Serie•Teil 3 / 3Könige von Juda: Throne, Triumphe und Tragödien
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein erschütternder König und seine Vorgeschichte
hat. Es ist sehr erschreckend, wenn wir in das Leben von Manasse hineinschauen. Ich möchte euch hier auch nur einen kurzen Überblick geben, damit wir ein paar Eckdaten haben.
Er regierte circa von 695 vor Christus bis 642 vor Christus, also 55 Jahre. Das ist die längste Regierungszeit eines Königs. Er war von 695 bis 686 vor Christus Mitregent mit seinem Vater Hiskia. Und wer die Bibel kennt, weiß, dass Hiskia ein Mann Gottes war, der viel Gutes gemacht hat. Manasse hat von seinem Vater viel Gutes lernen dürfen. Zehn Jahre lang regierte er mit seinem Vater zusammen. Er war zwölf Jahre alt, als er König wurde.
Im Nordreich gibt es keine anderen Könige. Warum? Das Nordreich existierte schon gar nicht mehr. Das Nordreich Israel war in die Gefangenschaft geführt worden. Nahum begann zur Zeit von Manasse seinen Dienst als Prophet.
Manasse zeichnet sich aus als hemmungsloser Götzendiener, als gewalttätiger Herrscher, schlimmer als alles, was Juda bisher erlebt hat. Durch die Sünden Manasses beschließt Gott auch das finale Gericht über Juda, das gleiche Gericht, das er schon mit Samaria und Israel vollzogen hat. Im ständigen Konflikt mit Assyrien gerät Manasse in die Gefangenschaft nach Babel. Dort schenkt ihm Gott Raum zur Buße, und er darf nach Jerusalem zurückkehren. Dort schafft er sogar den Götzendienst in Jerusalem ab.
Wir starten, indem wir uns die Begebenheit durchlesen, die uns das Buch der Chronik aufschreibt. In 2. Chronik 33 lesen wir ab Vers 1:
Zwölf Jahre war Manasse alt, als er König wurde, und er regierte fünfundfünfzig Jahre in Jerusalem. Und er tat, was böse war in den Augen des Herrn, nach den Gräueln der Nationen, die der Herr vor den Söhnen Israel vertrieben hatte. Und er baute die Höhen wieder auf, die sein Vater Hiskia niedergerissen hatte, und er richtete Altäre für die Baalim auf und machte Ascherim und warf sich nieder vor dem ganzen Heer des Himmels und diente ihnen. Und er baute Altäre im Haus des Herrn, von dem der Herr gesagt hatte: In Jerusalem soll mein Name sein für ewig. Und er baute für das ganze Heer des Himmels Altäre in den beiden Vorhöfen des Hauses des Herrn. Und er ließ seine Söhne durchs Feuer gehen im Tal Ben-Hinnom, und er trieb Zauberei, Beschwörung und Magie und ließ sich mit Toten- und Wahrsagegeistern ein. Er tat viel, was böse war in den Augen des Herrn, um ihn zum Zorn zu reizen. Und er stellte das Götzenbild, das er gemacht hatte, in das Haus Gottes, von dem Gott zu David und zu seinem Sohn Salomo gesagt hatte: In diesem Haus und in Jerusalem, das ich aus allen Stämmen Israels erwählt habe, will ich meinen Namen für ewig niederlegen. Und ich will den Fuß Israels nicht mehr aus dem Land weichen lassen, das ich euren Vätern bestimmt habe, wenn sie nur darauf achten, alles zu tun, was ich ihnen geboten habe, nach dem ganzen Gesetz und den Ordnungen und den Rechtsbestimmungen durch Mose.
Aber Manasse verführte Juda und die Bewohner von Jerusalem dazu, mehr Böses zu tun als die Nationen, die der Herr vor den Söhnen Israel ausgetilgt hatte. Und der Herr redete zu Manasse und zu seinem Volk, aber sie achteten nicht darauf. Da ließ der Herr die Heerobersten des Königs von Assur über sie kommen, und sie nahmen Manasse gefangen und banden ihn mit ehernen Fesseln und führten ihn nach Babel.
Und als er so bedrängt war, flehte er den Herrn, seinen Gott, an und demütigte sich sehr vor dem Gott seiner Väter und betete zu ihm. Und er ließ sich von ihm erbitten, der hörte sein Flehen und brachte ihn nach Jerusalem in seine Königsherrschaft zurück. Da erkannte Manasse, dass der Herr der wahre Gott ist.
Danach baute er die äußere Mauer für die Stadt Davids westlich von Gihon im Tal und bis dahin, wo es zum Fischtor hineingeht, und umschloss den Ofel. Er baute sie sehr hoch und legte Heeroberste in alle befestigten Städte in Juda. Und er tat die fremden Götter weg und das Götzenbild aus dem Haus des Herrn und alle Altäre, die er auf dem Berg des Hauses des Herrn und in Jerusalem gebaut hatte. Er warf sie vor die Stadt hinaus. Und er baute den Altar des Herrn wieder auf und opferte darauf Heilsopfer und Dankopfer. Und er befahl Juda, dass sie dem Herrn, dem Gott Israels, dienen sollten. Aber das Volk opferte noch auf den Höhen, jedoch nur dem Herrn, ihrem Gott.
Und die übrige Geschichte Manasses und sein Gebet zu seinem Gott und die Worte der Seher, die zu ihm redeten im Namen des Herrn, des Gottes Israels, siehe, das ist geschrieben in der Geschichte der Könige von Israel. Sein Gebet aber und wie Gott sich von ihm erbitten ließ und all seine Sünde und seine Untreue und die Orte, an denen er Höhen gebaut und die Ascherim und die Götzenbilder aufgestellt hatte, bevor er sich demütigte, siehe, das ist geschrieben in der Geschichte der Seher. Und Manasse legte sich zu seinen Vätern, und man begrub ihn in seinem Haus. Und sein Sohn Amon wurde König an seiner Stelle.
Soweit Gottes Wort.
Die dunklen Folgen eines langen Lebens
Wenn wir uns hier noch einmal einen Überblick über das Leben von Manasse verschaffen, dann beginnt das eigentlich sehr schön. In seiner Kindheit werden die besten Voraussetzungen für sein Leben gelegt. Es ist beeindruckend, was er lernen durfte und was er von seinem Vater mitbekam.
Er hatte den gottesfürchtigen Hiskia als Vater. Er war sieben Jahre alt, als sein Vater von einer eigentlich tödlichen Krankheit geheilt wurde. Im gleichen Jahr erlebte er das Wunder mit dem Schatten an der Sonnenuhr, wo Gott die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes anhielt. Er war acht Jahre alt, als er mitbekam, dass 185 assyrische Krieger sich vor den Stadtmauern Jerusalems versammelten, um die Stadt anzugreifen, und wie dieses gewaltige Heer dann in einer Nachtaktion von Gott geschlagen wurde. Vermutlich regierte er zehn Jahre lang zusammen mit seinem Vater.
Und trotzdem, trotz dieser guten Voraussetzungen, war er der gottloseste König, den uns die Bibel aufschreibt. Er verhielt sich so schlimm, dass das Wort Gottes darüber sehr deutlich ist. Dazu werden hier zwei Stellen aus dem Zweiten Buch der Könige genannt:
2. Könige 23,26Doch kehrte sich der Herr nicht ab von der großen Glut seines Zornes, mit der sein Zorn gegen Juda entbrannt war, wegen all der Kränkungen, mit denen Manasse ihn gekränkt hatte.
2. Könige 24,3-4Ja, nach dem Befehl des Herrn geschah das gegen Juda, um es von seinem Angesicht zu entfernen, wegen der Sünden Manasses nach allem, was er getan hatte, auch wegen des unschuldigen Blutes, das er vergossen hatte, so dass er Jerusalem mit unschuldigem Blut angefüllt hatte. Das wollte der Herr nicht vergeben.
Diese letzte Aussage erschreckt mich sehr: Das wollte der Herr nicht vergeben. Und wenn wir Manasses Leben anschauen, werden wir feststellen, dass man das sehr gut nachvollziehen kann.
Und doch vergibt Gott dem Einzelnen. Und das ist die Person, um die es heute Abend geht: Manasse. Das finde ich eine gewaltige Ermutigung. Er vergibt Manasse, diesem Obersten der Sünder im Alten Testament. Vielleicht kann man ihm das einfach einmal als Stempel mitgeben, der sein Leben eigentlich auszeichnet: Manasse, der es an allen Ecken und Enden komplett vergeigt hat.
Warum Chronik anders erzählt als Könige
Wir wollen einen kurzen Einschub machen. Einige fragen sich vielleicht schon jetzt: Warum habe ich die ganze Zeit aus Könige zitiert? Warum lesen wir nicht die Geschichte von Manasse im Buch der Könige? Das hat einen ganz einfachen Grund. Das hat damit zu tun, dass ich euch sehr lieb habe und euch nicht so viel Böses antun möchte.
Wir wollen uns kurz damit beschäftigen, was der Unterschied ist zwischen Chronik und Könige. Chronik, zwei Bücher, behandelt in der Ersten Chronik die beiden Samuelbücher und in der Zweiten Chronik dann die beiden Königsbücher. Früher wurden diese Bücher übrigens nachträglich getrennt, das muss man auch sagen. Und Könige ist das Buch des Niedergangs. Das ist ganz interessant, wenn man sich das alles anschaut, was da passiert ist.
Wenn wir das Buch der Könige nehmen, dann startet es mit dem Tempelbau und der Herrlichkeit, die dort erschien, und es endet mit der Tempelzerstörung. Wenn man Könige betrachtet, startet es mit dem vereinten Volk, und es dauert gar nicht lange, und das hatten wir gestern Abend unter Rehabeam: die Reichsteilung. Nichts ist mehr vereint, sondern das Volk ist getrennt. Es beginnt mit dem Volk im verheißenen Land, und es endet damit, dass das Volk weggeführt und zerstreut wird. Es beginnt mit Sicherheit, Frieden und Ruhe, und es endet mit Angst und Gefangenschaft, sogar mit Todesangst. Es beginnt mit Israel, das als Haupt der Nation dargestellt wird, und es endet damit, dass Israel der Schwanz der Nation ist. Man könnte hier noch viel mehr anführen.
Das Buch der Könige beginnt mit König David und endet mit dem König von Babylon. Das Buch der Könige beginnt mit Salomos Ruhm und endet mit Jojachins Schande. Das Buch der Könige beginnt damit, dass zu Salomo zahlreiche heidnische Könige kommen, um ihn um Rat zu fragen, und es endet mit Jojachin, der um Gnade winselt, vor einem heidnischen Herrscher. Und wir wollen uns das Ganze einmal anschauen, um es zu vergleichen und zu verstehen, warum wir da eine unterschiedliche Zielrichtung haben. Dafür dient diese Grafik.
Das Buch der Könige endet mit der Beschreibung des Königs Jojachin, der sich immer noch im babylonischen Exil befindet, also während des Exils geschrieben. Das Buch Chronik endet anders. Es endet nämlich mit dem Ende des Exils. Wenn wir das einmal machen, schlagen wir Zweite Chronik auf, letztes Kapitel, Zweite Chronik 36. Und jetzt macht mal Folgendes: Lest bitte in Zweite Chronik 36 die Verse 22 mit, und ich starte in Esra 1, ja? Aber er liest einfach Chronik durch weiter.
Und im ersten Jahr des Kyrus, des Königs von Persien, erweckte der Herr, damit das Wort des Herrn aus dem Mund Jeremias erfüllt wurde, den Geist des Kyrus, des Königs von Persien, dass er durch sein ganzes Reich einen Ruf ergehen ließ, und zwar auch schriftlich: So spricht Kyrus, der König von Persien: Alle Königreiche der Erde hat der Herr, der Gott des Himmels, mir gegeben. Nun hat er selbst mir den Auftrag gegeben, ihm in Jerusalem, das in Juda ist, ein Haus zu bauen. Wer immer unter euch aus seinem Volk ist, mit dem sei sein Gott, und er ziehe hinauf nach Jerusalem, das in Juda ist.
Habt ihr etwas festgestellt? Das ist eigentlich komplett identisch. Also das zweite Chronikbuch endet mit dem Teil, wie Esra anfängt. Und Esra ist nach exilischer Zeit, also das Volk darf wieder zurückkehren. Es hat auch einen ganz anderen Startpunkt. Das Buch der Chronik deckt die ganze Begebenheit von Adam an bis zum damaligen Zeitpunkt nach dem Exil ab. Und das Buch der Könige beginnt später, wir hatten gerade mit Salomo, was wir da gelesen hatten, und endet dann damit, dass das Volk sich im Exil befindet.
Wenn wir uns das weiter vor Augen führen, dann ist das Buch Könige von einem ganz starken Gedanken geprägt, und ihr seht ihn hier aufgeschrieben: Erste Könige 9,8. Und dieses Haus wird eine Trümmerstätte werden; jeder, der an ihm vorübergeht, wird sich entsetzen und pfeifen, und man wird sagen: Warum hat der Herr an diesem Land und an diesem Haus so gehandelt? Erste Könige startet nach einer Einleitung in Kapitel 8 mit der Tempeleinweihung, und es endet mit der Tempelzerstörung.
Und wenn man sich versucht, das Buch mal so neutestamentlich zu denken, dann ist Könige für die Propheten das, was die Apostelgeschichte für die Briefe ist. Also wenn wir uns die Propheten anschauen, die Gottes Gericht predigen, dann können sie sich voll und ganz auf die Könige berufen und sagen: Es ist eure Schuld, die trennt. Es ist euer Versagen, das dazu führt, dass Gott Gericht ausüben muss, und er ist absolut gerecht. Und wenn wir das dann auf das Neue Testament anwenden, dann haben wir die Apostelgeschichte, mit der wir die Briefe erst einmal verstehen können. Und das ist ein ganz interessanter Punkt: Das Buch der Könige endet mit der Tempelzerstörung, und Chronik hat einen ganz anderen Anhaltspunkt.
Ich lese noch einmal den Vers hier vor, Vers 23 aus Zweite Chronik 36: So spricht Kyrus, der König von Persien: Alle Königreiche der Erde hat der Herr, der Gott des Himmels, mir gegeben, und er hat mich beauftragt, ihm ein Haus zu bauen in Jerusalem, das in Juda ist. Wer immer unter euch aus seinem Volk ist, mit dem sei der Herr, sein Gott, er ziehe hinauf.
Das ist schon richtig spannend, oder? Also Chronik hat eine ganz andere Zielrichtung. Es möchte die Rückkehrer aus dem Exil ermutigen: Leute, seid mutig, wir gehen zurück, und es geht darum, das Haus Gottes wieder aufzubauen. Und das, was die Leute damals brauchten, war Mut. Wenn wir die Geschichten von Esra und Nehemia lesen, das war ja kein Spaziergang. Wenn wir an Nehemia denken, die ganzen Anfeindungen, die dieser Mann auszuhalten hatte. Das heißt, was die Leute damals brauchten, war Ermutigung.
Und jetzt stellt euch mal einen Leser vor, der die Geschichte von Manasse kennt und Könige liest. Bei Könige kommt Manasse nicht gut weg. Und dann schlägt er das Buch der Chronik auf und erfährt, dass dieser gottlose König Buße getan hat und dass Gott sich über ihn erbarmt hat. Und das ist eine gewaltige Ermutigung. Das Buch der Chronik stellt das Positive hervor und nicht das Negative.
Wenn wir an König Saul denken, der war ja böse, der wird in Chronik recht gut geschnitten. Nur am Ende kommt sein Tod vorher in Erste Chronik 10, aber ansonsten verrät uns Chronik gar nicht so viel über diesen König. Den Ehebruch, den David vollzogen hat mit Batseba und den Mord, der sich anschloss an Uria, den lesen wir nicht, der wird im Chronikbuch weggelassen. Die Rebellion von Absalom und die Hungersnotzeit Davids finden wir nicht im Buch der Chronik. Die Vorbereitung von David für den Tempelbau, dass sein Sohn anfangen kann, den Tempel zu bauen, das finden wir dann wieder in Chronik, und zwar sehr ausführlich beschrieben, intensiver als im Buch der Könige. Die Freigebigkeit des Volkes bezüglich des Tempelbaus wird in Erste Chronik intensiv betont. Salomos Ende mit den heidnischen Frauen, sein großer Abfall und der Götzendienst werden weggelassen. Darüber lesen wir in Chronik nichts.
Direkt nach der Reichsteilung, das hatten wir gestern ja mit Rehabeam, und wenn ihr dann versucht, Könige aus dem Nordreich Israel in Chronik zu finden, werdet ihr da nicht fündig. Sie tauchen am Rande auf, um deutlich zu machen, wer parallel herrschte, aber wir lesen aus dem Leben dieser gottlosen Könige im Nordreich nichts im Buch der Chronik. Im Unterschied dazu wird der Gehorsam der Könige Judas betont. Zum Beispiel Abijas Sieg in Erste Könige 15, wenn wir das vergleichen mit Zweite Chronik 13. Der Hass auf Gottespropheten ist kaum ein Thema, aber im Königsbuch nimmt er viel Platz ein.
Also das Buch Chronik ermutigt, statt zu ermahnen und darauf deutlich zu machen, dass Gott gerecht sein Gericht ausüben muss. Und das Buch der Chronik fokussiert vielmehr den Tempel als alles andere. Die Leviten werden immer wieder besonders betont, hatten wir gestern auch schon: Priester und Leviten, die von Jerobeam vertrieben waren und bei Rehabeam dann unterkommen. Davids Vorbereitung für den Tempelbau kommt intensiv vor im Buch der Chronik, Entschuldigung, kommt sogar nur dort vor im Buch Chronik, nimmt viel Raum ein. Salomos Tempelbau nimmt viel mehr Platz ein als in Könige. Nur Chronik berichtet, dass Hiskia zu Beginn der Erweckung die Türen des Tempels öffnete. Das ist auch so ein wunderschönes Detail: Die Tür ist wieder offen, der Tempeldienst beginnt wieder.
Nur die Könige aus Juda, also da, wo es Südreich war, wo der Tempel stand in Jerusalem, die werden beschrieben. Und das führt uns dazu, dass wir eigentlich recht gute Unterscheidung machen können zwischen Könige und Chronik. Könige hat das Ziel, den Leser zu ermahnen und darauf hinzuweisen: Du hast es verdient, dass Gott strafen muss. Du bist nicht gerecht. Es ist deine Schuld, die diese Strafe herbeigeführt hat. Chronik hat eine ganz andere Zielrichtung. Das Volk hat Angst, hat Sorge, hat Befürchtung, muss ermutigt werden, und Gott ermutigt im Buch der Chronik die Leute, die zurückkehren: Geht zurück, baut das Haus Gottes wieder auf.
Und das finde ich eine wunderschöne Sache. Wenn wir das im Hinterkopf behalten, dann erleichtert das uns auch hier die Lektüre beim Buch der Chronik.
Die Bosheit des Königs und ihre Ausmaße
Dann ein zweiter Punkt, der Manasses Leben auszeichnet. Das haben wir hier in den ersten zehn Versen gelesen: Manasses Boshaftigkeit. Manasses Boshaftigkeit wird hier sehr intensiv beschrieben. Und das Ganze geht Hand in Hand mit der zeitlichen Einschätzung: Manasse war der König, der am längsten regiert hat. 55 Jahre. Also 55 Jahre, da kannst du jede Menge kaputt machen, oder? Bei uns gehen ja schon Leute nach einer Legislaturperiode auf die Barrikaden, aber 55 Jahre lang war dieser gottlose Mann König. Das ist schrecklich, oder? 55 Jahre lang war er so boshaft drauf. Und er war so böse, dass die Bibel sagt, dass er boshafter war als die Amoriter. Und das ist der Inbegriff des Bösen schlechthin. Schon im ersten Mosebuch lesen wir davon, wie schlimm die Amoriter waren. Mal zwei Verse, wir müssen wieder zu Könige natürlich gehen. Ihr wisst jetzt warum: Könige schreibt uns das auf, weil Manasse, der König von Juda, diese Gräuel verübt und Schlimmes getan hat, mehr als alles, was die Amoriter getan haben, die vor ihm gewesen sind, und auch Juda durch seine Götzen zur Sünde verführt hat. Und Gott hatte zu Abraham deutlich gemacht, 1. Mose 15, das Maß der Schuld der Amoriter ist bis jetzt noch nicht voll. Also schon unter Abraham war deutlich: Die Amoriter, das sind böse Menschen. Das war der Inbegriff des Bösen schlechthin. Und Gott sagt hier: Der Manasse hat die Amoriter noch rechts überholt. Der ist noch schlimmer unterwegs gewesen. Was war das für ein schrecklicher Mann.
Wir wollen uns mal angucken, was die Bibel hier aufschreibt über das, was er an Verhalten hatte. Manasse baut all das auf, was sein Vater an Götzen niedergerissen hatte. Er baut die Höhen wieder auf, Kapitel 33, Vers 3. Die Höhen, das waren kleine Haine für religiöse Zeremonien. Also es ging da nicht um den Gott Israels. Man machte da keinen Sonntagsschulausflug hin, sondern auf diesen Höhen wurden Götzen geopfert. Er errichtete Altäre für die Baalim. Ganz interessant: Also wir lesen hier den Plural. Baal war der Regen- und Fruchtbarkeitsgott der Kanaaniter, und hier wird der Plural verwendet. Die Baalim schließt möglicherweise auch noch andere falsche Gottheiten mit ein. Und was zeichnete so ein Götzendienst gegenüber Baal aus? Ja, Tieropfer, Prostitution von Männern und Frauen bis hin zu Menschenopfern. Er machte die Ascherim, 33, Vers 3. Aschera war so eine weibliche Gefährtin des Götzen Baal, und Forscher nehmen an, dass die Aschera-Pfähle, die uns beschrieben werden, riesige Phallussymbole waren. Auf jeden Fall Symbole, die eng verbunden waren mit dem Sexkult, den Manasse eingeführt hatte. Er warf sich nieder vor dem ganzen Heer des Himmels und diente ihm, auch noch 33, Vers 3. Und es war verboten, nach 5. Mose 4, Vers 19 stand die Todesstrafe darauf. Er baute Altäre im Haus des Herrn, 33, Vers 4, und dann wird es weiter ausgeführt, Vers 5: Er baute für das ganze Heer des Himmels Altäre in den beiden Vorhöfen des Hauses des Herrn. Also dieser Mann stellt nicht nur im Vorhof Gottes andere Altäre hin, sondern auch im Haus des Herrn. Bis dahin geht er sogar.
Und ich finde das sehr intensiv, weil Gott das nicht egal ist. Guckt mal rein, wie Gott seinen Schmerz hier beschreibt. 33, Vers 4 lesen wir: Und er baute Altäre im Haus des Herrn, von dem der Herr gesagt hatte: In Jerusalem soll mein Name sein für ewig. Und dann können wir weiterlesen, 33, Vers 7: Und er stellte das Götterbild des Götzen, das er gemacht hatte, in das Haus Gottes, von dem Gott zu David und zu seinem Sohn Salomo gesagt hatte: In diesem Haus und in Jerusalem, das ich aus allen Stämmen Israels erwählt habe, will ich meinen Namen für ewig niederlegen. Gott wiederholt hier das Ganze, und das macht deutlich, wie schlimm dieser Schmerz ist, wie gewaltig das Unrecht ist, was Manasse hier ausübt, dass er es gar nicht auf dem Radar hat, wie schlimm sein Verhalten ist.
Und es geht weiter noch, dass er seine Söhne durchs Feuer gehen ließ im Tal Ben-Hinnom. Das war auch so eine der Modegötter zur damaligen Zeit: Moloch. Ich möchte hier aus diesem Roman „Sei du meine Stärke“ mal ein Zitat bringen, weil das da sehr gut beschrieben wird. Die liegen auch auf dem Büchertisch. „Sei du meine Stärke“, das ist so eine Königsband-Reihe, insgesamt fünf Bände. Die ersten vier habe ich schon gelesen, der fünfte ist frisch draußen. Da geht es um das Leben von Hiskia und von Manasse. Und Band vier ist Teil eins von Manasses Leben, den habe ich schon hinter mir. Der war nicht sehr erquicklich. Das ist wirklich schlimm, was dieser Mann alles gemacht hat. Und wenn man die Bibel liest, da kannst du wirklich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und ich glaube, dass wir mittlerweile heute gar nicht mehr wissen, was damals alles abging, wenn man so von Götzenopferkult hört und ja, Menschenopfer.
Und Lynne Austin beschreibt hier eine Situation zur Zeit von Hiskia. Hiskias Vater war auch ein Götzendiener, und das möchte ich mal vorlesen, damit wir wissen, was es mit diesem Moloch auf sich hat, dem Manasse gedient hat. Weil wir lesen ja hier: Er ließ seine Söhne durchs Feuer gehen. Da kann man ja denken, die laufen einmal durchs Feuer, kommen wieder raus, ja, Pustekuchen. Das wird hier beschrieben:
Plötzlich teilte sich die Wand aus Soldaten, und Hiskia erhaschte einen ersten Blick auf Moloch. Hiskia ist zu der Zeit noch ein kleines Kind. Er wusste, dass er nicht träumte. Er wusste, dass es ungeheuer echt war, denn etwas so Schreckliches hätte er sich niemals ausdenken können. Moloch starrte ihn von einem Thron aus Messing an, während das Feuer in der Grube unter der hohlen Statue brüllend loderte. Feuerzungen leckten an den Rändern seines offenen Mundes. Seine Arme, die ausgestreckt waren, als warteten sie nur darauf, gefüllt zu werden, bildeten eine steile Schräge, die in seinem geöffneten, wartend geöffneten Mund endete. Sein Instinkt sagt Hiskia laut und deutlich, dass er fliehen musste, aber seine Beine gaben unter ihm nach, als wären sie aus Wasser. Er konnte sich nicht rühren. Einer der Soldaten hob ihn hoch und trug ihn die Stufen zu dem Podest hinauf, das vor dem ausgestreckten Arm des Ungeheuers errichtet worden war. „Moloch, Moloch, Moloch“, rief die Menge im dröhnenden Rhythmus der Trommeln. Hiskias Herz hämmerte in seinen Ohren, während er sich an seinen Bruder Eliab abklammerte. Der aufsteigende Rauch ließ seine Augen tränen, die Hitze verbrannte sein Gesicht. Der hohe Priester wandte sich mit erhobenen Armen zu Moloch um und flehte den Gott mit einem wilden Schrei an, aber die skandierende Menge und der Lärm der Flammen übertönten seine Worte. Als sein Gebet beendet war, ließ der Priester die Arme sinken und drehte sich um. Hiskia sah den kalten, entschlossenen Ausdruck in dem Gesicht des Mannes und versuchte zurückzuweichen, aber einer von Molochs Priestern packte ihn an den Armen. Er konnte nicht fliehen. „Welcher ist der Erstgeborene des Königs?“, fragte der hohe Priester. Onkel Maracias Siegelring blitzte im Feuerschein auf, als er Eliab eine Hand auf den Kopf legte. „Dieser hier!“ Der Priester packte Eliab und hob ihn hoch in die Luft. Entsetzt sah Hiskia zu, wie der Mann seinen Bruder in die wartenden Arme des Ungeheuers warf. Hiskia stieg ein schrecklicher Gestank in Nase und Kehle, wie er ihn noch nie zuvor gerochen hatte, und er musste würgen. Sein Magen drehte sich ihm um, und er übergab sich, als wolle er auch die Erinnerungen ausschwemmen.
Aber der Albtraum endete nicht mit Eliabs Tod. Auch andere adlige und städtische Beamte boten ihre Söhne dem Priester dar, und er warf sie einen nach dem anderen in Molochs Arme. Hiskia kauerte auf dem Boden des Podests und vergrub das Gesicht in den Händen, um dem Anblick zu entgehen. Aber der Schrecken dieses Tages hatte sich in seine Seele eingegraben. Der fing an zu schreien, und er war nicht sicher, ob er jemals wieder aufhören würde können.
Weil ich gedacht habe: Was ist das für eine Bestie an Mensch? Es gibt so Sachen, auf die man nicht mehr klarkommt, oder? Wo man feststellt, wie groß, wie schlimm können wir Menschen drauf sein, wie pervers kann unser Denken und unser Handeln sein, und wie schrecklich sind die Ausführungen, die wir hier gehört haben oder hier auch uns mal vor Augen gestellt haben in diesem Roman. Er ließ seine Söhne durchs Feuer gehen. Und Gott hat ja schon angeordnet im dritten Mosebuch, da sagt Gott: Und von deinen Nachkommen sollst du nicht einen hingeben, um sie dem Moloch durchs Feuer gehen zu lassen. Und du sollst den Namen deines Gottes nicht entweihen. Ich bin der Herr. Wisst ihr, es macht mich wieder ruhig, weil ich feststelle: Unser Gott hat das genau auf dem Radar schon. Drittes Mosebuch schon sagt er: Du sollst das nicht machen mit deinen Kindern, du sollst es nicht machen, du sollst den Namen deines Gottes nicht entweihen. Ich bin der Herr. Und 3. Mose 20 wird dann ausgeführt, dass auf dieses Verhalten die Todesstrafe stand. Ist nachvollziehbar, oder?
Aber damit ist das Ende der Fahnenstange von Manasses Unrecht noch nicht erreicht. Wir lesen davon, dass Manasse Zauberei und Beschwörung und Magie trieb, sich mit Totengeistern und Wahrsagegeistern einließ in 33, Vers 6. Und wenn wir 3. Mose wieder hinzuziehen, dann steht genau da die Warnung: 3. Mose 19: Ihr sollt euch nicht zu den Totengeistern und zu den Wahrsagern wenden. Ihr sollt sie nicht aufsuchen, euch an ihnen unrein zu machen. Ich bin der Herr, euer Gott. Immer wieder betont es Gott: Ich bin der Herr, euer Gott. Und er hat so gute Gedanken.
Und dann geht es weiter, dass wir in der Bibel lesen: Er tat viel, was böse war in den Augen des Herrn, um ihn zum Zorn zu reizen. Da kannst du doch nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen und sagen: Bist du verrückt geworden, Manasse, deinen Schöpfer zum Zorn zu reizen? Er hat bewusst darauf angelegt, seinen Schöpfer zu reizen, seinen Gott. Denk mal zurück an die Kindheit: Die ersten zehn Jahre hat er mit seinem Vater Hiskia zusammengelebt. Es gab Propheten, die ihn gewarnt haben, und er hat alles überhört und es schlimmer getrieben als alle anderen je zuvor. Er stellte das Götterbild des Götzen, das er gemacht hat, in das Haus Gottes, Vers 7. Er besaß die Frechheit, wenn es tatsächlich so ein Phallussymbol war, dieses Symbol in das Haus Gottes hineinzustellen. Manasse verführte Juda und die Bewohner von Jerusalem, mehr Böses zu tun als die Nation, die der Herr von den Söhnen Israel ausgetilgt hatte, lesen wir in Vers 9. Und Manasse achtete nicht auf Gottesreden, 33, Vers 10.
Und wir wollen noch einmal 2. Könige aufschlagen, weil 2. Könige uns da auch wieder einen deutlicheren Hinweis gibt als Chronik. Chronik deckt da ein bisschen den Mantel drüber, aber in 2. Könige 21, Vers 16 lesen wir dann: Manasse vergoss auch sehr viel unschuldiges Blut, bis er Jerusalem damit anfüllte, von einem Ende bis zum anderen, abgesehen von seinen Sünden, mit denen er Juda zur Sünde verführte, zu tun, was böse war in den Augen des Herrn. Bis er Jerusalem damit anfüllte, von einem Ende bis zum anderen. So schlimm ist das Verhalten von diesem Mann.
Wenn wir außerbiblische Quellen hinzunehmen, dann soll Jesaja, der Prophet Jesaja, während Manasses Herrschaft in einen hohen Stamm gesteckt worden sein, in der Mitte durchgesägt worden sein. Wir wissen von Josephus, dass Manasse täglich Hinrichtungen anordnete. Und auch über diesen Umstand schweigt Chronik übrigens. Das finde ich ganz interessant.
Gericht, Umkehr und die Tür zur Gnade
Und dann kommt es, wie es kommen muss: Gott lässt sich nicht spotten, und Manasse wird gefangen weggeführt. Das lesen wir in Vers elf. Sie nahmen Manasse gefangen, wörtlich steht da, sie fingen Manasse mit Haken durch die Nase. Das war damals üblich: Man stieß Haken durch die Nasen wichtiger Gefangener. Dann wurde er gefangen weggeführt, und zwar in ehrenden Fesseln.
Wenn wir da irgendetwas zu entscheiden gehabt hätten, wir hätten von Manasse doch den Schlüssel weggeworfen, oder? Wir hätten gesagt: Du hast es verdient, dass du in der Zelle verreckst. Das, was du getan hast, ist so schlimm und abscheulich. Deine Bosheiten sind dir so wahnsinnig über den Kopf gestiegen. Du hast es vollkommen verdient, und für diesen Mann würden wir keine Gnade mehr aufwenden.
Aber wir lesen nach der Gefangennahme etwas ganz Interessantes. Wir lesen davon, dass er Buße tut, in Vers zwölf und dreizehn. Und Gott hatte im Rahmen der Tempelweihe Folgendes versprochen, das steht in 2. Chronik 7,14. Da hatte Gott Folgendes angeordnet: Und mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, demütigt sich, also nachdem sie entsprechendes Gericht bekommen haben, und beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.
Das ist der Gott der Bibel, dieser große, gnädige, gerechte Gott. Und ich finde das so gewaltig: Er tut Buße und leitet im Anschluss dann Reformen ein, die es in sich haben. Johannes der Täufer hat mal zu den Pharisäern gesagt: Bringt der Buße würdige Frucht. Und wir hatten das heute Morgen, dass es auch so falsche Rollen gibt, dass man vielleicht Tränen vergießt, aber man weint nicht wegen der Sünde, sondern nur, weil man erwischt worden ist oder weil es einem peinlich ist. Man weint nicht, weil man feststellt, dass man gegen Gottes Anordnung verstoßen hat, dass uns Gottes Heiligkeit gar nicht so sehr auf dem Radar ist.
Und das ist hier sehr intensiv: Die Buße von Manasse trägt wahnsinnige Frucht. Wenn wir das weiterlesen, in Vers 14 befestigt er Jerusalem, er legt Heeroberste in alle befestigten Städte Judas. In Vers 15 tut er die fremden Götter weg und entfernt auch das Götzenbild aus dem Haus des Herrn. Er schmeißt alle anderen Altäre vor die Stadt hinaus, nur noch Gottes Altar steht drinnen. Er baut den Altar des Herrn wieder auf, opfert darauf Heils- und Dankopfer und befiehlt Juda, dass sie von nun an dem Gott Israels dienen sollten. Sie opfern dann zwar immer noch auf den Höhen, aber zumindest dem Herrn, ihrem Gott.
Und dann kommen wir zu Manasses Ende. Das ist ganz interessant, weil er der erste König ist, von dem wir nicht lesen, dass er in Jerusalem oder in der Stadt Davids begraben wurde. Im Zweiten Könige wird es noch intensiver beschrieben. Dort steht: Manasse legte sich zu seinen Vätern, er wurde begraben im Garten seines Hauses, im Garten Usas. Auch kein klassisches Ende, wie es uns sonst bei anderen Leuten vorgestellt wird.
Und ich möchte uns auch hier zwei wichtige Punkte mitgeben. Das Erste, was ich uns mitteilen möchte, ist: Aufrichtige Buße schließt die Tür zu Gottes Erbarmen auf. Aufrichtige Buße schließt die Tür zu Gottes Erbarmen auf. Und es geht mir darum, dass wir da unterscheiden zwischen Entschuldigung, so sorry, und es tut uns gar nicht leid, und einem echten Zerbruch. Thomas Watson, das war ein Puritaner, sagte immer: Buße ist das Erbrechen der Seele. Buße ist eine Sache, die einem aufrichtig leid tut und weh tut, und nicht so eine Sache: Da schwamm drüber, machen alle, sorry, Entschuldigung, buff.
Aufrichtige Buße schließt die Tür zu Gottes Erbarmen auf. Der zweite Punkt, und darauf möchte ich eigentlich abstellen, ist, dass ich uns ermutigen möchte, dass ein Neuanfang möglich ist in unserem Leben. Wisst ihr, wenn man Manasses Leben so überdenkt, dann lesen wir da ja gar nicht so vieles, was in Manasse in seinem Inneren abging, als er Buße getan hat, als Gott ihn zurückführt, als er all die ganzen guten Reformen einleitet. Meint ihr nicht, dass Manasse nachts manchmal schweißgebadet aufgewacht ist, weil er die ganzen Schreie von seinen Kindern gehört hat, von den Opfern, die er einfach so hat hinrichten lassen? Der Mann hat so viel Schuld auf sich geladen, wie wird ihn das gequält haben?
Ich war Zivi in einem Altenheim, habe da richtig in der Pflege gearbeitet, hatte so einen Flur mit acht älteren Herrschaften. Und ich hatte unter anderem einen Opa, der war ein ganz hohes Tier in der Zeit der SS. In der Nazizeit hatte er bei der SS sehr viel zu sagen. Das war ein sehr stolzer Mann, und dann ging es auf sein Ende zu. Im Altenheim habe ich einige Menschen zum Tod hin begleitet, und es war unterschiedlich, aber dieser Mann, das war schrecklich. Der ist verreckt. Das war sehr unschön, den zu begleiten und zu pflegen in seinen letzten Tagen. Da kam so viel hoch bei diesem Mann. Der ist oft aufgewacht und hat geschrien wie verrückt, was er alles am Blut sieht. Mehrmals kam die Polizei ins Altenheim und sagte: Ist hier alles in Ordnung? Wir haben gesagt: Ja, es ist nur ein Mitbewohner, der gerade geht.
Wie oft wird Manasse nachts schweißgebadet aufgewacht sein? Und ich möchte uns ermutigen, dass Gott ein Gott ist, der Schuld vergibt. Und das ist so wichtig. Auch heute Morgen hatten wir ja ein sehr ernstes Thema mit uns Männern. Und da ging es auch um Themen wie: Wie bekommt man Schuld und Vergebung? Und ich möchte uns dazu eine Begebenheit erzählen. Die ist übrigens auch hier in diesem Buch von Steve Ferrer drin. Zielstrebig habe ich daraus geklaut, gefällt mir sehr gut: Der angekettete Elefant.
Steve Ferrer schreibt in seinem Buch von einem ganz interessanten Umstand, den man bei Zirkuselefanten festgestellt hat. Wenn so ein Baby-Zirkuselefant geboren wird, wiegt der so 140 Kilogramm, ist also gar nicht so schwer, ja. Dann wird er von dem Zirkusdirektor an so einer festen Kette angeflockt. Und dieses Zirkuselefantenbaby versucht am Anfang wie verrückt, von der Kette loszukommen. Der versucht zu reißen, Tricks zu machen, damit die Kette los wird, aber der ist viel zu leicht für diese sehr schwere Kette. Und da wird die Kette einfach nicht los. Und irgendwann stellt er fest: Ach Mann, es hat eh keinen Sinn mit der Kette. Und dann stellt er fest: Okay, sobald die Kette dran ist, es lohnt sich nicht, gegen diese Kette anzukämpfen.
Das Interessante ist nur: So ein Elefant wird ja auch immer größer und größer, irgendwann wiegt er nicht mehr 140 Kilo, sondern mehrere Tonnen. Das Geniale ist nur, diese Kette, an die das Jungtier angebunden wurde, klappt auch noch beim ausgewachsenen Elefanten. Der kämpft dagegen gar nicht mehr an.
Wir können da zwei Ableitungen treffen von diesem Elefanten. Das erste ist: Elefanten haben ein super Gedächtnis. Und das zweite ist: Elefanten sind nicht so helle. Die checken es nicht. So ein großer, ausgewachsener Elefantenbulle bräuchte nur einmal kurz das Beinchen nehmen, dann wäre die Kette weg. Das begreift er auch gar nicht.
Und ich glaube, dass manche von uns auch an so einer Kette hängen, an so einer Kette von Schuld. Schuld, die tatsächlich existiert in deinem Leben, weil du einen Fehler gemacht hast, weil du Mist gebaut hast, weil du etwas Schlimmes getan hast. Und der Feind schafft es, in diesen dunklen Tiefen unserer Vergangenheit immer wieder etwas Neues hervorzuholen. Er benutzt Sätze wie: Dich kann Gott nicht gebrauchen, du Versager. Vielleicht liegt ein Fall von sexueller Unmoral vor, von einer Lüge, die sich ausgeweitet hat, von Grausamkeit. Und du stellst fest, dass diese Kettenlider intensiv geschmiedet sind, und du bekommst diese Kette nicht weg.
Und was ich uns da heute Abend dazu, ja, eine Gegenstandslektion für Kinder, was ich uns da mitgeben möchte, ist: Behaltet das Ding hier einfach mal im Kopf, ja? Das hier ist eine Rettungsschere, ja? Wenn die Feuerwehr ausrückt, mal ein Bild dazu, und irgendwo bei einem Unfall ist, dann setzt sie so eine Rettungsschere an, zack, und dann wird alles durchgeschnitten, was dazwischen steht. Pack die Rettungsschere aus, pack die Rettungsschere aus, nimm das einfach mal mit als Bild, wenn dich so eine Kette immer noch in deinem Leben nach unten zieht.
Wir dürfen, wenn wir über eine Rettungsschere nachdenken, über den Retter nachdenken. Wer ist der Retter schlechthin? Das ist unser Herr und Heiland, der am Kreuz hängt und ausgerufen hat: Es ist vollbracht. Es ist bezahlt, so kann man es auch übersetzen. Die Schuld ist beglichen, seine Gerechtigkeit wird mir zugerechnet. Es gibt ein schönes Lied, „Sein Kleid für meins“, und da heißt es am Ende vom letzten Teil: Als ob ich’s war, hängt er dort am Kreuz und zahlt für meine Schuld. Als ob er’s war, werde ich begrüßt, wenn ich im Himmel ankomme. Seine Gerechtigkeit wird mir zugerechnet. Das ist so gewaltig, oder? Dem, der keine Sünde kannte, wurde für uns zur Sünde gemacht. Und diese Rettungsschere, das ist so ein gewaltiges Geschenk, und das sollte man mitnehmen.
Und jetzt habe ich für die Kinder noch eine gute Nachtgeschichte, die ist schöner als Manasse, ja? Und Steve Ferrer schreibt das in seinem Buch, beschreibt eine wunderbare Begebenheit, wo man feststellt: Okay, ich erkenne mich da auch drin wieder. Er beschreibt eine Situation von zwei Geschwistern, die zu Besuch sind bei den Großeltern. Dann sagt er: Ein kleiner Junge besuchte seine Großeltern auf ihrem Bauernhof. Er bekam eine Steinschleuder mit, mit der er im Wald spielen konnte. Er übte im Wald, aber er schaffte es einfach nicht, das Ziel zu treffen. Ein wenig entmutigt machte er sich auf den Weg zum Abendessen.
Als er zurücklief, sah er die Lieblingsente seiner Großmutter. Aus Reflex schoss er mit der Schleuder, traf die Ente genau im Kopf und tötete sie. Er war geschockt und bekümmert. In seiner Panik versteckte er die tote Ente hinter dem Holzstapel, nur um zu sehen, dass seine Schwester ihn beobachtete. Sally hatte alles gesehen, aber sie sagte nichts.
Nach dem Mittagessen an jenem Tag sagte Oma: Sally, komm, wir machen zusammen den Abwasch. Aber Sally sagte: Oma, Johnny hat mir gesagt, dass er heute in der Küche helfen wollte, nicht wahr, Johnny? Und dann flüsterte sie ihm zu: Erinnerst du dich an die Ente? Später fragte Opa die Kinder, ob sie angeln gehen wollten. Oma sagte: Es tut mir leid, aber ich brauche Sallys Hilfe bei der Zubereitung des Abendessens. Aber Sally lächelte und sagte: Ach, das ist in Ordnung, Johnny hat mir gesagt, dass er helfen möchte. Wiederum flüsterte sie: Erinnerst du dich an die Ente? Also ging Sally angeln und Johnny blieb daheim.
Nachdem Johnny einige Tage lang sowohl seine Aufgaben als auch Sallys übernommen hatte, hielt er es nicht mehr aus. Er ging zu Oma und beichtete ihr, dass er die Ente getötet hatte. Sie kniete sich hin, umarmte ihn und sagte: Ich weiß, Schatz. Weißt du, ich stand am Fenster und habe alles gesehen. Aber weil ich dich liebe, habe ich dir vergeben. Ich habe mich nur gefragt, wie lange du dich von Sally zum Sklaven machen lassen würdest.
Damit möchte ich schließen. Und bisher, wenn wir Manasse anschauen, dann ist bei Manasse sein Name Programm. Manasse bedeutet vergessen, der vergessen macht. Manasse bedeutet: der vergessen macht. Pack die Rettungsschere aus, wenn dich immer noch Schuld nach unten zieht. Gott verspricht es in Hebräer 10,17: Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeit werde ich nicht mehr gedenken.
Es wäre schön, wenn wir noch aufstehen. Ich bete am Anfang, und dann können vielleicht einfach ein paar Brüder auch noch beten.
Lieber Jesus, ich möchte dir danken, dass du unserer Sünden und unserer Gesetzlosigkeiten nicht mehr gedenken wirst. Das ist deswegen möglich, weil du dich selbst hingegeben hast, Herr. Ich danke dir für dein Werk am Kreuz. Danke, dass du, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht wurdest und dass deine Gerechtigkeit uns zugerechnet wurde. Danke, lieber Jesus. Amen.
