Serie•Teil 7 / 7E21 Regionalkonferenz Ost 2018
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein Gebet um Gottes Wort und die Ausrichtung auf Christus
Almächtiger Gott, dein Wort besteht für immer. Wir bitten dich: Sei nun bei Martin, wenn er dein ewiges und lebendiges Wort für uns erklärt. Gib, dass es uns hinführt zur Anbetung und Verherrlichung deines Sohnes. In seinem Namen beten wir. Amen.
So, wie Klaus gesagt hat, könnt ihr 1. Könige 19 nachschlagen, wenn ihr die Gemeindebibeln habt. Das ist Seite dreihundertachtundneunzig.
Und wenn ihr das macht, dann fange ich an, über etwas ein bisschen anderes zu sprechen. Im Februar neunzehnhundertfünfundvierzig hat in einer kleinen Stadt auf der Krim eine Konferenz stattgefunden, die die Nachkriegsgeschichte tief geprägt hat. Die Stadt hieß Jalta, die Teilnehmer waren Präsident Roosevelt, Joseph Stalin und Winston Churchill. Sie haben unter anderem die Pläne für die Gestaltung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg besprochen.
Stalin hat darauf bestanden, dass Osteuropa, der spätere Ostblock, unter sowjetischem Einfluss beziehungsweise unter sowjetischer Herrschaft bleiben sollte. Seine Armeen besetzten schon einen Großteil der Region, und die Sowjetunion war noch nicht im Krieg gegen Japan verwickelt. Die anderen Alliierten wollten den Sieg über Deutschland sichern, und es schien im Februar sehr wahrscheinlich, dass die Russen sich auch diesem Krieg gegen Japan anschließen würden. Deshalb waren sie in einer sehr schwachen Position, um sich gegen Stalins Forderungen zu stellen.
So kam es dazu, dass Europa in zwei Einflussbereiche, zwei Blöcke, geteilt wurde. Ein eiserner Vorhang war in diesem Abkommen nicht vorgesehen, aber vielleicht war er unvermeidlich. Hier in Leipzig lebte man viele Jahrzehnte lang mit den Folgen dieser Entscheidung. Für die Nachkriegsgeschichte war Jalta jahrzehntelang die Grundlage für die Beziehung zwischen West und Ost. Und immer wieder, wenn die Spannung zwischen Ost und West sich zuspitzte, wurde darauf Bezug genommen. Zum Beispiel 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 beim Prager Frühling, 1980 in Polen.
Jedes Mal wollten viele, dass die Westmächte etwas unternehmen sollten, um die Aufstände zu unterstützen. Und die wichtigste Frage war immer: Gilt Jalta noch? Wenn ja, dann müssten beide Seiten die Einflussbereiche respektieren, auch wenn die UdSSR ihren Einfluss benutzte, um die Aufstände niederzuschlagen. Wenn nein, wenn Jalta nicht mehr gilt, also wenn der Westen die Aufständischen irgendwie unterstützt hätte, dann könnte die UdSSR annehmen, dass Jalta nicht mehr galt. Das wäre zum Beispiel ein guter Anlass gewesen, in Westberlin einzumarschieren.
Es hätte also weitreichende Folgen gegeben, wenn Jalta nicht mehr gegolten hätte, dieses Abkommen. Und niemand wollte das Risiko eingehen, dieses Kräftegleichgewicht zu stören. So sind beide Seiten diesem Jalta-Abkommen treu geblieben. Gilt Jalta noch?
Eine ähnliche Frage steht hinter diesem Kapitel von 1. Könige, und wir werden im Laufe der Zeit darauf zurückkommen. Aber behaltet das zunächst im Kopf und denkt über diese andere Frage nach: Eher der Pessimist oder eher der Optimist?
Die meisten von uns neigen in die eine oder andere Richtung. Dann kommen Umstände, Lebenserfahrungen und so weiter dazu, die uns in die eine oder andere Richtung schieben. In Anlehnung an Winnie the Pooh könnte man sagen: Es gibt die Typen, die eher wie Eeyore sind. Das ist der pessimistische Esel. Sie sehen alles schwarz und erwarten das Schlimmste. Es gibt andere, die eher wie Tigger sind. Das ist der Tiger, der überall herumspringt, voll Begeisterung und Energie, überzeugt, dass alles irgendwie gut enden wird.
Ob Elia eher der Eeyore-Typ war, ob es von seiner Persönlichkeit kam oder wegen der Umstände, wissen wir nicht. Aber wir werden bald sehen, dass er dieser Typ war. Wir werden auch sehen, dass die Ereignisse hier nicht nur eine Botschaft für die Optimisten beinhalten, sondern auch für die Pessimisten.
Ich habe im Grunde drei Überschriften, die nicht auf dem Bildschirm stehen, aber sie sind sehr kurz und bündig und leicht zu merken.
Die erste Überschrift: Elias Krise, 1-7.
Dass er in eine Krise geriet, ist eine Überraschung, wenn man das durchgängig liest. Denn im vorigen Kapitel hat er einen entscheidenden Sieg gegen die Propheten von Baal und Aschera feiern können. Es schien sogar ein endgültiger Sieg zu sein, denn bis zum Ende des Kapitels sind alle 450 Propheten von Baal und 400 Propheten von Aschera tot.
Und Elias Frage, die er dem Volk Gottes stellt, ist im Grunde beantwortet worden. Er sagt: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der Herr Gott, so folgt ihm nach. Ist es aber Baal, dann folgt ihm nach. Und dann, in Vers 39, ich gehe nicht darauf ein, was sie gesehen haben, aber ein Wunder: Als das ganze Volk sah, fielen sie auf ihr Angesicht und sagten: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott.
Man hätte erwartet, dass der Prophet, der daran beteiligt war, sofort einen Lobpreisgottesdienst feiern würde. Aber ein Feind bleibt am Leben, sein Erzfeind oder sogar, heute muss man sagen, seine Feindin. Und Ahab sagte Isabel alles, was Elia getan hatte, das ist König und Königin, und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert getötet hatte. Da sandte Isabel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit deine Seele tue wie einer von denen der Propheten.
Und das reichte aus, um ihn in eine Krise zu stürzen. Es kann sein, dass es eine Art Depression war. Das ist nicht ungewöhnlich, eigentlich nach einem emotionalen Höhepunkt. Vielleicht hat er auf einen geistlichen Durchbruch unter dem Volk Gottes gehofft, eine Kehrtwende, bei der das Volk Gottes den Herrn neu sucht und sich zu ihm zurückkehrt. Und jetzt merkt er: Das ist nicht eingetreten. Er ist enttäuscht.
Auf jeden Fall ist er nun im Eeyore-Modus. Vers 3: Als er das sah, machte er sich auf und ging hin um seines Lebens willen, kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging eine Tagesreise weit in die Wüste und kam und setzte sich unter einen Ginsterstrauch und bat, dass seine Seele stürbe, und sagte: Es ist genug. So nimm nun, Herr, meine Seele, ich bin nicht besser als meine Väter.
Das ist Elias Krise, und als Antwort auf diese Krise sehen wir die Fürsorge des Herrn. Es sorgt dafür, dass ein Engel ihn besucht und sich um ihn kümmert. Ich lese weiter: Und er legte sich und schlief unter dem Ginsterstrauch. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sagte zu ihm: Steh auf und iss! Er sah sich um, und siehe, neben seinem Kopf lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.
Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder, rührte ihn an und sagte: Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir.
Es ist eine offene Frage, ob er auf dieser Reise sein sollte. Der Engel verrät nicht, ob es gut oder schlecht ist, dass er weiterziehen wird. Er nimmt es nur wahr: Du hast einen weiten Weg vor dir. Es kann sein, dass dies Gottes Entscheidung war, dass er vom Engel bekommt. Es kann auch sein, vielleicht wahrscheinlicher, dass er sich entschieden hat, auf diese Reise zu gehen.
Und so ist das meine zweite Überschrift: Elias Reise, 8-10.
Er setzte sich auf den Weg, er stand auf, aß und trank und ging durch die Kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes, den Horeb. Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht.
Und siehe, das Wort des Herrn kam zu ihm, und er sagte zu ihm: Was machst du hier, Elia?
Das ist eine interessante Frage. Aber haben wir nicht ähnliche Worte schon irgendwann gehört? Und Gott der Herr rief Adam und sagte zu ihm: Wo bist du? Dieses Echo von 1. Mose könnte ein Hinweis sein, dass er am falschen Ort gelandet ist. Ansonsten: Warum würde Gott diese Frage stellen?
Und wie antwortet er auf die Frage? Er sagte: Ich habe für den Herrn, den Gott Zebaoth, geeifert; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert getötet, und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, mir mein Leben zu nehmen.
Ich denke, es gibt mehr als einen Hauch Selbstmitleid in dieser Antwort. Es klingt auch ein bisschen wie eine Beschwerde gegen den Herrn selbst, dass er es zugelassen hat, dass sein Volk den Bund verlassen hat. Vielleicht fühlt Elia sich im Stich gelassen. Aber vergesst nicht, was gerade im letzten Kapitel passiert ist. Gut begründet in den Umständen ist eine Beschwerde nicht unbedingt, nachdem er diesen großen Sieg mit Gottes Hilfe errungen hat.
Die interessante Frage, finde ich, ist eigentlich diese: Was will er vom Herrn? Was erwartet er, dass Jahwe tut, nachdem der Bund so klar verlassen worden ist? Wir werden auf diese Frage zurückkommen. Aber zunächst meine dritte Überschrift:
Elias Gipfelerlebnis, 11-18.
Ihr kennt das bestimmt, es ist eine ganz bekannte Geschichte. Aber vielleicht ist sie so bekannt, dass wir die große Überraschung nicht so richtig merken.
Der Herr sagte: Geh hinaus und tritt auf den Berg vor den Herrn. Und siehe, der Herr ging vorüber, und ein großer starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, vor dem Herrn her. Der Herr aber war nicht im Wind. Nach dem Wind kam ein Erdbeben, aber der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer, aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.
Als Elia das hörte, verhüllte er sein Gesicht mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sagte: Was tust du hier, Elia?
Er sagte: Ich habe für den Herrn, den Gott Zebaoth, geeifert; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert getötet, und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen.
Also noch einmal die Frage des Herrn: Was tust du hier? Noch einmal seine Antwort, dasselbe. Und unsere Frage: Was will Elia dann vom Herrn?
Ich denke, auf keinen Fall hat er die Botschaft erwartet oder gewollt, die jetzt kommt, denn er erhält klare Marschbefehle. Aber der Herr sagte zu ihm: Geh wieder deines Weges nach der Wüste von Damaskus, geh hinein und salbe Hasael zum König über Syrien, und Jehu, den Sohn Nimschis, sollst du zum König über Israel salben, und Elisa, den Sohn Schafats von Abel-Mehola, sollst du zum Propheten salben an deiner statt. Wer dem Schwert Hasaels entkommt, den soll Jehu töten, und wer dem Schwert Jehus entkommt, den soll Elisa töten. Und ich will übrig lassen siebentausend in Israel, alle Knie, die sich nicht vor Baal gebeugt haben, und jeden Mund, der ihn nicht geküsst hat.
Es scheint, dass Elia das Gefühl hat, dass sein Dienst schiefgelaufen ist, dass das ganze Projekt des Herrn mit Israel gescheitert ist. Und ein Neuanfang scheint ihm der beste Weg nach vorn, der Weg nicht nur aus seiner persönlichen Krise, sondern aus der Krise für das Volk Gottes. Aber der Herr hat andere Ideen.
Geh wieder deines Weges. Eine andere Übersetzung hat: Geh, kehre auf deinem Weg durch die Wüste zurück. Nicht nach vorne, sondern zurück, denn der Herr hat noch einiges mit ihm vor. Er will ihn weiter gebrauchen. Er ist doch kein Totalversager, egal wie er sich fühlt. Er ist ein treuer Prophet gewesen. Und er soll dafür sorgen, dass ein weiterer treuer Prophet ihm nachfolgt. Es stimmt also nicht, was er gesagt hat: Ich bin allein übrig geblieben.
Und hier ist etwas Tröstendes für den pessimistischeren Typ wie Elia. Vielleicht brauchst du dies in deiner jetzigen Situation wahrzunehmen oder neu wahrzunehmen. Vielleicht bist du im Eeyore-Modus, wo alles schlechter aussieht und du nur schwarz siehst. Oder vielleicht ist das etwas, das du in deinen Rucksack für die Zukunft einpacken sollst.
Der Herr ist gnädig mit uns, wenn wir in eine Krise geraten, ob selbstgemacht oder von anderen verursacht. Er liest Elia, er liest uns, nicht sofort die Leviten, wenn wir alles schwarz sehen und das Schlimmste erwarten und Beschwerde einreichen, dass der Herr uns im Stich gelassen hat. Der Herr kümmert sich liebevoll um uns. Auch in solchen Situationen lässt er seine Engel Überstunden arbeiten. Er lässt uns seine Gegenwart erleben. Er kommt ins Gespräch mit uns. Er bringt uns die Nachricht bei, dass wir doch nicht ganz allein sind. Ich will übrig lassen siebentausend in Israel.
All dies können wir auch erwarten. Wir sind in guten Händen. Das entspricht eigentlich dem, was man von einem guten Hirten erwarten würde. Und wir haben den Besten aller Zeiten. Gestern Abend habe ich Psalm 23 gelesen, der sehr gut wiedergibt, was Jesus für uns tut. Er wird uns festhalten. Er wird für uns sorgen. Er hilft uns, wieder auf die Füße zu kommen. Wir können ihm vertrauen, auch wenn das nicht immer so leicht ist.
Die Pessimisten haben hier etwas Wichtiges mitzunehmen.
Und wie ist es mit den eher optimistisch Gesinnten? Oder mit denen, denen es zurzeit gut geht? Kommen die in dieser Geschichte überhaupt vor, oder gibt es etwas für sie hier?
Bis jetzt haben wir diese Geschichte auf einer ziemlich einfachen Ebene gelesen, was sozusagen auf der Oberfläche passiert ist. Ich denke, es spielt sich hier noch etwas auf einer anderen Ebene ab, die wir noch nicht berücksichtigt haben. Typisch für den hebräischen Verfasser ist, dass er oft auf indirekte Weise schreibt und beschreibt, was passiert. Er deutet gern etwas an, ohne es direkt zu sagen, gibt vielleicht so einen sanften Rippenstoß. Und das ist hier der Fall, denke ich, wenn man vorsichtig liest.
Es kann sein, dass euch schon einiges aufgefallen ist. Es gibt mehrere Beispiele davon, die man unter der Überschrift Wiederholung auflisten könnte, eine Wiederholung oder ein Echo. Jemand ließ seinen Diener zurück am Anfang einer langen Reise. Schon davon gehört? Jemand wird auf dieser Reise auf wunderbare Art versorgt. Schon gehört? Jemand ist vierzig Tage und Nächte unterwegs. Schon davon gehört? Vielleicht denkt ihr langsam: Ah, er meint den Jesus. Eigentlich nicht. Jemand steigt auf den Berg Horeb für einen Termin mit dem Herrn. Horeb ist ein anderer Name für den Berg Sinai. Ah, schon gehört, wer eine Begegnung mit dem Herrn auf diesem Berg hatte, und bei dieser Begegnung spielten Wind, Erdbeben und Feuer eine große Rolle.
Vielleicht merkt ihr jetzt, worauf der Rippenstoß hinweist. Es ist, als ob der Verfasser will, dass wir diese Echos wahrnehmen. Oder sollen wir einen Schritt weiter gehen und sagen: Der Verfasser gibt uns Hinweise, was im Kopf von Elia vorgeht. Es scheint, dass er sich als der neue Mose betrachtet, auf dem Pilgerweg zum selben Ort, wo der Herr Mose begegnet ist.
Es passiert nicht immer genau dasselbe, aber die Andeutungen sind sehr stark. Und die sind eigentlich noch stärker im Urtext, denn einiges ist hier nicht ganz genau übersetzt. Zum Beispiel in Vers 9: Er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Aber im Urtext heißt es: Er kam dort in die Höhle. Welche Höhle ist denn gemeint?
Na ja, in 2. Mose, wo wir von Mose lesen, heißt es in 2. Mose 33,22: Wenn nun meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Da heißt es, dass Mose in eine Felskluft gestellt wird, um ihn zu schützen. Soll diese dann dieselbe Felskluft sein, diese Höhle? Warum sonst spricht er von der Höhle? Es gibt keine andere stichhaltige Erklärung, als dass er darauf hinweisen will: Das ist dieselbe. Er ist absichtlich in die Fußstapfen Moses gegangen.
Und dann der Wendepunkt in der ganzen Handlung: das stille, sanfte Sausen oder Säuseln, wie es in anderen Übersetzungen heißt. Hier gibt es mehrere mögliche Übersetzungen, und ich denke, der Übersetzer versucht es so zu übersetzen, dass es Sinn macht und im Einklang mit der Handlung ist. Natürlich lehnt er eine Übersetzung ab, die keinen Sinn zu haben scheint und die in sich widersprüchlich ist.
Man kann es nämlich buchstäblich so übersetzen: Nach dem Feuer kam ein Geräusch der Stille oder eine Stimme des sanften Schweigens. Eine moderne englische Version hat den Mut gehabt, es ähnlich zu übersetzen, ganz genau: A sound of sheer silence. Das ist mutig, weil es auf den ersten Blick keinen Sinn macht. Es ist widersprüchlich. Ein Schweigen ist per se kein Geräusch. Das kann nicht sein, was er gemeint hat.
Aber bleiben wir bei dieser Übersetzung: eine Stimme des sanften Schweigens. Könnte es sein, dass der ursprüngliche Autor es absichtlich so geschrieben hat, so widersprüchlich, damit wir darauf aufmerksam werden? Vielleicht mehr als ein kleiner Rippenstoß? Lassen wir uns überlegen: Könnte es sein, dass der Übersetzer hier etwas im Gesamtbild übersehen hat, dass es doch Sinn macht, in dieser widersprüchlichen Übersetzung?
Und hier sind wir endlich wieder bei Jalta. Was du vergessen hast, das war immer die Frage in den Köpfen der europäischen Leiter für vierzig Jahre und mehr: Gilt Jalta noch? Können wir darauf verlassen, dass die andere Seite daran hält?
Und ich denke, die Frage, die in Elias Kopf war, ist ähnlich: Gilt Horeb noch, der Bund, der da geschlossen wurde? Denn der Herr hat dort auf Horeb, auf Sinai, den grundlegenden Bund mit Israel geschlossen. Es war das Abkommen, das die ganze Beziehung zwischen Jahwe und seinem Volk beschrieb und regelte. Seine Verheißungen, auf die sie sich verlassen konnten, und die Verpflichtungen, die sie als Volk Gottes eingegangen sind, die waren alle in diesem Bund von Horeb.
Und wie sieht es aus mit diesem Bund, mit diesem Abkommen? Die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert getötet, damit sie nicht mehr Gottes Stimme hören können. Wie ist es jetzt mit dem Bund, will Elia wissen? Gilt Horeb noch, oder ist er wegen des Ungehorsams des Volkes außer Kraft gesetzt worden?
Das ist in seiner Situation eine berechtigte Frage, wobei Jahwe immer dafür bekannt war, dass er beständig ist und seine Verheißungen nie zurückzieht. Und stellt euch dann vor, Elia reist nach Horeb mit dieser Frage in seinem Kopf: Gilt Horeb noch? Es ist vielleicht mehr als eine Frage, es ist eine Beschwerde: Jahwe, dein Bund ist gescheitert! Vielleicht gibt es auch einen Hauch Hoffnung: Der Herr soll von vorn anfangen, einen neuen Bund schließen, und zwar mit Elia, denn ich allein bin übrig.
Also, er hat seine Gründe gehabt, diese lange, schwierige Pilgerfahrt hierher zu machen. Er will es wissen: Gilt Horeb noch, oder ist ein Neustart dran für das Volk Gottes, für die Kirche?
Und Gott ist gnädig. Er hilft ihm auf dem Weg, auch wenn er vielleicht nicht auf diesem Weg sein sollte: Was machst du hier, Elia? Der Herr gewährt ihm eine Audienz. Er sagte: Geh hinaus und tritt auf den Berg vor den Herrn. Und er antwortet auf diese unausgesprochene Frage: Gilt Horeb noch? Und die Antwort lautet: Nach dem Feuer eine Stimme des sanften Schweigens.
Mit diesem Schweigen will Gott sagen: Elia, ich habe nichts Neues zu sagen. Ich schließe keinen neuen Bund mit dir. Horeb gilt noch, auch in dunklen Zeiten wie dieser, wo du das Gefühl hast, dass das ganze Volk Gottes, dass die Kirche den Bund verlassen hat. Du bist doch nicht allein. Ich habe dafür gesorgt. Ich will übrig lassen siebentausend. Und es gibt zu tun: Geh, kehre auf deinem Weg durch die Wüste zurück, denn Horeb gilt noch.
So interpretiere ich dieses Schweigen. Der Weg aus der Krise, aus seiner persönlichen Krise, aus der Krise des Volkes Gottes, ist zurück zum Bund, der auf Horeb geschlossen wurde. Und das zugrunde liegende Prinzip, das Gott damals gesagt hat, sagt er noch heute. Dasselbe Prinzip finden wir im Neuen Testament. Wir nennen das Neue Testament neuer Bund. Aber dieser Bund ist nicht so völlig neu, weil Jesus sagt – ihr kennt die Bibelstelle bestimmt –: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird weder der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz vergehen, bis alles erfüllt ist.
Der neue Bund in Jesus Christus ist die Erfüllung, nicht die Abschaffung des ursprünglichen Bundes auf Horeb. Horeb gilt in dieser Hinsicht noch heute. Und Gottes Wort hat noch viel für uns heute. Römer 15,4: Denn alles, was früher geschrieben wurde, wurde für uns zur Belehrung geschrieben, damit wir durch die Geduld und den Trost der Schriften die Hoffnung haben.
Diesen Teil der Schrift haben wir sozusagen zweimal: Horeb gilt noch. Das ist eine Schrift für uns, und diese Zusage, dass Horeb noch gilt, ist auch eine Botschaft für uns. Die Schrift ist auch für uns in dieser Hinsicht geschrieben. Und wenn es um das Evangelium geht, um den Kern der guten Botschaft, dann gilt es, festzuhalten an dem einmal gegebenen Bund. Wir würden eher sagen: am Evangelium, an das Kreuz, als an den Bund auf Horeb. Aber es gibt diese Kontinuität. Es sind keine Änderungen nötig, es sind keine Anpassungen nötig. Wir brauchen nichts Neues zu finden oder zu erfinden. Das Werk Jesu, wie bezeugt im Wort, gilt noch heute. Wolfgang hat es heute Morgen gut ausgedrückt: Gottes Wort ist immer dran. Das Evangelium, dieser Bund, gilt in aller Ewigkeit.
Und deswegen müssen wir der Versuchung widerstehen, so zu machen wie Elia und zu denken, wir müssen das anpassen oder ändern oder irgendwie neu erfinden.
Aber wie ist es mit der Vermittlung des Evangeliums? Das ist noch ein Schritt weiter entfernt von dem, was hier passiert, aber ich glaube, das ist im selben Sinne. Wir können das auch so ausdrücken: Wie baut Jesus seine Gemeinde? Er baut seine Gemeinde heute so, wie er es immer getan hat. Im Workshop über Gebet haben wir aus Apostelgeschichte 6,4 gelesen, dass die Prioritäten für die Apostel Gebet und die Verkündigung des Wortes waren.
Natürlich ist das ein langsamer Prozess. Es dauert eine Weile, bis man die Wirkung des Gebets und der Verkündigung des Wortes sieht. Und wenn wir das schwierig finden, wenn wir den Samen gesät haben und lange keine Frucht sehen, keine Sprösslinge sehen, dann kann es ein bisschen entmutigend sein, vielleicht ein bisschen langweilig. Dann sind wir anfällig für das Neue, für den neuesten Trend oder die neueste Idee, wie man Gemeinden baut.
Ich bin nicht gegen Initiativen, Werkzeuge sozusagen, die hilfreich sein können. Wir alle benutzen solche Werkzeuge. Aber nach einer Weile kann man ein bisschen zynisch werden, weil die Menschen zu viel Hoffnung auf diese menschlichen Methoden setzen. In den 90er Jahren war das Willow Creek, bis heute noch, dann gab es Leben mit Vision, es gibt Cell Church, es gibt Hausgemeinden. Wolfgang hat erzählt, wie oft er Bücher gelesen hat: fünf Punkte, um die Gemeinde zu bauen, zehn Punkte, um dies und das, und so weiter.
Die können alle hilfreich sein und gut sein. Aber wir müssen vorsichtig sein, dass, wenn wir auf einen bestimmten Zug aufspringen, wir nicht gleichzeitig von einem anderen Zug abspringen, nämlich von diesem ursprünglichen, grundlegenden Zug des Evangeliums. Das sehe ich als eine Gefahr für die Optimisten, für die Enthusiasten, die gerne neue Ideen ausprobieren wollen. Sei vorsichtig, wenn du dich auf die Methoden verlässt und nicht auf das Evangelium.
Es gibt sehr viele Werkzeuge, sehr viele Arten und Weisen, wie wir das Evangelium verbreiten und vermitteln können. Noch einmal, was Wolfgang gesagt hat, oder das war ein Zitat von Mark Dever: Solide Auslegungspredigt einrichten und sehen, was Gott tut. Aber das ist sehr schwierig, weil du nicht sofort sehen wirst, was Gott tut. Vielleicht über Jahre.
Eine Frau ist bei uns neulich zum Glauben gekommen, die acht Jahre lang regelmäßig bei unserer Krabbelkindgruppe war. Es braucht Zeit. Wir hätten aufgeben können und sagen: Aber Gott, das funktioniert nicht. Wir müssen einen neuen Weg finden, diese Menschen zu erreichen. Aber Gott benutzt vorwiegend die altbewährten Mittel: Gebet und Dienst am Wort oder Verkündigung des Wortes oder das Sehen des Wortes im Leben von Menschen, die er dann zum Fruchtbringen bringt.
In Sacharja heißt es: Denn wer ist es, der den Tag kleiner Dinge verachtet? Es ist sehr leicht, im Dienst den Tag kleiner Dinge zu verachten und zu wünschen, dass wir eine richtige Erweckung erleben und uns dann bemühen, das herbeizuführen. Noch einmal eine Wiederholung dessen, was Wolfgang gesagt hat.
Was mir sehr geholfen hat: Ich bin jetzt 23 Jahre hier, und in den ersten Jahren hier war es auch so, man sieht nicht sehr viel Frucht. Da fragt man sich manchmal: Wie geht es weiter?
Jemand hat mir diesen Spruch gegeben, das ist nicht biblisch, aber es ist eine gute Weisheit: Wir überschätzen, was wir in sechs Monaten schaffen können, und wir unterschätzen, was Gott in fünf Jahren oder zehn Jahren schaffen kann.
Deswegen denke ich mir: Dieses Schweigen Gottes ist eine Ermutigung für uns. Gott hat nichts Neues zu sagen. Er will nur, dass wir das schon Gesagte weitergeben und ihm vertrauen, dass er das nutzen wird, dass sein Wort nicht leer zurückkehren wird.
Gott kümmert sich um das Überleben seines Dieners. Er kümmert sich um dich. Und Gott kümmert sich um das Überleben seines Volkes. Ich will übrig lassen siebentausend in Israel. Ich hoffe, Israel ist eher Kirche als Gesellschaft. Ich hoffe, er wird in Deutschland mehr als siebentausend in der Kirche übrig lassen, deren Knie sich nicht vor dem Zeitgeist gebeugt haben. Manchmal fragt man sich das auch in den Freikirchen. Aber Gott wird dafür sorgen, und er wird sich um uns kümmern, auch wenn wir durch die schwierigen Täler gehen.
