Generierte Mitschrift
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Einleitung und geistlicher Rahmen
Ein idealer Mensch, der stand vorne hin und hat die Verse einfach vorgesagt. Dass Wiesing gerade in den Kopf kam, so konnte er reimen, aber manches war dann ziemlich holprig. Deshalb hat sein Freund Christian Gregor das immer in eine gute Form gebracht.
Auch das Lied „Jesu, gehe voran“: Alle Zinzendorflieder sind von Christian Gregor, ein ganz interessanter Mann, wie der auch zu Jesus kam in der Brüdergemeinde. Und dann noch Albert Knapp, das ist der Pfarrer an der Stuttgarter Hospitalkirche, der Missionsmann, der den Liedern erst recht den Schliff gegeben hat.
Albert Knapp hat ja vielen Paul-Gerhardt-Liedern auch einen neuen Text gegeben. Leider hat man das in unseren Gesangbüchern wieder rückgängig gemacht. Viele von Ihnen haben noch die Version von „Wach auf, mein Herz, und singe“ nicht von Paul Gerhardt gelernt, sondern nach der Knapp-Version. „Mein Kind, nun schlafe, ich hüte meine Schafe“ und so weiter, das war alles Albert-Knapp-Version. Es heißt im Gesangbuch jetzt wieder anders, zurückgeführt auf die Urform von Paul Gerhardt.
Und hier auch dieses Lied ist von Gregor und Knapp bearbeitet, und wir singen die ersten vier Verse: „Herz und Herz vereint zusammen“. Gedenk der Gemeinschaft, liebe Herr Jesus, du hast uns lieb, und das verbindet uns. Und da ist keiner von uns ausgenommen von deiner Liebe. Du hast die ganze Nacht über uns gewacht, du trägst die Sorgen unseres Lebens mit: die Nöte, die Schwächen, die Ängste. Und du willst uns auch untereinander so viel Ermutigung und Stärkung geben.
Wir danken dir auch für diese Zeit, die wir jetzt hier erleben dürfen, für die Stärkung auch durch das Frühstück, durch die Gemeinschaft, durch die Begegnung mit lieben Menschen, durch die Helfer, die uns bedienen und betreuen. Und Herr, mach uns die große weltweite Gemeinschaft deiner Kinder ganz groß und wichtig. Amen!
Der Ausgangspunkt: Geist, Wort und Gemeinde
So schließen wir heute Kapitel 2 der Apostelgeschichte ab. Es geht uns weiterhin um die Wirkung des Heiligen Geistes, denn wir haben ja das Pfingstfest hinter uns. Der Geist Gottes wirkt mächtig. Wir haben bereits viel darüber entdeckt, wie er durch das Wort wirkt, durch das Bibelwort. Wir haben auch entdeckt, wie der Heilige Geist im Gewissen wirkt.
Das ist mir jetzt ganz wichtig, weil Sie auch vielen Leuten begegnen, die ganz andere Dinge als das Entscheidende ansehen. Sie legen den Schwerpunkt auf eine gewisse Segenshandlung oder auf bestimmte Gebetshaltungen, auf besondere Wunderweisen. Nach der Apostelgeschichte ist aber das Wort Gottes das Wichtigste. Dann geht es ins Gewissen. Das Wort Gottes muss uns treffen. Und dann kommt das Erfülltsein mit Christus und das Hineingetauchtsein in das Sterben Jesu, also die Nachfolge. Das haben wir ja schon in Römer 6 gehabt: Leben mit Christus und die Gabe des Heiligen Geistes selbst empfangen, sich erretten lassen aus einem verkehrten Geschlecht.
Und nun lesen wir ab Vers 42:
Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlgefallen bei dem ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.
Einsamkeit als menschliche Grundnot
Haben Sie schon einmal unter Einsamkeit gelitten? Ich habe das. Ich weiß noch, wie ich Student in Heidelberg war. Ich saß in einem Hinterhofzimmer. Es war alles so schmuddelig, so eklig. Man fühlte sich dort nicht wohl. Und da sah man die Menschen auf dem Balkon dort hinten, und da waren sie in den Höfen. Und ich war allein.
Ich habe gar nicht verstehen können, dass es ein Lied gibt: Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren. Dass man da irgendwo nette Gemeinschaft finden kann. Ich habe gewusst, man kann sein Herz irgendwo hinhängen, um die Einsamkeit zu überwinden. Aber ich war allein und einsam.
Es steht ja in der Bibel: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Es ist ein schwerer Lebensweg, ein schweres Los, wenn Menschen als Single leben müssen. Und für Witwer und Witwen ist es schwierig, und für Geschiedene ist es schwierig. Allein zu sein, ist ganz arg schwer.
Unsere Kinder erleben das schon. Das ist vielleicht die erste Verwundung in ihrer Kindheit: das Fremdeln. Wenn sie Angst haben, die Mutter geht weg und kommt nicht mehr zurück, dann ist das die Urangst eines Kindes. Man kann sich einem Kind nicht ersparen, das muss das Kind lernen. Das gehört zur Stabilisierung unserer Seele dazu. Aber wie das wohl ist, wenn unser Blick überhaupt wieder darauf fällt, dass das eine ganz große Not ist.
In den Städten vereinsamen Menschen hin und her. Oft sind sie noch selber schuld. Sie machen alles falsch, stoßen dann noch den Letzten weg, zeigen ihre Stacheln, schimpfen und machen Streit. Und wenn man dann kommt und klingelt, werden auch schon Hausbewohner mal zu einem einsamen Menschen. Meine Frau hat einmal einen Kuchen runtergestellt, und der wurde dann zertrampelt. Aber verstehen Sie: Das ist dann die letzte Reaktion der Verzweiflung. Ich bin ja ganz allein, und ich kann nicht mehr mit einem anderen Menschen überhaupt ein gutes Wort wechseln.
Ich war ja ganz in der Innenstadt Pfarrer und habe das immer erlebt, wie die Menschen heute an dieser Einsamkeit leiden, in den Hochhäusern. Wir hatten da in der Stitzchenburg, es gibt so ein großes Hochhaus an der Danningerstraße, und wenn man da oft gefragt hat, wer neben ihnen wohnte, sagten die Leute: Wir wissen nicht. Ja, aber sind die erst zugezogen? Die wohnen schon viele Jahre da. Da wechseln wir nicht einmal im Aufzug ein Wort miteinander. Und das ist ganz schwer.
Die Leute leiden an der Einsamkeit und kommen nimmer irgendwo zusammen. Und dann ist das Schlimme heute vielleicht eine Urlaubsbekanntschaft: Da reist man zu zweit oder zu viert in Urlaub und kriegt doch keine Gemeinschaft. Das ist vielleicht ein Sexabenteuer, aber keine Gemeinschaft, wo man richtig zusammenkommt.
Warum menschliche Gemeinschaft oft scheitert
Jetzt sind wir als Gemeinde immer wieder herausgefordert: Wie kann man denn Gemeinschaft machen? Da sagen wir, wir laden die Leute ein, und dann machen wir irgendeine Spiele oder Volkstanz oder einen Kaffeemittag. Aber ich behaupte immer: Da kommt man nicht an die Gemeinschaft heran. Es bleibt ein oberflächliches Begegnen, weil man nicht in die Tiefe kommt. Und wir müssen wieder lernen, wo die Kraft der Gemeinschaft der Christen liegt.
Nun ist es ja auch bei den Christen sehr schwierig. Sie sind ja auch zu spalten in sehr viele Gruppen und Gruppierungen. Wir sind hier in einem Heim des Altpietismus. Manche wundern sich, warum das Altpietismus heißt. Väter hatten einst diesen Namen Altpietismus gegeben. Als neue neupietistische Strömungen kamen, haben sie gesagt: Lasst uns doch alle zusammen auf den alten Grund der Väter zurückgehen, wie Philipp Jakob Schwener, auf den alten Pietismus. Und da ist der Name Altpietismus hängen geblieben als eine Gruppenbezeichnung.
Der Gedanke war eigentlich: Lasst uns doch wieder wie einst bei den Vätern, wo alle miteinander waren, unabhängig von allen Formen, zusammenstehen und die Gemeinschaft pflegen. Und da sieht man: Man kann Gemeinschaft nicht machen. Nein. Das hat man ja probiert. Auch in der Ökumene war das der Versuch, Gemeinschaft zu machen. Das ist ja wirklich ein geistliches Unternehmen gewesen. Ich habe auch viele kennengelernt, die das versucht haben. Und dann haben wir auch wieder erlebt, wie plötzlich diese ganze ökumenische Bewegung sich selbst gespalten hat, in der ganzen Frage der sozialistischen Ideologie, der politischen Fragestellungen, die sich oft auch zerspalten hatten, in manchen detaillierten Fragen. Also das gelingt gar nicht.
Die tiefere Ursache der Zersplitterung
Warum gelingt es denn eigentlich nicht? Auch die Bibel gibt darauf eine ganz einfache Antwort. Das muss man immer wieder in die Gespräche hineinbringen.
Ganz am Anfang der Bibel wird erzählt, wie die Menschen ihre eigenen Wege gehen. Dann haben sie plötzlich die Idee: Wir müssen etwas Verbindendes machen. Das ist ja immer so: Wenn man eine Aktion macht, dann machen alle mit, dann helfen alle. Und dann haben die gesagt: Wir bauen einen Turm. Das heißt eigentlich, wenn man genau hinsieht: Wir bauen eine Stadt. Wir wollen eine Stadt, und der Turm der Stadt soll bis in den Himmel reichen. Wir wollen uns einen Namen machen, und an diesem Namen vereinen wir alle.
Und Gott hat in seinem Zorn gerade über diesem Bau von Babel die Menschen zerstreut. Und bis heute ist das eine Not, dass wir an dieser Zersplitterung leiden. Auch wir Evangelikalen leiden an der Zersplitterung, dass wir miteinander oft in einem Gremium sitzen und uns doch nicht verstehen. Warum? Weil wir verschiedene Personen sind, und das bleibt bis zur Wiederkunft von Jesus so. Wir bleiben verschiedene, getrennte Leute und können die Sprache nicht sprechen.
Manche meinen, wenn wir jetzt eine gemeinsame Organisation machen, wird es besser. Das ist natürlich Quatsch. Das wissen Sie: Man kann in einem Kirchengemeinderat sitzen, und es gibt sieben Fraktionen. So viele Mitglieder es hat, so viele Gruppen gibt es. Also schließt uns die gemeinsame Organisation noch nicht zusammen.
Es gibt in Württemberg ein Sprichwort: Wenn man in ein friedliches Dorf einen Streit hineintragen will, muss man bloß zwei Pfarrer hinsetzen. Da sieht man, wie die Zerspaltung oft geht. Ich will dagegen Pfarrer, nur will ich es ein bisschen frech sagen, weil ich selber einer bin. Wir freuen uns ja auch unter anwesenden Pfarrern, die das nicht so sind, das verstehen Sie. Ich will da niemanden treffen.
Es ist doch eine Not, dass wir alle die Verschiedenheit an uns tragen und die Zerspaltung oft sehr tief hineingeht. Sie kommen aus vielen Gruppen und Gemeinden, wo sie an dieser Zerspaltenheit leiden. Und deshalb ist es von uns eine Sehnsucht, eine Wehmut: Wie gibt es denn wirkliche Gemeinschaften?
Die Gemeinde der ersten Christen als Gegenbild
Nun können wir von der Urchristenheit schwärmen und sagen, sie sei eben ideal gewesen. Nein, das war sie nicht. In der Urchristenheit gab es auch viel Zoff und Streit. Kein Brief des Evangeliums im Neuen Testament ist ohne Streit geschrieben worden. Paulus schreibt in allen Briefen im Streit. „Wer ihr Galater, wer hat euch verzaubert?“ Im Korintherbrief geht es ebenfalls immer wieder um Streit in den Gemeinden.
Das soll uns nicht beruhigen und dazu führen, zu sagen: Dann ist ja gar nichts schlimm. Vielmehr sehen wir, dass auch in der Urchristenheit sehr viel Spannung vorhanden war. Der Johannesbrief, der am meisten von der Liebe spricht, sagt sogar, wir sollten Irrlehrer nicht einmal mehr grüßen. Grüßen kann ich Irrlehrer, das macht mir keine Probleme. Aber so weit geht der Johannesbrief. Denn auch in der Urchristenheit war die Spannung da, dass es falsche Lehre gibt. Und bei falscher Lehre kann man nicht einfach Schwarz zu Weiß machen. Dann gibt es Spannung und Spaltung, und das ist unvermeidlich.
Jetzt haben wir es sehr negativ dargestellt. Jetzt wollen wir endlich einmal wissen: Wie war das denn hier in der Urchristengemeinde, dass sie ein Herz und eine Seele war? Da steht ja, sie waren ein Herz und eine Seele. Da steht zumindest in Kapitel 4 noch einmal etwas von der Einheit. Das können Sie nachschlagen: Kapitel 4, Verse 32 bis 37.
Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele. Auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte. Denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen. Und man gab einem jeden, was er nötig hatte.
Joseph aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde, das heißt übersetzt: Sohn des Trostes, ein Levit aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.
Christus in der Mitte als eigentliche Einheit
Keine organisatorische, keine gemachte Einheit: Die Apostel haben von Christus geredet, und plötzlich waren alle Gruppengrenzen unwichtig geworden. Jetzt haben sie genau den Punkt entdeckt, um den es geht. Wo man Jesus vollmächtig in die Mitte rückt, da werden die Verschiedenheiten plötzlich unwichtig: Jesus, der Auferstandene.
Die Apostel predigten, und die Menschen kamen dazu. Und keiner sagte mehr: Wo kommst du her? Oder: Was hast du für Sonderlehren? Oder: Was ist dir noch wichtig? Sondern sie waren alle ergriffen vom Jesuszeugnis.
Es war auch in der ökumenischen Bewegung am Anfang so. Neu-Delhi 1961: Da sind in der Diskussion noch die ganzen schwierigen Fragen aufgebrochen. Die Anglikaner wollten auf ihre apostolische Sukzession verweisen, und die Lutheraner haben auf ihre Dinge verwiesen. Und dann hat der Evangelist Dieter Nilesch, ein Mann aus Ceylon, immer gerufen: Don't look on us, look at him. Guckt doch nicht auf euch, guckt doch auf Jesus!
Das, was uns zusammenführt, ist Jesus, der Herr. Das ist leider auch die Grenze der Gemeinschaft. Ich kann nicht mit evangelischen Christen Gemeinschaft haben, auch wenn wir alle in einer Kirchenorganisation sind, wenn die nicht an Jesus glauben, wenn die Jesus gar nicht als Herrn verehren, wenn die meinen, das sei bloß ein normaler Mensch gewesen, der im Grab verwest wäre. Sondern wo Christus verkündigt wird, da ist es uns auf einmal ganz groß, dass wir einander finden.
Erfahrungen von Einheit in Mission und Gebet
Früher, noch in der Zeit des Eisernen Vorhangs, reisten meine Frau und ich in den Osten. Später war das nicht mehr möglich, weil wir dort überall einen Fahndungsbefehl hatten, einen Haftbefehl wegen des Bibeltransports. Aber in den ersten Jahren war das für uns ein ganz großes Erlebnis.
Man kam irgendwo nach Rumänien oder Bulgarien zu Leuten, die man überhaupt nie gekannt hatte. Oft war es am Anfang noch schwierig, bevor wir überhaupt in den Saal hineinkamen, weil diese Christen oft sehr eng waren. Da kam einmal jemand und sagte: Liebe Schwester, du musst noch ein Kopftuch aufziehen, wenn du in unsere Versammlung hineinwillst. Dann haben wir gedacht: Dann bleiben wir lieber draußen, wenn ihr uns solche Gesetze auch noch auferlegen wollt. Sie kennen ja, wie uns das oft wie vor den Kopf geschlagen hat.
Und wenn wir dann drin waren, war alles egal: Kopftuch auf, Kopftuch runter, weil die Jesusfreude da war. Da wurde ein vollmächtiges Wort ausgelegt. Für mich war das Wichtigste aber die Gebetsgemeinschaft. Dort durfte man auch seine Not sagen. Man konnte sagen: Könnt ihr noch für eine Sache beten, die mich heute bewegt? Und auf einmal war man ein Herz und eine Seele, weil er lebt in Jesus Christus. Das müssen sie immer suchen.
Wenn sie das nicht in ihrer Gemeinschaft finden, dann können sie auch keine Gemeinschaft dort haben, weder in der Grube noch in der Gemeinde, wo sie sind. Wo Christus in der Mitte steht, da ist alles da: Christus, der auferstandene, lebendige Herr.
Mission, Freiheit und die Überwindung äußerer Grenzen
Das war ja in der Zeit der großen Missionsbewegung so wunderbar, als etwa im achtzehnten Jahrhundert bei Zinzendorf und August Hermann Francke und später dann im Pietismus die großen Missionsfeste waren. Nie ist etwa in Württemberg die Mehrheit der Kirchenmitglieder hinter der Mission gestanden, nie, auch nie die Mehrheit der Pfarrerschaft. Es war immer eine kleine Minderheit. Deshalb blieb die Mission immer eine Sache von freien Vereinen. Bis in unsere Tage hinein ist das gut, denn da sollen die, die für die Ausbreitung des Evangeliums brennen, sich finden und zusammenarbeiten.
Aber das war dann so ein Höhepunkt, wenn man zu einem Missionsfest ging, so wie wir es jetzt erlebt haben im Hospital, wo alles überfüllt war am Himmelfahrtstag: Ein Herz und eine Seele. Da muss man gar nicht fragen: Wo kommt ihr her? Und ich habe mich an diesem unserem Missionstag gewundert, dass so viele junge Leute da waren. Es saß alles voll auf den Treppen, und ich habe in der Mittagspause viele junge Leute gefragt: Wo kommt ihr denn her? Da erzählten sie: Wir kommen aus einer freien Gemeinde in Memmingen. Er sagt: Welcher Verband gehört an? Wir haben keinen Verband, wir haben nicht mal Älteste, wir sind halt so und machen Sonntagsgottesdienst miteinander. Und der andere sagte das aus Blaubeuren, und der andere sagt aus Ulm.
Es ist ja oft eine Not, dass sie sagen: Wir brauchen das, weil wir von Christus brennen und wir wollen das miteinander haben. Aber sie suchen die Gemeinschaft mit anderen, und da fragt man gar nicht, wo gehörst du hin und was ist deine Sonderlehre, sondern man ist vereint in Christus.
Und in der Missionsgeschichte ist es auch interessant gewesen, dass die großen Missionare, ob das Hudson Taylor war oder wie die alle hießen, alle im Laufe ihres Lebens mehrfach ihre Konfessionszugehörigkeit gewechselt haben. Die waren gar nicht so daran gebunden, sondern sie sagten: Jetzt ist es in meinem Dienst besser, zu den Anglikanern oder zu den Methodisten oder zu den Presbyterianern zu gehen, weil sie dort Gemeinschaft gefunden haben. Und die Kirchengrenzen haben sie ganz niedergehängt. Das war dann auch das Missionsfeld draußen, wo man auch die Konfessionen übersprungen hat.
Das war fast für die Heimatkirchen der Anfang der Ökumene, dass man gesagt hat: Mensch, lass uns doch das suchen. Aber leider vermissen wir ja in dieser Ökumene, so wie sie oft vorkommt, diese Jesusfreude am Auferstandenen. Wenn die da wäre, wäre es uns leichter. Aber wenn es da um so viele äußere Dinge und politische Aktionen geht, dann können wir uns dort nicht wiederfinden. Wo Christus ist, finden wir einander.
Die Apostellehre und das Zentrum des Glaubens
Und sie waren gemeinsam, sie blieben aber beständig in der Apostellehre. Was war denn die Apostellehre? Die Apostel haben erzählt von den Jesuswundern, von der Bergpredigt, von der Jesuslehre. Und da haben sie gesagt: Wir wollen mehr von Jesus hören.
Es kann in einer Christengemeinde gar nie oft genug von Jesus geredet werden. Das ist das, was uns verbindet. Wenn wir von der Taufe reden, sind wir schon gleich wieder gespalten. Und viele Fragen über das Pfarramt, über die Kirchenordnung und über die Liturgie, und schon bei den Liedern sind wir gespalten.
In einer Auslegung schrieb einer der Ausleger, es war der große Paul Humburg, Präses der Bekennenden Kirche im Dritten Reich: Sie fingen nicht an, neue Lieder zu dichten, sondern sie fingen an, die Jesusgemeinschaft zu festigen. Also, das war ihnen das Wichtigste: Wie können wir die Gemeinschaft in Jesus viel, viel stärker machen? Und wo die ganz stark ist, spielen alle anderen Fragen keine große Bedeutung mehr.
So war es immer in der Kirchengeschichte und im Leben der Christen. Vor ein paar Monaten waren meine Frau und ich in Kuba, und es hat uns ganz arg erschüttert, diese grenzenlose Armut. In Kuba breiten sich ja die Christen unter diesem Kommunismus, der furchtbar ist, unter dem Fidel-Castro-Kommunismus, rasend aus. Also, das ist so schlimm, dass, wenn einer heimlich eine Kuh züchtet und das Fleisch nicht dem Staat gibt, er zehn Jahre ins Gefängnis kommt. Furchtbar, wie die Leute leiden, auch wegen ganz kleiner Dinge inhaftiert sind.
Und die Pfarrer verdienen 16 Euro, aber das kriegen sie in Peso, und mit Peso kann man nichts kaufen. Da läuft alles nur mit der Touristenwährung Dollar. Zwei Eier pro Monat, das ist Lebensmittelgarantie, die kriegen sie oft nicht. Sie haben extra Läden, und die Touristen sehen nur die anderen Läden. Das sind alles Dollarläden, wenn sie in die Städte gehen, und die Touristen merken gar nicht, wie die Leute leiden.
Das modernste Auto ist 50 Jahre alt in Kuba. Es sind ganz alte amerikanische Schlitten, mit denen die da fahren. Und der Gemeindeleiter der Süd-Baptisten, die ganz stark wachsen, die ungeheure Gemeinden vermehren, hat uns mit dem Auto in die Hauptstadt mitgenommen, 600 Kilometer. Es war riskant mit dem alten Fahrzeug, und wir waren nachts um elf, halb zwölf unterwegs. Dann klopft plötzlich Herr Held und sagt: Motor kaputt, was machen wir jetzt?
Dann hat er gesagt: Das ist ein Ort in der Nähe, wir fahren mal dorthin. Er wusste, er hat von seinen Baptisten dort keine Gemeinde. Und dann fragte er auf der Straße: Gibt es hier eine christliche Gemeinde? Dann sagt er: Ja, es gibt Pfingstler. Mit Pfingstlern haben wir ja oft nicht so enge Gemeinschaft.
Und dann ist er noch hingefahren mit dem noch klopfenden und knarrenden Auto. Er war schon im Bett. Da hat man ihn rausgeholt, und es war ein Erlebnis. Man ist zu seinem Werkstattplatz gefahren, der war unter einem Baum. Aber wissen Sie, Werkstatt, da war gar nicht viel da. Und da hat er uns repariert. Er ist unter das Auto gelegen, über und über mit Öl beschmiert. Er hat dieses Ersatzteil zunächst selber herstellen müssen.
Und am Ende, als man gefragt hat, was dürfen wir bezahlen, wir haben doch die Dollars, hat er gesagt: Ich nehme von euch nichts an. Verstehen Sie? Da war einer, dem war das Geld gar nicht mehr wichtig, weil er gemerkt hat: Das sind Jesusleute, die gehen auch mit Jesus. Und dann spielen die äußeren Dinge gar keine Rolle mehr.
Hoffentlich haben sie das einmal erlebt: Gemeinschaft in Jesus, die Liebe, die Menschen treibt, die sagen: Es ist mir eine Ehre, dir helfen zu dürfen, obwohl sie selber nichts haben.
Gemeinschaft als Teilen von Not und Last
Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft. Was ist denn das? Gemeinschaft.
Ich habe als Pfarrer in meiner ersten Gemeinde gemerkt: Man muss manchmal auch vom hohen Ross herunterkommen. Ich mache alles allein. Wir waren damals im Urlaub, meine Frau war sehr krank und brauchte eine schwere Operation. Ich habe gedacht: Ach, sagst du der Gemeinde nichts. Nein, bis ich angerufen habe und sagte: Betet auch.
Lasst die anderen an eurer Not teilhaben! Und von dem Tag an gab es eine noch viel festere Beziehung, weil die gewusst haben: Der Pfarrer braucht auch uns. Wir brauchen einander.
Ich kenne das, wie man sagt: Ich will es gar niemandem sagen, es ist eine komische Sache, dass man mich besuchen soll. Und ein halbes Jahr später sagt man dann überall: Mich hat ja niemand besucht. Statt dass man sagt: Du, jetzt brauche ich dich. Hast du einen Moment Zeit? Ich will doch am Telefon meine Notstelle, ich bin heute in Schwermut, bet für mich.
Gemeinschaft heißt, den anderen teilnehmen lassen an seiner Not.
Ist es bei uns eine Seuche als Deutsche, dass wir immer Gemeinschaft organisieren wollen, dass wir meinen, wir müssen eine Organisation gründen oder irgendeine Sache machen? Wo uns etwas auf den Nägeln brennt, kommen wir zusammen.
In den Siebzigerjahren, das waren ja die Jahre nach der großen sozialistischen Revolution der Achtundsechzigerjahrgänge, wenn Sie sich noch daran erinnern, mit Mao Zedong und all diesen Parolen, wo der Joschka Fischer durch die Straßen gestreift ist und da haben Sie gebrüllt: Ho-Chi-Minh usw. Da haben wir in Stuttgart ja gesagt: Wir müssen eine große Evangelisation machen.
Wir haben ganz vorsichtig angefangen. Das Wunderbarste war: Da wurde nichts organisiert, sondern da kamen sie plötzlich aus den verschiedenen Gruppen aus der christlichen Gemeinschaft, in der Olga-Straße, von den Methodisten, von den Baptisten. Und schließlich haben wir auf dem Schillerplatz mit Ulrich Parzany diese große Evangelisation gemacht.
Es war gar keine Organisation nötig, sondern man war eins. Wir wollen Jesus verkünden, so wie in der Missionsbewegung. Da musste auch nicht eine Mitgliedschaft gegründet werden, da musste auch nicht irgendwie viel organisiert werden, sondern das hat sich gegeben.
Wer hilft hier mit, und wer macht das? Und das wird noch benötigt. Da werden Plakate geklebt, da werden Hausbesuche gemacht. Sie waren beieinander in der Gemeinschaft.
Gebet, Wunder und die innere Haltung der Demut
Ich wünsche Ihnen die Dynamik, auch wenn Sie von dieser Freizeit heimkommen, dass der Heilige Geist Sie dort teilhaben lässt an dieser Gemeinschaft. Die Ehrfurcht wirkt unter verschiedenen Menschen, und im Gebet waren sie eins. Schön ist Gebetsgemeinschaft.
Manche Leute haben Probleme und sagen: Ich kann nicht laut beten. Macht ja nichts, dann beten sie leise mit. Aber vielleicht ist es auch ein Vorurteil, dass man sich geniert. Vielleicht ist es auch ein Stück Selbstmitleid. Sie können doch irgendein paar ungelenke Worte sagen. Mir hat es immer geholfen, wenn andere mit mir gebetet haben. Und ich hatte auch diesen Bruch in den Gemeinden, wo ich war, dass wir vor dem Gottesdienst noch eine Gebetsgemeinschaft gehabt haben. Oft war es nur einer, der kam. Aber das ist so etwas Ermutigendes: Da betet jemand mit mir, und ich sage, ich brauche dich.
Auch bei den Krankenbesuchen ist die Gemeinschaft im Gebet wichtig. Keine langen Gebete, sondern Teilnehmen lassen, Anteil geben und dann das praktizieren. Dann haben sie eine lebendige Gebetsgemeinschaft um sich her. Das braucht nicht viel Zeit, aber Menschen, die für sie beten und an sie denken.
Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Ja, natürlich passieren viele Wunder. Mein Leben ist voller Wunder. Mein Leben ist voller Wunder. Was ist hier auf dem Schönblick? Das hat uns gestern Martin Scheuermann erzählt, wo fast eine Mitarbeiterin ums Leben gekommen ist und jetzt wieder anfängt, ganz schwach zu arbeiten. Wir erleben doch Wunder.
Und ich weiß, manche haben Probleme, auch Krankheit, und dass es heute so erträglich ist, ist ein Wunder Gottes. Dass unsere Sinne, die wir noch brauchen können, Hände und Füße, Zunge und Lippenregen, das haben wir seinem Segen zu verdanken. Auch die natürlichen Dinge sind ein Wunder, aber auch die außergewöhnlichen. Wenn ich an unsere Mitarbeiter denke, fast zweihundert in all den verschiedenen Krisenregionen jetzt, wir beten doch für sie. Und wenn alles erträglich ist, dann ist das ein Wunder. Die Schutzengel müssen ja oft Sonderschichten einlegen in den vielen Gefahren der Welt.
Wir erleben viel Wunder. Wir sollten auch einander teilhaben lassen, wie wir Gottes Wunder erleben. Das ermutigt andere. Aber wir wollen nicht wundersüchtig sein, sondern wissen: Wunder sind Zeichen, die auf die Güte und die Liebe unseres Herrn hinweisen. Wir wollen auch einander erzählen. Mich hat das immer gestärkt, wenn ich bei den Schwerkranken und Pflegebedürftigen war und wenn sie ihre Erfahrungen mit Jesus gesagt haben, gerade auf einem schweren Leidensweg. Das ist Ermutigung für eine Gemeinde. Das ist oft die größte Stärkung, das uns verbindet: das Miteinanderdenken, das Mittragen der Nöte.
Was ist denn das? Es kam alle Seelen Furcht an, Furcht vor Gott. Ja, natürlich. Die Gegenwart des lebendigen Gottes war da, und da hat man sein Ich nimmer wichtig genommen, liebe Schwestern und Brüder. Es gibt immer Spaltung und Gruppenbildung in unseren Gemeinden, wo man sein Ich so wichtig nimmt, wie man selber in Erscheinung tritt. Da waren gebeugte Menschen, von der Gnade gebeugte Menschen, die einander dienen wollten, weil sie die Güte von Jesus erfahren haben. Und wenn das fehlt, dann sind lauter kleine Herrgötle da.
Das Gebeugtsein und Gedemütigtsein vom Herrn, das hat man in der Urchristenheit gelernt. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erde. Was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert. Es ist nicht so wichtig, wie ich jetzt rauskomme. Wenn Sie in eine Gemeinde gehen, gucken Sie nicht, wie gucken die anderen mich an, sondern: Wo ist der eine, dem ich jetzt Freude schenken kann, dem ich ein gutes Wort zum Morgen sagen kann, dem ich sagen kann, es sieht aber schön aus mit deinen Kleidern, und das freut mich, dich zu treffen?
Ist doch etwas Wunderbares: Wem kann ich heute eine Freude machen? Wo läuft mir ein Kind über den Weg, das ich aufrichten und ermutigen kann, das ich loben kann? Es gibt so viele Dinge. Wenn man nicht mehr sein Ich im Mittelpunkt hat, geschieht das dort, wo die Furcht Gottes über uns kommt, wo man die Gnade mit Jesus erlebt.
Besitz, Geben und die Freiheit vom Geiz
Alle Arbeiter, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Das interessiert uns jetzt ja. Wie war denn das mit dem Geld? Manche haben ja gemeint, das sei Kommunismus gewesen. Bloß im Kommunismus war es immer so, dass man da gesagt hat: Was dir gehört, das kriege ich. Und die haben umgekehrt gesagt: Was mir gehört, gehört dir. Das hat der Kommunismus nie gesagt: Was mir gehört, gehört dir. Verstehen Sie, es ist ein Unterschied.
Aber die Habgier war weg. Es gehört zu diesem Gedemütigtsein. Haben Sie beobachtet in den letzten 50 Jahren, was mit uns passiert ist? Bei denen, die in der DDR leben, sind es erst 15 Jahre, bei uns sind es schon 50 Jahre, dass uns die Habsucht in einem ganz furchtbaren Maß ergriffen hat. Ich weiß, dass es Ränder gibt, die weniger und die viel haben, und da gibt es Unterschiede usw. Aber uns alle hat die Habsucht ergriffen. Die Habsucht ist eine Wurzel allen Übels. Wir haben alle mehr, als wir brauchen. Und deshalb müssen wir ganz arg aufpassen, was da geschehen ist durch den Geist von Jesus, dass sie frei waren und gesagt haben: Ich kann geben.
Ich bin oft überwältigt. Ich behalte mir an unseren Werken, auch bei den christlichen Fachkräften und bei Hilfe Brüder, immer das selber vor, mit einigen Frauen zusammen die Dankbriefe zu schreiben. Sehr manche von Ihnen bekommen das auch. Und ich muss immer sagen: Wir schicken Dankbriefe für fünf Euro, obwohl wir sagen, das Porto ist ja auch so teuer heute. Weil wir den Leuten sagen wollen, wie wunderbar das ist, wenn man geben kann, wenn man teilen kann mit denen, die nichts haben. Gerade mit solchen kubanischen Christen. Wenn man denen helfen will, die zum Beispiel nur bauen können, wenn sie überhaupt eine Lizenz kriegen, wenn sie den Baustoff in Dollar bezahlen. Wie sollen sie den bezahlen können? Die haben ja keine Einnahmen in Dollar.
Und dann können wir sagen: Wir zahlen euch das für eure Freizeitstätten. Aber was sind das sechstausend Euro oder was für den Zement? Und dann können Sie für achtzig Leute wieder ein Haus bauen. Und das kann man tun, weil Leute geben und nicht sagen: Was kann ich jetzt wieder anlegen? Die Habsucht kann einen ja so ergreifen. Man hat das in der Börsenkrise gemerkt, wie das einen erschüttern kann, wenn einer in Foss angelegt hat in den neuen Bundesländern und sein Geld verloren hat. Als dass es uns zur Lektion wird, dass wir nicht an den Gütern dieser Welt unser Herz hinhängen.
Und in der ersten Christengemeinde ist es so gewesen, dass die Habsucht gebrochen war und dass es den Leuten Freude gemacht hat zu geben und zu sagen: Ich bin beglückt, ich darf helfen. Es rührt mich immer schon, wenn die Kinder anfangen, von ihren Konfirmandengaben herzugeben und zu sagen: Ich bin doch beschenkt, wenn ich hier irgendwo helfen darf. Und das war in der urchristlichen Gemeinde eine Wirkung des Geistes Gottes: Mach mich frei vom Geiz, von der Habsucht.
Es wäre auch ein ganz menschlicher Grund, wenn man oft erlebt, wie die Streitereien ums Erbe gehen, wie die Familien durch Streit um den Besitz zerbrechen. Man sagt: Mensch. Aber nicht, dass ich meine, ich wollte jetzt, wir haben keine Opferbüchchen hier, deshalb kann ich ganz offen darüber. Es geht jetzt nicht um irgendwelche Gaben, sondern das ist Wissen. Es ist keine Lust, sondern eine Last, wenn sie etwas besitzen, weil unsere Sicherheit ja ohnehin verbürgt ist, in unserem Land, wo keiner auf der Straße sitzen muss, wo durch das Sozialgesetz die Allgemeinheit aufkommt, die Gesellschaft wenigstens für ein Minimum. Und das ist so, wie es in der ganzen Welt in keinem Volk ist wie in unserem deutschen Volk. Das kann man nicht als Armut bezeichnen.
Und dabei ist wichtig, dass wir von der Habsucht frei werden. Je nachdem es einer nötig hatte, wurde wunderbar, was in der Liebe weitergegeben wird an andere.
Verbindung zu den jüdischen Wurzeln und zur weltweiten Kirche
Und sie waren beieinander im Tempel. Sie haben auch die Gemeinschaft mit dem Tempel nicht aufgekündigt. Das hat mich bei den ersten Christen immer am meisten überrascht.
Ich würde auch meinen: Es ist nicht das Wichtigste, dass man so schnell Grenzen aufstellt. Sie haben auch mit ihren jüdischen Volksgenossen noch so lange wie irgend möglich, bis zum Losbrechen der ersten Verfolgung, die Bruderschaft gehalten und die Gemeinschaft gesucht.
Das ist für mich ein Grund, warum ich so lange wie möglich auch in dieser Kirche sein will und dienen will, wenn es irgend geht. Aber ich brauche die Gemeinschaft mit Gläubigen. Und ich will andererseits auch die Brücke halten zu denen, die Jesus noch nicht erkannt haben, um ihnen das groß zu machen.
Wir haben vorhin das Lied von Zinzendorf gesungen, von der Gemeinschaft. Und Zinzendorf hat es ja so gelebt. Seine Missionare sind ja auf diese Sklaveninsel Sankt Thomas gegangen. Es war ja schwierig, die Überfahrt gefährlich. Und sie sind dort von den dänischen Siedlern eingesperrt worden, weil einer der Missionare von Zinzendorf eine Mulattin, eine Schwarze, geheiratet hat.
Das war damals völlig undenkbar: ein Weißer heiratet eine Schwarze, eine Sklavin. Und es hat mich immer beeindruckt, als Zinzendorf hinüberfuhr. Er war ja aus seiner Heimat Herrnhut von August dem Starken ausgewiesen worden. Der hatte ihn des Landes verwiesen. Dann hat er das Segelschiff genommen.
Es war eigentlich die Frage: Trifft er seine Missionare überhaupt noch lebendig an? Die waren im Gefängnis, und es waren schlimme Löcher. Dann hat er sich die Vollmachten vom dänischen König geben lassen. Er hat ja die höchsten juristischen Laufbahnen gehabt, auch die Verwandtschaftsbeziehungen. Er hatte die großen Vollmachten, nun im Auftrag des dänischen Königs das Ding zu erledigen.
Er kam hin, und die dänischen Siedler müssen das Gefängnis öffnen. Da werden seine Missionsbrüder herausgeführt, da kommen sie einer nach dem anderen. Und ganz am Ende kommt die Mulattin. Zinzendorf grüßt nicht einmal seine Brüder. Er geht auf die Negerin zu und gibt ihr einen französischen Handkuss.
Es war für die Siedler so etwas von der neuen Jesusgemeinschaft, die über alle Rassenschranken hinweggeht. Da war ein Mensch, der Jesus lieb hat und ihr die Ehre, die Würde und die Anerkennung gibt. Das war immer so bei den gläubigen Christen: Da sie keine Rassenschranken hatten, sondern die Liebe von Jesus, die sie erfüllt hat.
Gemeinschaft der Wiedergeborenen und die Grenzen äußerer Zugehörigkeit
Zum Schluss möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass das unter den evangelischen Christen immer schwierig war, auch wenn die zum Glauben Erweckten eine engere Gemeinschaft gesucht haben.
Da war der Liederdichter Johann Jakob Schütz in Frankfurt, ein ganz hochbegabter Jurist, der das Lied gedichtet hat: „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“. Er hat mit Philipp Jakob Spener die erste Gemeinschaftsstunde im Wohnhaus gegründet. Spener hat sich nachher wieder zurückgezogen, weil er Angst hatte, es könnte Ärger geben. Aber Johann Jakob Schütz war ein ganz gerader Mann und hat gesagt: Ich mache weiter Gemeinschaftsstunden.
Wenn Sie oft in Gesangbücher hineingucken, auch in das Gemeinschaftsliederbuch, steht dort leider das böse Wort, Johann Jakob Schütz sei ein Separatist gewesen, also einer, der sich absondert. Das war Johann Jakob Schütz nicht. Bis zu seinem Tod blieb er Mitglied der württembergischen, der Hamburger und der Frankfurter evangelischen Kirche. Er hat sie nicht getrennt.
Aber ihm war es wichtig, die Gemeinschaft mit wiedergeborenen Menschen zu suchen, mit Menschen, die Jesus gehören. Zu seinen Lebzeiten hat er das nicht erlebt. Er wurde gemobbt, ihm ist die ganze Feindschaft entgegengeschlagen. Aber ich freue mich so, dass wir das heute in unserer Kirche können: Gemeinschaft mit wiedergeborenen Menschen pflegen, die Jesus erlebt haben.
50 Jahre nach dem Tod von Johann Jakob Schütz hat Allendorf, der Liederdichter, ein Lied gemacht: „Dein Wort, o Herr, bringt uns zusammen.“ In diesem Lied heißt es, was für uns die Gemeinschaft bildet: nur Menschen, die von Gott geboren, die unter einem Haupte stehen, die hat der Herr sich ausgekoren. Die lässt der Wunder Liebe sehen, Gemeinschaft mit dem Vater haben und mit dem Sohn im Heiligen Geist. Das ist es, was ihre Seele speist, nur das kann sie vollkommen laben.
Das brauchen wir! Ohne diese enge Gemeinschaft mit Menschen, die auch Jesus als Herrn anbeten und nach seinem Wort leben, können wir als Christen nicht existieren. Die äußere Mitgliedschaft in den Kirchen reicht uns nicht. Der Glaubensgrund, auf dem wir stehen, ist Christus und sein teures Blut. Das Ziel, auf das wir sehen, ist Christus, unser höchstes Gut. Sein Wort ist die Regel, die wir kennen, nicht dieser oder jener Ort. Das ist es, was wir mit einem Wort die heilige Gemeinde nennen.
Menschenwerk, Joch, Zwangsgewalten, Meinung und Formel widerstreiten dem. Man kann sie nicht für Seligkeit, nicht für die Gemeinschaft des Herrn halten. Darum geht es uns nicht um Formeln, sondern um die gelebte Gemeinschaft mit Jesus, um das lebendige Wort. Und ich hoffe, dass Sie alle Heimat in einer lebendigen Gemeinschaft haben, wo man Jesus lebt und ihm dient. Dort kann Jesus wirken.
Das ist keine Frage der Gleichmacherei und der Uniformität, sondern des gelebten Glaubens, der gelebten Gemeinschaft mit Jesus.
Schlussgebet
Wir wollen beten.
Lieber Herr, danke, dass du uns diese Gemeinschaft schenkst, auch jetzt in diesen Tagen. Aber auch wenn wir nach Hause kommen, gilt: Wo zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind, das genügt uns.
Wir freuen uns aber auch, wenn wir deinen Namen groß machen dürfen, wenn andere dazustoßen und wenn du selbst andere in deine Gemeinschaft ziehst.
Herr, wir leiden unter der Zerspaltenheit deiner Gemeinde in der Welt, in all die Gruppierungen, Lehren, Meinungen, Prophetien und Geistlehren. Wir wollen nur dein Wort hochachten und dich suchen.
Herr, mach es uns auch ganz deutlich, wo wir selbst ein Hindernis für die Einheit in dir sind. Dass uns nicht Äußeres wichtig ist, dass wir auch andere nicht verachten wegen ihrer Hautfarbe, wegen ihrer Kultur oder wegen ihrer Volkszugehörigkeit oder weil sie uns vielleicht unsympathisch sind. Und dass wir sie lieben können, weil du sie liebst.
Mach uns ganz frei zur Gemeinschaft in dir. Amen.

