Serie•Teil 8 / 15Höningen 2015 - Die Psalmen
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Einordnung in die Psalmenreihe
Kurz zu Psalm 5
Psalm 5
Der König des Königs Davids ist die Lösung für seine Bedrängnis.
Wir haben ja vielleicht, bevor wir diesen Psalm lesen, den Blick zurück auf den Anfang des Psalters. Der Psalter beginnt mit Psalm 3. In Psalm 3 ist der Tiefpunkt erreicht: Das Königreich ist durch den rebellischen Sohn des Königs, Absalom, angefochten. Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger geworden!
Und jetzt haben wir in den Psalmen 3 bis 7 Gebete, die den Glauben des Königs David ausdrücken. Es ist der Glaube an Jahwe, der ihn befreien, beschützen und auch segnen kann. Es sind alles Gebete aus einer gewissen Tiefe heraus, die bewusst so zusammengestellt sind, dass sie gerade an diesen Ort kommen.
Wann sie gedichtet wurden, ist dabei nicht wichtig. Es geht um das Thema, und das Thema ist: Der König ist in Bedrängnis.
Und in Psalm 5, dem mittleren dieser Reihe, wird nun gezeigt, dass der König des Königs die Lösung ist.
Der erste Ruf nach Gehör
Nimm zu Ohren, Yahweh, meine Worte, merke auf mein Murmeln, merke auf die Stimme meines Rufens, mein König und mein Gott, denn zu dir bete ich.
Hier haben wir also A, die Bitte an Davids König um Aufmerksamkeit. Das hören wir oft so; David betet oft so: „Gott, könntest du dir ein bisschen Zeit nehmen, mir zuzuhören?“ Er ist sich bewusst, dass er es nicht würdig ist, dass der heilige Gott sich Zeit für ihn nimmt und sein Ohr ihm neigt. Aber er bittet darum.
Merke auf die Stimme meines Rufens, mein König und mein Gott, denn zu dir bete ich. Er weiß, er spricht zu einem König, und zu einem König sagt man nicht einfach: „Du, hör mal.“ Oh nein, bitteschön, da ist der König. Da bittet man, da ersucht man um eine Audienz.
Zweite Strophe: Yahweh, frühmorgens hörst du meine Stimme, frühmorgens richte ich dir zu. Das heißt, das ist ein Ausdruck aus der Opfersprache. Frühmorgens richte ich dir ein Opfer zu, das heißt ein Gebet, ein Opfergebet. Frühmorgens richte ich dir zu und halte ich Ausschau, denn du bist nicht ein Gott, der an Ehrfurchtslosigkeit gefallen hat, also auch nicht an Absaloms bösen Taten.
Gottes Heiligkeit und die Lage des Widersachers
Böses darf bei dir nicht weilen, Vermessene dürfen nicht bestehen vor deinen Augen. Du hassest alle Übeltäter, du lässt die Lügenredner umkommen; den Mann des Blutes und des Truges verabscheut Yahweh.
Hier denken wir an Absalom. Und er sagt, David betet und spricht zu seinem König, dem König Davids, und beschreibt, dass dieser König die Sünde nicht duldet und den unbußfertigen Sünder verabscheut.
Im Lichte der Rebellion Absaloms bekommt dieser Psalm eine neue Bedeutung für uns. Wir müssen uns hineinversetzen; es passt sehr gut in diese Situation hinein. Der Sünder ist hier Absalom, der Übeltäter, der Lügenredner usw., der Mann des Blutes und des Truges. Jedenfalls passt es thematisch gut hierhin.
Also, das war die zweite Strophe: die Beschreibung der Heiligkeit Jachwes, der die Sünde nicht duldet und unbußfertige Sünder verabscheut.
Der Zugang zum heiligen Ort
Dritte Strophe, das ist hier die Zentrale, die Zentrumsstrophe, Strophe, Vers 8. Und ich: Durch die Größe deiner Güte darf ich hineingehen in dein Haus. Ich werfe mich nieder zu deinem heiligen Tempel in der Furcht vor dir.
Also, er ist erstaunt und dankt dem Herrn für die Erlaubnis, dass er in Gottes Haus gehen darf und im heiligen Tempel Gottes anbeten darf. Nun scheint mir, dass er hier wohl im übertragenen Sinne spricht. Denn David durfte ja gar nicht in den Tempel hineingehen; er war ja kein Levit, er war ja kein Priester. Also buchstäblich durfte er nicht in den Tempel hineingehen. Aber hier denkt er wohl schon fast wie wir neutestamentlich: Ich darf in die Gegenwart Gottes treten.
Das ist das Besondere an den Davidpsalmen, dass wir hier einen Gläubigen vor uns haben, der in mancherlei Hinsicht so reif denkt, wie schon neutestamentliche Gläubige denken. Er ist seiner Zeit voraus; er ist ja auch gesalbt mit dem Heiligen Geist.
Ich werfe mich nieder zu deinem heiligen Tempel in der Furcht vor dir. Merken wir die Art und Weise, wie dieser Mann Gott naht? Das ist nicht einfach so ein schnelles Gebet zu einem Kumpel, Jesus Christus. Das ist überhaupt nichts dergleichen. Er weiß, mit wem er spricht, und er wirft sich nieder, wie man sich vor einem König niederwirft. Und er sagt es noch: In der Furcht vor dir.
Das Bild vom Erwachen und die Bitte um Nähe
Vierte Strophe. Ja, aber das stimmt ja. Wenn er zu Gott sagt: „Wach auf!“, dann muss das nicht ehrfurchtslos sein. Das kann sehr, sehr ehrfurchtsvoll sein. Es ist nur der Eindruck, den er hat, dass Gott so weit weg wäre. Oder wie wenn er schlafen gegangen ist und keine Zeit für ihn hätte und so weiter, und jetzt: „Bitte, wach doch auf und hör mir zu.“ Das zeigt, dass er einen sehr engen Umgang mit dem Herrn pflegt und sich das sehr bildhaft vorstellt.
Ich meine, wir dürfen das auch manchmal. Wir dürfen auch so tun wie Hiskia, der den Brief zum Herrn bringt. Er legt den Brief im Tempel oder im Tempelvorhof aus, breitet den Brief Sanheribs vor dem Herrn aus, als ob Gott nicht lesen könnte. Als ob er sagen würde: „Bitte, hier ist der Brief, könntest du das bitte lesen?“ So sagt er es natürlich nicht, aber er breitet den Brief vor dem Herrn aus. „Das hat Sanherib mir geschrieben. Lies dir das mal durch.“
Das heißt, er ist sehr direkt. Wir beten oft so. Wir sagen: „Ach Herr, du siehst, da hat mir jemand einen bösen Brief geschrieben, und du weißt ja alles, was er geschrieben hat.“ Aber es ist besser, wenn wir den Brief dem Herrn bringen und vorlesen oder mit dem Brief über den Herrn reden, so als ob der Herr das gar nicht wüsste. Natürlich weiß es der Herr. Aber es zeigt, dass der Umgang mit dem Herrn so sein darf wie mit einem König, dem man in Demut naht, dem man aber doch auch zeigen darf: Schau, hier sind meine Probleme, und ich erzähle sie dir jetzt mal.
Darf ich dir mal erzählen? Darf ich mir Zeit nehmen, Herr, in deiner Gegenwart, um dir zu erzählen, was mich so beschäftigt? Und dann fängst du an zu erzählen. Vor dem Herrn. Aber das heißt nicht, dass das ohne Ehrfurcht war. Auch wenn er sagt: „Wach auf, Herr!“, heißt das nicht, dass das ohne Ehrfurcht ist. David hatte immer Ehrfurcht vor Gott. Das zeigt sein ganzes Leben.
Ja, „wach auf, Herr“, genau. Danke. Die Jünger wecken auch den Herrn Jesus auf, als er schläft, und das ist auch nicht ohne Ehrfurcht getan.
Gericht über die Verfolger und die Frage nach dem Leid
Gut, vierte Strophe, Vers neun: Yahweh, leite mich in deiner Gerechtigkeit meiner Nachsteller wegen, ebne vor mir deinen Weg. Denn in ihrem Munde ist nichts Zuverlässiges; ihr Inneres ist Verderben, ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihrer Zunge sind sie glatt. Sprich sie schuldig, Gott; lass sie fallen durch ihre Anschläge, ob der Menge ihrer Übertretungen. Stoße sie weg, denn sie trotzen dir.
Hier setzt die Bitte um Ebnung seines Weges ein. Er beschreibt auch die Sünde der Nachsteller des Königs. Und er weiß: Wenn sie dem König nachstellen, dann stellen sie Gott nach. Also: Der Absalom, der sich über den König erhebt, der erhebt sich über Gott, denn David wurde an diese Stelle gesetzt.
Er bittet hier um das Gericht. Das hat nichts mit persönlicher Rachsucht zu tun, überhaupt nicht. Das hat mit der Ehre Gottes zu tun. Gott möge sein Gericht walten lassen wegen seiner Ehre.
Das war natürlich ein Fehler Davids, dass er über den Absalom geweint hat. David hat viele Fehler gemacht, und die Bibel verschont ihn nicht. Die Bibel zeigt auch seine Fehler auf. Da ist dieser David, der den rebellischen Sohn völlig falsch behandelt. Dieser rebellische Sohn hat den Tod verdient, und David sagt: Schont ihn, schont mal den Absalom, den lieben Absalom. Ja, den lieben Absalom. Er war von mir der Liebe, aber so kommt es raus. Das ist mein Sohn, und tut ihm ja nichts.
Er klagt dann, aber er hat diesen Absalom sowieso schon verwöhnt, früher auch. Das hier, was wir hier lesen, ist ja ein Psalm. Wir wissen nicht, aus welcher Zeit. Aber er passt in die Zeit Absaloms, und er passt dazu, wie Gott auch denkt, nämlich dass das Gericht kommen soll. Ob dieser Psalm 5 jetzt direkt aus der damaligen Zeit gebetet ist, das weiß niemand. Ich glaube, wir haben hier keine Überschrift. Oder haben wir eine Überschrift, wann das war? Nein, es heißt nur, es ist hier nichts weiter beschrieben.
Aber die Tatsache, dass David damals den Absalom verschonen wollte, war also nicht richtig. Aber das hier ist richtig, dass Gott ihn richten möge, die Leute, die sich gegen ihn erheben. Er hätte hier sein eigenes Gebet aus Psalm 5 anwenden sollen für Absalom. Na gut.
Manchmal gibt es Gericht, und wenn es Gericht gibt, dann ist das ein Handeln Gottes. Das heißt aber nicht, dass es uns nicht schmerzen darf. Es kann ja sein, dass Gott aus irgendeinem Grund einen Menschen wegnimmt, und er stirbt, und die Angehörigen weinen dann um ihn. Das Weinen um den Toten ist nie verkehrt. In der Bibel wird das Weinen um den Toten als etwas Natürliches dargestellt. Auch über Stephanus und andere hat man geweint, obwohl man gewusst hat, sie kommen zum Herrn, sie gehen zum Herrn. Ich glaube nicht, dass Gott uns verbietet, zu trauern.
Gut, dem Hesekiel hat er verboten zu trauern. Nein, nicht dem Hesekiel. Wer durfte nicht trauern um seinen Sohn? Hosea sollte keine Trauerkleider anziehen. Auch die Priester sollten in einem Fall nicht trauern. Das gibt es schon. Aber üblicherweise darf man trauern, wenn jemand stirbt. Also ich könnte nicht so weit gehen zu sagen, ein Gläubiger dürfte nicht trauern, wenn Gott wirklich ein Gericht geschickt hat und jetzt ist ein anderer gestorben. Dürfte dann nicht trauern deshalb? Das ist ja doch ein Grund zum Trauern über das Ganze, über alles, was geschehen ist.
Die Zusage für die, die Zuflucht suchen
Die letzte Strophe ist Vers zwölf, die fünfte Strophe: Und freuen werden sich alle, die in dir Zuflucht nehmen, ewiglich jubeln sie, und du beschirmst sie, und es verlocken in dir die deinen Namen lieben, denn du, Yahweh, segnest den Gerechten. Hier habe ich wohl eine Zeile vergessen. Wie mit einem großen Schild umgibst du ihn mit Gunst, das ist hier nicht drauf. Du, Yahweh, segnest den Gerechten.
Also hier die Freude derer, die im Herrn Zuflucht suchen: Sie dürfen sich freuen, und sie werden ewig jubeln, weil sie am Ziel mit Yahweh ewig leben werden.
Das ist Psalm 5 gewesen.
Rückblick auf die Psalmen drei und vier
Wenn man jetzt die anderen Psalmen anschaut – ich möchte sie nicht alle durchgehen –, dann ganz kurz zu Psalm 3. Wir hatten ihn ja schon betrachtet: Psalm 3, dieser Psalm von David, also vor Absalom, dem Fliehenden. Hier wird ein Beispiel für die Rebellion der Völker gegen Yahweh und seinen Gesalbten dargestellt. Wir hatten davon schon gesprochen.
Was hier auffällt, ist zuerst die Klage: Yahweh, wie zahlreich sind meine Bedränger geworden. Viele sagen von ihm: Es ist keine Rettung. Aber du, Yahweh, bist ein Schild um mich her. Sein Vertrauen ist da, er vertraut noch, und er kann sogar noch schlafen. Er kann gut schlafen.
Vers 6 ist das Zentrum des Psalms: Ich legte mich nieder und ich schlief; ich bin erwacht, denn Yahweh stützt mich. Also auch in der Not kann er schlafen, darf er schlafen, weil er auf Gott vertraut. Und er fürchtet sich nicht vor Zehntausenden des Volkes, die sich gegen ihn lagern.
Und dann: Steh auf. Hier haben wir wieder dieses Steh auf, aber in Ehrfurcht gesprochen: Rette mich, mein Gott. Vers 8: Denn du schlägst alle meine Feinde auf die Backe, die Zähne der Ehrfurchtslosen zerbrichst du. Yahweh ist die Rettung. Dein Segen sei über dein Volk.
Also: Gott, du gibst ihnen alle Ohrfeigen, schlägst ihnen auf die Backe. Ich denke, wir brauchen da nicht länger bei diesem Psalm zu verweilen, aber er drückt dieses Vertrauen aus.
Ebenso Psalm 4, ganz kurz: Psalm 4 wieder Bitte in Bedrängnis und wieder ein Aufruf zum Vertrauen und ein Gebet der Zuversicht, also ganz ähnlich.
Vertrauen, Ruhe und das Zentrum von Psalm vier
Ganz ähnlich, inhaltlich passend zusammen: Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit. In Bedrängnis hast du mir stets Raum gemacht. Hier erinnert der Beter Gott an das, was er früher getan hat. Gott, du hast mir in Bedrängnis immer wieder geholfen. Wenn es eng wurde, hast du die Mauern zur Seite geschoben, und ich hatte wieder Platz. Sei mir gnädig und höre mein Gebet.
Oder: Erhöre mich, höre mein Gebet.
Ihr Herrensöhne, bis wann soll meine Ehre zu Schande sein? Bis wann werdet ihr Nichtiges lieben und Lüge suchen? Erkennt doch, dass Jahwe einen Frommen für sich ausgesondert hat. Im Zusammenhang des Kontextes, im Blick auf Absalom, heißt das: Erkennt doch, dass Jahwe einen Frommen, einen Gerechten, das bin ich, David, ausgesondert hat zum König. Erkennt doch: Er vertraut darauf, dass der Herr ihn zu seiner Zeit wieder an den Platz zurückbringen wird. So wie er damals zu Joab und zu den Söhnen der Zerruja gesagt hat, so wird der Herr ihn zu seiner Zeit wieder zurückbringen. Wenn der Herr will, wird er ihn wieder die Bundeslade sehen lassen und ihn wieder zurückholen.
Also ist hier die Bitte an Jahwe und zugleich ein Wort der Zurechtweisung an die Herrensöhne, an die Rebellen, die hier wohl gemeint sind. Die Herrensöhne sind edle Leute, also Hochangesehene.
Dann in der Mitte, Vers 4c: Jahwe hört, wenn ich zu ihm rufe. Bebe und sündige nicht. Redet mit eurem Herzen auf eurem Lager und werdet stille. Hier ist das Zentrum des Verses, des Psalmes: Redet mit eurem Herzen auf eurem Lager und werdet stille. Das ist eigentlich ein Aufruf an sich selbst und auch an andere, zu vertrauen. Kommt, legt euch aufs Bett und werdet ruhig. Werdet ruhig, es hat keinen Sinn, so aufgeregt und aufgewühlt zu bleiben. Nein, man darf zwar erbeben und sich ärgern über die Ungerechtigkeit: Herr, das ist ungerecht, das ist ungerecht, was die tun. Aber bitte nicht sündigen, sagt er, und werdet wieder ruhig.
Wenn die Sonne untergeht, dann solltet ihr auch ruhig werden. Die Sonne geht ja auch schlafen, und ihr geht jetzt auch schlafen. Lasst den Zorn nicht über eurem Zorn untergehen, das heißt: Lasst den Zorn nicht noch länger glühen. Werdet still, das ist ein Befehl. Man kann seiner Seele auch sagen: So, jetzt werden wir still. Jetzt hören wir auf, uns über die Ungerechtigkeit zu ärgern.
Opfert Opfer der Gerechtigkeit und vertraut auf Jahwe. Vertraut auf Jahwe, er hört ja. Übrigens liegt hier ein Chiasmus vor. Habt ihr diese fünf Zeilen hier in der Mitte? Jahwe hört. Letzte Zeile: Vertraut auf Jahwe. Warum? Ja, weil er hört. Vertraut auf ihn. Zweite Zeile: Bebe und sündige nicht, ein Befehl in Bezug auf die Sünde. Und 6a, also diese dritte Zeile, 4. Zeile: Opfert Opfer der Gerechtigkeit. Und in der Mitte: Redet mit eurem Herzen auf eurem Lager und werdet stille. Ein sehr schöner Psalm, der Vierer. Vers 7 bis 9, ja.
Ja, wir dürfen die Fantasie nicht spielen lassen. Wir müssen also immer am Text bleiben. Wir dürfen nicht etwas in den Text hineinlesen, nur weil wir da einen Parallelismus sehen, der aber ursprünglich gar nicht gewollt war. Man muss schon aufpassen. Aber hier passt es, oder? Jahwe hört, wenn ich zu ihm rufe. Eine Aussage. Letzte Aussage: Vertraut auf Jahwe. Eigentlich verändern wir da gar nichts. Wir erinnern uns nur an der letzten Zeile daran, dass er vorher gesagt hat, dass Jahwe hört. Und jetzt erinnern wir uns daran: Aha, klar, da muss eine Verbindung sein. Wenn Jahwe hört, dann darf ich doch auf Jahwe vertrauen.
Also stellen wir jetzt nicht einen neuen Vers zusammen, das dürfen wir nicht. Wir sollen nur sehen: Es sind parallele Gedanken. Gehören die irgendwie zusammen? Aber nicht phantasieren. Wir müssen den Text so stehen lassen, wie er ist, und auch in der Reihenfolge alles, was hier geschrieben ist. Da ist immer die Gefahr. Da ist es schon gut, wenn wir uns hier zu Nüchternheit mahnen.
Vers 7 bis 9 ist dann das Zitat der Feinde und dann ein zuversichtliches Gebet: Viele sagen: Wer wird uns Gutes sehen lassen? Erhebe über uns das Licht deines Angesichts, Jahwe. Du hast Freude in mein Herz gegeben, mehr als in der Zeit, wenn sie Korn und Most in Fülle haben. Also mehr als zur Erntezeit. Zur Erntezeit waren die Israeliten immer fröhlich, ja, am Laubhüttenfest, da ist viel Freude. Aber du hast Freude in mein Herz gegeben, viel größere Freude als beim Laubhüttenfest oder bei sonstigem Erntedank.
Vers 9: In Frieden will ich mich niederlegen und schlafen. Denn du, Jahwe, du allein schaffst mir sicheres Wohnen. Hier wird die Sicherheit bei Jahwe deutlich. Bei Jahwe kann ich ruhig werden. Da kann ich meine Seele wieder still werden lassen. Ich muss nicht den Zorn in der Brust hegen, nein.
Paulus hat diesen Vers aufgegriffen, Vers 5 ist es, oder? Bebe und sündige nicht, lasst die Sonne nicht untergehen, oder: Die Sonne soll nicht untergehen über eurem Zorn. Geht ins Bett, betet, legt es alles dem Herrn nieder, vor dem Herrn nieder.
Ihr seht hier auch noch ein paar Parallelgedanken: Erst mit Anfang und Ende. Du schaffst mir sicheres Wohnen. Am Ende und am Anfang hat er gesagt: Du hast mir früher immer Raum gemacht. Du hast für mich gesorgt, und hier sorgst du für meine Sicherheit.
Psalm sechs als Klage und Zuversicht
So weit Psalm 4, Psalm 5 hatten wir. Psalm 6 ist auch ähnlich, ganz ähnlich wie die anderen: Jahwe, strafe mich nicht in deinem Zorn, züchtige mich nicht in deiner Grimmglut. Sei mir gnädig, Jahwe, denn ich bin verwelkt. Heile mich, Jahwe, denn meine Gebeine sind bestürzt, und sehr bestürzt ist meine Seele. Und du, Jahwe, bis wann?
Man merkt, er ist immer noch im Elend. Er sieht, dass es wegen seiner Sünde war. Strafe mich nicht, das heißt wohl im Sinne: Höre auf, mich zu strafen, ändere deine Strafe. Denn es ist ja schon eine Strafe, in der er sich befindet. Es ist ja schon ein Zustand, der nicht sein sollte.
Vers 5, zweite Strophe: Kehr zurück, Jahwe, befreie meine Seele, rette mich deiner Güte wegen. Denn im Tode gedenkt man deiner nicht, im Scheol, wer wird dir Lob bekennen? Also, jetzt hier im Lande Israel soll das Lob erklingen. Wenn wir tot sind, dann sind wir tot, so denkt er, oder?
Nein, jetzt: Müde bin ich durch mein Seufzen. Das ist hier die mittlere Zeile des Verses. Müde bin ich durch mein Seufzen, jede Nacht schwemme ich mein Bett, zur Tränenflut mache ich mein Lager. Verfallen ist mein Auge vor Gram, gealtert wegen all meiner Bedränger.
Hier ein bisschen Übertreibung, eine Hyperbel. Seine Tränen, sein Auge ist verfallen, das ist natürlich auch eine Übertreibung. Er teilt dem Herrn mit, wie elend es um ihn ist. Das dürfen wir auch. Wir dürfen das dem Herrn auch mitteilen. Aber er kommt dann doch zu einem Aufruf, zuerst ein Aufruf an die Übeltäter: Weichet von mir, ihr Übeltäter alle. Denn Jahwe hört die Stimme meines Flehens.
Also ein Aufruf an die Übeltäter, von David abzulassen, und dann gleichzeitig auch die Zuversicht. Er drückt hier damit dann in den nächsten Versen die Zuversicht aus, dass Gott sein Gebet erhören wird. Denn Jahwe erhört die Stimme meines Weinens, Jahwe hört mein Flehen, Jahwe nimmt mein Gebet an. Dreimal drückt er das gerade hintereinander aus.
Zu Schanden, sehr bestürzt werden alle meine Feinde, sie kehren sich ab, sie werden zu Schanden im Nu. Er ist zuversichtlich, der Herr wird schon eingreifen. Er ist nicht in Verzweiflung. Aufruf an die Übeltäter, und Jahwe wird sein Gebet erhören und schnell eingreifen. Im Nu, sagt er, im Nu werden sie zu Schanden. Wenn er dann eingreift, dann wird alles schnell gehen.
Das war dann ja auch bei Absalom so. Gott hat eingegriffen, Absalom wird getötet, David darf wieder zurückkehren. Es ging dann sehr schnell.
Der siebte Psalm und sein innerer Aufbau
Psalm sieben, der letzte in dieser Reihe, schauen wir uns nur im Zentrum an. Psalm sieben ist also der vorletzte in der Siebener-Reihe, aber der letzte in diesen Zwischenpsalmen. Da haben wir es ein bisschen länger, siebzehn Verse, übrigens auch wieder siebzehn, Zahl 17: Bitte um Befreiung, Yahweh ist Richter und Prüfer.
Ihr braucht es nicht mitzuschreiben, lassen Sie das. Ich wollte hier nur kurz zeigen, wie diese Psalmen hineinpassen in diese ganze Reihe. Sie gehören zusammen, diese Psalmen. Da schauen wir uns vor allem jetzt die Mitte an.
Die Mitte ist, wo habe ich sie? Entschuldigung, die Mitte. Ich dachte, ich hätte sie größer, aber dann mache ich sie, auch wenn sie klein ist: Vers 9: Yahweh richtet die Völker. Schaffe mir Recht, Yahweh, nach meiner Gerechtigkeit und nach meiner Lauterkeit, die auf mir ist. O, dass die Bosheit der Ehrfurchtslosen ein Ende nähme! Und wollest du den Gerechten festigen? Und ein Prüfer der Herzen und Nieren bist du, gottgerechter.
Was man hier merkt, ist ein Chiasmus. Yahweh richtet, Yahweh richtet in der ersten Zeile. Es sind sechs Zeiler, neun und zehn sind sechs Zeiler. Yahweh richtet ist in der ersten Zeile, und Yahweh prüft ist in der letzten Zeile. Also er richtet, und er ist ein Prüfer der Herzen. Und dann, zweite Zeile: „Schaffe mir Recht, Yahweh“, vorletzte Zeile: „Du wollest den Gerechten festigen.“ Also ein Gebet um Festigung oder Recht verschaffen. Und in der Mitte: nach meiner Gerechtigkeit und nach meiner Lauterkeit, die auf mir ist. Oder: dass die Bosheit der Ehrfurchtslosen ein Ende nehme. Das bleibt übrig. Da ist jetzt nicht direkt eine Parallelität, aber ein bisschen Parallelität ist also drin, hier im Mittelteil von Psalm sieben.
Siebenmal Yahweh, oder? Vers 2, Vers 4, Vers 7, Vers 9, Vers 9, Vers 18, Vers 18. Siebenmal Yahweh. Damit können wir diese Reihe abschließen: Psalm 2 bis 8.
Sind noch Fragen da? Dass das Gebet erhört wird. Und in Psalm 7, da sind zwei Ausdrücke, die ich auch ein bisschen, ich weiß nicht genau, wie man sie jetzt anwendet: Wache auf und meint will, so schaffe mir Recht vor Herrn nach meiner Gerechtigkeit und Lauterkeit, ja. Ja, das ist schon sehr überzeugend. Obwohl er sich seiner Schuld bewusst ist, betet er so. Wie haben wir das zu verstehen?
Also, dieser Psalm wurde ja geschrieben, als er den Herben sang wegen der Worte Kusch des Benjaminiters. Da wurde ihm also ungerechterweise etwas Böses angetan. Ich glaube, wir haben keine Entsprechung, wir wissen nicht, wann das genau geschah, irgendwann in der Zeit, als er von Saul verfolgt wurde. Also der Psalm ist jetzt rein historisch aus der Zeit, bevor er König war. Wann er ihn wirklich gedichtet hat, wissen wir nicht, aber er bezieht sich auf die Zeit der Verfolgung unter Saul, als dieser Benjaminiter Kusch ihn wahrscheinlich verraten hat.
Wir haben keine direkte Entsprechung, aber wahrscheinlich war das, ich weiß nicht, es gab da mehrere, die gegen David Aussagen gemacht haben in dieser Verfolgungszeit. Soweit ich weiß, kommt das nicht vor in den Samuelbüchern. Bei mir steht hier nur in der Parallelstelle: Vergleiche 1. Samuel 24-26, also in dieser Zeit, als er verfolgt wurde von Saul. Und da war er ja unschuldig. Der König David war gesalbt zum König, und Saul verfolgte ihn, obwohl er gar nichts getan hat. In dem Sinne war er gerecht und unschuldig und lauter. Er ist sich nichts bewusst, dass er dem Herrn Sünde getan hätte gegenüber dem Herrn, in dem Sinne.
Also was das Gesetz betrifft, gerecht. Paulus spricht auch mal von sich: Was das Gesetz betrifft, war ich tadellos. Paulus hatte, als er unter dem Gesetz war, immer dem Gesetz entsprechend gehandelt. Er weiß, er achtet das alles für Kot, was er früher war. Aber dennoch lebte er entsprechend dem Gesetz, und das lebte David auch. Und Gott bestätigt es ja. Gott sagt, er war der Mann nach dem Herzen Gottes.
In dem Sinn: Wenn hier steht „nach meiner Gerechtigkeit, nach meiner Lauterkeit“, so ist das nicht in Bezug auf die Sündhaftigkeit des Menschen. Da sind wir immer Sünder und Schuldner, und das bekennt er ja auch gerade dann in Psalm 51: Da bin ich ein Sündlicher, in Sünde hat mich meine Mutter geboren usw. oder empfangen. Aber wenn es hier jetzt um die Taten geht: Ich habe nichts getan, ich bin mir nichts bewusst, wie Hiob: Ich habe nichts gemacht, und der Herr lässt mich trotzdem verfolgen, oder es geht mir schlecht. Also das ist schon ein Punkt zu sehen, wirklich nur auf diese Begebenheit zu sehen. Das heißt, wenn wir in unserem täglichen Leben, wenn wir jetzt wirklich mit einer Sache konfrontiert sind, von der wir wissen, dass es so und so nicht verhält, dann darf das auch in unserem Gebet so kommen.
Ja, wir dürfen auch: Es gibt irgendeine Sache in der Firma, man hat mit vollem Wissen und Gewissen gut gehandelt, und man wird bestraft für etwas, was man nicht getan hat. Sag mal, Herr, du hast gesehen, du siehst die Lauterkeit, ich habe in Gerechtigkeit gehandelt, du siehst es, Herr, bitte denk dran. Und lass mir Gerechtigkeit widerfahren, entsprechend dem, wie ich ja gerecht gehandelt habe, also in diesem Sinne, im begrenzten Sinne, in dieser konkreten Situation.
„Damit beginnt: Gräme mich nicht in deinem Zorn.“ Das heißt, irgendetwas ist ihm da bewusst. Und dann geht der Zorn aber damit aus, dass er sich ganz sicher ist, dass seine Gebete gehört werden. Ist das so ein kleiner Widerspruch? Also er weiß, dass dieser Zorn sich wenden wird, oder? Er fragt in Vers 4: Wie lange noch? Und du, Herr, bis wann? Bis wann wird dieser Zustand andauern? Aber er weiß es: Gott wird ihn heilen, Gott wird eingreifen oder von den Übeltätern befreien. Er weiß es, aber er weiß nicht den Zeitpunkt, wann. Er fragt in Vers 4: Bis wann? Er sagt noch in Vers 9: Weichet von mir, ihr Übeltäter! Aber er begründet seinen Aufruf an die Übeltäter zu weichen, weil er ja gebetet hat: Ich habe ja gebetet, deshalb. Und der Herr, der hört die Stimme meines Weinens, das weiß ich. So gut kenne ich meinen barmherzigen Gott, dass er schon eingreifen wird. Und er sieht, dass ich sehr leide unter der Sache, und er wird mein Gebet annehmen. Das drückt Vertrauen aus.
Ich denke, der Herr hat sich gefreut, als er das gesehen hat. Der Herr hat sich gefreut. David beugt sich unter die Strafe, was es auch immer war, oder? Einerseits sind seine Gebeine bestürzt, seine Seele war am Boden, andererseits waren noch Übeltäter da. Aber er weiß: Gott ist gnädig, und er hat ja gebetet. Und ich weiß, dass Gott Gebet erhört. Und er vertraut dem Herrn, und er sagt es sozusagen auch zu diesen Übeltätern: Weicht von mir, ihr Übeltäter, denn der Herr hört die Stimme meines Weinens. Ich habe einen Herrn auf meiner Seite. Und ihr seid gegen mich, aber der Herr hört mein Gebet, und er nimmt mein Flehen an. Damit drückt er sein Vertrauen aus. Gott wird es sicher belohnt haben und wird dann zu seiner Zeit eingegriffen haben.
Wir dürfen mit einem Gott rechnen, der Gebet erhört, und zwar ein barmherziger Gott, der hört wegen seiner Barmherzigkeit. Soweit. Ein Gebet um Gnade bleibt nie an der Decke kleben. Man beruft sich ja auf die Barmherzigkeit Gottes. Wer zu Gott kommt und sich auf Werke beruft, der soll aufpassen, denn wenn Gott wirklich nach unseren Werken vorgeht, dann erwartet uns Gericht. Wenn wir aber uns berufen auf Gottes Barmherzigkeit und Erbarmen, dann dürfen wir sehr ermutigt sein, denn Gott ist ein Erbarmer.
Gut, soweit. Das waren jetzt ein paar Psalmen aus dem ersten Buch. Wir können natürlich nicht alle durchmachen. Wir werden am Nachmittag noch ein paar rausnehmen, ein paar Schlüsselpsalmen aus dem ersten Buch, und morgen müssen wir dann noch zu den weiteren Büchern, dass wir noch ein paar herausnehmen können. Man sieht, wie man nicht fertig wird. Man staunt, man kann richtig graben und graben, und gar so tief graben wir gar nicht. Also gibt es ja noch vieles. Aber es ist schön.
Beten wir zum Schluss und danken wir dem Herrn.

