Einführung in das Thema und die Gesprächsphase
Die Idee in diesem Seminar ist es, dass ich in einer halben Stunde ein paar Aspekte zu diesem Thema mit uns teile. Danach haben wir 15 Minuten Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Ich würde dann sagen, dass wir uns einfach so austauschen, wie wir zusammensitzen. Wenn ihr bestimmte Leute habt, mit denen ihr euch austauschen wollt, können wir uns auch einfach hier ganz locker zusammenfinden.
Die Fragen, über die wir uns austauschen können, sind dann auf dem Beamer aufgelistet.
Also starten wir: Der Mann im Lichte der alttestamentlichen Schrift.
Ich möchte jetzt mit einer Frage beginnen: Wer von euch ist noch gerne Mann?
Yeah, super!
Die Debatte um Männlichkeit und der Blick auf die Schöpfung
Trotz der Diskussion über die toxische Männlichkeit, die Samuel schon erwähnt hat, und die Simpson, ist das ja eine gewaltige Diskussion, die in unserer Gesellschaft abläuft. Es geht um die toxische Männlichkeit. Man sagt mehr oder minder, eine Welt ohne Männer wäre die bessere Welt. Sie wäre friedlicher, sie wäre sozusagen die heile Welt, denn Männlichkeit bedeutet Gewalt, Macht, Unterdrückung, Sexismus, natürlich.
Auch unter Christen wird dann nicht selten verwiesen auf 1. Mose 3,16, wo Gott sagt: Zur Frau wird dein Verlangen sein, er aber wird oder soll über dich herrschen. Das wird dann auch als Beleg angeführt: Da siehst du es ja, oder? Das Verlangen der Frau, sie sehnt sich nach dem Mann, und bumm, dann kommt der böse Mann. So ist es nicht, das wissen wir. Und ich möchte das ein bisschen vom Alten Testament her entfalten und auch an der Stelle bereits sagen: Auch wenn das Thema heißt, der Mann im Lichte der alttestamentlichen Schrift, müssen wir festhalten, dass die Anthropologie, die Lehre vom Menschen, aus dem Alten Testament heraus entwickelt wird, von der Schöpfung her entwickelt wird. Und das, was wir über den Mann im Alten Testament lesen, das gilt. Das ist die Anthropologie, wenngleich wir im Neuen Testament heilsgeschichtlich betrachtet gewisse Anpassungen haben, weil wir ja in einer völlig neuen Ära leben.
Aber wir sind immer noch Geschöpfe, immer noch leibliche Wesen mit allem, was dazugehört, und deswegen ist nicht alles anders. Starten wir mit der Schöpfungsgeschichte und mit dem Auftrag, den Gott dem Menschen gibt.
Der Auftrag des Menschen und die erste Ordnung von Mann und Frau
Und Gott schuf den Menschen Adam nach seinem Bild, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich schuf er sie. Das ist fast noch stärker, als wenn dort stehen würde: als Mann und Frau schuf er sie. Das ist zwar nicht falsch, so steht es ja in den meisten Übersetzungen. Aber männlich und weiblich ist noch stärker, ein noch deutlicherer Ausdruck dafür, dass es Gottes Wille von jeher war, den Menschen in zwei Geschlechtern zu schaffen.
Die Biologie von Mann und Frau unterscheidet sich nicht nur darin, dass die Frau eine Gebärmutter hat und Kinder zur Welt bringen kann. Ich habe gerade vor kurzem einen Beitrag gelesen, in dem eine Extremfeministin sagt: Was ist das für eine Welt, dass man sich noch gar nicht darum gekümmert hat, die Gebärfähigkeit von der Frau wegzubringen? Was weiß ich, ins Labor oder vielleicht auch zum Mann, wie auch immer. Das ist völlig irre, das ist völlig irre. Aber solche Gedanken kreisen herum.
Frau und Mann zu sein, ist mehr als nur der Unterschied in der Gebärfähigkeit. Denn die Leiblichkeit des Menschen ist extrem wichtig. Auch wir als Christen, die wir versuchen, ein geistliches Leben zu leben, müssen uns bewusst sein: Wir haben einen Leib. In ihm laufen Prozesse ab, Hormone, die Einfluss auf alles Mögliche haben, auch auf das Gehirn. Auch im Gehirn gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Dabei geht es nicht um besser oder schlechter, sondern um Unterschiede. Und diese Unterschiede wirken sich auf die ganze Persönlichkeit aus. So war es Gottes Wille, und das ist gut so.
Und dann heißt es: Gott segnete sie. Und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen. Das ist der Auftrag, über die ganze Erde zu herrschen. Und herrschen ist in der Heiligen Schrift grundsätzlich ganz, ganz positiv belegt.
In unserer Welt, in unserer sündigen Welt, ist es negativ belegt, weil Herrscher meistens mit Machtansprüchen einhergehen. Aber von der Bibel her ist es durch und durch positiv belegt. Es bedeutet eine große Verantwortung, die Gott uns Menschen und im Speziellen auch uns Männern gibt.
Der Gartenauftrag und die Ergänzung durch die Frau
Wir kommen dann in Kapitel 2 der Genesis. Dort wird das Ganze etwas detaillierter. Kapitel 1 ist eher allgemeiner, Kapitel 2 der Genesis ist detaillierter. Und es heißt hier: Und Yahwehgott nahm den Menschen, Adam, und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren.
Da haben wir jetzt auch diese Elemente des Herrschens: bebauen und bewahren, also entwickeln. Und Benni hat das gestern auch sehr schön dargestellt, mit diesen Grafiken, wo es den grünen Bereich gibt und dann gibt es den braunen Bereich. Die Idee Gottes ist, dass der braune Bereich auch grün wird. Die Idee Gottes ist, dass der Garten sozusagen über die ganze Welt sich ausbreitet und das Leben Gottes sich ausbreitet über die ganze Schöpfung.
Aber zuerst einmal gibt Gott dem Mann, denn hier ist von dem Menschen die Rede, aber das ist in dem Moment der Mann Adam, gibt er zuerst diesen Auftrag. Und erst später geht es dann um eine Hilfe. Und ja, wie Gott sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch Adam allein sei, ich will ihm eine Hilfe, Ezer, machen, die ihm entspricht oder das ihm entsprechende Gegenüber.
Das heißt, Gott hat Adam den Auftrag gegeben, und jetzt bekommt er ein Gegenüber, eine Hilfe, um den Auftrag umzusetzen. Und es heißt dann ein paar Verse später: Und Yahweh Gott baute die Seite, die er von dem Menschen, von Adam, genommen hatte, zu einer Frau, Ischa, und er brachte sie zu dem Mann, zu dem Menschen Adam. Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch. Diese soll Mänin heißen, denn vom Mann, Isch, ist sie genommen.
Vielleicht ist für viele von euch die Übersetzung Er baute die Seite unüblich, weil wir meistens von der Rippe lesen. Aber wir wissen nicht wirklich, was es war. Es heißt wirklich, von der Seite nahm er. Und was er da gemacht hat, wie die Operation ausgesehen hat, das wissen wir nicht im Detail. Also mich würde das sehr interessieren, aber wir wissen es nicht.
Also das einmal so ganz grob, dass man sieht: Gott gibt dem Menschen einen Auftrag. Das ist zuerst der Mann, dann die Frau als Hilfe und als ein Gegenüber, um den Auftrag zu erfüllen.
Der Sündenfall als Beginn einer gestörten Beziehung
Und jetzt kommen wir zum Sündenfall, in 1. Mose 3. Und ich muss euch sagen: Ich lese das immer wieder und immer wieder, und für mich ist das ein riesiges Rätsel. Warum, warum ist das geschehen? Wir haben sozusagen ein paar Erklärungen, wir haben eine Beschreibung, aber zum Beispiel: Warum sucht die Frau in dieser Situation nicht die Nähe ihres Mannes? Das ist unfassbar, ich verstehe es nicht. Oder warum ist der Mann in dieser Situation passiv? Irgendwann ist er dann neben ihr, und sie gibt ihm zu essen. Also, ich verstehe es nicht. Und es bleiben hier wirklich Rätsel.
Wobei aber wichtig ist zu sehen, dass der Mann verantwortlich ist für das, was dort geschehen ist. In Römer 5 heißt es: Durch einen Menschen kam die Sünde in die Welt, und durch diesen Menschen und durch diese Sünde der Tod. Römer 5. Und damit ist Adam gemeint. Er hat vor Gott die Verantwortung dafür. Und das ist auch ein Stichwort, das sich dann durchzieht durch diese meine Ausführungen: Verantwortung. Ich glaube, das ist etwas, das wir uns ganz dick irgendwo hinschreiben müssen und dürfen, dass Gott will, dass wir als Männer Verantwortung übernehmen, weil er sie uns gibt.
Und dann kommen wir eben zu diesem sogenannten Protoevangelium, wo nach dem Sündenfall Gott zur Schlange sagt: Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen. Und das ist ja genau der Punkt, den Paulus auch aufgreift, dass in der Fülle der Zeit eben Christus gekommen ist, geboren von einer Frau. Also nimmt er hier sicher Bezug auf dieses Protoevangelium, wo wir sehen, dass natürlich hier etwas Substantielles geschehen ist in der Geschichte, heilsgeschichtlich etwas geschehen ist, und das spielt eine wichtige Rolle in der Frage der Rollen von Mann und Frau.
Die Spannung zwischen den Geschlechtern und die neutestamentliche Begründung
Und dann lesen wir im nächsten Vers: Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen. Ich habe das überschrieben mit dem Kampf der Geschlechter, was ja tatsächlich so ist, dass durch diese Situation zwischen Mann und Frau eine ganz ungute Spannung entstanden ist.
Es ist eben nicht so, dass man sagen könnte, die zarte, sanftmütige Frau sehnt sich nach ihrem Mann, und er knüppelt sie nieder. Sondern wir haben den ganz parallelen Ausdruck in Kapitel 4, Vers 7 bei Kain, wo Kain im Begriff steht, seinen Bruder Abel zu töten. Dann warnt Gott ihn und sagt: Pass auf, die Sünde lagert vor der Tür, nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen.
Also ist es ganz parallel. Und das Verlangen der Sünde nach Kain ist, eine Herrschaft über Kain zu gewinnen. So sehen wir auch hier, dass wirklich eine Spannung entsteht. Denn Gott hat dem Mann den Auftrag gegeben zu herrschen, und bereits hier scheint es so zu sein, dass die Frau durch diesen Sündenfall, durch die Sünde, die in die Welt gekommen ist, das nicht wirklich akzeptieren will oder kann, oder wie auch immer.
Wenn wir jetzt einen Sprung ins Neue Testament machen und uns anschauen, wie zum Beispiel Paulus, der ja in dieser Frage sehr wichtig ist, weil er sich am meisten dazu äußert und die Geschlechterrollen argumentiert, dann gibt es ein paar Aspekte, die er anspricht, die sich alle auf die Schöpfung beziehen.
Das Erste ist die Ordnung in der Schöpfung: der Mann das Haupt der Frau. 1. Korinther 11. Gott, Christus, Mann, Frau – das ist eine Ordnung, die Gott gegeben hat und die Paulus hier aufgreift in 1. Korinther 11.
Dann sagt er in 1. Timotheus 2,13, dass Adam zuerst gebildet wurde, danach die Frau. Das ist für ihn ein Argument, warum er vorher sagt, dass er nicht will, dass die Frau den Mann lehrt. Und das ist jetzt die Begründung dafür: Reihenfolge in der Schöpfung.
Dann der Sündenfall: Die Frau wurde betrogen, der Mann wurde nicht betrogen. Und dann sagt er, dass die Frau gerettet wird durchs Kindergebären hindurch. Da nehme ich an, dass er einen Bezug nimmt zu diesem Protoevangelium: Durch den Samen der Frau wird das Heil zu uns Menschen kommen, durch Jesus Christus.
In Summe sehen wir, dass Paulus durch und durch nicht kulturell argumentiert, beziehungsweise die Rollen von Mann und Frau nicht kulturell begründet, jetzt sage ich in der Gemeinde. Und das ist deswegen sehr wichtig, weil ich dauernd Beiträge lese, wo uns das weißgemacht werden soll, dass Frauen früher so dumm waren und ungebildet waren und deswegen Paulus nicht will, dass sie in der Gemeinde lehren, und, und, und.
Natürlich müssen wir uns mit der kulturellen Situation auseinandersetzen. Aber die Argumentation des Paulus ist schöpfungsbedingt, nicht kulturell. Und darum müssen wir da genau hinschauen, was Gott sich in der Schöpfung für Geschlechterrollen überlegt hat. Das ist ein blödes Wort. Was die Bestimmung ist, denn nur dort werden wir auch das finden, was wir Menschen brauchen, damit wir in unserem Leben fruchtbar sind und auch zufrieden sind usw.
Die Frau in Sprüche 31 und die öffentliche Verantwortung des Mannes
Ganz kurz zu Sprüche 31: Dort geht es um die tüchtige Frau. Es geht hier nicht um den Mann. Trotzdem sehen wir in diesem Kapitel, in diesen Versen in Sprüche 31, doch einiges sehr Wichtiges.
Erstens einmal, und das finde ich sehr wichtig, dass wir das auch in unseren Gemeinden und in unseren Familien lehren: Die Frau nach Sprüche 31 hat unglaublich vielfältige, umfangreiche Aktivitäten und Verantwortungen in und um das Haus. Das ist der Schlüssel. Sie hat viele, viele, viele Verantwortungen in und um das Haus. Es konzentriert sich alles auf das Haus, und mit dem Haus ist natürlich die Familie gemeint, die Angestellten, also dort waren es Mägde und Knechte und was weiß ich, alles Mögliche, der Haushalt, aber auch die Landwirtschaft.
Wenn wir die Berufe aufzählen würden, die in diesem Kapitel zum Ausdruck kommen, dann ist das gewaltig, was diese Frau, die tüchtige Frau in den Augen Gottes, alles tut. Weit entfernt von den drei K. Wie lauten die? Kinder, Küche, Kirche – so nach dem Motto: ein kleines Häuschen, Siedlungshäuschen, sitzt hier drinnen und tut nichts. Das ist Blödsinn, das stimmt überhaupt nicht.
Aber, und das ist jetzt der ganz wichtige Punkt: Der Mann hat die Verantwortung in der Öffentlichkeit. Er sitzt im Tor bei den Sitzungen mit den Ältesten. Er hat die Verantwortung in der Öffentlichkeit. Und das ist etwas sehr Wichtiges, weil Gott will, dass Männer in der Öffentlichkeit, sei es in der Gemeinde, sei es in der Gesellschaft, eine tragende Rolle spielen. Gott will das. Das ist gut, solange wir Männer mit Christus leben und nicht toxische Männer werden, die andere unterdrücken, machtgierig sind und so weiter.
Und damit komme ich jetzt bereits zu einem kleinen Überblick, was wir vom Alten Testament her sehen: welche Verantwortung Gott uns Männern gibt. Also, das kann man sicher ergänzen. Ihr wisst ja, ein kurzer Input ist immer lückenhaft und so weiter. Aber doch sehen wir eine Linie.
Linien der Verantwortung im Alten Testament
Eine ganz wichtige Aufgabe für den alttestamentlichen Mann war der Fortbestand der Familie, denn durch ein Kind sollte der Segen über die ganze Welt kommen. Daher war es wichtig, ja sogar essentiell, dass die Familie beziehungsweise auch das Volk weiterbesteht und sich vermehrt. Auch der Auftrag zur Vermehrung ist ein sehr, sehr wichtiger im Alten Testament, und er hat sich nicht aufgelöst. Er gilt grundsätzlich immer noch, auch wenn er im Neuen Testament eine andere Betonung bekommt.
Ich habe hier den Begriff der Patrilinearität. Das soll ausdrücken, dass der Mann für die Frage der Abstammung zuständig ist. Ich war selber erstaunt und habe mich gefragt, warum das so ist, denn bei den Juden gilt doch: Ein Jude ist der, der von einer Jüdin geboren wird. Das ist doch das Entscheidende. Das kam aber erst später, im rabbinischen Judentum, auf. In der Heiligen Schrift ist es ganz klar, dass die Abstammung vom Mann das Entscheidende für die Frage der Linie ist.
Daher haben wir auch viele schöne Verse über das Kinderkriegen und so weiter, über die Söhne, zum Beispiel in Psalm 127. Und wir sehen auch bei den Stammbäumen Jesu, dass beide Stammbäume auf Joseph gehen, obwohl es nicht sein kann, dass das beides auf Joseph ist. Sehr wahrscheinlich ist ein Stammbaum auf Maria, einer auf Joseph, aber Maria ist die Frau von Joseph, und deswegen wird das auch so abgeleitet.
Also: ganz, ganz, ganz, ganz wichtig. Darum ist ja auch die Unfruchtbarkeit bei den Frauen der Patriarchen ein riesiges Thema, denn damit bricht ja alles zusammen.
Öffentlichkeit, geistliches Amt und Ausnahmen
Dann habe ich schon angesprochen: Öffentlichkeit, Gesellschaft, älteste Vorsteher, Richter, Fürsten und Könige waren fast ausschließlich Männer. Bei den Königen möchte ich eine Ausnahme erwähnen: Isabel. Sie hat das Königtum an sich gerissen. Es war eine Schreckensherrschaft. Das ist übrigens auch ein Thema im Zusammenhang mit den friedvollen Frauen. Aber sie war eine Heidin, und es war nicht gottgemäß. Es war nicht gottgemäß und eine totale Ausnahme.
Auch wenn die Männer die Rolle in der Gesellschaft hatten, hatten die Frauen wirklich viel mitzureden. Das ist einfach eine Realität. Auch wenn ich in einer Gemeinde bin und meine Frau mich zur Seite nimmt und sagt: Schau dir das und das und das an, sage ich: Okay, das ist mir noch gar nicht aufgefallen, guter Hinweis. Das ist also keine scheuklappenartige Aktion.
Auch in Israel hat zum Beispiel die Königinmutter eine wichtige Rolle gespielt und ihren Sohn sozusagen beraten. Trotzdem bleibt die Linie: Der Mann hat die Hauptverantwortung.
Im geistlichen Leben ist natürlich die Frage der Treue zu Gott ganz wichtig, die Treue zum Bund und die Treue zum Gesetz. Das musste in der Familie gelebt werden, von der Familie ausgehend. Und die geistlichen Ämter, also Priester, Leviten und Propheten, ich habe hier noch Lehrer für die Kinder stehen, das war die Verantwortung von Männern. Es gibt auch hier Ausnahmen, die immer wieder aufgeführt werden.
Ich habe es noch einmal angeschaut: Es gibt ganz genau drei Frauen, die definitiv als Prophetinnen im Alten Testament genannt werden. Das sind Miriam, die Schwester von Mose und Aaron, Debora im Buch Richter und Hulda. Dann kann man eventuell noch die Frau von Jesaja nennen, die als Prophetin bezeichnet wird.
Also: Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Ausnahmen zeigen uns auch, dass das alles nicht total starr ist. Die Frage ist, wo die Grenze liegt, wo wir die biblische Leitlinie verlassen. Das ist nicht hundertprozentig so festgelegt. Das müssen wir auch in unseren Gemeindesituationen beachten, wenn es darum geht, wie das dann ganz praktisch aussehen soll.
Und natürlich der Kriegsdienst: Die Vorstellung, dass Männer in den Krieg ziehen, ist auch etwas Neues, Zeitliches. Die Männer haben natürlich die Verantwortung, in den Krieg zu ziehen.
Wenn ich mir das alles so ansehe, dann sehe ich doch ein ziemlich klares Bild, mit Ausnahmen, mit der Frage der Grenzziehung und so weiter. Es ist eine patriarchale Gesellschaft, die uns hier vorgestellt wird, und das ist eben nicht negativ. Das ist der springende Punkt. Darum die Frage zu Beginn: Wer ist noch gerne Mann? Und ich freue mich, dass ihr das aufgezeigt habt, denn Mannsein ist wirklich etwas Schönes.
Und Gott gibt uns hier eine Verantwortung, durch die wir etwas erreichen können, durch die auch der Wille Gottes in gewisser Weise geschehen kann.
Die neue Perspektive in Christus und die Spannung der zwei Welten
Und jetzt kommen wir natürlich zu dieser ganz bekannten Stelle, die wir immer wieder hören, wo man sagt: Nein, nein, nein, im Neuen Testament ist jetzt alles anders. Da heißt es ja in Galater 3: Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht männlich und weiblich, wiederum männlich und weiblich, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Same und nach Verheißung Erben.
Also ich bin fast sicher, dass Paulus hier mit männlich und weiblich auf die Schöpfungsgeschichte reflektiert. Und er möchte ganz klar betonen, dass es ja völlig außer Frage steht, dass in Christus das Geschlecht keine Rolle spielt, aber das ist das Heil betreffend. Denn derselbe Paulus spricht ja dann im 1. Timotheus 2, im 1. Korinther 14 ganz klare Aussagen über die Rolle von Mann und Frau in der Gemeinde. Das heißt, das kann sich ja nicht auflösen.
Und wir sehen hier eine Spannung, dass wir als Christen Bürger in zwei Welten sind. Wir sind Bürger der himmlischen Welt, und wir sind Bürger dieser irdischen Welt und haben entsprechend unsere Verantwortungen auszuüben. Und Paulus zum Beispiel im ersten Timotheusbrief legt sehr großen Wert auf das Zeugnis nach außen. Wie schaut unser Leben aus, wie ist unser Leben nach außen hin? Und das ist eine ganz wichtige Frage.
Die Fortsetzung im Neuen Testament und die bleibende Verantwortung
Also, ich möchte uns das noch einmal ganz kurz im Überblick anschauen. Das sind die verschiedenen Aspekte, die ich angesprochen habe.
Im Neuen Testament sehen wir, dass sich das in gewisser Weise fortsetzt. Der Mann ist auch im Neuen Testament Haupt und Vorsteher der Familie. Aber die Fortpflanzung hat nicht mehr eine so spezifische Rolle wie im Alten Testament. Paulus betont, dass Ehelosigkeit gut ist, wenn Gott einem die Gabe dazu gegeben hat. Das ist fast alttestamentlich unvorstellbar. Darum spricht Paulus auch von geistlichen Kindern. Paulus hat auch Kinder, obwohl er keine gezeugten Kinder hatte; er hat geistliche Kinder. Also da sehen wir einen Unterschied.
Was die Öffentlichkeit anbelangt, sehe ich nicht gross eine Änderung. Ich kann es nicht erkennen. Hier sehen wir die Wichtigkeit für uns Männer, dass wir ein gutes Zeugnis nach aussen haben. Das spricht diese Tadellosigkeit an, in der wir leben sollen, und die Bewährung, in der wir uns bewegen sollen. Wir sollen bewährt sein. Das ist eine Grundvoraussetzung für einen Leiter in der Gemeinde, dass wir bewährt sind. Es ist eine Grundvoraussetzung.
Im geistlichen Leben gilt alles, was wir im Alten Testament lernen: treu zu Gott zu sein und so weiter und so fort. Die Verantwortung als Lehrer und Leiter hat schwerpunktmässig der Mann, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass Frauen Diakone sein können. Paulus bezeichnet auch Frauen als Mitarbeiter im Reich Gottes. Wir lesen im Neuen Testament von Prophetinnen. Das gibt es alles, das müssen wir nicht unterdrücken. Aber wichtig ist, dass wir die klare Linie erkennen und auch umsetzen.
Gut, zum Kriegsdienst habe ich noch ein bisschen etwas dazu geschrieben, aber das ist jetzt nicht so wichtig und nicht so zentral.
Vielleicht noch ganz wichtig: Bei der Familie habe ich eigentlich ganz oben noch stehen ein treuer und liebevoller Ehemann. Das finde ich schon wunderschön. Es ist das absolute Gegenteil von toxischer Männlichkeit. Also einfach, dass wir das klar und deutlich sehen, was die Bibel von uns Männern will.
Verantwortung, geistliche Kraft und der Abschluss mit Fragen
Jetzt natürlich: Wenn wir sehen, dass wir eine grosse Verantwortung haben, dann kann uns diese Verantwortung auch erdrücken. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber das sind typische Situationen, in denen man sich von der Verantwortung erdrückt fühlt, die wir haben und die Gott uns gibt. Da ist es wirklich essenziell, dass wir in Christus leben, dass wir ein geistliches Leben aus dem Heiligen Geist leben, aus der Kraft des Heiligen Geistes. Dass wir unsere Verantwortung vor Gott wahrnehmen, mit seiner Hilfe wahrnehmen, und auch wirklich offen und demütig sind. Dass wir lernen, was das praktisch heisst in unserer Situation, in der wir sind.
Und ich möchte uns ermutigen, Verantwortung wahrzunehmen. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich beobachte, dass Verantwortung immer weniger wahrgenommen wird. Jeder delegiert an den Letzten. Ja, ich mache das, der hat das gesagt, darum mache ich das, es geht mich alles nichts an. Das geht nicht. Wir müssen dort, wo wir sind, in unserem Rahmen Verantwortung übernehmen.
Ja, jetzt haben wir noch ein bisschen Zeit für Austausch. Um halb eins beginnt das Essen, da sollte man dann wirklich draussen sein. Das heisst, wir haben jetzt gut zwanzig Minuten Zeit für den Austausch. Hier sind ein paar Fragen, Eigenschaften. Wir können diese toxische Männlichkeit diskutieren, wenn ihr wollt. Was bedeutet es, Haupt zu sein? Wo übergibt der Herr mir als Mann Verantwortung? Wo nehme ich sie wahr? Auch wirklich schauen, wo drücke ich mich vor Verantwortung? Das ist ganz normal. Wir müssen uns immer wieder neu besinnen, was unsere Aufgabe ist, und eben: Warum muss ich mich nicht davor drücken? Welche Verheissung haben wir als Kinder Gottes, als Männer?