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04.05.2015
Zweite Frage-und-Antwort-Runde auf der E21-Konferenz 2015. Mit Christian Wegert, Michael Martens und Martin Reakes-Williams, moderiert von Kai Soltau.

Einleitung und Rahmen der Gesprächsrunde

Wir haben jetzt die Möglichkeit, all das, was wir an Informationen zu verarbeiten haben, von unseren Rednern, von unseren Auslegern des Titusbriefes noch einmal reflektieren zu lassen, also zu vertiefen, zu erläutern, zu ergänzen.
Ich möchte bitten, dass Christian Wegert, Michael Martens, Martin und Kai nach vorne kommen. Kai wird das Gespräch leiten. Es geht noch einmal darum, das zu vertiefen.
Ja, prima, ihr drei, danke für eure Auslegung von Titus I und II. Das erste Mal, dass wir jetzt bei einer Konferenz fortlaufend einen Text auslegen. Und für mich war das bisher ein großer Segen. Es war faszinierend. Eigentlich geht es bei dieser Konferenz um die Mission, den Auftrag der Gemeinde. Und doch würde man auf den ersten Blick beim Titusbrief jetzt gar nicht unbedingt erwarten, dass er dazu Stellung nimmt. Aber ich denke, in jeder eurer Predigten haben wir auch klare Aspekte und Parallelen irgendwo zu dem Hauptthema der Konferenz gesehen.
Ich denke, es wäre einfach mal gut zu reflektieren: Was haben wir hier jetzt gemacht? Wir haben uns jetzt nicht irgendein Thema vorgenommen in diesen drei Predigten, sondern haben einfach konsequent durch den Text durchgepredigt. Wir nennen das Auslegungspredigt. Und ich würde euch gern dazu einfach mal ein paar Fragen stellen.
Vielleicht erst mal die Frage: Worüber predigt ihr in euren Gemeinden momentan? Was ist in eurer Predigtserie? Michael, erzähl du mal.
Wir haben Anfang dieses Jahres angefangen mit Jakobus, und der geht noch bis ungefähr Juni.
Okay, super. Christian?
Wir haben auch Anfang des Jahres mit dem ersten Buch Mose angefangen, und das geht wahrscheinlich noch ein paar Jahre.
Nein, nein, nein.
Okay, ja?
Wir waren vormittags in Titus. Ich wollte das so ein bisschen als Anlauf für diese Konferenz.
Die Gemeinde kann mir nachher erklären, ob das die verbesserte Version ist oder ob es bergab gegangen ist. Und ich werde in zwei Wochen also kurz über zwei Prediger predigen.
Gut, es wäre sicherlich einfacher, sich einfach irgendwelche Themen rauszusuchen und zu sagen: Gut, über diese Themen predigen wir. Aber erzählt mal: Was ist eure Motivation dahinter? Warum habt ihr euch entschieden, jetzt Jakobus oder 1. Mose oder jetzt Titus zu predigen? Was versprecht ihr euch davon?
Michael?
Ich denke, es ist leichter, wenn man sich nicht jede Woche neu entscheiden muss. Also ich finde es brutal anstrengend, wenn man sagt: Was mache ich jetzt nächste Woche? Oder was mache ich in zwei Wochen? Ich weiß nicht, wie es dir geht. Ich glaube, es ist gefährlich, wenn man sich immer frisch entscheidet. Ich rede jetzt nicht nur von Themenpredigt, sondern davon, jedes Mal einen neuen eigenen Abschnitt zu nehmen. Dann ist man irgendwo versucht, seine Steckenpferde herauszusuchen und das zu vermeiden, was einem selbst schwerfallen würde. Wie Christian gestern das Vergnügen hatte mit dem Text, wo man vielleicht nicht automatisch darauf fliegen würde, wenn man sagt: Jetzt habe ich einen Sonntag, da weiß ich noch nicht, da will ich unbedingt Titus 1,10 folgende predigen. Das wäre jedenfalls nicht meine Idee gewesen. Man vermeidet dann vielleicht etwas, was einem unangenehm ist.
Aber ich glaube, dass Gott seine Bibel so gegeben hat, dass wir eben manchmal an Punkten, wo wir auf den ersten Blick überhaupt nicht merken, was dahintersteckt, auf Dinge kommen, die für uns selbst und dann auch für die Gemeinde einen ganz schön umschmeißen. Mir geht es eigentlich jede Woche so, dass beim ersten Lesen des Textes lange nicht das sichtbar ist, was nachher herauskommt, wenn man tiefer einsteigt.
Und ich finde es auf der anderen Seite auch wieder leichter. Es fällt mir jetzt mit Titus zum Beispiel schwer, wenn man im Jakobus drin ist. Man kann sich mehr Zeit nehmen, denke ich mal, und gründlicher sein, wenn man jetzt die Einleitungsfragen stellt: Wer hat das geschrieben? An wen wurde das geschrieben? Wie ist die Situation? Wenn ich das alles für eine einzelne Predigt jedes Mal wieder in einem anderen Buch neu bedenken muss, dann brauche ich unheimlich viel Zeit dafür. Und das ist viel sinnvoller, finde ich, das auch für längere Sicht zu machen. Dann nähere ich mich jetzt praktisch ein halbes Jahr von diesen Grundsatzarbeiten. Aber wir haben bestimmt ein paar Ergänzungen.
Christian, was ist deine Motivation?
Ja, ähnlich wie Michael gesagt hat. Wir verstehen, glaube ich, die Bibel besser, wenn wir sie im Zusammenhang auch betrachten. Ich glaube, dass auch die Gemeinde profitiert, weil sie versteht, wie die textlichen Zusammenhänge aufeinander aufbauen.
Wir haben es jetzt bei Titus auch gesehen an vielen Stellen, allein dieses Verbindungswort „denn“. Das macht ja viel mehr Sinn, wenn ich am Sonntag vorher gerade die Liste der Qualifikationen für die Ältesten gelesen habe und dann am nächsten Sonntag sage: Guck mal, erinnert ihr euch? Und jetzt kommt, warum soll das so sein? Damit ihr der gesunden Lehre Vorschub leistet und die Irrlehre in Grenzen haltet.
Du nimmst den Zuhörer viel besser mit hinein, weil wir ja auch so gestrickt sind, dass wir im Zusammenhang denken. Wenn ich einen Brief von meiner Freundin damals, meiner heutigen Frau, gekriegt habe, einen Liebesbrief, nicht eine E-Mail, ich weiß nicht, ob ihr jungen Leute kennt, dass man auch Briefe schreiben kann. Natürlich kennt ihr das. Überhaupt schreiben. Du haust ja noch einen drauf.
Wenn ich die denn in meiner Box gesammelt habe, dann habe ich nicht einfach heute einen rausgesucht und lese einen kleinen Absatz, und am nächsten Tag einen nächsten Absatz. Im Zusammenhang wird doch erst deutlich, wie die Liebe ist und wie die Information ist.
Das ist das eine. Das andere war die Frage, warum 1. Mose? Wir machen gerne auch einen Wechsel zwischen dem Alten und Neuen Testament. Wir waren jetzt davor im zweiten Korintherbrief, der auch einige Zeit in Anspruch genommen hat. Und jetzt hatten wir auch das Herz: Gehen wir mal wieder ins Alte Testament.
Okay, vielleicht bevor du die Frage auch beantwortest, Christian, erlaube ich aber die Rückfrage: Du hast gestern dich beschwert, dass jetzt dein Text kein Filetstück sei. Und ich frage mich: Gibt es nicht genug Filetstücke, die viel wichtiger sind, dass die Leute das hören? Und als Zweites stelle ich dir die Frage: Bei so vielen Irrlehren, wäre es nicht viel besser, wirklich jeden Sonntag Texte auszuwählen, wo wir sagen: Mensch, das spricht jetzt genau das Problem an, was eigentlich meine Gemeinde dringend hören muss? Aber warum sagst du dir trotzdem: Nein, ich werde konsequent durch die Bibel durchpredigen, auch wenn ich vielleicht Texte dabei habe, die keine Filetstücke sind?
Ja, also das mit dem Filetstück, das war natürlich humorvoll gemeint. Die ganze Bibel ist ein riesiges Filet. Aber ich wollte an dem Punkt nur deutlich machen, dass es eben Texte gibt, auf die ich aus meiner natürlichen Neigung heraus nicht unbedingt erstrangig zugreifen würde.
Aber, und ich glaube, das ist jetzt wichtig: Wir haben es ja auch gesehen, ich habe es versucht, auch in der Predigt herauszuarbeiten. Natürlich kann ich mich jetzt in diesem Abschnitt festnageln an all diesen Irrlehren und dort stehenbleiben. Dann habe ich also so eine Keulenpredigt. Aber das steht ja auch im Kontext. Und in Kapitel 3, wo wir noch hinkommen zu diesem vermeintlichen Filetstück, da werden wir morgen hören, dass wir aus Gnade gerettet sind und dass es Christus allein ist, der ausreicht.
Und wenn ich das mit hineinbringe und sage: Schau mal, wenn wir jetzt diesen Irrlehrern folgen, dann schaden wir dieser wirklichen Botschaft, dann kommt diese wirkliche Botschaft, diese erbauende Botschaft ja doch auch in meiner Predigt vor. Ich baue diesen Kontrast auf, ohne dass ich den Text verzerre. Aber das fördert Glauben, und auf einmal wird den Zuhörern klar: Mensch, das ist so kostbar, was wir in Christus haben. Deswegen müssen wir diesen Text ernst nehmen, um diese kostbare Botschaft zu bewahren. Und da kommt Erbauung rein.
Okay, sehr gut, danke. Darauf wollte ich eigentlich hinaus. Sehr schön.
Martin, danke für die Predigt. Was ist deine Motivation? Was versprichst du dir davon, konsequent durch den Text durchzubredigen?
Also eigentlich das, was angesprochen wurde: Ich kann nicht vermeiden, wo das schwierig ist. Und oft sind es gerade die Punkte, die ich schwierig finde oder nicht glauben will, oder wo ich noch nicht so richtig verstanden habe. Eigentlich lerne ich beim weiten Bohren sehr viel.
Manchmal kommt so ein Abschnitt in meiner stillen Zeit, und ich verstehe das nicht richtig. Und dann setze ich das manchmal irgendwann als alleinstehende Predigt auf das Predigtprogramm, damit ich mich mehr damit beschäftige, weil das herausfordert.
Ich denke, vielleicht noch ergänzend, warum diese fortlaufende Predigt hilfreich ist: Wir wollen christlich-biblisch denken. Und ich denke, das ist die Art und Weise zu predigen, sich mit dem Wort auseinanderzusetzen, die am besten geeignet ist, das Denken zu prägen, weil wir Gottes Gedanken nach ihm denken.
Er hat uns nicht einzelne Texte zu bestimmten Themen gegeben. Er hat uns Bücher gegeben, Geschichten, prophetische Bücher und alles Mögliche, alles unterschiedlich. Und wenn wir uns damit auseinandersetzen, glaube ich, werden wir geformt in unserem Verstand und hoffentlich dadurch geleitet.
Und vielleicht als Fußnote noch ein Punkt zur Themenpredigt: Ich mache das ab und zu, weil ich finde, es ist manchmal wichtig, dass man sieht, wie ein bestimmtes Thema irgendwie durch die ganze Bibel geht. Aber wenn ich das mache, sage ich manchmal am Anfang: Heute sind wir bei einem Thema, und mein Text ist die ganze Bibel. Und deswegen müsst ihr besonders aufmerksam sein und sagen, wenn ich die Betonung falsch habe. Weil es natürlich leichter ist, dass man irgendetwas über- oder unterbetont.
Aber dass wir versuchen, ein bisschen systematisch zu sehen, was die ganze Bibel sagt, verstehe ich immer noch gewissermaßen als Auslegung. Und das ergänzend dazu, dass es vielleicht alle sechs Wochen zu einer normalen, was heißt staple diet, also normalen Mahlzeit, ja, ich glaube.
Ich möchte noch ergänzen: Einerseits ist es so, dass wir, wenn wir zum Beispiel jetzt durch den Jakobus gehen, trotzdem Karfreitag und Ostern durchaus andere Texte nehmen. Also das nicht einfach stumpf durchmachen. Manchmal versucht man das so zu planen. Ich habe mal durchs Alte Testament gepredigt. Dann war ich beim Auszug, also beim Passa, beim Ersten. Dann am Karfreitag und habe das versucht so zu timen. Das waren dann Stippvisiten im Alten Testament, einfach in einem Jahr durchs Alte Testament, dann Schlüsseltexte.
Das andere ist, was er eben sagte: Wenn du sagst, du predigst die ganze Bibel als Text, meine ich, du nimmst die ganze Bibel als Textgrundlage. Das ist ja das Schwierige einer Themenpredigt, dass wir uns nicht nur einen Text nehmen oder irgendetwas nehmen, ein Thema raussuchen und dann das, was wir dazu denken oder was wir in dem guten Buch letzte Woche gelesen haben, dann dazu sagen, sondern dass wir dann eigentlich, jetzt lehnen wir uns aus dem Fenster, die Verpflichtung haben, die ganze Bibel studiert zu haben für dieses Thema.
Und darum ist eine Themenpredigt eine brutale Aufgabe. Wir machen das, aber es ist eine Riesenherausforderung. Je intensiver oder je breiter ein Thema ist, desto schwieriger ist es, das zu tun. Manchmal ist es aber, glaube ich, gut, dass man das eben zusammenfasst. Ein Beispiel: Wir hatten letzten Herbst eine Reihe über Vergebung, das waren sechs Sonntage, wo wir das gemacht haben. Aber es war unheimlich intensive Vorbereitung, um das zu studieren. Und das mal eben so in der Woche, also da: Respekt, wer das schafft, wenn man es ordentlich machen möchte.
Danke, ja. Ich denke, bei Martin, deiner Predigt eben, bist du an einige Sätze gestoßen, wo du selbst sagen musstest: Ja, das ist jetzt nicht eine allgemeine, sondern eher eine spezifische Anweisung. Aber ich denke, es war sehr schön in deiner Predigt, wie man doch gesehen hat, obwohl da vielleicht jetzt einige Worte sind, die wirklich auf Leute aus Kreta zutreffen, Weiber, die dem Trunk ergeben sind oder was auch immer, doch gesehen haben, dass das nützlich für uns ist.
Und das ist ja letztendlich, was uns antreibt: dass selbst die Texte, wo wir auf den ersten Blick sagen, das weiß ich jetzt nicht, wie nützlich ist, wir forschen sie aus und sehen trotzdem, wie relevant das ist.
Und ich hätte euch vielleicht auch diese Frage vorbereiten sollen, aber habt ihr aus der Vergangenheit irgendwelche anderen Beispiele, wo ihr vielleicht in der Predigtvorbereitung auf den ersten Blick gesagt habt: Mensch, was hat das jetzt? Wenn Paulus zum Beispiel sagt: Ja, bring den Mantel und die Schriftrolle, und du sollst darüber predigen. Habt ihr da irgendwelche, ich muss jetzt nicht beantworten, habt ihr da irgendwelche Beispiele?
Na gut, dir ist es heute Morgen sehr gut gelungen, Martin, vielen Dank.
Ich wüsste jetzt nicht von dem konkreten Text, aber es gibt immer wieder, und das meinte ich eben auch, glaube ich, schon mal, Momente in einer Predigtvorbereitung, wo du in einem Text etwas entdeckst, wo du nie darauf gekommen wärst, dass das relevant ist, so intensiv relevant ist.
Also mir ging es zum Beispiel bei Titus so mit dem Gedanken des Knechtes. Ich wäre nie draufgekommen, außer durch das Reinarbeiten, welche Gewichtung das jedenfalls für den ganzen Text hat und welche Bedeutung das für mich hatte und wie mich das herausfordert, selbst das zu leben, der Zusammenhang mit dem Rest.
Wir sind, wie gesagt, im ersten Mose, und da war jetzt der Stammbaum von Seth.
Ja, das ist sehr gut. Und da sagst du dann auch: Ja, was jetzt? Springst du rüber? Nee, das...
Das würde ja das Signal senden: Liebe Gemeinde, alles ist wichtig, aber das ist nicht so wichtig. Da muss man natürlich aufpassen, wenn man da jetzt beigeht und jetzt jeden Vers auslegt, dann verlierst du die Leute. Da müssen wir aufpassen, glaube ich, bei Auslegungspredigten, dass wir nicht zu Vorlesungen tendieren, dass wir nicht theologisch da jetzt zu abstrakt rangehen, sondern herauskristallisieren, was heißt das jetzt.
Und dann kommt dann da das Muster: Er starb, er starb, er starb und er starb. Das ist die Auswirkung der Sünde. Und dann kommt Henoch, und er wandelte mit Gott. Und dann gehst du zu Hebräer, wo wir erklärt bekommen, dass nur durch den Glauben Gott genügt. Und dann leben wir. Und dann haben wir dann auch über diesen Stammbaum gesprochen.
Sehr gut, ich denke, dass es eben im größeren Kontext des Buchs gelesen wird, bringt dann doch wirklich eine Relevanz für jeden Text.
Ich weiß es nicht so, ob das in euren Gemeinden immer so gewesen ist, dass ihr Auslegungspredigten gepredigt habt. Christian, vielleicht bei dir, eure Gemeinde hat vielleicht eine lange, lange Geschichte, die du auch schon miterlebt hast. Habt ihr schon immer Auslegungspredigten hier gepredigt?
Nein. Und seitdem ihr das jetzt darauf hinaus habt, habt ihr da irgendwelche Früchte gesehen, die euch vielleicht überrascht haben? Was letztendlich ist die Frucht von diesem konsequenten Sagen: Gut, wir predigen durch die ganze Bibel?
Also die Frucht ist, denke ich einmal, dass die Gemeinde fester wird im Wort. Und was wir erleben, ist: Wenn wir das Wort Gottes ernst nehmen und es auch dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir es eben auch in den Mittelpunkt am Sonntagmorgen stellen, dann führt das dazu, dass die Menschen kommen. Das ist, wenn du eine Gemeindewachstumsstrategie suchst für deine Gemeinde, dann empfehle ich dir: Nimm die Bibel und predige. Und das ist es, was wir erleben. Also das kann ich wirklich durch Gottes Gnade sagen: Das ist es, was wir in den letzten Jahren erlebt haben.
Sehr schön. Michael, würdest du noch andere Früchte sehen von dem Konsequenten?
Vielleicht ein bisschen hat, dann merkt man vielleicht einen Unterschied. Ich habe es so gelernt und habe versucht, es so zu machen, und habe andere kennengelernt, die für mich ein Vorbild waren. Und darum war ich überzeugt, das so zu machen.
Aber du kannst ja die Wirkung dessen, was in der Gemeinde passiert, was Gottes Gnade so möglich macht, nicht unbedingt zuordnen zu dem oder dem. Da wäre ich vorsichtig. Was mir ein Anliegen ist, ist sicherlich, dass wir während der Predigt am Text nachvollziehen, ob jetzt in der Bibel mitgelesen oder am Beamer gezeigt, dass man der Gemeinde deutlich macht, wie man vom Text zu dem kommt, was man sagt.
Also dass hoffentlich das Grundvertrauen da ist, dass der Prediger auch etwas sagt, was biblisch ist, aber man gleichzeitig auch belegt, dass man etwas Biblisches sagt und das nicht aus der Luft holt. Ich hoffe, dass es eine Mentalität ist, dass wir uns an die Schrift binden und dass auch deutlich wird durch die Predigt, dass wir nicht einfach etwas in die Luft hängen und sagen: Das sagt der Herr, sondern von der Bibel zeigen: Hier steht es. So kommen wir zu dem Schluss. Und das hoffentlich auch prägend ist für das eigene Bibellesen und für das Argumentieren, auch wo es unterschiedliche Herkünfte und Gedanken und Meinungen gibt, dass das ein Stil wird, wie wir die Wahrheit suchen und uns an Christus binden.
Ich sehe unseren freundlichen Moderatorchef da unten. Gut, zwei Minuten.
Ach so, war nur eine Vorordnung, sorry.
Würdest du sagen, dass das Bibellesen der Geschwister dadurch gestärkt wird, dass sie lernen, auch selbst, indem sie Sonntag für Sonntag wirklich konsequent, wie arbeitet sich der predigerische Text, dass sich das auch auswirkt darauf, wie persönlich die Bibel gelesen werden kann oder wird?
Das habe ich noch nicht persönlich gefragt, da gucken ein paar rüber. Ich weiß nicht, ob ich das sagen würde, die in unserer Gemeinde sind.
Also es ist jedenfalls das Anliegen, und ich glaube, es ist die Motivation dazu, wenn man an dem Text, was wir auch eben gesagt haben, etwas entdeckt, was ich nicht auf den ersten Blick sehe, und dann sich reingräbt miteinander am Sonntagmorgen in den Text und dann etwas deutlich wird, dass man sagt: Oh, da steckt ja viel mehr drin, als ich vorher dachte. Hoffentlich passiert das öfter.
Die Motivation ist, das selbst zu tun und eben nicht zufrieden zu sein mit einem schnellen: Ich lese mal rüber, dann habe ich es abgehakt, mein Kreuzchen gemacht, noch kurz gebetet und das war es. Oder eben nur mal schnell, wie wir es eben hatten, Losung hin oder her, mal eben schnell den Losungsvers alleine lesen und das war es dann.
Und eben, dass ermutigt wird, das fortlaufende Lesen und das nach dem tieferen Suchen, was der Herr da verborgen hat.
Nötige Geduld also für Prediger, Pastoren: Das ist eine Art und Weise, mit dem Wort umzugehen, die Zeit braucht. Ich meine nicht nur in der Vorbereitung, ich meine, die Wirkung sieht man nicht jede Woche. Oft ist es sehr lange, dass das Wort im Leben von jemandem wirkt. Und ich erlebe sehr oft Monday-morning-blues, wo ich denke: „Nein, das war keine gute Predigt, ich habe meinen Dienst nicht besonders gut gemacht“, und er sendet sich nicht seiner Gemeinde. Also schlimm ist es normalerweise nicht, aber in die Richtung, und man denkt: Kommt es überhaupt an?
Aber man muss Vertrauen haben, Gott tut sein Werk. Und ich finde es ab und zu, wenn ich ein bisschen entmutigt bin, der Herr ist ganz lieb zu mir und er lässt mich kurz hinter den Vorhang schauen, was er gerade im Leben von jemandem tut. Und das ermutigt mich, weiterzumachen. Aber Geduld brauchen wir.
Sehr gut. Ja, danke euch. Ich denke, das ist der Unterschied zwischen einem Automechaniker, einem Gärtner und einem Ingenieur. Der kann abends nach Hause gehen und kann sagen: Das habe ich heute geleistet. Aber ich denke, für uns als Prediger leben wir im Glauben, dass wir Gottes Wort treu verkündigen, und wir können abends nicht unbedingt etwas vorweisen. Aber wir vertrauen, dass Gott sein Wort treu gebraucht hat, um Leben zu verändern.
Und ja, euch dabei weiter Gottes Segen, danke für euren Dienst am Titusbrief.