Serie•Teil 13 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Ein neuer Blick auf Jesu Umgang mit Sündern
Wir stehen im Lukasevangelium an einer Stelle, an der es einen Bruch gibt. Wir haben uns in den letzten Predigten über Kapitel fünf und sechs mit dem Thema beschäftigt: Wie geht Jesus eigentlich mit Sündern um?
Wir haben gesehen, dass Jesus Sünder nicht egal sind. Dort, wo Gott sichtbar wird, wo Gott die Bühne der Weltgeschichte betritt, offenbart er sich als ein Gott der Liebe, der Menschen sucht. Jesus ist der Immanuel, das Wort bedeutet: Gott mit uns. Jesus macht Gott erfahrbar, er macht ihn hörbar, er macht ihn begreifbar. Und Jesus zeigt uns so schön, so unglaublich schön, worauf es Gott eigentlich ankommt, wenn er auf sündige Menschen trifft: dass Gott seine Macht benutzen will, um Menschen aus der Macht der Sünde zu befreien; dass Gott Menschen berufen will in eine lebendige Beziehung mit ihm; dass er Lebensveränderung will.
Jesus kommt nicht einfach, um eine Religion zu bringen, so Judentum 2.0 im Sinne von: So, jetzt bin ich hier, jetzt reißt euch mal ordentlich zusammen, jetzt macht endlich mal was. Darum geht es überhaupt nicht. Sondern wir haben erlebt, wie Jesus zu dem Gelähmten sagt: Deine Sünden sind dir vergeben. Wie er zu Matthäus sagt: Folge mir nach. Wie er, als ein Aussätziger kommt und sagt: Möchtest du mich gesund machen?, zu ihm sagt: Ich will. Und wie vor ihm ein zitternder Petrus steht, der irgendwie denkt: Okay, mit mir kann niemand mehr etwas anfangen, und Jesus sagt ihm: Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen.
Jesus kommt, um Menschen an sich zu binden, in seine Nachfolge zu berufen. Er will heil machen, er will Sünden vergeben, und er möchte jedem Menschen einen unnachahmlichen Sinn schenken. Letztlich den Sinn schenken, den jeder Mensch in dem Moment, in dem Gott ihn schafft, schon immer hatte.
So enden dann auch die Kapitel 5 und 6, in Kapitel 6 mit Aufforderungen. Es geht darum, das haben wir uns beim letzten Mal, als wir uns das Kapitel angeschaut haben, vergegenwärtigt, dass Gott sagt: Ich möchte, dass du dein Leben für mich einsetzt, dass du dein Leben für mich lebst. Und ich möchte, das war so ein zweiter Punkt, dass du in einer Welt, die von Angst beherrscht ist, die auf diesem Fundament der Angst aufgebaut ist, lebst.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, ob ihr noch wirklich gern Zeitung lest. Ich saß da letzten Montag mit jemandem zusammen, den kannte ich gar nicht, und wir kamen so ins Gespräch, weil er die Morgenpost durchblätterte und dann meinte: Es macht mir eigentlich schon gar keinen Spaß mehr. Und ich sagte: Ja, geht mir genauso, ich habe eigentlich schon gar keine Lust mehr. Du schlägst die Zeitung auf und findest Sachen, wo du sagst: Das möchte ich gar nicht wissen. Ich möchte nicht wissen, wo man wieder ein Kind in einem Altkleidercontainer findet. Ich möchte nicht wissen, wo wieder jemand entführt ist. Wisst ihr, es ist mir einfach zu viel.
Und in dieser Welt, wo das Alltag ist, kommt Jesus hinein und sagt: Ich möchte, dass ihr diese Gewaltspirale dort, wo es euch möglich ist, unterbrecht. Ich möchte, dass ihr in einer kaputten Welt offensiv Gottes Liebe repräsentiert, dass ihr so lebt, wie euer Vater im Himmel lebt, dort, wo euch das möglich ist.
Und dann will Jesus noch mehr. Er will Menschen, die nicht einfach nur sagen: Herr, Herr, und irgendwie irgendetwas plappern. Sondern er möchte Menschen, die auf sein Wort hören, die das wirklich tun, die sich nicht damit zufriedengeben, anderen Menschen kluge Ratschläge zu erteilen, sondern die verstanden haben: Hey, ich muss wachsen. Die auch wirklich wachsen wollen, die geistlich reif werden wollen, und die aus dem guten Schatz ihres gereinigten Herzens, wo im Inneren eine Veränderung stattgefunden hat, und aus diesem guten Schatz anderen etwas Gutes weitergeben wollen.
Denen es nicht reicht zu sagen: Na, ich gehöre doch zur richtigen Gemeinde, oder ich habe doch die richtige Konfession. Oder, ein bisschen moderner: Ich habe doch das richtige Bändel, ja, da steht doch dann WWJD oder FROG oder was weiß ich, was heute draufsteht. Ich weiß gar nicht, ob es diese Bändel noch gibt, ich sehe sie nicht mehr so häufig. Ich habe doch das richtige Bändel. Sondern wo Jesus sagt: Mir ist das alles eigentlich egal. Worum es mir eigentlich geht, ist: Ich möchte dein Herz. Ich möchte dein Herz, und ich möchte dein Leben, und ich möchte es in meinem Sinn umgestalten. Und nur an dieser Stelle, wo das stattfindet, findet eigentlich Christsein statt.
Deswegen ist es mir so wichtig: Wir machen gerade den Ethikkurs, und die eine große Gefahr beim Ethikkurs ist die, dass man denkt: Aha, es geht doch eigentlich nur um die Regeln. Deswegen sage ich ganz bewusst: Nein, Christsein hat erst in zweiter Linie etwas mit Regeln zu tun. Ja, es stimmt, Gott gibt uns Ordnungen, er gibt uns gute Regeln, damit wir wissen, wie wir richtig leben können. Aber nicht, damit wir uns auf sie verlassen.
Ich lebe, wie Gott es will, warum? Ich lebe, wie Gott es will, weil mein Leben ihm gehört und ich durch meinen Gehorsam Dankbarkeit und Liebe zum Ausdruck bringe. So herum wird der richtige Schuh draus. Ich lebe, wie Gott es will, weil ich dieses eine Leben, das ich habe, Tag für Tag, Stunde für Stunde, als das einzige wesentliche Mittel verstehe, das ich habe, um in dieser Beziehung, die ich zu dem Herrn Jesus habe, immer tiefer einzusteigen. Und deswegen möchte ich tun, was Gott gefällt.
Und ich möchte mir immer wieder vergegenwärtigen, eine ganz traurige Sache: dass es viele Menschen gibt, die sich für Christen halten, aber es gar nicht sind. Ich glaube, ich habe da schon mal gesagt, mit zu den traurigsten Stellen im Neuen Testament gehört für mich der Schluss der Bergpredigt. Da sagt der Herr Jesus: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!
Könnt ihr euch das vorstellen? Viele Menschen stehen am Eingang zum Himmel und denken sich: So, jetzt haben wir es geschafft, jetzt sind wir angekommen. Und sie schauen zurück auf ein Leben, wo viel passiert ist, im Namen Jesu. Das hört sich ja fantastisch an: geweissagt, Dämonen ausgetrieben, Wunderwerke getan. Und Jesus sagt ihnen: Entschuldigung, nochmal, wie ist dein Name? Ich kenne dich nicht. Ja, ja, du magst schon alles in meinem Namen gemacht haben, vielleicht hast du meinen Namen benutzt, aber ich kenne dich nicht. Zwischen dir und mir, da gibt es doch überhaupt keine Beziehung.
Und das, worum es Jesus geht, und das müssen wir wirklich tief gefressen haben, damit wir nicht irgendwie in eine falsche Richtung abgleiten, ist eine Du-Beziehung. Und ja, Gehorsam gehört zu dieser Du-Beziehung als Ausdruck dafür, dass diese Beziehung echt ist. Aber zuerst einmal kommt es auf die Frage an: Kennt Jesus dich?
Und weil dieser Punkt so ernst ist, und ich nehme einfach mal an, dass das stimmt, was hier steht, dass wirklich viele Leute, es ist nicht eine Ausnahme, ja, es gibt da auch noch ein oder zwei in der Weltgeschichte, denen das passiert, sondern viele Leute sterben mit der Gewissheit: Ich bin angekommen im Himmel. Und sie werden wieder lebendig und denken: Hier stimmt irgendetwas nicht. Und stellen die Frage: Warum darf ich nicht rein? Und sie merken, sie sind an dem eigentlichen Kern von Christsein vorbeigegangen. Sie waren vielleicht immer in der Gemeinde, sie haben mit Gott etwas erlebt, aber im Zentrum stimmt etwas nicht.
Und deswegen freue ich mich darüber, und es wird euch nicht überraschen, dass, nachdem Lukas uns Kapitel 5 und 6 ständig Ereignisse präsentiert hat, die sich um die Frage drehen, wie geht Jesus ganz grundsätzlich mit Sündern um, jetzt die nächsten beiden Kapitel, Kapitel 7 und 8, sich um ein Thema drehen, das ich nennen möchte: der Weg der Errettung.
Wenn Errettung tatsächlich nicht einfach so passiert, wenn es nicht so ist: Na ja, ich bin halt als Kind irgendwann mal von meinen Eltern getauft worden, und dann bin ich halt immer so an Weihnachten und Ostern und, wenn es mal nett war, in den Gottesdienst gegangen, und ansonsten habe ich versucht, so ein halbwegs netter Kerl zu sein – wenn das alles nicht ist, dann stellt sich die Frage: Na ja, wie funktioniert Errettung dann eigentlich, wenn sie nicht einfach so passiert und wenn man sich irren kann? Woher weiß ich denn dann, dass ich wirklich errettet bin?
Da werden wir uns die nächsten Predigten mit beschäftigen, und Lukas gibt uns da einen Einstieg. Und wir wollen heute lesen: Lukas Kapitel 7, und wir lesen einfach mal gemeinsam die ersten siebzehn Verse. Es sind zwei Ereignisse. Ich denke, sie sind uns halbwegs, wenn wir schon länger in der Bibel lesen, bekannt. Trotzdem möchte ich sie einfach mal am Stück vorlesen.
Lukas Kapitel 7, die Verse 1 bis 17:
Nachdem er aber alle seine Worte vor den Ohren des Volkes vollendet hatte, ging er hinein nach Kapernaum. Eines Hauptmannsknecht aber, der ihm wert war, war krank und lag im Sterben. Als er aber von Jesus hörte, sandte er Älteste der Juden zu ihm und bat ihn, dass er hinkomme und seinen Knecht gesund mache. Als diese aber zu Jesus hinkamen, baten sie ihn inständig und sprachen: Er ist würdig, dass du ihm dies gewährst, denn er liebt unsere Nation, und er selbst hat uns die Synagoge erbaut. Jesus aber ging mit ihnen. Als er aber schon nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht, denn ich bin nicht würdig, dass du unter mein Dach trittst. Darum habe ich mich selbst auch nicht würdig geachtet, zu dir zu kommen, sondern sprich ein Wort, und mein Diener wird gesund werden. Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht, und ich habe Soldaten unter mir. Und ich sage zu diesem: Geh hin!, und er geht; und zu einem anderen: Komm!, und er kommt; und zu meinem Sklaven: Tu dies!, und er tut es. Als aber Jesus dies hörte, wunderte er sich über ihn, und er wandte sich zu der Volksmenge, die ihm folgte, und sprach: Ich sage euch, selbst in Israel habe ich so großen Glauben nicht gefunden. Und als die Abgesandten in das Haus zurückkehrten, fanden sie den kranken Knecht gesund.
Und es geschah bald darauf, dass er in eine Stadt ging, genannt Nain, und viele seiner Jünger und eine große Volksmenge gingen mit ihm. Als er sich aber dem Tor der Stadt näherte, siehe, da wurde ein Toter herausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und eine zahlreiche Volksmenge aus der Stadt war mit ihr. Und als der Herr sie sah, wurde er innerlich bewegt über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte die Bahre an; die Träger aber standen still, und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden, und er gab ihn seiner Mutter. Alle aber ergriff Furcht, und sie verherrlichten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden, und Gott hat sein Volk besucht. Und diese Rede über ihn ging aus in ganz Judäa und in der ganzen Umgegend.
Die beiden Ereignisse gehören eng zusammen, einfach nur sprachlich, weil dazwischen steht: Und das geschah bald darauf. Beide Geschichten drehen sich um ein sehr ähnliches Thema: Jemand wird errettet vom Tod. Der Sklave steht kurz davor, bei dem jungen Mann ist alles schon gelaufen, und beide werden gerettet.
Wenn wir uns das erste Ereignis anschauen, die Heilung dieses Knechtes, dann ist da ein Hauptmann, der die Ältesten der Juden zu Jesus schickt und sie dorthin schickt mit der Bitte, Jesus zu fragen, ob er nicht den Knecht heilen könnte. Es ist interessant zu sehen: Die Ältesten gehen hin und bitten Jesus. Und auf welcher Grundlage wollen sie, dass Jesus diesen Knecht heilt? Vers 4: Da kommen die an, da heißt es: Als diese aber zu Jesus hinkamen, baten sie ihn inständig und sprachen: Er ist würdig, dass du ihm dies gewährst, denn er liebt unsere Nation, und er selbst hat uns die Synagoge erbaut.
Man muss wissen, dass die Römer im Allgemeinen nicht sonderlich gut auf die Juden und auf ihre Synagogen zu sprechen waren. Da gibt es lustige Geschichten: So knapp hundert Jahre vorher, als die Römer das Land besetzten, ist der Feldherr, der das alles eingenommen hat, rein in den Tempel und wollte unbedingt wissen, was im Innersten von diesem Tempel ist. Also er geht quasi: Tempelbezirk, rein in den Tempel, Vorraum, Tempel, im hintersten Raum, und er ist leer. Denn die Bundeslade war schon lange weg, was anderes stand da nicht mehr.
Das heißt, ihr müsst euch vorstellen: So ein Römer, der mit der Erwartung kommt, ich finde da die geheimnisvollste, wunderbarste, tollste Statue, die man sich irgendwie vorstellen kann, rennt in diesen Tempel, rennt, rennt, leer. Von diesem Moment an ist klar, dass Juden Atheisten sind, weil die glauben ja an keinen Gott, die haben ja nichts, was man anschauen kann. Das heißt, die Einstellung eines Römers zu einem Juden war eher so ein bisschen: komische Religion, komisches Volk, arbeiten viel weniger, einmal die Woche immer so einen Tag frei machen, sowas Albernes.
Und hier ist einer, dieser Hauptmann ist ganz anders. Der liebt das jüdische Volk, er investiert Geld, er baut ihnen die Synagoge, genau die Synagoge, wo Jesus auch schon oft gepredigt hat, und Jesus erkennt dieses ehrliche Herz und er geht mit. Interessanterweise denkt der Hauptmann über sich richtiger als die Ältesten. Er sagt nämlich in Vers 6: Als er aber schon nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht, denn ich bin nicht würdig, dass du unter mein Dach trittst.
Also die Ältesten denken: Super, komm, der ist würdig. Er selber denkt: Nee, das bin ich nicht. Genau der Grund, den die Ältesten vorgebracht haben. Jetzt überlegen wir uns, was tut dieser Hauptmann, wenn wir so ein Stückchen zurücktreten. Der Hauptmann sagt Jesus all das, was man mir an Verdiensten anrechnen könnte, dass ich diese Synagoge gebaut habe, dass ich irgendwie fair mit dem Volk Israel umgehe, dass ich die Nation, die jüdische Nation, sogar liebe – das bedeutet mir nichts, darauf bilde ich mir nichts ein, das ist definitiv kein Grund, dass du zu mir kommst.
Vers 7 und 8: Darum habe ich mich selbst auch nicht würdig geachtet, zu dir zu kommen, sondern sprich ein Wort, und mein Diener wird gesund werden. Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht, und ich habe Soldaten unter mir. Und ich sage zu diesem: Geh hin!, und er geht; und zu einem anderen: Komm!, und er kommt; und zu meinem Sklaven: Tu dies!, und er tut es.
Hinter der Bitte von dem Hauptmann steckt nicht das Denken: Mann, was bin ich für ein toller Kerl, ich habe so viel investiert hier in diese Stadt und in diese Leute, jetzt ist es ja wohl das allerkleinste, dass einer von ihren Wanderpredigern jetzt wenigstens mal meinen Knecht gesund macht. Eine Hand wäscht die andere, und irgendwie stehe ich doch gut da. Das ist überhaupt nicht sein Denken.
Sein Denken ist: Okay, Jesus ist in einem gewissen Sinn genau wie ich. Ich habe im Blick auf meine Soldaten und Knechte Gewalt. Wenn ich sage: Mach das!, dann macht er das. Geh einkaufen, dann geht er einkaufen. Wasch den Wagen, dann wäscht er den Wagen. Und genau so, mit derselben Autorität, steht Jesus im Hinblick auf Leben und Tod. Das ist meine Überzeugung. Wenn Jesus sagt: Werde gesund!, dann wird der Knecht gesund.
So wie hinter dem Hauptmann die Autorität des Kaisers steht und weil der Kaiser hinter ihm steht, er sagen kann: Mach das!, und keiner sich traut zu widersprechen, so weiß der Hauptmann, dass hinter Jesus eine ganz andere Autorität steht, der sich jede Krankheit, letztlich sogar der Tod, unterordnen muss. Das ist das, was im Kopf des Hauptmanns abgeht.
Und das ist eine Haltung, die Jesus erlebt und die ihn total überrascht. Also das, was die Ältesten vorbringen, so nach dem Motto: Jetzt komm mal mit, das ist so ein feiner Kerl, das kennt Jesus zu Genüge. Aber dass einer sagt: Ich bin nicht würdig, und ich weiß genau, wer du bist. Du bist der Herr über Leben und Tod. Komm, sag ein Wort, das reicht allemal. Du brauchst nicht in mein Haus treten, du brauchst dich nicht jetzt, dieses jüdische Denken, als Jude unrein machen, indem du mein Haus betrittst, das ist alles nicht nötig.
Jesus bekommt das mit. Vers 9: Als aber Jesus dies hörte, wunderte er sich über ihn, und er wandte sich zu der Volksmenge, die ihm folgte, und sprach: Ich sage euch, selbst in Israel habe ich so großen Glauben nicht gefunden. Und als die Abgesandten in das Haus zurückkehrten, fanden sie den kranken Knecht gesund.
Jesus sagt: Das, was mir hier begegnet, das ist eine Sensation. Jesus reist ja schon eine ganze Weile durch Israel und trifft auf Leute, die ihm im Glauben begegnen. Aber das, was ihm hier an Glauben von diesem einen Hauptmann entgegenschlägt, das ist viel mehr, als er an anderer Stelle gewohnt war zu sehen.
Und deswegen: Das erste Ereignis, die erste Erzählung, dreht sich worum? Was ist der Schwerpunkt dieses Berichts? Der Schwerpunkt ist Glauben. Der Schwerpunkt ist, dass uns Jesus zeigt, was die Basis für Errettung ist. Die Basis für Errettung ist nicht, was du geleistet hast, sondern Glaube. Glaube ist nicht die Menge deiner guten Werke, nicht das Ansehen, das du bei Menschen hast, nicht der Einfluss, den du ausüben kannst, sondern es geht um Glauben.
Und Glaube ist hier gerade nicht ein Denken im Sinne von: Okay, ich strenge mich mal an, ich mache mal so viel, wie ich kann, und dann wird Gott schon sich irgendwie dazu stellen. Sondern Glauben hat damit zu tun, dass ich begreife: Ich kann einfach gar nichts bringen. Alles, was ich vorbringen könnte, ist eigentlich wertlos. Und erst aus diesem Wissen heraus, dass das, was ich habe, was ich bin, Gott gar nicht reicht, gar nicht reichen kann, dass das Gott ein Stück weit egal ist, dass Gott es nicht braucht, um mich zu erretten und Rettung in mein Leben hineinzubringen, dass es darum geht, ob ich rückhaltlos auf diesen Jesus mein Vertrauen setze und auf die Autorität und die Macht, die mit ihm einhergeht – das ist eigentlich Glauben.
Und das ist die erste Geschichte hier. Errettung beginnt mit Glauben und nicht mit guten Werken. Die guten Werke sind sicherlich ein Kennzeichen von echtem Glauben, aber sie sind nicht die Grundlage.
Und jetzt hängt Jesus an der Stelle einen zweiten Bericht dran. Und dieser zweite Bericht, die Auferweckung des Jünglings von Nain, findet sich nur hier. Und immer, wenn ihr das lest in der Bibel, dass eine Geschichte nur an einer Stelle, gerade hier bei den Synoptikern, also bei Matthäus, Markus und Lukas, wenn bei denen eine Geschichte nur einmal vorkommt, dann nennt man das Sondergut. Und wenn eine Geschichte nur einmal vorkommt, heißt das, dass sich Lukas an der Stelle bewusst überlegt hat, genau diese Geschichte genau da hinzusetzen und zu sagen: Die Geschichte bringt jetzt den Punkt, den ich rüberbringen will, den ich noch brauche, ganz besonders gut zum Ausdruck, und deswegen nehme ich die Geschichte.
Und auch hier, in diesem zweiten Bericht, geht es um Errettung. Wenn man sich die Betroffenen mal anschaut, dann könnten die ja unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite dieser Hauptmann: stark, wohlhabend, angesehen, einflussreich, viele gute Werke. Und auf der anderen Seite eine Frau: verzweifelt, Witwe, sie hat schon vor einiger Zeit ihren Mann verloren und sie trägt jetzt ihren einzigen Sohn, ihre einzige Hoffnung auf Unterhalt im Alter, auch noch zu Grabe. Das sind die zwei Personen: einmal der Einflussreiche, einmal die ganz Schwache.
Und wir haben schon gelesen, die Frage jetzt bei dieser Geschichte hier, Lukas 7,11-16, bei der Auferweckung des Jünglings zu Nain: Wo ist der Schwerpunkt dieser Geschichte? Der Schwerpunkt ist sicherlich, dass hier eine Frau ist, die auf keine Synagoge blicken kann, die sie gebaut hat. Hier ist eine Frau, die keine einflussreichen Fürsprecher hat. Sie hat auch keine Freunde, die sich für sie einsetzen. Wir lesen noch nicht einmal etwas von Glauben an der Stelle.
Was hier passiert, ist: Jesus begegnet einer weinenden alten Frau, die erst ihren Mann und dann ihren einzigen Sohn verloren hat. Und als der Herr sie sah, wurde er innerlich bewegt über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! Könnt ihr den Schwerpunkt dieses Berichts ahnen, wenn ihr das so vorgelesen bekommt? Es geht zweimal um Errettung vom Tod. Im ersten Bericht geht es darum, dass der Hauptmann Leute sendet, in Aktion tritt, sein Glaube sich wirklich vertrauensvoll ausstreckt nach diesem Strohhalm Jesus. Aber hier ist das alles nicht der Fall. Hier geht es darum, dass vor den Toren von Nain Hoffnung an ein Ende gekommen ist, hier scheint es keine Rettung mehr zu geben.
Und dann heißt es über Jesus: innerlich bewegt über sie. Er rührt diese Bahre an, spricht: Jüngling, steh auf!, und der einzige Sohn seiner Mutter wird der Frau zurückgegeben. Der Schwerpunkt im ersten Bericht ist Errettung aus Glauben, der Schwerpunkt des zweiten Berichts ist: Die Gabe des Lebens ist ohne Vorbedingung ein Akt Gottes aus Gnade und Barmherzigkeit.
Und jetzt kommt das Spannende, und da läuft mir jetzt gerade ein Kribbeln über den Rücken: Wenn ihr jetzt diese beiden Geschichten zusammennehmt, wie gesagt, Kapitel 7 und 8 drehen sich um die Frage: Wie wird ein Mensch gerettet? Und diese beiden Geschichten zusammengenommen, die Schwerpunkte dieser beiden Geschichten vereint, sind der Kern des Evangeliums. Es geht nämlich nicht um die Frage, wie viele gute Werke hast du, um gerettet werden zu können, sondern es geht darum, dass Rettung da beginnt, wo sich echter Glaube in die Hände eines gnädigen und barmherzigen Gottes fallen lässt. Echter Glaube und Gottes Barmherzigkeit – wo die zusammenkommen, da und nur da findet Errettung statt.
Dreißig Jahre später, und ich möchte mit euch noch den Sprung wagen, schreibt der Apostel Paulus das, was wir hier in Form von zwei Berichten gesehen haben, viel kürzer, in Form von zwei Versen. Und jetzt möchte ich gern zu Epheser Kapitel 2. Da steht es, Vers 8 und 9: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.
Da steht das wieder. Wie findet Rettung statt? Die eine Seite: aus Gnade. Jetzt kann man sich die Frage stellen: Wer braucht denn Gnade? Die Antwort ist ganz einfach: Gnade braucht ein verurteilter Verbrecher. Also wenn wir sagen, wir brauchen Gnade, dann geben wir eigentlich zu, wir sind in Gottes Augen verurteilte Verbrecher. Die Menschen sind schon gerichtet, obwohl sie eigentlich auf das jüngste Gericht noch warten.
Wisst ihr, warum das jüngste Gericht jüngstes Gericht heißt? Na ja, das jüngste Kind, das jemand hat, ist das Kind, das als letztes geboren wurde. Und deswegen ist das jüngste Gericht auch das letzte Gericht, das stattfinden wird. Der Punkt ist nur: Wir warten nicht auf das jüngste Gericht, um dann mal zu schauen, ob wir durchkommen, sondern wehe, du kommst in das jüngste Gericht. Der Mensch, und da ist das Johannesevangelium ganz klar, steht heute schon unter dem Zorn Gottes.
Wir brauchen nicht Gerechtigkeit, wir müssen hoffen, dass es irgendeinen Weg um die Gerechtigkeit Gottes herum gibt. Und diesen Weg hat Gott selber am Kreuz aufgetan, da, wo er sagt: Ich bin bereit, für deine Schuld zu bezahlen. Du brauchst meine Rettung, und ich bin bereit, dir gnädig zu sein. Und deswegen schreibt Paulus dieses: Denn aus Gnade seid ihr gerettet.
Und jetzt ist die Frage: Na wunderbar, ist das so ein Füllhorn, das Gott einmal so über die ganze Welt ausgießt? Nein. Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben. Da sind wir wieder bei diesem Hauptmann. Glauben heißt: Ich vertraue auf Jesus.
Und jeder Mensch steht vor der Frage: Was will ich? Möchte ich Selbstgerechtigkeit, möchte ich auf mich vertrauen, was ich schaffe und was ich geleistet habe und damit vor Gott treten und sagen: Hier, schau mal her, das ist mein Leben, das ist doch eigentlich ganz gut gelaufen, das müsste doch reichen? Oder möchte ich sagen: Ich bin nicht würdig, dass du unter mein Dach trittst. Ich bin nicht würdig, dass du in mein Leben hineintrittst und meine Schuld vergibst, aber ich möchte mit allem, was ich bin und habe, darauf vertrauen, dass das, was am Kreuz passiert ist, dass das gilt; dass da, wo Jesus sagt: Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, dass das ein ehrliches Angebot ist, das mir gilt; oder da, wo Paulus im Römerbrief diese herrliche Verheißung schreibt, dass jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, errettet werden wird. Ich möchte das für mich annehmen. Ich möchte glauben.
Glaube ist wie der Griff nach dem Rettungsring. Glaube ist der Kanal, durch den Gottes Gnade in mein Leben hineinfließt. Und dann heißt es: Gottes Gabe. Und dann wird es explizit noch einmal unterstrichen: Und das nicht aus euch, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.
Versteht ihr diesen Gedanken? Wir stellen uns die Frage: Wie findet Errettung statt? Und der Punkt ist der: Am Kreuz macht Gott die Tür in den Himmel auf, am Kreuz findet Versöhnung statt, Gott öffnet seine Arme und lädt die Menschen ein. Gott steht bereit für eine Beziehung, und wir sind gefragt, ob wir uns im Glauben auf diese Beziehung einlassen und darauf reagieren oder ob wir sagen: Nee, brauchen wir nicht, wollen wir nicht, ich denke, wir kriegen das alleine auf die Reihe.
Nochmal Epheser 2: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, das nicht aus euch. Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.
Bleibt die Frage: Wenn das alles so einfach ist, wenn man so leicht gerettet werden kann, wenn Gott dasteht und sagt: Ich habe alles vorbereitet, egal ob du eine Synagoge gebaut hast oder ob du einfach eine arme Witwe bist, die sich ihrer Armut bewusst ist und nur noch heulen könnte über ihr Leben, egal wo du herkommst, egal wer du bist, ich habe alles für dich schon fertig. Ich bin, weil ich ein barmherziger Gott bin, ich bin bereit, dir zu begegnen. Es ist ganz einfach, du musst es wirklich nur wollen.
Bleibt die Frage: Wenn das so einfach ist, warum tun sich so viele Menschen damit schwer? Aber die Frage möchte ich mir dann gerne für übernächste Woche aufheben, da geht es nämlich weiter, und wir werden uns Johannes den Täufer anschauen, der im Gefängnis sitzt und mittendrin Probleme kriegt mit seinem Glauben. Wir werden uns dann mal anschauen, wo diese Probleme herkommen. Heute machen wir an der Stelle Schluss.
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