Einleitung: Das Bild vom heißen Ofen und der Staffelstab des Evangeliums
In der Gegend, wo ich herkomme, kann man einen alten Hochofen besichtigen. Das ist ein gewaltiger Ofen, der etwa dreißig Meter hoch ist und in dem man Eisen herstellen kann. Er wird bei einer Temperatur von circa zweitausend Grad gehalten.
Bei diesem Ofen ist es absolut wichtig, dass er immer heiß gehalten wird. Wenn er nicht heiß gehalten wird, dann würde das Eisen abkühlen. Der Hochofen würde zu einem kalten Eiszylinder erstarren und dann entweder kaputt sein oder gar nicht mehr in Betrieb genommen werden können. Die einzige Möglichkeit, wie das funktioniert, ist wirklich, dass sich eine Arbeitsschicht fließend an die andere reiht, sodass die nächste Schicht Arbeiter bereitsteht, um diesen Ofen weiter anzufachen.
Und genau so, und das zeigt uns unser heutiger Text, ist es beim Evangelium absolut notwendig, dass die nächste Generation von Predigern bereitsteht, um diesen Hochofen, diese Glut der Evangeliumsverkündigung, in dieser Generation heiß zu halten. Wir haben hier in diesem Text einen Prediger vor uns, dessen Lauf vollendet ist. Paulus sagt in Vers sieben: Ich habe den Lauf vollendet. Und er spricht zu einem jüngeren Prediger und sagt ihm in Vers fünf: Vollende nun deinen Dienst. Hier wird der Staffelstab übergeben. Dies ist ein entscheidender Moment.
Paulus und mit ihm die anderen Apostel Jesu Christi gehen nach Hause, sie werden abberufen. Und wie geht es jetzt weiter? Die letzten Zeilen seines letzten Briefes nutzt Paulus, damit eine neue Generation von Predigern eine klare Sicht darauf hat, was es bedeutet, treu weiter zu verkündigen und das Evangelium in dieser Welt lebendig zu halten und auszubreiten.
Das ist mein Ziel dieser Predigt. Mein Ziel ist es, dass wir eine klare Sicht darauf haben, was es bedeutet, als Verkündiger des Wortes Gottes seinen Lauf treu zu gehen und zu vollenden. Deswegen spreche ich heute in erster Linie diejenigen unter euch an, die Prediger sind, die Verkündiger des Wortes werden wollen und auch solche, die vielleicht gerade auf ihrer letzten Wegstrecke sind.
Und der dreifache Appell dieses Textes, der dreifache Appell Gottes an uns, ist erstens: Gehorche dem göttlichen Befehl, Verse eins bis fünf. Zweitens: Sei bereit für den Abschied, Verse sechs bis acht. Und drittens: Verbleibe in demütiger Treue, Verse neun bis zweiundzwanzig.
Der erste Auftrag: Das Wort unter Gottes Blick verkündigen
Erstens: Lieber Verkündiger, gehorche dem göttlichen Befehl. Verse 1 bis 5.
Gott und Jesus Christus, der Lebende und Tote richten wird und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit, überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre. Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt. Und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden. Du aber sei nüchtern in allem, ertrage Leid, tu das Werk eines Evangelisten, vollbringe deinen Dienst.
Also der erste Punkt ist: Gehorche dem göttlichen Befehl.
Bevor wir uns den Befehl anschauen, lasst uns zuerst sehen, wie dieser Befehl von Paulus vorbereitet wird, inspiriert vom Heiligen Geist, was uns die Verse vorher gezeigt haben. Tatsächlich ist es so, dass John Piper 2012 von dieser Kanzel aus dieses Wort ausgelegt hat. Und als er die Einleitung zu diesem Befehl aufgriff, da sagte er diese Worte: Mir ist keine andere Stelle in der Bibel bekannt, wo ein Befehl vorgestellt wird mit so einem Maß an Intensität.
Dieser Befehl, predige das Wort, ist nicht einfach das persönliche Anliegen von Paulus an die neue Generation von Predigern. Hier ist nicht einfach menschlicher Rat und Weisheit. Deswegen sagt Paulus nicht: Ich ermahne dich nun, Timotheus, als Apostel Jesu Christi. Nein, er erwähnt nicht sein Apostelamt. Das, worauf Paulus sich bezieht, ist größer. Ich bezeuge eindringlich vor Gott, Timotheus. Ich sage dir, während Gott und sein Sohn Jesus Christus gerade ihren Blick auf dich richten. Ich sage dir im Angesicht seines ewigen Reiches, seiner Wiederkunft: Predige das Wort.
Wenn ein König in ein Amt eingeführt wird, dann geschieht das für gewöhnlich nicht allein oder mit nur einer Handvoll Menschen, sondern öffentlich. Und es geschieht in Anwesenheit des Volkes, in Anwesenheit des Adels und normalerweise auch in Anwesenheit von Vertretern anderer Nationen, denn das sind in dieser Welt die höchsten Instanzen, die da sein könnten. Aber wenn ein Verkündiger des Wortes Gottes seinen Auftrag erhält, dann denken wir nicht so winzig. Die Instanzen, auf die wir uns berufen, die vor uns stehen und mit denen wir es als Prediger zu tun haben, sie sind viel größer.
Und diesen Blick auf Gott brauchst du als Prediger, diesen Blick auf Gott brauche ich, auf seine Majestät, auf sein Angesicht, das auf mir ruht. Wir brauchen eine tiefe Gottesfurcht, die uns vor seinem Wort zittern lässt. Zittern lässt, weil wenn wir vor seinem Wort erzittern, dann werden wir von nichts und niemand anderem zittern.
Man sagte über den Prediger Thomas Hooker, dass er, wenn er an der Kanzel stand und predigte, so eine majestätische Sicht Gottes hatte, so ein tiefes Gottesbewusstsein in seinem Herzen, dass, wenn der König von England in der Versammlung anwesend gewesen wäre, er den König hätte nehmen und wie ein kleines Figürchen in seine Westentasche stecken können.
Ich bezeuge auch euch und mir selbst vor Gott und Jesus Christus, seinem Reich, seiner Wiederkunft. Und damit kommen wir zum eigentlichen Befehl: Predige das Wort. Das ist der Befehl.
Ein Verkündiger mag einige unterschiedliche Tätigkeiten haben, aber hier hörst du die wichtigste. Von all deinen Tätigkeiten: Predige das Wort. Interessant ist, Paulus sagt zuerst in Vers 2: Predige das Wort, und dann sagt er in Vers 5: Tu das Werk eines Evangeliumsverkündigers. Das sind wie Synonyme. Das Wort zu predigen bedeutet, das Evangelium zu predigen, weil die Botschaft des Wortes im Kern das Evangelium der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi ist.
Deshalb sagt Paulus: Predige das Wort, Timotheus. Weil das geschriebene Wort uns die Rettungsbotschaft hören lässt. Weil das geschriebene Wort uns mit dem lebendigen Wort Jesus Christus verbindet. Weil das geschriebene Wort uns das lebendige Wort Jesus Christus kennenlernen lässt.
Und wenn wir die Frage stellen, wie beschreibt Paulus seinen Predigtdienst, wie fasst er seinen ganzen Predigtdienst an anderen Stellen im Neuen Testament zusammen, dann ist es so Christuszentriert. Paulus sagt: Wir predigen Christus. 2. Korinther 4. Ihn verkündigen wir, Kolosser 1. Ich wollte unter euch nichts anderes wissen als Jesus Christus, 1. Korinther 2. Euch wurde Jesus Christus als gekreuzigt vor Augen gemalt, Galater 3. Mir ist es gegeben, den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen, Epheser 3.
Paulus sagt also zu uns, die wir sein Wort verkündigen: Timotheus, durch dieses gepredigte Wort hast auch du einst von Jesus Christus gehört. Durch dieses gepredigte Wort hat Jesus Christus selbst sich dir einst vorgestellt, und du wurdest gerettet. Und dieses Wort hat Licht in dein finsteres Herz hineingeleuchtet, und es wurde Licht. Deshalb predige das Wort. Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber durch das Wort Gottes.
Das bedeutet: Das Wort ist so bedeutsam. Hier fällt der Hammerschlag. Zwischen einem heiligen Gott und dem sündigen Menschen steht der Prediger. Deshalb predige das Wort.
Predige das Wort auch deshalb, weil es Menschen nicht nur rettet, sondern auch heiligt. Das waren die Verse, die gerade zuvor kamen, 2. Timotheus 3,16-17. Das Wort ist von Geist eingegeben und hat den Nutzen zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, bis der Mensch vollkommen und für jedes gute Werk vorbereitet ist.
Das bedeutet, wir wollen in unseren Gemeinden geistlich reife Menschen sehen. Wir wollen gerne weitere Diakone, Hauskreisleiter, Älteste haben. Lass das Wort Gottes das Werk Gottes vollbringen. Es rettet, aber es heiligt auch.
Predige das Wort, predige auch deshalb das Wort, Timotheus, weil das Wort Gottes nicht gebunden ist. Das hat Paulus schon in 2. Timotheus 2,9 gesagt: Das Wort ist nicht gebunden. Timotheus, wenn du irgendwann ins Gefängnis kommst, so wie ich, oder wenn du irgendwann beerdigt wirst, predige deshalb das Wort. Denn egal wie es um dich steht, deine Botschaft wird weitergehen. Sie ist nicht gebunden. Und deswegen hoffen wir nicht auf Prediger, sondern wir bauen auf das Wort.
Ein wunderbares Beispiel dafür ist das Jahr 1662. 1662 wurden mit einem Schlag 2000 Puritaner von ihren Kanzeln verwiesen. Sie konnten nicht mehr predigen, mussten teilweise ins Exil, einige kamen ins Gefängnis. Aber wie sich herausstellte, in Gottes wunderbarer Vorsehung: Man konnte zwar ihre Kanzeln zum Schweigen bringen, aber nicht ihre Stifte. Sie schrieben und verbreiteten Bücher, gerade in dieser Zeit. Und heute, über 250 Jahre nach ihrem Leben, stellen wir fest, dass gerade ihre Bücher, getrennt von ihrer Person, die Gott gebraucht hat, mehr Menschen mit dem Wort erreicht haben, als zu ihren Lebzeiten.
Und deswegen, lieber Prediger, predige das Wort. Predige aber auch deswegen das Wort, weil es Widerstand gibt. Vers 3: Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden.
Wie tragisch ist das. Wir haben hier die Begriffe Begehren und heilsame Lehre. Und eigentlich müsste man doch sagen, das Begehren der Menschen sollte ja gerade die heilsame, die heilbringende Lehre des Wortes Gottes sein. Und das Unfassbare: Es ist umgekehrt. Da ist so eine Verdorbenheit, die uns Menschen anhaftet, dass wir der heilsamen Lehre Gottes abgeneigt sind, also dass wir gegen sie abgeneigt sind, dass wir diese Neigung haben, dies nicht zu wollen, und stattdessen etwas zu begehren, was uns von der heilsamen Lehre und von Jesus Christus wegführt.
Bei den einen ist es vielleicht so: Die wollen gerne das gepredigte Wort, aber halt so, dass sie die Gnade Gottes benutzen können, um mit einem reinen Gewissen zu sündigen, Beispiel Judas. Oder dass sie die Gnade so gepredigt haben wollen, dass da doch noch ein bisschen Werke reinkommen, damit sie auf ihre Werke schauen und daraus Heilsgewissheit ziehen können, statt durch Christus allein und was er getan hat.
Das Wort ist angegriffen, und es wird von solchen angegriffen, die dich hören. Es wird von solchen angegriffen, die in den Reihen sitzen, wo du predigst. Und umso mehr: Predige das Wort.
Liebe Verkündiger des Wortes Gottes, vielleicht möchte Gott dem einen oder anderen von uns heute neu vor Augen halten, was wir jede Woche eigentlich tun, damit wir uns neu darauf besinnen. Und da, wo wir es nötig haben, lasst uns auch bußfertig zum Herrn umkehren, wenn wir feststellen, dass es doch so ist, dass sich die Verkündigung des Wortes wegen meiner Menschenfurcht doch salonfähig gemacht und angepasst habe. Predige das Wort.
Die Instanz, die hinter diesem Mandat steht und auch hinter dir steht, wenn du das tust, ist Gott.
Der zweite Auftrag: Abschied, Verlust und der bleibende Lohn
So, Timotheus hat den Befehl bekommen. Aber dieser Befehl gewinnt jetzt noch an Gewicht, wegen der Perspektive, dass Paulus von ihm Abschied nimmt. Und damit komme ich zum zweiten Punkt: Sei bereit für den kommenden Abschied.
Verse 6-8: Denn ich werde schon als Trankopfer gesprengt, und die Zeit meines Abscheidens steht bevor. Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt. Fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag. Nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb gewonnen haben.
Sei bereit für den kommenden Abschied.
Vermutlich haben die meisten von uns nicht so eine tiefe, nicht so eine tiefgreifende Beziehung zu ihrem Glaubensvater oder ihrer Glaubensmutter gehabt, wie es Timotheus zu Paulus hatte. Paulus war ein Vorbild durch und durch. Da gab es keinen Skandal, und er war auch ein zärtliches Vorbild. Ihn verlangte nach Timotheus, haben wir am Briefanfang gesehen. Er betet Tag und Nacht für ihn. Im Philipperbrief sagt er: Ich habe keinen anderen, der so eines Sinnes ist mit mir.
Sie waren nicht nur Vater und Sohn, sondern best friends. Timotheus weinte beim Abschied, wurde uns ebenfalls am Briefanfang gesagt. Und das war nicht der endgültige Abschied. Und ich stelle mir vor, wie Timotheus jetzt diesen Brief in seiner Hand hält und diese Worte seines Glaubensvaters liest: Denn mein Abschied steht bevor. Ich stelle mir vor, wie er sich die Tränen abwischt. Obwohl Paulus sagt: Beeile dich, zu mir zu kommen, und wir damit rechnen, dass danach noch ein Besuch, noch ein Wiedersehen stattgefunden hat, ist dies doch das Testament.
Ich musste bei dieser Stelle daran denken, dass in den letzten Jahren auffällig viele von den Verkündigern und Predigern, die viele hier auch schätzen, in kurzer Zeit vom Herrn heimgerufen wurden: R. C. Sproul, Voddie Baucham und die Person, bei der es mich am meisten bewegt hat, war John MacArthur. Und es stimmt alles, was wir in den letzten Predigten gehört haben: Online-Prediger, Riesensegen, wir brauchen die Ortsgemeinde, wir brauchen Menschen, die auch an unserem Sterbebett stehen. Ja und Amen dazu ist kein Widerspruch.
Und dennoch hätte ich ihm gerne gesagt: Weißt du, durch deine Predigten warst du wie ein Glaubensvater für mich, ein kleines bisschen. Und gerade bei John MacArthur, als ich zum Glauben kam, hatte er schon schneeweißes Haar. Und zehn Jahre später immer noch. Der sah immer noch genauso aus, und ich weiß nicht, ich dachte bei John MacArthur irgendwie unbewusst: Der bleibt für immer da, der wird niemals gehen. Und dann kommt aber eines Morgens, ich öffne Social Media und ich sehe es: heimgegangen.
Und dann las ich bei YouTube einen YouTube-Kommentar, und der sprach so aus meinem Herzen. Da sagte einer gerade zu diesen Predigern, die heimgegangen sind: Als sie noch unter uns waren, fühlte sich die Welt ein ganz klein wenig sicherer an. Und ich dachte: Irgendwie ja.
Und es fällt mir auch schwer, in Worte zu fassen, was es mit mir macht, dass so viele von euch Predigern in diesem Land ihren Dienst tun, treu, ohne Skandale, aus Liebe zum Herrn und seinem Volk. Ich kann euch sagen: Das macht etwas mit mir. Es stärkt mich in meinem Dienst, es macht mich mutig.
Und doch hält uns dieser Text vor Augen, und mir ganz persönlich: Ich darf meinen Dienst am Wort Gottes nicht auf andere Prediger gründen. Sie dürfen nicht mein Fundament sein, und meine Überzeugungen darf ich nicht deswegen halten, weil halt er und er genau das Gleiche denken. Nein, das Wort Gottes muss mein Fundament sein als Prediger. Ich muss es studieren. Es müssen meine Überzeugungen werden. Es muss mein himmlisches Manna sein, damit ich vom Wort durchdrungen bin.
Deswegen lasst uns bereit sein, Abschied zu nehmen. Lasst uns unserem eigenen Herzen sagen: Dies ist mein Mandat, das Wort Gottes, und ich werde und muss es weiter predigen, auch wenn andere Verkündiger vom Herrn heimgerufen werden. Und da ist auch unser Lohn. Wie Paulus es hier sagt: Da kommt letztendlich unser Lohn. Unser Lohn ist somit nicht der Applaus, nicht Klickzahlen, nicht Gemeindewachstum, nicht mehr Mitglieder. Das ist uns bei unserem Dienst weder gewiss, noch kann es unser Herz erfüllen. Es ist alles leer.
Und das zeigt uns der dritte Punkt in dieser Predigt. Paulus zeigt uns hier im letzten Punkt die Realität des Dienstes, und zwar in den letzten Schritten, in seinem letzten Lebensabschnitt. Und damit komme ich zum dritten Punkt: Verbleibe in demütiger Treue.
Verse 9-22: Beeile dich, bald zu mir zu kommen, denn Demas hat mich verlassen, da er den jetzigen Zeitlauf liebgewonnen hat, und ist nach Thessalonich gegangen, Crescens nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Allein Lukas ist bei mir. Nimm Markus und bringe ihn mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst. Tychikus aber habe ich nach Ephesus gesandt. Den Mantel, den ich in Troas bei Karpus zurückließ, und die Bücher, besonders die Pergamente, bringe mit, wenn du kommst. Alexander der Schmied hat mir viel Böses erwiesen; der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken. Vor ihm hüte auch du dich, denn er hat unseren Worten sehr widerstanden. Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei, sondern alle verließen mich. Es werde ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, damit durch mich die Predigt vollbracht würde und alle, die aus den Nationen hörten. Und ich bin gerettet worden aus dem Rachen des Löwen. Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und mich in sein himmlisches Reich hineinretten. Ihm sei die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Grüße Priska und Aquila und das Haus des Onesiphorus. Erastus blieb in Korinth, Trophimus habe ich in Milet krank zurückgelassen. Beeile dich, vor dem Winter zu kommen. Es grüßt dich Eubulus und Pudens und Linus und Claudia und die Brüder alle. Der Jesus Christus sei mit deinem Geist. Die Gnade sei mit euch.
Gehorche dem Befehl, dem göttlichen Befehl. Sei bereit, Abschied zu nehmen, und halte demütige Treue. Verbleibe in demütiger Treue.
Paulus gibt uns hier eine echte Perspektive in den Alltag von jemandem, der im Wort Gottes berufen ist oder zur Verkündigung des Wortes berufen ist. Das hier ist der echte Dienst. Vorher heißt es: Predige das Wort. Und dann kann man in der Gefahr stehen, sich alles Mögliche darunter vorzustellen, wie das dann in der Praxis aussieht. Lassen wir euch ein ganz kurzes Beispiel geben.
Für mich war das immer faszinierend, wenn Kerwe war, an diesen Containern vorbeizulaufen, wo man Lose kaufen konnte. Und da waren ja Kuscheltiere, die waren damals größer als ich selbst. Ich weiß nicht, ob ich die hätte tragen können. Wir haben da aufgebauscht, und dieser Anblick war dann die Vorstellung in meinem Herzen: Das erwartet mich, wenn ich jetzt Lose kaufe.
Anfangs habe ich es nicht erlaubt bekommen, und dann irgendwann hat meine Mutter nachgegeben. Habe für fünf Mark Lose gekauft, das sind ungefähr fünfundzwanzig Euro, versteht ihr? Fünf Mark Lose gekauft und dann zerrissen, und ich: so viele Punkte, so viele Punkte, gibts ab. Und auf einmal guck ich so in diese Kulisse, und auf einmal reicht er mir da ganz weit unten so ein kleines Schächtelchen, und ich gucke runter. Und dann sagt er: Ja, darfst du dir davon was aussuchen?
Und da habe ich mir so eine kleine Wasserpistole, glaube ich, genommen. Und es war so deprimierend der Heimweg, weil ich wusste: Gleich fragt meine Mutter, und?
Aber ihr Lieben, folgendes: Der Punkt ist, hätte mir meine Mutter einfach mal im Supermarkt so eine kleine Wasserpistole gekauft, bin ich sicher, ich hätte mich darüber gefreut. Aber weil meine Erwartung so falsch war, habe ich an dieser Wasserspritzpistole null Freude gewonnen.
Und deswegen ist es so wichtig, jetzt den letzten Abschnitt zu sehen, denn der zeigt uns, wie wichtig es ist, in einer demütigen Treue im Dienst zu verbleiben. Paulus sucht nicht den Ruhestand, noch nicht mal jetzt, da er weiß, dass sein Lauf vollendet ist. Dieser Mann geht weiter. Und er geht weiter in den kleinen, ganz gewöhnlichen Dingen des Dienstes.
Zum einen: Er bleibt ein Nachfolger. Er will die Bücher und Pergamente haben, sagt er zu Timotheus, Vers 13. Was auch immer das genau war, es zeigt uns: Er wollte nicht einfach abwarten und ausruhen, er wollte weiter studieren, weiter schreiben. Und so will ich auch dir sagen: Egal in welcher Phase des Dienstes du bist, bleibe Nachfolger von Jesus.
Wir sehen aber auch: Paulus blieb verwurzelt in der Gemeinschaft der Gemeinde bis zu seiner letzten Wegstrecke. Beziehungen. Er stärkt Timotheus, er will Markus, um ihn weiterhin im Dienst anzuweisen, er grüßt etliche Geschwister, er erwähnt sie. Er ist verbunden mit ihnen. Musste einen krank zurücklassen, musste sie aussenden, hat jetzt gerade nur Lukas bei sich. Er ist tief verwurzelt in der Gemeinde. Wir Prediger, wir Verkündiger, wir brauchen unsere Gemeinde.
Und es zeigt uns etwas ganz Wichtiges, und das muss unsere Perspektive korrigieren: Selbst der große Apostel ist nicht irgendwann aus den schmerzhaften Beziehungen, aus tiefen Beziehungen herausgewachsen. Er lebte in ihnen. Und was wir auch sehen ist: Paulus hat seinen Dienst nicht irgendwann über die gewöhnlichen Dinge des Alltags erhoben, sondern er blieb verwurzelt.
Dann aber auch: Verbleib in demütiger Treue trotz der Rückschläge. Auch bei Paulus sehen wir: Der war nicht irgendwie umringt und beschützt von einer Mauer von Treuen, die er sich im Laufe des Lebens um sich herum aufgebaut hat. Nein, bis heute Rückschläge, bis heute Enttäuschungen. Demas hat mich verlassen, niemand stand mir bei. Das hat mich so getroffen, ich konnte das nicht fassen. Wie kann es sein, dass Paulus, der Apostel Jesu Christi, Tausende sind durch seinen Dienst zum Glauben gekommen, der hat sich für so viele Menschen aufgeopfert, er hat eine Unzahl an Gemeinden gegründet. Es hätte doch eigentlich so sein müssen, wenn die Christen erfahren, wie es ihnen geht, die pilgern nach Rom und kümmern sich um ihn und die sind für ihn da.
Niemand stand mir bei. Das ist eine realistische Aussicht, die uns im Dienst erwartet bis zum Ende: eine bescheidene, demütige Treue trotz Rückschlägen, trotz Kämpfen und Enttäuschungen.
Kennst du das, wenn man im Dienst als Prediger, Ältester oder Pastor auf bessere Zeiten hofft und irgendwie in seinem Herzen so den Wunsch schickt: Ah, wenn erst mal die nächste Mitgliederversammlung geschafft ist, dann wird alles besser. Ah, wenn wir endlich mehr Älteste haben und die Arbeit besser verteilen können, dann wird es endlich besser. Ah, wenn wir dieses Bauprojekt als Gemeinde endlich zu einem Abschluss gebracht haben, dann wird alles besser. Kennst du diese unausgesprochenen Hoffnungen in unserem Herzen? Ich glaube, wenn wir auf so etwas hoffen und solche Erwartungen haben, wir werden enttäuscht werden.
Denn Fakt ist: Das, was uns in einer bescheidenen Treue hält, ist der Beistand, den wir ebenfalls bis zum Ende haben. Deswegen bleibe in demütiger Treue, weil du auch bis zum Ende Beistand hast.
Vers 17: Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, damit durch mich die Predigt vollbracht würde und alle, die aus den Nationen hörten. Und ich bin gerettet worden aus dem Rachen des Löwen. Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und mich in sein himmlisches Reich hineinretten. Ihm sei die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Paulus zeigt hier den Schlüssel seines Dienstes. Hätte er auf Menschen vertraut, dann wäre er jetzt am Verzweifeln. Aber wir sehen: Er anbetet sich durch diese Zeit hindurch. Er denkt an Jesus Christus, und er sagt: Ihm sei die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er ist nicht verzweifelt, er betet an, er fließt über wegen seinem Herrn. Denn trotz aller Rückschläge, trotz aller Enttäuschungen kann er sagen: Der Herr stand mir bei.
Das ist der Schlüssel zum Dienst, und nichts anderes. Nur der Herr Jesus Christus darf das Fundament unseres Dienstes sein, nichts neben ihm, der nichts anderes trägt.
Aber was wir hier auch sehen sollen, ihr Lieben: Jesus Christus ist ein erfahrbarer Retter. Er steht dir bei. Er zeigt sich, er hält dich, er will dich hindurchtragen. Aber es geht eben nur mit ihm. Und ich glaube, der Herr will auch einigen Predigern hier sagen: Du musst nicht nur für Jesus da draußen einstehen, sondern Jesus stellt sich auch zu dir. Und Jesus steht dir bei.
Und falls du das vergessen hast und deinen Dienst in der Praxis so tust, als müsstest du es allein machen, geh heute wieder neu zu Jesus, lass dich bei ihm stärken. Ich glaube, je mehr wir lernen, uns den ganzen Tag auf Jesus zu verlassen, je mehr wir lernen, bei allen Enttäuschungen direkt zu Jesus zu gehen, je mehr wir lernen, den ganzen Tag uns auf ihn zu stützen und um seine Stärke zu bitten, desto mehr werden wir einen Dienst tun in der Kraft des Auferstandenen.
Deswegen lasst neu den Beistand von Jesus einladen, mit ihm rechnen, denn er steht uns bei, so dass wir unseren Dienst in demütiger Treue vollenden dürfen.
Anwendungen für alle: Fürbitte, Ermutigung und Wertschätzung
Ich komme zum Ende. Was bedeutet dieser Text für die unter uns, die keine Prediger sind?
Zum einen siehst du hier, was es bedeutet. Deshalb bete doch für die, die deine geistlichen Hirten sind. Bete regelmäßig für sie.
Vielleicht bist du selbst kein Verkündiger, aber vielleicht bist du ein Onesiphorus, der auf Prediger zugeht und sie ermutigt und stärkt. Vielleicht bist du ein Timotheus, der mit einem warmen Mantel zu dem Prediger kommt, den er gerade so sehr für den Winter braucht.
Und eine weitere und letzte Anwendung für die, die keine Verkündiger sind: Wertschätze es doch besonders, wenn Prediger den Mut haben, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Denn gerade diese Momente sind oftmals die, in denen die Prediger von etlichen besonders angegriffen werden. Und auch wenn kein Verkündiger davon abhängig sein sollte, letztendlich nur vom Herrn, ist es doch so stärkend und wohltuend, wenn andere Geschwister da sind und sagen: Danke, dass du davon nicht zurückgeschreckt bist. Der Herr wird das segnen. Mach dir keine Sorgen, wir stehen hinter dir.
So wie dieser Moment in 2. Timotheus 4 ein Schlüsselmoment für die Gemeinde Jesu war, so ist es genau so heute. Und ich rede hier in dem Bewusstsein, dass einige hier sind und mich hören, die darüber nachdenken, auf die Bibelschule zu gehen, die jetzt gerade in einem Mentoring sind, die schon die Bibelschule abgeschlossen haben, die frisch im Verkündigungsdienst stehen. Und wir können dafür Gott nur Danke sagen, denn das ist ein Werk der Gnade Gottes, das er in jeder Generation neu belebt.
Aber möge dies auch neu ein Moment sein, wo wir uns dieser Staffelstabübergabe vollends bewusst werden, damit wir als Prediger auf dem richtigen Fundament gegründet sind, mit dem richtigen Befehl ausgestattet, bereit, Abschied zu nehmen und demütig genug, um in unserem Dienst in aller Treue bis ans Ende zu verbleiben.
Ich schließe, womit Paulus schließt, indem ich euch zuspreche: Der Herr Jesus Christus sei mit deinem Geist. Die Gnade sei mit euch allen. Amen.
Lasst uns aufstehen und gemeinsam beten.
Mögest du selbst, du lebendiger Herr und Gott deines Wortes, diese Worte auf guten Boden fallen lassen, auf dass sie Frucht bringen, dreißig-, sechzig- oder hundertfach. Und ich bete, dass du das, was im Herzen von uns Predigern richtiggestellt werden musste, dass du es vollbringst. Dass wir unter deinem Beistand dein Wort in aller Treue bis zum Ende verkündigen. Zu deiner Ehre. Amen.
