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Lukas 9,1-26: "Nachfolge: Lass Dich von Jesus gebrauchen und verändern"

Lukas 9,1-9,2601.11.2009
Serie•Teil 19 / 53Lukas-Evangelium
Jesus ist größer, als du denkst — und genau daran scheitert oft der Alltag. Zwischen Komfortzone und Kreuz entscheidet sich, ob er wirklich dein Herr bleibt.

Der Wendepunkt im Evangelium und die Frage nach der Größe Jesu

Wir sind im Lukasevangelium und möchten mit euch zusammen Lukas 9 aufschlagen. Wir haben die letzten Male Kapitel sieben und acht betrachtet, jetzt Kapitel neun. Und in Lukas 9,51 findet sich ein Wendepunkt im ganzen Evangelium. Wenn man das Evangelium durchliest, dann kommt bei Vers 51 ein Wendepunkt. Bis dahin geht es um das Kommen des Herrn Jesus in die Welt, und in Vers 51 geht es um das Hinausgehen aus der Welt. Da heißt es in Lukas 9,51: Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme erfüllten, da richtete er sein Angesicht fest darauf, nach Jerusalem zu gehen. Das ist ein Wendepunkt. Aus dem Kommen wird es gehen. Und wir befinden uns also in der letzten Szene vor dem Gehen in Lukas 9, die Verse 1 bis 50.
Ich möchte mit euch zuerst einmal überlegen, was das Thema dieses Abschnitts in Lukas 9,1-50 ist. Wir schauen uns einfach, wie wir das oft schon gemacht haben; ihr kennt das schon, das ist so eine typische Sache. Man hat so einen Abschnitt und dann schaut man sich den Anfang an. Und der Anfang gibt einem oft schon den Hinweis, worum es eigentlich geht. Das wollen wir einfach gemeinsam machen. Lukas 9, die ersten paar Verse. Das sind so Verse, die man beim regelmäßigen Bibellesen liest, also die Art von Versen, wo du drüber liest und sagst: Okay, kenne ich schon. Wir werden heute fast nur solche Verse haben, wo man sagt: kenne ich schon, oder Kindergeschichte, oder habe ich schon mal gehört. Wir werden heute ganz einfache Verse betrachten.

Die Aussendung der Zwölf und ihr Auftrag als königliche Boten

 Lukas 9,1-6
Als er aber die Zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten. Und er sandte sie aus, das Reich Gottes zu predigen und die Kranken gesund zu machen. Und er sprach zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg, weder Stab noch Tasche, weder Brot noch Geld, und soll auch niemand zwei Unterkleider haben. Und in welches Haus ihr eintretet, dort bleibt, und von da geht weiter. Und wo man euch nicht aufnehmen wird, da geht fort aus jener Stadt und schüttelt auch den Staub von euren Füßen zum Zeugnis gegen sie.
Sie gingen aber aus und durchzogen die Dörfer nacheinander, indem sie das Evangelium verkündigten und überall heilten.
So, fällt euch etwas auf? Einfach nur beim Lesen, wenn man das so durchliest. Was dabei ein Stück weit ins Auge fällt, ist die Verteilung des Textes. Da gibt es einen Text zum Thema Bevollmächtigung, Vers 1: Als er aber die Zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten. Und man denkt: Super, jetzt kann es ja losgehen. Und jetzt hätte ich gerne eine lange Geschichte darüber, was alles passiert. Aber nein, vier Verse lang geht es um das, was ich einmal Einsatzbesprechung nennen möchte: Wie soll das Ganze bitteschön passieren?
Da geht es dann um Dinge wie: nichts mitzunehmen, wo sie bleiben sollen, wie sie da wieder rausgehen sollen und so weiter. Und dann am Ende ein einziger Vers, nämlich Vers 6, die eigentliche Evangelisation, und die ist ziemlich hintendran gebappt: Sie gingen aber aus und durchzogen die Dörfer nacheinander, indem sie das Evangelium verkündigten und überall heilten.
Wer schon ein bisschen mehr Erfahrung beim Bibellesen hat, der weiß, dass damit die komischen Dinge gar nicht aufhören. Denn einige Kapitel später, wenn wir bei dieser Reihe bleiben, spekuliere ich mal, Ende 2012, werden wir den Text betrachten. So ungefähr, ja? Also in Kapitel 22 werden diese Aufforderungen hier, „Bitte nehmt nichts mit“, wieder aufgehoben. Die gelten anscheinend nur für diesen speziellen Fall hier. Später wird Jesus sagen: Erinnert ihr euch daran, ihr solltet nichts mitnehmen? Jetzt aber sage ich euch: Nehmt alles mit!
Das heißt, der Schwerpunkt dieses kleinen Textes liegt worauf? Er liegt nicht darauf, dass Jesus sie aussendet, sondern er liegt auf der Art und Weise, wie sie ihr Amt als Apostel, als Gesandte, ausführen sollen. Was Jesus ihnen und uns deutlich machen möchte, ist: Er schickt sie aus in einer besonderen Weise. Er schickt sie aus als Boten des Königs. Sie sind Gesandte des Königs. Und deswegen haben sie das Recht, überall, wo sie hinkommen, als solche aufzutreten.
Und in der damaligen Zeit, wenn dann der Herold klopfte und sagte: Hallo, ich bräuchte mal was zu essen, dann musste man ihm das geben. Und: Ich brauche ein Bett, dann ein Bett. Und: Ich brauche ein Pferd, dann ein Pferd. Und: Ich brauche mal eine Wegweisung, dann eine Wegweisung. In dieser Haltung, wie ein Bote, wie ein Gesandter des Königs, sollen die Apostel hinausziehen und das Reich Gottes predigen.
Und das geht so weit, dass wenn jemand sagt: Du willst ein Bote des Königs sein, du kleiner, abgeranzter galiläischer Fischer willst den König vertreten?, dass die nicht einfach sagen: Na gut, dann klopfe ich halt bei der nächsten Tür. Sondern dass die sich hinstellen, dann ihre Sandalen ausziehen und tatsächlich sagen: Ich will nicht mal den Staub von euren Straßen an meinen Füßen haben. Wer mich verwirft, wer den Apostel des Königs verwirft, der verwirft Gott. Und Orientalen sind da immer ein bisschen deutlicher: Behaltet euren Staub. Das war deutlich.
Es geht um die Art und Weise, wie die Apostel ihren Dienst tun sollen. Und das hinterlässt jetzt einen ganz bleibenden Eindruck. Einen bleibenden Eindruck, den wir aus der Perspektive von Herodes mal anschauen wollen.

Herodes, die Gerüchte und die Frage nach Jesu Identität

Die Verse 7 bis 9. In Lukas 9,7-9 heißt es: Es hörte aber Herodes, der Vierfürst, alles, was geschehen war, und er war in Verlegenheit. Klar, warum? Weil von einigen gesagt wurde, dass Johannes aus den Toten auferweckt worden sei, von einigen aber, dass Elija erschienen sei, von anderen aber, dass einer der alten Propheten auferstanden sei. Und Herodes sprach: Hm, Johannes habe ich enthauptet. Das ist so die Variante, die ihm gar nicht passt. Das wäre sehr unglücklich, wenn Johannes wieder da wäre, weil er wusste: Den hatte er selber den Kopf kürzer gemacht. Also: Johannes habe ich enthauptet, hm, der ist es wahrscheinlich nicht. Aber wer ist dieser, von dem ich solches höre? Und er suchte ihn zu sehen.
Und wir sind plötzlich bei unserem Thema angelangt. Jesus sendet in Vollmacht die Apostel aus, wie die Gesandten eines Königs, die überall hinkommen können und sagen können: Hallo, hier bin ich, unterstütze mich! Und Herodes, der König, fragt sich: Wer ist es denn jetzt, dieser Jesus?
Oder ich möchte die Frage anders stellen, ein bisschen genauer: Wie groß, wie besonders und wie herausragend ist der Jesus, der hinter den Aposteln steht und sie mit so viel Kraft und Vollmacht ausstatten kann? Das ist unser Thema in Lukas 9,1-50: Wie groß, wie besonders und wie herausragend ist Jesus?
Und wer jetzt von euch die Predigtreihe durch Lukas von Anfang an verfolgt hat, der müsste jetzt einen Moment stutzen, weil er eigentlich denken müsste: Stopp, das Thema hatten wir schon mal. In den Kapiteln 3 und 4 ging es doch auch schon um die Frage: Wer ist Jesus? Und Lukas hat uns gezeigt: Jesus ist ganz Gott, Jesus ist ganz Mensch, Jesus ist der ganz Andere. Er ist der, der verlorene Geschöpfe durch die Kraft seines Wortes retten kann. Wir wissen das schon. Warum bitteschön dieses Thema, diese ganze Frage, wer Jesus ist, noch einmal aufwärmen?
Und es geht weiter. Wenn wir ein bisschen Lukas 9 lesen, dann finden wir mitten in der Verklärung, die wir nächstes Mal anschauen werden, also nicht nächsten Sonntag, sondern nächstes Mal, wenn ich hier bin, da finden wir Gott, den Vater, wie er zu Petrus spricht. Und in Vers 35 sagt eine Stimme aus der Wolke: Dies ist mein geliebter Sohn. Das Argument kennen wir schon. Dasselbe passierte nämlich in Lukas 3,22 bei der Taufe. Dort kommt die gleiche Stimme, gleiches Argument: Du bist mein geliebter Sohn. Um was zu zeigen? Dass Jesus als Sohn Gottes ein Anrecht auf unglaubliche Nähe zum Vater und Göttlichkeit hat.
Also noch einmal: Warum diese Frage nach der Identität, wer Jesus ist, und nach seiner Bedeutung noch einmal aufwärmen, mit fast den gleichen Argumenten?

Die ernüchternde Diagnose über geistliche Gewöhnung

Und die Antwort wird uns nicht passen. Ich möchte euch gleich sagen, dass euch die Antwort nicht passen wird. Ich möchte sie trotzdem an den Anfang der Predigt oder dieser drei Predigten stellen, die ich über den Text halten möchte.
Die Antwort lautet: Lukas ist ein Realist. Nur weil wir den Herrn Jesus lieben, weil wir errettet sind und einen Anfang gemacht haben, heißt das nicht, dass wir ihn für den Rest unseres Lebens verehren werden oder dass wir für den Rest unseres Lebens diese Beziehung zu ihm über alle Belange unseres Lebens stellen werden.
Ich möchte euch heute Morgen eine traurige Wahrheit predigen. Und diese traurige Wahrheit lautet: In jedem geistlichen Leben besteht die Tendenz, die Größe unseres Herrn und damit seinen Anspruch auf unser Leben auszublenden. Ich will das noch einmal wiederholen: In jedem geistlichen Leben besteht die Tendenz, die Größe unseres Herrn und damit seinen Anspruch auf unser Leben auszublenden.
Und es kann passieren, dass wir irgendwann immer noch sagen: „Herr Jesus“, aber dass wir, wenn wir „Herr Jesus“ sagen, es eher sagen wie „Herr Meier“, „Herr Schulz“, „Herr Schmidt“ und nicht mehr so, wie Thomas das im Johannesevangelium am Ende tut, wenn er sagt: „Mein Herr und mein Gott!“
Ich glaube, dass viele von uns mit Euphorie in ihr Glaubensleben gestartet sind. Und wenn man sich so einen jungen, begeisterten Christen anschaut, dann erinnert mich vieles an diese Szene aus Jesaja 6,8, wo der Prophet sagt: „Hier bin ich, sende mich!“
Und ich glaube, jeder hat so eine Phase in seinem geistlichen Leben, wo er sagt: Ich möchte Missionar werden und mindestens zu den Kannibalen. Aber wenn es noch ein bisschen gröber geht, auch okay. Schick mich, wohin du mich hinschicken willst.
Und dann leben wir zehn Jahre mit dem Herrn, zwanzig Jahre mit dem Herrn, vielleicht länger. Wir leben als Christen, und dann wachen wir eines Morgens mit dem Gedanken auf: Herr, vielen Dank für mein warmes, weiches, kuscheliges Bett in einem Land, in dem Frieden herrscht und wo mir meine Krankenversicherung, mein voller Kühlschrank und mein Sparbuch täglich Sicherheit schenkt.
Und vielleicht rebellierst du und sagst: Nein, das wird mir nie passieren. Ich habe schon gesagt, der Text ist unangenehm.
Ich behaupte, die natürliche Tendenz eines über die Jahre hinweg gelebten geistlichen Lebens ist die Verflachung. Wir gewöhnen uns einfach daran, errettet zu sein. Wir gewöhnen uns an ein Leben mit Jesus. Und es kann passieren, dass wir in einen Lebensstil hineinrutschen, der meilenweit von unseren Träumen, von unseren Hoffnungen und Erwartungen als junge Christen entfernt ist.
Es kann sein, dass aus diesen „Herr, sende mich“-Typen Mütter und Väter werden, deren Leben von Sorgen, dem Häuschen und ein bisschen Zeit fürs Hobby geprägt wird. Und natürlich, ja klar, Jesus ist immer noch Herr, und wir beten ihn auch weiterhin an, vielleicht nicht mehr ganz so begeistert wie früher. Wir gehen auch noch in den Gottesdienst, vielleicht dann ab und zu ein bisschen so aus dem Gefühl der Verpflichtung heraus. Wir haben auch unseren Platz in der Gemeinde gefunden, keine Frage. Aber irgendwie ist doch etwas auf der Strecke geblieben.
Hätte man dich vor zwanzig Jahren gefragt, wer Jesus ist, dann hättest du vielleicht leicht verklärt dreingeschaut, über beide Ohren gestrahlt. „Halt“, hättest du gesagt, „Jesus ist mein Herr und mein Gott, ey, du musst ihn nur kennenlernen! Und ich möchte ihm folgen, wohin er mich führt. Ich möchte eine Flamme sein, die sich für ihn verzehrt. Ich möchte alles investieren, was ich bin und habe.“
Und es kann der Moment kommen, wo diese Begeisterung vielleicht nur noch dann in deinem Leben auflodert, wenn du bestimmte Anbetungslieder singst. Aber tief drin weißt du, dass das, was du singst, eigentlich nicht wahr ist.

Die erste Antwort: Gottes Kraft in den eigenen Grenzen entdecken

Lukas hat uns in Kapitel sieben und acht vorgestellt, was es heißt, errettet zu sein, was es heißt, frei zu sein. In Kapitel neun wird er uns zeigen, was es heißt, diese Freiheit auf hohem Niveau bis zum Rest unseres Lebens auch auszuleben. Er wird uns ein siebenfaches Rezept ausstellen, das dafür sorgen soll, dass Jesus in unserem Leben bis zum Tag unseres Todes der Eine und Unvergleichliche und der Besondere bleibt, der unsere Herzen und Gedanken mit aller Macht in Beschlag nehmen darf.
Darüber möchte ich mit euch reden. Und wir wollen uns heute die ersten beiden Tipps anschauen, die Lukas uns mitgibt, damit in unserem Leben diese natürliche Tendenz, dass Jesus immer kleiner wird und wir immer größer werden und andere Dinge Jesus verdrängen, nicht passiert.
Der Predigtitel ist auch: Sieben Tipps, damit ich nicht vergesse, wer Jesus ist. Teil eins.
Wir schauen uns einfach die erste Begebenheit an. Ach, eine von diesen schönen Kinderstundenbegebenheiten. Ich lege die gerade mal vor, ja: die Speisung der Fünftausend. Eigentlich, glaube ich, hat die jeder schon mal irgendwie gehört. Das ist in jeder Kinderbibel drin. Also, ja, wäre ganz toll.
 Lukas 9,10-17.
Und als die Apostel zurückkehrten, nämlich von ihrem Auftrag da, erzählten sie ihm alles, was sie getan hatten. Und er nahm sie mit und zog sich abseits zurück nach einer Stadt mit Namen Betsaida. Als aber die Volksmengen es erfuhren, folgten sie ihm. Und er nahm sie auf und redete zu ihnen vom Reich Gottes, und die Heilung brauchten, machte er gesund.
Der Tag aber begann sich zu neigen, und die Zwölf traten herbei und sprachen zu ihm: Entlass die Volksmenge, dass sie in die Dörfer ringsum und auf die Höfe gehen und Herberge und Speise finden, denn hier sind wir an einem öden Ort. Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen.
Jetzt sind die Jünger ein bisschen überrascht. Sie aber sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingingen und für dieses ganze Volk Speise kauften. Denn es waren etwa fünftausend Mann.
Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasst sie sich reihenweise zu je fünfzig lagern. Und sie taten so und ließen alle sich lagern. Er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie der Volksmenge vorlegten. Und sie aßen und wurden alle gesättigt, und es wurde aufgehoben, was ihnen an Brocken übrig geblieben war: zwölf Handkörbe voll.
Das ist klar ein Wunder. Und es ist, wenn man sich die Wunder Jesu anschaut, eines von denen, wo ich glaube, die mir einfach am besten gefallen. Einmal, weil ich ein Mann bin fürs Grobe, ja, ich mag einfach Masse. Okay, also es ist für mich ein Riesenunterschied, ob ich eine Packung Dominosteine habe oder nur einen, jetzt zu Weihnachten, ja, ich mag einfach die Packung, ich mag das, das Große. Was man anfassen kann, nicht das kleine Futzelige. Da wird irgendwo ein Blinder wieder sehend, 5000 Leute, und dahinter, das sind ja nur die Männer, also ungefähr 20.000 Personen, wenn man Frauen und Kinder dazuzählt. So ein halbes Olympiastadion voll sitzt da. Und die haben Hunger, ja, und die werden satt, das ist was.
Und das Zweite, was mir hier gefällt an diesem Wunder, nicht nur die Größe, sondern die damit verbundene Symbolkraft. Im Alten Testament wird die Idee, dass jemand vor Gott sich hinsetzt, sie durften sicher hinsetzen, und dass man vor Gott zur Ruhe kommt und isst, das ist ein Bild aus dem Alten Testament. Das tun zum Beispiel die Ältesten Israels am Berg Sinai. Da wird der Bund geschlossen, dann gehen sie hoch auf den Berg und essen und trinken vor Gott. Und in Jesaja 25, lest euch das mal vor, Jesaja 25,6, da ist das ein Bild für das zukünftige Reich Gottes, dieses Bild vom Essen und Trinken.
Da heißt es in Jesaja 25,6: „Und der Herr der Heerscharen wird auf diesem Berg allen Völkern ein Mahl von fetten Speisen bereiten, ein Mahl von alten Weinen, von markigen, fetten Speisen, geläuterten alten Weinen.“
Es ist dieses „Wir werden vor Gott essen und trinken“, also ohne Geschmacksverstärker, mit richtig viel Fett. Und es wird eine Zeit geben, wo man ... nein, das sage ich jetzt nicht. Also: Dieses Bild Essen und Trinken vor Gott, auch wenn ihr die Offenbarung lest, was ist das Erste, was wir machen? Wir feiern eine Hochzeit mit Essen und Trinken. Essen und Trinken ist ein Bild für das, was uns zufrieden macht.
Es gibt, glaube ich, kaum etwas Schöneres, als im Kreis von Freunden, die man wirklich gern mag, sich hinzusetzen, ja, und dann kommt der Braten auf den Tisch, ja, und ein kaltes Bier im Sommer oder ein schöner Schluck Rotwein, also einfach zusammen sein. Und dieses Bild für Gemeinschaft, das wird hier wieder aufgegriffen. Und das ist die Symbolkraft dahinter: Ich bringe Menschen vor Gott zur Ruhe, zum Zufriedensein, ich mache sie satt.
So, und jetzt mittendrin beauftragt Jesus seine Jünger. In Vers 13 sagt er: Gebt ihr ihnen zu essen. Und die Jünger geben, weil sie einfach so eine Art und so eine Größenordnung von Wundern noch nie erlebt hatten, die für ihre Augen und Ohren vernünftige Antwort. Sie sagen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische. Wir könnten schon hingehen und könnten noch ein bisschen was kaufen, aber fünf Brote und zwei Fische.
Weißt du, was das ist? Also fünf Brote und zwei Fische, das ist so: na ja, Abendbrot für einen, vielleicht zwei, wenn man es teilt. Und du hast da so ein halbes Stadion sitzen. Da kommt einer und sagt: Das hätte ich. Aber machen wir uns nichts vor, das esse ich und meinen Kumpel, dann sind wir satt. Und der Rest kriegt nichts.
Das ist der Hintergrund, vor dem Jesus für einen kurzen Moment das Wunder tut, was die Kräfte der zukünftigen Welt in dieser Welt aufblitzen lässt. Und ich finde das spannend.
Und jetzt kommen wir langsam zu dem Punkt, weil es uns ja eigentlich um die Frage geht: Was sorgt dafür, dass Jesus in meinem Leben die Nummer eins bleibt? Aber er tut das nicht, ohne die Jünger einzubinden.
Ich lese noch mal ab Vers 14: Da sagt er mittendrin: „Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasst sie sich reihenweise zu je fünfzig lagern.“ Er bindet die Jünger, die er hat, ein. Lasst sie lagern. Und sie taten so und ließen alle sich lagern. „Er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, segnete sie“, also Brot und Fische, „und brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie der Volksmenge vorlegten. Und sie aßen und wurden alle gesättigt.“
Was wir hier erleben, ist Gott, der seine Jünger benutzt, um einer riesigen Menge von Menschen etwas zu spendieren, nämlich Witzen und Essen und Genießen und Staunen vor Gott.
Und jetzt möchte ich die Frage beantworten: Was braucht es, damit Jesus in meinem Leben die Nummer eins bleibt? Und ich sage: Was es braucht, sind Erfahrungen wie die, die von den Jüngern hier gemacht werden.
Was meine ich? Wenn wir ganz ehrlich sind, dann sind wir eigentlich jeden Tag in so einer Situation hier. Um uns herum riesig viele Leute, die alle irgendwie hungrig sind. Sie sind nicht satt. Sie haben eine ungestillte Sehnsucht nach Gott, sie haben ungestillte Nöte, sie haben unbeantwortete Fragen, sie sind hilflos. Wir befinden uns eigentlich mitten an einem öden Ort.
Und dann stehen wir morgens auf und denken uns: Mann, wenn ich mir die Not anschaue der Welt, in der ich lebe, und ich schaue mir meine Möglichkeiten an: fünf Brote und zwei Fische. Und dann sagt Jesus so etwas Nettes wie: Geht hin in die ganze Welt und macht alle Völker zu meinen Jüngern und lehrt sie alles zu halten und zu tun und so weiter und taufen auch noch irgendwie. Und du stehst dann hier vor Oberkrämer, ich stehe vor Spandau und denke mir: Vielen herzlichen Dank für den Auftrag.
Nee, wirklich, das ist so für mich ein bisschen dieses: Herr Jesus, ich habe schon verstanden, was du möchtest, aber mal ganz ehrlich, wie soll das gehen? Zwei Fische, fünf Brote, das habe ich. Ich bin ein Mensch, ein Leben, ich habe ein bisschen Zeit, ich habe vielleicht mal hier einen Abend und da mal noch ein bisschen eine Stunde Zeit. Ich kann ein bisschen reden, aber an der Stelle bin ich ziemlich schwach. Meinst du wirklich mich? Meinst du wirklich, dass ich in dieser Situation, an der Stelle, wo ich jetzt lebe, die Menschen um mich herum mit dem Evangelium erreichen soll, da wirklich zum Segen werden soll, wirklich dahin führen soll, dass Menschen vor Gott zur Ruhe kommen? Meinst du das wirklich? Ich schaffe das nicht, ich kann das nicht.
Und weißt du, was der Clou ist? Du musst es nicht können. Wir dürfen ehrlich auf die zwei Fische und fünf Brote in unseren Händen schauen, und wir dürfen ehrlich den Kopf über die Menschenmenge wandern lassen und sagen können: Das ist unser Job. Und wir dürfen ehrlich sagen: Ich weiß nicht wie.
Die Gefahr ist, dass wir auf unsere zwei Fische und fünf Brote, auf die begrenzten Möglichkeiten unseres Lebens schauen und unser Leben auf diese Möglichkeiten reduzieren. Irgendwann sagen wir: Okay, ich gebe die Hälfte von meinen zwei Fischen und fünf Broten ab, dann wird wenigstens einer noch ein bisschen satt. Aber das ist nicht das, was Jesus sagt.
Was Jesus eigentlich möchte, ist, und das ist mein erster Tipp, der heißt: Lass dich immer wieder auf eine wunderbare Weise gebrauchen.
Der erste Tipp, den Gott uns mitgibt, ist nicht: Schau auf deine begrenzten Möglichkeiten, sondern schlag mit mir bitte Epheser 1,18-19 auf.
 Epheser 1,18-19. Das ist ein Gebetsanliegen, das Paulus den Ephesern schreibt, und mir geht es hauptsächlich um Vers 19: „Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wisst“ – jetzt kommt eine Aufzählung – „was die Hoffnung seiner Berufung, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen“ – das vergesst ihr gleich wieder, darüber will ich nicht reden – „und was die überschwängliche Größe seiner Kraft an uns, den Glaubenden, ist. Nach der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke“ oder „nach der mächtigen Wirksamkeit seiner Kraft“.
Paulus betet und sagt: Hey, ich möchte immer mal wieder, dass ihr etwas versteht. Ich möchte, dass die Augen eures Herzens erleuchtet werden, dass ihr innen drin, hier oben, etwas versteht. Was versteht? Versteht, welche Kraft, welches Potenzial euch zur Verfügung steht.
Weil die Gefahr ist einfach, dass wir irgendwann anfangen, auf unsere zwei Fische und fünf Brote zu schauen, die zwanzigtausend Leute sehen und sagen: Vielen Dank, das ist mir zu viel. Statt zu sagen: Okay, Herr Jesus, wenn du sagst, zwei Fische und fünf Brote reichen für zwanzigtausend Leute, einverstanden. Aber dann bitte in deiner Kraft. Dann musst du dazutreten, und dann musst du segnen, und dann musst du es brechen und verteilen.
Ich kann vorneweg schon mal dafür sorgen, dass die sich in Fünfzigergruppen lagern. Ich kann schon ein bisschen was vorbereiten. Aber irgendwo musst du hineintreten in mein Leben, und da, wo meine Kraft und meine Möglichkeiten zu Ende sind, dann musst du hineinspringen.
Und die Frage ist, wann wir aufhören, das zu glauben, wann wir aufhören, ein Leben zu leben, das sich auf die Vollmacht Jesu verlässt. Ich bin kein Schwärmer, okay, ich bin keiner, der so Luftschlösser baut, aber das ist ein Text, der mir sagt: Da, wo ich einen klaren Auftrag habe und an meine Grenzen stoße, da darf ich weitergehen und darf sagen, im Vertrauen auf das, was Jesus ist und darstellt, auf seine herrliche Größe, darf ich es wagen, mich an die Aufgaben heranzumachen, die mir eigentlich zu groß sind.
Das ist der erste Tipp: Dieses Nicht mit den Augen hängenbleiben an den eigenen Möglichkeiten, sondern darüber hinaus zu blicken und zu sagen: Da ist unser Auftrag. Und ja, ich bin zu schwach, aber es ist nicht schlimm, dass ich zu schwach bin, weil ich darf verstehen, wer hinter mir steht, mit seiner Kraft.
Und deswegen heißt es beim Missionsbefehl ja auch zuerst: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Das kommt zuerst. Und dann kommt der Missionsbefehl: Geht hin in alle Welt.
Wir müssen erst verstehen, wo die Kraft herkommt, und dann müssen wir begreifen, was unser Auftrag ist. Also, das war der erste Tipp. Es gibt einen zweiten.

Der zweite Weg: Nachfolge, Selbstverleugnung und das Kreuz

Der zweite Tipp: Nächste Begebenheit.
Vers 18: Und es geschah, als er für sich allein betete. Da waren die Jünger bei ihm, und er fragte sie und sprach: Was sagen die Volksmengen, wer ich bin? Die Frage kennen wir schon von Herodes.
Vers 19: Sie aber antworteten und sprachen: Johannes der Täufer; andere aber: Elija; andere aber, dass einer der alten Propheten auferstanden sei. Also sie spekulieren so ein bisschen. Die Volksmengen wissen nicht so genau, wer Jesus ist.
Jetzt hakt Jesus noch einmal nach. Er sprach aber zu ihnen: Ihr aber, was sagt ihr, wer bin ich? Und wir merken: Die Jünger haben nachgedacht. Petrus aber antwortete und sprach: Der Christus Gottes.
Eigentlich eine super Sache, oder? Alle spekulieren so ein bisschen herum, wer könnte Jesus sein, und Petrus bringt es auf den Punkt. Seine Jünger wissen, wer es ist, sie haben den richtigen Griff: Du bist der Messias.
Prompt erschrickt uns der nächste Satz: Der Christus Gottes. Er aber redete ihnen ernstlich zu und gebot ihnen, dies niemand zu sagen. Da denken sie: Jetzt haben sie es endlich gefunden, ja, und jetzt sagt Jesus: Okay, richtig, aber nicht drüber reden.
Warum? Na ja, wenn du das Wort Messias benutzt, heißt das noch nicht, dass du den Begriff richtig füllen kannst. Und das Verständnis hier der Jünger ist halt das typische jüdische Verständnis. Der Messias, das ist mein strahlender Held, der an der Spitze eines jüdischen Heeres, besser noch eines himmlischen Heerscharenheeres, das wäre noch ein bisschen cooler, die Römer aus dem Land treibt. Er sitzt auf einem weißen Pferd, er hat ein Schwert in der Hand, und er ist ein Barbar. Das ist so die Vorstellung vom Messias.
Und Jesus sagt: Das wollen wir gar nicht hören. Es ist ganz anders.
Vers 22: Und er sprach: Der Sohn des Menschen ist ein Messias-Titel, der Sohn des Menschen muss vieles leiden. Nichts von wegen strahlender Held auf Schimmel mit blitzender Rüstung, nein. Der Sohn des Menschen muss vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet und am dritten Tag auferweckt werden.
Kannst du dir das vorstellen? Du bist so ein Petrus-Typ, ja? Und du hast die richtige Antwort, ja? Du strahlst über beide Ohren: Der Messias! Und Jesus sagt: Okay, war richtig, aber psch, ich erkläre es dir. Das, was du für den Messias hältst, das ist der, der leiden und verworfen werden muss, getötet werden muss und am dritten Tag auferstehen muss.
Ich weiß nicht, das ist ein Schlag. Wenn ich Petrus gewesen wäre, ich wäre in dem Moment, ich weiß nicht, das wäre boah. Warum hat Jesus das gesagt? Weil es notwendig war. Weil es wichtig war. Jetzt, wo die Popularität von ihm riesengroß war, wo alle Zeichen auf Anerkennung standen, jetzt schon vorher zu sagen: Mein Leben wird in Leid und Ablehnung und Tod enden. Ich weiß genau, was kommt, damit, wenn es kommt, die Jünger nicht verzagen.
Aber vielleicht denkt ihr euch: Ja, aber wenn das so ist, wenn Jesus das so weiß, dass da in Jerusalem diese ganzen Größen sitzen, die ihn nicht haben wollen, warum nicht jetzt so eine PR-Kampagne starten? Ja, wenn ich das schon weiß, ja, da kommt was, dann starte ich doch jetzt so ein Ding und mache einen auf Popularität und dann mache ich einen auf Freunde und dann mache ich einen auf vorneweg, dass ich dem dann entgehen kann. Warum macht er das nicht?
Und der Punkt ist ein doppelter. Erstens: Wenn Jesus das getan hätte, dann hätte er genau diese politische Bewegung gestartet, der wegen er zu den Jüngern sagt: Redet nicht drüber. Aber es gibt einen zweiten Punkt, und der steckt in diesem kleinen Wörtchen muss. Seht ihr das? Der Sohn des Menschen muss vieles leiden und verworfen werden, und er muss getötet werden und er muss auferweckt werden.
Zutiefst müssen wir begreifen, wie die Strategie Gottes funktioniert, um eine Welt zu retten. Für Gott ist Opposition kein, wie soll ich das sagen, nichts, was ihn stört, was ihn davon abhält, seine Pläne zu erfüllen. Sondern Jesus sagt: Das ist ein notwendiger Bestandteil. Und weil Jesus nicht ohne das Kreuz die Welt retten kann, es geht nicht ohne Kreuz, deshalb gilt, was in Vers 23 und 24 steht. Und deswegen sagt er, dass, wenn du über Nachfolge nachdenkst, dass Nachfolge, und das gilt auch uns nach der Auferstehung, nach Ostern, damit zu tun hat, sich selbst zu verleugnen und sein Kreuz zu tragen.
Vers 23: Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten.
Jesus geht bis an den Punkt, dass er realistisch seinen Jüngern sagt: Du hast Recht, ich bin der Messias, aber der Messias wird sterben und er wird auferstehen. Wenn du mir nachfolgst, merk dir, wie wir langsam die Komfortzone verlassen. Christsein ist cool bis an den Moment, wo Jesus sagt: Bist du bereit, für mich dich selber zu verleugnen? Bist du bereit, dein Kreuz aufzunehmen, was in der damaligen Zeit bedeutete, ein ausgestoßener, ein verurteilter Verbrecher zu sein? Bist du bereit, für mich zu sterben? Was bedeutet dir mehr?
Und die Frage ist wichtig: Was bedeutet dir mehr, deine Loyalität zum Herrn Jesus oder dein Leben, das Leben deiner Familie, dein Besitz, deine Gesundheit, dein Hertha-BSC-Jahresticket? Wir müssen eine Entscheidung treffen. Wie weit bist du bereit zu gehen, wenn die Loyalität gegenüber Jesus auf dem Spiel steht? Das muss nicht jeden Tag sein, aber wie weit bist du bereit zu gehen?
Soll ich dir sagen, wie weit Jesus gehen würde für dich? Ich meine, wir können das ja einfach mal umdrehen. Da heißt es an einer Stelle, und ich muss sie wahrscheinlich nicht mal zitieren, weil ihr werdet sie wahrscheinlich größtenteils auswendig kennen: Aber er machte sich selbst zu nichts und er nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist; und der Gestalt nach wie ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.
Das ist die Liebe Jesu für dich. Er macht sich selbst zu nichts, und er wird gehorsam und geht ins Kreuz. Weißt du, wie der Vater auf so eine Liebe, auf so ein Leben reagiert? Philipper 2,9: Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist.
Das ultimative, das Beste, das Größte, das Wertvollste, das lebenswerteste Leben, das je gelebt worden ist, endete aus Liebe an einem Kreuz. Und deswegen müssen wir uns diese Frage stellen: Wie ist das bei uns? Was lieben wir wirklich? Was wollen wir wirklich erreichen?
Vers 25, Lukas 9: Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, sich selbst aber verlöre oder einbüßte? In der Kinderstunde frage ich ihn: Und was ist die Antwort? Die steht nämlich nicht da. Die Antwort lautet: nichts.
Wenn du die ganze Welt gewinnen würdest, wenn du das bekommen würdest im umfassenden Sinn, was diese Welt zu bieten hat: Anerkennung, Macht, Genuss, einfach das Gegenteil von Selbstverleugnung und Ablehnung und Kreuz; wenn du quasi aus dem Vollen der Welt schöpfen könntest, jeden Abend mit deiner Yacht in einer anderen Bucht liegen, den Sonnenuntergang betrachten, ja, ich weiß nicht was, wenn du einfach so richtig aus dem Vollen schöpfen könntest: Was wird es dir nützen? Die Antwort lautet: nichts.
Warum? Weil du dich selber verloren hast, weil du erleben wirst, wie sich Jesus für dich schämt, weil du am eigentlichen Ziel deiner Existenz voll vorbeigeschrammt bist und weil du ein sinnloses, ein wertloses und letztlich ein ängstliches Leben geführt hast.
Vers 26: Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.
Könnt ihr euch das vorstellen? Jesus kommt wieder in Macht und Herrlichkeit. Und dann begegnet ihm jemand, und Jesus schaut ihn an, und dann läuft ihm vielleicht eine Träne runter. Er schüttelt den Kopf und sagt: Mann, Mann, Mann, Mann, Mann, was hast du aus deinem Leben gemacht? Mann, Mann, Mann, was für ein verschwendetes, sinnloses Stück Leben! Ich schäme mich für dich, ich schäme mich dafür, dich zu kennen, ich schäme mich dafür, dich gemacht zu haben.
Ich weiß nicht, es gibt so Stellen in der Bibel, da weiß man nicht, was ich noch dazu sagen soll.
Mir ging es darum, euch die ersten beiden Tipps vorzustellen, wie Jesus in meinem Leben die Nummer eins bleibt. Der erste Tipp war: Lass dich immer wieder auf wunderbare Weise gebrauchen. Der zweite Tipp war: Führe ein Leben, das durch Nachfolge, durch bewusste Nachfolge, Selbstverleugnung, durch bewusste Hingabe das Leben Jesu imitiert. Lebe dein Leben mit letzter Konsequenz für Jesus. Sei bereit, den Preis zu bezahlen, den es kostet, ein Christ zu sein.
Und Mann, ich kenne diese Gefahr. Und als ich die Predigt vorbereitet habe, Mann, ich habe selber noch mal geschluckt. Es gibt dieses Komfortzonen-Christentum, kennt ihr das ja? Du lebst schon irgendwie dein Christsein, aber es tut nicht mehr weh. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so viel Geld weggegeben habe, dass es mir wehgetan hat, richtig wehgetan. Als Student war das simpel: Ich habe 50 Mark gespendet, und ich wusste, was war es für den Monat. Ja, Ende. Es hat wehgetan, ich war plötzlich ein Stückchen abhängig.
Und jetzt lebt man sein Komfortchristentum, und das Wort Selbstverleugnung steht irgendwo in der Bibel und sein Kreuzaufnehmen auch irgendwo in der Bibel, aber unterm Strich, es ist so weit weg. Und die Gefahr ist, dass in dem Maß, wie diese Worte sich aus unserem Leben verflüchtigen, sich mit den Worten der Herr Jesus verflüchtigt.
Lass mich zum Schluss die zwei Punkte noch einmal sagen:
Erstens: Lass dich immer wieder auf wunderbare Weise gebrauchen. Lerne es, geöffnete Augen für Gottes Kraft zu bekommen, und nimm diese mageren Gaben, die du hast, diese scheinbar mageren Gaben, diese zwei Fische und fünf Brote, die es in deinem Leben gibt, und werde zu einem Kanal göttlichen Segens. Denk ein Stückchen über das hinaus, was du an Träumen und Wünschen hast. Vielleicht musst du zurückdenken an das, was du mal geträumt hast, und da wieder einsteigen. Ihr Jungen, für euch ist es kein Problem, ihr bleibt einfach bei dem, was ihr seid.
Und zweitens: Führe ein Leben, das durch Nachfolge das Leben Jesu imitiert. Jesus hat uns vorgemacht, was das heißt, sein Leben zu verlieren, um es zu finden.

Ein Schlussbild von Hingabe und Anerkennung

Und ich möchte euch zum Abschluss eine Geschichte erzählen, die mich sehr begeistert hat.
Es gibt einen Film mit der schönsten Liebesszene, die ich kenne. Und ihr werdet nicht draufkommen, ich muss es euch verraten: Es ist der Film Rocky I.
Man muss bei dem Film Rocky wissen, dass Sylvester Stallone sowohl das Drehbuch geschrieben hat als auch die Hauptrolle spielt. Er schreibt das Drehbuch zu einem Zeitpunkt, an dem er ein No-Name ist. Er hat dieses Drehbuch fertig und bietet es an. Er ist wirklich pleite. Er hat nicht mehr viel, er sagte das in einem Interview: Er hatte nicht mehr genug Geld, um seinem Hund Futter zu kaufen.
Man bietet ihm 300 Dollar nur für das Skript, und er lehnt ab. Er sagt: Ich will die Hauptrolle. Irgendjemand lässt sich auf diesen Deal ein, und für lächerliche 1,1 Millionen Dollar wird ein Film produziert. Also, das ist Low-Budget.
Der Hund im Film ist der Hund von Stallone, die Freunde im Film sind die Freunde von Stallone. Also ist es wirklich so ein bisschen: Wir holen mal alles zusammen, was geht. Und es wird ein Film produziert.
Dieser Film wird fertig gemacht, und Stallone setzt sich in die erste Vorführung vor den Studiodirektoren in Hollywood mit seiner Mutter. Der Film läuft durch, der Film ist aus, keiner klatscht, alle gehen schweigend raus. Er bleibt mit seiner Mutter alleine zurück. Und er sagt zu ihr sinngemäß: Tja, das war’s.
Und sie verlassen den Kinosaal und müssen da in so ein Treppenhaus rein. Sie gehen runter in die erste Etage, und von der ersten Etage kann man runterblicken und sieht unten die ganzen Direktoren stehen, wie sie hochschauen und anfangen zu applaudieren.
Im Jahr 1976 wird Rocky I der Überraschungserfolg. Er wird für zehn Oscars nominiert, und Bester Film, beste Regie und bester Schnitt sahnt er ab. Es wird der Wendepunkt im Leben von Sylvester Stallone.
Als ich das hörte, dachte ich mir: Das möchte ich. Mir ist völlig egal, wie viel Kraft mich mein Leben kostet, was ich investieren muss. Aber ich möchte, dass ganz am Ende, wenn es wirklich darauf ankommt, der richtige Mann zu meinem Leben sagt: Super, du hast es echt gebracht. Klasse!
Amen!

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