Serie•Teil 12 / 37Matthäus-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Rückblick auf die Bergpredigt und der Einstieg in das Thema Glück
Wir werden heute an der Stelle weitermachen, wo wir beim letzten Mal in der Betrachtung der Bergpredigt aufgehört haben. Und ich möchte, bevor ich auf den Text zu sprechen komme, noch einmal kurz sagen, wie das mit der Bergpredigt war.
Ich hatte gesagt, die Bergpredigt beschreibt so eine Art geistliches Grundgesetz. Das heißt, Matthäus stellt uns den himmlischen König vor, der auf die Erde kommt, der die Menschen zur Buße und zur Umkehr ruft. Dann schildert er uns ein Gespräch. An diesem Gespräch nehmen die Jünger teil und noch eine ganze Menge Menschen außen herum. Und was der Herr Jesus macht, ist: Er schildert den Leuten, wie er sich das vorstellt, dass die Menschen, über die er auf eine unsichtbare Weise König ist, sich benehmen sollen, wie sie leben sollen.
Dann haben wir gesagt, der Start der Bergpredigt ist an sich thematisch unglaublich spannend. Das erste Thema, das Jesus anspricht, ist so populär, dass, wenn man das vernünftig vertonen könnte, man wahrscheinlich die Charts der nächsten dreißig Jahre damit füllen könnte, immer mit No. 1 Songs, immer ganz oben: der Weg zum Glück. Wie wird ein Mensch glücklich? Ein Glück, das nicht abhängig ist von unseren Lebensumständen, das nicht abhängig davon ist, wie wir uns fühlen, wie es uns gerade körperlich geht, wie wir seelisch gerade drauf sind. Ein Glück, das auch nicht nach einer Weile einfach fade wird und wieder weggeht. Stellt euch vor, so ein Glück würde euch angeboten werden, und Jesus bietet das an.
Und wir haben beim letzten Mal die allererste Seligpreisung betrachtet: „Glückselig die Armen im Geist“. Und wir haben gemerkt: Arm im Geist, das hat etwas damit zu tun, dass man auf echte Weise demütig vor Gott ist. Mir war es wichtig zu betonen, dass am Anfang des geistlichen Lebens eines Menschen genau dieser Punkt steht, dass man zu Gott kommt und sagt: Vater im Himmel, ich bin arm, ich habe nichts, meine Hände sind leer, ich bin total abhängig von dir, ich kann nichts bringen.
Es wird einer sagen, das stimmt nicht ganz: Eine Sache bringen wir mit zu unserer Rettung, oder? Es gibt eine Sache, die wir mitbringen, und das ist unsere Schuld, für die der Herr Jesus gestorben ist. Das dürfen wir mitbringen. Aber alles andere, sagt der Herr Jesus, das will ich dir schenken. Und das ist der erste Schritt, wenn ein Mensch zu Gott umkehren will, dass er erkennt: Ich habe nichts, ich bin bettelarm.
Und es war mir wichtig zu betonen, dass, wenn wir auch so als Christen unterwegs sind, schon ein paar Jahre, vielleicht schon ein paar Jahrzehnte, das in unserem täglichen Leben immer wieder ein ganz wichtiger Punkt ist, dass wir merken: Wir werden dadurch nicht reicher. Wir stehen plötzlich nicht als die Habenden vor Gott, sondern auch auf dem Weg mit Gott ist es ein ganz wichtiger Schritt unseres geistlichen Lebens zu verstehen: Ich bin arm.
Das war die erste Seligpreisung. Alles startet mit echter Demut, alles hängt von echter Demut ab.
Die Traurigkeit, die Gott meint
Und jetzt kommen wir zu unserem neuen Text: Matthäus 5,4, die zweite Seligpreisung:
Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Und ihr könnt euch vorstellen, das ist ein gutes Beispiel für einen Satz, den man, wenn man ihn aus dem Zusammenhang herausreißt, schön falsch verstehen kann. Heißt das etwa, dass, wann immer jemand traurig ist, egal worüber, Gott ihn glücklich machen wird? Heißt das, wenn wir nur alle über alles Mögliche möglichst traurig sind, dann kommt das Glück in unser Leben hinein?
Und das bedeutet es natürlich nicht. Die Welt ist nicht nur Leiden, und Leiden ist nicht der Weg zum Glück im absoluten Sinn. Wir müssen schon verstehen, was Jesus hier meint. Und zum Verständnis dieses Satzes, Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden, müssen wir vielleicht zwei Dinge betrachten.
Das eine: Wir dürfen verstehen, dass mit diesem Vers dieselben Leute angesprochen sind, die auch den ersten Vers gehört haben: Glückselig die Armen im Geist. Es sind immer noch dieselben Leute, die das Erste gehört haben. Und wir dürfen verstehen, dass diese Glückseligkeiten, diese Seligpreisungen, nicht einfach willkürlich hintereinander wegkommen.
Also ist es nicht so, da kommt so ein geistliches Schrotgewehr, das einmal reinhält, und dann gibt es überall die Einschläge, und jetzt kratzen wir die Einschläge zusammen und machen daraus einen Text. Das ist es nicht. Sondern da steckt auch eine innere Logik dahinter.
Also: Die Leute, die für sich verstanden haben, ich bin arm im Geist, das scheinen dieselben zu sein, die auch begreifen können, was es heißt, zu trauern.
Zwei Arten von Traurigkeit
Um einen Schritt weiter zu gehen, möchte ich euch eine Stelle aus dem zweiten Korintherbrief zeigen, in der uns zwei Sorten von Traurigkeit vorgestellt werden: eine Traurigkeit, die zum Heil führt, und eine andere Traurigkeit, die nicht zum Heil führt. Wir müssen die beiden voneinander unterscheiden.
Da heißt es im 2. Korinther 7,10: Denn die Betrübnis – und das Wort Betrübnis an dieser Stelle bedeutet so viel wie Traurigkeit; wenn jemand betrübt ist, dann ist er einfach traurig – die Betrübnis nach Gottes Sinn bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil.
Da gibt es also ein Traurigsein, und dieses Traurigsein findet Gott richtig gut. Gott sagt: Das ist eine Traurigkeit, so wie ich sie mir wünsche im Leben eines Menschen. Wenn diese Traurigkeit da ist, dann ist das Ergebnis eine nie zu bereuende Buße zum Heil. Heil ist ein anderes Wort für Errettung, Buße ist ein anderes Wort für Umkehr.
Jetzt übersetze ich das einfach mal in unsere Sprache und sage: Da gibt es Traurigkeit, die dazu führt, dass ein Mensch in seinem Leben eine Umkehr vollzieht und dadurch gerettet wird. Und der zweite Korintherbrief meint damit nicht nur die Menschen, die zum ersten Mal so eine totale Kehrtwende zu Gott hin machen und sich diesem Gott anvertrauen, also quasi von einem Leben ohne Gott zu einem Leben mit Gott kommen. Er meint mit diesem Vers auch uns, die wir jeden Tag in einem bestimmten Maß umkehren, nämlich unsere alten Sünden lassen und anders leben wollen.
Gott sagt: Traurigkeit ist das Mittel, das Gott verwendet, damit Menschen realisieren: Oh, ich muss in meinem Leben etwas anders machen. Das ist eine Form von Traurigkeit, eine gute Form von Traurigkeit.
Aber dann gibt es auch noch die Betrübnis oder die Traurigkeit der Welt, und sie bewirkt den Tod. Es gibt eine Form von Traurigkeit, die überhaupt kein Glück bringt. Sie bringt dich um.
Ich mache mal ein Beispiel: Ihr schlagt die Zeitung auf und lest von dem letzten Bankraub. Aber der ist schiefgegangen, man hat die Leute erwischt. Und da steht von der Trauer des Bankräubers, wie traurig er doch darüber ist, dass man ihn erwischt hat. Ist das die Traurigkeit, die Gott meint, die zum Heil führt, die zur Errettung führt? Der Bankräuber muss nur richtig traurig darüber sein, dass man ihn erwischt hat, und dann wird Gott ihn schon retten? Nein, das ist natürlich nicht gemeint.
Sondern man kann eine falsche Form von Traurigkeit kultivieren. Man kann über Dinge traurig sein, und am Ende kommt nur Tod daraus. Obwohl es diese falsche Form von Traurigkeit gibt, gibt es eine richtige Form, und die ist natürlich viel interessanter für uns. Denn keiner von uns möchte über Dinge traurig sein, die Gott hasst. Wir wollen ja über die Dinge traurig sein, die uns im geistlichen Leben voranbringen.
Vorbilder der Buße und der Schmerz über Sünde
Mir hilft es dabei, wenn ich mir Leute anschaue, die Erfahrungen mit Gott gemacht haben, die also für mich persönlich geistliche Vorbilder sind. Dabei kann ich mir die Frage stellen: Wie ging es in deren Leben zu? Worüber waren sie traurig?
Und wenn es eine Traurigkeit nach Gottes Sinn gibt, dann merken wir schon: Es scheint eine Traurigkeit zu sein, die daher rührt, dass meine Beziehung zu Gott irgendwie einen Knacks bekommen hat. Und jetzt möchte ich mit euch aus dem Psalm 34 einfach mal vorstellen: Worüber ist David traurig? Was ist das, was David so richtig ins Herz sticht? Ein Mann, der an anderer Stelle genannt wird: ein Mann nach dem Herzen Gottes.
Schaut mal: Psalm 38, die Verse 5, 7 und 19. Da beschreibt David aus seinem Leben mitten heraus, und ich könnte mir vorstellen, dass es manchem hier genauso geht. Das geben wir natürlich offen nicht zu, dass es uns dreckig geht. Aber vielleicht können wir uns viel mehr mit so einem Psalm identifizieren, als wir nach außen zugeben.
Da heißt es dann: Denn meine Sünden wachsen mir über den Kopf, wie eine schwere Last sind sie zu schwer für mich. Gibt es so etwas in unserem Leben? Also in meinem Leben gibt es das. Es gibt Phasen, in denen ich manchmal denke: Ich weiß nicht mehr ein noch aus. Ich habe solche Phasen. Die sollen nicht lange anhalten, aber ich kenne das, dass ich den Eindruck habe: Jetzt schaffe ich es fast nicht mehr.
Ich bin gekrümmt, sehr gebeugt, den ganzen Tag gehe ich trauernd umher, denn ich bekenne meine Schuld, bin bekümmert wegen meiner Verfehlung.
Also die Lösung des Problems finden wir im letzten Satz. Ein David, niedergedrückt, erschlagen von seiner eigenen Sünde, die er fühlt, die bei ihm, wir würden heute sagen, psychosomatische Auswirkungen hat, also etwas, was ihm ganz tief schmerzt. Und dann ist die Lösung nicht: Na ja, das ist schon nicht so schlimm, jetzt werde ich mal auf ein Don't-Worry-Be-Happy machen, schließlich bin ich ja hier der König im Land. Nein, er sagt: Ich bin traurig. Und nicht nur ich bin traurig, ich schreibe ein Lied darüber, damit jeder das mitbekommt. Und nicht nur ich schreibe ein Lied darüber, sondern ich gebe zu, dass es mir dreckig geht.
Und dann, nachdem er das zugegeben hat, kommt er an den Punkt, auf den es ihm ankommt, und er sagt: Ich bekenne meine Sünde. Das heißt: Die Lösung für diese Form von Traurigkeit ist, traurig zu sein, zu bekennen, und an anderer Stelle werden wir noch lesen lassen.
Jakobus und die ernste Seite geistlicher Realität
Oh ja, das ist ja der alte David, mit dem habe ich ja nichts zu tun, würde der eine oder andere vielleicht jetzt denken. Aber auch das Neue Testament greift das Thema auf.
Und schau mal, Jakobus schreibt Folgendes, und vielleicht trifft uns das jetzt ein Stückchen mehr. Die Einschläge kommen jetzt immer näher. In Jakobus 4 heißt es: Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen.
Du möchtest nahe bei Gott sein, und du möchtest Gott erfahren in seiner ganzen Fülle. Du möchtest, dass Gott sich dir offenbart. Ja, das geht, aber es geht nur dann, wenn wir zuerst einmal Gott nahen. Wie macht man das? Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen. Säubert die Hände, ihr Sünder: Hört auf, das Böse zu tun. Und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen: Schmeißt endlich mal eure ganzen Zweifel über Bord. Es wird langsam Zeit, dass ihr erwachsen werdet.
Also: Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen. Das sind Leute, die in ihrem Leben Sünde und Zweifel haben. Und wie sieht die Lösung von Jakobus aus? Versteckt die Sünde, tut so, als wäre nichts? Nein. Sein Ansatz, sein Lösungsansatz für den Umgang mit Sünde heißt folgendermaßen: Fühlt euer Elend und trauert und weint.
Ich würde so gerne wissen, wann du das letzte Mal über deine Sünde geweint hast. Wann du das letzte Mal auf deine Knie gegangen bist und vor Verzweiflung zu Gott geschrien hast: Vater im Himmel, ich kann nicht mehr ein noch aus. Wenn ich mir mein Leben anschaue, das kann so nicht weitergehen. Wann war das letzte Mal, dass eine solche Form von Betroffenheit in deinem Leben war, dass du am liebsten, fast hätte ich gesagt, dein Leben genommen hättest, aber wo du am liebsten alles hingeworfen hättest und gesagt hättest: Ich bin es nicht wert. Wann war das das letzte Mal?
Oder stehen wir so über den Dingen? Ist Sünde für uns so weit weg? Sind wir so heilig und perfekt, dass das niemals für uns irgendeine Bedeutung hat? Also schreibt Jakobus: „Fühlt euer Elend und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit.“
Das sind Menschen, die machen sich einfach etwas vor. Die lächeln den ganzen Tag. Und du kannst sie fragen: Wie geht es dir? Na, mir geht es blendend. Jakobus sagt: Jetzt werdet endlich an der Stelle nüchtern und fangt endlich an, die Realität eures Verlorenseins zu erkennen. Fangt an zu trauern. Schließt diese Maske mal weg. Geh auf deine Knie, weine, und empfinde dein Elend als das, was es ist. Euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit. Demütigt euch vor dem Herrn, und er wird euch erhöhen.
Also, was Jakobus aufzeigt, ist das Problem, dass wir in einer ganz falschen Sicherheit leben können. Dass Christen sich etwas vormachen können. Dass sie sagen können: Bei mir ist doch alles in Ordnung. Und Jakobus sagt: Seht ihr nicht, wie es um euer Leben bestellt ist? Könnt ihr überhaupt nicht begreifen, wie weit ihr unten seid? Ist euer Abstand zum Herrn so groß geworden, dass ihr nicht mehr das Einmaleins des geistlichen Lebens versteht und lebt?
Das ist die falsche Sicherheit, aber es gibt eine richtige Sicherheit.
Ein Bild gelebter Reue
Und die richtige Sicherheit: Ich habe manchmal den Eindruck, die besten Beispiele im Neuen Testament sind Frauen. Weißt du das? Da gibt es doch eine Frau, die, wenn ich ein Beispiel suchen würde, mir sofort einfallen würde. Sie steht in Lukas, Kapitel 7. Also Lukas 7, die Verse 36 bis 38, eine Szene. Das ist ein bisschen die Kindergeschichte. Aber man kann aus den Kindergeschichten so schöne, einfache Wahrheiten herausziehen, die wir immer wieder zum Leben brauchen.
Lukas 7,36:
Es bat ihn aber einer der Pharisäer, dass er mit ihm essen möchte. Und er ging in das Haus des Pharisäers und legte sich zu Tisch. Und siehe, da war eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin war. Und als sie erfahren hatte, dass er in dem Haus des Pharisäers zu Tisch lag, brachte sie eine Alabasterflasche mit Salböl. Sie trat von hinten an seine Füße heran, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen. Und sie trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes.
Das ist eine traurige Frau. Aber wisst ihr, was diese traurige Frau hat? Eine unglaubliche Liebe zum Herrn Jesus. Und sie hat den Drang, diese Liebe auch zu zeigen. Auf der einen Seite ist da eine Frau, die tatsächlich verloren ist, verloren in ihren Sünden. Darf ich es anders ausdrücken: arm im Geist. Sie hat nichts mehr. Sie ist nicht mehr die, die sagt: Na, ich habe doch irgendwie noch einen guten Kern in mir, obwohl ich so eine Sünderin bin. Da ist schon noch etwas, was man anerkennen kann. Nein, sie kommt zu dem Herrn Jesus, und sie weint nur noch. Sie sagt nicht einmal ein Wort.
Und wenn Matthäus 5,4, „Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“, gilt, dann müssten wir uns doch jetzt anschauen, wie der Herr Jesus mit dieser Frau umgeht. Wie tröstet er sie denn? Und das lesen wir hinten im gleichen Kapitel, Lukas 7. Ich lese jetzt Vers 48: Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind vergeben. Aha, das ist ja interessant. Er tröstet die Frau dadurch, dass er ihr die Sünden vergibt. Und noch einmal in Vers 50 am Ende: Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden.
Also der Trost, der in dieser Verheißung „Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“ liegt, ist der, dass jeder, der aufrichtig traurig zu Gott kommt, weil er bekümmert ist über seine eigene Sünde, von Gott Vergebung empfängt. Also das Glück liegt in der Vergebung durch Gott. Vielleicht kann man so sagen: Gott findet aufrichtige Buße oder aufrichtige Traurigkeit über Sünde einfach unwiderstehlich.
Also „Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“ gilt nicht für alle Traurigkeit, die dir einfällt, sondern meint primär die Traurigkeit der Menschen, die arm vor Gott stehen und zutiefst bekümmert sind über ihre eigene Sünde. Es ist das, was am Anfang unseres geistlichen Weges mit Gott steht. Wo ich das erste Mal, ich kann das bei mir so schildern, in meinem Studentenzimmerchen auf die Knie gehe und sage: Vater im Himmel, du weißt, was ich alles getan habe. Du kennst mein Leben von A bis Z. Und ich schmeiße einfach mal alles, was ich an Sünde habe, vor dich und auf den Herrn Jesus.
Das ist das erste Mal, wo die Trauer über Sünde zur Buße und Umkehr führt. Aber es ist auch das, was im geistlichen Leben immer und immer wieder dazugehört, damit wir weiter wachsen können. Dass wir diese Traurigkeit, diese Niedergeschlagenheit, dieses fast depressive Über-Sünde nicht verlieren, sondern nicht irgendwann anfangen, die Sünde für uns zu behalten und zu sagen: Das geht doch nicht mehr, dass ich sie noch einmal an Jesus abgebe. Sondern immer wieder hingehen und sagen: Herr Jesus, du weißt, wie es wirklich um mich aussieht. Ich brauche dir nichts vormachen. Hier ist meine Sünde, bitte vergib mir.
Und die Verheißung ist die, dass Gott uns tatsächlich Sünde vergibt.
Die Verharmlosung der Sünde in der Gegenwart
Jetzt haben wir ein Problem, und ich merke dieses Problem sehr deutlich. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Sünde kleingeredet wird. Es gibt ja eigentlich keine echte Sünde mehr. Und der Eindruck, den ich habe, ist, dass auch unter uns Sünde immer weniger wahrgenommen wird. Es ist immer weniger so, dass sich Christen noch ernstlich mit diesem Thema auseinandersetzen.
Wenn jemand sagt: Jürgen, Sünde wollen wir nicht in unserem Leben, oder? Oder sagt jetzt jemand: Na klar, Sünde will ich haben, Sünde ist mein bester Freund, den will ich schon haben. Keiner wird offen zugeben und sagen: Ich will Sünde, ich möchte sündig leben. Das sagt keiner.
Aber wisst ihr, er hat mir einfach mal zwei Beispiele herausgenommen, und mir würden wahrscheinlich auf Anhieb noch ein Dutzend weitere einfallen. Aber ich will euch ja nicht ärgern. Ich will nur einfach zwei Punkte mal aufzeigen, wo ich denke, dass Sünde viel tiefer in unserem Leben und in unserer Lebensgestaltung drinsteckt, als wir das gerne zugeben.
Der erste Punkt ist der: Wir lassen uns von Sünde unterhalten. Damit meine ich Folgendes: Natürlich bin ich meiner Frau treu, oder? Und ich würde auch nie ein Auto klauen und schon gar nicht jemanden umbringen. Würde ich alles nicht machen. Aber wenn das zur Mission Impossible dazugehört, dann schaue ich mir den Film an und dann lasse ich mich schon irgendwo unterhalten von dem, was ich sehe.
Sprüche 2,14 kommen mir tatsächlich in den Sinn. Und ich bin da noch am Wachsen, ich bin selber noch nicht fertig an der Stelle. Aber da heißt es, dass die Weisheit Gottes uns rettet vor einem falschen Lebensstil, und zwar vor dem Lebensstil der Leute, die sich freuen am Bösentun, frohlocken bei schlimmer Verkehrtheit.
Also es gibt Leute, die freuen sich über das Böse. Darüber, dass irgendwo jemand umgebracht wird. Oder darüber, dass jemand ein anderes Auto geklaut wird. Oder dass jemand fremdgeht oder so. Und ich merke: Genau diese Art zu denken, das ist das, was in der Unterhaltungsindustrie weitergegeben wird. Und das ist genau das, was ich mir, wenn ich mir einen Film anschaue, und jetzt ist Mission Impossible nur ein Beispiel, wo ich hoffe, dass jeder mit dem Begriff etwas anfangen kann, das ziehe ich mir rein.
Ich wäre denn einer, der im Kino mitjohlt, wenn da irgendwas in die Luft fliegt: Boah, ist ja genial! Und zuhause angekommen denke ich mir: Ja, hoffentlich, wenn es wirklich Bombenanschläge in Berlin gibt, gehen die nicht auf die Schulen, weil ich wünsche mir von Herzen, dass meine Tochter lebt. Das ist doch krank. Auf der einen Seite freuen wir uns darüber, auf der anderen Seite haben wir Angst davor. Da stimmt etwas nicht.
Zweiter Punkt: Unsere Sprache ist eine Sprache, die immer derber wird und immer mehr so wird, dass wir, was Witze angeht oder was bestimmte Ausdrücke angeht, gar nicht mehr darüber nachdenken, dass das eigentlich falsch sein könnte, wie wir reden. Aber schaut mal, die Bibel ist klarer. Sie sagt: Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht sollen nicht einmal unter euch genannt werden.
Also irgendein sexistischer Witz, ja, das hat nicht mal eine halbe Silbe davon, hat in der Gemeinde etwas zu suchen. Habsucht, ich möchte mehr haben, mehr haben, hat nichts, absolut gar nichts unter uns verloren, nicht einmal genannt werden. Geschweige denn geschwiegen, geschweige irgendetwas anderes gemacht oder so.
Warum? Wie es Heiligen geziemt. Gott sagt: Wenn ihr Heilige sein wollt, wenn ihr zu mir gehört, dann gehört dazu bestimmt der Lebensstil. Er kann nicht einfach leben, wie er will. Und auch Unanständigkeit und albernes Geschwätz und Witzelei, die sich nicht geziemen.
Vielleicht müssten wir neu darüber nachdenken, was es heißt, heilig vor Gott zu leben. Vielleicht sind wir viel tiefer in dem Sumpf der Sünde und des Eingelulltseins drin, als wir denken.
Der Kreislauf, der nach unten zieht
Die nächste Folie macht euch deutlich, was ich damit meine. Es ist der Teufelskreis der Sünde. Ihr habt das bei euch auf den Predigtnotizen auf der Rückseite.
Man rutscht in diese leicht umstrickende Sünde hinein. Ihr erinnert euch an die letzte Woche, ja, die leicht umstrickende Sünde. Es fängt ganz klein an. Und man beginnt dort oben links mit einem Leben nach der Lust, ohne biblische Maßstäbe, vielleicht gar nicht einmal böse gemeint. Man lebt einfach so, wie man leben will. Man kennt es nicht besser. Die anderen in der Jugend machen es ja auch. Die anderen Familien machen das ja auch so. Man fängt einfach an, an irgendeiner Stelle.
Die Folge davon ist, dass Sünde immer weniger als Sünde wahrgenommen wird. Klar, wenn alle so leben, dann werde ich weniger empfindsam für das, was Sünde ist. Ich denke: Das ist schon normal, die anderen machen es ja auch. Wenn ich an dieser Stelle in meinen Teufelskreis eingestiegen bin, dann sind wir da oben ganz schnell an dem Punkt, dass die Betroffenheit über die Sünde immer weniger wird, dass man Sünde immer leichter nimmt. Na ja, wird schon irgendwie in Ordnung sein. Man wird gar nicht mehr empfinden, dass Dinge Sünde sind, die vor Gott einfach furchtbar sind.
Und man wird auch nicht mehr, dritter Schritt, um Vergebung für Sünde suchen. Denn wenn ich nicht merke, dass etwas falsch ist, wenn ich so weit abgestumpft bin, dann interessiert mich auch Vergebung nicht mehr. Und wenn ich nicht mehr die Vergebung mit Gott suche, dann zerbricht natürlich meine Beziehung mit Gott immer mehr. Sie bekommt einen Knacks nach dem anderen. Und ich habe geschrieben: das Glück der Gemeinschaft mit Gott und echte Zufriedenheit. Denn echte Zufriedenheit kommt aus dem Glück der Gemeinschaft mit Gott. Das geht natürlich auch verloren. Und ich merke das in meinem Leben, dass ich nicht wirklich zufrieden bin. Und ich merke, dass da noch mehr sein muss. Und wo kriege ich das Mehr her? Na ja, noch mehr in den Angeboten dieser Welt. Da muss noch was sein. Und der Kreis schließt sich.
Und es ist wie so eine Spirale, die uns immer weiter Stück für Stück runterzieht. Einer fängt damit an, er infiziert den Nächsten, der Nächste macht das mit, und das zieht uns allmählich alle runter. Das ist der Kreislauf der Sünde in einer Gesellschaft, die sich ganz bewusst von Gott wegbewegt.
Sünde
Wisst ihr eigentlich, wie schlimm Sünde ist? Habt ihr euch jemals darüber Gedanken gemacht, wie brutal, wie zerstörerisch und absolut endgültig kaputt machend Sünde ist? Zwölf Punkte, die zeigen, was Sünde macht. Die Folgen deiner und meiner Sünde im Leben.
Denkt darüber nach: Da heißt es, sie betrübt den Heiligen Geist. Also das, was Gott uns an Führung mitgibt im Leben, das ist der Heilige Geist. Und wenn wir sündigen, dann schweigt er, er verstummt. Er kann uns nicht führen und gleichzeitig zulassen, dass wir sündigen.
Sünde entehrt Gott, indem sie uns davon abhält, Gott zu verherrlichen, was unsere eigentliche Aufgabe ist. Wir sind dazu da, dass wir Gott repräsentieren, dass wir Gott Ehre bringen. Und wenn ich sündige, dann tue ich das nicht.
Sie verhindert, dass unsere Gebete erhört werden. Sie nimmt uns die Berechtigung zum Dienst. Wörtlich steht da: Sie disqualifiziert uns. Sie raubt uns Gottes gute Gaben. Gott möchte dir etwas schenken, aber er tut es nicht. Du denkst dir: Ja, warum ist mein Leben nicht gesegnet? Darf ich dich fragen, ob vielleicht Sünde der Grund sein kann?
Sie stiehlt uns die Freude an unserer Errettung. Ja, ich bin so irgendwie träge, es macht gar keinen Spaß mehr, in die Gemeinde zu kommen und so. Ja, kann schon sein. Könnte es daran liegen, dass dein Leben mehr und mehr von Sünde geprägt ist?
Sie hemmt unser geistliches Wachstum. Logisch. Sie zieht Gottes Bestrafung nach sich. Gott lässt uns nicht einfach laufen, weil wir Söhne Gottes sind. Und als Söhne sollten wir einen Vater im Himmel haben. Und keiner, der Kinder hat, lässt die Kinder einfach ins Unglück rennen.
Sie macht uns unbrauchbar für Gott. Sie belastet unser Miteinander in der Gemeinde und in der Ehe. Sie vereitelt unsere Teilnahme an der Anbetungsstunde oder am Brotbrechen. Man kann nicht mehr adäquat teilnehmen, wenn im Hintergrund die Sünde lauert. Sie bedroht unser Leben und kann zu Krankheit und Tod führen.
Denkt das durch, das ist Sünde. Sünde macht immer kaputt. Und du denkst: Na ja, aber es ist doch gar nicht so schlimm, so ein bisschen dies und jenes zu machen, ein bisschen Spaß haben an dies und jenem, ist doch nicht schlimm. Sei doch nicht so unmodern.
Und ich sage dir: Ich bin nicht unmodern, ich bin viel moderner als du. Denn Sünde ist so alt. Das Leben mit Gott, das ist das Neueste, was du brauchst. Das ist das Modernste, was wir auf dieser Welt zu bieten haben. Etwas Besseres, Moderneres und Aktuelleres gibt es gar nicht. Denn Gott hat ein Ziel mit unserem Leben. 1. Thessalonicher 4,3: Dies ist Gottes Wille, eure Heiligung. Gott möchte, dass wir nicht so weiterleben, wie wir bislang gelebt haben.
Und zur Heiligung, das will ich noch einmal sagen, gehört ein Punkt immer dazu. Wenn der nicht da ist, kannst du mir erzählen, was du willst. Ich glaube nicht daran, dass du geistlich auch nur einen halben Millimeter vorwärts gekommen bist. Es gehört dazu, dass wir Sünde mehr und mehr hassen lernen.
Jetzt gibt es Menschen in der Gemeinde, die an einem bestimmten Punkt im Leben stehen, und du sagst: Hey, das sind Vorbilder. Und sie tun es aus einer falschen Motivation heraus. Den Punkt möchte ich nur anreißen. Ich möchte mit einem Zitat von Thomas Watson beginnen, das ich ein klein wenig frei übersetzt habe. Er wiederholt erst einmal das, was ich eben sagte:
Ein untrügliches Zeichen für Heiligung, also dafür, dass mein Leben mit Gott vorankommt, ist der zunehmende Hass auf Sünde. Wenn das nicht da ist, dann würde ich große Fragezeichen an mein geistliches Leben machen.
Aber Vorsicht! Ein Heuchler – auch das gibt es in Gemeinden – ein Heuchler vermag die Sünde zu lassen, sich also äußerlich einen bestimmten Lebensstil anzueignen, und sie dennoch lieben. Könnt ihr euch das vorstellen? Jemand tut Sünde nicht. Also zum Beispiel: Er merkt, dass es falsch ist, wenn ich ständig meine Zeit mit Videospielen verbringe, denn die Zeit gehört Gott. Und trotzdem bleibt in seinem Herzen diese Lust und dieses: Ach, wenn ich nur könnte. Ja, er hat überhaupt nicht verstanden, wo das Problem liegt.
Ein Heuchler vermag die Sünde zu lassen und sie dennoch lieben, wie eine Schlange, die ihre alte Haut abstreift. Äußerlich sieht sie neu aus, aber das Gefährliche, die Giftzähne, die behält sie. Schön, he? Man muss sagen, diese alten Zitate sind immer noch die besten.
Darf ich mal fragen, warum du bestimmte Sünde in deinem Leben nicht tust? Also, ich weiß ja bei vielen von euch gar nicht, ob ihr so böse seid, wie ich jetzt einfach euch das unterstelle. Also, warum lebt ihr eigentlich, wie ihr lebt? Kann ich das mal fragen? Ist es vielleicht so: Wenn ich anders lebe, dann kommt ja die GL, also die Gemeindeleitung, irgendwann mal vorbei, und dann muss ich ein furchtbares Gespräch mit denen haben. Ist das seine Motivation? Ich sage dir: Es ist eine falsche Motivation. Wenn das seine Motivation ist, um Sünde zu lassen, vergiss es. Falsch.
Oh, ich habe Angst vor den Folgen der Sünde. Weißt du, wie der Bankräuber: Ja, ich würde ja schon mal gerne eine Bank ausrauben, aber wenn mich einer erwischt, nee, vor den Folgen, die sind mir viel zu heikel. Auch das ist die falsche Motivation. Nee, weißt du, ich sündige nicht, weil das macht man in der Gemeinde einfach nicht. Ich möchte nämlich meinen guten Ruf nicht verlieren. Auch das ist falsch.
Die richtige Antwort lautet: Jürgen, ich liebe meinen Herrn, und ich möchte ihn ehren. Und ich möchte ihm meine Liebe zeigen durch mein Leben. Ich möchte ihm zum Ausdruck bringen, dass er mir mehr bedeutet als irgendetwas anderes. Und wenn meine Sünde so schlimm war, dass er dafür am Kreuz bluten und sterben musste, dann möchte ich damit absolut nichts mehr zu tun haben. Ich liebe ihn nämlich.
Und egal, was die anderen in der Gemeinde sagen, denken oder tun, das ist mir völlig Schnurzpiepwurst. Ich lebe mein Leben vor Gott in Heiligkeit, so wie ich es in der Bibel sehe. Und wenn alle anderen es anders machen, ich gehe meinen Weg mit und für Gott. Warum? Weil ich ihn liebe.
Ein reifer Christ ist einer, der Sünde hasst. Er ist nicht jemand, der sündlos ist. Sündlosigkeit wird es geben, aber erst im Himmel. Hier auf der Erde hat Reife damit zu tun, dass wir Sünde mehr und mehr hassen und sie mehr und mehr lassen. Hassen und lassen gehören ein Stück zusammen.
Und ich hoffe, mit dem, was ich gesagt habe, dass der eine oder andere merkt: Diese Form von Traurigkeit und Betroffenheit in meinem Leben ist nicht da. Vielleicht merkt er: Ich habe mich ein Stück an Sünde gewöhnt. Diese tiefe Betroffenheit, ja, die war früher, nur kurz nach meiner Bekehrung. Da hat mich Sünde gezeckt, da hat mich alles rausgeworfen aus meinem Leben, was auch nur irgendwie nach Sünde roch. Aber inzwischen ist das alles wieder da. Jetzt hat sich das alles so ein bisschen gegeben. Ja, das war so die erste Liebe halt, ja, wo man so ein bisschen überschwänglich ist. Aber inzwischen, ja, wie in der Ehe halt: Am Anfang kriegt sie Blumen und am Ende die dreckige Wäsche.
Ja, das ist dann mit Jesus halt genauso. Am Anfang ist man begeistert, und da will man alles tun. Und am Ende: Na ja, geh doch in den Gottesdienst, ich weiß gar nicht, was du willst. Wir nehmen uns sogar den gelben Zettel mit nach Hause.
Vielleicht ist der eine oder andere da, der sagt: Ich möchte gerne zurück, zurück zu dieser ursprünglichen Trauer und Betroffenheit über Sünde.
Wege zurück zu einem empfindsamen Herzen
Und den Abschluss der Predigt soll eine Folie und ein paar Gedanken zu einer Folie machen, die heißen: Auf dem Weg zur gottgemäßen Traurigkeit – wie komme ich zurück?
Denn das Glück liegt darin, dass ich traurig bin über meine Sünde.
Der erste Punkt ist: Schaffe die Hindernisse aus dem Weg. Wenn ein Mensch nicht mehr traurig ist über seine Sünde, dann ist das Problem, dass er selbstgefällig ist. Oder, um es noch ein bisschen anders auszudrücken: Er hat ein hartes Herz. Wisst ihr das? Menschen, die nicht traurig über ihre Sünde sind, sind hartherzige Menschen, steinerne Herzen, die sich nicht mehr treffen lassen von einer Predigt, vom Wort Gottes, von einer Ermahnung, von irgendetwas. Harte Herzen.
Um harte Herzen loszuwerden, sollte man bestimmte Dinge bedenken. Was hat dazu geführt, dass ich nicht mehr ergriffen bin von Sünde? Es könnte sein, dass der erste Punkt die Liebe zur Sünde ist. Das ist auf alle Fälle der Herzenshartmacher Nummer eins. Wir haben da etwas in unserem Leben, das wir unbedingt festhalten wollen. Wir sind nicht bereit, es loszulassen, obwohl wir wissen, dass es eigentlich falsch ist. Liebe zur Sünde lässt unser Herz immer einfrieren, immer erkalten, macht uns passiv und bringt uns nicht auf die Knie vor Gott. Ist klar, oder?
Der zweite Punkt ist Verzweiflung. Verzweiflung verhindert diese Traurigkeit, weil sie uns einredet: Gott kann mir gar nicht helfen. Menschen, die verzweifelt sind, lassen sich dazu führen zu glauben: Ich bin verdammt, ja, ich bin verdammt dazu, sündigen zu müssen. Es geht ja gar nicht anders in meinem Fall. Ich muss es sehen, ich sehe einfach keinen Ausweg mehr. Ihre Sünde ist ihnen irgendwie über den Kopf gewachsen.
Und wenn das in deinem Leben der Fall ist, dann möchte ich nur darum bitten, dass du verstehst: Jesus ist tatsächlich die Hoffnung für jedwedes Problem. Denn er hat tatsächlich die Welt überwunden, mit all ihren Versuchungen. Er hat die Macht der Sünde zerbrochen und uns dazu befreit, ein anderes Leben zu leben. Und er hat natürlich auch den Teufel besiegt. Also: Verzweiflung. Wenn das der Fall ist, redet mit jemandem darüber, sprecht mit jemandem, betet mit jemandem und löst euch davon.
Dann gibt es Selbsttäuschung. Also das sind Leute, die die Sünde in ihrem eigenen Leben verstecken. Man denkt: Es gibt doch eigentlich gar nicht so viel oder vielleicht gar nichts zu bekennen. Ich bin doch eigentlich hier der Einzige, der nichts zu bekennen hat. Und das ist natürlich grob. Statt traurig zu sein über seine Sünde, tut man so, als wäre alles in Ordnung. Das ist wie wenn man zum Arzt geht und man hat Krebs im Endstadium, und der Arzt sagt: Ach, Sie haben nur einen Schnupfen, bloß nicht weiter schlimm. Das ist, wenn man sich selbst täuscht.
Dann gibt es Leute, die sind einfach überheblich. Die sagen: Sünde in meinem Leben, ja, das weiß ich, habe ich. Gnade, ja, das brauche ich. Aber nicht zu den Bedingungen, wie Gott sie gibt. Also ich will schon die Gnade Gottes, aber zu meinen Konditionen. Ich sage, wozu ich bereit bin und wozu nicht. Und das ist natürlich eine Form von Überheblichkeit, wo jeder von uns, der das Evangelium kennt, weiß: Das hat mit dem Evangelium rein gar nichts zu tun. Solche Leute müssen komplett zu Gott umkehren.
Und dann gibt es noch die Aufschieber. Ja, ich weiß um meine Sünde. Und ich hätte sie schon lange bekennen sollen. Aber es war irgendwie noch nicht die richtige Zeit dafür. Ich schiebe das mal noch ein bisschen weg. Also, ich kenne das gut, nicht bei Sünde, aber bei Dingen, die mit dem Finanzamt zu tun haben. Ich hatte einen Termin beim Finanzamt. Dann habe ich ihn aufgeschoben, dann gab es die erste Mahnung, und dann gab es den letzten Termin: 15. November muss das Schreiben bei uns eingehen. Und am 15. November um 16.46 Uhr ging das Fax tatsächlich beim Finanzamt ein.
Ich habe es Tag für Tag, Woche für Woche vor mir hergeschoben. Warum? Ich hasse Schreiben ans Finanzamt. Sie dauern nie lange, ich brauche fünf bis zehn Minuten dafür, aber ich hasse diese Arbeit. Es kribbelt, ich finde tausend Ausreden, warum es jetzt nicht die Zeit ist, diese Schreiben zu machen. Und es gibt Leute, die finden tausend Ausreden, warum die Sünde, die schon vor Jahren hätte bekannt werden sollen, immer noch nicht bekannt ist und damit der Segen, der seit Jahren auf sie wartet, immer noch nicht in ihrem Leben da ist. Furchtbar, oder?
Also: Hindernisse weg.
Dann beschäftige dich mit der Heiligkeit Gottes und mit dem Opfer Christi. Ein ganz wichtiger Punkt, der immer mehr verloren geht. Ich bin mir sicher, manch einer versteht nicht ganz meine Begeisterung für Dinge wie Brotbrechen. Warum will ich immer, dass ihr zum Brotbrechen kommt? Warum mache ich da so einen Druck, vielleicht einen so unnötigen Druck? An der Stelle möchte ich es ganz kurz erläutern: Unser Leben lebt davon, dass wir die Heiligkeit Gottes erkennen und dass wir immer mehr begreifen, was Jesus für uns getan hat. Dass wir es lernen, hinein zu versinken in die Erkenntnis Gottes, dass wir, wie es an einer Stelle heißt, Epheser 3,18-19, die Breite, Länge, Höhe und Tiefe Gottes erkennen.
Es gibt so viel von Gott zu verstehen, und es gibt so viel auch Gott zu sagen. Es gibt Gott für so viele Dinge zu danken und ihn anzubeten. Und die Zeit, wo wir das tun, ist tatsächlich beim Brotbrechen. Und ich möchte Christsein nicht leben ohne diese Zeit. Ohne eine Zeit, wo ich mich um einen einzigen Punkt kümmern kann: um meinen Herrn. Dinge, die sonst im Gottesdienst immer ein Stück zu kurz kommen. Beschäftige dich mit der Herrlichkeit Gottes und mit dem Opfer Christi.
Drittens: Studiere Gottes Wort zum Thema Sünde. Du brauchst ein klares Verständnis von dem, was Gott Sünde nennt. Wir brauchen das, könnte ich sagen. Schieb es nicht auf. Wenn du merkst, da ist etwas in meinem Leben, da habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen, dann schau nach: Kann es sein, dass das falsch ist? Studiere das, hört euch gute Predigten an, die Kassettothek ist gut bestückt, nehmt euch etwas mit nach Hause, denkt über geistliche Inhalte nach.
Und ein letzter Punkt: Bete um ein empfindsames Herz. Legt Gott das Problem hin und sagt: Vater im Himmel, ich möchte traurig sein über Sünde, aber ich bin es nicht mehr. Da ist etwas gekommen, mein Leben ist irgendwie anders geworden, flach, unempfindsam. Vater im Himmel, zeig mir, woran das liegt. Gibt es Sünde, die ich bekennen muss? Gibt es Dinge, die ich noch studieren muss? Gibt es Dinge, die ich vielleicht tun sollte in meinem Leben? Gibt es bestimmte Gewohnheiten, die ich mir angewöhnen sollte, einfach um an der Stelle weicher zu werden, ein weiches, ein sanftes, ein empfindsames Herz zu bekommen? Ich bin sicher, Gott würde das Gebet erhören.
Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Mir ging es heute Morgen darum, zu zeigen, dass ein Gläubiger in seinem Leben eine Kultur der Traurigkeit bewahren soll. Das Wort, das hier für traurig steht, ist die stärkste Form von Traurigkeit, die es im Neuen Testament gibt. Es ist die Form, die man hat, wenn mein Kind stirbt, mein Ehepartner stirbt, mein bester Freund, meine beste Freundin stirbt. So diese innerste, tiefste Form des Getroffenseins, das steht in dem Text.
Was ich mir wünsche, ist, dass wir so eine Traurigkeit entwickeln und immer wieder mit unserer Sünde zu Gott kommen und dass das unser Lebensstil wird. Denn dann wird im Gegenzug wahres Glück in unser Leben einziehen.
Die verwendeten Folien und ihre Inhalte
Bei diesem Vortrag wurden drei Folien verwendet.
Die erste Folie hatte den Titel „Auf dem Weg zur gottgemäßen Traurigkeit“. Die Folie enthielt vier Punkte.
Der erste Punkt war: Schaffe die Hindernisse aus dem Weg. Dazu gehörten folgende Unterpunkte: Liebe zur Sünde, 1. Johannes 2,15-17; Verzweiflung, vergleiche Jeremia 18,11-12, vor allem Vers 12; Selbsttäuschung, vergleiche Jakobus 2,26; Überheblichkeit, Jakobus 4,6; Aufschieben, Jakobus 4,14.
Der zweite Punkt lautete: Beschäftige dich mit der Herrlichkeit Gottes und mit dem Opfer Christi. 3,18-19.
Drittens: Studiere Gottes Wort zum Thema Sünde.
Viertens: Bete um ein empfindsames Herz.
Die zweite Folie hatte den Titel „Teufelskreis der Sünde“. Der Teufelskreis wurde wie folgt eingeleitet: Leben nach Lust und ohne biblische Maßstäbe. Damit begann der Teufelskreis. Sünde wird immer weniger als solche wahrgenommen. Daraus folgt, dass es an Betroffenheit über die Sünde fehlt und sie leicht genommen wird. Vergebung für Sünde wird nicht mehr gesucht. Das Glück der Gemeinschaft mit Gott und echte Zufriedenheit gehen verloren. Man sucht das Glück noch mehr in den Angeboten der Welt. Dieser Kreis dreht sich immer weiter. Der Ausweg, den die Bibel aus diesem Teufelskreis kennt, ist Trauer, Bekennen und Lassen.
Die dritte Folie trug den Titel „Die Folgen deiner und meiner Sünde“. Es wurden verschiedene Punkte aufgelistet.
Die Sünde betrübt den Heiligen Geist. Epheser 4,30.
Sie entehrt Gott, indem sie uns davon abhält, Gott zu verherrlichen, was unsere Aufgabe ist. 1. Korinther 6,19-20.
Sie verhindert die Erhörung unserer Gebete. 1. Petrus 3,12.
Sie nimmt uns die Berechtigung zum Dienst. 1. Korinther 9,27; 1. Timotheus 3.
Sie raubt uns Gottes gute Gaben. Jeremia 5,25.
Sie stiehlt uns die Freude an unserer Errettung. Psalm 51,14.
Sie hemmt unser geistliches Wachstum. 1. Korinther 3,1-3.
Sie zieht Gottes Bestrafung nach sich. Hebräer 12,4-7.
Sie macht uns unbrauchbar für Gott. 2. Timotheus 2,21.
Sie belastet unser Miteinander in der Gemeinde und in der Ehe. Epheser 4,25; Epheser 5,28-31.
Sie vereitelt unsere Teilnahme an der Anbetungsstunde. 1. Korinther 11,28.
Sie bedroht unser Leben und kann zu Krankheit und Tod führen. 1. Korinther 11,30.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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