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Mein Leben - Zufall oder Plan?

15.09.1996
Zufall oder Auftrag? Die Frage nach deinem Leben ist größer als Herkunft und Leistung: Du bist gewollt, getragen und nicht bloß ein Produkt der Umstände.

Die Frage nach dem Sinn des eigenen Daseins

 1. Mose 2, es geht um die Frage: Ist mein Leben Zufall, oder gibt es da einen Plan? 1. Mose 2, Vers 4 bis Vers 9 und dann noch Vers 15. 1. Mose 2, Vers 4, die zweite Hälfte.
Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte, und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute. Aber ein Nebel stieg auf von der Erde auf und feuchtete das Land.
Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Atem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.
Der Schöpfungsbericht ist ja etwas wahnsinnig Nüchternes. Was da in den Völkern sonst an Mythen herumspukt, ist etwas ganz anderes. Paradiesvorstellungen im Koran oder was auch immer, oder wir mit dem Schlemmer, mit dem Schlemmermahl und was es da alles gibt, und Milchseen im Paradies und so weiter. Nein, nein, etwas ganz anderes. Ganz nüchtern: eine Schöpfung und der Mensch drin.
Und ein Garten, und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
Und auch Vers 15: Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Ein alter Streit um Herkunft und Wirklichkeit

Ich muss Ihnen zuerst eine kleine Geschichte erzählen, die sich im Schwarzwald zugetragen hat. Dort war ein neuer Dekan in sein Amt eingesetzt worden. Er war ein moderner Mensch und machte sich mit Eifer an seine Aufgabe. Er hatte das Ziel, endlich den unheilvollen Graben zu schließen, der sich zwischen Naturwissenschaft und Glaube auftut und so vielen Menschen ein Ärgernis darstellt.
So zog er also wacker von Gemeinde zu Gemeinde und erklärte den Menschen die ganzen Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften, der Evolutionstheorie und Darwins. Am Ende kam dann der Clou seines Vortrags in diesen Gemeindeversammlungen: Der Mensch stammt vom Affen ab. Es macht zwar nichts, aber es ist so.
Dann hat einer dieser Schwarzwaldbauern ganz trocken, aber laut am Ende in die Versammlung hinein gesagt: Wenn ich den angucke, glaube ich gleich, dass er vom Affen abstammt.
Sie wissen, wie das oft auch denkenden Menschen ein Problem ist. Ich glaube, es gibt keinen Abschnitt der Bibel, der so umstritten ist wie die Schöpfungsgeschichte. Und das macht vielen Menschen große Not.
Aber ich denke: Affe hin, Affe her, es geht gar nicht um diese Frage. Vielmehr bewegt die Menschen eine andere Frage: Wie ist das? Warum bin ich in dieses Leben gestellt? War das nur Zufall, irgendwie? Meine Eltern haben mich schon gar nicht gewollt, ich bin ein unerwünschtes Kind. Zufall, Laune, blindes Schicksal? Oder gibt es in meinem Leben einen Plan? Dann müsste ich ihn ja wissen.
Und das ist die ganz ernsthafte Frage, die hinter der Schöpfungsgeschichte steht: Ist mein Leben nur vergleichbar mit einem Laubblatt, das jetzt im Herbstwind hin und her geweht wird, durch die Luft mal hierhin, mal dorthin geworfen, wie es der Zufall will? Warum lebe ich heute und hier und nicht vor hundert Jahren? Warum lebe ich in dieser Familie? Warum lebe ich in diesem Land? Warum trage ich diesen Körper? Warum bin ich mit diesen Mängeln und Fehlern behaftet? Warum bin ich so, wie ich bin?
Oder gibt es da wirklich ein Ja Gottes?

Die Entzauberung menschlicher Selbstüberschätzung

Nein, ist es immer so, wenn ich über die Straße fahre und sehe einen Igel, der überfahren wurde? Ist mein Leben anders als das dieses Igels oder des Hasen, der in der Nacht überfahren wurde? Ist mein Leben anders als das der Tiere?
Drunten stehen schon in den Boxen auf dem Schlachthof die Rinder, die morgen geschlachtet werden. Ist mein Leben anders als das dieser Rinder? Vielleicht noch ein bisschen Schutz umgeben, aber was ist das? Was hat mein Leben denn überhaupt noch? Oder die Blumen, die blühen wunderschön: Ja, mein Leben mag schön sein, ich freue mich heute, aber dann werden sie in Kürze verwelken, den Kopf hängen lassen, und dann wirft man sie eben auf die Seite, auf den Kompost.
Mein Leben mehr – was steht denn über meinem Leben, und was soll denn mein Leben sein? Ich finde es immer gut, wenn Leute ungeniert, frech fragen, auch hier in diesen Dingen. Und die sagen: Ja, was ist denn los mit deiner Schöpfungsgeschichte? Kannst du mir erklären, wie das zusammenhängt?
Ich habe oft gehört, wie Leute spöttisch gefragt haben, und ich bin dankbar dafür, dann kann ich darauf antworten. Die haben gesagt: War denn da jemand dabei bei der Schöpfung, der Protokoll geführt hat? Nein, ganz bestimmt nicht. Es gab ja noch keinen Menschen. Ja, woher weiß man es dann? Weil es Gott seinem Knecht geoffenbart hat.
Dieses erste Strophenverslein aus dem Lied Moses erinnert uns daran, dass Mose wohl der Mann war, dem Gott offenbart hat: Herr, du bist unsere Zuflucht für und für, ehe die Berge geworden, ehe die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Und er hat begriffen, weil er mit Gott gelebt hat, dass sein Leben von Gott herkommt und von Gott her gesteuert und geführt wird. Darum war es so wichtig, wenn wir die Schöpfungsgeschichte lesen. Ich möchte immer wieder sagen: Das Interessante an der Schöpfungsgeschichte ist, wie ganz trocken und sachlich, ohne jede Ausschmückung, bloß gesagt wird: Und Gott nahm Erde und machte einen Menschen. Bumsch, fertig, nichts dazu, nichts hineingelesen.
Und das entzaubert unsere Welt.

Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt

Normalerweise nehmen wir Menschen uns ganz arg wichtig. Und das ist so kennzeichnend: Der Mensch steht im Mittelpunkt der Weltbetrachtung, der Mensch sieht sich selber sogar als den Mittelpunkt alles Geschehens. Und dort wird gesagt: Du bist nur ein ganz kleines Stückchen geschaffene Welt.
Aber ich will es jetzt am besten an den einzelnen Punkten mal zeigen. Zuerst möchte ich sagen: Wir sind nicht die Macher, wir sind nicht die Macher.
Also jetzt noch mal prüfen Sie, wie das eigentlich ist mit den Bedenken und den kritischen Einwänden gegen die Schöpfungsgeschichte. Wir haben ein bisschen darüber nachgedacht, und mir fällt auf: Sind nicht all die Leute, die gegen die Schöpfungsgeschichte zu Felde ziehen, Leute, die das nicht glauben können, Leute, die einfach zwangsläufig sehr stark an sich selber glauben müssen?
Es geht ja durch die Weltgeschichte von den alten Pharaonen über die römischen Imperatoren. Die haben nichts mehr über sich gebraucht, sie waren die größte Entfaltung des Menschengeschlechts. Die Diktatoren unserer Zeit, Hitler und Stalin, aber der moderne Mensch überhaupt, der sagt: Ich bin doch autonom, ich kann über mein Leben frei verfügen, ich will doch niemanden über mir haben, natürlich, ich möchte mein Leben selber bestimmen. Was gut und böse ist, da brauche ich keinen Schöpfer.
Denn die biblische Schöpfungsgeschichte, die entzaubert uns. Und auf einmal ist nichts mehr da von unserer Größe und Macht, von unserem Selbstbewusstsein.
In der Zeit der Aufklärung, das war ja auch eine erste Epoche im Zusammenhang mit der französischen Revolution, wo der Mensch gesagt hat: Ich mit meiner Vernunft kann alles unterscheiden, ich brauche keinen Gott mehr, Gott abgeschafft. Da war ein berühmter Literarkritiker, Theaterwissenschaftler, ein Freund Goethes, Herders, Wielands, ein ganz großer Geistesmann. Der hat in dieser Zeit der Aufklärung, wo jeder nur seinen Verstand gesehen hat und alles anzweifelte, was von Gott kam, diesen Vers gedichtet, den Sie hoffentlich alle auswendig können:
Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.
Das war Matthias Claudius. Ob ihn seine großen Geistesfreunde überhaupt begriffen haben, er war ja immer so ein bisschen Außenseiter gewesen. Aber er hat das ganz bewusst gerne immer so einfach und so direkt gesagt. Und darum schämen sie sich nie, wenn ein anderer über sie lächelt und sagt: Du hast eben noch deinen Kinderglauben.
Sie stehen in guter Gemeinschaft da, weil das den Menschen entzaubert mit seinen großen Möglichkeiten. Das macht demütig und bescheiden. Wir, die wir doch im Leben immer wieder auch merken, dass mein Leben ja das alles nicht kann.
Ein merkwürdiger Gegensatz: Wir, die wir heute so große Hoffnungen auf den Menschen setzen, versagen im täglichen Leben. Gestern sagt mir noch ein erfolgreicher Ingenieur: Die Probleme des Menschen sind die gleichen wie vor dreitausend Jahren. Hat sich doch gar nichts verändert, die menschlichen Probleme, der Kampf mit seinem bösen Herzen, mit seinem schwachen Willen.
Wir nehmen heute den Mund so voll, als ob unsere Zeit nur ein bisschen anders wäre. Sie ist nur noch frecher, gottloser, noch kühner, noch selbstbewusster, noch egoistischer geworden. Und da muss man wieder an der Schöpfungsgeschichte lesen: Was bin ich denn, was ist der Mensch?

Vergänglichkeit, Würde und der Atem Gottes

Vielleicht erleben Sie es gerade bei einem schrecklichen Unfall, irgendwo, wo Sie gerade hinkommen. Und da ist ein Mensch, der gerade vor Ihren Augen stirbt. Oder Sie erleben es an einem schweren Pflegefall zu Hause. Ein sterbliches Wesen ist der Mensch: Staub und Asche. Wir verklären das ja gern bei den Beerdigungen mit vielen Blumen, aber Sie wissen doch genau, wie erschütternd das ist.
Wir Menschen stehen vor der Todesmacht. Das hat Paul Gerhardt so schlicht beschrieben: wie schnell das geht, wenn das Lüftlein des Todes dreinbläst, und dann ist gar nichts mehr da. Die Bibel macht es genauso. Und in Apostelgeschichte 12 wird erzählt von Herodes Agrippa. Das war ein König in Israel, und der hat sich mit seinem ganzen Prunk, in seinem Ornat, auf seinen Thron gesetzt. Sie wissen, wie die Herrschenden natürlich auch ein Selbstbewusstsein haben. Er hielt eine Rede, und das Volk ist ja immer auch ein bisschen dumm, und die haben dann begeistert gebrüllt: Das ist Gottes Stimme, nicht eines Menschen Stimme.
Und was passiert dann? Alsbald schlug ihn der Engel des Herrn darum, dass er die Ehre nicht Gott gab, und er ward gefressen von den Würmern und gab den Geist auf.
Die Bibel möchte uns nicht runterputzen. Also das dürfen Sie jetzt auch nicht denken. Sie müssen nüchtern werden. Wenn wir wissen, da sind wir, will uns die Bibel nicht runterputzen, auch wenn unsere Schwächen, unsere Ohnmacht gezeigt werden, sondern die Bibel tut das nur, um unsere wahre Würde zu zeigen.
Was ist unsere wahre Würde, die wir haben? Was ist die Menschenwürde? Der eine sagt, dass man arbeiten kann. Stimmt doch nicht: Ein Rentner hat auch noch Würde, und der Kranke hat auch noch Würde. Was ist die Würde? Von der Leistung hängt es doch nicht ab. Sie hängt auch nicht von meiner Schönheit ab, hängt auch nicht von meinem vollkommenen Körperbau ab. Es sind nicht nur Bodybuilding-Leute, es sind wertvolle Menschen.
Woher habe ich meine Würde? Dass Gott dich gewollt hat und dass Gott dich geschaffen hat. Wir können mit niemandem darüber streiten, weil das ein Glaubenssatz ist, bis hin zum Embryo im Mutterleib. Gott hat den Menschen gebildet nach seinem Bilde, und mein Leben hat diese ganz wunderbare Würde bis in die letzten Todesstunden hinein. Solange ich lebe, bin ich ein Geschöpf Gottes, und Gott hat einen Plan mit mir, und er will etwas machen.
Ich sage das immer so gern den jungen Leuten, wenn sie in ihren Krisen sind, die Fünfzehn- und die Sechzehnjährigen, und dann vielleicht noch schlechte Zeugnisse nach Hause tragen. Ich sage immer wieder: Nicht der Lehrer bestimmt über dein Leben. Nicht einmal deine Eltern können sagen, wie viel du wert bist. Allein Gott, der ewige Herr, sagt, dass du ihm wertvoll und wichtig bist. Schlag die Bibel auf, lies die Liebesworte Gottes und freu dich als junger Mensch daran: Gott hat mich gewollt. Gott will aus meinem Leben etwas Wunderbares machen. Auch wenn ich ein Versager bin in den Augen der Leute, das macht gar nichts aus, weil Gott größer ist als das, was Menschen meinen. Und Gott spricht in meinem Leben sein Wort, und er geht mit mir, und für ihn gibt es nur unbegrenzte Möglichkeiten.

Kraft für das Leben und die Quelle des Vertrauens

Jetzt ein zweiter Punkt: Woher nehmen wir die Lebenskraft?
Wir merken das ja immer wieder, wie wir für dieses Leben zugerüstet sind. Schon die Kinder tun sich schwer, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Wir sind psychisch überfordert und körperlich überfordert. Und wenn dann manche noch eine sehr schwere Lebensführung haben oder in einer komplizierten Umgebung leben, dann klappen sie aus. Sie schaffen das nicht mehr.
Der Mensch hat durch seine physische Schöpfung, so wie wir geschaffen sind, sicher keine Kraft für all die schwierigen Dinge. Das zeigt sich durchs Berufsleben hindurch immer wieder. Da merken sie: Ich schaffe das nicht mehr. Sie können sich eine Zeit lang noch mit ein paar Pillen über die Runden schleppen. Da lebe ich wieder ein bisschen auf. Sie können sich aufmöbeln, mit ein paar Drogen und so.
Woher nimmt der Mensch seine Lebenskraft? Da steht ja etwas Wunderbares drin, dass Gott seinen Atem in diesen Erdkloss hineinhaucht. Ich glaube, das Bild ist viel zu schön, als dass man es überhaupt fertig beschreiben könnte. Wir sind wirklich ein bisschen zerbrechlich, Staub und Asche. Aber wenn der ewige Gott in ihr Leben hineinhaucht, dann haben sie es einmal erlebt: Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.
Das Geheimnis meines Lebens: Wir tragen von Natur aus noch ein bisschen etwas von dieser Herrlichkeit Gottes in uns, dass wir fröhlich ins Leben hineingehen und mit dem Schweren fertig werden können. Aber wenn sie nicht dauernd an diesen Lebensatem Gottes angeschlossen sind, dann geht ihnen die Puste aus. Das wundert mich überhaupt nicht. Das geht ganz schnell.
Michelangelo hat das in einem Bild gemalt, das Sie auch alle kennen. Ich habe das eigentlich nicht so gern, wenn mein Gottvater malt, aber bei Michelangelo sei es verziehen. Dieses herrliche Bild, wo der Adam da liegt und mit dem Finger Gott berührt. Und das ist jetzt ganz wichtig.
Wir Menschen können unser Wesen nicht aus der Evolution von den Tieren bestimmen. Vielleicht wird das die Zukunft der Menschheit sein, dass unsere Gesellschaft ihre Ethik und ihre Verhaltensnormen aus dem Tierreich nimmt. Da herrscht nur der Stärkste, und der Schwächste wird an die Wand gedrückt. Die Schwachen werden ausgesetzt. Nur der überlebt.
Ich weiß nicht, ich kann auch mein Leben von den Sternen ableiten. Das war auch in biblischen Zeiten bei vielen so. Ich kann mein Leben von der Gesellschaft, von der Umwelt her deuten. Ich bin ein Produkt der Umwelt. Oder sie können ihr Leben deuten aus dem Gegenüber zum lebendigen Gott.

Leben aus Gottes Zuspruch statt aus Angst

Und jetzt muss man eigentlich fragen: Sagen Sie, ist es möglich, dass Menschen das können ohne Gott leben? Ich kann mir das nicht mehr vorstellen. Ohne seinen Zuspruch, ohne seinen Schutz, ohne die Hoffnung, die er mir schenkt. Ich kann mir das nicht vorstellen, in den Ängsten meines Lebens. Wie soll ich überhaupt mit all dem fertig werden, wenn ich nicht das weiß: Gott hat alles unter seiner Kontrolle, und er hat mein Leben geplant, und er wird auch meine Todesstunde ordnen, so wie es richtig ist.
Ich bin doch nicht ein Teil der Natur. Was ist das heute für ein verrücktes Denken? Was für eine Natur? Was ist denn Natur? Die Natur hat in sich gar keine Kraft. Obwohl wir schon überwältigt sind von der Schönheit, die wir sehen in den Blüten und Pflanzen, aber biblisch wird gesagt: Das ist nicht die Kraft, von der wir leben. Der Mensch lebt vom Wort Gottes her, von dem Gegenüber mit dem lebendigen Gott. Und das richtet ihn auf bis in die leiblichen Dinge. Das gibt mir die Kraft, um diese Welt zu versorgen, auch für meine Kulturarbeit, auch für meine Berufsarbeit, auch für das, was ich schaffen muss, weil ich den Lebensatem von ihm beziehe und von ihm habe.
Im Alten Testament, in Jesaja 40, steht das schöne Wort, wie Israel zu Gott so geklagt hat: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, ich weiß nicht mehr, wie es weitergeht. Und Gott hat mich sicher vergessen, hat mich abgeschrieben. Weißt du es nicht? Der Herr, der ewige Gott, wird nicht müde noch matt. Nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, heißt es, der dich geschaffen hat. Und das ist so ein großer Lebenszuspruch.
Sie müssen sich einmal entscheiden, wo Sie Ihre Lebensanschauung hernehmen: aus der Gottlosigkeit unserer Tage oder aus dem Evangelium. Und das ist eine Frohbotschaft. Und dann sagt Gott zu diesem Menschen: Du, in einer ganz vertrauten Beziehung. Und Sie dürfen zu diesem ewigen, mächtigen Gott, der weiter und größer ist als das ganze Weltall, das man bis jetzt erforscht hat, dürfen Sie Du sagen: Vater. Und sich in seine Arme schließen lassen.

Erdverbundenheit, Bewahrung und Auftrag

Noch ein letzter Gedanke: Wir bleiben erdgebunden.
Ihr habt manche Betrachtungen zu diesem Abschnitt gelesen, und da wird dann immer geraten, man sollte heute in einer der Gemeinden eine Lektion halten, dass Sie nur noch Stromsparlampen im Gemeindehaus verwenden und den Müll fleißig sortieren. Wenn ich Sie so ansehe, glaube ich, Sie sortieren alle den Müll gut. Wenn einer nicht da ist, kommen Sie nachher zu mir, ich halte Ihnen noch eine Standpauke, denn das ist selbstverständlich.
Meine Großmutter hat schon gesagt, man soll das Licht immer ausknipsen. Meine Großmutter hat schon immer gesagt, man soll nichts umkommen lassen in der Küche, und das hat sie schon von ihrer Großmutter gehabt. Es war Christen immer wichtig, dass man sparsam lebt, schon in Württemberg, und dass man alles wiederverwertet. Ich bin so glücklich, dass auf dem Tetrabrak draufsteht: Erst voll, dann wertvoll. Und das Wertvollste ist meine leere Packung, die ich in den gelben Sack werfe.
Also, ich glaube nicht, dass es um diese Erdverbundenheit der Bewahrung geht. Das ist selbstverständlich, da wollen wir gar nicht drüber spotten, ist doch klar. Wir sind doch dankbar, was sinnvoll ist, wann es was wert ist. Der Missbrauch heute geschieht ja hinter dieser Decke, dass der Mensch, wenn er noch so ökologisch sauber lebt, diese geschaffene Welt benutzt und sie vergottet und Götzen daraus macht. Ob er sie Natur nennt, dann betet er sie an, und danach lebt er, und das ist ein Heiligtum. Und da müssen wir aufpassen, dass wir nicht in der Kirche auf einmal das Gleiche lehren.
Natürlich wollen wir die Umwelt, das ist doch klar. Das steht doch hier, dass wir sie bewahren und dass wir sorgsam umgehen, dass wir unsere Kräfte und was verantwortungsbewusst einhalten. Nein, um was geht es denn? Der Mensch nimmt diese geschaffene Welt und spielt sie mit Gott aus und sagt: Ich halte mich nur an das, was ich in die Hand nehmen kann. Das Sichtbare. Dabei ist das Sichtbare doch alles so vergänglich. Dabei ist das Sichtbare doch gerade ein Beweis der Macht des ewigen Gottes, des unsichtbaren Gottes. Diese Welt kann doch mich nicht da aufhalten.
Vergessen wir nicht, dass wir doch da nicht mehr stehen, wo die Schöpfungsgeschichte steht. Inzwischen ist doch eine Katastrophe passiert, dass der Mensch und wir alle mit ihm, mit diesem ersten Menschen, doch alle gewollt haben, zu neuen Dingen aufzubrechen und mehr von der Welt zu fassen. Und wo sind wir hingekommen? Die alten Chaosmächte, die Verderbensmächte, sind doch wieder eingebrochen. Wir leben doch in einer unheimlichen Welt.
Und das überrascht mich heute, dass man das gar nicht mehr sieht. Da spricht man vom Naturfrieden und sieht nicht, dass die ganze Schöpfung mit hineingerissen ist in einen tiefen Sündenfall. Und es ist unheimlich, wie das Sterben umgeht, und das Leiden und das Seufzen der Natur.
Darum dürfen Christen noch ein bisschen mehr sagen: Wir sind erdverbunden. Ja, wir sagen auch Ja zu unserem Körper, der vergänglich ist, und wir schämen uns der Falten nicht, und der grauen Haare schämen wir uns nicht, und vom Altwerden schämen wir uns nicht. Das hat Gott so gewollt.
Aber ich freue mich, dass ich in dieser Welt, in der so oft der Teufel und die bösen Mächte triumphieren, wo man oft Angst hat: Wie kann man in der Welt noch leben? Wir werden nachher wieder unsere Kandidaten treffen, die da ein Wort sagen, wo sie hinausgehen, in welche Katastrophennöte die oft hineingehen unter der Königsherrschaft Jesu. Und jetzt dürfen sie Bauen bewahren.
Und nichts ist vergeblich, was sie wirken, weil der auferstandene Jesus mit ihnen geht. Das muss man auch zur Schöpfungsgeschichte sagen. Und das ist noch viel, viel mehr als nur, dass man Müll sortiert. Dass wir heute in einer Welt, wo Menschen zugrunde gehen und keinen Lebenssinn mehr sehen, wo die Gottlosigkeit vormarschiert, wo wir das Reich Gottes ausbreiten, Menschen zu Jesus führen und in der Kraft des Heiligen Geistes seinen Namen bekennen, dazu sendet er uns. Und Sie dürfen wissen, dass Sie dazu gesandt sind: erdverbundene Leute, Leute, aus denen man spürt, sie sind nur Staub und Asche, die aber vom König aller Könige und vom Herrn aller Herren einen herrlichen Auftrag haben, seine Königsherrschaft in dieser Welt der Sünden und des Todes auszubreiten.
Der Herr segne Sie. Amen.