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Vom klugen Verwalter – Teil 1

Jesu Leben und Lehre, Teil 577/697
27.05.2025Lukas 16,1-7
SERIE - Teil 577 / 697Jesu Leben und Lehre

Einführung in das Gleichnis und seine Bedeutung für die Jünger

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 576: Vom klugen Verwalter, Teil I.

Eben noch sprach der Herr Jesus zu den Pharisäern und den Schriftgelehrten. Jetzt wendet er sich seinen Jüngern zu. Inhaltlich geht es interessanterweise immer noch um das Thema Evangelisation, jedoch diesmal nicht aus der fragenden Perspektive der Jesuskritiker, sondern als Ansporn für die Jünger.

Was will der Herr Jesus? Die Jünger sollen verstehen, dass ihr Leben im Hier und Jetzt noch nicht das wahre Leben ist, das Gott für sie vorgesehen hat. Ihr eigentliches Leben kommt erst noch.

Jetzt sind wir Verwalter und haben einen Auftrag zu erfüllen. Wir blicken auf die Ewigkeit. Nach unserem Tod aber erhalten wir das Leben, nach dem wir uns schon immer gesehnt haben – das Leben, für das wir eigentlich gemacht sind.

Das Gleichnis vom Verwalter: Ausgangssituation und Charakterzeichnung

 Lukas 16,1: Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte, und dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwände er seine Habe.

Von den vielen Gleichnissen, die der Herr Jesus erzählt, ist dieses hier eines der merkwürdigsten – einfach was das Setting angeht.

Im Zentrum dieses Gleichnisses steht nämlich ein Verwalter, der gleichzeitig ein bisschen unfähig und ein bisschen verschlagen ist. Und doch ist dieser Verwalter die Person, die Jesus seinen Jüngern als Vorbild hinstellt. Sie und wir sollen von ihm etwas lernen. Schauen wir uns an, was das ist.

 Lukas 16,1: Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte, und dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwände er sein Habe.

Wir haben es mit einem reichen Mann zu tun, der einen Verwalter hat. Der Verwalter macht seinen Job nicht gut. Jedenfalls gibt es Leute, die ihn bei seinem Chef anschwärzen. Dieser wurde angeklagt, als verschwände er sein Habe. Und irgendetwas scheint da auch dran gewesen zu sein, denn der Herr schmeißt seinen Verwalter raus.

Die Entlassung des Verwalters und seine Reaktion

 Lukas 16,2: Und er rief ihn und sprach zu ihm: Was ist das, was ich von dir höre? Lege die Rechnung deiner Verwaltung ab, denn du wirst nicht mehr Verwalter sein können.

Zwei Dinge sind hier interessant. Erstens: Der Verwalter kann Rechnung ablegen, das heißt, er kann die Zahlen offenlegen. Seine Buchführung scheint in Ordnung zu sein. Er ist also weniger ein Betrüger als vielmehr jemand, der im Umgang mit Geld nicht geschickt ist. Es handelt sich eher um Missmanagement als um bewusste Veruntreuung. Er ist eher jemand, der schlampig wirtschaftet, es aber nicht bewusst darauf anlegt, sich selbst zu bereichern.

Der zweite Punkt: Der Verwalter verteidigt sich nicht. Wir dürfen also davon ausgehen, dass er weiß, dass er es verbockt hat. Er weiß, dass eine Überprüfung seiner Arbeit den Vorwurf der Verschwendung bestätigen wird.

Was tun? Und jetzt wird es spannend.

 Lukas 16,3: Der Verwalter aber sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Denn mein Herr nimmt mir die Verwaltung ab. Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich.

Ein Selbstgespräch. Der Verwalter weiß, dass er seinen Job verliert. Er fragt sich: Was soll ich tun? Graben – im Sinne von niederer Feldarbeit – und Betteln kommen für ihn nicht in Frage.

 Lukas 16,4: Ich weiß, was ich tun werde, damit sie mich, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, in ihre Häuser aufnehmen.

Der Verwalter weiß, dass er nicht bleiben wird. Sein Rausschmiss ist nur eine Frage der Zeit. Also fragt er sich, was er jetzt tun kann, um bei anderen vermögenden Leuten einen Fuß in die Tür zu bekommen. Er will sich anderen anbiedern, damit sie ihn in ihre Häuser aufnehmen.

Achtung: Das hier ist ein Gleichnis, also eine Beispielgeschichte. Achten wir bitte nur auf das, was uns der Text selbst als Information gibt.

Der Verwalter denkt über seine Zukunft nach. Er bereitet sich auf die Schwierigkeiten vor, die seine Arbeitslosigkeit mit sich bringen wird, und er benutzt das, was er an Möglichkeiten hat, um sich bei anderen einzuschmeicheln. Das ist der Schwerpunkt des Gleichnisses.

Die kluge Vorgehensweise des Verwalters bei den Schuldnern

 Lukas 16, Verse 5 und 6:

Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn herbei und sprach zu dem Ersten: „Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?“ Der sprach: „Hunderte Bat Öl.“ Und er sprach zu ihm: „Nimm deinen Schuldbrief und setze dich schnell hin und schreibe fünfzig.“

So wissen wir jetzt, was der Verwalter sich ausgedacht hat. Er weiß, dass er bei seinem alten Herrn keine Zukunft hat. Also ruft er die Schuldner seines Herrn herbei, lässt sie ihre Schulden benennen und reduziert sie dann.

Fangen wir mit dem Ersten an. Der hat hundert Bat Ölschulden. Ein Bat sind circa dreiunddreißig Liter, hundert Bat sind also dreitausenddreihundert Liter Öl. Der Schuldner selbst scheint ein reicher Mann zu sein, vielleicht ein Händler.

Merkt euch: Es ist keine kleine Summe, um die es hier geht. Es sind eher an die tausend Denare, also das Jahreseinkommen von drei Tagelöhnern, sagen wir mal neunzigtausend Euro, um die es hier geht. Das ist der Schuldner mit dem Öl. Und was soll der tun? „Nimm deinen Schuldbrief und setze dich schnell hin und schreibe fünfzig.“

Ich gehe mal davon aus, dass kein Schuldner sich so ein Angebot entgehen lässt. Darf der Verwalter das? Tja, gute Frage. Wir wissen es nicht genau, und es ist nicht Thema, es spielt keine Rolle.

 Lukas 16, Vers 7:

Danach sprach er zu einem anderen: „Du aber, wie viel bist du schuldig?“ Der aber sprach: „Hundert Kor Weizen.“ Und er spricht zu ihm: „Nimm deinen Schuldbrief und schreibe achtzig.“

Dieselbe Vorgehensweise. Diesmal geht es sogar um noch mehr Geld. Hundert Kor Weizen entsprachen einer Summe von circa zweihundertfünfzigtausend Euro.

Die tiefere Bedeutung des Gleichnisses für das Leben der Jünger

Und nun wird es spannend. Noch wissen wir nicht genau, worauf Jesus hinauswill, wenn er dieses Gleichnis erzählt. Aber es wird bereits deutlich, dass er zwei Dinge miteinander vergleicht: das Hier und Jetzt mit einem Später.

Im Zentrum des Gleichnisses steht ein Mensch, der weiß, dass er seinen Job nur noch für eine begrenzte Zeit behalten wird. Er nutzt seine Möglichkeiten, um vorzusorgen. Hier ist jemand, dem sein Herr Geld und Besitz anvertraut hat. Er setzt all das ein, um seine eigene Zukunft zu gestalten.

Wenn ich das so formuliere, sehen wir natürlich sofort die Parallele zu unserem Leben. Auch wir haben ein Leben anvertraut bekommen. Gott hat uns damit betraut, genau das Leben zu führen, das wir führen – mit den Möglichkeiten und in den Grenzen, die wir vorfinden.

Unser Leben ist ein anvertrautes Leben. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Möglichkeiten, die Gott uns gibt, weise einsetzen. So, dass wir später, also nach dem Tod, einen Gewinn davon haben.

Deshalb ist es wichtig, dass wir heute schon klug handeln. Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, wie du über dein Leben denkst. Wartest du darauf, dass dieses anvertraute Leben einmal durch das echte Leben ersetzt wird?

Abschluss und Ermutigung zum Gebet

Das war es für heute. Zum täglichen Gebet gehört auch das Bekenntnis der Sünde. Falls du das bisher eher vernachlässigt hast, ändere das bitte.

Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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