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Folge deinem Herzen!

Why not?! Glaubensfragen
02.08.2026
SerieTeil 35 / 35Why not?! Glaubensfragen
Gefühl ist kein sicherer Kompass. Die Frage ist: Triffst du die wichtigsten Entscheidungen aus Stimmung – oder aus dem, was wirklich trägt, auch wenn es weh tut?

Ein Gespräch über Glauben, Gefühl und Entscheidung

Why not Glaubensfragen, der YouTube-Kanal des Why-not-Teams. Knifflige Fragen einfach erklärt, dialogisch und durchdacht.
Und, freust du dich schon auf deine Taufe?
Ja, ist irgendwie noch ein komischer Gedanke, aber es ist einfach dran.
Das denke ich auch.
Du hast da leicht reden. Was meinst du damit?
Na, du kommst aus deiner christlichen Familie, da ist das mit dem Glauben, der Taufe oder mit Kirche allgemein irgendwie klar. Bei mir ist das einfach anders.
Aber du hast doch ein gutes Verhältnis zu deiner Mutter.
Das ist es nicht. Ja, ich kann gut mit meiner Mom, und ich komme auch gut mit Mario aus.
Das war ihr Freund?
Ja. Was ich mich frage, ist: Wie kann ich meiner Mutter verklickern, dass die Sache mit Gott nicht nur ein momentanes Gefühl ist? Sie würde sagen: Folge deinem Herzen. Ist halt der einzige Maßstab, der übrig geblieben ist.
Das wird mir auch im Philosophiekurs immer deutlicher klar. Wenn Tradition, Gott und Wissenschaft wegfallen, wenn man dem eigenen Denken misstraut: Willkommen in der Postmoderne!
Genau. Wenn das alles wegfällt, dann braucht man trotzdem etwas, woran man Wahrheit festmachen kann, um Entscheidungen zu fällen. Und was bleibt, ist das Gefühl.

Ein Beispiel für die Tücken des Bauchgefühls

Erinnerst du dich an den Typen, der letzte Woche hier war? Den mit den Tattoos? Genau den. Ich habe mich nach der Predigt noch mit ihm unterhalten, weil er auch Saxophon spielt. Er hat mir dann ein altes Tattoo gezeigt, das er sich in Thailand hat machen lassen: ein kleines rosa Schweinchen mit blauen Flügeln.
Ich habe es mir angeschaut. Unglaublich hässlich, und auch handwerklich nicht besonders gut.
Ich weiß, was du meinst. Ich habe mir mal unter „regrettable tattoos“ Bilder auf Google angeschaut. Super schräg, was sich Leute antun.
Und er fand sein Tattoo selbst auch übel. Warum hat er es sich dann machen lassen? Er hatte ein gutes Gefühl. Folge deinem Herzen, zu kleinen Schweinchen mit blauen Flügeln. Ja, ganz genau.
Aber so denkt meine Familie über meinen Glauben, dass ich irgendwie nur meinem Gefühl folge.
Tust du nicht, glaub mir.
Weiß ich ja. Ich würde so eine Entscheidung wie eine Bekehrung nie auf ein Gefühl aufbauen.

Gefühle, Wahrnehmung und die Frage nach Wahrheit

Spielten Gefühle bei deiner Bekehrung gar keine Rolle? Das würde ich so nicht sagen. Gefühle sind etwas Gutes, von Gott gegeben. Sie können uns mit einer Realität konfrontieren, die gar nicht in unser Weltbild passt.
Wie viele Atheisten schauen sich im Urlaub die Sterne an und fragen sich, wo plötzlich dieses Gefühl der Ehrfurcht vor etwas Höherem herkommt. War das bei dir so?
Ja, ein bisschen schon. Und warum nur ein bisschen? Na, weil Gefühle zwar real, aber nicht automatisch wahr sind. Ein bisschen entscheiden wir uns doch dafür, was wir fühlen wollen.
Ich weiß, was du meinst. Mein Vater hat mir das mal als kleines Mädchen erklärt. Er meinte damals, dass man fühlt, was man denkt. Und ich erinnere mich noch an sein Beispiel.
Wir saßen gerade im Auto und wollten einen Koffer zur Reparatur bringen, der im Urlaub kaputtgegangen war. Und mein Vater meinte dann: Stell dir vor, an der nächsten Kreuzung nimmt uns jemand die Vorfahrt und fährt uns rein. Was würde ich dann fühlen?
Also meinte ich: Du bist dann bestimmt wütend. Er meinte nur, das ist eine Möglichkeit. Aber es kommt darauf an, wie ich die Situation beurteile. Ich kann mich entweder darüber ärgern, dass mir jemand reingefahren ist, oder ich kann mich darüber freuen, dass kein Mensch verletzt wurde.
Und als er das sagte, hat es bei mir echt Klick gemacht. Genau das meinte ich. Und deshalb finde ich es so schräg, wenn Leute behaupten, dass sie ihre Gefühle nicht kontrollieren können. Natürlich können sie das, sie müssen nur anfangen, ihr Denken zu ändern.
Und ich finde es schräg, wenn man wichtige Lebensentscheidungen von seinen Gefühlen abhängig macht. Ich bin manchmal einfach nur deshalb schräg drauf, weil ich zu wenig Schlaf hatte. Zu lange mit Carlotta gechattet? Könnte sein.
Bei mir reicht es oft schon, wenn ich zu wenig esse und völlig unterzuckert nach Hause komme. Dann darf niemand mich ansprechen, bis ich ein Glas Saft oder einen Joghurt hatte.

Warum der Glaube nicht auf Stimmung gebaut ist

Aber verstehst du jetzt, warum ich meine Bekehrung nicht auf ein Gefühl aufbaue? Ich finde Gott toll, ich bin von Jesus begeistert, das ist alles nicht die Frage. Aber wenn jemand mit der Floskel kommt: Folge deinem Herzen, sorry, nein. Und weißt du was? Ich würde mich sogar bekehren, wenn es sich schlecht anfühlen würde.
Hä, was meinst du damit? Das ist vielleicht ein komischer Gedanke, aber heute denken viele Leute, dass ein schlechtes Gefühl irgendwie schädlich ist. Und ich frage mich, ob ein schlechtes Gefühl nicht einfach wahr sein kann. Ich meine, Jesus sagt doch: In der Welt habt ihr Angst. Klingt irgendwie nicht danach, dass Christen nie ein schlechtes Gefühl hätten, oder? Klingt eher danach, als würden schlechte Gefühle zum Christsein dazugehören.
Okay. Und trotzdem wollen viele Christen immer nur gute Gefühle. Ich merke das gerade beim Thema Lobpreis. Oft ist die Musik nur darauf ausgelegt, Gefühle zu pushen. Fast ein bisschen wie in einem Club. Ich weiß nicht, ob das gut ist. Vor allem, weil es immer nur die guten Gefühle sind, die bedient werden.
Aber warum ist das schlecht? Es ist nicht schlecht, es ist nur nicht wahr. Wenn Jesus sagt, dass wir unser Leben verlieren müssen, dass wir verfolgt werden oder dass man uns hassen wird, dann macht er damit klar, dass Christsein mit schlechten Gefühlen verbunden ist. Und ich habe den Eindruck, dass wir das nicht zugeben.
Du meinst, die Welt betet Gefühle an, will immer nur hip drauf sein, und wir als Christen tun das auch? Ja, es ist schon etwas von Götzendienst, wenn Christen sich Lobpreis geben, um gut drauf zu sein. Aber du hörst doch auch viel Musik. Na, die Menge ist nicht der Punkt. Es geht mir darum, warum man Musik hört. Und wenn jemand niedergeschlagen ist, weil es einem schlecht geht, dann ist Musik nicht dran. Dann braucht man Trost, und den gibt es im Gebet.

Trost, Trauer und ein neuer Blick auf Musik

Du wirkst so, als wüsstest du, wovon du redest. Oh ja, was meinst du, als meine Eltern sich trennten, was ich da gemacht habe? Ich habe mich in meinem Zimmer eingeschlossen und stundenlang Saxophon gespielt, nur um nicht nachzudenken. Aber die Trauer ging nicht weg? Ganz genau. Die Trauer war kurz weg, kam aber immer wieder. Die Trauer ging erst weg, als ich anfing zu beten. Trost, das ist, was man braucht. Und es ist ganz stark diese Erfahrung, die mich dazu gebracht hat, die Sache mit Jesus ernster zu nehmen.
Wow, coole Sache. Ich finde, wir sollten über das Thema Musik noch einmal mehr nachdenken. Es gibt da eine Studie mit dem Titel „Generation Lobpreis“. Ich kann sie ja mal besorgen. Aber weißt du was, lass uns mal Jonas fragen, vielleicht hat er noch mehr Ideen. Ja, das machen wir, er steht dort drüben. Und Carlotta neben ihm.
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