Zum Inhalt

Titus 1,5-9

Titus 1,5-1,902.09.2019
Serie•Teil 2 / 7Titus
Leitung ist kein Bonus, sondern Schutz: Ohne klare Vorbilder kippt eine Gemeinde schnell. Gesucht sind keine Superchristen, sondern Menschen mit Charakter, Selbstbeherrschung und festem Halt in Gottes Wort.

Rückblick auf die Reihe und die Einordnung des heutigen Themas

Wir sind letztes Mal, als wir das so gemacht haben, in dieser Predigtreihe gestartet: dem Titusbrief. Du gibst mir bitte meine Folien, Frank. Und ich hatte den ganzen Brief zusammengefasst mit den Worten: Hör auf zu quatschen und tu gute Werke, das Einmaleins des Glaubens für Gangster und Faulpelze.
Das war so der Titusbrief, und ich hatte schon gesagt, es ist ein total praktischer Brief. Es geht also darum, dass Paulus, der Apostel, an seinen Mitarbeiter Titus schreibt. Den hat er auf der Insel Kreta zurückgelassen. Warum? Weil es dort in den Gemeinden Probleme gibt.
Jetzt kann man die Probleme versuchen zu beschreiben, und ich mache mal drei große Blöcke. Da ist einmal der große Block Organisation, den werden wir uns heute anschauen. Dann gibt es einen Block Irrlehre. Den finde ich total witzig. Da werde ich dir sagen, das betrifft uns nicht, aber wir werden uns da im Dezember also mit einer Gruppe beschäftigen. Die ist topaktuell auf YouTube, es ist der Hammer. Da fragt man sich, warum man in der Bibel vor zweitausend Jahren einen Irrlehrer abschießt, damit er dann quasi im einundzwanzigsten Jahrhundert wieder sagt: Hallo, hier bin ich, wie so ein Springdäufelchen. Also freut euch auf Dezember, das wird total spannend.
Und dann beschäftigt sich der größte Block des Briefes mit dem Verhalten einfach von reifen Gläubigen. Das sind die drei Teile, die wir machen wollen.
Heute also der erste Teil, das Thema Organisation. Und das liest sich dann so: Titus 1,5. Deswegen, oder zu diesem Zweck, ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste einsetzen solltest, wie ich dir geboten hatte.
Also hier beantwortet Paulus uns, aber vielleicht auch Titus, die Frage, warum er ihn zurückgelassen hat. Weiß nicht, Titus muss das ja eigentlich wissen, warum er noch da ist, aber na ja. Paulus ist weitergezogen, Titus blieb zurück, weil es in den Gemeinden vor Ort einen Mangel gab.
Kreta hatte viele Städte, und in den Städten gab es Gemeinden. Aber die Gemeinden hatten eine Sache nicht, nämlich Älteste. Und das ist der Mangel, um den es hier geht. Titus soll den Mangel beheben, der dadurch besteht, dass keine Ältesten da sind. Er soll sich also darum kümmern, dass in den Gemeinden fähige Männer gefunden werden, die man mit der Aufgabe betrauen konnte, Älteste zu sein.

Warum Leitung für Gemeinden unverzichtbar ist

Für Paulus ist das eine total wichtige Sache. Es ist mir noch einmal selbst deutlich geworden, als ich das für euch vorbereitet habe: Es ist eine total wichtige Sache, dass eine Gemeinde eine klar definierte Leitung hat.
Ich finde, man sieht das schon am Anfang, als er zum ersten Mal auf Missionsreise geht. Da müsst ihr euch vorstellen: Auf der ersten Missionsreise geht es hin und wieder zurück. Er besucht auf dieser Missionsreise zweimal dieselben Gemeinden. Auf dem Hinweg gründet er sie, und auf dem Rückweg setzt er Älteste ein.
 Apostelgeschichte 14 habe ich euch mitgebracht, Verse 21 und 23. Das ist auf dem Rückweg der ersten Missionsreise. Also da liegen jetzt nicht Jahre zwischen der Gründung und der Einsetzung von Ältesten, da liegen vielleicht Wochen, maximal Monate. Und als sie in jener Stadt, das ist Derbe, das Evangelium verkündet und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie, das ist der Wendepunkt, nach Lystra und Ikonium und Antiochia, andere Städte, zurück. Das ist der Wendepunkt: Da haben sie das Evangelium verkündet und denken sich, was machen wir jetzt? Wir fahren wieder nach Hause. Und sie fahren auf demselben Weg nach Hause, wie sie hingefahren sind. Dann heißt es in Vers 23: Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt oder ausgewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren, an.
Also ganz junge Gemeinden. Wir würden vielleicht sagen: Na ja, die sollen sich erst einmal eine Weile bewähren. Aber Paulus sieht das irgendwie anders. Wenige Wochen, wenige Monate alte Gemeinden bekommen Älteste. Warum? Das sagt er nicht, das steht nicht da, er tut es einfach.
Auf Kreta waren die Gemeinden wahrscheinlich schon älter. Trotzdem hatten sie auf die Einsetzung von Ältesten verzichtet. Paulus kommt, und was tut er? Genau: Er setzt Älteste ein.
Wir merken also zwei Beispiele. Vielleicht wird jetzt jemand sagen: Das ist noch kein Muster, das sind einfach nur zwei Beispiele. Mag sein. Ich persönlich denke, es ist nicht unwichtig, das so zu sehen. Und deswegen habe ich euch eine Aufgabenbeschreibung eines Ältesten mitgebracht. Das sind so die gängigen Stellen, die man kennen muss. Was ist eigentlich die Aufgabe eines Ältesten, wenn Paulus das so macht und sagt, eine Gemeinde braucht Älteste? Warum eigentlich, wofür? Sind das die, die im Hintergrund den Verein führen und die Kollekte zählen? Was ist denn deren Job? Warum sind die so wichtig?

Das Bild des Hirten und die Verantwortung für die Herde

Wenn man sich das einmal anschaut, dann merkt man: Ein Ältester in der Bibel ist jemand, der eine Gemeinde hütet, so wie ein Hirte im Bild seine Schafe hütet und auf sie aufpasst. Das ist im Grunde ein Ältester, ein Hirte einer Gemeinde. Und das ist auch der Grund, warum Älteste in der Bibel Aufseher genannt werden. Sie passen ein wenig auf.
So wie ein Hirte immer ein bisschen schaut: Was kommt denn da? Ist das jetzt ein Wolf oder ist das ein anderes Schaf, das da gerade kommt? Und er schaut auch, ob die Schafe genügend zu fressen bekommen oder ob er weiterziehen muss, ob es hier genügend Wasser gibt. So passt tatsächlich ein Ältester auf seine Gemeinde auf.
In diesem Zusammenhang sind Älteste auch ganz stark für das Thema gute Lehre verantwortlich. Gute Lehre bedeutet immer auch, dass der Glaube von jemandem stark ist. Eine ungesunde, schlechte Lehre macht immer auch Glauben kaputt.
Dabei ist eines wichtig: Älteste führen in der Bibel immer durch ihr Vorbild. Sie haben das Recht auf finanzielle Unterstützung, sie haben das Recht auf Anerkennung, sie haben auch das Recht auf Gehorsam. Und was ich ganz besonders schön finde, steht im 1. Thessalonicher 5,13: Dort heißt es, dass man sie ganz besonders in Liebe achten soll.
Ja, also Älteste haben so einen Bonus in der Gemeinde. Die dürfen sagen: Hey, ich habe mich ein bisschen mehr lieb als die anderen. Mein Job ist ein bisschen schwieriger, reg dich mal nicht so schnell über mich auf. Das finde ich total schön.
Was müssen sie tun? Sie müssen Kranke salben, und sie müssen tatsächlich auch schauen: Wenn Geschwister sich geistlich verrennen, dann müssen sie hingehen und sie zurechtweisen. Das ist dieser Aspekt: Älteste wachen über die Seelen von Geschwistern. Darum geht es. Das ist die Aufgabenbeschreibung.
Jetzt merkt ihr schon: Da ist gar nicht so viel Verwaltung dabei, sondern da geht es immer wieder um Menschen, Menschen, Menschen, Menschen. Es geht darum, dass es Menschen in ihrer persönlichen, geistlichen Entwicklung und in ihrem Umgang mit Gott gut geht. Das ist der Job von Ältesten.

Leitung als Vorbild und dienende Autorität

Älteste leiten eine Gemeinde, und ich glaube, das ist genau das, was Paulus zum Ausdruck bringen will. Wir brauchen Leitung. Ein Mangel an Leitung ist kein kleines Problem. Da heißt es in Sprüche 11,14: Wo es an Führung fehlt, kommt ein Volk zu Fall, doch kommt Rettung durch viele Ratgeber. Wo es an Führung fehlt, kommt ein Volk zu Fall.
Mir scheint, man könnte es so formulieren: Besser eine Leitung, die noch unerfahren ist und sich, sagen wir mal, mit den Möglichkeiten, die sie hat, müht, als gar keine Leitung. So lese ich ein bisschen diesen Text aus Apostelgeschichte 14,23, wo es um die Einsetzung von jungen Leitern in jungen Gemeinden geht. Besser eine Leitung, die sich einfach müht und an ihrer Aufgabe wächst, als keine Leitung.
Frage: Was muss ein Aufseher, was muss so ein Ältester mitbringen, um ein guter Anführer, ein guter Hirte zu sein? Nochmal diese Stelle aus dem ersten Petrusbrief, weil ich sie so ganz zentral finde: Älteste führen durch ihr Vorbild, das ist das A und O. Sie sind nicht die Gemeinde-Tyrannen, die so von oben herab einfach nur sagen, wo es lang geht. Das muss man vielleicht auch mal sagen. Es gibt auch so Momente, wo ein Ältester mal deutlich sagen muss: Stopp, hier ist Schluss. Aber grundsätzlich gilt, was hier in 1. Petrus 5 steht. Da heißt es in 2a und 3: Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist. Nicht als die, die über ihren Bereich, das heißt über ihre Gemeinde, herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet. Vorbilder der Herde. Älteste keine Tyrannen, sondern Vorbilder.
Älteste haben, wenn sie ihren Dienst tun, den Ruf, sich reinzuhängen. Und sie haben den Ruf, dass ihnen die Gemeinde wirklich wichtig ist, dass sie Geschwister im Blick haben. Ganz allgemein, das ist noch nicht auf Älteste gesagt, aber das gilt für Leiter ganz allgemein, von dem Herrn Jesus dieses Wort aus Matthäus 20,26-27: Unter euch wird es nicht so sein. Sondern wenn jemand unter euch groß werden will. Das ist spannend: Es ist nichts Schlimmes, wenn du sagst, ich möchte in einer Gemeinschaft von Gläubigen groß werden, ich möchte ein Anführer sein. Das ist nichts Schlimmes. Es gibt Leute, denen ist das einfach auch in die Gene gelegt, will ich fast sagen. Ja, die können auch nicht anders. Die schmeißt man in irgendeine Gruppe rein, und irgendwann sind sie vorne. Die wollen sich nicht anstrengen, es passiert einfach. Das ist nicht schlimm, leiten zu wollen. Schlimm ist es, wenn ich es mit einer falschen Herzenshaltung tue. Und deswegen heißt es hier: Sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein. Also Leitung heißt Dienst, immer dienende Leiterschaft. Und wenn jemand unter euch der Erste sein will, also wenn jemand ganz vorne stehen will, dann wird er euer Sklave sein.
Also zu sagen: Ich stehe ganz vorne und habe besonders wenig zu tun, weil ich ja der Chef hier bin, ich verteile nur noch die Aufgaben und dann schaue ich zu, wie alle anderen ackern, ist durchaus nicht biblisch. An dieser Stelle unterscheidet sich eine normale Firma von der Gemeinde. In der Gemeinde ist der, der vorne dransteht, der, der sich abackert. Und alle sehen das, achten ihn dafür, hören auf ihn und nehmen ihn sich zum Vorbild, weil er sich so reinhängt. In der Firma ist es manchmal anders, zumindest was ich so höre, ich bin ja kein Chef.
Also Älteste sind Männer, die gerne dienen und die sich danach sehnen, dass Geschwister in ihrer Gemeinde geistlich reifen, dass sie vor Irrlehre bewahrt bleiben und dass sie mit ihrem Leben einen Standard setzen wollen, wo man sagt: An dem kann man sich orientieren. Achtung, das werde ich nachher noch einmal sagen, aber weil das so wichtig ist, sage ich es zweimal: Älteste sind keine perfekten Überchristen, okay? Also, es sind reife Christen, aber sie machen Fehler. Und deswegen: Wenn du etwas suchst im Leben eines Ältesten, wirst du etwas finden. Logisch. Und doch muss man sagen: Okay, aber auch wenn ich etwas finde, heißt das nicht, dass da etwas Grobes ist.

Die Kriterien für Älteste: Charakter, Familie und Vorbild

Jetzt gehen wir mal in die Liste hinein, ja: Titus, Kapitel 1, ab Vers 6. Wir schauen uns an, nach welchen Kriterien Titus sich Älteste aussuchen soll. Und soweit ich weiß, habt ihr noch keine Ältesten. Das heißt, vielleicht motiviert euch die Predigt, darüber nachzudenken, ob das nicht mal ein kluger nächster Schritt wäre.
Und wenn ihr das tut, dann ist ja die Frage: Wen suche ich denn da? Hm, und jetzt bekommt ihr die Liste. Ist das nicht schön? Also, ihr könnt schon mal heute Nachmittag beim Kaffee überlegen: Na ja, machen wir so eine Liste, ja, wer wäre das? Wenn wir jetzt nächste Woche eine Ältestenwahl hätten und ihr die Leute vorschlagen müsstet, wen würden wir denn da vorschlagen? Beziehungsweise: Auch wenn wir jemanden nicht vorschlagen, was würden wir ihm denn sagen, warum nicht? Also nicht nur warum, sondern auch warum nicht. Wo würde ich sagen: Hey, an der Stelle, glaube ich, fehlt dir das noch. Schau mal, dass du da noch ein Stück weiterkommst, weil du hast ein gutes Potenzial, aber hier fehlt noch was.
Wir schauen uns das mal an. Titus 1,6: Wenn jemand untadelig ist, Mann einer Frau, gläubige Kinder hat, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder aufsässig sind.
Die ersten drei Kriterien sind: untadelig, Mann einer Frau, gläubige Kinder. Ach so, bei dem, was ich jetzt predige, könnt ihr anderer Meinung sein. Okay, da habe ich kein Problem mit. Ihr müsst nur gute Argumente finden, weil das hier ein bisschen komplexere Themen sind.
Untadelig, da sind wir wahrscheinlich noch bei einem Punkt. Untadelig ist nicht sündlos. Also, wenn jemand sagt, dass er nie sündigt, dann hat er das hinter sich. Dann würde ich sagen: Freund, du hast ein Problem, du lügst. Und das ist nicht meine Meinung, sondern das ist das, was der Apostel Johannes sagt. Wenn jemand sich hinstellt und sagt: Ich sündige nie wieder, der ist ein Lügner. 1. Johannes 1,8-9. Und trotzdem, obwohl wir alle irgendwo straucheln, muss ein Ältester untadelig sein. Das bedeutet, er muss jemand sein, dem man keine grobe Sünde vorwerfen kann.
Ich nehme mal ein paar Begriffe: Er muss unbescholten sein, schönes altes Wort, noch älter: integer, ein bisschen einfacher: ein anständiger Mensch. Ganz simpel: jemanden, den man gern zum Schwiegersohn hätte. Das ist so untadelig.
Und dann: Mann einer Frau. Wenn es Fragen gibt in all you can ask-Gruppen, du kannst förmlich darauf warten. Wörtlich steht hier nicht Mann einer Frau, sondern wörtlich steht hier ein Einfraumann. Also der Schwerpunkt liegt gar nicht auf dem Verheiratetsein, sondern auf der Loyalität, mit der ein Ältester an seiner Frau hängt.
Ich glaube nicht, dass ein Ältester verheiratet sein muss. Ich denke, wer hat da wohl kein Problem damit, dass der Herr Jesus Ältester in unserer Gemeinde wird? Aber wenn, und das ist eben die Norm, ein Mann Ältester wird, dann ist er im Allgemeinen verheiratet, weil er schon ein Stück älter ist. Das ist die Ausnahme, das ist jetzt ein bisschen moderner Zeitgeist.
Versucht mal, unverheiratete Türken Mitte vierzig zu finden. In deren Kultur ist das noch ganz anders. In Deutschland geht das langsam, aber in der damaligen Kultur, orientalische Kultur: Hallo, du hast mit Anfang, Mitte zwanzig spätestens geheiratet. Und wenn nicht, dann wurden dir verschiedenste Cousinen vorgestellt, die alle noch einen Mann suchen. Du wurdest bei Onkel und Tanten eingeladen und weiter herumgereicht. Also die Norm war: Man ist verheiratet.
Wenn jetzt jemand Ältester wird und verheiratet ist, dann muss er, und das ist das, was hier gemeint ist, ein Einfraumann sein. Es muss völlig klar sein, dass er nicht mit anderen Frauen herummacht. Er ist jemand, der keine Flirts hat. So mit der Sekretärin. Da ist kein One-Night-Stand regelmäßig eingeplant. Da gibt es keine Freundinnen. Da gibt es einen klaren Schnitt zu den Themen Pornografie. Der hat nicht irgendwie sein Profil auf drei Datingplattformen mal mitlaufen, nur um zu schauen, was da halt noch im Angebot ist. Da ist Prostitution kein Problem.
Und ich würde dann sogar weitergehen: Ein Einfraumann zeichnet sich dadurch aus, dass er an seiner Frau klebt. Ihr kennt das aus 1. Mose 2,24: Die zwei werden ein Fleisch sein. Die Idee ist, dass zwei aneinanderkleben. Und genau das macht ein Einfraumann vor. Er steht zu 100 Prozent zu seinem Eheversprechen.
Und ehrlich gesagt würde mir das noch nicht reichen. Also wenn jemand sagt: Ich gehe nicht fremd, ist mir das noch zu wenig. Weil ein Eheversprechen darauf angelegt ist, an dem anderen wirklich zu kleben. Das heißt, zu sagen: Ich gehe nicht fremd, und gleichzeitig aber auch zu sagen: Aber die Bedürfnisse meiner Frau interessieren mich jetzt auch nicht groß. Ja, also die hat zu essen, und ich bringe das Geld nach Hause, aber ansonsten muss sie schon selber sehen, wie sie klarkommt. Da würde ich sagen: Das wäre mir zu wenig.
Der Einfraumann ist einerseits exklusiv, indem er sagt: Nur meine Frau. Aber gleichzeitig gehören zu dieser Exklusivität Dinge, biblisch wie Bewunderung, Zärtlichkeit, Fürsorge. Und erst wenn das da ist, wenn ich merke, da ist jemand, und an seiner Seite blüht diese Frau irgendwie auch auf und verkümmert nicht still vor sich hin, dann wird jemand zu einem echten Einfraumann, der seiner Verantwortung gerecht wird und damit auch ein Vorbild ist. Weil man dann sagen kann: Hey, mach so wie der, das funktioniert. Das ist ein würdiger Ältester.
Dritter Punkt: gläubige Kinder. Ich denke nicht, dass man einem Vater die Pflicht auferlegen kann, Glauben zu wirken. Das ist in meinen Augen schwierig. Das wäre mir zu viel. Auch der Text gibt das, denke ich, nicht her. Aber was man von einem Vater erwarten kann, ist, dass er seine Kinder im Griff hat. Und darum geht es im zweiten Teil.
Wenn ihr das mal anschaut, dann werden in Titus 1,6 die gläubigen Kinder hier als solche beschrieben, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder aufsässig sind. Das qualifiziert den Begriff „gläubig sein“, also gläubig im Sinne von: kein ausschweifendes Leben. Ein ausschweifendes Leben ist ein Leben, das nicht genug bekommt. Dass jemand, wo es um Raffen, um Prassen, um Partys und Sex geht. Ein relativ starkes Wort. Es geht eigentlich darum, dass seine Kinder leben wie die Heiden.
Jetzt kann ein gläubiger Vater seine Kinder vielleicht nicht dazu bringen, sich zu bekehren, aber er macht die Vorgaben zu Hause für den christlichen Lebensstil seiner Familie. Und er hat tatsächlich seine Kinder dazu zu bringen, dass sie diesen Linien folgen. Am Beispiel der Kinder wird deutlich, ob der Vater in der Lage ist, für die Gemeinde zu sorgen. Wenn ich zu Hause keine klaren Vorgaben mache und, solange meine Kinder noch zu Hause wohnen, die auch einhalte und dafür sorge, dass sie das einhalten, dann werde ich das in der Gemeinde auch nicht schaffen.
Also es geht hier darum, dass Kinder zu Hause unter seiner Regie, wie und jetzt mache ich mal mit Anführungs- und Schlusszeichen, Christen leben. Die sehen schon aus wie kleine Christen, und sie sind in diesem Sinn gläubig, ohne dass sie in ihrem Herzen schon wiedergeboren sind. Das kann dazu kommen, aber es muss nicht dazukommen.
Auch dieses Wort „aufsässig“, was hier steht, aufsässig oder ungehorsam könnte man auch übersetzen, ist ein Begriff, der so stark ist, dass er für Irrlehrer verwendet wird. Das ist eigentlich viel zu viel, um so diesen normalen Widerspruchsgeist, den jedes Kleinkind irgendwann mal hat oder jeder Teenie, abzudecken. Der Begriff ist einfach viel zu stark. Und wir merken: Es geht nicht um jemanden, der mal zu Hause provoziert und mal die Grenzen austestet und mal schaut, wie weit er kommt, sondern es geht um jemanden, der wirklich rebelliert, der die Familienordnung zerstört.
Und dann hast du so einen hilflosen Vater danebenstehen, der einfach sein Kind nicht mehr in den Griff kriegt. Und dann merkst du: Wenn das der Fall ist, dann taugst du tatsächlich nicht als Ältester. Man kann am Leben der Kinder und daran, wie der Vater die Kinder auch führt und wie er sie gut leitet, auch das muss in Ehrbarkeit geschehen, auch da geht es nicht um Tyrannei und Schläge, das wäre völlig falsch, ist nur hier im Text jetzt nicht genannt, das findet sich erst in 1. Timotheus, Kapitel 3, sondern es geht darum, dass ein Vater sich dadurch, wie er seine Kinder führt, als Ältester qualifiziert.

Weitere Anforderungen an Leitung: Selbstbeherrschung, Integrität und Lehre

 Titus 1,7: Denn der Aufseher oder Älteste muss untadelig sein, als Gottesverwalter nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlichem Gewinn nachgehend.
Huch, das klingt jetzt ein bisschen verständlicher. Das ist gut, oder? Älteste sind Gottesverwalter, finde ich toll. Das bedeutet nämlich, dass die Gemeinde nicht ihre Gemeinde ist, sondern Gottes Gemeinde. Wir sind nur Verwalter, wir sind nur eingesetzt. Als Ältester bin ich Aufseher, Verwalter Gottes. Ich bin Gott rechenschaftspflichtig. Als Ältester arbeite ich für Gott. Gott ist mein Chef. Und deswegen mal schauen, was die nächsten fünf Kriterien bringen.
Nicht eigenmächtig, nicht eigenmächtig, also in anderen Übersetzungen: nicht rücksichtslos, arrogant, selbstgefällig. Ein Ältester muss ein Teamplayer sein. Er muss offen sein für Korrektur. Und jemand, der sich so für absolut überlegen hält, so für unangreifbar, der sich kaum mal etwas sagen lässt, der vielleicht auch so eine Aura des Unerreichbaren um sich schafft, der ist nicht geeignet, mit anderen geistlichen Männern zusammenzuarbeiten. Der muss das erst lernen. Das kann man lernen.
Also wenn du jetzt jemanden hast, der so ist, dann muss man dem sagen: Hey, da hast du noch Potenzial, das schaffst du noch nicht. Man kann all diese Dinge lernen, das ist alles nicht dramatisch. Das ist nicht einmal gesetzt und für immer festgeschrieben. Wenn du jetzt feststellst: Oh, das fällt mir schwer, aber eigentlich würde ich gerne Ältester werden, dann fang an, Gott darum zu bitten. Nimm dir Freunde mit dazu, einen schönen Gebetskreis, und schau, dass du daran arbeitest. Das ist alles machbar. Das ist alles nur, wenn ich einmal so sagen darf, Frucht des Geistes. Es ist einfach nur, dass der Geist Gottes uns verwandelt in das Bild Jesu. Mehr ist es nicht.
Nicht jähzornig. Ein Ältester muss sich im Griff haben. Ein Ältester ist einer, der nicht unter einer mangelnden Affektkontrolle leidet. Er ist nicht so einer mit einer kurzen Lunte, der immer ab und zu in die Luft geht und dann rumschreit und die Türen knallt. Ein Ältester hat gelernt, seine Gefühle zu kontrollieren. Und wenn du das nicht weißt, lernst du es. Wer der Älteste ist, muss das können.
Nicht dem Wein ergeben, kein Trinken. Also ein Ältester hat kein Alkoholproblem. Wenn das so ist, dann ist er nicht in der Lage, die Gemeinde zu leiten. Ich glaube, man kann dieses Prinzip auch übertragen auf andere Bereiche. Es geht ja immer darum, dass ich eine Abhängigkeit habe, die mich beherrscht, die mich besoffen macht, so dass ich nicht mehr klar denken kann. Und alles, was dir an der Stelle einfällt, wo Menschen beherrscht werden, nicht mehr Herr ihrer Sinne sind: Da fällt für mich Drogenabhängigkeit rein, da fällt auch Medikamentenabhängigkeit zum Beispiel rein, Computer- oder Spielsucht, diese Dinge. Und ich merke, ich habe da ein Problem, das mich beherrscht. An der Stelle bitte einfach erst das Problem lösen und dann Ältester werden.
Nicht ein Schläger. Okay, das ist irgendwie total klar. Also wenn du dafür bekannt bist, dass deine Frau immer mit blauen Flecken in die Gemeinde kommt und sich jeden Sonntag eine neue Ausrede einfallen lassen muss, von welcher Treppe sie jetzt gefallen ist, dann bist du vielleicht als Ältester noch nicht geeignet. Das geht auch in meinen Augen. Ich würde das ein Stück weiterziehen, weil es hier um Gewalt geht. Es geht nicht nur um schlagkräftige Argumente, sondern es geht in meinen Augen auch um Worte. Also wenn jemand gewohnt ist, den anderen mit Worten fertig zu machen, würde ich auch sagen: Lern das, und dann wäre der Älteste.
Nicht schändlichem Gewinn nachgehend. Der griechische Geschichtsschreiber Polybios, das ist zweites Jahrhundert vor Christus, beschreibt die Kreter als besonders habsüchtig. Das muss man wissen. Das ist eine Insel, wo du mit Leuten zu tun hast, die alle Geld haben wollen, ganz, ganz arg doll. Und jetzt kommt hier: nicht schändlichem Gewinn nachgehend. Das heißt, ein Ältester darf nicht geldgierig sein. Und nicht nur geht es um die Frage, wie viel willst du denn noch haben, bis du glücklich bist. Sondern es geht auch um die Frage, wie man sein Geld verdient. Das ist nämlich schändlicher Gewinn. Das heißt, wenn du gewohnt bist, durch kriminelle oder illegale Machenschaften dein Geld zu verdienen, ja, dann kannst du nicht Ältester sein.
Das heißt, wenn du hier bist und sagst: Ich wäre schon gerne Ältester, aber ich will eigentlich nicht aufhören, meine Mädels auf den Strich zu schicken, weil das schon gut was einbringt, das ist ja auch nicht illegal. Verstehst du, ist in Deutschland völlig erlaubt. Weniger erlaubt wäre es vielleicht, wenn du mit Mass Deals oder was wieder erlaubt ist, wo ich aber auch sagen würde, in meiner Gemeinde dürftest du nicht Ältester werden. Wenn jemand so durch Währungsspekulationen ganze Länder in den Ruin treibt, würde ich sagen: Überleg noch mal, ob du wirklich Ältester werden willst. Oder wenn jemand sein Geld verdient mit der Abtreibung von Kindern oder mit Astrologie oder mit Schmuggel oder mit Versicherungsbetrug oder als Hacker, der sagt: Naja, ich mache das ja nicht bei unserem Land, ich mache das nur bei anderen. Also Autodieb, irgendwie sowas, Schwarzarbeiter. Ich würde sagen: Noch nicht qualifiziert für Ältestenschaft. Und ich würde euch den Tipp geben: Wenn ihr etwas wisst über jemanden, schreibt sie nicht auf die Liste.
 Titus 1,8: sondern jetzt wird es mal positiv. Also jetzt haben wir nur gesagt, wie sie nicht sein sollen, jetzt mal, wie sie positiv sein sollen: sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, enthaltsam.
Das wollen wir sehen. Gastfrei: Ein Ältester hat ein offenes Haus. Wenn dich jemand noch nie eingeladen hat, taugt der nicht als Ältester. Relativ simpel, so würde ich das irgendwie sehen. Und wenn das Zufall ist, weil du erst seit letzter Woche in der Gemeinde bist, gib ihm noch ein halbes Jahr oder ein Jahr. Aber wenn du merkst, das ist so jemand, der ist quasi immer da, fährt wieder nach Hause und hat noch nie jemanden eingeladen, hat noch nie eine Party gemacht, dann: kein Ältester.
Das Gute liebend, das ist jetzt wieder griechische Philosophie. Aristoteles sagt, dass das Gegenteil zur Selbstliebe, also das Gegenteil zu dem „Ich liebe mich“, die Liebe zum Guten ist. Deswegen taucht der Begriff hier auf. Wer das Gute liebt, ist jemand, der nicht als Egoist lebt. Es ist jemand, der sich nicht um sich selber dreht. Er sieht nicht sich und seine Wünsche als das Wichtigste an. Und man kann sich gut vorstellen, warum das eine ganz wichtige Voraussetzung für den Ältesten ist.
Besonnen: Ich mag das. Also mit Besonnenheit werde ich euch im Titusbrief noch traktieren, weil das ist der Begriff, der überall auftaucht, hier das erste Mal. Besonnenheit ist eine gute Mischung aus Selbstbeherrschung, Klugheit und Unterscheidungsvermögen. Besonnen ist dieses: Ich betrachte diese Welt als jemand, der sich nicht leicht manipulieren lässt, der klug ist, der denken kann und der Dinge unterscheiden kann. Ein Mensch, der so ist, der besonnen ist, der lebt im Hier und Jetzt, der kann klar denken, der kann die Situation richtig einschätzen.
Das Gegenteil zu jemandem, der besonnen ist, das ist für mich der Träumer. Kennt ihr so Träumerle, wo du immer denkst, die leben nicht im Hier und Jetzt, die haben immer eine Idee für übermorgen? Die Sprüche sagen mal, die Augen des Toren sind am Ende der Erde. Immer ganz weit weg, nur nicht im Heute und Hier. So die Phantasten, die sich ihre Realität so zurechtbiegen, bis sie ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen entspricht. Taugt nicht als Ältester, denn der Älteste muss hier sein, muss sehen, was wirklich Sache ist, muss darüber nachdenken können, muss analysieren können. Und wenn ihm das schwerfällt, braucht er jemanden an seiner Seite, der das kann, auf den er mal hört.
Gerecht, heilig: zwei Begriffe, die den Umgang des Ältesten mit Geboten beschreiben. Also wenn Jesus sagt: Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, das wäre für mich sehr stark Evangelisation und nach seiner Gerechtigkeit. Merken wir: Evangelisation ist das eine, aber Gerechtigkeit, Heiligkeit ist das andere. Im Hebräerbrief, wenn ihr den studiert, werdet ihr lesen, dass wir Jesus nicht schauen werden, wenn wir der Heiligkeit nicht nachjagen. Das ist ein ganz irrer Vers. Wenn Heiligung uns nicht interessiert, wenn wir immer bleiben wollen, wie wir sind, dann ist das vielleicht ein Ausdruck davon, dass wir überhaupt nicht gläubig sind.
Und deswegen ist heiliges Leben, gerecht und heilig, diese Idee haben: Ich möchte Gottes Gebote halten, ich möchte sie verstehen, ich möchte sie in meinem Leben umsetzen, weil ich verstanden habe, dass Gottes Gebote für mich wirklich das Beste sind und für meine Mitmenschen das Beste sind. Und außerdem, wenn ich sie halte, gefalle ich Gott, und das will ich einfach. Ich will Gott gefallen. Das ist die Haltung eines Ältesten.
Und enthaltsam: Na ja, da geht es um Selbstbeherrschung, da geht es um Disziplin. Ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen: Wenn Älteste nicht diszipliniert sind, schaffen sie ihren Job nicht. Relativ simpel, weil es genug zu tun gibt.

Festhalten an der Lehre und der Umgang mit Irrlehre

Letzter Vers, Titus 1,9. Und da geht es um ein großes Thema. Dort heißt es, dass der Älteste an dem festhält, was der Lehre entspricht, gemeint ist die Lehre der Apostel, gemäß dem zuverlässigen Wort. Damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.
Ein Ältester muss fit sein in gesunder biblischer Lehre. Und hier steht noch einmal, dass er nicht nur fit sein muss, sondern dass er daran festhalten muss. Der Älteste muss also die Lehre der Apostel kennen. Er muss jemand sein, der seine Bibel kennt. Er muss sich selbst daran halten. Das ist heilig und gerecht. Und dann muss er das, was er hat, bewahren.
Was ich total spannend finde, ist, wie man, wenn man so in die Fünfziger hineinkommt, plötzlich merkt, wie manches, was in den Zwanzigern für einen total normal war, wovon man völlig überzeugt war, noch einmal ein wenig geschüttelt wird. Plötzlich steht da die Frage im Raum: Na, glaubst du immer noch daran, oder hast du da eine neue Idee? Es ist also nicht normal, dass man das, was man mit zwanzig voller Überzeugung geglaubt und gelebt hat, mit fünfzig immer noch genau so überzeugt glaubt. Festhalten ist wirklich eine geistliche Disziplin, bei der wir uns irgendwann überlegen müssen: Wie wollen wir das machen? Wie schaffe ich das, was mir wichtig ist, festzuhalten?
Für den Ältesten ist es doppelt nötig, dass er nicht leichtfertig auf jeden Lehrtrend aufspringt, nur weil der gerade modern ist. Wenn er das nämlich macht, dann kann er nicht das tun, was er eigentlich tun soll: die Lehre benutzen, um, wie es hier heißt, zu ermahnen. Man könnte auch übersetzen mit ermuntern oder trösten, und zu überführen. Ermahnen und überführen.
Ich brauche gute biblische Lehre. Ich muss wissen, wo sie steht. Ich muss das als Ältester anwenden können, um glaubensstärkend zu sein. Mit dem, was ich sage, möchte ich andere im Glauben stärken. Und ich möchte ihnen auch zeigen, wo Irrlehre beginnt. Ein Ältester hat verstanden, dass gesunde Lehre zu einem gesunden Glauben führt.
Ich weiß, dass das unpopulär ist, und es wird irgendwie von Jahr zu Jahr unpopulärer. Ich weiß auch nicht, warum. Ich meine, wir werden in der evangelikalen Bewegung ja nicht stärker im Glauben, und effektiver wird es auch nicht mehr zum Glauben. Aber es ist trotzdem so. Ich möchte trotzdem Mut machen, an dieser Stelle konservativ zu bleiben und zu sagen: Nein, ich habe das verstanden. Ich werde gute Lehre weiter schätzen. Ich werde in diesen Dingen beharren, wie Paulus an anderer Stelle sagt. Denn ich habe verstanden, dass gute Lehre, gesunde Lehre, tatsächlich zu einem gesunden Glauben führt. Und nur ein gesunder Glaube wird bestehen.
Was bedeutet dieser Punkt, dass der Älteste andere ermahnen und überführen kann? Und was bedeutet das nicht? Das will ich auch sagen. Das bedeutet nicht, dass ein Ältester ein ausgewiesener Bibellehrer sein muss. Es gibt einen Unterschied zwischen Lehrfähigkeit, das ist das, was von dem Ältesten erwartet wird, und der Gabe des Lehrens.
Ich dachte mal, ich mache das einfach an Beispielen fest, was ich meine. Wenn du mit dem Ältesten redest, dann muss er meines Erachtens nichts über die literarische Struktur antiker Bücher wissen. Wenn du also sagst: Zeig mir mal die Struktur von irgendetwas, dann darf der Älteste sagen: Sorry, damit habe ich mich noch nie beschäftigt.
Aber wenn du hingehst und sagst: Du, bei mir waren die Zeugen Jehovas an der Tür. Die haben gesagt, Jesus ist nur der Engel Gabriel. Hast du dazu mal eine Idee? Dann würde ich sagen, es wäre schon schön, wenn ein Ältester sagt: Ja, das ist falsch, weil ... Und dann hat er zwei, drei Argumente, mit denen man sich deutlich von so einer Irrlehre wie den Zeugen Jehovas abgrenzt.
Versteht ihr? Das eine ist sehr speziell, literarische Struktur. Das andere ist so etwas, von dem ich denke, dass ich es eigentlich von jedem Gläubigen erwarte. Aber wenn du noch nicht so weit bist, dann darfst du zu deinem Ältesten gehen und ihn fragen.
Anderes Beispiel: Du brauchst nicht zu deinem Ältesten zu gehen und zu sagen: Kannst du mir über die Verwendung des Artikels im Altgriechischen mal kurz ein paar Gedanken geben? Ich habe da noch ein paar Fragen. Da darf der Älteste zu Recht sagen: Geh woanders hin. Weiche von mir. Das muss man nicht beantworten.
Aber wenn jemand kommt und sagt: Hey, soll ich mich beschneiden lassen? Ich habe das gelesen, das ist im Alten Testament, das machen die da alle, das ist irgendwie eine coole Praxis. Soll ich da jetzt einen Termin beim Arzt machen? Dann würde ich von dem Ältesten erwarten, dass er sagt: Nein, brauchst du nicht mehr. Und vielleicht noch ein, zwei Argumente.
Versteht ihr, das ist für mich der Unterschied. Das eine ist Ermahnen, das andere ist Überführen von klassischer Irrlehre. Das eine ist sein Glauben kennen, und das andere sind diese Spitzfindigkeiten. Gebt noch ein bisschen Raum den Bibellehrern!

Was diese Maßstäbe für die Gemeinde bedeuten

So viel zu den Kriterien für Älteste. Kurz zum Schluss: Was machen wir damit?
Das eine ist: Ihr könnt jetzt eine Liste aufstellen, heute Nachmittag beim Kaffeetrinken. Wen hätten wir denn da gerne? Beziehungsweise: Wen hätten wir gerne nicht, und warum?
Das andere ist: Ich mag so eine Liste, weil man etwas feststellt. Genau das, was ich am Anfang sagte: Älteste sind keine Überchristen. Ich schmunzle ja immer bei „kein Schläger“. Ganz ehrlich: Wer kommt denn auf den Gedanken, jemanden auch nur im Entferntesten vorzustellen, der draußen am Auto ausholt und seiner Frau eine knallt? Man käme doch nie auf den Gedanken zu sagen: „Ältesten-Anwärter.“ Wenn so ein Beispiel kommt, dann merkt man: Es geht nicht darum, die Crème de la Crème ganz oben, die letzten 0,05, abzuschöpfen.
Älteste sind keine Überchristen. Es sind Kriterien, die eigentlich reife, ältere Männer erfassen, die ihre Bibel gut kennen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und in deren Leben der Heilige Geist schon eine ordentliche Portion Heiligung gewirkt hat. Das sind Älteste. Macht die nicht tot dadurch, dass ihr die Kriterien immer höher fahrt, bis jeder nur noch sagt: Nö, da passe ich nicht mehr drunter. Wirklich.
Das Zweite: Ich glaube, dass uns diese Liste, auch wenn sie jetzt in der Präsentation sehr dröge war, ist mir schon klar, einen Eindruck davon vermittelt, wie sich gottgereiftes Christsein vorstellt. Und da merken wir wieder: Reifes Christsein ist eigentlich nichts Abgehobenes. Es geht tatsächlich nicht darum, so weltfremd in der Ecke zu sitzen und mit so einem verträumten Blick leicht entrückt in himmlischen Sphären zu wandeln. Das ist nicht reifes Christsein.
Ich habe euch das zum Schluss mitgebracht, letzte Folie: Christsein ist praktisch. Wenn ihr das heute mitnehmt, bin ich total glücklich. Und vielleicht habt ihr ein oder zwei Punkte, wo ihr sagt: Hey, cool, an dem Punkt muss ich noch mal ran. Da müsste ich mal mit Jesus drüber reden, ob der Heilige Geist mich noch ein bisschen verändern muss, weil ich merke, da bin ich noch nicht ganz so, wie ich gern sein würde.
Ich lese euch das mal vor: Christsein ist praktisch. Sei ein Vorbild, das war dieses Untadelig. Häng an deinem Ehepartner. Erzieh deine Kinder. Lass dir was sagen. Hab deine Emotionen im Griff. Löse deine Probleme ohne Gewalt. Lass dich nicht vom Alkohol und nicht vom Geld beherrschen. Hab gern Gäste. Schau, wie du anderen helfen kannst. Pack die Probleme an, die du hast. Halte dich an Gottes Gebote. Sei fleißig. Schön, oder?
Das ist reifes Christsein. So leben Menschen, die Gott gefallen. Und der Clou in der Gemeinde ist: Älteste machen uns das einfach nur vor, und wir als Rest machen das einfach nach. Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.