer Weise, wo beide nicht im Ansatz begreifen können, mit welcher Herrlichkeit sie einander wieder begegnen werden. Es wird kein Geschrei, keine Trauer, kein Unrecht, es wird nichts mehr davon geben. Und ich weiss, wir werden da reingehen. Wenn wir nicht in Deutschland leben würden, wo es uns so unglaublich gut geht, dass wir auf diesen Trick des Teufels reinfallen, zu glauben, es müsste uns jedes Jahr besser gehen, dann würden wir das viel mehr begreifen. Aber selbst wir werden jubeln.
Vers 21: Und ihr werdet die Gottlosen zertreten. Es geht hier nicht um Rache, es geht darum, dass die Gottlosen einfach völlig der Wertlosigkeit anheimfallen, denn sie werden wie Asche sein unter euren Fusssohlen an dem Tag, den ich machen werde, spricht der Herr der Heerscharen.
Und was müssen wir tun, damit wir diese Perspektive ins nächste Jahr hineinretten? Es kann nicht viel. Haltet im Gedächtnis das Gesetz meines Knechtes Mose, dem ich am Horeb oder Sinai, das ist der Berg, wo Gott seinem Volk begegnet ist, für ganz Israel Ordnungen und Rechtsbestimmungen geboten habe.
Du möchtest diesen Weg zu Ende gehen? Ich kann dir nur einen ganz simplen Tipp geben. Er ist wirklich so simpel, wie man es sich nur denken kann: Weniger Facebook, mehr Bibel. Weniger Arbeiten, mehr Bibel. Also nicht jeder in meinem Face, weniger Hobby, mehr Bibel. Nicht nur Bibel, aber von dem weniger, wovon du zu viel hast, damit genug Zeit bleibt, um Gott und seine Ordnung kennenzulernen. Warum? Weil dieses gute und böse Ding tatsächlich für Gott wichtig ist. Ganz simpel, es ist nicht kompliziert. Leben ist nie kompliziert.
Und in der damaligen Zeit, 430 v. Chr., gibt es jetzt eine Verheissung: Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des Herrn kommt, der grosse und furchtbare. Jesus wird die Frage beantworten, wer das ist, und er wird uns sagen, es ist Johannes der Täufer. 430 Jahre später etwa kommt Johannes der Täufer, er wird geboren, und er wird Vers 24 das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.
Relativ simpel, was hier steht. Da kommt der grösste aller alttestamentlichen Propheten und bringt Familien wieder in Ordnung. Und du denkst dir: Warum denn bitteschön? Das Herz der Väter wird zu den Söhnen umkehren und das Herz der Söhne zu den Vätern. Familienbeziehungen, die gecrusht sind, gehen wieder zusammen, die haben dich wieder lieb.
Wichtig dabei ist, dass wir, weil Johannes der Täufer ja schon zweitausend Jahre passé ist, insofern ist er nicht mehr unser Johannes der Täufer, wir warten nicht mehr auf ihn, aber das Prinzip bleibt das Gleiche: Wo Gott kommt und wo Gott in das Leben hineinspricht, da fängt er nicht an, den Weltfrieden zu bringen, sondern dann nimmt er dich bei der Hand und sagt: Sag mal, wen hast du, den du nicht magst, ganz dicht dran? Fangen wir mal an mit Papa, mit Mama, Kinder, Arbeitskollegen, wo ist jemand, den du nicht magst? Und da fängst du an.
Busse, echte Umkehr zu Gott, echte Gottesfurcht wird dort sichtbar, wo in unserem engsten Umfeld wir das leben, was Gott sich wünscht. Und lasst uns nie auf den Gedanken kommen, wir machen erst mal Gemeinde bauen, wenn wir damit fertig sind, missionieren wir die ganze Welt, bevor wir an unsere eigene Familie rangehen. Lasst uns das bitte nicht tun. Ich weiss, es ist so anstrengend, andersrum zu leben. Dieses im engsten Umkreis lieb sein und mit seiner eigenen Lieblosigkeit konfrontiert werden und dann zu sagen: Und jetzt bin ich noch mal lieb. Wisst ihr, wir brauchen diesen ehrlichen Blick auf uns selber, dass wir es nicht schaffen zu lieben, damit wir uns vor Gott demütigen und ihn bitten, dass er uns hilft. Und es ist so viel leichter, irgendwo in der Welt unterwegs zu sein und irgendwo was zu machen, mit wem auch immer, und ein Stinkstiefel zu sein im Umgang mit den Leuten, mit denen wir eigentlich tagtäglich zu tun haben. Lasst uns das nicht tun!
Und dann heisst es hier: Wenn sie auf Johannes hören, dann wird Gott nicht kommen und das Land mit dem Bann schlagen. Ihr kennt die Geschichte: Sie haben nicht gehört. Johannes ist gekommen, Johannes ist gegangen, sie haben den Messias gekreuzigt, und das Drama ist: Dieser Bann, dieser Fluch trifft sie. Und wie es in 5. Mose 28 heisst, wo Gott sagt: Ihr werdet zurück nach Ägypten gehen, wo ich euch befreit habe, siebzig nach Christus wird Jerusalem eingenommen. Josephus Flavius schreibt davon, dass siebenundneunzigtausend Kriegsgefangene verkauft werden als Sklaven, die meisten davon nach Ägypten. Auf dem Sklavenmarkt von Alexandria werden so viele angeboten, dass sie keine haben will. Wort für Wort erfüllt sich 5. Mose 28,68 ungefähr tausendfünfhundert Jahre später. Und das ist der Gott, mit dem wir es zu tun haben.
Und ich möchte euch zum Schluss einfach fünf Punkte mitgeben, angerissen nur aus Spiegelstrich, damit ihr irgendwas habt, was ihr festhalten könnt, warum dieser Text für mich ein total hoffnungsvoller Text ist, warum ich sage: Okay, über Gericht an Neujahr zu predigen ist vielleicht nicht der Hit, aber es ist toll.
Erstens: Gott vergisst dich nicht. Ist das nicht schön? Dieses Buchding. Gott vergisst dich nicht, egal wie du dich gerade fühlst. Gott kennt dein Herz. Wenn du niedergeschlagen bist, wenn du fröhlich bist, wenn du so ein bisschen gemischt bist, was wir meistens sind: Gott vergisst dich nicht.
Zweitens: Es mag sein, dass die Gerechten manchmal den Kürzeren ziehen, durch schwere Zeiten gehen, aber sie werden am Schluss als Sieger dastehen. Das müssen wir einfach festhalten.
Drittens: Wenn du jetzt desillusioniert bist, geschunden, mutlos, geplagt, ängstlich, krank, darf ich dir eine Hoffnung mitgeben? Es kommt ein Moment, wo du Mastkalb sein wirst. Die Mastkalb-Hoffnung. Vielleicht sollte ich mir ein T-Shirt machen mit Mastkalb-Hoffnung. Es kommt der Moment, wo all das passé ist, wo du sagst: Okay, das war wirklich ein schwerer Weg. Und wir sind noch auf der Sonnenseite des Christentums. Nicht, dass wir uns da täuschen: Es gibt Leute, die für ihr Christsein in Arbeitslagern sind, jeden Tag verfolgt werden, entführt werden und, und, und. Wir sind auf der Sonnenseite. Das mag uns nicht klar sein, aber es ist so. Aber auch für uns kommt dieser Moment, weil Last ist ja immer Last. Man kann ja nicht sagen: Mir geht es nicht so schlecht wie ... und deswegen geht es mir besser. Es geht mir ja trotzdem schlecht. Also, es kommt der Tag, nicht vergessen.
Viertens: Gott wünscht sich für jede Familie diesen Frieden. Denn wo wir eine Hoffnung hin haben, er wünscht sich, dass wir das heute schon geben. Also da, wo wir heute eine Chance haben, diesen Frieden zu leben, lasst es uns anpacken.
Und der letzte Punkt: Johannes der Täufer wird verheissen und er kommt. Da, wo Gott Zusagen macht, auch wenn das ein bisschen dauert, bis das dann kommt, dürfen wir ganz zuversichtlich sein, dass er sie einlöst.
Und ich dachte dann so: Ach, das ist doch ganz mutmachend so für 2011. Und ich hoffe, dass euch das auch etwas gebracht hat. Das war Maleachi. Vielen Dank, dass ihr zugehört habt. Es wurde einen Tick länger, vergebt mir das. Dafür ist das Buch vorbei, und wir werden nächste Woche etwas ganz anderes dann machen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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