Generierte Mitschrift
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Einleitung und biblischer Rahmen
Johannes 21,1-14. Ich bin immer wieder froh, wenn Sie die Bibel dabei haben, denn alles, was ich sage, soll nur das Bibelwort groß machen. Das Wort Gottes soll in Ihrem Herzen tief eingeprägt sein.
Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus, Thomas, der Zwilling genannt wird, Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus sowie zwei andere seiner Jünger.
Simon Petrus spricht zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in jener Nacht fingen sie nichts.
Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus spricht zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.
Da warfen sie es aus und konnten es nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.
Die anderen Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.
Jesus spricht zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Das hat die Bibelausleger natürlich immer wieder interessiert, ob da noch ein Sinn dahinter steckt. Manche haben gesagt, es hätte damals 153 bekannte Fischarten gegeben. Ich weiß nicht, ob es nicht einfach so war, dass es eine große Menge war und sie es genau gezählt haben, um diese große Menge hier noch zu zeigen. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.
Jesus spricht zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl. Niemand aber unter den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt es ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Die Rückkehr in den Alltag
Es waren ja nur wenige Tage nach der Auferstehung Jesu, aber die Jünger sind wieder zurück in ihrem ganz normalen Beruf. Übrigens war das keine feige Flucht, wie manche vielleicht denken, sondern Jesus hat es ihnen ja aufgetragen: Geht wieder zurück nach Galiläa! Und was sollen sie anderes tun? Sie können nur wieder in ihren Beruf zurückkehren und arbeiten.
Und da man beim Fischen nur nachts im See in Ezeret fischen kann, machen sie sich auf den Weg. Und dann passiert das, was alle kennen, die in dieser Welt arbeiten müssen: Man schafft und schafft und schafft, und es wird Nacht. Es wird zwölf Uhr, man denkt nur: Geduld. Wer lange wartet, hat auch schließlich Erfolg. Es wird zwei Uhr, und man hat keinen Erfolg. Es ist alles umsonst und vergeblich. Und dann bricht man im Morgengrauen schließlich das Ganze ab und sagt: Es war umsonst.
Das Wort vergeblich kann ja so einen bitteren Beigeschmack haben. Man hat geschuftet wie ein Pferd, sich abgerackert und sich gemüht, und nichts ist dabei herausgekommen. Und dann liegen die Nerven blank, dann ist man gereizt und ärgerlich und müde, die Kleider sind nass, und man friert. Und so gehen sie ans Ufer, und dort begegnet ihnen der auferstandene Jesus.
Da es aber Morgen war, stand Jesus am Ufer.
Der Auferstandene in den Orten der Not
Das ist heute ein Wort für all die unter Ihnen, die enttäuscht, kraftlos und mutlos sind.
Ich bin so froh, dass es in der Bibel, wenn es um die großen Jesustaten geht, keine Geschichten gibt, die sich in Domen, Kathedralen oder Tempeln ereignet haben, in irgendwelchen geweihten Plätzen. Nein, da geht es immer um die Welt, in der wir leben. Um diese Welt, die uns so viel Not macht. Um diese ärgerliche Welt, diese Welt der Mühsal, der Lasten, des Leidens und des Sterbens.
Schauen Sie sich die Taten Jesu an: Die Auferstehung geschah auf dem Friedhof. Auf dem Friedhof ist die Auferstehung passiert. Vorher hat Jesus bei einer Beerdigung hineingewirkt, bei den aussätzigen Asylen, da, wo die Kranken am Teich Bethesda lagen. Oder wenn wir in der Apostelgeschichte sehen, was Jesus getan hat, als seine Jünger im Gefängnis waren oder im Gerichtsverfahren. Also immer in den verzweifeltsten und ausweglosesten Lagen dieser Welt. Und dann offenbarte Jesus seine Herrlichkeit. Ja, auch einmal bei einer Hochzeit, natürlich.
Aber da, wo wir leben und sind. Und wenn wir das jetzt in unser Leben nur richtig hineinübersetzen können, wenn wir nur richtig begreifen wollten, was da geschieht, dann steht Jesus am Ufer, in dieser Stunde, in der wir erschöpft, mutlos und ohne Kraft sind.
Mein erster Punkt heute: Aber Sie erkennen Jesus nicht.
Man kann ja rätseln, warum Sie Jesus nicht erkannt haben. War es noch zu dämmerig? Vielleicht. Für uns ist es noch einmal anders. Wir können Jesus mit unseren irdischen Augen ja nicht sehen, wir können ihn nicht einmal hören, so wie ich jetzt zu Ihnen rede. Warum erkennen wir ihn denn nicht? Warum ist das so schwierig für uns? Warum macht das so große Probleme?
Ich will Ihnen ganz einfach sagen: weil die Erfahrungen der Welt, in der wir leben, so schrecklich sind. Das wissen jetzt all die unter Ihnen, die in großen Traurigkeiten leben. Und da ist ja praktisch die Nahtstelle, wo unsere Welt endet und wo die neue Welt des auferstandenen Jesus beginnt. Und wir können damit gar nicht rechnen, dass das wirklich bei uns geschehen soll. Da, wo wir wohnen, in unserem Haus oder in dem Krankenbett, in dem wir liegen, oder in meinem eigenen Leben, in meinen eigenen Sorgen: Kann das wirklich dort so geschehen?
Wenn Schuld und Trauer alles verdunkeln
Ich habe Ihnen immer wieder gern erzählt vom Sterben der baltischen Märtyrer. Das war eine Siegesgeschichte: wie sie damals von den Bolschewisten als Geiseln genommen wurden und wie die junge Marion von Kloth noch das Lied vor der Hinrichtung gesungen hat: „Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl.“ Es gibt ja selten so eine ergreifende Geschichte der Gegenwart.
Aber wenn man einmal die Biografie der Witwe Annie Hahn liest, dann fällt auf, wie ehrlich sie beschreibt, wie das war. Sie wusste ja, dass es zum Martyrium geht. So hat sie von ihrem Mann Abschied genommen. Aber kaum war die Todesnachricht da, sagte sie: „Ich bin abgestürzt in unermessliche Tiefen, kein Trost hat mich mehr erreicht. Ich war wie abgeschnitten, plötzlich war alles taub um mich.“ Sie sagte, am schlimmsten war der erste Gottesdienst: „Ich konnte kein Wort mitsingen, als die Gemeinde sang.“
Und das ist doch für sie wichtig, weil sie immer meint, da seien manche vielleicht im Glauben Superhelden, die könnten sich da besser hochschwingen. Nein, das ist so schwer mit der Erfahrung der Todesmacht. Dass das so wirkt und drückt und zerstört und auslöscht, alles, was in uns ist: Freude, Hoffnung und Zuversicht.
Annie Hahn erzählt dann: „Es war ganz wunderbar, mir fielen die alten Manuskripte meines Mannes in die Hand. Und da hat Gott in meinem Herzen das festgemacht.“ Es ist schön, wenn man das so begreifen kann. Da macht Gott bei mir in meinem Innersten etwas gewiss und groß, und ich weiß auf einmal: Jesus lebt, er ist auferstanden, und der Tod ist nur ein Todesbild, auch wenn er noch so wild sich gebärdet.
Sie sagt, so schlimm seien auch die Vorwürfe, die man sich macht. Sie kennen das ja auch, auch wenn sie in ihrem Leben mal schlimme Fehler gemacht haben oder sich versündigt haben. Und dann ist das so furchtbar, dass man unter seiner Schuld zusammenbricht und keinen Ausweg mehr weiß. Man kann den Trost des Glaubens in dem Augenblick gar nicht mehr vernehmen. Man ist wie eingemauert, wie unter einem dicken Stein begraben, den keiner mehr heben kann.
Ja, und wie komme ich da raus? Ich komme überhaupt nicht raus, sondern der auferstandene Jesus steht am Ufer und sucht seine Leute. Noch nie hat einer sich selber herausschwingen können aus diesen Tiefen der Traurigkeit und der Schwermut. Es ist wunderbar, dass Jesus sein Wort lebendig macht. Das müssen Sie lesen. Das hat ja die Annie Hahn erfahren. In dem Augenblick war da ein Satz ihres Mannes niedergeschrieben: dass man dennoch des Glaubens nur auf Golgatha einüben kann, da, wo Jesus am Kreuz für meine Schuld stirbt.
Und da müssen Sie, das können Sie nicht einfach aufspringen, aber das Wort lesen, auf Golgatha stehenbleiben, das wissen: Das ist für mich geschehen. Und das darf ich fassen und glauben.
Ich weiß nicht, wer von Ihnen heute unter so einer dunklen Gewitterfront lebt und sagt: Bei mir ist der Himmel wie zugemacht. Draußen ist ein Frühlingstag, da sehe ich die Sonne scheinen, aber innerlich ist bei mir alles dunkel, und ich warte jeden Moment, dass ein Unwetter über mich losfährt. Ich habe Angst vor dem morgigen Tag, mir ist bange.
Furchtbar ist es, wenn man das miterlebt, wie Menschen vom Arzt eröffnet bekommen, was vor ihnen liegt. Dann sagen sie: Wie kann ich noch weiterleben? Junge Leute, die oft sagen: Meine Zukunft ist zerstört, die Prüfung nicht geschafft. Und plötzlich sinkt man in diese furchtbaren Tiefen. Man kann es gar nicht fassen und will es gar nicht fassen und kann es gar nicht glauben, dass der auferstandene Jesus auch da, wo es gar keinen Weg mehr gibt, wo alles verschlossen scheint, dennoch einen Weg hat und weiß.
Darum steht er am Ufer und ruft uns. Und er ruft hoffnungslos verzweifelte Leute und macht ihnen Mut, wo sie nur noch Leere und Sinnlosigkeit und Verzweiflung sehen.
Ja, wie sieht das praktisch aus? Ich bitte Sie einfach: Nehmen Sie sich einen Augenblick Stille am Morgen eines Tages, ganz einfach Stille, und sagen Sie: Jetzt, Jesus, bist du da. Oder wenn Sie in Ihre Wohnung kommen, sagen Sie: Jesus, jetzt bist du da, in deinem Namen.
Ich schreibe mir manchmal einen Zettel mit einem Gotteswort und stelle ihn mir vor auf den Schreibtisch, damit ich mich selber daran erinnern kann: Er lebt. Luther hat oft mit Kreide auf seinen Schreibtisch geschrieben, damit er aus der Traurigkeit, aus dem Verzagtsein wieder herauskam. Und das benutzt oft der auferstandene Jesus, dass seine Kraft, die den Tod besiegt hat, auch jetzt unsere Finsternis und Dunkelheit besiegen kann.
Ich habe manchmal auch Angst, dass Sie Jesus viel zu erhaben und groß vorstellen. Er ist ja ganz erhaben, er ist zur Rechten Gottes, aber das ist ganz weit weg. Er hat alle Macht im Himmel und auf Erden. Und dann verstehen Sie gar nicht, dass er sich zu Ihnen herunterbeugt, dass er bei Ihnen einkehrt, bei Ihnen anklopft und sagt: Dich meine ich heute Morgen.
Und so war es doch hier: Als Jesus mit den Jüngern redet, redet er gar nicht über die großen himmlischen Dinge. Er redet nicht über Weltmission, über Erlösung. Über was redet er mit ihnen? „Kinder, habt ihr schon gefrühstückt?“ Ja, wie, was hat das zu tun?
Wissen Sie, dass Sie so mit Jesus eine Lebensgemeinschaft eingehen sollen? Vielleicht ist bei Ihnen das Tischgebet noch eine lächerliche, alberne Form. Aber begreifen Sie es doch: Wie Sie am Morgen, wenn Sie beim Frühstück hinsitzen, sagen können: Herr Jesus, aus Deiner Hand nehme ich. Ich darf Deine Güte auch in den ganz materiellen Dingen erleben, im Kaffee, den ich trinke, im Brot, das ich zwischen den Zähnen kaue. Ich sehe Deine Liebe, Deine Güte, die mir beginnt.
Und Jesus weiß doch, wie die äußeren Dinge so wichtig sind für unser Leben. Darum spricht er vom Kohldampf und sagt: Ihr müsst doch essen. Und das bewegt den Auferstandenen.
Haben Sie heute Kopfweh? Sind Sie bedrückt? Was für Schmerzen haben Sie? Wie ist Ihre Krankengeschichte? Was ist mit Ihren Geldnöten? Das interessiert den auferstandenen Jesus, glauben Sie gar nicht. Da will er sich verherrlichen bei Ihnen. Und genau da, wenn wir fix und fertig sind, wenn wir keine Kraft mehr haben, wenn wir mutlos von unserer Tagesarbeit nach Hause schleichen, steht der Auferstandene da und sagt: Was darf ich dir schenken?
Und alles aus seiner Hand. Da brennt ein Feuer, wo Sie Ihre nassen Jacken dran trocknen können. Jesus hat an alles gedacht und alles schon vorbereitet, aber Sie erkennen ihn nicht. Dabei steht Jesus am Ufer und wartet auf seine müden Leute.
Die Begegnung am Ufer und die Frage nach dem Mangel
Das Zweite: wie Jesus wunde Punkte berührt. Wie Jesus wunde Punkte berührt, als die da müde ans Ufer schlurfen. Viele von Ihnen kennen ja den herrlichen Platz in Tabgha, wo man sich am Segenäzerei an diese Geschichte erinnert. Aber das Schönste war ja, dass da Jesus da war. Sie sehen es ja zuerst nicht.
Da greift Jesus noch das Notvollste, Wundeste auf und sagt: Habt ihr nichts zu essen? Er wusste doch, dass sie nichts haben. Er wusste doch, dass sie nichts gefangen haben. Habt ihr nichts zu essen?
Da greift Jesus noch einmal das auf. Jetzt muss ich Ihnen noch einmal sagen: Der Petrus, das war so ein patenter Mann, so ein Mann durch Leidenschaft und Hingabe. Für den Petrus war es eine Ehrensache, dem Herrn Jesus ein Frühstück am Segenäzerei zu servieren. Der hätte noch Servietten besorgt, wenn es möglich gewesen wäre. Der Petrus war immer da und ist gerannt. Keine Mühe war zu groß, kein Weg zu weit, wenn es etwas zu leisten gab für seinen Herrn.
Und Jesus muss ihn an den Punkt führen, wo er sagt: Nein, Herr, ich habe nichts, und ich kann nichts, und ich bin nichts. Nicht weil uns Jesus fertig machen will, sondern weil das der Knackpunkt des christlichen Glaubens ist. Haben Sie das begriffen? Nicht wo ich unendliche Werke vollbringe für meinen Herrn, sondern wo ich ihm meine Ohnmacht und Schwäche sage.
Warum brauchen wir da so lange? Warum hat ein Petrus so lange gebraucht, zu sagen: Herr, ohne dich kann ich gar nichts? Und du weißt doch, wie es bei uns vorne und hinten klemmt, aber du bist ja da. Das hat Jesus, der Auferstandene, gerne bei seinen Leuten. Und sie können gar nicht genug von ihm erwarten in ihren Schwierigkeiten, in der Familie, in den Spannungen. Und sie sagen: Bei mir ist alles unlösbar kompliziert geworden.
Er sagt: Lass mich doch ran, lass mich doch ran. Und er hat ja ihnen den Tisch bereitet und gedeckt, und er hat sie bedient. Und das macht er am allerletzten. Der Reichtum der Christen ist, dass sie vom Auferstandenen bedient werden.
Haben Sie etwas erlebt mit Jesus in den letzten Tagen? Was haben Sie erlebt? Da müssen wir erzählen können, was wir erlebt haben an großen und kleinen Erfahrungen. Er ist doch unter uns.
Ich möchte Ihnen Mut machen: die ganze Woche, von morgens bis abends, Sie dürfen Erfahrungen machen mit dem Auferstandenen.
Zeugnisse von Bewahrung und Führung
Ich habe vorhin noch meine Frau gefragt: Was soll ich erzählen? Ich könnte so viel aus der Gemeindegeschichte erzählen, was wir erlebt haben. Aber danach dachte ich: Vielleicht ist ein anderes Erlebnis besser.
Wir waren unterwegs in Kenia, und an diesem Tag ging alles schief. Wir kamen von Mombasa, und der Zug hatte eine Panne. Wir standen dort, ich weiß nicht wie lange, bis zum Nachmittag. Angi sollte ja schon morgens um sieben in Nairobi sein. Denn dann wurde es dringend. Wir wollten mit einem Auto nach Tansania, und das war nicht leicht, nach Moshi, um dort einen unserer Mitarbeiter zu besuchen. Das war alles ziemlich kompliziert.
Aber dann kamen wir erst nachmittags um drei Uhr an. Und ich schaute natürlich immer wieder auf die Uhr und dachte: Wie soll das gehen? Um sechs Uhr geht am Äquator die Sonne unter, und dann wird es in Kenia gefährlich. Sie wissen ja: Dann sind die Räuber unterwegs. Schaffen wir das überhaupt noch bis zur Grenze? Und dann müssen wir den Wagen wechseln. Dann müssen wir sehen, ob wir überhaupt noch einen bekommen.
Schließlich haben wir einen gefunden, der uns sagte, er fahre uns bis zur Grenze. Und wir fuhren fröhlich los, und es war alles herrlich. Es war vielleicht zwanzig nach fünf. Man spürte schon: Jetzt bricht der Abend an, jetzt wird es gleich dunkel.
Dann ein Geräusch. Plattfuß. Ausgestiegen, Reifen gewechselt, weitergefahren. Nach fünf Kilometern der zweite Plattfuß. Ja, und jetzt? Der hatte ja nicht einmal zwei Ersatzreifen dabei. Und dann steigen wir aus und halten Autos an, aber keiner hält. Die haben Angst, das sei eine Falle, das seien bloß Diebe oder was auch immer dort steht.
Und jetzt wurde es uns doch angst und bange. Schließlich hat unser Fahrer ein Leichtmotorrad gesehen, das hielt an. So ein Leichtmotorrad. Er nahm den Fahrer hinten auf den Gepäckträger, lud sein Reifenrad mit auf und fuhr davon. Er wusste noch nicht einmal, wo er eine Werkstatt finden sollte. Aber er ließ sich am Abend noch reparieren.
Und wir fragten ihn: Was soll aus uns werden? Er sagte: Ja, notfalls müsste er halt die Nacht hier im Straßengraben zubringen. Wissen Sie, warum das so blöd ist? Weil ja jeder, der da vorbeikommt, wissen kann: Ein Europäer hat normalerweise etwas dabei. Und wehtut es ihm auch nicht mehr, wenn man ihn beklaut. Also, das ist schon ein heikler Punkt.
Wir standen ganz verlassen in der Landschaft. Keiner der Autofahrer hielt an. Sonst hätten wir gesagt: Am liebsten gehen wir noch mit. Und wir standen da. Zum Glück war meine Frau dabei. Sie tröstet mich dann in solchen Augenblicken.
Und da plötzlich sieht man durch das Gras der Steppe Masai ankommen. Sie gehen auf uns zu. Und ich frage sie, ob hier in der Nähe ein Ort sei und wo sie seien. Dann sagt er: Ich bin Pastor der Afrika-Inlandkirche. Das ist unsere Partnerkirche, mit der wir dauernd zusammenarbeiten bei Hilfsbrüdern.
Er sagte: Ja, hier in dieser verlassenen Landschaft ist 50 Meter weiter eine Kirche. Da könnt ihr schlafen, wenn der nicht mehr zurückkommt. Wir werden auf euch aufpassen.
Die Brüderschaft haben wir nicht nur erlebt, sondern die Gegenwart des auferstandenen Jesus. Mir ist zum ersten Mal deutlich geworden: Es gibt für uns Christen gar keine verlassenen Orte der Welt. Nicht bloß, weil wir dort vielleicht Leute treffen, sondern weil unser Herr auf tausend Weisen zu retten weiß aus der Not.
Wissen Sie, dass man das so praktisch erleben kann? Und dann kann man nur danken: Herr, wir haben das nicht geahnt, wie du das ordnest und wie du das in deiner Regie lenkst und wie du das weiterführst, dass man dann doch noch ankommt. Das ging noch abenteuerlich weiter.
Aber du hast das alles in deiner Hand, und ich darf in Zuchfühlung mit dir leben. Und ich vergesse das oft. Ich lebe ohne ihn. Und darum ist es so wichtig, dass wir unsere Pannen vor Jesus nicht verbergen, sondern ganz offen sagen: Wir haben nichts zu essen, oder ich schaffe das nicht, oder das ist zu groß, oder ich komme aus diesem Problem nicht mehr raus, ich bin am Ende mit meiner Kraft.
Das Wunder des Gehorsams und die Fülle des Lebens
Denken Sie einmal daran, wie Jesus, der Auferstandene, es gefügt hat, dass plötzlich die Fische ins Netz marschieren. Sie haben die ganze Nacht gefischt und waren Fachleute, die etwas davon verstanden, diplomierte Fischer vom See Genezareth, und haben nichts erreicht. Und plötzlich sagt Jesus nur: Werft es zur anderen Seite hinaus.
Das ist kein Trick, sondern Jesus gebietet auch über die Kräfte der Natur. Und da ist es ihm ein Leichtes, über die Fische zu gewinnen. Meinen Sie, der Auferstandene könnte nicht auch in Ihrer kranken Geschichte alles anders lenken? Dort, wo Sie nicht mehr weitersehen, in der Klassenarbeit, in der Schule, in den Spannungen, in der Familie, dort, wo alles so kompliziert geworden ist.
Dann sagen Sie natürlich: Aber warum hat dann Jesus den Tod so wüten lassen in unserem Haus? Warum ist meine Frau gestorben? Weil wir immer mehr abhängig werden von Jesus, gerade auch da, wo wir durchs Todestal gehen. Und wir werden eines Tages, und das ist sicher, jeder von uns wird einmal diesen Weg gehen, auf dem uns alles entschwindet, was diese Welt noch bedeutet hat. Dann dürfen wir nur auf Jesus blicken, und er ist da.
Sehen Sie an dieser Nahtstelle, wie wir das erleben: diese Welt mit dem, was uns bedroht, und auf der anderen Seite Jesus, der Herr, der uns rät, den Blick auf Jesus, den Auferstandenen, zu richten und sein Wort zu hören und uns darin immer wieder gewiss zu machen. In den Frustrationen und Enttäuschungen: Du, Herr, bist da.
Jeder Tag ihres Lebens, den ihnen Gott noch schenkt, ist ein Tag, aus dem der Auferstandene etwas Großartiges machen will. Da machen sie Erfahrung über Erfahrung, ganz praktisch mitten im Leben, und können nur staunen: So nah ist er gewesen, ja, sogar mitten in mir hat er gewohnt, in meinem Leben, in meinem Herzen, in meinem Innersten.
Sprich Ja zu meinen Taten. Hilf selbst bei der besten Beratung in der Tagesarbeit, Herr. Jetzt hilf mir doch, dass ich das tun kann, was du heute willst. Dass ich mich nicht verzettle in Dingen, die vor dir nicht recht sind. Und dass ich einen Überdruss bekomme an allen sündigen Verführungen, die mich ablenken wollen, weg von dir.
Das ist noch das Letzte: Jesus will uns fest und gewiss machen. Er rührt die wunden Punkte an. Das war das Zweite: die wunden Punkte. Ich kann nicht. Aber das müssen wir aussprechen, dass das vor dem Auferstandenen keine Schande ist. Vor vielen Jahren habe ich mir einen Satz von Zinzendorf herausgeholt, und der ist mir so lieb geworden: Das Armsein ist beim Heiland keine Schande, in der Welt ist es eine Schande, beim Heiland keine. Da ist der Stolz die Freude, denn er deckt meinen Jammer zu und meine Armut.
Aber jetzt möchte er uns fest und gewiss machen. Ja, da essen Sie miteinander. Warum sie miteinander essen, die ganze Geschichte ist so alltäglich, so irdisch. Aber Jesus ist es wichtig, seine Jünger zu stärken, ihnen Freude zu bereiten. Sie dürfen an diesem herrlichen Frühlingssonntag hinausgehen und sagen: Das schenkt mir alles mein Herr. Solange ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich Lob singen meinem Herrn, und ich will ihn preisen mit meinem Lied. Ich will mich freuen, dass mich nichts aus seiner Hand reißen kann, dass ich bei ihm geborgen bin.
Dann haben sie ihr gefülltes Netz, aber davon ist gar nicht mehr die Rede. Es geht gar nicht um Erfolg oder Misserfolg, sondern das ist so groß: Er, der Herr, ist da. Und jetzt geht es um ein gefülltes Leben. Natürlich wird die Geschichte auch zum Symbol für die künftige Tätigkeit ihres Dienstes. So muss ein Petrus das Netz für seinen Herrn auswerfen.
Lassen Sie die anderen reden über Kirchensteuereinnahmen und zurückgehende Besucherzahlen. Wir reden vom auferstandenen Jesus und lassen uns den Mund nicht verbieten. Und wir wissen, dass es eine Siegesbotschaft ist, wenn der Herr die Netze reich füllt, reich füllt.
Da dürfen Sie erfahren, wie er Ihnen die Worte in den Mund legt, wie er sie stark macht, wie er sie gebraucht, wie er Ihren Dienst segnet, wie er mit Ihnen geht, wie er Sie behütet. Und selbst wenn Sie an Gräbern stehen, wie er Ihnen die Tränen aus den Augen wischt und wie er zu Ihnen Worte spricht, die Sie fröhlich und gewiss machen. Das war Jesus wichtig: gewiss machen.
Er ist auferstanden, er ist da, auch wenn Sie ihn nicht sehen. Er steht am Ufer. Und nun erkennen Sie: Nehmt doch, esst euch satt an dem, was Jesus euch bietet. Er will sie ganz reich sättigen.
Ausblick auf die letzte Begegnung
Noch ein Letztes, was mir da wichtig ist: Dieses Bild vom Stehen Jesu am Ufer, darauf freue ich mich. So wird es einmal sein, wenn wir durchs Todestal hindurchmarschieren und die letzten Atemzüge tun. Und dann steht Jesus am Ufer.
Was wird das für eine Freude sein, wenn wir ihn richtig sehen können, wenn wir niedergefallen sind. Es ist der Herr. Alles andere wird weggetan sein. Amen!

