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Prediger 4,9-5,19

Prediger 4,9-5,1923.09.2016
SerieTeil 4 / 9Prediger
Alle rennen, sammeln, sichern – und am Ende bleibt nichts. Der Prediger fragt: Was trägt wirklich durch? Seine Antwort ist unbequem und tröstlich zugleich: Freunde, Maß und ein Herz, das nicht am Geld hängt.

Einordnung des Predigttextes und der beiden Weisheitsbücher

Wir werden heute in zwei Vorträgen Prediger Kapitel 4,9 bis Kapitel 7,14 betrachten; um diesen Abschnitt soll es gehen.
Prediger – ich fange noch einmal ganz langsam an für die, die in den letzten zwei Abenden nicht da waren: Es ist ein Buch im Alten Testament, geschrieben von Salomo. Das Thema des Buches Prediger ist das Leben im Diesseits. Es gehört zur Weisheitsliteratur. Und wenn man das Buch Prediger mit einem anderen Buch der Weisheitsliteratur vergleicht, nämlich mit dem Buch der Sprüche, dann stellt man fest, dass die beiden Bücher ganz unterschiedlich funktionieren.
Mich interessiert immer, wie ein Buch funktioniert. Wofür kann ich es anwenden? Was mache ich damit? Das Buch der Sprüche, 31 Kapitel, ganz viele davon mit so einzelnen kleinen Versen, wild hintereinander, Ratschläge zum Leben. Das Buch der Sprüche möchte uns in konkreten Lebensentscheidungen helfen. Also: Ich gehe durchs Leben und komme an eine Weggabelung. Ich kann da langgehen oder da langgehen. Und das Buch der Sprüche möchte mir Weisheit an die Hand geben, damit ich weiß: Ist es vor Gott in Ordnung, nach rechts zu gehen, oder ist es vor Gott in Ordnung, nach links zu gehen? Für diese konkreten Momente im Leben, für einzelne Entscheidungen, da hilft das Buch Sprüche ganz stark.
Das Buch Prediger funktioniert anders. Es tritt quasi einen Schritt zurück, und obwohl es auch einzelne Spruchweisheiten enthält, gibt es doch eine quasi universelle Perspektive aufs Leben. Beim Buch Prediger steht nicht so sehr die einzelne Entscheidung im Vordergrund, sondern das ganze Leben. Die Frage ist: Wie lebt man grundsätzlich? Wie stehe ich zum Leben mit seinen auf der einen Seite total genialen Momenten, aber auch mit seinen Katastrophen? Was kann ich vom Leben erwarten, was nicht? Wo lohnt es sich, langfristig zu investieren, wo nicht? Wo zeigt sich unverblümt das, was der Prediger die Nichtigkeit des Lebens nennt, seine Unberechenbarkeit, seine Endlichkeit? Und wie kann ich damit umgehen, dass ich nur ein Hauch bin, dass ich die Zukunft nicht kenne, dass ich dem Tod nicht entfliehen kann? Dieses ganz Grundsätzliche, das ist das Buch Prediger.
Es ist zugegeben ein eher nüchternes Buch und manchmal vielleicht sogar ein bisschen deprimierend, weil es uns eben mit der Realität eines Lebens unter der Sonne beschäftigt. Wir haben das Paradies tatsächlich verloren, und jetzt müssen wir uns mit dieser Realität irgendwie anfreunden.
Wir haben gestern aufgehört mit einem Blick auf den einsamen Reichen, der vor lauter, und ich weiß nicht, ob wir Schwaben haben, aber da gibt es dieses: Schaffe, schaffe, Häusle baue. Wenn jemand das kennt: Hauptsache, man hat so sein Häuschen, der Rest ist dann schon fast egal. Man hat so diesen einsamen Reichen gesehen. Er hat viel erreicht, hat sich nichts Gutes gegönnt, und er hat zwar viel Reichtum aufgehäuft, aber er hat eigentlich niemanden, für den er das tut.

Freundschaft als Antwort auf die Härte des Lebens

Und deswegen steigen wir jetzt an dieser Stelle wieder ein mit einem Thema, das ich ganz toll finde. Jetzt kommen ein paar Verse, die man schon öfter hört. Das sind so Verse für Traupredigten. Eigentlich geht es gar nicht um Ehepaare, aber hey, wen kümmert’s? Das ist ja bei Traupredigten und Evangelisationen egal, da darf man alles verbraten, Hauptsache, es klingt gut.
Das Thema ist: Wenn ich schon in einer kaputten Welt lebe, dann brauche ich Freunde. Das ist einfach ein Tipp. Es ist gut, in dieser Welt Freunde zu haben. Und der Prediger wird uns insgesamt vier Vorteile bringen: Was bringt es, einer zu sein, der sich um Freunde müht? In den Sprüchen heißt es an einer Stelle: Hier heißt es: Deinen Freund und deines Vaters Freund lass nicht fahren. Also wenn du einen Freund hast oder wenn es so einen guten Familienfreund gibt, kümmere dich um die Beziehung.
Warum?
Punkt eins: Prediger 4,9. Zwei sind besser daran als ein Einzelner, weil sie einen guten Lohn für ihre Mühe haben. Also der Prediger ist sehr nüchtern. Er sagt: Zwei Leute können effektiver arbeiten als ein Einzelner. Ihr Lohn ist gut, sie erwirtschaften einen größeren Profit. Oder anders ausgedrückt: Es arbeitet sich einfach besser im Team. Und ich glaube, wir wissen, dass das stimmt. Das ist ganz platt.
Zweiter Punkt, Vers 10: Denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Gefährten auf. Wehe aber dem Einzelnen, der fällt, ohne dass ein Zweiter da ist, ihn aufzurichten. Also sie arbeiten nicht nur effektiver, sondern wenn Notzeiten kommen, dann können sie sich gegenseitig helfen.
Ich mag diesen Vers, weil ich glaube, dass die Idee hinter dem Vers dieselbe Idee ist, die hinter Gemeinde steckt. Wisst ihr, Gemeinde ist nicht perfekt. Wer in Gemeinde lebt, weiß, dass Gemeinde nicht perfekt ist. Aber Gemeinde kann und soll ein Ort des Aufrichtens sein, ein Ort, wo ich weiß: Da habe ich einen Gefährten. Wenn ich hinfalle, dann gibt es da einen anderen, der lässt mich nicht einfach liegen, sondern der richtet mich wieder auf.
Manchmal sind wir die, die fallen. Dann brauchen wir jemanden, der uns aufrichtet. Manchmal sind wir die, die stark sind. Dann dürfen wir Lastenträger sein und andere aufrichten. Immer gilt dieses Prinzip: Geh nicht alleine durchs Leben. Es ist einfach nicht klug. Ja, aber muss man? Du musst jetzt nicht, aber es ist nicht klug. Diese Welt ist ein Stückchen zu kaputt, um sie alleine zu durchleiten. Und deswegen such dir Leute, die du magst, such dir Freunde, such dir eine Gemeinde und werde Teil davon. Und auch wenn sie nicht perfekt ist, wird sie dir manches Gute in dein Leben hineinbringen.
Vers 11: Auch wenn zwei beieinander liegen, so wird ihnen warm; dem Einzelnen aber, wie soll ihm warm werden? Ich habe jetzt mal hier geschrieben: Freundschaft bringt Wärme, sie bringt emotionalen Trost. Und der Text meint nicht unbedingt ein Ehepaar, das kuschelnd beieinander liegt. Eigentlich ist vom Bild her eher der Reisende gemeint, der nachts draußen in der Wüste übernachtet. Da wird es bitterkalt, und dann haben die sich so ein bisschen zusammengelegt. Ja, und das ist klar: Wenn ich da mit anderen zusammen so in einer Traube liege, dann wird mir warm. Wenn ich da alleine liege, bleibt es mir kalt.
Im übertragenen Sinn geht es um die emotionale Wärme, die sich Freunde spenden. Wenn die Welt um sie herum von Kälte und Ablehnung geprägt ist, dann brauche ich jemanden, der mal zu mir kommt und sagt: Hey, wir schaffen das. Hey, ich schätze dich. Ich habe heute so eine E-Mail gekriegt, wo jemand mir das geschrieben hat: dein dich schätzender ... Ich finde das total schön. Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber es ist so ein kleiner Funken, wo man sagt: Hey, danke, danke, habe ich gerade gut gebrauchen können.
Das ist der dritte Punkt. Also der erste Punkt war: Man arbeitet effektiver im Team. Der zweite: In Zeiten der Not können sich Freunde helfen. Der dritte: Freundschaft bringt Wärme, emotionalen Trost. Und das vierte, Vers 12: Und wenn einer den Einzelnen überwältigt, so werden doch die zwei ihm widerstehen, und eine dreifache Schnur wird nicht so schnell zerrissen.
Ist irgendwie klar. Ich mag so einfache Verse in der Bibel. Einen kann man besiegen, zwei können Widerstand leisten, drei sind eine Bank, da geht nichts mehr. Freundschaft bringt Sicherheit. Wo zwei oder drei zusammenstehen und füreinander eintreten, da wird es ganz, ganz schwer, diesen Zusammenhalt, der da ist, zu knacken.
Und deswegen brauchen wir Freunde. Es zahlt sich aus, gute Freunde zu haben.

Vorsicht vor der Verklärung von Freundschaft und vor dem Alleingang

Ich sage mal, wir müssen vielleicht auf der anderen Seite auch aufpassen, dass wir das Thema Freundschaft nicht romantisieren. Nicht jeder hat die Chance, einen Freund zu haben wie, jetzt nehme ich mal für mich den Inbegriff von Freundschaft aus der Literatur, Samweis Gamdschie.
Ich weiß nicht, ob ihr ihn kennt: Samweis Gamdschie aus dem Herrn der Ringe, der Freund von Frodo, der ihn bis zum Schicksalsberg begleitet, der ihn gegen alles Böse verteidigt und, wenn nötig, noch trägt. Vielleicht hast du nie die Chance, so einen Freund zu haben. Okay, aber wir merken an diesem einen Beispiel schon, wie wertvoll Freunde sind.
Und naja: Wenn wir schon nicht den Herrn der Ringe ernst nehmen, dann sollten wir Salomo ernst nehmen und uns ab und zu mal umschauen und sagen: Habe ich solche Leute an meiner Seite? Wie gesagt, romantisiere das nicht, suche nicht den perfekten Freund, den wirst du vielleicht nie finden. Aber so ein paar gute Freunde, von denen du weißt, wie definiere ich Freund, ein Freund ist der, wo ich mich nachts um drei, wenn ich auf der Autobahn liegen bleibe, trauen würde anzurufen, das ist für mich ein Freund. Jemand, zu dem ich mich mit meinen größten Nöten trauen würde hinzugehen und zu sagen: Hey, so sieht es aus, ich brauche dich jetzt. Das ist ein Freund.
Wie gesagt, es lohnt sich, gute Freunde zu haben. Freunde sind wichtig. Und noch etwas ist wichtig. Wir reden ja darüber, wie gehe ich durch diese Welt. Und wenn ihr euch noch erinnert, gestern Kapitel drei, am Anfang: Es gibt für alles eine Zeit. Also wir gehen durch eine Welt, die von Veränderung, von Wechselhaftigkeit, von Unstetigkeit geprägt ist, wo wir keine Chance haben zu wissen, was hinter der nächsten Ecke auf uns wartet. Und deswegen dieser Punkt: Geh nicht allein!
Aber noch etwas, und den nächsten Teil den mag ich sehr: Der Prediger Salomo konstruiert einfach mal eine Beispielgeschichte, ein ganz klein bisschen wie Kinderstunde.
Vers 13: Besser ein Junge, arm, aber weise, als ein König, alt, aber töricht, der es nicht versteht, sich warnen zu lassen.
Wer unerfahren und arm, aber weise ist, sagt der Vers, der ist besser dran als einer, der alt und einflussreich ist, aber sich dumm verhält, weil er sich nichts mehr sagen lässt. Der Weise, das ist der, der die Gefahr sieht und sich warnen lässt. Der Dummkopf, was ist das für einer? Das ist einer, der den Bezug zum Leben verloren hat. Also das ist einer, der genießt. Er genießt das Alter, er genießt die Stellung, er genießt das Prestige, aber gleichzeitig, weil er halt schon so alt ist und so viel erreicht hat, hält er sich für unangreifbar und er verliert seine Korrekturfähigkeit. Und genau das macht ihn verletzlich.
Also: Weder Alter noch Einfluss garantieren Weisheit und Erfolg.

Die Gefahr von Starrheit im Alter und der Wechsel der Generationen

So, und jetzt kommt ein Vers, von dem ich denke, dass er ein bisschen unglücklich übersetzt ist. Ich lese ihn erst einmal vor:
Ja, aus dem Gefängnis geht er hervor, um König zu werden, obwohl er als Armer unter der Königsherrschaft jenes Königs geboren wurde.
Warum finde ich das unglücklich übersetzt? Weil der Vers sich eigentlich nicht auf den Jungen aus dem Vers davor bezieht, sondern auf den alten König. Und ich werde das jetzt einmal verständlicher übersetzen:
Obwohl er, der alte König, aus dem Gefängnis hervorging, um König zu werden, obwohl er ein Armer war in seinem Königtum.
Ich sage das noch einmal: Obwohl er, der alte König, selbst die Erfahrung gemacht hatte, obwohl er aus dem Gefängnis hervorging, um König zu werden, obwohl er ein Armer war in seinem Königtum.
Der Punkt in dem Vers ist folgender: Der alte, unbewegliche, törichte König, der war selbst einmal jung und arm und im Gefängnis. Und damals war er bereit, etwas zu wagen. Damals hatte er sich der politischen Realität gestellt, war aktiv. Aber diese Einstellung, ich wage mal etwas, ich traue mich mal etwas, diese Einstellung ist im Alter weg.
Und jetzt noch einmal: Wisst ihr, was wir gestern gesagt haben? Alles hat seine Zeit. Entschuldigt, wir haben einige ältere Geschwister hier, ich möchte euch jetzt nicht wehtun. Aber was liebt das Alte? Kontinuität, bloß keine Veränderungen. Das ist das, was das Alter liebt.
Jetzt haben wir aber eine Welt, in der Veränderungen normal sind. Auf der einen Seite ältere Menschen, die sagen: Ich würde mir eigentlich wünschen, dass alles so bleibt, wie es ist. Mein Telefon mit der Wählscheibe, ach, das darf mir aber keiner wegnehmen. Diese kleinen Dinger hier mit diesem komischen Glasdisplay, was macht man denn damit? Ich weiß, das ist total fies, wie schnell sich Dinge ändern.
Und deswegen haben wir hier einen Text, der sich an ältere Menschen richtet und an ihre Sehnsucht danach, dass Dinge sich nicht verändern, dass sie bleiben, wie sie sind. Alles soll so bleiben, wie es ist. Keine Wagnisse, keine Neuerungen, auch dann nicht, wenn sich die Zeiten ändern. Was früher gut war, ist auch heute noch gut. Das ist das Denken von älteren Menschen. Bitte, ich möchte euch nicht wehtun, das sagt der Text, und wird auch morgen gut bleiben.
Aber das stimmt nicht. Das stimmt nicht. Der Prediger sagt: Diese Welt wird sich ändern. Es nützt nichts zu sagen: Ach, ich wünschte mir aber ... Es wird sich ändern. Und die Gefahr des Alters besteht darin, dass Veränderungen abgelehnt werden und dass man warnende Stimmen ignoriert. Und wo das passiert, wo das Alter sich nicht mehr warnen lässt, wo sich das Alter der Realität, der Veränderung entzieht, an der Stelle kommt, und das ist das Traurige hier, mit dem Alter die Dummheit.
Ich weiß nicht, ob ihr mich versteht, aber würde man diesen Vers ernst nehmen, bräuchte man keine Jugendkirchen. Keine Jugendkirchen.
Vers 15: Ich sah alle Lebenden, die unter der Sonne leben, mit dem Jungen, dem Zweiten, der an jene Stelle treten sollte.
Der alte König ist der erste Junge. Jetzt haben wir den ersten Jungen, der an die Macht kommt, aus Vers 13, und das ist jetzt der zweite Junge aus Vers 13, der wieder erscheint. Die Jugend wird an die Stelle des alten Königs treten. Warum? Nun ja, wo im Alter – ich habe jetzt harte Begriffe gewählt, aber der Prediger ist hart – wo im Alter so Starrsinn und Unbeweglichkeit einsetzt und mit ihnen die Dummheit, da dauert es nicht lange, bis neue Kräfte erscheinen und die Herzen der Menschen gewinnen.
Endlos das ganze Volk, alle, die er führte, doch auch über ihn werden sich die späteren nicht freuen, denn auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind.
Also, obwohl der neue König, der jetzt an die Stelle des alten, starren, unbeweglichen getreten ist, weise und mutig ist, obwohl er großen Einfluss auf das ganze Volk gewinnt, auch er ist nur ein unbedeutender Punkt in der Geschichte. Es ist total wertvoll, ein guter König oder eine gute Chefin zu sein, ich kann das einfach einmal übertragen, eine gute Chefin zu sein. Aber bleiben wir bitte bei alledem realistisch: Man wird beide vergessen.
Zu sagen: Mein Leben ist wertvoll, weil ich etwas erreicht habe, weil ich meine Chancen im Leben genutzt habe, weil ich aufgestiegen bin, vielleicht in Würde alt geworden bin – das ist Nichtigkeit oder ein Haschen nach Wind.
Wenn Gott uns die Möglichkeit gibt, auf das Leben anderer Einfluss zu nehmen, und ich denke, der Prophet Daniel ist ein ganz tolles Beispiel, wenn Gott uns diese Möglichkeit gibt, dann sollen wir das tun. Aber Vorsicht: Im Blick auf die Ewigkeit ist der Job, den du tust, wahrscheinlich nicht so bedeutend, wie du denkst.
Und noch einmal: Mit dem Aufstieg und mit dem Alter kommt eine ganz große Gefahr ins Leben hinein, und das ist der starre Sinn. Und öfter, als uns lieb ist, leider auch in Gemeinden, sind die Alten nicht unbedingt die Weisen. Und ein Grund für ihre Unbeweglichkeit könnte sein, dass sie sich und ihren Dienst und ihre Stellung einfach zu ernst nehmen.

Leben in einer wechselhaften Welt: Freude, Gerechtigkeit und Maß

Fassen wir das noch einmal kurz zusammen: Wie geht man damit um, dass es für alles eine Zeit gibt? Ich nehme die einzelnen Punkte noch einmal zusammen und nehme die von gestern mit dazu.
Gestern haben wir gesagt: Die Tatsache, dass das Leben sich verändert. Erstens: Genieße die guten Momente. Und freue dich daran, dass Gott alles im Griff hat. Genieße die guten Momente, freue dich daran, dass Gott alles im Griff hat.
Zweitens haben wir gestern gesagt: Verzweifle nicht über die Ungerechtigkeit. Denk daran, dass Gott richten wird.
Ein dritter Punkt, auch noch von gestern: Lass dich nicht von Aktionismus und von Faulheit verführen. Weder ein Übermaß an Arbeit noch ein falsches laissez-faire sind eine passende Antwort auf die Wechselhaftigkeit des Lebens.
Dann haben wir heute zwei weitere Punkte.
Erstens: Geh den Weg durchs Leben nicht allein. Such dir Freunde. Und wenn du verheiratet bist, ein ganz wichtiger Punkt: Schau, dass dein Partner dein wirklich bester Freund ist. Wenn nicht bester, dann vielleicht doch ein ziemlich guter Freund. Achte darauf. Auch das könnte man aus dem Hohelied sehr schön zeigen, wo sie sich gegenseitig Freund und Freundin nennen.
Und ein letzter Punkt, den wir eben hatten: Nimm dich in Acht vor Altersstarrsinn, der nur noch alles beim Alten lassen möchte, obwohl Veränderungen real sind.
Und dann ein weiterer Punkt: Sei vorsichtig bei dem, was du Gott versprichst. Ganz wichtiger Punkt. Ja, wenn es stimmt, dass sich alles ändert, wenn du nicht weißt, wie sich deine Lebensumstände verändern, dann Vorsicht!
Und jetzt kommen wir beim Prediger dahin, dass er uns vor leichtfertigem Schwören warnt.
Vers 1: Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Haus Gottes gehst. Also sei vorsichtig, wenn du das tust. Und herantreten, um zu hören, ist besser, als wenn die Toren Schlachtopfer geben, denn sie sind Unwissende, sodass sie Böses tun.
Das Haus Gottes ist der Tempel. Und jetzt sagt der Prediger: Es ist besser, einfach nur in den Tempel zu gehen, um zuzuhören, als ein Schlachtopfer zu bringen und sich dumm zu verhalten. Gemeint ist: sich dumm zu verhalten, indem ich in den Tempel gehe, ein Opfer bringe und Gott etwas verspreche, was ich dann nicht halten kann. Werden wir gleich sehen.
Dann heißt es hier: Denn sie sind Unwissende, sodass sie Böses tun. Unwissende in Bezug auf was? Nun, in Bezug auf ihre eigene Zukunft. Es passiert einfach so leicht, dass wir, weil wir die Zukunft nicht kennen und jetzt leben und unbedingt etwas erreichen wollen und denken, das muss doch jetzt kommen, Gott irgendetwas versprechen. Und in Wirklichkeit sind wir gar nicht in der Lage, es zu halten, und wollen es dann vielleicht auch irgendwann nicht mehr halten.
Kapitel 5, Vers 1: Sei nicht vorschnell mit deinem Mund, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen; denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde. Darum seien deine Worte wenige.
Es geht, wie wir sehen werden, weiter unten im Text um Gelübde.
So, jetzt hatten wir gestern ja schon eine Frage über Gebet. Es gibt drei Möglichkeiten, mein Gebet zu intensivieren, außer dass ich mehrmals für ein und dieselbe Sache bete. Also wenn mir eine Sache richtig wichtig ist, dann sagt die Bibel, kannst du drei Dinge tun.
Du kannst einmal flehen. Also du legst ordentliche Portionen Gefühl in dein Gebet hinein. Es macht einen Unterschied, ob man sagt: Herr, ich wünsche mir das, oder: Herr, ich wünsche mir das. Das ist ein Unterschied. Da ist mehr von mir mit drin.
Die zweite Möglichkeit: Ich kann fasten. Ich kann, wie vor kurzem mal hier in der Predigt, auf Essen verzichten. Ich kann meine Mittagspause nicht essend, sondern betend verbringen.
Und das Dritte: Ich lege ein Gelübde ab. Das ist Investment. Klingt ein bisschen fremd für uns, ich weiß. Aber vielleicht liegt es nur daran, dass wir einfach nicht genug beten. Vielleicht denken wir, wir haben schon alles.
Und noch mal gestern: Da war ja diese Frage mit dem Beten, und ich hatte erklärt, Beten ist wie so einen Pfeil abschießen, wisst ihr noch? Und man kann das jetzt auch übertragen und kann sagen: Wenn das normale Gebet ein Pfeil ist, dann ist, wenn ich flehentlich, fastend, mit Gelübde bete, vielleicht eher so, wie wenn ich einen Armbrustbolzen abschieße. Es hat etwas höhere Durchschlagskraft.
Beim Gelübde verspreche ich Gott, ihm etwas zu opfern, wenn er mir eine besonders große Bitte erfüllt. Das ist das, was man bei einem Gelübde tut. Und wenn ihr glaubt, das ist nur alttestamentlich, wir kommen da bei der Apostelgeschichte noch vorbei. Keine Sorge, das kommt noch. Also es ist durchaus neutestamentlich und auch ein neutestamentlicher Zug, dass wir das tun dürfen. Wir haben nicht so viele Möglichkeiten.
Und jetzt im Blick auf Gelübde: Wenn du vor Gott trittst und sagst: Wenn du das tust, dann werde ich das tun. Da sagt jetzt Salomo: Wenn du das tust, sei nicht vorschnell. Pass auf, was du sagst. Gott ist im Himmel, du bist auf der Erde. Vergiss nicht: Wenn du so leichtfertig daherplapperst, vergiss nicht, wer du bist. Du kannst nämlich Gott nicht manipulieren, du kannst ihn nicht kontrollieren und du kannst ihn nicht bestechen.
Vers 2: Denn bei viel Geschäftigkeit kommt der Traum, und bei vielen Worten törichte Rede.
Traum ist hier bildlich zu verstehen. Wir sagen das auch manchmal: Jemand hat große Träume. Er kann sich also viel vorstellen. Und der Text sagt: Jemand, der viel redet, der redet auch Blödsinn. Und jemand, der viele Projekte am Laufen hat, der so ein visionärer Typ ist, der neigt dazu, zu groß von sich zu denken. Und deswegen: Sei sparsam mit deinen Träumen und sei sparsam mit deinen Worten.
Dieser Vers ist tatsächlich eine Warnung an die Leute, die man vielleicht Macher nennt. Wenn du so ein visionärer Typ bist, und ich weiß, wie du dich fühlst, wenn du so einer bist, ich bin so einer, dann sagt uns dieser Text: Pass auf. Das ist okay, wenn du groß träumst. Ich bete auch gerade für eine größere Summe, die uns jemand schenkt. Du darfst dafür beten, und du darfst auch ein bisschen größer träumen. Aber Vorsicht! Vorsicht! Du kannst mit all deinen Träumereien die Geschichte nicht manipulieren, du kannst nicht Gott manipulieren. Wenn es dran ist, freu dich, aber wenn es nicht dran ist, dann ist es auch nicht dran. Und deswegen bleib bei alledem immer nüchtern, bleibe besonnen, lass dich von deinen Träumen nicht fortreißen.
Nur weil du Träume hast, bedeutet das nicht, dass Gott sie in Erfüllung gehen lassen muss. Wisst ihr, es ist ein ganz kleiner Sprung von einer geistlichen Hoffnung, zum Beispiel auf Erweckung, oder zum Beispiel darauf, dass wir hier noch eine Gemeinde gründen, oder was auch immer, hin zu törichter Rede. Egal, wie nobel deine Absichten sind, du kannst die Zeit nicht ändern.
Und jetzt wirst du sagen: Ja, aber wir können doch beten. Ja, können wir. Aber bitte, wenn du das tust, dann bleibe Anbeter, bleib Mensch, bleib genau in der Position dessen, der die Zukunft nicht kennt und sich ganz an Gott hängt, gerade auch in den Dingen des geistlichen Lebens.
Denn wenn du dich hinreißen lässt und sagst: Ich habe hier so eine große Idee, wo es mit uns hingehen soll, ja, also ich weiß nicht, ich wünsche mir eine Erweckung für Oberkrämer, ich wünsche mir, dass hier 20 der Leute, die hier wohnen, zum Glauben und in diese Gemeinde finden. Und Herr, ich würde dir das und das dafür geben. Wenn du das formulierst, weil du vielleicht gerade in so einer Phase der ekstatischen Anbetung bist: Vorsicht! Wenn du Gott etwas versprichst, dann musst du es halten. Das ist das Problem.
Vers 3: Wenn du Gott ein Gelübde ablegst, zögere nicht, es zu erfüllen; denn er hat keinen Gefallen an den Toren. Was du gelobst, erfülle.
Also Gott findet es überhaupt nicht toll, wenn du ihm irgendwas erzählst. Wir haben es hier mit einem Narren zu tun. Einer, der ein Gelübde ablegt, der ist also gläubig und überlegt erst im Nachhinein, was er da eigentlich gesagt hat. Er hat sich wirklich von seinen Träumen, von seinen Wünschen wegreißen lassen, Gott Dinge zu versprechen, und jetzt zögert er. Jetzt denkt er sich: Was habe ich da eigentlich gesagt? Und der Prediger muss ihm sagen: Gott hat keinen Gefallen an Dummköpfen. Was du gelobst, also was du versprichst, Gott zu geben, das erfülle.
Vers 4: Besser, dass du nicht gelobst, als dass du gelobst und nicht erfüllst.
Also Gott hat überhaupt kein Problem damit, wenn du ein bisschen nüchterner bist und sagst: Gott, weißt du, also ich will hier mal ein bisschen Zurückhaltung üben. Ich würde mir das schon wünschen, aber hey, überleg, was du sagst. Gott sucht den besonnenen Gläubigen, nicht den Träumer. Und keine Angst: Wenn du so ein bisschen der nachdenkliche Typ bist und vielleicht eher ein Stückchen zurückhaltender, Gott wird dir genug Aufgaben geben für dein Leben. Aber es ist wichtig, dass wir uns Gott nicht zum Feind machen.
Vers 5: Gestatte deinem Mund nicht, dass er dein Fleisch in Sünde bringt. Plapper nicht drauflos und sprich nicht vor dem Boten Gottes.
Und der Bote Gottes ist jetzt wahrscheinlich ein Abgesandter des Tempels. Im Tempel sagt man also: Wenn Gott das macht, dann bekommt Gott von mir, sagen wir mal, meinen Traktor und meine Carrerabahn und von mir aus noch etwas Nettes oder mein ganzes Haus oder so. Jetzt kommt der Bote Gottes und sagt: Gott hat das gemacht, du hast das doch versprochen. Ich würde das jetzt gerne mitnehmen. Gib mir mal deinen Traktor und gib mir mal deine Carrerabahn, das kommt jetzt alles weg. Hast du doch Gott versprochen.
Und sprich nicht vor dem Boten Gottes: Es war ein Versehen. Huch, ich habe das gar nicht so ernst gemeint. Ach ja, man redet halt so dahin, wenn man so mit Gott redet. Vorsicht! Gott ist im Himmel, du bist auf der Erde. Vorsicht, denk nach, bevor du mit Gott redest. Denn wenn du das nicht tust, wozu soll Gott über deine Stimme zürnen und das Werk deiner Hände verderben? Warum möchtest du Gott ärgerlich machen? Versprich ihm nicht, was du ihm nicht geben willst. Warum? Weil er es absolut nicht mag.
Und bei solchen Texten, kleiner Exkurs, wirklich nur ganz klein: Ich schlucke manchmal, wenn wir Lieder singen. Warum schlucke ich bei Liedern? Weil es Liedtexte gibt, wo wir Gott etwas versprechen. Jetzt muss man das, weil es ein Liedtext ist, nicht vielleicht ganz so hoch wie ein Gelübde, ja, aber es ist schon ziemlich dicht dran, und ich wüsste jetzt sprachlich auch nicht, wo ich den Unterschied machen sollte.
Ich gebe dir mein Herz und alles, was ich bin. Um deinetwillen, Herr, lege ich alles vor dich hin. Das, was ich mir erträume, was meine Rechte wären, ich gebe alles auf für ein neues Leben. Herr, mein ganzes Leben gebe ich dir, gebe ich dir, mein ganzes Leben gebe ich dir, gebe ich dir.
Das ist ganz schön viel. Es ist wirklich ganz schön viel. Und wir müssen aufpassen. Formal ist das ein Gelübde: Gott, ich stehe hier, ich hätte gerne von dir etwas, nämlich dich, und dafür kriegst du mich. Es ist ein toller Gedanke. Ich habe nur manchmal ein bisschen Sorge, wenn man das so singt. Also ich singe das auch mit, und ich frage mich dann immer: Meine ich das so? Gehört mein Leben wirklich Gott? Die Frage muss man sich mindestens stellen. In dem Moment einfach nur mitzusingen und Gott alles Mögliche zu versprechen und alles Mögliche zu schenken, ja, was man hat oder nicht hat, ja, Vorsicht. Einfach ein Stückchen. Vielleicht kann das der Text schaffen: ein klein bisschen Vorsicht dabei.
Gott findet es überhaupt nicht lustig, wenn wir ihm jeden Gottesdienst unser Leben schenken, um es nach dem Gottesdienst wieder zurückzunehmen und es unter vielleicht Sorgen und Wohlstand und Spaß zu begraben.
Vers 6: Denn bei vielen Träumen und Nichtigkeiten sind auch viele Worte. So fürchte Gott.
Toller Satz: Fürchte Gott, pass auf, dass dein Verhältnis zum Vater im Himmel stimmt.

Ordnung, Verantwortung und die Grenzen menschlicher Macht

Neues Thema, Vers sieben: Wenn du Unterdrückung des Armen und Raub von Recht und Gerechtigkeit im Land siehst, wundere dich nicht über die Sache. Denn ein Hoher wacht über dem anderen Hohen, und Hohe über ihnen beiden.
Okay, was Salomo hier beschreibt, ist Verwaltungshierarchie. Ein Hoher wacht über dem anderen Hohen, und Hohe über ihnen beiden. Und er sagt: Wenn du eine Verwaltungshierarchie siehst, dann geh davon aus, dass sie immer anfällig ist für Korruption und Ungerechtigkeit. Du brauchst dich darüber nicht zu wundern. Wenn es nur genug Menschen gibt, die politisch aktiv sind, dann wird es immer auch ein paar schwarze Schafe dabei geben.
Und trotzdem ist das gut. Vers 9: Doch ein Gewinn für das Land ist bei alledem dies: Ein König, der für das bebaute Feld sorgt.
Also auch wenn man ein politisches System ausnutzen kann, so ist der Prediger definitiv kein Anarchist. Der Begriff König steht hier für das gesamte politische System. Der König oder das politische System ist vielleicht ein Übel. Es funktioniert nicht perfekt, aber es ist ein notwendiges Übel, weil es so ein Grundmaß an Recht und Ordnung sicherstellt.
Das wird hier formuliert im Blick auf das, was in einer Agrargesellschaft einfach das Wichtigste ist: dass das mit der Landwirtschaft funktioniert. Wenn nämlich völlige Gesetzlosigkeit herrscht, dann gibt es keine Besitzrechte. Dann macht jeder mit dem Grund und Boden, was er will. Dann gibt es keinen geregelten Zugang, was weiß ich, zu Brunnen. Da gibt es keine Reparatur von Wasserleitungen, keinen geordneten Widerstand, wenn irgendwo eine Armee einfällt.
Und jetzt sagt der Prediger hier: Chaos ist schlimmer als Korruption. Kümmert sich eine Regierung um die wesentlichen Lebensgrundlagen, dann hat man schon viel gewonnen.
Ich habe euch am Anfang gesagt, ich bin noch nicht ganz sicher, warum der Prediger das so aufbaut. Das ist so eine Stelle, wo ich denke: Ja, vielen Dank, dass du mir das jetzt gesagt hast.
Als Nächstes kommt das Thema Reichtum. Das wird jetzt wieder ein bisschen ausführlicher behandelt. Da heißt es nämlich in Vers 10: Wer Geld liebt, wird des Geldes nicht satt, und wer den Reichtum liebt, nicht des Ertrages. Auch das ist Nichtigkeit.
Schön, he? Also wenn du Geld liebst – darum geht es hier. Der Prediger hat kein Problem damit, wenn du Geld haben möchtest oder wenn du Geld verdienst oder wenn du wohlhabend wirst. Das ist alles okay. Aber wenn du Geld liebst, dann wirst du des Geldes nicht satt. Habsucht macht süchtig, aber schenkt keine Befriedigung. Der Habsüchtige will immer mehr.
Wenn das Gut sich mehrt, Vers 11, so mehren sich die, die davon zehren.
Das ist süß, ja. Also wenn du reich wirst, weißt du, was du dann immer auch kriegst? Genau: Schmarotzer. Nämlich Menschen, die sagen: Oh, kann ich was abhaben? Ja, ich möchte auch was haben.
Und welchen Nutzen hat sein Besitzer, als dass seine Augen es ansehen? Man kann nicht mehr als leben. Ab einer bestimmten Menge Geld kann man eigentlich nur noch den Wohlstand anschauen. Wirklich genießen kannst du ihn nicht mehr. Es geht einfach nicht. Wenn du dir eine zweite Villa kaufst, weil du sagst, man braucht halt auch noch eine Villa woanders, dann kannst du nur gleichzeitig in einer wohnen. Es geht dann nur dieses: Ja, du kannst dir ein paar Bilder davon anschauen, gehört mir auch noch. Mehr geht nicht. Wirklicher Genuss ist das nicht.
Und das mit dem Reichtum geht noch weiter. Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig oder viel isst, aber der Überfluss des Reichen lässt ihn nicht schlafen.
Also übermäßiger Reichtum verschafft keine Ruhe, sondern Schlaflosigkeit. Der Reiche macht sich Sorgen darum, wie er seinen Reichtum schützen kann. Cool. Eigentlich sollte es genau andersherum sein. Er sollte eigentlich total zufrieden, total entspannt schlafen. Tut er nicht.
Vers 12: Es gibt ein schlimmes Übel, das ich unter der Sonne gesehen habe: Reichtum, der von seinem Besitzer zu seinem Unglück aufbewahrt wird.
Also immer nur zu denken: Wenn ich reich bin, dann bin ich sicher. Falsch! Reichtum kann gefährlich sein. Viel haben macht das Leben nicht sicherer. Und das wissen die, die sich die Frage stellen: Wie sorge ich dafür, dass mein Kind nicht entführt wird? Und das ist nur ein Beispiel. Also zu sagen: Wenn ich reich bin, ist alles gut – falsch! Reichtum ist gefährlich, und Reichtum ist unsicher.
Vers 13: Und geht solcher Reichtum durch ein unglückliches Ereignis verloren, und hat er, der Reiche, einen Sohn gezeugt, so ist gar nichts in dessen Hand.
Also es reicht ein einziges unglückliches Ereignis, und meine Kinder stehen mit nichts da. Na ja, und dann wissen wir ja schon: Der Reiche, wer den Reichtum liebt, der kann ihn nicht mitnehmen.
Vers 14: Wie er aus dem Leib seiner Mutter hervorgekommen ist, nackt wird er wieder hingehen, wie er gekommen ist. Und für seine Mühe wird er nicht das Geringste davontragen, das er in seiner Hand mitnehmen könnte.
Wir gehen so, wie wir gekommen sind. Du kannst dir so viel anhäufen, wie du willst, du nimmst nicht einen müden Euro mit. Wenn du stirbst, bleibt alles hier.
Vers 15: Und auch dies ist ein schlimmes Übel: Ganz wie er gekommen ist, wird er hingehen. Und was für einen Gewinn hat er, der Reiche, der das Geld liebt, gemeint ist, was für einen Gewinn hat er davon, dass er für den Wind, für etwas, was man nicht festhalten kann, sich müht?
Antwort: Keinen.
Wenn du dir hier eine Yacht leisten kannst oder ein Reitpferd, eine Luxusvilla, so ein ganz edler Sportwagen – alles bleibt hier. Wenn wir falsche Prioritäten im Leben setzen, es gibt einen Indikator, der dir zeigt, was eine Sache wert ist. Du musst lediglich den Test Tod wählen. Der Tod bringt ans Licht, was deine Prioritäten wert sind.
Vers 16: Auch ist er all seine Tage in Finsternis und hat viel Verdruss und Krankheit und Zorn.
Bei dem Wort Krankheit schnappt euch mal drüber, die bessere Übersetzung wäre vielleicht in dem Zusammenhang hier Probleme. Der Reiche ist oft weniger krank als der Arme. Aber das, was der Prediger hier sagen möchte, ist doch folgendes: Reichtum bringt kein Licht. Und ich sehe hier Licht als moralischen Durchblick, Licht und Finsternis. Wenn ich reich bin, dann bin ich nicht der, der moralisch alles durchschaut. Das ist oft umgekehrt. Die reichen Leute sind ja nicht deshalb so reich geworden, weil sie sich immer an die Gesetze und an Gottes Gebote gehalten haben. Sie werden eher abgestumpft.
Wenn ihr euch erinnert an das, was im ersten Timotheusbrief steht, 1. Timotheus 6,10. Da heißt es: Denn eine Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe, nach der einige getrachtet haben und von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben.
Das ist das, was der Prediger hier sagen möchte. Es gibt Verdruss, Probleme, Zorn oder mit anderen Worten: Der Reiche erfährt Niedergeschlagenheit, Probleme, Missmut. Die Reichen, die wirklich reichen, sind oft nicht die nettesten Menschen, sondern sind oft komische Leute.
Frage: Wie sieht dann die Lösung aus, wie gehe ich richtig mit Reichtum um? Und eigentlich müsstet ihr mir das jetzt sagen können, weil der Prediger kommt wieder an den Punkt, wo wir schon ganz oft waren. Auf der einen Seite ist er dagegen, dass wir für den Reichtum leben. Und wenn du merkst, in meinem Leben gibt es da etwas, mein Herz hängt an etwas, was ich habe, und ich möchte eigentlich immer mehr davon, was auch immer das ist, dann sei an der Stelle nüchtern und tue Buße und schmeiß das, woran dein Herz hängt, wenn es nicht Gott ist, raus.
Auf der anderen Seite: Wie sieht die Lösung im Umgang mit Geld aus? Na ja, Vers 17: Siehe, was ich als gut, was ich als schön erkannt habe, dass einer isst und trinkt und Gutes sieht bei all seiner Mühe, mit der er sich abmüht unter der Sonne, die Zahl seiner Lebenstage, die Gott ihm gegeben hat; denn das ist sein Teil.
Das klingt so harmlos, und es ist so tief. Auf der einen Seite ist die Arbeit und die Mühe da, ja, gehört zum Leben dazu. Und mittendrin: Was ich als schön erkannt habe, dass einer isst und trinkt und Gutes sieht bei all seiner Mühe. Das kennt ihr vom ersten Tag an, dieses: Gott schenkt uns diese kleinen Momente der Freude.
Und dann geht es noch ein Stück weiter. Auch jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Güter gegeben hat. Also wenn du jetzt sagst, bei mir ist es nicht nur das Kleine, ich habe erlebt, dass da Wohlstand entstanden ist, auch das gehört zum Segen, den Gott gibt. Natürlich hat das dann auch viel mit den geopolitischen Bedingungen zu tun. Wenn Krieg ist, dann kann man das nicht so erleben. Aber natürlich heißt es hier in Sprüche 10,22: Der Segen des Herrn, der macht reich. Es ist schon so, dass Gott das auch kann.
Gott kann uns segnen. Also auch jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Güter gegeben und den er ermächtigt hat, davon zu genießen und seinen Teil zu nehmen und sich bei seiner Mühe zu freuen, das ist eine Gabe Gottes.
Merkt ihr den Unterschied? Nicht dieses: Ich liebe das Geld und ich will immer mehr davon haben und es wird irgendwie nie genug und ich kann nachts nicht mehr schlafen und denke: Huch, was wird sein, wenn das weg ist. Sondern andersrum: Ich lebe mit Gott, mein Fokus ist Gott. Und weil ich Gott liebe, vor Gott lebe, weil ich, was wir in der Geschichte oder in dem Thema davor hatten, weil ich Gott fürchte, deswegen segnet er mich, beschenkt er mich, und ich nehme das, was er mir gibt, und ich genieße es, ich freue mich, weil es eine Gabe Gottes ist.
Und dann bin ich vielleicht einer, und das sind wahrscheinlich die aller-, aller glücklichsten Menschen, die es so auf der Erde gibt. Dann bin ich vielleicht einer, ja, Vers 19: Denn er denkt nicht viel an die Tage seines Lebens, weil Gott ihn mit der Freude seines Herzens beschäftigt.
Ist das ein cooler Gedanke? Gott beschenkt mich, weil er mir quasi Arbeit machen möchte. Er sagt: Ich möchte dich mal mit der Freude deines Herzens beschäftigen.
Wenn du jetzt denkst, das ist das Ziel allen Lebens, wahrscheinlich nicht. Es wird auch nicht immer so sein, dass Gott uns mit der Freude beschäftigt. Aber wenn er das mal tut, wenn solche Zeiten sind, die einfach schön sind, wo vielleicht ein Ehepaar erlebt, dass die Kinder aus dem Haus sind und sich so ein zweiter Frühling abzeichnet, wo man einfach noch mal so sich anschaut und neu entdeckt, wie lieb man sich hat, wenn so eine gute Zeit ist, an der Stelle, wo Gott uns mit der Freude unseres Herzens beschäftigt, wo vieles andere wegfällt, wo man sagt: Dafür habe ich jetzt gar keinen Blick mehr, irgendwie so ein bisschen Wolke sieben.
Wenn das in deinem Leben gerade so ist, dann genieße das, sag danke, hab kein schlechtes Gewissen und verstehe es als das, was es ist: Es ist ein Geschenk Gottes an dich.

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